Aquarium

Wenn die Seekarte schon den Hinweis auf zwei Schnorchelbojen und die Ortsbezeichnung „Aquarium“ enthält sollten wir da wohl nicht einfach dran vorbei segeln. Und so schlängeln wir uns durch den Bell Cut an ein paar Felsen und um Pastue Cay herum. Eigentlich wollten wir ankern, aber der Ankergrund ist hier vor O’Brien’s Cay etwas tricky. Es ist fast bis zum Ufer etwa 7 m tief, die Strömung ziemlich stark und auf dem Boden finden sich einige Korallenbereiche. Da nehmen wir dann doch gerne eine der 4 Bojen, die vom „Bahamas National Trust“ hier im Exuma Cays Land and Sea Park angebracht wurden (Ankern im Park 22 $, Bojen 35 $ pro Nacht für unsere Schiffslänge). Eine fünfte Boje liegt etwas abseits, näher an Johnny Depps Privatinsel (Little Halls Pond Cay) und hat eine andere Aufnahme, sie ist direkt an einem Flugzeugwrack befestigt und wohl nicht für Yachten ausgelegt.

Aber als wir mit dem Dinghy dort festmachen um die auf dem Kopf liegende recht gut erkennbare Cessna zu beschnorcheln ist die Strömung einfach noch zu stark. Also zurück zur Flora. Später tauchen wir dann erst einmal ins Aquarium ein und werden als Neuankömmlinge von einem Franzosen-Kaiserfisch und diversen gestreiften Riffbarschen beäugt.

Aquarium. Und es fühlt sich wirklich so an. Wir schnorcheln einmal rund um die kleine Insel, die der Nordwestspitze von O‘Brien‘s Cay vorgelagert ist. Viele bunte Korallen und einiges an Fisch, wobei sich die Unterwasserwelt direkt bei den Bojen am dichtesten bevölkert präsentiert.

Weiblicher Grüner Papageifisch und …
das dazugehörige männliche Exemplar
Gelbstreifen-Grunzer, französische Grunzer und ganz rechts verschwindet gerade ein Eichhörnchenfisch
„Sergeant Majors“, gestreifte Riffbarsche
Blaustirn-Kaiserfisch in einem Riesen-Honigschwamm

Es ist herrlich bunt hier. Aber jetzt, kurz vor Stillwasser, probieren wir es auch noch einmal bei der Cessna und diesmal klappt es ganz gut.

Rumpf, Tragflächen und sogar der Propeller der auf dem Kopf liegenden Maschine sind gut zu erkennen. Die Seitentüren fehlen, wir können sogar durch den Flieger hindurch tauchen.

Am nächsten Tag bei Windstille vom Paddleboard aus aufgenommen:

Bei dieser Aktion fällt mir dann blöderweise die GoPro (natürlich ausnahmsweise ohne Schwimmgriff) ins Wasser und verschwindet mit der Strömung in der Tiefe. Ein Rettungsversuch ohne Tauchermaske schlägt fehl. Grr. Ich versuche, ungefähr an der Stelle zu bleiben, Wiebke holt meine Taucherbrille und Flossen. Und alarmiert unsere Segelfreunde. Schwups, kurz darauf sind Ingo (Easy-One), Janna (Thula) und Jochen (Caroline) da und wir schnorcheln im Suchraster das Gebiet ab, wobei die Strömung mit der auflaufenden Tide immer weiter zunimmt. Wenn die GoPro auf dem Sandboden gelandet ist, müssten wir sie finden. Ist sie irgendwo in den Korallen, wird es schwer. Jonas und Jonathan (Jollity) kommen auch noch dazu und suchen außerhalb unseres Musters. Erlösung: Jonas findet die Kamera direkt an einer Koralle ☺️. Das gibt dann eine große Sundowner-Runde auf der Flora 🍹 🍻. Wow, richtig Glück gehabt.

