Beim morgendlichen Schwimmen um die Flora gibt’s mal wieder eine Überraschung. Wir haben Anhalter. Unter Wasser. Gleich vier Schiffshalterfische haben sich mit den Saugplatten auf ihrer Stirn an Floras Rumpf geheftet, zwei größere und zwei etwas kleinere.
Ein bisschen herumpruddeln am Boot, Wäsche waschen, sich mit der Frischwasserpumpe auseinandersetzen. Sich wundern über die Bauarbeiten am Cocoa Point, wo gerade Luxushäuser entstehen, obwohl die Insel eigentlich kein privates Grundeigentum kennt. Die Regierung (von Antigua und Barbuda) sitzt auf Antigua und hat dem Betreiberkonsortium einen langfristigen Erbbaurechtsvertrag vereinbart, um diese Klippe zu umschiffen. Entsprechend sind viele der Locals wenig begeistert. Hinzu kommt, dass nur ein kleines Stück weiter die Küstenlinie hinunter die Strandhäuser eines bisherigen Luxushotels hier am “Princess-Diana-Beach” ein Opfer des letzten Hurrikans geworden sind, man sieht fast nur noch die Fundamente. Aber trotzdem werden laufend potentielle Investoren per Wasserflugzeug eingeflogen und dann per Amphibienfahrzeug an Land gebracht. Sie sollen sich ja nicht die Füße nassmachen. Wir hatten das bereits im Frühjahr beobachtet, da schienen die Wasserflieger aber noch häufiger zu landen.
Uns dagegen bleiben nasse Füße – was nicht schlimm ist – nicht erspart, als wir uns am Nachmittag natürlich wieder hinüber zum verlockend feinsandigen Strand verholen.
Inoch hat eine kleine, wunderbare Bar hier direkt auf dem Traumstrand. “SHACK-A-KAÏ” wurde von ihm erst 2019 eröffnet. Die ganze Geschichte findet sich auf dem Blog von Andrea und Kai.
Wir haben hier schon im Frühjahr eine tolle Zeit gehabt, trotzdem finden wir es erstaunlich, dass sich Inoch offenbar noch an uns erinnert. Als wir mit dem Dinghy anlanden hilft er uns, Florecita auf den Strand zu ziehen. Wie schon gestern machen wir erstmal einen Spaziergang am Strand.
Kleidungsfarblich haben wir uns wohl schon angepasst. Mimikry oder der erste Teil des Dresscodes 😂.
Und dann geht’s zu Inoch in seine SHACK-A-KAÏ. Viel Betrieb ist nicht, kein Wunder bei nur drei Ankerliegern in der Bucht. Aber das gibt uns die Gelegenheit, ausführlich mit Inoch zu plaudern und den Ausblick zu genießen. Wenn schon der unvermeidliche Spiegel hinter der Bar dieses Bild zeigt …
kann man es wohl aushalten:
Den zweiten Teil des Dresscode halten wir in jedem Fall auch ein:
Wir haben unseren Platz an der Pier derAntigua Slipway Marina verlassen, um die Ecke in die große Bucht von Falmouth Harbour verholt und liegen dort jetzt vor Anker. Endlich wieder zur Abkühlung einfach von Bord ins Wasser springen und ein bisschen ums Boot herum schnorcheln. Und was für ein überraschendes Gefühl von Freiheit, einfach nur das kurze Stück um die Halbinsel herum durch klares, tiefblaues Wasser zu fahren. 😃
Zur Orientierung: das Bild zeigt im Vordergrund Shirley Heights, gegenüber auf der kleinen Landzunge am Eingang Fort Berkely, dann auf der rechten Seite den geschützten verschlungenen English Harbour mit der vom Galleon Beach eingefassten Ankerbucht Freeman’s Bay und etwas weiter drinnen links Nelson’s Dockyard und rechts Antigua Slipway. Die große, quer durchs Bild verlaufende Bucht im Hintergrund ist Falmouth Harbour.
Was das Bild ebenfalls ganz gut erahnen lässt ist die grüne, zerklüftete Landschaft. Und die lässt sich auf diversen gut beschilderten Pfaden erkunden, wobei die einzelnen Hikes einen ganz unterschiedlichen Charakter aufweisen.
