Karibische Bordküche

Wir hatten es bereits angedeutet, unsere Bordküche wird karibischer. Wir bummeln gerne über die Märkte und durch die Geschäfte, um neue Sachen zu entdecken. Auf den Kapverden zB wurden viele verschiedene Blätter als Tee verkauft. So trinken wir jetzt aufgebrühte Maracujablätter. Soll gegen Stress helfen. Ob es daran liegt, dass wir uns so entspannt fühlen? Bananenketchup gab es auf Bequia, lecker zu Fisch. Schon in St. Pierre auf Martinique, aber insbesondere in Roseau und Portsmouth auf Dominica gibt es auf den Märkten tolles Obst und Gemüse, Frühlingszwiebeln, Kräuter! Unser Guide bei der Tour auf dem Indian River hat uns viel über die einheimische Küche berichtet. Jeder hier hätte ein eigenes Stück Land und baut sein Gemüse selbst an. Deshalb würden die Leute so alt auf Dominica. Er hat von der gesunden Wirkung von grüner Papaya berichtet.

Sieht erstmal nicht so lecker aus. Ist auch nicht so einfach zu entkernen und zu schälen, da sie noch so hart ist. Aber der Thaisalat mit grüner Papaya war super.

In den Grenadinen haben wir auf dem Markt eine Kokosnuss geschenkt bekommen. Ralf hat dann auf Martinique erstmal eine Machete gekauft, damit wir sie auch öffnen können. So kommen wir an das Fruchtfleisch ran. Das gibt es auf einer karibischen Bowl.

Mit Reis, Avocado, roter Papaya, Kokos, scharfem Rotkohlsalat und gebratenen Bananen.

Überhaupt Bananen. Die gibt es hier als „normale“ Bananen in allen Größen und super lecker, manchmal mit einem leichten Zitrusgeschmack. Und dann als Kochbananen. Das müssen wir natürlich auch ausprobieren. Die Kochanleitung gab es beim Einkauf gleich dazu: Die Enden abschneiden, die Schale einmal längs einschneiden und dann 20 Minuten in Salzwasser kochen. Schmeckt relativ neutral, ähnlich wie Kartoffeln, aber süßer und macht satt. Dazu gab es gebratenen Grünkohl – ja, auch den gibt es in der Karibik. Gewürzt mit Knoblauch, Ingwer und Zimt aus Dominica.

Auf dem Weg vom Markt in Portsmouth zurück zum Schiff, verkauft noch jemand in seinem Vorgarten Gemüse. Ich erstehe einen Kohl, der an Mangold erinnert, hier Chinakohl heißt, aber völlig anders aussieht als unser Chinakohl.

Er reicht für mehrere Gerichte. Einmal gibt es ihn in der Pfanne geschmort mit Kichererbsen, Sardinen (aus der Dose) und Paprika, gewürzt mit Ingwer, Zimt und Chili.

Dann gibt es ihn mit schwarzen Oliven und Feta, dazu Rotkohlsalat mit Balsamicoessig und Linsen.

Den Rest gab es mit Spagetti, getrockneten Tomaten und Basilikum.

Die Avocados hier sind ein Traum. Als Guacamole oder als schnelles Mittagessen auf Baguette:

Manchmal – aber eher selten – gehen wir auch essen. Mittags eine Kleinigkeit wie die typischen Accras – frittierte Fischbällchen und Fischtatar mit frischem Saft und tollem Ausblick.

Oder – wir sind in Frankreich – ein Drei-Gänge-Menü. Hier auf Terre de Haut, Les Saintes gibt es mehrere Restaurants mit Gault&Millau Erwähnung. Wir wählen das Ti Bo Doudou und machen am Vortag eine Reservierung. Und werden belohnt:

Marinierter Fisch in Kokosmilch
Rillettes de Langouste
Mahi-Mahi mit Passionsfruchtsauce

Glückliche Gesichter:

Zu den Heiligen

Ein letzter Besuch auf dem großen samstäglichen Markt in Portsmouth, wir frischen unsere Bestände an lokalem Obst, Gemüse und Kräutern auf. Außerdem kaufen wir hausgemachtes Kokosnussöl, unsere Küche wird langsam karibischer. Neben den übrigen Marktständen kommen am Samstag offenbar viele lokale Verkäufer und handeln entweder direkt aus dem Kofferraum oder von kleinen Klapptischen oder auf der Straße ausgebreiteten Decken aus ihre Ware.

Beim Gang zum Markt und zurück werden wir einmal mehr eindringlich an die Auswirkungen des Hurrikans Maria vor gut zwei Jahren erinnert.

