Helme aus Vogelfedern, Riggingvorbereitung und Ablenkungen

Montag soll der Mast gelegt werden. Dafür müssen wir dann etwa 5 Meilen weiter zum Hafen des “La Mariana Sailing Club”. Segeln können wir allerdings nicht, denn zur Vorbereitung haben wir heute schon mal das Vorsegel und auch das Großsegel abgeschlagen. Theoretisch ist das noch zu zweit machbar, aber wir waren doch froh, dass uns Machiel von der Pitou beim Großsegel geholfen hat. Mit seinen fünf senkrechten langen Latten (die natürlich erstmal raus müssen) und den knapp 50 qm Hydranet ist es ein ziemlich steifes und damit eher unhandlich zusammenzupackendes Segel. Und auch ein ordentliches Paket zu schleppen und unter Deck zu verstauen:

Danach bauen Wiebke und ich den Rodkicker und den Großbaum ab, der zum Glück noch ganz gut auf unserem Laufdeck gestaut werden kann. Sieht aber schon seltsam aus.

Die nächsten Vorbereitungen betreffen die Elektrik, denn auch da müssen ja die Verbindungen zum Mast getrennt werden. Bei Flora laufen diese Leitungen alle durch zwei „Schwanenhälse“ neben dem Mastfuß.

Damit wird verhindert, dass an den Leitungsdurchführungen Wasser ins Schiffsinnere gelangt. Die Leitungen haben dann Trennstellen, die im vorderen Bad der Flora hinter einer Verkleidung oberhalb der Dusche angebracht sind. Da wir den Mast in den fünf Jahren seit Floras Kauf bisher noch nie gelegt haben, sehen wir der Trennung der ganzen Kabel etwas skeptisch entgegen. Schließlich sind mit Ankerlicht, Dreifarbenlaterne, Dampferlicht, Deckslicht, Funkantenne, (seit Jahren nicht mehr genutzter) Fernsehantenne, NMEA der Windanzeige und vor allem der elektrischen Verbindung der Rollanlage im Mast für das Großsegel dann doch einige Kabel zu trennen. Der erste Blick in das Schapp sieht auch etwas verwirrend aus:

Die Kabel sind zwar (soweit von Hallberg-Rassy verlegt) beschriftet, allerdings mit Codes wie 12-W34, also nicht unbedingt selbsterklärend. Aber mit etwas Überlegen und Durchmessen können wir alle Kabel zuordnen. Ich beschriftet sie mit unserem Labelgerät jetzt zusätzlich so, dass wir im Bedarfsfall (Fehler) leichter erkennen können. Dann prüfen wir, wie wir die Kabel durch die Schwanenhälse schieben können, es geht ganz leicht.

Damit sind unsere Vorbereitungen erstmal abgeschlossen, die Trennung der Kabel machen wir dann Montag.

Und womit lenken wir uns hier in Honolulu sonst so ab? Der Reiseführer empfiehlt „Schirmchendrinks“! Na gut 🍹 😊.

Am Wochenende ist die Flaniermeile in Waikīkī gut gefüllt, aber wir bekommen mit etwas Glück trotzdem einen Patz in der ersten Strandreihe der Bar im Banyan Tree Courtyard des traditionsreichen Moana Surfrider Hotel.

Die Strandbar legerer und bunter:

Die Stadtkulisse von Honolulu in der blauen Stunde:

Wir machen einen Ausflug nach Pearl Harbor und besuchen das dortige Museum. Und wir fahren mit dem Bus auch hinaus zum Bishop-Museum, das sich der polynesischen Kultur Hawaiis und der gesamten Südsee widmet.

Die Begrüßung scheint mit fast deutscher Beflaggung zu erfolgen …

… aber wir erfahren drinnen, dass die komplett mit feinen Vogelfedern geschmückten Umhänge und sogar Helme der Hawaiianischen Könige eben diese Farben trugen:

Das Museum beeindruckt auch sonst. Mit seinen Räumlichkeiten, aber auch mit der Präsentation und Themenvielfalt.

