Wow. Manchmal müssen wir uns noch kneifen. Wirklich wahr, wir sind im Pazifik. 😊
Die Webcams der Kanalbehörde haben so ihre Tücken, als ich es probiert habe, funktionierten sie scheinbar nicht und das haben mir auch andere so gespiegelt. Aber mein Kollege Christopher aus Hamburg hat’s irgendwie geschafft und uns ein Bild der Flora in der zweiten Schleusenkammer der Gatun-Schleusentreppe geschickt, ganz lieben Dank dafür!
Erstmal nur eine Nacht ankern wir an der Punta Calebra vor Isla Flamenco am Ausgang des Panamakanals. Dann fahren wir hinüber zu einer der vorgelagerten Inseln. Nicht zu den Las Perlas, das wäre mit gut 30 sm bei der herrschenden Windstille zu weit und ohnehin wollen wir mit unserem Besuch ja auch noch Panama Stadt anschauen. Aber einmal quer durch die vielen auf Reede wartenden Schiffe bis zur nur sieben Meilen entfernten Insel Taboga, das geht schon.
Hier lassen wir es gemütlich angehen, baden im deutlich kühleren (aber immer noch 23 Grad warmen) Pazifikwasser, laufen durch den kleinen bunten Ort. Am Wochenende sind die Sandstrände hier sehr beliebt, vor allem die schmale Landzunge hinüber zum vorgelagerten Inselchen Morro de Taboga, Ausflügler kommen von Panama Stadt mit der Fähre oder ihren Booten herüber, Jet Skis und andere Lärmspielzeuge sollen für ordentlich Alarm sorgen. Jetzt unter der Woche spürt man davon nichts, es wirkt angenehm verschlafen, obwohl wir am Horizont die Hochhaus-Skyline von Panama Stadt sehen.
Wir bleiben noch eine Nacht länger, backen Brot, kochen lecker, faulenzen in der Hängematte. Wandern auf den Cerro de Cruz, ganz schön anstrengend zwar, aber wir werden mit einem tollen Blick über den Ort, die Bucht, die Reede und eben hinüber zur Festlandsküste belohnt.
Und dieser Blick zeigt dann tatsächlich ein ganz anderes Bild von Panama, als wir es uns bisher etwa in Bocas del Toro oder den San Blas gemacht haben.
Für Abwechslung ist in Shelter Bay gesorgt. Nach zuletzt so vielen schönen sonnigen Tagen beginnt erst mal Schauerwetter und damit (bei den Temperaturen hier auch nachts) das beliebte Spiel “Fenster auf / Fenster zu”. Der Mittwoch ist dann total verregnet.
Dafür bietet allerdings das SPSN in der Lounge der Marina eine Info-Veranstaltung an. Die Abkürzung steht für South Pacific Sailing Network, Stephanie und Andy bringen eine sehr informative und kurzweilige (aber lange dauernde) Präsentation über die Inseln von den Marquesas bis Neuseeland.
Und wir treffen uns einige Male mit Cris und Ruedi von der schweizerischen “Pasito”, schnacken oder spielen.
(Mexican Train Domino)
Oder von Bord der Pasito aus das Krokodil im Hafenbecken beobachten. Hm, Schnorchelnd das Unterwasserschiff reinigen fällt für uns hier wohl aus. Ruedi hat sich davon allerdings nicht beirren lassen.
Heute aber ist es wieder richtig sonnig, wir schnüren die Wanderschuhe und bewegen mal wieder die Beine. Direkt an der Marina beginnt der Urwald, oft hören wir die Brüllaffen. Also wollen wir mal versuchen, ob wir sie auch zu sehen bekomme.
Bis zur ehemaligen amerikanischen Armeeanlage “Battery Stanley” ist der Weg gut, danach allerdings führt nur noch ein Pfad weiter.
Direkt hinter der Battery Stanley sehen wir tatsächlich die erste Affenfamilie. Allerdings sind es keine Brüllaffen, sonder Panama-Kapuziner-Affen, die hier durch die Bäume toben und uns mit herunterfallenden abgebrochenen Ästen auf sich aufmerksam machen.
Einmal mehr ist der weitere Pfad anfangs gut zu erkennen, diesmal bis wir zum ersten Mal das Meer erreichen. Ein kleiner steiniger Strand, ok. Aber nachher lockt schließlich eine größere Bucht mit Sandstrand, Badesachen haben wir dabei, also weiter. Allerdings wird es jetzt kniffliger, aber wir sind ja schon ganz gut geübt. Der Trampelpfad führt jetzt zumeist am Hochwasser-Spülsaum des Meeres entlang. Hört sich einfach an, ist es aber nicht, wenn Mangroven vorgelagert sind. Diese Salzwasser vertragenden Pflanzen verlagern den Spülsaum nämlich so, dass wir die Küste nicht mehr sehen, aber über die Wurzeln der Mangroven klettern müssen und trotzdem immer mal wieder durch knöcheltiefes Matschwasser waten. Da sind wir allerdings schon so weit, dass Umkehren auch keine Option ist.
Und noch eine weitere unschöne Erscheinung verbirgt sich im Wort Spülsaum, die wörtliche nämlich. Hier, mitten im Mangovenwald, findet sich eben auch ein breiter Streifen angeschwemmter Plastikflaschen, Flipflops, Ölkanister, Netzbojen und eben alles, was leider so an Plastikabfällen im Meer schwimmt. Grrr.
Als wir endlich den Sandstrand erreichen, lädt dieser nicht eben zum Baden ein. Diesmal ist es nicht angeschwemmter Plastikmüll. Der ist vermutlich auch da, wird aber vollständig überdeckt durch den sich derzeit in der Bucht sammelnden Sargassum-Seetang. Ein dicker Wall bedeckt den Strand, davor schwappt es braun in den Wogen hin und her.
Das war wohl nichts. Immerhin führt der Rückweg größtenteils über leicht begehbare Straße (wenn man von dem Teil absieht, auf dem wir eine völlig überwucherte Querstraße bis hin zu einem mit Kette verriegelten Tor gehen und wieder zurück müssen).