Auffällig sind außerdem die vielen öffentlichen Wasserhähne auf dem Gehweg. Viele Einheimische holen hier in Kanistern ihr Frischwasser, aber auch einige der kleinen Hütten (würden als Vorbild für den Microhome-Trend taugen) haben Anschluss ans Wassernetz, wie wir aus den aus dem Bürgersteig auftauchenden Wasseruhren zu erkennen glauben.

Dominica hat uns richtig gut gefallen.

Trotzdem, jetzt geht’s los zu den Heiligen. Übrigens, Dominica trägt seinen Namen nicht deshalb, weil Kolumbus langsam die Namen von Heiligen ausgegangen sind, wie der Revierführer Chris Doyle mit Blick auf die vielen nach Heiligen benannten anderen Inseln des Antillenbogens spaßig anmerkt. Vielmehr ist Kolumbus auf seiner zweiten Entdeckungsreise zwischen Dominica (das er benannt, aber nicht betreten hat) und Gouadeloupe auf den Inselbogen getroffen und hat erst danach die nördlicher gelegenen Inseln „entdeckt“, benannt und für die kastilische Krone in Besitz genommen, die Îles des Saintes (von ihm „Los Santos“ genannt) an Allerheiligen 1493. Die erste Entdeckungsreise hatte lediglich die Bahamas, Kuba und Hispaniola berührt.

Wie auch immer – die Îles des Saintes (Inseln der Heiligen) gehören zu Guadeloupe und damit wieder zu Frankreich. Und da wollen wir jetzt hin:

Catania

Kontraste: Nach dem Blauwasser des letzten Posts folgte die Großstadt. Catania, 400.000 Einwohner und die zweitgrößte Stadt Siziliens. Statt des offenen und rolligen Ankerplatzes vor dem Strand von Africo nun die (jedenfalls bei den herrschenden Winden) gut geschützte Marina Circulo Nautico NIC, die am Ende des betriebsamen großen Industrie- Fähr- und Fischerhafens liegt. Statt klarem Freiwasser undurchsichtige und mit Abfall durchsetze Stadthafenbrühe. Und auch Catania selbst ist voller Gegensätze. Einerseits voller Geschichte, mit noch sichtbaren Wurzeln aus der Antike, wie etwa den Resten des ehemals mit zu den größten im römischen Reich gehörenden Theater Anfiteatro Romano.

Gelegen zwischen vielen anderen deutlich neueren und doch historischen Bauten, im Stadtzentrum sind das praktisch fast alle Gebäude, Neubauten gibt es dort wenige. Aber selbst auf Prachtstraßen, wie der zum Theatro Massimo Bellini führenden Via Guiseppe Perrotta ist zu erkennen, dass Catanias Bauten eher einen leicht morbiden Charme ausstrahlen.

Uns gefällt die Stadt mit ihren freundlichen Bewohnern trotzdem. Wir fragen uns, ob bei einer Stadt, die auch die Tochter des Ätna genannt wird und die in ihrer Geschichte immer wieder von schlimmen Erdbeben und Vulkanausbrüchen gebeutelt oder gar zerstört wurde, die Einwohner der äußeren Pflege der Gebäude einfach weniger Aufmerksamkeit widmen. Wie die Häuser wohl innen aussehen? Jedenfalls tun sich immer wieder Blicke in Innenhöfe auf, die unser Interesse wecken. So wie hier

oder hier, im Garten der juristischen Fakultät der Universität:

Und auch die quirligen wirklich aktiven Märkte haben es uns angetan:

Ach ja, die Lebensmittel 😉: Wir müssen uns da wohl noch etwas umgewöhnen. Ob es der Wein ist, der im kleinen Alimentari genannten Lebensmittellädchen aus Fässern verkauft und in 2-Liter-PET-Wasserflaschen abgefüllt wird

oder – wiederum auf dem Markt – die reichlich angebotenen Schnecken 🐌, bitte genau hinsehen:

Von wegen genau hinsehen: Unseren neuen und in Griechenland vom Fachmann erworbenen und angebauten aber schwächelnden (fast keine Leistungsabgabe) Windgenerator haben wir hier übrigens trotz italienisch fachmännischer Hilfe nicht zur Arbeit überreden können, aber immerhin die Ursache entdeckt: es ist die 24 Volt, nicht die 12 Volt Version. Entsprechende Umrüstung soll jetzt in zwei Wochen in Palermo erfolgen.

Aber es gibt auch richtig Schönes zu vermelden: Nichte Emma und Neffe Emil sind wohlbehalten eingeflogen und verstärken bis Palermo unsere Crew. Heute sind wir noch einmal gemeinsam durch Catania gestreift und sind dann schön hinauf nach Taormina gekreuzt, wo wir jetzt vor Anker liegen.