Räumlich getrennt einmal betreffend Hawai’i und einmal ganz Polynesien (Wiebke steht auf einer Intarsienarbeit im Polynesien-Haus und markiert Hawai’i). Eine tolle Foto- und Videoausstellung über die Tradition des Tätowierens, Wissenswertes über die Tier- und Pflanzenwelt, die Göttervorstellungen, aber auch zum Beispiel die Mondphasen (jeder einzelne Tag hat einen Namen und eine Bedeutung z.B. für das Pflanzen von Setzlingen oder die Auswahl der zu fangenden Fische) und so vieles mehr. Mich begeistert z.B. die Ausstellung über die verschiedenen Angelhaken und deren schwierige Herstellung z.B. aus Muschelschalen (da Metalle ja unbekannt waren):

Wie viel einfacher haben wir es da heute: nach dem Museumsbesuch fahren wir mit dem Bus weiter zu „POP Fishing und Marine“. Wiebke steht im Gang mit den Tintenfischimitat-Ködern, es gibt aber noch zwei weitere Köder-Gänge.

Eigentlich wollen wir aber neue Fockschoten kaufen und auch da werden wir fündig:

Aloha.

Erste Eindrücke aus Hilo, Hawai’i

Wir haben herausgefunden, dass wir unser Dinghy in einem kleinen öffentlichen Hafen im Wailoa River parken können, von dort aus führt ein schöner Weg durch einen weitläufigen Park mit dem Waiākea Pond. Immer am Wasser entlang, geschwungen angelegt, mit vielen Palmen, vor allem aber mit riesigen Schirmakazien (unser Taxifahrer sagt, sie werden hier „Monkey Pod“ genannt, anderenorts heißen sie auch „Raintree“). Eigentlich in der Savanne beheimatet, gedeihen sie hier so gut, dass sie – obwohl eben nicht heimisch – als gern angenommenen weitausgreifende Schattenspender zum Stadtbild gehören.

Es gibt auch einen Weg an der der Bucht entlang, aber der Strand ist nicht sonderlich attraktiv, schwarz, mal Sand und mal Kies. Schwemmholz lagert sich dort an und er ist vom Ort durch die große Straße eher getrennt als angebunden.

Hilo ist nach Honolulu die zweitgrößte Stadt im Bundesstaat Hawai’i. Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Mit etwa 45.000 Einwohnern ist Hilo eher ein beschauliches Städtchen, das wird sehr deutlich, als wir das Zentrum erreichen. Ursprünglich in dem Bereich gelegen, in dem jetzt der Park und ausgedehnte Sportanlagen liegen, verlagerte es sich nach mehreren verheerenden Tsunamis (der letzte große sorgte 1960 für schlimme Verwüstungen und erhebliche Opferzahlen) aus dem Scheitel der Bucht weiter nach Westen und etwas den Hügel hinauf, wobei es auch hier schon historische Gebäude gab.

Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein. Das wirkt meistens charmant, an einigen Ecken aber auch ein bisschen „in die Jahre gekommen“, wird aber von den Geschäften auch mit den Auslagen in den Schaufenstern eher noch bewusst unterstrichen 😉.

Man pflegt das „Hang Loose“, die Öffnungszeiten unterstreichen das. Privatleben will auch Raum. Customs (zum Einklarieren) hat von 6.00 bis 14.00 Uhr geöffnet, die Läden in der Haupteinkaufsstraße machen um 15.00 oder 16.00 zu. Manche auch eher 😉:

Auch das sehenswerte und informative Pacific-Tsunami-Museum schließt um 16.00, wir statten ihm aber vorher noch einen Besuch.

Und was macht der Hawaiianer nach Feierabend? Angeln offenbar manche. Surfen vielleicht, aber eher auf Maui als hier in Hilo, hier wird das Ausleger-Kanu klargemacht. Die polynesischen Wurzeln werden gepflegt, es ist Volkssport. An der Boje am Ankerplatz hängt natürlich auch eins.

Aber auf dem Parkplatz an Land ist es ebenfalls kein ungewöhnlicher Anblick:

Und am Nachmittag wird es quirlig um die Flora herum.