Aber hey, die Belohnungen für die Matschwanderung kommen schon noch. Und was für welche:
Als erstes erspäht Wiebke in den Bäumen einen dunklen Fleck im Gegenlicht. Ein Faultier? Nein, aber fast noch besser, ein naher Verwandter davon, den wir bisher noch nie gesehen haben. Ein Ameisenbär! Nicht blau wie Elise bei Paulchen Panther, auch nicht so tapsig, aber unververkennbar mit seiner langen Röhrenschnauze, dem vergleichsweise kleinen Mund und den runden Ohren.
Und dem langen Schwanz, den er zum Greifen verwendet und hier zur Sicherung um den dickeren Ast geschwungen hat:
Nicht ohne Grund, denn während wir ihn beobachten, knackt einer der dünnen Äste weg, aber davon lässt er sich nicht beeindrucken und futtert unbeirrt weiter die Ameisen oder Termiten auf dem Ast.
Als wir irgendwann doch weitergehen, sehen wir nur kurze Zeit später auch die erhofften Brüllaffen. Allerdings sind sie gerade ganz still, ist vielleicht besser für unsere Ohren.
Und auch das ist noch nicht das Ende. Unten auf dem Waldboden läuft ein Nasenbär. Anders als der Ameisenbär ist er nicht mit dem Faultier, sondern eher mit Mardern verwandt, aber auch er hat einen deutlichen “Gesichtserker”.
Und so kommen wir nach der Wanderung zwar sehr matschig, aber eben auch SEHR GLÜCKLICH wieder in der Shelter Bay an. Erstmal duschen und baden. Da war ja noch das Krokodil? Dann eben Pool.
Egal ob Ankerfeld- oder Marina-Lieger, die Community umfasst offenbar beides. Und so werden wir gleich zum gemeinsamen Boccia-Spielen am Nachmittag (mit anschließender Happy Hour in der Beach Bar) eingeladen, als wir bei der „Sava“ von Mel und Brian kurz hallo sagen. Wie wir sind sie ebenfalls ziemlich aktiv auf Noforeignland, ein paar Mal haben wir sie schon knapp verpasst, hier in Bastimentos passt es endlich. Ihren Blog (www.MelOnTheGo.com) verfolgen wir ebenso wie sie unseren Blog, schön, sie endlich mal live zu treffen.
Von Mel bekommen wir auch gleich den Tip, in welchem Baum wir mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Faultier finden. Tatsächlich ist es wieder da – und diesmal nicht allein. Eins weiter unten am Baum, gaaaanz langsam im Aufstieg begriffen. Wahrscheinlich hat es gerade sein Geschäft gemacht, einmal pro Woche kommen die Faultiere dafür auf den Boden herunter. Ein zweites Dreizehenfaultier mit einem Jungen auf dem Rücken ganz versteckt weiter oben im gleichen Baum, für uns nur sichtbar als ein Fellknäuel mit mehr Armen, als zu einem einzelnen Faultier gehören. Die Gesichter sind leider verdeckt. Dafür zeigt sich aber das untere Perezoso (so der hiesige spanische Name) ausnahmsweise perfekt in der Sonne.
Wiebke und ich wollen vor dem Boccia-Treffen noch einen kleinen Hike machen. Am Ende des Red-Frog-Beach schlängelt sich nämlich ein Pfad sehr küstennah durch den Wald hinüber zum nächsten Strand. Er ist nicht ganz einfach zu finden, andere Segler waren nur bis zu einem Sumpf gekommen und dort umgekehrt. Aber jetzt, nach einigen trockenen Tagen, kommen wir durch und können sogar einen Blick auf den nächsten Strand erhaschen. Dann aber kehren wir um, noch ein Bad in dieser ziemlich leeren Ecke des Red-Frog-Beach und wir kommen gerade noch rechtzeitig zum Boccia an.
Am nächsten Tag verlegen wir die Flora vor den kleinen „Hauptort“ von Bastimento. Das gibt uns die Gelegenheit für einen weiteren Hike hinüber zur Nordseite, diesmal zum Wizard Beach. Wiebkes Wander-App „Komoot“ weist verschiedene Wege dahin aus, wir entscheiden uns für den Weg über den höchsten Punkt der Insel. Sind nur 73 m, das sollte nicht so schwer sein.
So kann man sich irren! Dabei verläuft der erste Teil des Anstiegs sogar noch durch das Dorf, also auf Wegen. Danach geht es auf einem Pfad weiter durch den Wald, ab und zu mal eine Hütte, Bananenplantagen, es bleibt bis hier hin einfach. Der Weg teilt sich, ein Wegweiser möchte uns nach rechts zu Strand schicken. Aber geradeaus geht es auch, auf dem Kamm des Bergrückens. Das ist der Weg, den wir uns ausgesucht haben, denn er beinhaltet sowohl den Gipfel als auch die Nordspitze der Insel und führt mit diesem Umweg am Ende auch zum Wizard Beach. Weiter, jetzt ein bisschen bergauf und bergab, wird der Weg immer schwerer zu erkennen, er ist offenbar nicht mehr oft benutzt. Einzelne kleine Felder mit Bananenstauden wirken unbewirtschaftet, der Wald wird dichter. Dafür springen um so mehr Frösche um unsere Füße. Hatten wir zuvor (auch bei dem Hike gestern) immer hohe spitze Schreie ausgestoßen, wenn wir endlich einen der kleinen roten Pfeilgiftfrösche zu sehen bekamen, müssen wir jetzt zunehmend aufpassen, nicht auf sie drauf zu treten.
Hört sich übertrieben an? Ist es nur hinsichtlich der Schreie!
Die Frösche sind wirklich überall. Und jetzt, wo wir darauf achten, sehen wir auch diverse andere ebenso kleine Frösche.