Den Middleground Trail sind wir schon einige Male gegangen, bereits im Frühjahr und jetzt auch wieder. Er führt von Fort Berkely hinüber nach Falmouth Harbour zum Pigeon Beach, vor dem wir jetzt ankern. Der Pfad bietet zunächst tolle Blicke hinunter auf English Harbour und ist mit etwas Kletterei verbunden, besonders auf dem spektakulären Mittelstück. Hier ist zur Hilfestellung sogar ein Seil zur (nicht zwingend notwendigen) Aufstiegshilfe angebracht:
Drüben am Pigeon Beach haben wir uns mit Luise und Brent von der „Knot Safety“ verabredet. Wir kennen die beiden Kanadier vom Frühjahr, sind zusammen ein Teil der noch immer aktiven WhatsApp-Gruppe „Carlisle Bay Corona Group“ und haben mit rund 15 Booten während des Lockdowns eine sehr intensive Zeit in der Carlisle Bay verbracht (nur ein paar Meilen von hier) gemeinsam mit der Easy-One, der Moana und einigen anderen. Jetzt im Restaurant sehen wir die zwei zum ersten Mal aus der Nähe ohne Maske 😷.
Photo courtesy: Brent (S/V Knot Safety)
Kaum fassbar: auf dem zwischenzeitlichen Rückweg nach Kanada durften die beiden wegen der COVID-Regelungen nicht in die USA einreisen (außer für einen unplanmäßigen Reparaturstop). Gleichzeitig verlangte ihre Versicherung von den beiden (relativen) Segelneulingen, sich nicht weiter als 200 sm von der Küste zu entfernen, was einen ziemlichen Umweg entlang der US-Ostküste bedeutete. Zurück nach Antigua ging es jetzt allerdings auf einem deutlich direkteren Weg.
Am Nachmittag schließt sich für uns ein BYOB der Salty Dawg am Pigeon Beach an. Die Abkürzung (Bring Your Own Beer) mussten wir erst lernen, die Veranstaltung ist aber klasse. Besonders die Bars für die mitgebrachten Getränke gefallen 🤩:
Der Hike am nächsten Tag ist etwas länger und auch wieder ganz anders. Gemeinsam mit Annemarie und Volker von der Escape beginnen wir am Nachmittag mit dem „Jones Valley Trail“, der sich überwiegend durch ein ausgetrocknetes Bachbett langsam bergauf mitten durch den Wald unterhalb von Shirley Heights windet, wobei durchaus auch einige größere Felsbrocken zu überwinden sind.
An einer Abzweigung entscheiden wir uns für den Gravesite Trail – tatsächlich finden sich ein paar alte Grabsteine mitten im Wald und machen auf diesem Teilstück des „Jones-Valley-Trail“ das Indiana-Jones-Feeling noch etwas perfekter 😁. Die Straße nach Shirley Heights überqueren wir nur und weiter geht’s auf dem „Carpenter Rock Trail“, der uns an den steilen Klippen der Ostküste Antiguas quasi um Shirley Heights herumführt. Mit atemberaubenden Blicken,
der Entscheidung „Klettern oder Baden“ 😉
und mit einem wunderschönen Rastplatz schon wieder mit Blick auf English Harbour, von dem aus wir auch nochmal die Drohne steigen lassen.
Photo courtesy: Annemarie (SY Escape)
Und dann wird’s auch Zeit. Als wir am Galleon Beach vorbeikommen, geht bereits die Sonne unter. Ideales Timing.
Für morgen früh ist dann ein etwas längerer Marsch gemeinsam mit Jill und Michael von der „Gerty“ und Ian von der „Fatjax“ geplant. Da können wir uns den Rumpunsch von heute Abend wohl gleich wieder abtrainieren ☺️.
Ein Fest für uns, nicht für die Lobster 🦞, obwohl oder gerade weil sie hier in Maine die Hauptdarsteller sind. Knapp über 100.000.000 pounds (Einhundert Millionen!) Lobster wurden von den rund 4.500 Lobsterman in Maine 2019 “geerntet” (wobei ein amerikanisches pound 0,454 kg entsprechen). Wohl auch wegen eines kalten, späten Frühlings keineswegs ein Rekord, 2016 waren es über 130 Millionen, aber eben doch im neunten Jahr in Folge über der neunstelligen Grenze.
Und dabei legen die Lobsterman Wert darauf, dass ihre Arbeit eine der nachhaltigsten Naturfischereien überhaupt ist. Eiertragende Weibchen werden nicht nur zurück ins Meer geworfen, sondern zuvor markiert, damit man sie auch ohne Eier als solche erkennen kann. Auch übergroße Männchen werden nicht “geerntet”, weil sich die großen älteren Weibchen nur mit mindestens gleichgroßen Männchen paaren.