Segeln geht aber auch:

Wir schauen uns ein weiteres Museum an, das Imiloa Astronomy Center. Es bietet eine Ausstellung über die polynesische Navigationskunst und die weiten Reisen mit den Hochseekanus und über die astronomischen Observatorien und Teleskope auf dem Vulkan Mauna Kea, dem höchsten Berg Hawai’is. Was wir nicht wissen: Auch ein Planetarium ist darin und dort bekommen wir eine tolle Doppelvorführung über schwarze Löcher (mit sehr aktuellem Bezug zu neuen Forschungsergebnissen) und über den aktuellen Sternenhimmel und wie die Polynesien ihn lesen, welche Sternbilder sie in ihm erkennen und nach ihnen navigierten.

Den Mauna Kea und bei genauem Hinsehen sogar die weißen Observatorien auf seiner Spitze können wir vom Boot aus bei guter Sicht erkennen, kaum zu fassen, dass er über 4.200 m hoch ist.

Die Vulkane hier müssen wir uns auf alle Fälle noch näher ansehen, insbesondere den nur wenig niedrigeren und noch aktiven Mauna Loa.

Und vorher: Shaved Ice. 😁 Hatten wir auch schon mal in Panama, ist hier in Hilo aber ganz besonders lecker. In meinem verbirgt sich innen noch eine Vanilleeiskugel, auf Wiebkes ist Kokoscreme und Passionsfrucht-Topping.

Panama Stadt

Es ist schon eine ziemlich krasse Skyline, mit der Ciudad de Panamá (also Panama Stadt) aufwartet. Insbesondere wenn man bedenkt, dass weniger als eine Million Menschen dort wohnen. Das Bankenviertel ist enorm, die Panamá-Papers haben ja ein Schlaglicht auf das geworfen, was in dieser Finanzmetropole so abgeht.

Aber Panama Stadt hat auch ganz andere Seiten. Fußläufig von unserem Liegeplatz in der Playita Marina erreichen wir das das vom bekannten Architekten Frank Gehry entworfene Museum für Biodiversiät Panamas.

Hier wird unter anderem sehr spannend und multimedial die erdgeschichtliche Entwicklung Panamas zur nachträglichen Brücke zwischen den Kontinenten Nord- und Südamerika dargestellt, die ganz erheblichen Anteil an der hohen Biodiversität Panamas und seiner Nachbarländer hat.

Und auch die Altstadt von Ciudad de Panamá bietet starke Kontraste. Zum Bankenviertel mit seinen Hochhäusern, na klar, aber auch in sich selbst. Wunderschön renoviert und völlig verfallen steht hier oft direkt nebeneinander, aus hippen Rooftop-Bars blickt man sowohl über sorgfältig restaurierte herrschaftliche Bauten als auch über heruntergekommene Straßenzüge.

Die spannende, lebendige Stadt hat hier vielleicht gerade wegen dieser Gegensätze viel Charme. In der Altstadt liegt auch das Panamakanal-Museum, dem wir natürlich auch einen Besuch abstatten. Die Geschichte des Kanalbaus wird in einem Stockwerk behandelt, im zweiten Stockwerk geht es im Wesentlichen um die komplizierte Beziehung zu den Vereinigten Staaten und die sozialen und kulturellen Einflüsse, die der Kanalbau und die dafür angeworbenen Arbeiter aus der ganzen Welt auf die Entwicklung des damals jungen Staates Panama und dessen Sozialgefüge hatten.

„Die Erde geteilt, die Welt vereint.“ Schön wäre es ja, wenn dieses hochfliegende Motto des Kanals sich bewahrheiten würde, nicht nur im Handel, sondern auch – wie im Museum suggeriert – zwischen den verschiedenen Menschen und Völkern, die hier beim Kanalbau zusammengekommen sind. Allerdings wird auch der Rassismus und die Zweiklassengesellschaft selbst im Bezahlungssystem thematisiert und mit vielen Beispielen bis hin zur Architektur der Wohnungen dargestellt.