Wobei die gelb-grüne Variante mit den dunklen Punkten tatsächlich eine andere Farbvariation des „Erdbeerfröschchens“ ist. Als ich das nachlese, erfahre ich auch, dass die Pfeilgiftfrösche ihr Gift über die Haut abgeben, die Pfeile werden deshalb nur über den Rücken der Tiere gestreift. Ein Geburtstagstelefonat mit Uwe in Hamburg ergibt zudem, dass die kleine Frösche im letzten Tatort eine Rolle gespielt haben, nette Parallele. Das Gift produzieren die Frösche übrigens nicht selbst, sondern reichern es aus ihrer Hauptnahrung (nämlich Schuppenameisen) an und scheiden es dann eben über Drüsen wieder aus.
Als wir weiter wandern, bilden an lichten Stellen von die Luftwurzeln richtige Vorhänge. Aber die weniger dicht bewachsenen Stellen werden seltener, immer öfter verliert sich der Weg durch den Urwald mehr und mehr im Dickicht. Die Kontrolle auf dem Handy aber sagt: wir sind immer noch richtig.
Inzwischen rutschen wir die Steigungen mehr oder weniger rauf und runter. Und ich habe ein Stöckchen in der Hand, mit dem ich uns den Weg zum Wizard Beach freizaubere. Immer schön auf und ab bewegen, der kleine Zauberstab ist wirklich wichtig geworden. Die giftigen Spinnennetze der Goldenen Seidenspinne sind zwar für Menschen völlig ungefährlich, aber eben doch lästig und die Spinnen selbst auch ziemlich eindrucksvoll. Die größte die wir sehen ist mit Beinen etwa handtellergroß. Im Hintergrund sieht man schon gleich die nächste.
Auf dem zweiten Bild sieht man über dem großen Weibchen das viel kleinere Männchen.
Zweimal müssen wir ein Stück zurück, weil wir den Weg doch verloren haben und da jeder Schritt in dem rutschigen und steilen Urwald wohl gesetzt sein will, wird es einer der anstrengendsten Hikes, den wir bisher gemacht haben. Aber es lohnt sich. Vögel bekommen wir zwar nur wenige zu sehen, aber neben dem Klopfen von einigen Spechten hören wir vor allem immer wieder den auffälligen Ruf des Montezumastirnvogels. Den kennen wir (wie die Erdbeerfröschchen) schon aus Costa Rica. Leise nähern können wir uns auf diesem schwierigen Geläuf leider nicht, und so verstecken sich die schönen etwa 50 cm großen Vögel mit ihrem im Flug auffallend gelben Schwanz und der roten Schnabelspitze ziemlich erfolgreich vor uns. Einen erwischen wir aber doch einigermaßen vernünftig mit der Kamera:
Und wir schaffen es zur felsigen Nordspitze der Insel.
Es ist so abgelegen, dass wir mit ein bisschen Mühe sogar eine Kokosnuss ernten können (die wir dafür allerdings den ganzen Rückweg schleppen müssen).
Von der Nordspitze aus ist es, mal über die Felsen, mal wieder durch den nicht weniger rutschigen Urwald aber dann doch noch ein ganz schönes Stück bis wir endlich am Wizard Beach ankommen. Ein herrliches Gefühl, als sich der Wald öffnet und wir diesen traumhaften Strand vor uns fast für uns alleine haben.
Wir baden, stärken uns mit mitgebrachten Müsli-Riegeln, und dann geht es auf einem anderen, kürzeren und durchgängig gut erkennbarem Weg wieder zurück zum karibisch bunten Ort und zur Flora. Nur 6 km Wanderung und etwas über 2 Stunden reine Wanderzeit ohne Pausen. Unfassbar, dass die so anstrengend sein können. Wir Weicheier. Aber jedem, der versucht ist, diesen Hike auch zu machen kann ich nur sagen:
Das Nebelwaldgebiet um den Monteverde gefällt uns super, aber es zieht uns trotzdem weiter, wir möchten noch mehr von der vielgerühmten Vielfalt Costa Ricas erkunden.
Als „Schweiz Mittelamerikas“ wird Costa Rica häufig bezeichnet. Wohl überwiegend wegen der strikten Neutralität des Landes (Costa Rica hat das Militär abgeschafft und die freigewordenen Mittel in die Bildung gesteckt, demzufolge auch eine extrem geringe Analphabetenquote) und der für zentralamerikanische Verhältnisse stabilen Wirtschaft des Landes, jedenfalls vor COVID. Schon früh und sehr konsequent wurde auf Ökotourismus gesetzt, große Hotelburgen sind in den meisten Landesteilen selten, dafür gibt es viele kleine, oft familiengeführte „Lodges“. Die hatten (und haben) wegen Corona natürlich eine schwere Zeit, wir hören allerdings keine Klagen, sondern nur ein „jetzt gehts endlich wieder los“.
Neben politischer Neutralität und relativ stabiler Wirtschaft erinnert aber auch gelegentlich die Landschaft an die Schweiz. Nicht an die hochalpinen Bereiche, aber auf unserer Fahrt von Monteverde in Richtung des Arenal-Vulkans ist die Gebirgslandschaft durchaus steil und mit vielen Bergwiesen durchsetzt. Milchwirtschaft ist weit verbreitet, wir kommen an einer Käserei vorbei.
Am Ufer der Laguna de Arenal fahren wir sogar an einem komplett im Schweizer Stil erbauten Hotel mit Nebengebäuden vorbei, aber das wirkt hier dann doch etwas deplatziert, sind doch die Berge im Hintergrund bei näherem Hinsehen klar als Vulkane auszumachen. Der Arenal allerdings hüllt sich in ziemlich dichte Wolken, als wir an diesem riesigen und ziemlich modellhaften Vulkankegel vorbeifahren.
1968 gab es einen starken und verheerenden Ausbruch, mehrere Dörfer wurden zerstört. Bis 2011 blieb er einer der aktivsten Vulkane der Erde, seitdem schläft er wieder. Über den zerstörten Dörfern wurde ab 1973 ein 80 Quadratkilometer großer Stausee (eben der „Laguna de Arenal“) angelegt, der seitdem zur Stromerzeugung dient und erheblichen Anteil daran hat, dass Costa Rica inzwischen seinen Strom zu 100 % aus erneuerbaren Energien bezieht.
