O’ahu. Wellen im Meer und an Land.

Mit dem Mietwagen erkunden wir O’ahu. Wer sich noch nicht mit Hawai’i beschäftigt hat, dem wird der Inselname O’ahu vermutlich nichts sagen. Schon eher dagegen Honolulu als auf dieser Insel gelegene größte Stadt von Hawai’i und Hauptstadt des 50. und damit jüngsten US-Bundesstaates. Und vielleicht auch noch Waikīkī, Stadtteil von Honolulu und zugleich Namensgeber des berühmtesten Strandes der Inselgruppe.

Auf der Parallelstraße zum Waikīkī-Beach fahren wir aus Honolulu hinaus Richtung Südosten. An den Ampeln ungewohnte Anblicke: Surfer aller Altersklassen laufen barfuß durch die Großstadt, das Board unterm Arm. Vor der Schule oder der Arbeit eben noch mal schnell ‘ne Runde Wellenreiten 🏄.

Am Aussichtspunkt bei Diamond Head legen wir eine erste Pause ein. Eigentlich hätten wir dieses Wahrzeichen von Honolulu gern von “innen” besichtigt, denn was von See und auch vom Stadtzentrum aus wie ein normaler Berg aussieht, ist in Wahrheit ein gigantischer Tuffring. An der südwestlichen Seite hat sich ein höherer Rand mit einer Spitze ausgebildet, weil bei der zugrunde liegenden Eruption der Nordostpassat die Partikel vorwiegend in diese Richtung geweht hat.

Man soll von dort einen tollen Blick über Honolulu haben, aber bei der Anfahrt blinken uns bereits Leuchtschriften entgegen. Ohne Reservierung kein Eintritt! Wir probieren es gleich online, aber für die nächsten Tage ist schon alles dicht. Mit dem Museum über dem Wrack der Arizona in Pearl Harbor wird es uns genauso gehen. Der Tourismus auf O’ahu ist durchorganisiert, solche typischen Attraktionen muss man rechtzeitig buchen. Ups. Macht aber nichts, es gibt so vieles zu sehen was man nicht buchen muss. Den Blick über die Vorstadtviertel hinüber zu den scheinbar sanft gewellten Hügeln bei unserem nächsten Ziel Koko Head zum Beispiel.

Beim Näherkommen wird aber klar: sanft gewellt ist höchstens die Straßenführung dort hindurch, Koko Head und Koko Crater sind weitere Vulkankrater, die sich durchaus schroff präsentieren.

Auf der Küstenstraße geht es mit wunderschönen Panoramablicken weiter gegen den Uhrzeigersinn um O’ahu herum.

Bei Kaneohe an der Ostseite der Insel machen wir einen Abstecher weg vom Meer in die Berge hinein. Es geht durch dichten Wald und ein paar Tunnel steil hinauf zum Nu’uano Pali Lookout. Der Ausblick von dort ist wirklich atemberaubend, denn vor der Steinplattform fällt das Gelände fast senkrecht rund 300 m ab. Der Legende nach fand hier der entscheidende Kampf statt, aufgrund dessen der siegreiche Kamehameha auch O’ahu als letzte Insel des Archipels seinem Königreich eingliedern konnte und damit ganz Hawai’i unter seiner Herrschaft vereinigte. Die Armee von Kamehameha soll die unterlegenen Truppen seines Widersachers über die Klippen in den Abgrund gedrängt haben.

Der Blick geht entlang an den steilen Hänge der Ko’olau Berge.

Wie Stein gewordene senkrechte Wellen kurz vorm Brechen muten die Flanken dieser Berge an, oder wie gefaltete “Ziehharmonika”-Berge. Der zumeist vergleichsweise schmale Streifen Flachland zwischen den Steilwänden und dem Meer wird hier im feuchteren Osten der Insel dort wo die Häuser noch Platz lassen meist landwirtschaftlich genutzt. Der breite, weitgehend unzugängliche Gebirgszug Ko’olau nimmt aber fast die Hälfte der Fläche der Insel ein und zieht sich von der Südspitze bis in den Nordosten. An seinen östlich Flanken fahren wir – unterbrochen vom Stop an Giovanni’s Foodtruck – bis zu dem berühmten Surfstrand schlechthin. Der Sunset Beach an O’ahus Nordküste ist legendär. Surfer sehen wir dort aber kaum. Kein Wunder, das Wasser vor dem kilometerlangen Sandstrand ist fast spiegelglatt:

Jetzt. Im Sommer. Im Winter dagegen baut der dann vorherrschende Nordschwell hier die Brandung auf, die ihn zum Mekka der Wellenreiter gemacht hat.

