Der SCHÖNE Schein und die Biodiversität

Genau hinschauen lohnt oft. Und die Geldscheine in Costa Rica laden dazu ganz besonders ein. Also in dem Fall mal nicht auf den Pfennig oder Cent schauen, sondern auf den Colón. Beziehungsweise auf die Colonnes, den für einen Euro bekommt man derzeit etwa 730 Colonnes, im Alltag sind wir also mit höheren Beträgen unterwegs als in Europa gewohnt. Natürlich würde man so auch schneller Millionär, (mit rund 1.370 Euro) aber ⚠️: wenn auf den Scheinen z.B. „ 2 MIL COLONES“ draufsteht, bedeutet das „nur“ Zweitausend Colones, also umgerechnet etwa 2 Euro 70 Cent.

Der kleinste Schein ist der 1.000er:

Die Vorderseite aller Scheine zeigt jeweils verdiente Persönlichkeiten des Landes und – farbig auf durchsichtigem Grund – einen Scherenschnitt, beim 1.000er den Umriss des Landes; somit auf der Rückseite spiegelverkehrt. Dafür bieten die Rückseiten viele Details. Auf dem 1.000 Colones Schein findet sich ein Weißwedelhirsch (nebst landessprachliche und wissenschaftlicher Bezeichnung), zudem ein Guanacastebaum (seit 1959 Nationalbaum) und eine nachtblühende Kakteenart. Die Landschaft bzw. das Ökosystem ist oben rechts vermerkt: Bosque Seco (Trockenwald) und diese Bezeichnung findet sich auch in den Wellen aus Buchstaben, die oben und unten klein über den Schein laufen.

Der nächst größere Schein ist der 2.000er:

Bullenhai, Kissenseestern und Meerfeder vor Korallen und Riffbarschen zeigen, dass es diesmal um die (Unterwasser-)Landschaft Korallenriff geht.

Ein besonderes Gimmik verbirgt sich in den kleinen, nur als Scherenschnitt gezeigten Schildkröten unter dem Hai: sie zeigen in miniaturkleinen Buchstaben das sich wiederholende Motto „Pura Vida“!

Als Nächstes kommt der 5.000er:

Hier sind es Weißschulterkapuzineraffe, Mangroven-Rennkrabbe und Rote Mangrove, das Ökosystem sind die Mangrovenwälder. Auch hier findet sich im Umriss des Krokodils oder Kaimans: Pura Vida.

Der 10.000er:

Da habe ich einen etwas älteren Schein im Portemonnaie, die durchsichtigen Merkmale der neuen Scheine fehlen. Er fühlt sich auch anders an, die neuen Scheine sind aus schmutz- und wasserabweisenden Kunststoff, sollen dadurch länger halten und besser recyclebar sein.

Das Dreizehenfaultier ist gut zu erkennen. Fun Fact: Alle Faultiere haben drei Zehen – an jedem der Hinterbeine. Die Unterscheidung in Zweizehen- und Dreizehenfaultiere erfolgt nach der Anzahl der sichtbaren „Finger“ an den Vorderbeinen.

Auf dem Schein sind außerdem sind eine Schlauchpilz- und eine Orchideenart (eine von über 1.500 in Costa Rica!) abgebildet. Im Umriss sind Tukane zu erkennen, klar, es geht um den Regenwald (Bosque Lluvioso).

Der größte Schein, den wir in die Finger bekamen, ist der 20.000er:

Groß abgebildet ist der Vulkankolibri, auch Vulkanelfe genannt. Zudem eine (allerdings giftige) Senecio aus der Familie der Gänseblümchen. Das Ökosystem Páramo bezeichnet die baumlosen Hochlandsteppen der Vulkangegenden.

Auf den Umrissen der Kaninchen lesen wir wieder: Pura Vida.

Soooo viel bunte Pflanzen- und Tierwelt. Und doch: nur ein klitzekleiner Ausschnitt, denn Costa Rica ist eines der 20 Länder mit der höchsten Biodiversität weltweit. Die Länder dieser Hotspots biologischer Vielfalt drängeln sich rund um den Äquator. Allein Costa Ricas Tierwelt umfasst in seinen 12 Mikroklimazonen unfassbare mehr als 500.000 Spezies, darunter über 250 Arten von Säugetieren, allerdings auch 300.000 verschiedene Insekten 😉.

Noch herausragender ist die Vielfalt bei den Pflanzen. Woran liegt diese enorme Biodiversität? Zum einen an der Lage an der Schnittstelle zweier von den Menschen erst spät intensiv besiedelten (und für sie „urbar gemachten“) Kontinenten. Zum anderen an der geographischen Lage in den Tropen, einer Gegend, die die Gletscher auch während der Eiszeiten nicht erreicht haben. Und letztlich auch daran, dass das Land noch bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts nur sehr dünn besiedelt blieb und das späte Bevölkerungswachstum zu einem erheblichen Teil erst erfolgte, als sich das Land schon für eine relativ naturverbundene und naturverträgliche Grundausrichtung entschieden hatte, etwa hinsichtlich der Ausweisung von Schutzgebieten und der weitgehenden Ausrichtung des Tourismus auf eher höherpreisiges „Öko“ statt auf Bettenburgen und Billigurlaub.

Bleibt das so? Wir hoffen es.

Pura Vida!