Aber wenn der Vulkan sich eh vor uns unter Wolken versteckt, fahren wir halt an ihm vorbei.
Die Chachagua-Lodge haben wir uns ausgesucht, sie liegt in einem Regenwaldgebiet einige Kilometer östlich des Vulkans. Regenwaldblick aus dem Zimmer und von der Terrasse unserer Hütte. Die Lodge ist liebevoll angelegt, hat eine Kaskade von heißen Pools zum Entspannen. Selbst beim Duschen haben wir Dschungelblick.
Vor allem aber führen von der Lodge aus eigene nur teilweise befestigte Pfade durch den Dschungel. Wir wählen den Hike, der zu einem kleinen Wasserfall führen soll. Tatsächlich finden wir ihn, allerdings scheinbar unzugänglich in einer kleinen Klamm. Mit ein bisschen Umweg erreichen wir dann aber doch eine Badestelle etwas oberhalb und können uns von dort im Flüsschen zum Wasserfall vorarbeiten.
Übrigens treffen wir während der ganzen Wanderung keine anderen Menschen. Wohl aber einige Tiere, zum Beispiel diese Blattschneiderameisen (hier als Video).
Und wir finden einen riesigen Ceibo-Baum mit wahrhaft gigantischen Brettwurzeln:
Aber auch auf dem Gelände der Lodge gibt es viel zu sehen, etwa diese Kolibri direkt in der Nähe unseres Zimmers:
Eines der Highlights hier ist für uns die von einem Biologen geführte Nachtwanderung, bei der wir viel erfahren (unter anderem den Trick, wie wir die Augen der Tiere besser erkennen können: die Taschenlampe in der Nähe der eigenen Augen halten, auf einmal leuchten überall Augenpunkte auf!) und natürlich wieder neue Tiere kennenlernen.
Zum Beispiel diesen Glasfrosch:
Von oben eher unscheinbar eben Knallgrün wie das Blatt auf dem er sitzt, zeigt die Beleuchtung des Blattes von unten mit der Taschenlampe fast ein Röntgenbild und erklärt die Namensgebung des kleinen Kerlchens ganz gut.
Oder diese blaue Zikade, die sich gerade aus dem Exoskelett häutet:
Einen schlafenden Gecko:
Wir entdecken sogar ein Faultier, dass sich bei Vollmond vor dem Nachthimmel abzeichnet. In tolles Bild, leider zu dunkel zum Fotografieren. Außerdem Spinnen, eine Schlange, viele große Grashüpfer, Schmetterlinge und neben verschiedenen neuen Fröschen auch einen schon bekannten, aber gern wieder gesehenen Rotaugenlaubfrosch:
Die Hauptattraktion in Costa Rica ist für uns die Natur. Das sehen die Ticos auch so, nicht ohne Grund ist inzwischen mehr als ein Viertel der Landesfläche geschützt, über 250 Naturschutzgebiete sind ausgewiesen, darunter auch privat finanzierte wie Monteverde. Selbst die menschengemachten Attraktionen in Costa Rica sind eng mit der Natur verknüpft (Achtung: Wortspiel 🤪), denn zu den Highlights zählen insbesondere (Fußgänger-)Hängebrücken über Urwaldtäler und Canopy-Touren. Letztere werden auch “Zipline” genannt. Und das machen wir jetzt im Selvatura Park. Mit Helm, dicken Lederhandschuhen und Klettergeschirr erklimmen wir eine im Regenwald aufgestellte Plattform. Von dort läuft ein gespanntes Stahlseil über die Baumwipfel hinweg bergab in das scheinbar endlose Grün hinein. Das Klettergeschirr wird mit einer Rolle über dem Stahlseil eingeklinkt und los geht die rauschende Fahrt. Die Handschuhe sind für das Bremsen im Notfall gedacht, wir müssen sie nicht einsetzen. Es ist ein irres Gefühl, so über das Blätterdach des Regenwaldes zu fliegen, mit traumhafter Aussicht und einem ziemlichen Adrenalinkick. Nach der ersten kürzeren Strecke stellt sich auch Vertrauen in die “Bremser” ein, die an der jeweils nächsten Plattform den Mechanismus für die Reduzierung der Geschwindigkeit bedienen. Ungebremst möchte man nicht in die sicherheitshalber angebrachten Sportmatten sausen. Insgesamt 13 Kabel umfasst die Tour, das längste ist über eine Strecke von mehr als einem Kilometer gespannt.
Manche der Strecken dürfen wir auch im Zweiergespann zurücklegen, der hintere umschlingt dann mit seinen Beinen den Vorderen (die Vordere). Und die Kilometerstrecke absolviere ich in “Superman-Manier” liegend, auch wenn ich mich dafür in eine Mischung aus Zwangsjacke und Trage hinein festgurten lassen muss. Is, wie wennste fliechst 😁.
Und gleich im Anschluss machen wir eine kleine Wanderung, allerdings auch wieder zumeist über den Baumwipfeln des Regenwaldes. Der Rundweg beinhaltet insgesamt acht Hängebrücken, zwischen knapp 60 m und 170 m lang und bis zu 30 m über dem Boden. Wir schwanken ganz ordentlich, bewundern die Blütenpracht in den Baumkronen und die Ausblicke hinunter in die Täler.
Brüllaffen machen ihrem Namen Ehre und sorgen für die passende akustische Untermalung. Übrigens erwischt uns nur ein kurzer Schauer, wir sind früh los und am Vormittag hält sich der Niederschlag hier selbst in der Regenzeit bisher doch vornehm zurück. Kaum zurück im Hotel geht der Wolkenbruch um so heftiger los, aber das stört ja nicht.
