Schnorcheln in den Exumas

Die vielen weiten und hellen Sandflächen hier verleiten zu der Vermutung, die Unterwasserwelt in den Exumas könnte eine langweilige Ödnis sein – weit gefehlt, es geht mehr als nur das Sammeln von Sand Dollars. Da sind zum einen die vom Menschen ergänzten interessanten Schnorchelziele, bewusst wie bei der Statue der Meerjungfrau am Piano oder unabsichtlich wie bei den diversen Flugzeugwracks, die hier im flachen Wasser gut zu sehen sind. Um nicht wenige davon ranken sich Legenden nach denen die Flieger zum Drogenschmuggel benutzt wurden und direkt mit bekannten Namen des kolumbianischen Medellin-Kartells in Verbindung gebracht werden.

Nicht immer muss das stimmen, gelegentlich sind die Geschichten hinter den Flugzeugabstürzen banaler, aber wie beim Seemannsgarn setzen sich mit der Zeit und jeder weiteren Überlieferung eher die spektakuläreren (und häufig spekulativeren) Storys durch. Ein schönes Beispiel dafür ist HIER erläutert.

Bei den vielen kleinen und kleinsten Landepisten, die sich hier gefühlt auf jeder zweiten Insel finden und den Schwierigkeiten, ein etwaiges Wrack zu bergen und zu entsorgen ist jedenfalls die Dichte der Flugzeugwracks ziemlich hoch. Wie auch immer, auch hier bei Rudder Cut Cay finden sich etwa in der Verlängerung der quer über die Insel verlaufenden kurzen Landepiste die Reste eines Flugzeugs im seichten Wasser, wobei kaum mehr als die Flügel zu erkennen sind.

Aber es geht auch ganz anders: in unmittelbarer Nähe unseres Ankerplatzes finden sich große Flächen mit Weichkorallen, Gorgonen und Federbüschen, immer mal wieder durchsetzt auch mit Korallenköpfen aus Hartkorallen. Bei einem Driftschnochelgang, das Dinghy hinter uns her ziehend, genießen wir auch diesen farbenfrohen Teil der hiesigen Unterwasserwelt.

Sei es mit Kaiserfisch,
Schwärmen von Grunzern,
einem Bienenwaben-Kofferfisch (mit Lippenstift ☺️)
… oder einem friedlichen Ammenhai.

Ein weiteres deutsches Schiff ist eingetroffen, die „Thula“ aus Kiel mit Janna und Ilja. Die beiden haben wie wir in 2019 die Leinen losgeworfen, aber mit ihrer 33 Fuß langen Vindö 45 in dieser Zeit die Strecke bis nach Moorea in der Südsee, dann gegen Wind und Strömung zurück nach Panama und bis hierher in die Bahamas zurückgelegt. Hut ab! So verbringen wir einen schönen Abend auf der Flora gemeinsam mit den Crews der Thula und der Easy-One.

Salz

Von Raccoon Cay segeln wir ganze 5 sm nach Nord und ankern gleich wieder, diesmal an der Westseite von Buenavista Cay.

Beide Inseln weisen Trampelpfade quer über den flachen Inselrücken auf, so wie zuvor schon Hog Cay. Und natürlich lassen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen, auf die (bei den vorherrschenden Ostwinden) deutlich rauhere Seite hinüber zu laufen. Vereinzelt finden sich auch dort Sandstrände, verbreitet wird die Küste aber mit schroffen, scharfkantigem Korallengestein gebildet. Die See brandet dagegen an, unterspült die Klippen und deutet ganz allgemein an, welche Urgewalt das Meer ausmacht.

Unwirtlich, wie auch weite Teile des jeweiligen Inselinneren. Auch dort dominieren karge, nur mit flachem Gestrüpp bewachsene Korallenböden, auf denen sich kaum Humus bildet. Bäume und Sträucher krallen sich mit ihren Wurzeln knorrig und gewunden in Spalten und Löchern fest und versuchen, ein kleines bisschen Nahrung zu finden. Leicht ist das sicher nicht, das wenige Wasser ist zumeist stark salzhaltig.

Ganz besonders deutlich wird das in den oft zu findenden Salzseen. Wie im Beitragsbild schimmern auf vielen der Cays in der Ragged Island Chain weiße und rosarote Flächen im Inselinneren. Auf der Ostseite von Buenavista Cay finden wir einen Weg zu dem großen langgestreckten Salzsee im Süden der Insel.

Wir wandern an seinem Ufer entlang, nicht einmal die ziemlich salzvertragenden Mangroven überleben hier.

