La Parguera

Den kleinen Hüpfer weiter nach Westen bis in in die Bucht von La Parguera können wir genießen, feinster raumer Segelwind, die Chillkröte der Easy-One wird von der rauschenden Bugwelle umspült.

Bei der Einfahrt in die Bucht allerdings wartet ein kleiner Kulturschock auf uns. Musik dröhnt aus den Boxen der Motorboote, die sich rechts und links gleich hinter den äußeren Mangroven dicht an dicht vor Anker gelegt haben und in gewohnter Wochenendmanier hinter ihren Booten im seichten Wasser stehen.

Da fahren wir doch lieber etwas weiter hinein in die Bucht, näher an den Ort. Tja, aber Sonntagmittag sausen da natürlich auch die Motorboote und Jetski herum. So ist das hier nunmal am Wochenende, anders als in den meisten Windward oder Leeward Islands haben nicht nur Fischer sondern auch viele andere Einheimischen hier Boote, gut motorisierte Motorboote zumeist, und die wollen schließlich auch bewegt werden. Außerdem gibt’s auch Leih-Motorboote und Leih-Jetski für die vielen (jedenfalls derzeit zumeist puertoricanischen) Touristen. Von denen wimmelt auch die Stadt, die vielen Restaurants sind gut besucht. Es geht aber diszipliniert zu, auf der Straße werden konsequent Masken getragen, im Restaurant oder Geschäft müssen zuerst die Hände desinfiziert werden, die maximale Zahl der Kunden ist jeweils auf einem Schild am Eingang eingetragen und wird – soweit wir das beurteilen können – eingehalten. Trotzdem, anders als die bunten Stelzenhäuser in den Mangroven spricht uns der innere Teil des geschäftigen La Parguera nicht so recht an.

Also zurück auf die Flora im Wissen: zum Abend wird es wieder ruhig und wir haben die herrliche Landschaft mit den vielen kleinen Mangroveninseln (fast) für uns allein. Und so ist es.

Am Montag morgen bringe ich erst einmal unsere Tauchflaschen zum Füllen in die örtliche Tauchschule, für nur 5 US$ pro Flasche wird das innerhalb einer halben Stunde erledigt. Super.

Und nachdem Ingo dankenswerterweise unseren mal wieder sprotzenden und zudem an falscher Stelle (ins Gehäuse) Wasser verspritzenden Außenborder einem unterwarteten Quick-Fix unterzogen hat dann geht es mit den Dinghys auf Entdeckungstour in die Mangroven. Wie im Osten von Puerto Rico (Monkey Island/Cayo Santiago) gibt es mit der Isla Cueva auch hier eine Affeninsel, etwa 400 (eigentlich nicht heimische) Affen leben dort. Allerdings gut versteckt, zu sehen bekommt man sie selten und nur mit Glück kann man sie gelegentlich hören. Beides ist uns nicht vergönnt, trotz der professionellen Affenimitationsgeräusche seitens der in Surinam entsprechend geschulten Andrea und Ingo.

Aber nach einigem Suchen finden wir immerhin den kleinen Mangrovencreek, der Cueva zu einer Insel macht. Anders als im Guide wohl doch eher nur noch zu einer Halbinsel, denn jedenfalls bei der zur Zeit unserer Tour herrschenden Tide ist der östliche Eingang komplett versandet und trockengefallen. Von Westen her können wir aber hinein und auch ein ganzes Stück unter dem Dach der Mangroven in diesem schmalen Tunnel herumbummeln.

Auf der Rückfahrt finden wir zudem einen Anleger, von dem aus wir auf einen kleinen Hügel steigen können. Trotz der geringen Höhe gibt’s einen schönen Blick über die Bucht mit ihren Mangroveninselchen.

Besser wäre es vielleicht nur aus dem regelmäßig über dem Ufer schwebenden großen aber wohl unbemannten Luftschiff …

… oder mittels der Drohne auf unseren inzwischen gewechselten Ankerplatz an der äußeren Kette von Mangroveninseln 😊, wo wir abends auch die La Rive Nord wieder treffen.