Ein weiterer kleiner Abstecher führt uns in den botanischen Garten von Waimea, der in einem wunderhübschen Tal einen Spaziergang zu einem kleinen Wasserfall sowie zudem einen Einblick in die Hawaiianische Kultur bietet und quasi ein Museumsdorf beinhaltet. Auf besonderen Wunsch einer lieben Segelfreundin (gestern von Bermuda aus geäußert) gehe ich bei dieser Gelegenheit nochmal auf die Vögel dort ein, denn auch in diesem botanischen Garten können wir wieder ganz besondere entdecken, Zum Beispiel diese beiden doch sehr unterschiedlich aussehenden Schamadrosseln:

Vor allem aber, liebe Andrea, den hier:

Rotohrbülbül

Wie sein naher Verwandter, der Rotsteißbülbül (aus dem letzten Beitrag) ein echter Bülbül. Die Familie heißt wirklich so (engl.: bulbul) und lebt überwiegend in Afrika und auf Madagaskar. Die deutschen (Vor-)Namen der (profaner auch Haarvögel genannten Familie sind bei der Lage ihrer auffälligen Farbflecken ja selbsterklärend.

😉

Weiter an der Nordküste entlang findet sich im Nordwesten ein Naturschutzgebiet, dass zwischen sehr felsigen Abschnitten nur kleine, abgelegene und selten besuchte Sandstrände aufweist. Ein Rückzugsgebiet für die selten gewordene Hawaiianische Mönchsrobbe, von der wir eine auf unserem langen Spaziergang dort auch tatsächlich antreffen.

Das Wasser zeigt schon: hier wird es wieder wilder. Aber so richtig knackig zeigen sich die Wellen erst an der Westküste. Ganz im Norden dort liegt die Yokohama Bay. Als wir ankommen, zeigen rote Flaggen überall am Strand, dass Schwimmen derzeit nicht angesagt ist. Wären wir aber wohl auch so drauf gekommen:

Es gibt aber auch Badegäste, die trotzdem ins Meer wollen, es sich dann aber kurzfristig doch anders überlegen 🤔

Und natürlich die Surfer. 😎

Wir begnügen uns einfach mit dem Betrachten dieses wunderbaren Naturspektakels können uns an den Farben und der Dynamik einfach nicht sattsehen.

Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir zurück in Honolulu. Vor Floras Bug, auf der anderen Seite der Hafenmole gehen die Wellen ebenfalls hoch und so sind dort und auch auf der Mole selbst noch Surfer unterwegs.

Aloha.

Honolulu erkunden, Aloha und Hang Loose

Wir lassen uns Zeit, Honolulu ausgiebig zu erkunden. Vom Hafen Ala Wai aus erlaufen wir uns zunächst die nähere Umgebung.

Am Hilton Hotel mit den farbigen Kacheln seiner „Rainbow“-Fassade vorbei schließt sich gleich der berühmte Waikīkī Beach an. Der öffentliche Park im Vordergrund gehört noch nicht dazu, aber direkt hinter dem Hochhaushotel geht es los.

Die Straßenschluchten der zumeist nicht ganz topmodernen Highriser gleich hinterm Strand sind von Palmen gesäumt. Eigentlich müsste jeden Augenblick wie in der Fernsehserie aus den 80ern Thomas Magnum im roten Ferrari 308 am die Ecke biegen.

Auch auf der anderen Seite des Hafens schließt sich zunächst ein kleiner Park an, wegen des dazwischen liegenden Kanals ist es dahin aber schon ein ordentlicher Spaziergang.

Dafür ist man aber auch schon beim ersten großen Shoppingcenter angekommen, das sich hinter dem Park erstreckt und so ziemlich alles abdeckt, was das Konsumherz begehrt.

Für die Erkundung der Altstadt ist es zu Fuß dann aber doch etwas weit. Macht nichts, denn – eher untypisch für die USA – ist das Bussystem hier in Honolulu wunderbar ausgebaut und mit 5,50 $ für die Tageskarte auch günstig. Wir bekommen die dafür erforderliche Chipkarte im Mini-Supermarkt gegenüber unseres Hafens.