Wir sind immer noch in Washington, wohnen im Haus von unseren Freunden Greg und Michael. Die allerdings sind inzwischen in Deutschland, wir machen also quasi “Haus-Sitting”.
Noch knapp eine Woche (wenn alles glatt geht), dann fliegen auch wir – ab morgen einschließlich Wartezeit komplett durchgeimpft – für etwa sechs Wochen nach Deutschland. Wir freuen uns schon sehr, genießen aber auch die ruhige Zeit hier.
Und was machen wir hier so?
Na ja, ganz hat uns das Boot noch nicht losgelassen. Ich war heute das dritte Mal hin, um mit Handwerkern in Herrington Harbour North geplante Arbeiten zu besprechen. Was steht an? Service-Arbeiten am Motor, zudem die Verlegung eines Seeventils im Motorraum um Platz für einen montierten Ersatzautopilot (Mamba-Drive) zu schaffen. Ersatz des Diesel-Vorfilters durch einen umschaltbaren Doppelfilter, was aber eine Verlegung des Vorfilters für den Generator nach sich zieht. Zudem habe ich da eine Idee für ein Diesel-Polishing. Die hintere Klimaanlage muss entweder ersetzt oder stillgelegt und ausgebaut werden. Der Stoff des Bimini muss neu und wir hätten gerne “Shades”, also anknöpfbare winddurchlässige schattenspendende Seitenteile dafür. Die Segel dürfen nach 2 Jahren und über 15.000 Seemeilen vom Segelmacher durchgesehen werden, der Rigger soll eine potentielle Schwachstelle an der Rollgroßwicklung beseitigen. Und – last not least – wir wollen erheblich mehr Solarpanele einsetzen und die bisherigen 200 WP um weitere 330 WP ergänzen. Da ist ein bisschen was durchzudenken und durchzusprechen.
Aber wir haben auch Zeit für Ausflüge, etwa mit dem Cabrio unserer Gastgeber zum Seneca Creek State Park, wo wir eine wunderschöne Wanderung um den dortigen Stausee machen, rund 7 km (etwa wie einmal um die Außenalster 😄). Statt Schwänen gibt’s Schildkröten zu sehen, die sich auf Ästen etwas entfernt vom Ufer sonnen, Außerdem Biber-Bissspuren an Bäumen, handtellergroße blaue “Red spotted Purple”-Schmetterlinge und auch der offizielle Landesvogel von Maryland, der auffällig rote “Cardinal” zeigt sich im Blätterdickicht.
Vor allem aber ist der meist nahe des Ufers verlaufende Waldweg wirklich eher ein naturnaher unbefestigter Pfad und der Wald offenbar unbewirtschaftet.
Als Kontrastprogramm fahren wir mit Bus und Metro in die Innenstadt von Washington, werfen einen Blick aufs Capitol und besuchen das “National Museum of the American Indian”. Architektonisch spannend und (jedenfalls uns) an die in Felswänden versteckten Pueblo-Bauten erinnernd, vor allem aber mit ihren runden Formen und der Einbeziehung von fließendem Wasser Einklang mit der Natur symbolisieren sollen. Das Museum ist innen auf vier thematischen Ebenen wirklich interessant gemacht und deckt die Völker der “First Nations” vonm hohen Norden bis Mittelamerika ab. Insbesondere die Aufarbeitung der Themen Spiritualität/Weltsicht und historische Entwicklung der Vertragssituation gefällt uns, aber der riesige Umfang erschlägt. Außerdem ist die Klimaanlage mal wieder auf super kalt eingestellt (was eigentlich nur für den Bereich Inuit wirklich passt). Nach ein paar Stunden fliehen wir ins Museeumscafé und wärmen uns auf.
Danach besuchen wir die schräg gegenüber liegende “National Gallery of Art”, davon allerdings nur das “East Building” mit moderner und zeitgenössischer Kunst sowie den Skulpturengarten. Dieses Häppchen sind gut verdaubar und trotzdem ist die Dichte der großen Namen (name it, you will see it) kaum fassbar.
Und wenn wir uns hier bei Greg und Micheal zu Hause einfach nur die Füße vertreten wollen, laufen wir gerne durch das sich unglaublich rasant entwickelnde Neubaugebiet gegenüber. Ein kompletter Stadtteil wächst sich hier mit imposanter Geschwindigkeit: einmal geblinzelt, steht schon wieder ein neues Haus. Was auch an der für uns ungewohnten Bauweise liegt – machmal sieht es durch die Holz-Ständer-Bauweise aus wie ein Fortgeschrittenen-Puzzle für Häuslebauer.
Super spannend, vor allem wenn man dann – wie wir es gerne tun – die Musterhäuser besichtigt und auch sieht, wie kurz nach der Fertigstellung mit Rollrasen, Bepflanzung (einschließlich ziemlich großer Bäume), Verklinkerungen und Fassadenvarianz der Eindruck eines gewachsenen Stadtteils entsteht, den man mit diesen Bildern kaum in Einklang bringen kann.
Die Entfernungen sind klein hier in den Exumas, statt langer Schläge ist es mehr ein Hüpfen von Insel zu Insel, die Ankerplätze liegen praktisch in Sichtweite voneinander. Trotzdem müssen wir „außen rum“, also hinaus in den tiefen Exuma Sound und dann wieder durch einen Cut hinein zwischen (und hinter) die Inseln.
Von Staniel Cay kommend wählen wir als nächstes Compass Cay. Schon der Name ist verlockend maritim, aber vor allem interessieren uns der Hike durch das fast trocken fallende kleine Flussbett und – da sind wir durch die Thunderball-Grotte offenbar auf den Geschmack gekommen – die per Dinghy erreichbaren Höhlen in den gegenüber liegende Rocky Dundas.
Zunächst liegt die Flora noch allein mit der Easy-One in der Bucht, doch kurz darauf gesellen sich die Thula und die Caroline dazu. Vier deutsche Boote“! Für die Thula ist der Besuch auf Compass Cay eigentlich Pflicht, lautet das Motto (auf ihrer Website) doch: LIVE YOUR LIFE BY COMPASS, NOT BY CLOCK. 😎
Und später am Tag kommen dann die holländische Doejong und die schweizer Jollity auf den Ankerplatz, beide Boote und Besatzungen kennen wir von früheren Begegnungen.