Punta Ballenas

Endlich mal wieder Segeln. Es ist nur ein kurzer 30 sm Schlag von Puerto Salinas bis zur Punta Ballenas, einem weiteren durch vorgelagerte Riffe geschützten Mangrovenankerplatz, aber wir erwarten in den Böen bis zu 30 kn (7 Bft) steifen Wind. Genau von achtern, also riggen wir noch am Ankerplatz den Spibaum zum Ausbaumen der Fock. Draußen setzen wir das zweifach gereffte Groß auf der anderen Seite mit dem Bullenstander fest. Also Schmetterling 😁.

Es wird eine schöne, schnelle Fahrt.

Aber es baut sich doch auch eine ordentliche Welle auf, was uns vor der Riffeinfahrt an der Punta Ballenas reichlich Respekt haben lässt. Tatsächlich aber gestaltet sich die Anfahrt zum Ankerplatz dann doch sehr unproblematisch, der Cut zwischen den Riffen ist breit und gut erkennbar.

Nur noch um das weiter innen liegende zweite Riff hinter Gilligan’s Island herum und wir liegen in der geschützten Mangrovenbucht.

Wer bei Mangroven übrigens automatisch an Mückeninvasion denkt liegt falsch. Vielleicht auch durch den relativ starken Wind bedingt hatten wir bisher hier auf den letzten Ankerplätzen überhaupt keine Probleme mit den Plagegeistern und konnten ohne Mückennetz immer mit offenem Fenster schlafen (es ist direkt am Bett, bei einem beginnenden Regenschauer werde ich wach und mache es zu, aber auch davon gab es die letzten Nächte keine).

Dafür findet sich eine andere Tierart hier überaus reichlich: noch nirgends haben wir so viele Pelikane auf einmal gesehen. Bei unserem Dinghyausflug durch die Mangrovencreeks zum Strand auf der Riffseite kreisen sie über uns und sitzen in großen Gruppen dicht an dicht auf den niedrigen Bäumen.

Trotzdem soll es heute noch ein Stückchen weitergehen, wir nähern uns langsam dem Cabo Rojo an der Südwestecke von Puerto Rico.

Manatee-Watching in Puerto Rico

Manatee (englisch) oder Manatí (spanisch-karibisch) hört sich irgendwie schöner an als die deutsche prosaische Bezeichnung Rundschwanz-Seekuh. Aber Bezeichnung hin oder her, die friedlichen Pflanzenfresser haben Wiebke und ich erst ein einziges Mal (in Florida) in freier Natur sehen können. Hier in Puerto Rico kommen sie ebenfalls vor und an unserem Ankerplatz vor Puerto Salinas weisen Bojen auf die Manatees und die ihretwegen eingerichtete Geschwindigkeitsbegrenzung von 5 mph hin.

Also blasen wir die SUP auf und erkunden auf diesen Paddelboards erstmal den Ankerplatz und die angerenzenden Mangrovenkanäle.

Wir genießen den ruhigen morgendlichen Ausflug, ein Manatee lässt sich dabei leider nicht blicken (Mücken übrigens anders als befürchtet auch nicht). Die Windstille in den Mangroven täuscht, draußen am Ankerplatz weht es durchaus.

Gemeinsam mit Andrea und Ingo marschieren wir danach durch die Stadt zum gut sortierten, aber weit entfernten Supermarkt. Am Ende kommen 12 km Fußweg zusammen, da sind die beiden Pausen im „The Sweet Spot“ und auf dem Rückweg im Restaurant mit Meerblick doch gut verdient. Die Stadt Salinas hat einen kleinen kolonialen Stadtkern mit in Schuss gehaltenem Rathaus, Bibliothek, Kirche, zentralem Platz, dahinter liegendem Mercado und ein paar noch nicht renovierten Altbauten. Auffällig ist, das die (von uns durchwanderten) Wohnviertel fast durchgängig mit einstöckigen Flachdach-Massivhäusern bebaut sind, alle etwa gleich groß und doch unterschiedlich, oft nicht nur in den farbigen Friesen sondern auch in den verspielten Säulen und den Grundstückseinfassungen, Fenster- und Terrassengittern. Und es gibt irre viele Hunde, natürlich auf den Straßen, aber auch kaum ein Haus scheint ohne (und wenn doch, sorgt der Nachbar vor 😉).