Über die Vielzahl der Lobsterpots, also der mit Bojen gekennzeichneten Korbfallen, habe ich mich ja schon mehrfach ausgelassen. Selbst hier am Bojenplatz im Hafen von Bar Harbor sind sie so zahlreich, dass nicht nur die Anfahrt erschwert ist, sondern immer mal wieder auch eine direkt an unser Boot dengelt.
Wenn man nicht genau hinsieht, verschwinden die kleinen Bojen im Hintergrund schon wieder.
Das gemeine daran ist, dass sich hier im Norden von Maine vermehrt Bojen finden, die mit einer kleineren Nachbarboje (zum Aufnehmen) mit einem Seil verbunden sind. Die bereiten uns mehr Kopfzerbrechen, weil die Gefahr für unseren Propeller oder auch unser Ruder dadurch erheblich steigt.
“If life gives you lemons, make lemonade!” sagt Michael. Also sehen wir es positiv und sprechen die Besatzung der Fischerboote an, kaufen wiederholt fangfrischen Lobster von Studenten, die meist zu zweit auf den kleineren Lobsterbooten hier einen Ferienjob machen.
Erst mal den Richtpreis googeln 😁
Und dann gibt’s ein Lobsterfest bei uns an Bord.
Mal rustikal mit “Werkzeug” im Cockpit,mal elegant mit Maisrisotto und Blaubeersalat im Salon.
Aber natürlich schlemmen wir nicht nur 😉. Wir erkunden den zwar touristischen, aber auch quirlig netten Ort Bar Harbor und gehen den Shore Path (kurz und vom Hafen aus am Ufer entlang) sowie den etwas längeren Great Meadow Loop. Letzterer ist ein leichter Wanderweg, der überwiegend durch lichten Wald um einen Golfplatz herum und zurück zum Ort führt. Zum ersten Mal seit längerer Zeit mischen sich dabei auch viele Birken zwischen die hiesigen Kiefern und Fichten, es duftet und fühlt sich an fast wie in heimischen norddeutschen Gefilden.
Und weil die Lobster nicht die einzigen besonderen Tiere hier sind hier noch ein kleiner tierischer Film 🎞 mit Bordbegegnungen auf unserer Fahrt hoch nach Bar Harbor.
Rund 30 sm ums Eck vom East River in der Mobjack Bay, mal herrliches (wenn auch langsames) Schwachwindsegeln unter unserem blauen Gennaker, mal dann doch unter Motor.
Dann noch um zwei Flachs herum in den Piankatank River hinein, hinter der langgezogenen Halbinsel „Stove Point Neck“ nach Deltaville abbiegen, => Ententeichfeeling.
Ja, die Chesapeake Bay ist eine Bucht des eher rauhen Nordatlantik und ja, sie ist etwa 12.000 Quadratkilometer groß, RIESIG!
Aber durch ihre Verzweigungen bietet sie viele geschützte Ankerplätze. Unter anderem die Fishing Bay, hier bei Deltaville. Und die zeigt sich uns so, wie man sich einen Ankerplatz wünscht: recht gleichmäßige Tiefe, kein bisschen Ozeanschwell, gegen die vorherrschenden Windrichtungen gut geschützt. Einziger Wermutstropfen: klares Wasser geht anders (aber immerhin können wir hier etwa einen halben Meter weit ins Wasser spähen, doppelt so tief wie auf unserem letzten Ankerplatz).
Aber in dem brackigen Wasser fühlen sich neben anderen Muscheln auch Austern richtig wohl, zudem ist es ein Paradies für Krebse. Kein Wunder also, dass das „Ernten“ der Meeresfrüchte hier eine lange Tradition hat, ebenso wie der Bau der dazu notwendigen Arbeitsboote. Lange Zeit war das Zentrum des (Holz-)Bootsbaus dieser zumeist kleinen Working-Boats genau hier bei Deltaville und die maritime Prägung sorgt noch heute für eine kaum zu übertreffende die Dichte an Liegeplätzen und Häfen auf der von Creeks durchzogenen Halbinsel zwischen Piankatank River und dem viel größeren, sich fast 300 km von den Blue Ridge Mountains hierher schlängelnden Rappahannok River.
