Hog Cay. Traumstrand und Frustration-Beach

Hog Cay hat – wie so viele Inseln in den Bahamas – zwei völlig unterschiedliche Seiten. Flora liegt mit der Easy-One, der Amalia, der InVia und einigen anderen Booten in der Middle Pen Bay vor Anker, Wassertiefe etwa zweieinhalb Meter, Sandgrund, wunderbar klares türkisfarbenes Wasser. Dazu ein herrlicher feinsandiger sauberer Strand, perfekt zum Spazieren und zum Anlanden des Dingis, nur ab und zu ein paar Korallenbommies oder Felsenkaps, die die einzelnen Buchten abgrenzen. Auf der gegen die vorherrschenden Winde geschützten Westseite der Insel.

Wandert man ein wenig am Strand entlang, stößt man auf einen skurril anmutenden „Wegweiser“, der den Beginn eines Pfades quer über die hier etwa 600 m breite Insel auf die Ostseite von Hog Cay markiert.

Durch das rasch dichter werdende niedrige Buschwerk windet sich ein Pad den Hügel hinauf. Er ist leicht erkennbar gekennzeichnet: mit Strandgut. Auf Äste gesteckte Plastikflaschen oder in die Büsche gebundene Netzfetzen, Kuscheltiere und immer wieder Schuhe oder FlipFlops.

Je nach Gusto mag das originell oder befremdlich erscheinen. Auf jeden Fall gibt es schon einmal einen Vorgeschmack darauf, was auf der Ostseite der Insel wartet. Hier, an der Luv-Küste der Insel brandet das tiefblaue Wasser zumeist mit einer Kraft gegen das Ufer, die man drüben auf der Lee-Seite so nicht erwartet hätte.

Je nach Form des Ufers führt das in vielen Buchten dieser unbewohnten Insel dazu, dass sich Treibgut, insbesondere Plastikmüll, in einer kleinen Senke hinter der ersten Strandlinie sammelt.

Es ist frustrierend, beschämend, herzzerreißend. Einfach große Müllsäcke mitnehmen und einsammeln? Wenn es denn so simpel wäre. Rita kommt mit ihrem Mann Will seit über 20 Jahren hierher nach Hog Cay und weiß unfassbar viel über die Insel und überhaupt die Bahamas. Sie hat einige der Pfade über die Insel selbst mit angelegt und gibt bei unserem Spaziergang einiges von ihrem Wissen bereitwillig weiter. Die Bahamas haben selbst auf den großen Inseln kein wirkliches Mülltrennungssystem, zumeist wird der Müll auf Halden angehäuft und gelegentlich angezündet, der Rest dann verscharrt )“Landfill“). Den Strandmüll schreiben die Bahamesen überwiegend den Nachbarn von Hispaniola zu (Dominikanische Republik und Haiti). Abgesehen von den Touristenstränden, die regelmäßig gesäubert werden, kümmern sie sich kaum darum. Erst recht natürlich nicht auf einer unbewohnten Insel wie Hog Cay.

Aber selbst wenn wir den Müll einsammeln, abgeben (wo?) und einer sinnvollen umweltschonenden Verwertung zuführen könnten (die es hier nicht zu geben scheint, nicht mal Müllverbrennungsanlagen mit den erforderlichen Temperaturen und Filteranlagen) – das eigentliche Problem liegt (auch im Wortsinn) tiefer. Klar, neuer Müll wird angeschwemmt. Vor allem aber sind es nicht nur die großen, einsammelbaren Teile. In den Müllsenken sieht der Strand auch zwischen den großen Teilen bei genauerem Hinsehen so aus:

Der ganze Sand ist durchsetzt mit kleinen und kleinsten Plastikteilchen, das unsichtbare Mikroplastik kommt noch dazu. Man könnte heulen, aber das nützt natürlich auch nichts. Am Ende wird uns nur bewusster, wie weit es schon gekommen ist und wie wichtig „reduce – reuse – recycle“ bzw. Vermeiden – Wiederverwenden – Wiederverwerten ist. Weltweit.

Und – Nachtrag, um das klarzustellen – wir sammeln und verbrennen, weil es das einzig mögliche hier vor Ort ist. An dem strukturellen Problem ändert das aber leider nichts. Zum Problem der Verbrennung von Plastik bei zu niedrigen Temperaturen gibt’s z.B. interessante Artikel in National Geografic und im Focus. Lösung in Abgrenzung zum Problem des Plastiks im Meer? Wie oben schon geschrieben: reduce, reuse, recycle!

Auf dem Drohnenfoto sieht man von dem Müll nichts, kann aber die beiden sehr verschiedenen Seiten von Hog Cay ganz gut erkennen. Und auch die Schönheit, die diese Insel trotz des hier so deutlich gewordenen frustrierenden Plastikproblems bietet.

Wandern auf Terre de Haut

Wassersport an den letzten beiden Tagen, heute geht es zum Ausgleich wieder mal hoch hinaus. So hoch, wie es eben auf Terre-de-Haut geht, wir haben uns eine Wanderung auf den 304 m hohen „Le Chameau“ ausgesucht. Es werden am Ende mit dem notwendigen Auf und Ab rund 350 Höhenmeter und knapp 9 km. Hört sich mal wieder nicht viel an, aber es ist ausreichend anstrengend. Wobei – die Belohnungen folgen auf dem Fuße 😉.

Zunächst geht es durch den kleinen, aber hübschen Ort. „Kolonialstil“ oder „Zuckerbäckerstil“ steht in den Reiseführern. Liebevolle Verzierungen wie von Zuckerbäckern finden sich jedenfalls an den sonst einfachen, aber bunt gestrichenen und oft mit Veranden versehenen Häusern. Eine kleine Auswahl:

Manchmal reicht es auch schon, Bepflanzung und Hausfarbe aufeinander abzustimmen:

Und von den Details geht’s dann weiter zum echten Überblick: der Weg auf den Le Chameau bietet von letzterem reichlich:

Blick zurück auf den Ort und einige der vielen wunderschönen Buchten von Terre de Haut
Die wilde, teils unzugängliche nordöstliche Küste.
Blick hinunter auf unseren Liegeplatz
und hinüber zur anderen Seite nach Terre de Bas.

Aber während wir auf der (größtenteils nur für Fußgänger geöffneten) Straße nach oben gegangen sind, geht es auf der anderen Seite eher einen Kletter- als einen Wanderpfad wieder hinunter, wir dürfen uns die Aussicht doch noch erarbeiten 😉.

und wir werden weiterhin belohnt. Auch beim Abstieg gibt es wunderschöne Ausblicke sowie – quasi als Bonbon – einen Traumstrand obendrein.

Kein Hotel, nicht mal Häuser und um diese frühe Zeit wenig andere Besucher. Gut, dass wir unsere Badesachen im Rucksack dabei haben 😁, die Abkühlung können wir gut gebrauchen.

Danach führt uns der Weg dann wieder auf eine (eigentlich: die) Straße und erst mal wieder bergauf oberhalb des markanten „Pain du Sucre“, einer kleinen Ausgabe des Zuckerhutes.

Draußen auf dem Meer legen sich die wenigen Boote bei dem vorhergesagten stärkeren Wind ordentlich auf die Backe oder kämpfen sich stark gerefft an der Küste entlang.

An unserer Boje allerdings liegen wir gut und recht ruhig im Landschutz von Terre de Haut und so genießen wir nach unserer Rückkehr an Bord der Flora die unterwegs noch kurz eingekaufte herrliche französische Brotzeit 🥖 🧀 🍷.