V.l.n.r.: Ilja, Andrea, Natalja, Wiebke, Ralf, Janna, Jochen, Jonathan, Leonie, der Held Jonas verdeckt, Ingo

Compass Cay

Die Entfernungen sind klein hier in den Exumas, statt langer Schläge ist es mehr ein Hüpfen von Insel zu Insel, die Ankerplätze liegen praktisch in Sichtweite voneinander. Trotzdem müssen wir „außen rum“, also hinaus in den tiefen Exuma Sound und dann wieder durch einen Cut hinein zwischen (und hinter) die Inseln.

Von Staniel Cay kommend wählen wir als nächstes Compass Cay. Schon der Name ist verlockend maritim, aber vor allem interessieren uns der Hike durch das fast trocken fallende kleine Flussbett und – da sind wir durch die Thunderball-Grotte offenbar auf den Geschmack gekommen – die per Dinghy erreichbaren Höhlen in den gegenüber liegende Rocky Dundas.

Zunächst liegt die Flora noch allein mit der Easy-One in der Bucht, doch kurz darauf gesellen sich die Thula und die Caroline dazu. Vier deutsche Boote“! Für die Thula ist der Besuch auf Compass Cay eigentlich Pflicht, lautet das Motto (auf ihrer Website) doch: LIVE YOUR LIFE BY COMPASS, NOT BY CLOCK. 😎

Und später am Tag kommen dann die holländische Doejong und die schweizer Jollity auf den Ankerplatz, beide Boote und Besatzungen kennen wir von früheren Begegnungen.

Die Höhlen der Rocky Dundas sind weniger bekannt wie die Thunderball-Grotte, aber auf ihre eigene Art ebenso attraktiv. Sie liegen bereits im „Exuma Cays Land and Sea Park“ und tatsächlich ist das Unterwasserleben vor den Grotten bunt und reichhaltig. Viele gesunde Korallen und entsprechend auch die dort Schutz findenden Rifffische begrüßen uns, als wir an einer der beiden vor den Höhlen angebrachten Dinghybojen festmachen.

In dem ziemlich flachen Wasser in den Höhlen selbst dann nur wenig Fisch, dafür aber eine beeindruckende Felsenlandschaft mit Stalagmiten und Stalagtiten, die wiederum durch Löcher in der Höhlendecke ganz malerisch beleuchtet wird. Und ein Farbenspiel, dass von dem pinkfarben bewachsenen Stein im überspülten Bereich über die grün bemoosten Wände bis zu ockerfarben matten und bläulich glänzenden Flächen im oberen Höhlenbereich reicht.

Nach einem ersten Besuch mit Wiebke, Andrea und Ingo fahren Ingo und ich noch ein zweites Mal hinüber, diesmal mit Janna und Ilja von der Thula.

Die Wanderung durch das Bachbett auf Compass Cay macht man am besten bei Hochwasser. Nicht wegen des Hikes selbst, sondern weil am Ende ein Bad in „Rachel’s Bubble Bath“ wartet. Bei Hochwasser (und Ostwind) schwappen die Wellen über die schmale Felswand, die Nordspitze von Compass Cay mit dem Rest der Insel verbindet. Das Luft-Wasser-Gemisch blubbert dann in den natürlichen Pool, aus dem heraus der Bachlauf dann zu unserem Ankerplatz fließt.

Ein gemeinsamer Abend am Strand, ein Spieleabend (Mexican Train Domino) mit den Andrea, Natascha, Ingo und Jochen auf der Easy-One. Wir sind sehr dankbar dafür, dass so etwas auch in Covid-Zeiten hier möglich ist. Viele Segler konnten sich inzwischen bereits impfen lassen, wir hoffen, dass es für uns direkt nach der Einreise in die USA klappen wird.