In der Marina vor der wir Ankern gibt es ein Dinghydock. Für 5 US$ können wir unsere Florecita dort anbinden. Hört sich erstmal gar nicht so günstig an. Ist es aber, denn diverse Zusatzleistungen sind enthalten. So können wir dort unseren Müll entsorgen und – damit hatten wir nicht gerechnet – sogar kostenlos Fahrräder ausleihen. Die Chance ergreifen wir und statt zu Fuß zum Supermarkt in den langgestreckten Ort zu gehen machen wir eine herrliche Fahrradtour. Sprichwörtlich durch Wald und Feld.
Wobei der Wald sich als lockere Mischung von Laub- und Nadelbäumen erweist, obwohl wir aus der Entfernung meinten, ganz überwiegend Laubbäume zu sehen und doch Nadelbäume zu riechen. Kein Wunder, wenn sich die Kiefern so tarnen:
Es riecht nach Sommer und wir erkunden auf unserer Fahrradtour einen größeren Teil der Landspitze mit ihren verschiedenen Häfen. In der Stingray Point Marina stoßen wir auf einen kompletten 1:1 Nachbau des alten Leuchtturms von 1853, der damals das ausgedehnte Flach vor dieser Halbinsel zwischen den Flüssen markierte und der sich so deutlich von den klassischen europäischen Leuchttürmen unterscheidet, Ähnliche Leuchtürme fanden – und finden – sich in der Chesapeake Bay aber noch mehrere.
Im Regatta Point Yachting Center lockt uns die mit Schaukelstühlen und sich gemächlich drehenden Ventilatoren bestückte Club-Terrasse mit Blick über den Hafen.
Was in allen Marinas auffällt sind die überdachten, manchmal Hallen, manchmal Hütten ähnelnden Garagen für Motorboote. Für uns ungewohnt, hier aber absolut üblich und auch an den Privatstegen mancher Häuser am Creek zu finden.
Am Ende landen wir aber doch noch beim Supermarkt, Milch und Küchenrollen sind an Bord ausgegangen. Regionaltypisches zeigt sich auch hier: in dem wirklich kleinen Haushatswarensortiment findet sich eingekeilt von Salatmesser und Grillzange tatsächlich der Muschelöffner zwischen Austernmesser und Hummergabeln.
Letztere haben wir dank Catalina sogar in der edlen Silberausführung an Bord und sie kommen heute auch noch zum Einsatz, leckere Snow-Crab-Legs werden unser Abend(fest)essen auf Flora:
In Deutschland soll es ja momentan mancherorts schwierig sein Mehl und Hefe zu bekommen. Anscheinend führt die Zeit, wo man zu Hause bleiben soll dazu, dass gebacken wird. Auch bei uns ist das so. Wir haben genug Mehl an Bord. Wir vakuumieren es immer, so hält es sich gut. Und Nachschub haben wir heute auch bekommen, sogar Roggenmehl.
Normalerweise ist für das Brotbacken bei uns ja Ralf zuständig, da er es liebt den Teig mit den Händen durchzukneten. Ich brauche das ja nicht unbedingt. Jetzt gab es aber auf der „Antigua Cruisers“ Facebookseite Lieblingsrezepte anderer Segler. Darunter auch ein no knead bread, ein Brot, das man nicht kneten braucht. Das ist etwas für mich. Gebacken habe ich es in unserem mit Backpapier ausgelegten Miniwok im Backofen. Dadurch hat es eine super Kruste bekommen, sehr lecker.
Auch zum Kuchenbacken ist Zeit. Vor ein paar Tagen habe ich einen Kokos-Zitronenkuchen gemacht. Wir haben verschieden Backformen aus Silikon. Die funktionieren hervorragend und brauchen an Bord nicht viel Stauraum.
Zu Ostern gibt es heute klassisch Möhrenkuchen.
Wir wünschen Euch allen gerade in diesen Zeiten ein frohes Osterfest!
Der kleine bunte Ort Deshaies im Scheitel unserer Ankerbucht liegt so idyllisch mit palmenbestandenem Strand vor grünen Hügeln, dass ihn die Location-Scouts zum Schauplatz der erfolgreichen BBC-Krimi/Komödienserie „Death in Paradise“ gemacht haben, wobei er das immer wieder erschütterte Paradies offenbar so gut repräsentiert, das die Serie mittlerweile in die 8. Staffel gegangen ist (in 🇩🇪 über ZDF Neo oder Amazon Prime).