Aber natürlich haben wir die Hoffnung auf Manatees noch nicht aufgegeben. ln der Ferne, zwischen den anderen Ankerliegern und den Mangroven, sehen wir sie immer mal wieder kurz. Wirklich scheu scheinen sie nicht, von vorbeifahrenden Dinghys lassen sie sich kaum beeindrucken, wenn etwas Abstand gewahrt bleibt. Und so fahren wir hinüber und lassen uns von der Luvseite her durch die Gegend driften. Jetzt passt es, bis zu fünf Manatees sehen wir gleichzeitig, drei auf der einen und zwei auf der anderen Seite. Sie grasen in den Seegraswiesen des trüben seichten Wassers, verraten sich gelegentlich durch Wolken aufgewirbelten Sandes oder einen dunklen Fleck, der dicht unter der Wasseroberfläche dahinzugleiten scheint. Aber sie sind nicht ganz leicht zu fotografieren, denn selbst wenn sie Luft holen ist meist nur ein kleiner Teil ihres massigen Körpers zu sehen.

Vom Kopf sieht man oft nur den kurzen Rüssel auftauchen (ja, ihre nächsten Verwandten sind die Elefanten), mit den beiden Nasenlöchern obendrauf. Dann geht der Kopf schon wieder unter, die Seekuh macht einen Buckel und zeigt ihren Rücken, gleitet langsam hinab und zeigt manchmal die runde Schwanzflosse.

Zwei Rundschwänze über Wasser
Und im trüben Wasser noch schlechter erkennbar: einer unter Wasser

Weit besser zu erkennen ist das alles auf unserem Manatee-Video, und das gibt’s HIER. Es sind faszinierende Tiere, die bis zu 4,5 m lang und bis zu 500 kg schwer werden. Obwohl derart kolossal, gelten sie als Vorbilder der legendären Meerjungfrauen, auch Kolumbus hat sie als solche beschrieben. Das gängige Schönheitsideal hat sich wohl in der Zwischenzeit etwas gewandelt. (Na ja, eventuell ist das auch eher ein überkommener europäischer oder ein 1989er Disney-Arielle Ansatz, nicht zwingend ein karibischer 😉.)

Die Südküste von Puerto Rico

Mit dem Palmenflash von Vieques verabschieden wir uns von den Spanish Virgin Islands. Etwa 28 Seemeilen sind es nach Puerto Patillas im Südosten der Hauptinsel Puerto Rico. Schon am Ankerplatz riggen wir den Spibaum zum Ausbaumen der Fock und den Bullenstander, um das einmal gereffte Großsegel auf der anderen Seite zu sichern. Schmetterling vor dem recht kräftigen achterlichen Wind ist angesagt. Es werden für uns 28 sm traumhaftes Segeln bei bestem Wetter.

Endlich sehen wir auch wieder einmal Delfine. Eine größere Schule von vielleicht 30 Tieren kommt uns in den Wellen springend entgegen, passiert kurz vor unserem Bug. Einige der Meeressäuger spielen ganz kurz vor unserem Schiff und dann – schwupp – sind sie schon wieder verschwunden. Hat nur eine Minute gedauert und zaubert uns doch für Stunden ein Lächeln ins Gesicht. Zumal wir rein zufällig die Kamera laufen haben:

O.k, die Bilder sind nicht perfekt, sie sind aber auch nur herauskopiert aus unserem Video (Ton anschalten).