Aber selbst in einer so lebensfeindlich scheinenden Umgebung gibts Überraschungen. Ein kleiner Vogel läuft aufgeregt am Strand herum, zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Hm, das macht der doch mit Absicht?!?

Tatsächlich, am vorderen Rand des Baumstumpfes findet sich das Gelege des kleinen Regenpfeifers in einer in den salzigen Sand gescharrten und mit Steinchen und Muschelkalk „ausgepolsterten“ und gut getarnten Mulde, die aber Andrea gleich entdeckt.

Übrigens finden sich selbst oben auf den Klippen natürliche Siedepfannen, in denen sich Salz sammelt. Die Zeiten, in denen die Menschen in den wenigen kleinen Siedlungen hier (etwa auf Ragged Island) noch ihren Lebensunterhalt in Salinen bestreiten konnten sind aber lange vorbei, es lohnt sich einfach nicht mehr.

Nur noch selten versucht jemand, auf einer der Inseln der Kette Fuß zu fassen. Hier auf Buenavista Cay war das zuletzt Edward Lockhard, der ein Haus und ein paar Nebengebäude errichtete und hier einige Zeit lebte. 78jährig überstand er 2017 sogar den Hurrikan Irma hier, nach eigenem Bekunden indem er sich mit einem Seil an einen der Bäume band. Drei Tage später wurde er dehydriert gefunden und gerettet. Auch Edward ist inzwischen nicht mehr hier, sondern bei seiner Familie auf einer anderen Insel der Bahamas. Die Gebäude sind nur noch traurige Ruinen, die Geräte und Maschinen verrostet, nur der Viehstall ist noch erstaunlich intakt. Die Borken über den Laufwegen der Termiten auf den hölzernen Abgrenzungen lassen aber vermuten, dass das nicht mehr lange so bleibt. Buenavista Cay ist wieder so unbewohnt (von Menschen) wie fast alle Inseln der Jumentos bzw. Ragged Island Chain.

Nur die Cruiser finden sich regelmäßig am Stand auf der Westseite ein und üben sich in Inselromantik.

Nonsuch Bay

Da waren wir doch schon mal, Anfang März. Ja, aber leider nur für eine Nacht, dann hatten wir (was um diese Jahreszeit nicht so häufig ist) guten Wind für den Schlag hoch nach Barbuda und sind deshalb gleich am nächsten Tag weitergefahren. An der Nonsuch Bay ganz im Osten Antiguas lag es ganz sicher nicht, die hat uns schon damals gut gefallen. Und auch heute zeigt sie sich von ihrer besten Seite. Die Welle werden vom vorgelagerten Riff abgefangen, im Moment die letzte Landmasse zwischen uns und Afrika. 2.100 sm östlich von uns liegen die Kapverden 😁.

Wir kommen von Falmouth Bay, wo wir noch Proviant ergänzt und den Dinghytank gefüllt haben und außerdem noch mit Mareike von der Moana eine schöne Wanderung über den Middle Ground Trail hinüber nach English Harbour machen konnten. Falmouth Harbour ist eigentlich gut geschützt, aber durch die Größe der Bucht bauen sich doch einige Windwellen auf, zudem ist das Wasser etwas trüb. Ganz anders in Nonsuch Bay, dort können wir zwar auch nicht Muscheln zählen, aber in 7 m Tiefe jedenfalls die Beschaffenheit des Grundes erkennen, als wir von mittags eine der freien Bojen ansteuern. Wir entscheiden uns für die Boje direkt neben der kleinen Insel Bird Island. Bei der hoch stehenden Sonne können wir den vielleicht zwei oder drei Schiffslängen entfernt knapp unter der Wasseroberfläche liegenden Korallen-Bommie gut erkennen, bräunlich und von hellem Türkis umgeben schimmert er aus der durch das dunklere Blau-Türkis des Wassers um ihn herum.

Ein kurzes Video dazu: Hier.

Die Seekarte bildet das ganze so präzise nicht ab, Eyeball-Navigation ist gefragt.

Wie letztes Mal auch ist die Bucht gut gefüllt, aber alles andere als voll. Selbst wenn alle der übrigens kostenlosen Bojen belegt wären gäbe es noch genug Platz zum (hier ebenfalls erlaubten) Ankern.

Luft 29 Grad, Wasser 27 Grad, Riffschnorcheln vom Schiff aus. 😁 Uns jedenfalls gefällt es richtig gut, hier werden wir diesmal wohl etwas länger bleiben.