Da die Serie fast ausschließlich hier gedreht wird, sind nicht nur die fiktive Honoré-Polizeistation des Films sondern auch diverse andere Gebäude als Drehorte wiederzuerkennen, man läuft quasi am Set herum und wundert sich, wenn im Krimi ein Aquarium aus einer Zoohandlung geschleppt wird, in dem Gebäude aber in Wahrheit die Bäckerei unsere Morgencroissants und Baguettes verkauft (ja, wir sind schließlich in Frankreich, nicht wie im Film auf einer zu England gehörenden Karibikinsel). Nebenbei: Eine Zoohandlung haben wir bisher in der Karibik überhaupt noch nicht gesehen und ein Aquarium wäre hier eigentlich auch eine Frechheit, die gibt’s hier höchstens für die Langusten, bevor sie auf den Grill kommen 😉.
Der Strand, an dem das Häuschen des Kommissars liegt, findet sich allerdings etwas entfernt. Es gibt mehrere Wege dorthin, wir packen die Badesachen ein und entscheiden uns für den schönen Hike über den Hausberg nördlich der Ankerbucht, den Gros Morne.
Die durchaus fordernde Kletterei durch den Wald am späten Vormittag (Ingo: „Nur Esel und Deutsche laufen in der Mittagshitze!“) wird aber belohnt durch den wunderschönen und trotzdem ziemlich leeren Sandstrand der Grande Anse auf der anderen Seite.
Nach dem Bad folgen wir einem Trampelpfad durch die Büsche, denn Ingo hat dort die urige Strandbar „Chez Samy“ ausgemacht, die Freunde uns empfohlen hatten. Erst mal ein Bier, dann kredenzt uns Samy seine Version eines Ti Punch, fährt dazu Essen auf, schenkt nach, bringt eine Trink-Kokosnuss, die er am Tisch öffnet. Am Ende zahlt jeder von uns weniger als 8 Euro. Das Ambiente ist sicherlich nix für Hygienefanatiker, aber uns hat’s richtig gut gefallen.
Samy in Action
Angeschiggert wie wir sind nehmen wir den Rückweg dann lieber über die ohnehin kürzere Schotterpiste, die von „Chez Samy“ wieder nach Deshaies führt.
Im Ort versorgen wir uns an einem der Restaurantstände an der Straße noch mit Accras (frittierte karibische Stockfisch- oder manchmal auch Gemüsebällchen) und anderen Leckereien für ein spontanes Abendessen an Bord der Easy-One. Die Sonne geht gerade unter, als wir damit den Dinghysteg erreichen.
Wir hatten es bereits angedeutet, unsere Bordküche wird karibischer. Wir bummeln gerne über die Märkte und durch die Geschäfte, um neue Sachen zu entdecken. Auf den Kapverden zB wurden viele verschiedene Blätter als Tee verkauft. So trinken wir jetzt aufgebrühte Maracujablätter. Soll gegen Stress helfen. Ob es daran liegt, dass wir uns so entspannt fühlen? Bananenketchup gab es auf Bequia, lecker zu Fisch. Schon in St. Pierre auf Martinique, aber insbesondere in Roseau und Portsmouth auf Dominica gibt es auf den Märkten tolles Obst und Gemüse, Frühlingszwiebeln, Kräuter! Unser Guide bei der Tour auf dem Indian River hat uns viel über die einheimische Küche berichtet. Jeder hier hätte ein eigenes Stück Land und baut sein Gemüse selbst an. Deshalb würden die Leute so alt auf Dominica. Er hat von der gesunden Wirkung von grüner Papaya berichtet.
Sieht erstmal nicht so lecker aus. Ist auch nicht so einfach zu entkernen und zu schälen, da sie noch so hart ist. Aber der Thaisalat mit grüner Papaya war super.
In den Grenadinen haben wir auf dem Markt eine Kokosnuss geschenkt bekommen. Ralf hat dann auf Martinique erstmal eine Machete gekauft, damit wir sie auch öffnen können. So kommen wir an das Fruchtfleisch ran. Das gibt es auf einer karibischen Bowl.
Mit Reis, Avocado, roter Papaya, Kokos, scharfem Rotkohlsalat und gebratenen Bananen.
Überhaupt Bananen. Die gibt es hier als „normale“ Bananen in allen Größen und super lecker, manchmal mit einem leichten Zitrusgeschmack. Und dann als Kochbananen. Das müssen wir natürlich auch ausprobieren. Die Kochanleitung gab es beim Einkauf gleich dazu: Die Enden abschneiden, die Schale einmal längs einschneiden und dann 20 Minuten in Salzwasser kochen. Schmeckt relativ neutral, ähnlich wie Kartoffeln, aber süßer und macht satt. Dazu gab es gebratenen Grünkohl – ja, auch den gibt es in der Karibik. Gewürzt mit Knoblauch, Ingwer und Zimt aus Dominica.