Wie in wohl jeder größeren Mittel- oder Südamerikanischen Stadt darf im Straßenbild ein monumentales Denkmal für Simón Bolívar nicht fehlen, der die Unabhängigkeitskriege mehrerer heutiger Staaten gegen Spanien anführte und nach dem das Land Bolivien benannt wurde.

Den Gefallenen eines gänzlich anderen Kampfes ist ein großes Wandbild gewidmet, dass wir in der Kirche San Francisco de Asis sehen (spannend auch das Enddatum):

Zeit in Washington und “umzu”

Wir sind immer noch in Washington, wohnen im Haus von unseren Freunden Greg und Michael. Die allerdings sind inzwischen in Deutschland, wir machen also quasi “Haus-Sitting”.

Noch knapp eine Woche (wenn alles glatt geht), dann fliegen auch wir – ab morgen einschließlich Wartezeit komplett durchgeimpft – für etwa sechs Wochen nach Deutschland. Wir freuen uns schon sehr, genießen aber auch die ruhige Zeit hier.

Und was machen wir hier so?

Na ja, ganz hat uns das Boot noch nicht losgelassen. Ich war heute das dritte Mal hin, um mit Handwerkern in Herrington Harbour North geplante Arbeiten zu besprechen. Was steht an? Service-Arbeiten am Motor, zudem die Verlegung eines Seeventils im Motorraum um Platz für einen montierten Ersatzautopilot (Mamba-Drive) zu schaffen. Ersatz des Diesel-Vorfilters durch einen umschaltbaren Doppelfilter, was aber eine Verlegung des Vorfilters für den Generator nach sich zieht. Zudem habe ich da eine Idee für ein Diesel-Polishing. Die hintere Klimaanlage muss entweder ersetzt oder stillgelegt und ausgebaut werden. Der Stoff des Bimini muss neu und wir hätten gerne “Shades”, also anknöpfbare winddurchlässige schattenspendende Seitenteile dafür. Die Segel dürfen nach 2 Jahren und über 15.000 Seemeilen vom Segelmacher durchgesehen werden, der Rigger soll eine potentielle Schwachstelle an der Rollgroßwicklung beseitigen. Und – last not least – wir wollen erheblich mehr Solarpanele einsetzen und die bisherigen 200 WP um weitere 330 WP ergänzen. Da ist ein bisschen was durchzudenken und durchzusprechen.

Aber wir haben auch Zeit für Ausflüge, etwa mit dem Cabrio unserer Gastgeber zum Seneca Creek State Park, wo wir eine wunderschöne Wanderung um den dortigen Stausee machen, rund 7 km (etwa wie einmal um die Außenalster 😄). Statt Schwänen gibt’s Schildkröten zu sehen, die sich auf Ästen etwas entfernt vom Ufer sonnen, Außerdem Biber-Bissspuren an Bäumen, handtellergroße blaue “Red spotted Purple”-Schmetterlinge und auch der offizielle Landesvogel von Maryland, der auffällig rote “Cardinal” zeigt sich im Blätterdickicht.

Vor allem aber ist der meist nahe des Ufers verlaufende Waldweg wirklich eher ein naturnaher unbefestigter Pfad und der Wald offenbar unbewirtschaftet.

Als Kontrastprogramm fahren wir mit Bus und Metro in die Innenstadt von Washington, werfen einen Blick aufs Capitol und besuchen das “National Museum of the American Indian”. Architektonisch spannend und (jedenfalls uns) an die in Felswänden versteckten Pueblo-Bauten erinnernd, vor allem aber mit ihren runden Formen und der Einbeziehung von fließendem Wasser Einklang mit der Natur symbolisieren sollen. Das Museum ist innen auf vier thematischen Ebenen wirklich interessant gemacht und deckt die Völker der “First Nations” vonm hohen Norden bis Mittelamerika ab. Insbesondere die Aufarbeitung der Themen Spiritualität/Weltsicht und historische Entwicklung der Vertragssituation gefällt uns, aber der riesige Umfang erschlägt. Außerdem ist die Klimaanlage mal wieder auf super kalt eingestellt (was eigentlich nur für den Bereich Inuit wirklich passt). Nach ein paar Stunden fliehen wir ins Museeumscafé und wärmen uns auf.

