Malerisches BC

British Columbia verwöhnt uns weiter mit einigen richtig schönen, sonnigen Spätsommertagen. Fast immer sind wir das einzige Boot in der Ankerbucht. So auch in der Fancy Cove, obwohl sie recht nah an New Bella Bella liegt, der einzigen Ortschaft in diesem Abschnitt der Inside Passage südlich von Klemtu.

Am nächsten Tag ist es dann nur ein kleiner Hüpfer von 5 Meilen durch die Lama Passage und quer über den Fisher Channel bis zur Lagoon Bay. So können wir die Ankunft dort gut timen und darauf kommt es uns an. Wie der Name andeutet liegt hier eine größere Bucht, die nur über eine enge und flache Einfahrt zugänglich ist. Das bedeutet eben auch, dass das Wasser der gesamten Bucht bei Ebbe und Flut durch den Flaschenhals des schmalen Zu- und Abflusses muss und entsprechende Strömung aufweisen kann, also am besten um Stillwasser herum zu passieren ist. Die Codville Lagoon wartet zwar nicht mit dem Türkisblau auf, was man vielleicht mit Lagunen verbindet, wohl aber mit einem wunderschönen Ankerplatz auf für hiesige Verhältnisse flachen 15 Metern Wassertiefe in einer der vielen kleinen Buchten der Lagune. Der Clou: ein ausgeschilderter Wanderweg hier mitten in der Wildnis, der zu einem Süßwassersee oberhalb der Lagune führt. Einmal mehr leistet unser “Anchor Buddy” gute Dienste und zieht unser Dinghy nach dem An-Land-Gehen aus der Tidenzone heraus in das tiefere Wasser.

Der Trail führt herrlich über buchstäblich Stock und Stein durch den Regenwald. Zum ersten Mal kommen unsere noch in Alaska gekauften Teleskop-Wanderstöcke zum Einsatz (und bewähren sich). Der See überrascht dann mit einem langen hellen Sandstrand, für diese Gegend eigentlich völlig ungewöhnlich.

Unsere Segelfreunde Tereza und Jakub hatten uns berichtet, dass sie in dem See schwimmen waren. Etwas ungläubig haben wir vorsichtshalber unsere Badesachen eingepackt und – tatsächlich – die Temperatur in dem recht klaren, aber durch die Holzteile im Wasser und am Grund rotbraunen Wasser ist nach den sonnigen Tagen annehmbar, wir baden hier wirklich. Windstill und sonnig wie es ist, schließen wir noch einen ausgiebigen Strandspaziergang an. Barfuß im Sand hatten wir zuletzt länger nicht mehr.

Einiges an verwittertem Schwemmholz liegt hoch auf dem Sandstrand, darunter auch der massige Rest einer riesigen Zeder einschließlich Wurzelstumpf. Die Maserungen und Holzverläufe der Wurzel sind ein einziges die Phantasie anregendes Kunstwerk. Nach Wolkentieren im Passat und Eisskulpturen in Alaska finden wir jetzt hier im schon grau gewordenen Holz Figuren oder gar Abbildungen von Wasserstrudeln. Dann wieder scheint es, als könnten sich Edvard Munch oder Vincent van Gogh hier die Anregung für ihre Pinselführung abgeholt haben.

Die nächsten Tage wird wohl mal wieder eine Front durchziehen, das sonnige Wetter macht also dann Pause, aber bisher können wir uns echt nicht beklagen. Und bevor das Grau kommt, legt Mutter Natur mit der Abendsonne noch mal ordentlich Farbe auf:

Sint Maarten / Saint Martin

Haben Frankreich und das Königreich der Niederlande eine gemeinsame Landesgrenze? Ja, aber nicht in Europa, da liegt ja Belgien dazwischen. Hier in der Karibik aber schon, eben auf Saint Martin/Sint Maarten.

Schon die Frage ist ein bisschen fies gestellt, denn die Niederlande 🇳🇱 sind eben nicht gleichzusetzen mit dem Königreich der Niederlande, sondern tatsächlich nur eins der insgesamt vier autonomen Länder des Königreichs, neben Aruba, Curaçao und eben Sint Maarten. Andererseits gehören die Karibikinseln Saba, Sint Eustatius und Bonaire rechtlich zum Gebiet der Niederlande.

Witzigerweise haben wir hier auf der Insel deshalb eine Grenze nicht nur zwischen Frankreich und dem Königreich der Niederlande, sondern auch zwischen Frankreich (EU) und Sint Maarten (nicht EU). Meine deutsche Telefonkarte würde daher hier an unserem Ankerplatz in der Simpson Bay in Sint Maarten horrende Roaminggebühren auslösen (Ländergruppe 3, genau wie z.B. Vanuatu). Der französische Teil der Insel gehört dagegen zur Ländergruppe 1 und löst im EU-Roaming meiner deutschen SIM-Karte keine zusätzlichen Gebühren aus. Die Insel ist aber insgesamt so klein, dass wir hier am Ankerplatz Empfang von Sendemasten aus beiden Ländern haben. Die Lösung ist daher einfach: die automatische Netzauswahl im Handy ausstellen und einen französischen Anbieter manuell auswählen. 😁

Die Ankerbucht ist nicht unsere bisher schönste. Der internationale Flughafen liegt direkt nördlich, außerdem ist das Ufer gesäumt von eher gesichtslosen mehrstöckigen Hotelburgen, erst dahinter erheben sich die grünen Bergrücken. Das Wasser der Bucht ist aber erstaunlich klar und gegen den für die nächsten Tage angekündigten Nordschwell sollten wir hier gut geschützt sein.

