Lanā’i und Moloka’i: Ankern in Abgeschiedenheit

Nach dem etwas rolligen Ankerplatz vor dem bunten und touristisch erschlossenen Lahaina auf Maui entscheiden wir uns für ein Kontrastprogramm. Das ist einfach, in Sichtweite gegenüber der Stadt liegt Lāna’i. Diese Insel steht für Exklusivität, sie ist fast vollständig im Besitz von Larry Ellison, der dort für extrem zahlungskräftige Erholungssuchende zwei absolute Edelressorts und diverse Villen anbietet. Gekauft hat er die Insel von Dole. Genau, der Frucht-Produzent. Jim Dole kaufte Lāna’i 1922 und verwandelte das Eiland zur damals größten Ananasplantage der Welt, lange Jahre wurde hier bis zu ein Fünftel aller weltweit produzierten Ananas angebaut.

Aber was zieht uns dorthin? Auf der Westseite der Insel soll es einen spektakulären Ankerplatz an der Steilküste geben, dessen hoch aufragende Felsnadeln zudem Schutz vor dem in Lahaina recht lästigen Südschwell bieten. Einen Versuch ist es jedenfalls wert. Wir segeln etwa 25 sm südlich um Lāna’i herum und hoch bis zur Mitte der eher kargen Westküste. Und wir werden nicht enttäuscht:

Wir liegen wunderbar ruhig und der Anker findet perfekten Halt auf dunklem Sandgrund. Und als Extra bieten die “Needles of Nanahoa” auch noch ein beeindruckendes Schnorchelrevier.

Das zaubert doch gleich ein Lächeln ins Gesicht. Warum?

Am nächsten Tag segeln wir eine Insel weiter, wieder auf eine der etwas kleineren, unbekannteren Inseln des Archipels. Moloka’i hat sich dem Tourismus weitgehend verweigert, ist eher ländlich strukturiert, bietet aber tolle Sandstrände, Wanderpfade und mit rund fünfzig Prozent den höchsten Anteil hawaiisch/polynesischstämmiger Bevölkerung. Für uns ist die Insel zudem ein passender Absprungort für den geplanten Schlag hinüber nach Honolulu auf O’ahu, was dann wohl wieder Kontrastprogramm sein dürfte.

Auch der Ankerplatz auf Moloka’i ist sehr speziell und gut geschützt, er liegt in einem aufgegebenen, früher wohl zum Sand- und Kiesverladen genutzten Hafen mitten im weitgehend unbewohnten Nirgendwo der westlichen Südküste der Insel.

Ankern im Hafen? Ja, die Mole ist eher nicht mehr so vertrauenerweckend, aber zum Anlanden mit dem Dinghy (das wir anschließend mit dem Dinghyanker etwas von der Pier abhalten) reicht es allemal.

Witzig: der Online-Törnführer „Noodle Notes“ berichtet, dass hier im Sommer manchmal „infestation of honey bees desperate for fresh water” zu erwarten sei. Tatsächlich findet sich gleich nach unserer Ankunft eine größere Zahl Bienen ein und stürzt sich auf den Bezug unseres Kugelfenders, der nach dem Abspülen unseres Hecks (vorher dort den gefangenen Bonito filetiert) noch mit Frischwasser getränkt ist.

Das scheint dringend zu sein. Wir stellen den übrigens kein bisschen aggressiven Bienen eine große Schüssel mit Wasser hin und es ist erstaunlich, wie schnell sie den Pegel reduzieren. Aber die Wand scheint zu glatt und manche Bienen ertrinken, also schwenken wir auf flache Untertassen um.

Die muss ich allerdings ein paar mal nachfüllen. Zum Sonnenuntergang sind die Bienen dann wieder verschwunden.