Das auf Hawai’i allgegenwärtige „Aloha“, mit dem man sich begrüßt oder verabschiedet, dessen Wortsinn aber auch „Liebe“ bedeutet, leuchtet uns auch auf dem Display im Bus entgegen. Ergänzt wird es passenderweise durch das „Chaka“-Zeichen. Die Surfer haben dieses ebenfalls eng mit dem hawaiianischen Lebensgefühl verbundene Handzeichen als „Hang Loose“ mit ihrem Sport von Hawai‘i aus in die Welt getragen.

Ach ja, Surfer. Mit 19 war ich auf einer Tramptour in Südfrankreich so bekloppt, gemeinsam mit zwei Freunden einfach mal ein Surfbrett auszuleihen und in der Nähe von Arcachon einen Nachmittag lang abwechselnd mit den Wellen zu kämpfen. Keiner von uns dreien hat es damals geschafft, auf dem Brett in den Wellen überhaupt zum Stehen zu kommen, wir haben uns die Knie wund gescheuert und die Arme aus dem Leib gerudert, um wieder hinauszukommen, nachdem wir in der Welle zum Strand gezogen wurden, während das mit einer Leine an unserem Bein befestigte Board quer vor der Welle eben dahin gespült wurde. Reichlich Salzwasser haben wir geschluckt und trotzdem sogar noch Spaß gehabt.

Ich kann nicht widerstehen und melde mich für eine Lehrstunde im Wellenreiten am Waikīkī-Beach an. Große Erwartungen (an mich) habe ich nicht. Aber wo ich doch schon mal hier am Geburtsort des Wellenreitens bin …

Runterfallen, wieder aufsteigen. Und von vorne. Dazwischen jedes Mal wieder durch die Wellen hindurch hinauspaddeln, es wird so anstrengend, wie ich es in Erinnerung hatte. Aber in den anderthalb Stunden habe ich auch sechs Erfolgserlebnisse, GlücksMOMENTE im Wortsinn, denn der längste gestandene Ritt dauert gerade mal 7 Sekunden. Völlig platt aber glücklich komme ich wieder auf der Flora an. Das schreit nicht eben nach Wiederholung, aber wie der Nachmittag in Arcachon wird es eine tolle Erinnerung bleiben. Bilder davon gibts keine – außer in meinem Kopf!

Von der Altstadt dagegen gibts Bilder. Zum Beispiel:

Königspalast
Aloha-Tower am Hafen. Der alte Leuchtturm hat eine (leider seit COVID geschlossene) Aussichtsplattform. Und hier wurde für ausfahrende Schiffe das von der Hawaiianischen Königin komponierte Lied „Aloha Oe“ gespielt.

Ein Stückchen weiter die Statue von König Kamehameha I. vor dem Gebäude des obersten Gerichtshofes. Ein bisschen kniffelig, wir sehen sie bereits zum dritten Mal. Das mit Rot und Gold verzierte Original soll wohl im kleinen Örtchen Kapaau auf Big Island stehen, in Hilo und Honolulu hätten wir dagegen Kopien gesehen.

Beeindruckend ist auch die First United Methodist Church, die wir am Sonntag besuchen. In Hawaiianisch ist der Gesang im Gottesdienst zwar nicht (das wäre aber beim 12.00 Uhr Gottesdienst der Fall, vielleicht hören wir uns das am nächsten Sonntag an). Aber schon die von der Straßenseite eher unauffällige Kirche fasziniert mit ihrer Architektur. Der Österreicher Alfred Preis hat 1955 hier aus Korallenzement und Lavasteinen ein Bauwerk geschaffen, dass nicht nur Hawaiianisch luftig erscheint, sondern es auch ist. Die obere „Fenster“-Reihe ist völlig offen, der Wind weht wie bei den ursprünglichen Hawaiianischen Grashütten und den traditionellen wändelosen polynesischen Versammlungshütten quer durch das Gebäude. Das Altarkreuz aus Glasbausteinen erstrahlt ohne künstliches Licht.