Wie man an dem Blau des Wassers unschwer erkennt, ist das Karibische Meer hier richtig tief. Obwohl wir ja küstennah segeln, fällt der Grund auf unserer Route bis auf etwa 900 m ab, 35 Meilen südlich von Puerto Rico ist es über 5.000 m tief. Und das ist nur die eine Seite. Nördlich von Puerto Rico geht es in der Tiefseerinne des Puerto Rico Graben jedenfalls bis über 8.300 m hinab, die genaue Tiefe ist noch strittig. So gesehen ist Puerto Rico praktisch der über Wasser befindliche Gipfelgrat eines unterseeischen Gebirgsrückens.

Wir könnten auch noch küstennäher segeln, es gibt nur wenige gefährliche Flachstellen. Aber weiter draußen im tieferen Wasser hoffen wir auf mehr Angelglück und tatsächlich, querab der Punta Tuna (jaaaa!) rauscht die Steuerbordleine das erste Mal aus. Noch während ich den mittelgroßen Schwarzflossenthunfisch herankurbele, sirrt auch die Rolle der Backbordangel. Allerdings sind wir dort nicht schnell genug, der Fisch geht vom Haken. Kein Problem, denn noch ein zweiter Schwarzflossenthun beißt, wieder an Steuerbord. Diese Thunfischart wird maximal nur etwa einen Meter groß (unsere sind beide kleiner), ist aber sehr lecker. Und noch ein dritter Fisch geht an die selbe Angel, diesmal eine Fregattmakrele (unechter Bonito). Dann stellen wir das Angeln erstmal ein.

Mein neuer Lieblingsköder war wieder reichlich erfolgreich. Waren bisher die roten und vor allem die neongrünen Tintenfisch-Imitate am besten, läuft ihnen jetzt der Zedernholzköder (cedar plug lure) den Rang ab. Nur etwa 10 cm lang, mit Bleispitze und ansonsten ziemlich simpel und unverwüstlich. Auch nur mit einem Einfachhaken, kein Drilling, weshalb gefühlt weniger Sargassum an ihm hängen bleibt, obwohl das gelegentlich trotzdem noch passiert.

Die Beißspuren sprechen für sich

Heute Abend gibt es jedenfalls Fisch auf der Flora, die Crew der Easy One ist eingeladen, aber Andrea lässt es sich nicht nehmen, die Beilagen beizusteuern. Das Eis für die Piña Colada muss Ingo auch von drüben holen, ts, ts.

Anders als befürchtet müssen wir aber auf die Palmen noch nicht verzichten, auch hier an der Südküste säumen sie überaus üppig das Ufer, selbst an unserem Ankerplatz im Städtchen Puerto Patillas. Der Ankerplatz ist durch ein ausgreifendes Korallenriff relativ gut geschützt, allerdings machen ein paar Korallenköpfe einen Bogen bei der Anfahrt erforderlich und das Wasser ist etwas trüb und ziemlich flach. Gute Bedingungen für Manatees, auf die mit Geschwindigkeitsbegrenzungen und Warnbaaken hingewiesen wird. Wir bekommen hier allerdings keine zu Gesicht, hoffen aber auf Sichtungen der Rundschwanz-Seekühe bei unserer weiteren Reise an der Südküste von Puerto Rico. Aber einen (weiteren) traumhaften Sonnenuntergang gibts.

Am nächsten Tag holen wir nach einem Regenschauer den Anker auf und gemeinsam mit der Easy-One geht es weiter nach Westen. Wieder segeln wir vor dem Wind, wieder baumen wir die Fock aus. Aber das Groß hat heute Pause, in Böen messen wir knapp 8 Beaufort, da reicht die Fock alleine dicke.