Danach besuchen wir die schräg gegenüber liegende “National Gallery of Art”, davon allerdings nur das “East Building” mit moderner und zeitgenössischer Kunst sowie den Skulpturengarten. Dieses Häppchen sind gut verdaubar und trotzdem ist die Dichte der großen Namen (name it, you will see it) kaum fassbar.

Und wenn wir uns hier bei Greg und Micheal zu Hause einfach nur die Füße vertreten wollen, laufen wir gerne durch das sich unglaublich rasant entwickelnde Neubaugebiet gegenüber. Ein kompletter Stadtteil wächst sich hier mit imposanter Geschwindigkeit: einmal geblinzelt, steht schon wieder ein neues Haus. Was auch an der für uns ungewohnten Bauweise liegt – machmal sieht es durch die Holz-Ständer-Bauweise aus wie ein Fortgeschrittenen-Puzzle für Häuslebauer.

Super spannend, vor allem wenn man dann – wie wir es gerne tun – die Musterhäuser besichtigt und auch sieht, wie kurz nach der Fertigstellung mit Rollrasen, Bepflanzung (einschließlich ziemlich großer Bäume), Verklinkerungen und Fassadenvarianz der Eindruck eines gewachsenen Stadtteils entsteht, den man mit diesen Bildern kaum in Einklang bringen kann.

New Bedford: Whaling Capitol

Nach Nantucket nun New Bedford, das musste wohl so sein. Denn auch die Stadt am Acushnet River nimmt für sich in Anspruch, eine Zeitlang “Walfanghauptstadt der Welt” gewesen zu sein und mit diesem heute weniger schmeichelhaft empfundenen Titel eben das nahe gelegene Nantucket (von dem wir hier her gesegelt sind) abgelöst bzw. überflügelt zu haben. Das hatte ganz handfeste logistische Gründe:

Zum einem versandete die Einfahrt nach Nantucket, was für die inzwischen auf zwei- bis vierjährige Fangreisen ausgelegten und deshalb immer größer werdenden Walfangschiffe zum Problem wurde, weil sie voll beladen zuletzt (ab 1842) aufwändig mit einem Trockendock in den Hafen geschleppt werden mussten. Vor allem aber bot der vergleichsweise tiefe Hafen von New Bedford landseitig den unmittelbaren Anschluss an das Eisenbahnnetz, die Transcontinental Railroad führte von hier bis hinüber nach San Francisco.

Ein toter Wal oder ein verheiztes Boot, so habe ich mir dieses Zitat aus Moby-Dick übersetzt (die deutsche Ausgabe spricht von einem zerschellten Boot). Und sowohl irgendwie tot als auch verheizt kam uns New Bedford bei unserem ersten Spaziergang durch die Stadt bis hin zum im Industriegebiet gelegenen Supermarkt auch vor. Nicht verrottet, im Innenstadtbereich sogar baulich schön renoviert, aber leer, leblos, die besten Zeiten hinter sich. Ein bisschen im Ausverkauf trotz neuer Farbe. Ich glaube eigentlich nicht, dass es am Covid-bedingten Mindestabstand liegt, selbst wenn er martialisch in Harpunenlänge angegeben wird 😉

Andererseits: der Hafen ist ein lebendiger Arbeitshafen, wo noch mit LKW Eis von der hafeneigenen Eisfabrik auf die Fangschiffe gekarrt, wo entladen, beladen, entrostet, gepönt und geschweißt wird.