Für uns schließt sich ein Besuch im nahe gelegenen botanischen Garten an. Ein Goldbaum lässt dort seine Blüten auf uns herunter regnen …

… wir sehen, wo der Pfeffer wächst …

… die Macademia-Nüsse , für deren Export Hawai’i bekannt ist noch am Baum …

… und noch so vieles mehr. Insbesondere auch eine ganze Menge Vögel, der von der Pracht der Blüten und Früchte natürlich auch angelockt werden. Zum Beispiel

Rotkardinal (Northern Cardinal)
Graukardinal (Red crested Cardinal)
Rotsteißbülbül (Red vented Bulbul)
Wellenastrild (Common Waxbill)
Reisnonne (Java Finch)
Sperbertäubchen (Zebra Dove), ausgewachsen etwas kleiner als eine Amsel
Hirtenmaina (Common Mynah)

Konnte ich also auch wieder meinem Vogel-Tick nachgehen. Und von Sonnenuntergängen und Skyline-Bildern kriege ich wohl auch nicht genug. 😊

Aloha.

Bocas Town

Wir sind einklariert. Tatsächlich war das ein Klacks, nachdem wir erst einmal verstanden hatten, dass die Antwort auf unseren Funk-Anruf reiner Zufall war (die Funkanlage steht eingeschaltet auf dem Wartezimmerflur) und trotz „un momento“ keine weitere Aktion nach sich ziehen würde. Auch auf die auf Noonsite genannte WhatsApp kam keine Antwort, also doch einfach mal rüberfahren. Und dann ging es ganz flott. Bloß der für die „Permiso de Navigacion“ zuständige Kollege war inzwischen schon im Wochenende. Macht nichts, dann beantragen wir die am Montag.

Bocas Town ist der einzige größere Ort hier im Gebiet Bocas del Toro. Wie das bemalte und schon etwas abgeblätterte Metallschild im Ort aufzeigt, liegt das Städtchen auf der Isla Colón, die gemeinsam mit der Isla Bastimento und der Isla Popa die große Festlandsbucht zum Atlantik hin abschirmt und ein geschütztes Archipel mit einer Vielzahl kleiner und kleinster Inseln bildet.

Das übliche Prozedere danach: erst einmal eine Telefon-SIM besorgen, Bargeld in Landeswährung (hier kein Problem, der Geldautomat spuckt US$ aus) und uns den Ort ein bisschen erlaufen.

Und der Ort gefällt uns auf Anhieb. Praktisch alles in Boca scheint auf Stelzen gebaut. Am Ufer scheint das klar. Aber selbst ein paar Straßen weiter innen hört und sieht man im offenen Gulli die Wellen schwappen. Wellen, von denen wir an unserem Ankerplatz (außer dem Schwell der vorbei rasenden Lanchas) nichts mitbekommen, die aber zugleich für den Charakter des Ortes entscheidend sind. Denn Boca Town ist das Zentrum der Wellenreiter dieser Gegend auf der Atlantikseite Panamas. Das prägt den Tourismus hier. Wenig Tagestouristen, dafür diverse einfache Hostels. Auch ein paar Hotels, jedenfalls aber viele Bars und Restaurants, von Street Food Basics bis stylisch schick. Und eben Surfer, die von den Lanchas abgesetzt wurden mit ihren Boards über die Straße laufen.

Alles sehr bunt und ausgesprochen relaxed.

Es gibt mehrere kleine und auch größere Supermärkte, Hardware-Stores auch mit Bootszubehör und Angelkram, liebenswert chaotische kleine Obststände und sogar eine „Deutsche Bäckerei“, zwar nicht mit deutschem Brot aber doch mit leckerem Kuchen. Dienstleister bieten auf handgemalten Schildern (mit interessanten Öffnungszeiten) z.B. Wäscherei an, Hühner laufen frei herum.

Von unserem Ankerplatz vor dem Ort aus sehen wir die mal einfachen, mal bunten Stelzenhäuser am Ufer.

In die andere Richtung schauen wir auf das Grün der Palmen und Mangroven, dass sich über den größten Teil des Südufers der Insel hinzieht. Neben den vorbeiratternden Lancha-Wassertaxis paddeln auch immer wieder in aller Ruhe Fischer durch die Bucht, in ihren einfachen Kanus Angelleinen hinter sich her ziehen.

Hatten wir schon erwähnt, dass es uns hier gut gefällt 😍

Pura Vida.