Mit dem Dinghy fahren wir durch einen kleinen Kanal in die Lagune (Grand Etang/Simpsonbaylagune). Eine holländisch anmutende Klappbrücke überspannt die Einfahrt und erstaunlich große Superyachten können sie passieren.

Der Schein täuscht sogar noch. Etwa eineinhalb mal so breite Superyachten passen hindurch. Dann allerdings wird es wirklich eng, die seitlichen Begrenzungen weisen einige (sicher teure) Scharten auf und das Brückenwärterhäuschen wurde auch bereits wegrasiert. YouTube hat mehrere toll gemachte Videos über das Hineinfahren von Superyachten und auch spektakuläre Szenen zu bieten. Die Lagune bietet eine große Auswahl an Marinas, dazu Bojenplätze und auch freies Ankern. Allerdings war es während des letzten Lockdowns für einige Boote schwer, herauszukommen. Das lässt unseren Ankerplatz vor der Brücke dann doch wieder um einiges attraktiver erscheinen. 😉

Die Verschiedenartigkeit der beiden Länder auf der Insel stellen wir auf unserem Dinghyausflug auch in der Bebauung rund um die Lagune fest. Hohe Bebauung sehen wir nur auf der „holländischen“ Seite, dafür allerdings auch weniger Wracks. Die finden sich in erschütternder Anzahl (nicht nur, aber doch deutlich überwiegend) auf der französischen Seite. Und nicht alle stammen vom letzten Hurrikan, einzelne sind offensichtlich älter. Manches, was wie ein Wrack aussieht, ist dann tatsächlich doch noch bewohnt. Und ein Sprayer beweist schrägen Humor.

Auch die Häuser scheinen auf der französischen Seite nicht mit gleicher Kraftanstrengung (bis zu 95 % wurden durch Hurrikan Irma schwer beschädigt) wieder auf Vordermann gebracht zu werden. Selbst an der Marigot Bay sieht es direkt westlich des französischen Kananleingangs so aus:

Das gleiche Ufer nur wenig weiter östlich am Yachthafen allerdings so:

Wie sich überhaupt karibische Farbenfreude und Streetart, teuere Markengeschäfte, charmante Cafés und restaurierte Geschäftszeilen und verfallende Fassaden stetig im Straßenbild abwechseln.

Und natürlich nicht zu vergessen: Die Leguane finden sich ebenfalls direkt in der Stadt und an der Uferpromenade und wollen zum Teil (in jungen Jahren) in der Farbenpracht auch nicht zurückstecken.

Einsamer Strand

So sieht’s aus. Low Bay, an der Westseite von Barbuda. Zumindest in Corona-Zeiten kann es Mitte Dezember passieren, dass sich kein anderes Schiff hierher an den wunderbaren, steil aus dem türkisfarbenen Wasser aufsteigenden feinsandigen Strand südlich der Lagunenpassage verirrt. Im Frühjahr hatten wir hier nördlich des Durchbruchs geankert, aber die halbverfallene und langsam ins Wasser abrutschende Hotelruine dort schlägt doch ein bisschen auf die Stimmung.

Am 6. September 2017 zog der Kategorie-5-Hurrikan “Irma” mit etwa 300 km/h genau über Barbuda, zerstörte 95 Prozent der Gebäude. Zudem riss er hier ein Loch in die schmale Nehrung, die die Codrington Lagune bis dahin nach Westen hin abschloss. Sämtliche Einwohner der Insel wurden damals nach Antigua evakuiert, viele kamen erst Monate später zurück auf die Insel (wenn überhaupt, noch nach einem halben Jahr war es weniger als ein Drittel der ursprünglichen Bewohner).

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Hurrikan der flachen Lagune einen zusätzlichen Meerwasserzugang verschafft. Und wie bisher immer, wird sich wohl auch diese Lücke irgendwann wieder auf natürliche Weise schließen. Derzeit ist aber die Passage mit flach gehenden Fischerbooten oder Dinghys möglich. Allerdings steht häufig eine konfuse Welle über dem größten Teil des Eingangs, es sieht in der Enge trotz sonst eher ruhigem Wetter auch heute durchaus beeindruckend aus:

Wir beschränken uns da lieber darauf, mit den Paddelboards auf die sogar mit ein paar Palmen bestandene Landzunge zu fahren und den Strand der Halbinsel zu erkunden, die karibischen Farben und die Blicke hinüber zu unserer Flora auszukosten.

Am Abend kommt dann die Escape an den Ankerplatz, mit Annemarie und Volker verbringen wir wieder mal einen schönen Abend, diesmal auf der Flora.