Vorher möchten wir aber die Bahamas noch ausgiebig weiter erkunden. Dabei kommen wir jetzt in den Exuma Cays Land and Sea Park, wo wir allerdings nur noch sehr eingeschränkt Internet haben werden, in weiten Teilen wohl gar keins. Also nicht wundern, wenn die nächsten Blogbeiträge evtl. keine Bilder haben 😉.

Schnorcheln in den Exumas

Die vielen weiten und hellen Sandflächen hier verleiten zu der Vermutung, die Unterwasserwelt in den Exumas könnte eine langweilige Ödnis sein – weit gefehlt, es geht mehr als nur das Sammeln von Sand Dollars. Da sind zum einen die vom Menschen ergänzten interessanten Schnorchelziele, bewusst wie bei der Statue der Meerjungfrau am Piano oder unabsichtlich wie bei den diversen Flugzeugwracks, die hier im flachen Wasser gut zu sehen sind. Um nicht wenige davon ranken sich Legenden nach denen die Flieger zum Drogenschmuggel benutzt wurden und direkt mit bekannten Namen des kolumbianischen Medellin-Kartells in Verbindung gebracht werden.

Nicht immer muss das stimmen, gelegentlich sind die Geschichten hinter den Flugzeugabstürzen banaler, aber wie beim Seemannsgarn setzen sich mit der Zeit und jeder weiteren Überlieferung eher die spektakuläreren (und häufig spekulativeren) Storys durch. Ein schönes Beispiel dafür ist HIER erläutert.

Bei den vielen kleinen und kleinsten Landepisten, die sich hier gefühlt auf jeder zweiten Insel finden und den Schwierigkeiten, ein etwaiges Wrack zu bergen und zu entsorgen ist jedenfalls die Dichte der Flugzeugwracks ziemlich hoch. Wie auch immer, auch hier bei Rudder Cut Cay finden sich etwa in der Verlängerung der quer über die Insel verlaufenden kurzen Landepiste die Reste eines Flugzeugs im seichten Wasser, wobei kaum mehr als die Flügel zu erkennen sind.

Aber es geht auch ganz anders: in unmittelbarer Nähe unseres Ankerplatzes finden sich große Flächen mit Weichkorallen, Gorgonen und Federbüschen, immer mal wieder durchsetzt auch mit Korallenköpfen aus Hartkorallen. Bei einem Driftschnochelgang, das Dinghy hinter uns her ziehend, genießen wir auch diesen farbenfrohen Teil der hiesigen Unterwasserwelt.

Sei es mit Kaiserfisch,
Schwärmen von Grunzern,
einem Bienenwaben-Kofferfisch (mit Lippenstift ☺️)
… oder einem friedlichen Ammenhai.

Ein weiteres deutsches Schiff ist eingetroffen, die „Thula“ aus Kiel mit Janna und Ilja. Die beiden haben wie wir in 2019 die Leinen losgeworfen, aber mit ihrer 33 Fuß langen Vindö 45 in dieser Zeit die Strecke bis nach Moorea in der Südsee, dann gegen Wind und Strömung zurück nach Panama und bis hierher in die Bahamas zurückgelegt. Hut ab! So verbringen wir einen schönen Abend auf der Flora gemeinsam mit den Crews der Thula und der Easy-One.

Jamaica und Flamingo

Nein, wir haben nicht plötzlich unsere Reiseroute verändert. Jamaica laufen wir trotzdem an, bleiben dabei aber in den Ragged Islands. Von Buena Vista Cay bis nach Jamaica Cay sind es nur gut 20 sm, wobei wir zur Abwechslung das türkisfarbene Wasser zwischendurch mal wieder verlassen. Durch den Little Nurse Cut motoren wir hinaus ins Tiefwasser östlich der Inselkette, setzen die Segel und gleiten durch das dunkle Blau. Die Angeln sind draußen, aber außer einem Barakuda (den wir wieder hineinwerfen) fangen wir leider nichts.