Dafür kommt im letzten Tageslicht ein amerikanischer Einhandsegler in den Hafen und ankert neben uns. Wir laden James zu Fischtacos aus dem Bonito ein und es wird ein super netter Abend. James hat seine “Triteia” nach dem günstigen Gebrauchtkauf sehr umfangreich überholt (eher: wieder aufgebaut). Auf dem Törn von der US-Westküste hinüber nach Hawai’i hat er nach einer Kollision mit Treibgut sein Ruder verloren und über tausend Meilen einhand unter selbst konstruiertem Notrunder zurückgelegt (YouTube: Sailing Triteia). Als er hört, das wir nach Alaska wollen, schenkt er uns seine Papierseekarten für die Region. Er hatte ursprünglich geplant, dorthin zu segeln, sich jetzt aber für Französisch Polynesien umentschieden. Geld will er auf keinen Fall annehmen, wir sollen die Karten halt nach Gebrauch weiterverschenken.

Das werden wir machen, vielen Dank, James!

Aloha.

Flora im Labyrinth der Mini-Inseln

Wir wechseln den Ankerplatz, bleiben aber in Bocas del Toro und verholen uns in den östlichen Teil der weitläufigen Bucht. Mal weg von der Stadt, rein in die Einsamkeit. Einen kleinen Haken hat die Sache allerdings. Unsere Seekarten auf dem Plotter, dem älteren iPad und dem neuen iPad zeigen jeweils widersprüchliche Tiefen bzw. Untiefen und in einigen Teilen der Strecke schlicht „unsurveyed“, also nicht vermessen.

Das wir uns trotzdem dorthin trauen, hat zwei Gründe. Zum einen ist das Wasser klar und wir können die Tiefe dadurch recht gut abschätzen, vor allem aber macht uns der „Bauhaus“ Mut. Denn dieser Revierführer für die Gewässer Panamas weist auf in Luftfotos eingetragen Routen zu verschiedenen Ankerplätzen der Gegend durchgängig mehr als ausreichende Wassertiefen aus. Und der Flickenteppich aus dunkelblau (tief), hellblau bis weiß (flach) und unzähligen grünen Punkten und Flächen (Inseln) ist schon sehr verlockend. Also tasten wir uns da mal sehr vorsichtig und langsam hinein. Und wir werden (einmal mehr) reichlich belohnt:

Was für ein Ankerplatz! Nebenbei bemerkt: wir sind das einzige Boot hier, lediglich dicht an der bewohnten Cayo Nancy liegen zwei weitere Boote mit abgeschlagenen Segeln offenbar fest vor Anker und Mooring.

Mit dem Dinghy durchstreifen wir das aus der Froschperspektive nochmals unübersichtlichere Gewirr aus Mangroveninseln und kleinen, z.T. sogar baumbestandenen Cays. Es macht soviel Spaß kreuz und quer durch diese Labyrinth zu fahren und immer neue Wege zu suchen.

Und dann Brot backen an Bord (lecker mit Sauerteig und dem von Wiebke selbst gemachten Brotgewürz), anschließend faulenzen in der Hängematte auf dem Vorschiff 😎

und warten, bis es Zeit wird für den Sundowner. Ist nicht jeden Tag so, aber kommt vor 😁

Am nächsten Tag trauen wir uns mit der Flora sogar noch etwas tiefer ins Labyrinth und fahren weiter zum Ankerplatz an den Gallego Cays.

War der Weg gestern einigermaßen im Einklang mit den neuesten Navionics Sonar Charts (nördlicher Teil), scheinen diesmal die alten Charts besser mit dem Bauhaus überein zu stimmen, jedenfalls im südlichen Teil der Strecke.

Hier die neue Karte:

und hier die alte:

Und um die Verwirrung komplett zu machen, sind die Farben anders als im Bauhaus, auf Navionics ist dunkelblau flach, weiß dagegen tief.

Aber auch hier sind wir gut angekommen und haben den Ankerplatz ganz für uns.

Und statt mir backt heute Wiebke: es gibt Kuchen (Muffins 😍).

Pura Vida.

Ankern auf dem Rondeelteich

Wir liegen hier in Fort Lauderdale vor Anker im Lake Sylvia. Unfassbar, es ist als würde man in Hamburg kurz von der Elbe in die Alster schleusen (o.k., hier war’s nur eine Klappbrücke) ein kleines bisschen weiter motoren und dann im Rondeelteich ankern. Hört sich übertrieben an?