Die Höhlen der Rocky Dundas sind weniger bekannt wie die Thunderball-Grotte, aber auf ihre eigene Art ebenso attraktiv. Sie liegen bereits im „Exuma Cays Land and Sea Park“ und tatsächlich ist das Unterwasserleben vor den Grotten bunt und reichhaltig. Viele gesunde Korallen und entsprechend auch die dort Schutz findenden Rifffische begrüßen uns, als wir an einer der beiden vor den Höhlen angebrachten Dinghybojen festmachen.
In dem ziemlich flachen Wasser in den Höhlen selbst dann nur wenig Fisch, dafür aber eine beeindruckende Felsenlandschaft mit Stalagmiten und Stalagtiten, die wiederum durch Löcher in der Höhlendecke ganz malerisch beleuchtet wird. Und ein Farbenspiel, dass von dem pinkfarben bewachsenen Stein im überspülten Bereich über die grün bemoosten Wände bis zu ockerfarben matten und bläulich glänzenden Flächen im oberen Höhlenbereich reicht.
Nach einem ersten Besuch mit Wiebke, Andrea und Ingo fahren Ingo und ich noch ein zweites Mal hinüber, diesmal mit Janna und Ilja von der Thula.
Die Wanderung durch das Bachbett auf Compass Cay macht man am besten bei Hochwasser. Nicht wegen des Hikes selbst, sondern weil am Ende ein Bad in „Rachel’s Bubble Bath“ wartet. Bei Hochwasser (und Ostwind) schwappen die Wellen über die schmale Felswand, die Nordspitze von Compass Cay mit dem Rest der Insel verbindet. Das Luft-Wasser-Gemisch blubbert dann in den natürlichen Pool, aus dem heraus der Bachlauf dann zu unserem Ankerplatz fließt.
Ein gemeinsamer Abend am Strand, ein Spieleabend (Mexican Train Domino) mit den Andrea, Natascha, Ingo und Jochen auf der Easy-One. Wir sind sehr dankbar dafür, dass so etwas auch in Covid-Zeiten hier möglich ist. Viele Segler konnten sich inzwischen bereits impfen lassen, wir hoffen, dass es für uns direkt nach der Einreise in die USA klappen wird.
Vorher möchten wir aber die Bahamas noch ausgiebig weiter erkunden. Dabei kommen wir jetzt in den Exuma Cays Land and Sea Park, wo wir allerdings nur noch sehr eingeschränkt Internet haben werden, in weiten Teilen wohl gar keins. Also nicht wundern, wenn die nächsten Blogbeiträge evtl. keine Bilder haben 😉.
Von Raccoon Cay segeln wir ganze 5 sm nach Nord und ankern gleich wieder, diesmal an der Westseite von Buenavista Cay.
Beide Inseln weisen Trampelpfade quer über den flachen Inselrücken auf, so wie zuvor schon Hog Cay. Und natürlich lassen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen, auf die (bei den vorherrschenden Ostwinden) deutlich rauhere Seite hinüber zu laufen. Vereinzelt finden sich auch dort Sandstrände, verbreitet wird die Küste aber mit schroffen, scharfkantigem Korallengestein gebildet. Die See brandet dagegen an, unterspült die Klippen und deutet ganz allgemein an, welche Urgewalt das Meer ausmacht.
Unwirtlich, wie auch weite Teile des jeweiligen Inselinneren. Auch dort dominieren karge, nur mit flachem Gestrüpp bewachsene Korallenböden, auf denen sich kaum Humus bildet. Bäume und Sträucher krallen sich mit ihren Wurzeln knorrig und gewunden in Spalten und Löchern fest und versuchen, ein kleines bisschen Nahrung zu finden. Leicht ist das sicher nicht, das wenige Wasser ist zumeist stark salzhaltig.
Ganz besonders deutlich wird das in den oft zu findenden Salzseen. Wie im Beitragsbild schimmern auf vielen der Cays in der Ragged Island Chain weiße und rosarote Flächen im Inselinneren. Auf der Ostseite von Buenavista Cay finden wir einen Weg zu dem großen langgestreckten Salzsee im Süden der Insel.
Wir wandern an seinem Ufer entlang, nicht einmal die ziemlich salzvertragenden Mangroven überleben hier.
Aber selbst in einer so lebensfeindlich scheinenden Umgebung gibts Überraschungen. Ein kleiner Vogel läuft aufgeregt am Strand herum, zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Hm, das macht der doch mit Absicht?!?
Tatsächlich, am vorderen Rand des Baumstumpfes findet sich das Gelege des kleinen Regenpfeifers in einer in den salzigen Sand gescharrten und mit Steinchen und Muschelkalk „ausgepolsterten“ und gut getarnten Mulde, die aber Andrea gleich entdeckt.
Übrigens finden sich selbst oben auf den Klippen natürliche Siedepfannen, in denen sich Salz sammelt. Die Zeiten, in denen die Menschen in den wenigen kleinen Siedlungen hier (etwa auf Ragged Island) noch ihren Lebensunterhalt in Salinen bestreiten konnten sind aber lange vorbei, es lohnt sich einfach nicht mehr.
Nur noch selten versucht jemand, auf einer der Inseln der Kette Fuß zu fassen. Hier auf Buenavista Cay war das zuletzt Edward Lockhard, der ein Haus und ein paar Nebengebäude errichtete und hier einige Zeit lebte. 78jährig überstand er 2017 sogar den Hurrikan Irma hier, nach eigenem Bekunden indem er sich mit einem Seil an einen der Bäume band. Drei Tage später wurde er dehydriert gefunden und gerettet. Auch Edward ist inzwischen nicht mehr hier, sondern bei seiner Familie auf einer anderen Insel der Bahamas. Die Gebäude sind nur noch traurige Ruinen, die Geräte und Maschinen verrostet, nur der Viehstall ist noch erstaunlich intakt. Die Borken über den Laufwegen der Termiten auf den hölzernen Abgrenzungen lassen aber vermuten, dass das nicht mehr lange so bleibt. Buenavista Cay ist wieder so unbewohnt (von Menschen) wie fast alle Inseln der Jumentos bzw. Ragged Island Chain.