Wind genau von achtern, Flora und Easy-One fahren das Vorsegel auf der jeweils anderen Seite

Und die Regenschauer bleiben uns erst einmal treu, während wir an der hier im Südosten noch sehr grünen Küste entlangsegeln. Etwa auf der Hälfte der heutigen Strecke von nur 20 Seemeilen wandelt sich aber das Bild, die Hänge der Berge werden zunehmend brauner und karger. Das lässt auch für unsere Regengüsse jedenfalls statistisch hoffen, erstmal bleiben die Wolken, aber tatsächlich wird es gegen Nachmittag schöner, der Himmel reißt auf.

Grün, Blau, Grau. Der letzte größere Schauer bei der Riff-Einfahrt „Boca del Infierno“

Wir machen einen Ankerstop hinter den Cayos de Barca. Durch vorgelagerte Riffe und ein Labyrinth von Mangroveninselchen sind wir hier gut gegen den hohen Ozeanschwell geschützt, aber die immer noch heftigen Windböen sprechen doch für einen geschützteren Platz für die Nacht. Schade, es ist so wunderschön hier:

Aber so fahren wir nach einer ausgiebigen Kaffeepause das kleine Stückchen weiter nach Salinas, in ein von den vorgelagerten Cayos zusätzlich geschütztes schmales Inlet. Im Ort am Ende der von mangrovenumstandenden Salzwassertümpeln gesäumten schmalen und tief einschneidenden Bucht liegt sogar eine kleine Marina, diverse Motorboote ankern davor. Für uns bietet es sich eher an, das zunächst flacher werdende Fahrwasser nicht bis dorthin durchzufahren, sondern zeitig einen Ankerplatz vor dem Ostufer anzusteuern. Ganz dicht kommen wir nicht an die Mangroven heran, es wird schnell seicht. Auf 2,80 m fällt der Anker, direkt neben der Easy-One.

Andrea und Ingo haben hier schon ein Manatee direkt hinter ihrem Boot erspäht, wir warten noch darauf und begnügen uns vorerst mit den rund um uns herum jagenden Pelikanen. Es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, wie sie oft ohne Flügelschlag in Kompaktform dicht über das Wasser gleiten als hätten sie Pate für die Entwicklung der behäbig eleganten Flugboote gestanden. Und dann wieder unvermutet wendige Manöver fliegen und ins Wasser stoßen, wenn sie Beutefische entdecken.

Schneeflocken?

Selbst wenn es in Deutschland WIRKLICH RICHTIG WINTER ist, natürlich gibt’s hier in der Karibik keine Schneeflocken, oder?

Na gut, es sieht nur ähnlich aus. Aber es ist genau so spannend in der manchmal ausgeprägten Symmetrie und zugleich intensiven Formenvielfalt wie bei den sternförmigen Eiskristallen. Vielleicht sogar noch interessanter.

Denn das was wir am zumeist sandigen Boden der engen bachähnlichen gewundenen Wasserwege durch das Mangrovendickicht am Ufer der Ensenada Honda sehen, sind eigentlich Quallen. Nur das diese Nesseltiere ganz artuntypisch nicht mit der Strömung herumtreiben, sondern sich ziemlich dauerhaft am Boden dieser Meer- oder Brackwasserarme festsetzen. Noch dazu mit den Tentakeln nach oben, sozusagen verkehrt herum.

“Upside down jellyfish“ werden sie deshalb auf Englisch genannt, Mangrovenquallen wegen ihres Hauptverbreitungsgebietes auf deutsch. Richtig dramatisch ist diese Art der Schirmquallen für die Menschen nicht, normalerweise lösen sie höchstens ein leichtes Hautjucken aus. Egal, wir gehen angesichts der Vielzahl dieser Tiere hier in Ufernähe lieber nicht ins Wasser, schließlich soll die Cassiopea (so heißt diese Quallenart mit wissenschaflichem Namen) ihre nesselnden Zellen auch ins freie Wasser entlassen können, ohne Verbindung zu den Nesselfäden. Wunderschön anzusehen sind sie aber trotzdem.