Auf dem Weg vom Markt in Portsmouth zurück zum Schiff, verkauft noch jemand in seinem Vorgarten Gemüse. Ich erstehe einen Kohl, der an Mangold erinnert, hier Chinakohl heißt, aber völlig anders aussieht als unser Chinakohl.
Er reicht für mehrere Gerichte. Einmal gibt es ihn in der Pfanne geschmort mit Kichererbsen, Sardinen (aus der Dose) und Paprika, gewürzt mit Ingwer, Zimt und Chili.
Dann gibt es ihn mit schwarzen Oliven und Feta, dazu Rotkohlsalat mit Balsamicoessig und Linsen.
Den Rest gab es mit Spagetti, getrockneten Tomaten und Basilikum.
Die Avocados hier sind ein Traum. Als Guacamole oder als schnelles Mittagessen auf Baguette:
Manchmal – aber eher selten – gehen wir auch essen. Mittags eine Kleinigkeit wie die typischen Accras – frittierte Fischbällchen und Fischtatar mit frischem Saft und tollem Ausblick.
Oder – wir sind in Frankreich – ein Drei-Gänge-Menü. Hier auf Terre de Haut, Les Saintes gibt es mehrere Restaurants mit Gault&Millau Erwähnung. Wir wählen das Ti Bo Doudou und machen am Vortag eine Reservierung. Und werden belohnt:
Wassersport an den letzten beiden Tagen, heute geht es zum Ausgleich wieder mal hoch hinaus. So hoch, wie es eben auf Terre-de-Haut geht, wir haben uns eine Wanderung auf den 304 m hohen „Le Chameau“ ausgesucht. Es werden am Ende mit dem notwendigen Auf und Ab rund 350 Höhenmeter und knapp 9 km. Hört sich mal wieder nicht viel an, aber es ist ausreichend anstrengend. Wobei – die Belohnungen folgen auf dem Fuße 😉.
Zunächst geht es durch den kleinen, aber hübschen Ort. „Kolonialstil“ oder „Zuckerbäckerstil“ steht in den Reiseführern. Liebevolle Verzierungen wie von Zuckerbäckern finden sich jedenfalls an den sonst einfachen, aber bunt gestrichenen und oft mit Veranden versehenen Häusern. Eine kleine Auswahl:
Manchmal reicht es auch schon, Bepflanzung und Hausfarbe aufeinander abzustimmen:
Und von den Details geht’s dann weiter zum echten Überblick: der Weg auf den Le Chameau bietet von letzterem reichlich:
Blick zurück auf den Ort und einige der vielen wunderschönen Buchten von Terre de HautDie wilde, teils unzugängliche nordöstliche Küste.Blick hinunter auf unseren Liegeplatzund hinüber zur anderen Seite nach Terre de Bas.
Aber während wir auf der (größtenteils nur für Fußgänger geöffneten) Straße nach oben gegangen sind, geht es auf der anderen Seite eher einen Kletter- als einen Wanderpfad wieder hinunter, wir dürfen uns die Aussicht doch noch erarbeiten 😉.
und wir werden weiterhin belohnt. Auch beim Abstieg gibt es wunderschöne Ausblicke sowie – quasi als Bonbon – einen Traumstrand obendrein.
Kein Hotel, nicht mal Häuser und um diese frühe Zeit wenig andere Besucher. Gut, dass wir unsere Badesachen im Rucksack dabei haben 😁, die Abkühlung können wir gut gebrauchen.
Danach führt uns der Weg dann wieder auf eine (eigentlich: die) Straße und erst mal wieder bergauf oberhalb des markanten „Pain du Sucre“, einer kleinen Ausgabe des Zuckerhutes.
Draußen auf dem Meer legen sich die wenigen Boote bei dem vorhergesagten stärkeren Wind ordentlich auf die Backe oder kämpfen sich stark gerefft an der Küste entlang.
An unserer Boje allerdings liegen wir gut und recht ruhig im Landschutz von Terre de Haut und so genießen wir nach unserer Rückkehr an Bord der Flora die unterwegs noch kurz eingekaufte herrliche französische Brotzeit 🥖 🧀 🍷.