Nur die Cruiser finden sich regelmäßig am Stand auf der Westseite ein und üben sich in Inselromantik.
Der Ankerplatz hier vor Hog Cay ist schön, aber auch ziemlich seicht. Klar, man könnt noch weiter draußen ankern, aber dann ist es auch wieder welliger.
Und so liegen wir hier mit unsern zwei Metern Tiefgang auf etwa zweieinhalb Meter Wassertiefe. Plus etwa 60 cm Tide. Bei Flut sehr komfortabel, bei Ebbe etwas weniger, zumal wenn wegen (gerade gewesenem) Vollmond und Windkonstellation die Ebbe nochmal 20 cm niedriger ausfällt.
Ein Barrakuda past immer noch zwischen Floras Kiel und den Sandgrund
Der Check beim Schnorcheln ergibt nicht nur, dass es trotzdem noch passt, sondern auch ein paar nette Fischbegegnungen. Neben dem Barrakuda zeigt sich auch ein kleiner gehörnter Kofferfisch (Kuhfisch) mit prachtvollen blauen Streifen (die er erscheinen und verschwinden lassen kann) direkt am Boot.
Was diesen Ankerplatz aber ganz besonders macht ist die Seglergemeinschaft hier. Mit den befreundeten Booten sowieso, aber auch mit einigen anderen Cruisern, wir werden nach einer Corona-Befragung sogleich in den Yachtclub aufgenommen 😉.
Klar, die Boote und mit ihnen deren Crews wechseln, aber einige bleiben auch sehr lange hier. Wie z.B. Rita und Will mit ihrem amerikanischen Motorkatamaran. Sie kommen seit gut 20 Jahren regelmäßig hierher (“spätestens zum Valentinstag, dann gibt’s eine Party mit den Einheimischen von Ragged Island”) und bleiben dann auch jeweils länger hier liegen. Die deutsche Crew-Flagge an Backbord zeigt, dass die beiden ihrer Wurzeln in Deutschland haben. Und weil mit der Invia, der Easy-One und der Flora ungewöhnlicherweise gleich drei deutsche Boote hier liegen, laden die beiden uns für einen abendlichen Snack (und Schnack) auf ihr Schiff.
Auch außergewöhnlich: eine unbewohnte Insel mit “Clubhaus” am Strand.
Perfekt als Treffpunkt für den Sundowner oder – wie heute Abend – für ein Potluck, bei dem jeder etwas für das gemeinsame Essen mitbringt. Zudem mit zwei Feuerstellen ausgestattet. Südlich die Müllverbrennung als notwendiges Übel und nördlich …
… der Lagerfeuerplatz für die gemütliche Runde.
Wie uns Rita erzählt, wurde das Ganze (auf einer der Valentinstagfeiern) von der Inhaberin des kleinen Supermarktes auf Ragged Island angestoßen und – von den Seglern finanziert – auch organisiert und umgesetzt. Es hat sogar den letzten Hurrican ziemlich unbeschadet überstanden.
Heute Mittag machen Wiebke und ich einen weiteren Hike, diesmal geht es auf die Südseite von Hog Cay. Erst einmal müssen wir dafür mit Florecita in die nächste Bucht fahren und dort anlanden. damit haben wir den ersten Strand unseres „Three-Beach-Hike“ schon erreicht.
Halbmondförmig zieht er sich vom Lobster Hole Point bis Hog Point. Ganz am Ende weist ein Turnschuh auf einem Stock auf den Einstieg in den Pfad durchs Gebüsch hin, ein Stückchen weiter hängt grünes Fischernetz an einem Ast. O.k., also wieder die Treibgut-Kennzeichnung. Ohnehin ist es hier nur ein kurzes Stück hinüber zur House Bay, unserem nächsten Strand.
Hier gehen wir erst ein Stück in die „falsche“ Richtung, um den Kokospalmen einen Besuch abzustatten. Trotz einiger Bemühungen können wir aber keine Kokosnuss ergattern.
Der „richtige“ Weg führt dann am Ende des Strandes einfach ohne Kennzeichnung über das Korallengestein weiter und nach etwas Suchen finden wir auch den Einstieg in die nächste Querung. Diesmal geht es durch einen weitgehend ausgetrockneten flachen Salzsee hinüber zur Black Rock Bay im Südosten.
Und dann nach einem weiteren Strandabschnitt quer hinüber zum Strand am Ausgangspunkt, wobei dieser Abschnitt erst mit dichtem Buschwerk und dann mit einem eher offenen Bereich voller niedriger Fächerpalmen aufwartet. Eine schöne, abwechslungsreiche Wanderung.