Jugendtraum, Nebelwald, kleine Große und große Kleine …

Irgendwann als Teenager habe ich mal ein Buch in die Finger gekriegt, in dem ein Motorrad fahrendes Paar die Panamericana (und noch vieles mehr) komplett befahren hat. Seitdem bin ich infiziert. Auf dieser Traumstraße von Alaska bis Feuerland wollte ich eines Tages auch unterwegs sein, wenigstens ein Teilstück am Pazifik entlang! Und: jetzt ist es passiert.

Na klar, wenn sich dieser Highway von Nord nach Süd ganz durch die beiden amerikanischen Kontinente zieht, muss er zwangsläufig auch durch Costa Rica 🇨🇷 verlaufen, schließlich erstreckt sich das Land von der Atlantikseite bis hinüber zur Pazifikküste (wie neben den großen Ländern Kanada 🇨🇦 , USA 🇺🇸, und Mexiko 🇲🇽 auch Guatemala 🇬🇹 sowie Costa Ricas Nachbarländer Nicaragua 🇳🇮 und Panama 🇵🇦, außerdem Kolumbien 🇨🇴 und wohl auch Chile 🇨🇱 zu den zwingenden Transitländern dieser Straße zählen weil sie eben beide Ozeane berühren).

Von unserem Hotel in Alajuela fahren wir auf der in Costa Rica “Carretera Interaméricana” genannten Straße denn auch tatsächlich zum Pazifik und auf der Küstenstraße ein Stück weit an ihm entlang.

Dann biegen wir wieder ins Landesinnere ab und es geht hinauf in die Berge. Unser Tagesziel heißt “Monteverde”, es ist ein privates Naturschutzgebiet hoch oben auf der Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik. Die von Osten kommenden Passatwinde werden hier bis auf etwa 1.400 m die Berghänge der zentralen Kordilleren hinauf gedrückt. Sie kühlen dabei ab, der in der warmen Luft enthaltene Wasserdampf kondensiert, und so liegen diese Gipfel zumeist in dichten Wolken. Nebelwald. Regenwald.

So die Theorie und so präsentiert sich Monteverde auch bei unserer Ankunft.

Ein weiteres Klischee erfüllt sich dann gleich nach Bezug unseres Zimmers in einem kleinen Extrahäuschen auf dem Gelände der Lodge: Wiebke stößt im Badezimmer einen Schrei aus und ich darf einen unerwünschten Mitbewohner einfangen und an die frische Luft befördern:

Held mit Wasserglas. 😉 Danach bleiben wir hier übrigens von solchen ungebetenen Gästen verschont.

Wir besuchen den in der Nachbarschaft gelegenen Orchideengarten und werden überrascht. 150 der rund 500 Arten blühen bei unserer Visite, aber so richtig bunt sieht es auf den ersten Blick nicht aus. Nachdem wir den Eintritt bezahlt haben, bekommen wir gleich einmal eine Lupe in die Hand gedrückt. Ach so ist das. Tatsächlich sind 80 % der Orchideenarten weltweit mit wenn nicht unscheinbaren so doch jedenfalls ziemlich kleinen Blüten bestückt. Kein Wunder, dass wir sie bei unseren bisherigen Urwaldwanderungen nicht erkannt haben. Die bei uns verkauften Pflanzen sind zumeist extra gezüchtete Hybride mit großen und langlebigen Blüten.

Aber klein kann auch fein sein, hier zum Beispiel die “Tänzerin”:

Manche Arten muss Alvaro, der Eigner und Begründer des Parks, uns mit einem kleinen Stöckchen zeigen:

Aber die zumeist heimischen Arten bieten auch einige spannende Formen, etwa “Espíritu Santo” (Heiliger Geist mit weißer Taube), “Mariposa” (=Schmetterling) oder “Cara del Mono” (=Affengesicht):

Und da wir schon mal im Ort unterwegs sind, gehen wir erst mal im Baumhaus essen

und dann mit einsetzender Dämmerung zum “Frog Pond”, in dem sowohl tag- als auch nachaktive heimische Froscharten beobachtet werden können.

Und auch hier sind wieder die Kleinen ganz groß. Während uns die viel massigeren Erdkröten nicht wirklich in den Bann schlagen, fasziniert uns der nur knapp fingernagelgroße Erdbeer-Pfeilgift-Frosch, gelegentlich auch „Bluejeans-Frosch“ genannt:

Oder auch der etwas größere Rotaugenlaubfrosch:

Leider bekommen wir bei der ansonsten wunderschönen dreistündigen Regenwaldwanderung am nächsten Tag keinen einzigen Frosch zu sehen, dafür aber einige wenige klitzekleine Orchideen und ein paar andere Exoten.

Diesen Glasflügelschmetterling etwa …

und diese Stabheuschrecke (richtiger: Gespensterschrecke):

Den fazinierenden Regenwald selbst natürlich, mit klitzekleinen wie Perlen funkelnden Tautropfen im Moos, Wasserfällen und Baumriesen wie uralten Maagoniebäumen oder gewaltigen Würgefeigen.

Einen brütenden Kolibri …

Vor allem aber sehen wir zu unserer Freude ein weit größeres Tier, leider nur ganz klein aus großer Entfernung. Die zottelige Fellkugel dort weit oben im Blätterdickicht ist tatsächlich ein Faultier 🦥 :

Pura Vida.