Ein zweiter Gang in die Stadt steht an, vielleicht ist der zweite Eindruck besser, außerdem wollen wir uns das Walfangmuseum nicht entgehen lassen. Es ist das dritte auf unserer Reise, nach dem in Mindelo auf den Kapverden und dem letzte Woche in Nantucket. In den beiden bisherigen gab es jeweils einen guten Blick von der Dachterrasse über die Bucht und die Stadt, New Bedford will da nicht zurück stehen:

Den Versuch war es wert. Viel mehr Punkte sammelt das Museum aber in seinem Inneren. Wal-Skelette, Scrimshaw, Harpunen, Walfangboot, na klar, das gab es überall, wenn auch hier in besonderer Qualität und Quantität und mit aktuellen Bezügen (zwei der drei großen Skelette der Eingangshalle resultieren aus Kollisionen der Wale mit Frachtern, auch die Bedrohung durch Fischfanggerät wird eindrücklich dargestellt).

Aber ein komplettes Walfangschiff im Maßstab 1:2, begehbar, mit Rigg, Segeln, Beibooten?

Beeindruckt sind wir auch von dem detailreichen Panoramabild, das Walfangschiffe aus New Bedford bei ihrer Reise um die Welt und die Eindrücke ihrer Besatzung stimmungsvoll einfängt. Dabei ist das lange und schmale, in vier übereinander angeordneten Bahnen angeordnete Gemälde nur eine Kopie im Maßstab 1:12. Das inzwischen restaurierte Original des 1848 erstellten “Grand Panorama of a Whaling Voyage ‘Round the World” ist 388 m lang und 2,5 m hoch! Das Museum denkt noch darüber nach, wie das Originalgemälde präsentiert werden kann.

(Nur ein Ausschnitt)

Auch der Walfang in anderen Kulturen und Regionen der Erde wird mit vielen Exponaten in mehreren Sonderbereichen und auch multimedial dargestellt.

Inuit, Fernost, Südsee. Vor allem aber die Bezüge zu den Azoren und den Kapverden, denn viele Walfangschiffe fuhren aus New Bedford “understaffed” ab, also mit Notbesatzung. Die Crew wurde dann auf den portugiesischen Azoren und Kapverden vervollständigt. Viele Crewmitglieder blieben nach den Fahrten in New Bedford und ließen sich dort nieder. Ihr Einfluss auf die Stadt ist bis heute spürbar, zudem sind (oder waren) mit Funchal, Horta, Mindelo und Figueira da Foz vier der sechs Partnerstädte New Bedfords portugiesisch.

Und wir gehen nach dem Museumsbesuch portugiesisch frühstücken 😊

Reservierung war nicht erforderlich

Direkt in der Nähe liegen dann auch noch das 1787 gebaute historische Seemannsheim (heute Museum) und die konfessionsfreie “Seaman’s Bethel” von 1832, die Kirche, die mit ihren Erinnerungstafeln an der Wand für die auf See gebliebenen und dem eindrucksvoll und in der Sprache der Walfänger predigenden Seemannspfarrer den jungen Herman Melville inspiriert hat und dann auch in Moby-Dick verewigt wurde.

Die Kanzel in Form eines Schiffsbugs hat Melville allerdings frei erfunden. Weil sich Touristen an die Filmszene (des insoweit allerdings in Irland gedrehten Kinofilms von 1956 mit Gregory Peck als Kapitän Ahab und Orson Welles als Pfarrer Mapple) erinnerten und die Kanzel vermissten, wurde sie 1961 – wenn auch ohne Strickleiter – eingebaut.

Also gut. Whaling is over. Whaling Capitol auch. Aber die zweite Chance hat New Bedford ein bisschen genutzt, Eindruck verbessert. So richtig warm werden wir mit New Bedford trotzdem nicht.

Morgen geht’s weiter, der Außenborder haben wir schon vom Dinghy an den Heckkorb genommen, die Propangasflasche ist aufgefüllt. Das haben Greg und Michael vor ihrer Abreise mit dem Mietwagen massiv erleichtert, denn direkt hier am Hafen sieht es so aus:

Nicht nur der Walfang ist vorbei. Aber (nicht zu alte Flaschen vorausgesetzt, das wurde jeweils überprüft) wir konnten in den USA unsere Gasflaschen schon in Hampton und jetzt hier bei dem omnipräsenten Umzugs-LKW-Vermieter “U-Haul” schnell und preiswert befüllen lassen.