Kaum wieder an Bord, kommen Steve (Amalia), Mike (Dark‘N Stormy) und Matt (Tuebor) mit dem Dinghy vorbei und fragen, ob ich mit zum Spearfishing komme. Wir hatten gestern darüber gesprochen. Habe ich zwar noch nie gemacht, aber klar, die Gelegenheit zum Ausprobieren lasse ich mir nicht entgehen. Der andere Steve (Zulu) ist auch dabei und zu fünft wechseln wir besser auf dessen großes Dinghy. Spearguns (Harpunen mit Pistolengriff) sind in den Bahamas nicht erlaubt, nur Hawaiian Slings (Harpunen mit zwillenähnlicher Abschusstechnik) und Polespears, mit denen wir unterwegs sind. Im Prinzip Speere mit einer Gummischlinge am Ende, die man mit der Hand am Speer entlang nach vorne zieht und dadurch spannt. Die einfachen Varianten werden auch gerne zum Lobsterfischen verwendet, allerdings ist seit Anfang April in den Bahamas Schonzeit für Lobster. Beim Lobsterfischen sind die Speere aus meiner Sicht ohnehin nicht ideal, da man erst nachdem Speeren feststellt, ob man ein eiertragendes Weibchen erlegt hat, das man sonst zurückgesetzt hätte. Deshalb ist das in einigen Ländern auch verboten, in den Bahamas allerdings nicht. Für uns sind Fische das Ziel. Tatsächlich kann ich sogar einen schönen Hogfish erwischen, nicht schlecht für mein erstes Spearfishing. Ein bisschen tricky ist, dass ich den Fisch erst zurück auf der Flora filetieren kann. Da ich die Fischabfälle nicht am Ankerplatz über Bord geben möchte (um keine Haie anzulocken) mache ich es in unserer Fischkiste und fahre anschließend mit dem Dinghy hinaus um die Reste wegzuwerfen und Kiste, Messer und Schneidbrett zu reinigen.
Flora ausnahmsweise mal wieder mit weggeklapptem Bimini, weil eine Front mit stürmischem Wind (8 Bft) angekündigt war. Es blieb zum Glück bei 7 Bft und die Nacht war deutlich ruhiger als erwartet.
Hog Cay hat – wie so viele Inseln in den Bahamas – zwei völlig unterschiedliche Seiten. Flora liegt mit der Easy-One, der Amalia, der InVia und einigen anderen Booten in der Middle Pen Bay vor Anker, Wassertiefe etwa zweieinhalb Meter, Sandgrund, wunderbar klares türkisfarbenes Wasser. Dazu ein herrlicher feinsandiger sauberer Strand, perfekt zum Spazieren und zum Anlanden des Dingis, nur ab und zu ein paar Korallenbommies oder Felsenkaps, die die einzelnen Buchten abgrenzen. Auf der gegen die vorherrschenden Winde geschützten Westseite der Insel.
Wandert man ein wenig am Strand entlang, stößt man auf einen skurril anmutenden „Wegweiser“, der den Beginn eines Pfades quer über die hier etwa 600 m breite Insel auf die Ostseite von Hog Cay markiert.
Durch das rasch dichter werdende niedrige Buschwerk windet sich ein Pad den Hügel hinauf. Er ist leicht erkennbar gekennzeichnet: mit Strandgut. Auf Äste gesteckte Plastikflaschen oder in die Büsche gebundene Netzfetzen, Kuscheltiere und immer wieder Schuhe oder FlipFlops.
Je nach Gusto mag das originell oder befremdlich erscheinen. Auf jeden Fall gibt es schon einmal einen Vorgeschmack darauf, was auf der Ostseite der Insel wartet. Hier, an der Luv-Küste der Insel brandet das tiefblaue Wasser zumeist mit einer Kraft gegen das Ufer, die man drüben auf der Lee-Seite so nicht erwartet hätte.
Je nach Form des Ufers führt das in vielen Buchten dieser unbewohnten Insel dazu, dass sich Treibgut, insbesondere Plastikmüll, in einer kleinen Senke hinter der ersten Strandlinie sammelt.
Es ist frustrierend, beschämend, herzzerreißend. Einfach große Müllsäcke mitnehmen und einsammeln? Wenn es denn so simpel wäre. Rita kommt mit ihrem Mann Will seit über 20 Jahren hierher nach Hog Cay und weiß unfassbar viel über die Insel und überhaupt die Bahamas. Sie hat einige der Pfade über die Insel selbst mit angelegt und gibt bei unserem Spaziergang einiges von ihrem Wissen bereitwillig weiter. Die Bahamas haben selbst auf den großen Inseln kein wirkliches Mülltrennungssystem, zumeist wird der Müll auf Halden angehäuft und gelegentlich angezündet, der Rest dann verscharrt )“Landfill“). Den Strandmüll schreiben die Bahamesen überwiegend den Nachbarn von Hispaniola zu (Dominikanische Republik und Haiti). Abgesehen von den Touristenstränden, die regelmäßig gesäubert werden, kümmern sie sich kaum darum. Erst recht natürlich nicht auf einer unbewohnten Insel wie Hog Cay.
Aber selbst wenn wir den Müll einsammeln, abgeben (wo?) und einer sinnvollen umweltschonenden Verwertung zuführen könnten (die es hier nicht zu geben scheint, nicht mal Müllverbrennungsanlagen mit den erforderlichen Temperaturen und Filteranlagen) – das eigentliche Problem liegt (auch im Wortsinn) tiefer. Klar, neuer Müll wird angeschwemmt. Vor allem aber sind es nicht nur die großen, einsammelbaren Teile. In den Müllsenken sieht der Strand auch zwischen den großen Teilen bei genauerem Hinsehen so aus:
Der ganze Sand ist durchsetzt mit kleinen und kleinsten Plastikteilchen, das unsichtbare Mikroplastik kommt noch dazu. Man könnte heulen, aber das nützt natürlich auch nichts. Am Ende wird uns nur bewusster, wie weit es schon gekommen ist und wie wichtig „reduce – reuse – recycle“ bzw. Vermeiden – Wiederverwenden – Wiederverwerten ist. Weltweit.
Und – Nachtrag, um das klarzustellen – wir sammeln und verbrennen, weil es das einzig mögliche hier vor Ort ist.An dem strukturellen Problem ändert das aber leider nichts. Zum Problem der Verbrennung von Plastik bei zu niedrigen Temperaturen gibt’s z.B. interessante Artikel in National Geografic und im Focus. Lösung in Abgrenzung zum Problem des Plastiks im Meer? Wie oben schon geschrieben: reduce, reuse, recycle!
Auf dem Drohnenfoto sieht man von dem Müll nichts, kann aber die beiden sehr verschiedenen Seiten von Hog Cay ganz gut erkennen. Und auch die Schönheit, die diese Insel trotz des hier so deutlich gewordenen frustrierenden Plastikproblems bietet.