Unser Ankerplatz in Fort de France liegt ja wunderbar zentral in der mit knapp 100.000 Einwohnern für hiesige Verhältnisse großen Stadt. Der Schwell der nah vorbeirauschenden Fähren ist intensiv, stört uns aber nicht sehr, denn immerhin fahren sie ja nachts nicht und tagsüber sind wir viel unterwegs. Erst haben wir die Stadt erkundet und jetzt – ja jetzt soll’s mal raus ins Grüne gehen.
Wir organisieren ein Auto. Sollte ja hier im wirtschaftlichen Zentrum der Insel nicht so schwer sein, aber: die Autovermieter haben ihre Filialen in der Stadt geschlossen, wir nehmen also den Bus raus zum Flughafen. Aber auch dort gibt’s bei den ersten beiden Vermietern lange Gesichter: kein Auto zu bekommen. Bei Budget werden wir schließlich doch noch fündig und so geht es erst mal los in den Süden. Wir fahren nach Marin, sehen unfassbar viele Ankerlieger in der Bucht und einen großen Hafen und – machen natürlich erst mal die örtlichen Schiffsausrüster unsicher. Irgendwas findet man ja immer, diesmal neben Kleinkram einen Ersatz für unsere völlig zerschlissene Sitztasche im Dinghy.
Dann geht es kurvenreich weiter durch den hügeligen und relativ dicht bebauten Süden Martiniques. Die Straße führt oft oben an den recht steilen Hügeln entlang, die Täler sind dort, wo sie nicht bebaut sind, zumeist intensiv landwirtschaftlich genutzt, ganz überwiegend mit Zuckerrohr- oder Bananenanbau.
Anders als auf den Kanaren finden sich hier keine Planen über den Plantagen, also alles grün von den Bergen bis zum Meeresufer, vor dem man noch hoch aus den Hügeln die Wellen weiß über den Martinique im Osten vorgelagerten Riffen brechen sehen kann.
Unser Ziel ist ist die Habitation Clément, eine der großen Rumdestillerien der Insel. Rum wird auf dem Gut weiter produziert, aber die historischen Gebäude und Maschinen sind nicht mehr in Funktion, sondern wurden restauriert und werden nun museal genutzt, wobei der Rundgang den von Zuckerrohrplantagen umgebenen großen Park mit seinen vielen Skulpturen und Kunstinstallationen einschließt.
Eine Allee mit Königspalmen, früher das Erkennungszeichen einer jeden Habitation.
Das Gutshaus und die Nebengebäude sind restauriert und exemplarisch für die Kreolische Gutsarchitektur.
Gelagert und gereift wird der Rum in einer modernen Halle noch immer auf dem Gutsgelände, was uns Besuchern nicht nur ein wunderschöner Anblick, sondern auch einen intensiven Rum-Geruch bietet.
In den halboffenen alten Maschinenhallen sind neben den teils restaurierten Gerätschaften auch Austellungen untergebracht, wechselnde zeitgenössische Kunst wird ebenso präsentiert wie großformatige Fotografien ehemaliger Arbeiter und Arbeiterinnen, bei denen auch Funktion und Tätigkeitszeitraum dazu angegeben sind.
So ergibt sich ein längerer und doch kurzweiliger Rundgang, der dann natürlich im Verkostungs- und Verkaufsraum endet 🤪. Wir halten uns bei beidem zurück – nur ein bisschen. Schließlich wollen wir, wo wir schon mal ein Auto haben, unsere Vorräte nicht nur mit Rum wieder aufstocken, auf der Rückfahrt zum Boot füllen wir im großen Carrefour unseren Kofferraum.
Nur um dann heute morgen gleich wieder mit dem Auto loszufahren, diesmal Richtung Norden. Erstes Ziel ist der botanische Garten „Jardin de Balata“. Neben insbesondere vielen Palmen- und Bromelienarten wartet der Garten noch mit ein paar weiteren Highlights auf.
„Botanisch betrachtet sind Palmen (z.B. wegen mangelnder Äste) keine Bäume sondern eher gigantisches Gras“ (Schild im Jardin de Balata)
Schon gleich am Eingang fallen viele wunderbar bunte frei im Garten herumfliegende Kolibris ins Auge, die sowohl an den Blüten als auch an aufgehängten Futterstellen naschen.