Es ist bestes Blauwassersegeln bei raumem Wind. Kurz vor Jamaica Cay zeigt der Tiefenmesser plötzlich wieder an, nachdem er im Blauwasser immer nur drei Striche auf dem Display hatte. Dann aber schmelzen den Zahlen rasend schnell herunter in den einstelligen Bereich, der Cut zwischen Black Rock und White Rock ist nicht nur schmal, sondern auch flach. Macht nichts, die unbetonnte aber gut erkennbare Riffdurchfahrt liegt genau in unserer Fahrtrichtung
(Südsüdost nach Nordnordwest), wir können unter Segeln auch die letzte Meile nach Jamaica Cay hochsegeln. Und die Strecke birgt noch ein Highlight: Direkt vor Jamaica Cay liegt ein Blue Hole im Meer. Anders als noch auf Raccoon Cay, wo es sich eher als grünes Auge auf der Insel präsentierte, ist das Blue Hole hier von etwa 5 m tiefem Wasser umgeben. Wiederum kreisrund fällt die Wand des Loches steil auf knapp dreißig Meter Tiefe ab, der Durchmesser beträgt nur etwas mehr als zwei Schiffslängen. Aus der türkisen Umgebung schimmert es beim Heransegeln tiefblau heraus. Und natürlich lassen wir uns die Chance nicht entgehen, direkt darüber hinweg zu segeln. Es ist ein ganz besonderer Moment. Und obwohl es ja diverse Blue Holes in den Bahamas gibt, eignen sich auch bei weitem nicht alle dafür. Viele haben einen flachen Riffrand aus Korallen. Toll zum Schnorcheln, aber weniger gut zum drüberfahren.

Unser erster Ankerplatz im Norden von Jamaica Cay liegt nach spannend flacher Anfahrt durch das vorgelagerte Riff recht gut gegen den zur Nacht angekündigten Nordwind geschützt, aber der Ankergrund erweist sich als nicht ideal. Nur eine dünne Sandschicht über Korallenfels. Der Anker fasst zwar sofort und hält auch beim Einfahren mit langsam auf 2000 Umdrehungen erhöhten Rückwartsgang, aber – wie wir beim Abschnorcheln feststellen – nur weil er sich mit seiner Spitze hinter einem Stein verhakt hat. Außerdem rollt aus Osten Schwell über die niedrige Barre. Also wieder ankerauf, zurück duch die schmale Rinne und diesmal fällt der Anker auf gut haltenden Sandgrund vor der Ruine eines Resort, wo zwischenzeitlich auch die Easy-One schon ankert. Hier ist es etwas offener nach Norden, aber die Nacht wird doch eingermaßen ruhig.

Vorher allerdings fahre ich noch mit Ingo von der Easy-One und Steve von der noch dazu gekommenen Amalia im Dinghy zum Blue Hole hinaus, wir wollen uns diese Gelegenheit zum Schnorcheln nicht entgehen lassen. Wir ankern Florecita auf dem Sandgrund am Rand des Blue Hole und werden – kaum im Wasser – gleich von zwei neugierigen Riffhaien begrüßt, die sich aber schnell wieder in das Loch zurückziehen, als Ingo mit der GoPro auf sie zu schwimmt. Tatsächlich fasziniert das zunächst leer wirkende Blau, die Steilwand des Loches wartet mit einer Vielzahl von Korallen und Rifffischen auf. Zwei große Lobster spazieren auf einem Vorsprung herum als wüssten sie, dass wir sie (Schonzeit) in Ruhe lassen werden. Eine große Schildkröte mit Schiffshalterfisch kommt heran und verschwindet vor unseren Augen in der blauen Tiefe. Ab und zu sehen wir die Haie weiter unten im dunkleren Bereich patrollieren.
Am nächsten Morgen verabreden wir uns über Funk mit den Crews der beiden anderen Boote zu einem Landgang. Ingo bringt seine Akku-Flex mit und zunächst mal machen wir aus zwei gefundenen Conch-Gehäusen jeweils ein Horn. Die Spitze wird abgeflext, so dass ein etwa daumennagelgroßes Blasloch entsteht. Die hierin noch enthaltene Spirale muss man herausbrechen. Entgraten, fertig. Je nach Größe der Conch gibt es natürlich unterschiedliche Töne, für uns gibts heute ein kleines hell tönendes „Reisehorn“, für Steve ein größeres und tiefer klingendes, wie es im Yacht Club auf Hog Cay zum Sonnenuntergang geblasen wurde.