Und was machen wir, wenn wir nicht gerade die Szenerie genießen? Bisher jeden Tag einen langen Spaziergang durch die Stadt und ihre Gewerbegebiete westlich des Port Everglades. Wir bringen unsere unsere in Charleston ausgebaute alte Lichtmaschine zu einer Werkstatt. Und was für eine: Lauderdale Battery and Alternator. Freundlicher Empfang, dann schickt man uns gleich in die Werkstatt zum Spezialisten. Lichtmaschinen in allen (zumeist aber: späteren) Lebensphasen säumen den Weg. Die Maschinen sehen antiquiert aus, aber die Jungs wissen, was sie tun. Nur: Neil gibt unumwunden zu, es sei die erste Lichtmaschine mit externem (Lithium-Batterien-)Regler, die zu ihm gebracht wird. Der erste Test auf dem scheinbar musealen Prüfstand ergibt: Lichtmaschine tot.

Aber so schnell gibt Neil nicht auf. Dann muss er sie halt auseinandernehmen. Wir sollen morgen wiederkommen.

Wenn wir schon mal in der Gegend sind, laufen wir noch ein paar Blocks weiter und statten “Bluewater Books and Charts” einen Besuch ab. Annemarie von der Escape hatte darüber berichtet, und wir brauchen für unsere weitere Reise noch nautische Informationen und Literatur. Wir werden nicht enttäuscht, die Auswahl ist riesig, wirklich alle Teile der (nautischen) Welt werden abgedeckt. Im Prinzip ein Laden wie früher Hanse-Nautic in Hamburg, nur viel größer.

Es ist herrlich, in den Törnführern erst einmal stöbern zu können, sie in der Hand zu halten. Das macht am Ende zwar die Auswahl leichter, unsere Rucksäcke aber umso schwerer. Ganz schöne Wälzer.

Elektronische Seekarten gibts auch, der Pazifik rückt näher. Die für unseren alten (2011) Furuno-Plotter erforderlich maximal 2 GB fassenden Speicherkarten (größere liest er nicht) sind vorrätig, die Karten werden schnell aufgespielt. Zum Glück habe ich im Handy die erforderliche Seriennummer des Plotters abgespeichert (Danke, Uwe, für den Tip und Deine Hilfe damals bei der letzten Aktion). Wieder ein wenig Vorbereitung abgehakt.

Tja, und an dem riesengroßen WestMarine Schiffsausstatter, der auch in dieser Gegend liegt, kommen wir natürlich auch nicht vorbei. Bepackt wie die Lastesel gehts zurück zum Boot, zumal wir kurz vorm Dinghydock noch einen Supermarkt finden. 😁

Heute Vormittag kommt dann der Anruf: die Lichtmaschine ist fertig, zur Abholung bereit. Diesmal kommt uns der Weg dorthin schon kürzer vor. 😉

Die Bürsten sind getauscht, aber das eigentliche Problem lag in einem Kabelbruch innerhalb der Lichtmaschine an der Verbindung zum externen Regulator. Auf dem Prüfstand zeigt die Lichtmaschine diesmal genau das, was sie soll. Neil ist stolz, wir sind superfroh, wieder ein funktionsfähiges Backup zu haben.

Und warum haben wir eigentlich kein Taxi oder Uber genommen? Ein bisschen Bewegung tut uns ganz gut und außerdem mögen wir es, uns einen Ort quasi zu „erlaufen“, gerade auch mit seinen weniger herausgeputzten Ecken.

Außerdem gibts hinterher zur Belohnung Austern in der „Southport Raw Bar“, einer der wenigen Orte, wo wir unser Dinghy lassen können. Festmachen kostet 10 $, aber erstens gibt es kaum eine Alternative und zweitens werden die 10 $ beim Besuch der Bar voll auf die Rechnung angerechnet. Na dann …

Pura Vida.