Es sind karibische Purpurkehlkolibris, hier noch mal im Gegenlicht weil ich die Flügelstruktur so herrlich finde:
Auf einer Bromelie entdeckt Wiebke zudem ein kleine grüne Echse, es könnte eine endemische Martinique-Anolis sein:
Wir sind begeistert, auch wenn wir für die als eigentliches Highlight angekündete Baumwipfelwanderung über Hängebrücken doch einige Zeit anstehen müssen. Aber das lohnt sich:
Danach bringt uns unser Mietwagen sogar noch höher hinauf und noch weiter ins Grün, denn wir umfahren die Pitons de Carbet (ja, nicht nur Saint Lucia hat Pitons 😉) östlich auf Gebirgsstraßen, die nun immer seltener an Siedlungen vorbeiführen, Regen- und Nebelwald macht sich breit. Kaum ein anderes Auto ist zu sehen.
Aber in einer Kurve steht plötzlich ein barfüßiger dunkel gekleideter Rasta neben einem halboffenen Kastenwagen und räumt Kokosnüsse herum. Wir halten an und sehen dann erst, dass neben seinem Parkplatz ein Pfad an einem Flüsschen entlang zu führen scheint. Es geht ein paar Stufen hinauf und in den Wald hinein. Zwar mit einigen etwas schlammigen Abschnitten aber die Baumwurzeln helfen meist darüber hinweg.
Auf eine Urwaldexpedition sind wir eigentlich nicht eingestellt, aber wir brauchen auch nicht ganz weit zu klettern, dann kommen wir am Flüsschen an einer tollen Badestelle an. Lassen wir uns natürlich nicht entgehen, obwohl mein T-Shirt hinterher als Handtuch herhalten muss, es ist einfach zu verlockend.
Als zusätzliche Belohnung gönnen wir uns nach der Rückkehr unten an der Straße beim Rasta eine frisch mit der Machete geöffnete Trinknuss.
Wenn man dann über die halbe Insel zurück zum Boot fährt, kommt man fast unweigerlich an einer weiteren Habitation vorbei, diesmal ist es die Rumdestillerie HSE, der wir einen Besuch abstatten. Sie ist weniger touristisch orientiert, hat aber einen schönen Probier- und Verkaufsraum mit supernetten Mitarbeitern und ein wenn auch auf andere Weise nicht minder malerisches Rumlager.
Bei den vielen örtlichen Destillen nimmt es nicht Wunder, dass die (jawohl, extra!) Rumabteilung im hiesigen (großen) Supermarkt zu beiden Seiten des Ganges so aussieht:
Nach einigen schönen Tagen auf Bequia sind wir jetzt etwa 25 sm weiter nach Süden gefahren und ankern in den Tobago Cays. Die Namensgebung dieser kleinen Inselgruppe kann verwirren: der Staat Trinidad & Tobago 🇹🇹 liegt noch deutlich weiter südlich, die Tobago Cays dagegen sind ein Teil der Grenadinen, die aber wiederum keineswegs zu dem Staat Grenada 🇬🇩 gehören (der allerdings im Süden unmittelbar angrenzt), wir sind immer noch in St. Vincent & die Grenadinen 🇻🇨.
Wir finden es TRAUMSCHÖN hier!
Die erste Nacht haben wir recht weit draußen auf der helltürkisen Sandfläche direkt hinter dem hufeisenförmigen Riff (Horseshoe-Reef) geankert, dann haben wir uns in den etwas geschützten Bereich zwischen den beiden Inseln Petit Bateau und Petit Rameau verholt.
Die Tobago Cays sind ein unbewohntes Naturschutzgebiet, aber von der nahen Insel Mayreau aus kommen die Locals mit kleinen Booten herüber und bieten z.B. Fisch, Brot oder Dienstleistungen wie etwa ein Lobster-Barbecue am Strand. Tische sind aufgebaut, die Zehen können beim Dinner im feinen Sand wühlen. Haben wir gestern sofort genossen.
Hier wird unser Abendessen von den Fischern angelandet, wobei die Lobster nicht hier in den Cays, sondern nördlich von Mayreau gefangen werden.Und hier wird es serviert. O.k., die waren nicht alle für uns, wir haben mit fünf Finnen an einem Tisch gesessen. Lecker war’s!
Und auch das Schnorcheln hier gefällt: Wiebke hat direkt am Schiff unter anderem einen großen Rochen und eine Schildkröte gesehen. Jan und ich waren mit dem Dinghy raus zum Riff. Ein kleiner Film davon:
Fische am Horseshoe-Reef in den Tobago Cays
Eben gerade ist das Baguette 🥖-Boot vorbeigekommen. Hier bleiben wir noch etwas 😁.