Jamaica Cay ist unbewohnt, der Versuch hier ein kleines Resort zu errichten schon vor Jahren gescheitert, wie die Ruinen der Gebäude und die beiden weithin sichtbaren Tanklastzugauflieger traurig bezeugen. Der positive Effekt ist, dass es einige Kokospalmen gibt. Viele heruntergefallene Nüsse liegen am Boden, aber mit denen können wir natürlich nichts mehr anfangen. Zum Klettern auf die Bäume sind wird definitiv nicht geschickt genug. Wir entwickeln verschiedene Techniken um trotzdem an die Nüsse heranzukommen (Abschlagen mit einem langen Holz, Räuberleiter und Macheteneinsatz, Heraufwerfen eines Seiles und Abziehen der Kokosnüsse), es klappt gut. Und dann erarbeiten wir uns das Innere der Nüsse. Je nach Reifegrad der Kokosnüsse „ernten“ wir Kokoswasser und/oder weiches, mittelhartes oder hartes Kokosfleisch. Ein Fest für Cocktails und Küche.

Das muss aber noch etwas warten, denn während wir uns mit den Nüssen beschäftigen hat es deutlich aufgefrischt und unser
e drei Boote tanzen am Anker sehr bockig herum. Der Schwell steht jetzt aus Nordnordwesten genau in die Bucht hinein, wir beeilen uns die Anker hoch zu nehmen und fahren im Konvoi weiter nach Flamingo Cay. Bei Nordwest ist der Ankerplatz dort zwar auch nicht optimal, aber doch etwas besser geschützt und der Wind soll weiter herum über Nord auf Nordost drehen.

Auf Flamingo Cay gibt es keinen Mobiltelefonempfang und damit für uns auch kein Internet. Dieser Beitrag wírd per Iridium-Satellit übermittelt, die Bilder werde ich nachreichen (ist jetzt erfolgt). Fürs erste muss Kopfkino genügen. Auf Kommentare (über die wir uns sehr freuen) können wir erst reagieren, wenn wir wieder Empfang haben.

Von Hog Cay nach Double Breasted Cay

Kaum zu fassen, wir ankern schon über eine Woche vor Hog Cay / Ragged Islands. Vor der Weiterfahrt gilt es gemäß hiesiger Tradition noch, aus Treibgut ein Schild mit Namen, Schiffsnamen und Jahr zu fertigen und unter der Decke des Yachtclubs anzubringen. Wir haben Glück, ein blaues Stück Plastik kommt schon fast in der Form unseres Schiffslogos daher, das macht die Umsetzung einfacher:

Aber einen weiteren Tag schieben wir unsere Abfahrt hinaus, als die Nizhóní mit Michael und Leslie ankommt und wir uns beim abendlichen Sundowner im Hog Cay Yacht Club wunderbar unterhalten. Statt loszusegeln verbringen Ingo und ich am nächsten Tag viel Zeit auf der Nizhóní, einem spannenden Kohlefaser-Katamaran, den die beiden nach einem schweren Brandschaden gekauft haben und wieder auffixen.

Wir motivieren Michael, seinen Tauchkompressor zu reaktivieren und helfen ihm ein bisschen dabei, mit dem wunderbaren Effekt dass wir jetzt wieder gefüllte Tauchflaschen haben. Zum Sundowner gibt’s für die drei Crews auf der Easy-One Pizza und es wird ein langer schöner Abend.