Wir finden sie auf unserem Dinghyausflug auch überall am Ufer der Mangrovenbuchten und besonders weit verbreitet in dem runden, fast vollständig von Mangroven eingeschlossenen “Teich” mit dem moorig dunklen Boden. So häufig und in so großen Gruppen, dass man sie mit ihren hellen nach oben zeigenden Seiten leicht für Sandflecken halten könnte.

Für uns heißt es jetzt aber Abschied nehmen von der super geschützten Ensenada Honda, wir wollen weiter nach Westen in Richtung des Ortes Esperanza, in die Sun Bay. Hoffentlich trägt sie ihren Namen zu recht, den auf dem Weg dorthin werden wir von einigen regenintensiven Squalls begleitet.

Aber: heute wollen Andrea und Ingo mit ihrer „Easy-One“ dort eintreffen, die von Curaçao hier hinauf nach Puerto Rico gesegelt sind. Wir freuen uns riesig, die beiden endlich wieder zu sehen.

Isla de Vieques

Wir steuern die nächste und mit 33 km Länge zugleich größte der Spanish Virgin Islands an, die Isla de Vieques. Auch sie hat (wie praktisch alle Inseln der Karibik) eine bewegte Geschichte, war am Ende des 17. Jahrhunderts sogar einmal vier Jahre unter Brandenburgischer Anexion. Die jüngere Geschichte ist aber vor allem dadurch geprägt, dass die US-Navy bis zu 70 % der Insel als Manövergebiet und Zielgebiet für Kriegsschiffe und Marineflieger nutzte. Erst 2003 wurde das eingestellt. Dies führt dazu, dass noch immer weite Teile der Insel (insbesondere im Osten) unbebaut sind. Diesem Umstand soll aber mit luxuriöser Bebauung begegnet werden, die verlangten Grundstückspreise jedenfalls sind schon mal ziemlich hoch. Und das, obwohl die langjährige militärische Nutzung einiges an Altlasten hinterlassen hat.

Während wir uns Vieques nähern, bekommen wir davon aber nichts mit. Teilweise können wir kaum die nahe Insel erkennen, denn das durchwachsene Wetter schickt uns ein paar respektable Squalls, denen wir mit umso mehr Vorsicht begegnen als ein vor uns fahrendes Boot von 35kn-Böen berichtet. Wir segeln am Wind, da reffen wir das Groß doch lieber durch ins dritte Reff, messen dann aber selbst nur bis 27 kn.

Auf der Südseite der Insel begegnen uns dann erstaunlich viele Fischerbojen, bis wir in die große Ensenada Honda einbiegen. Hinter den Riffen tasten wir uns fast zwei Seemeilen zurück Richtung Osten, liegen dann aber wunderbar geschützt in der größten der sich verzweigenden Mangrovenbuchten. Als einziges weiteres Schiff ankert die La Rive Nord ein Stückchen vor uns, Kim und Chuck kommen auf einen von frisch gebackenem Brot begleiteten Sundowner herüber.

Die beiden zeigen uns, dass es hier in der Bucht ebenso Bioluminiszenz gibt wie in der dafür berühmten Mosquito Bay etwas weiter westlich. Nicht so stark wie dort, aber auch hier löst Bewegung im Wasser, egal ob von Fischen, Paddeln oder Wellen ein blaues Leuchten aus. Chuck rät zu einem Sprung ins dunkle Nass, aber Nachtschwimmen in Hai-Gewässern ist nicht so unseres. Vom Paddelboard aus mit Taucherbrille ins Wasser schauen und mit der Hand vor dem Gesicht herumwedeln ist immerhin auch schon ganz beeindruckend, die „Explosion“ direkt vor den Augen ist viel intensiver als der Blick von oben ins Wasser.

Leider lässt sich das Phänomen (jedenfalls mit meinen Mitteln) von Bord aus kaum filmen oder fotografieren. Versucht habe ich’s natürlich trotzdem. Allerdings, das noch am wenigsten enttäuschende Ergebnis ist jenes hier, es zeigt in Langzeitaufnahme das Leuchten an der im dunklen Wasser auf und ab bewegten Badeleiter.