Heute können wir dann noch unseren Beitrag zum neu angelegten Hike von der Middle Penn Bay zu dem Three Beach Trail leisten. Gemeinsam mit Karen kennzeichnen Wiebke, Andrea und ich den neuen verbindenden Pfad mit der üblichen Strandgut-Markierung.

Danach geht’s aber wirklich Anker auf, wir segeln gemeinsam mit der Amalia of London einen Bogen westlich um Maycock Cay und das Flach westlich von Margaret Cay herum und tasten uns dann unter Motor vorsichtig in den Ankerplatz vor Double Breasted Cay. So sind wir am Ende nur gut vier Meilen Luftlinie von unserem alten Ankerplatz entfernt, obwohl wir mehr als 11 Meilen zurückgelegt haben. Aber die dazwischenliegenden Flachwassergebiete sind teilweise selbst für unser Dinghy zu seicht, weiß wie der Strand heben sie sich einzelne Unterwasser-Sandrücken aus dem hell-türkisen Wasser ab.

Der eigentlich nur für einen Kaffee-Stop angelaufene Ankerplatz erweist sich als ruhiger als erwartet und so bleiben wir über Nacht.

Und auch hier hält das Abschnorcheln des Ankers im kristallklaren Wasser auf dem scheinbar öden Sandgrund wieder tierische Überraschungen bereit:

Ein Remora (Schiffshalterfisch) hat sich an Flora geheftet, zudem entdecke ich einen kleinen Bufalo-Kofferfisch und eine etwa 15 cm große Tulpenschnecke mit schönem gewundenen Gehäuse.

Hog Cay II, Ankern, Yachtclub, Wandern und Speerfischen

Der Ankerplatz hier vor Hog Cay ist schön, aber auch ziemlich seicht. Klar, man könnt noch weiter draußen ankern, aber dann ist es auch wieder welliger.

Und so liegen wir hier mit unsern zwei Metern Tiefgang auf etwa zweieinhalb Meter Wassertiefe. Plus etwa 60 cm Tide. Bei Flut sehr komfortabel, bei Ebbe etwas weniger, zumal wenn wegen (gerade gewesenem) Vollmond und Windkonstellation die Ebbe nochmal 20 cm niedriger ausfällt.

Ein Barrakuda past immer noch zwischen Floras Kiel und den Sandgrund

Der Check beim Schnorcheln ergibt nicht nur, dass es trotzdem noch passt, sondern auch ein paar nette Fischbegegnungen. Neben dem Barrakuda zeigt sich auch ein kleiner gehörnter Kofferfisch (Kuhfisch) mit prachtvollen blauen Streifen (die er erscheinen und verschwinden lassen kann) direkt am Boot.

Was diesen Ankerplatz aber ganz besonders macht ist die Seglergemeinschaft hier. Mit den befreundeten Booten sowieso, aber auch mit einigen anderen Cruisern, wir werden nach einer Corona-Befragung sogleich in den Yachtclub aufgenommen 😉.

Klar, die Boote und mit ihnen deren Crews wechseln, aber einige bleiben auch sehr lange hier. Wie z.B. Rita und Will mit ihrem amerikanischen Motorkatamaran. Sie kommen seit gut 20 Jahren regelmäßig hierher (“spätestens zum Valentinstag, dann gibt’s eine Party mit den Einheimischen von Ragged Island”) und bleiben dann auch jeweils länger hier liegen. Die deutsche Crew-Flagge an Backbord zeigt, dass die beiden ihrer Wurzeln in Deutschland haben. Und weil mit der Invia, der Easy-One und der Flora ungewöhnlicherweise gleich drei deutsche Boote hier liegen, laden die beiden uns für einen abendlichen Snack (und Schnack) auf ihr Schiff.

Auch außergewöhnlich: eine unbewohnte Insel mit “Clubhaus” am Strand.

Perfekt als Treffpunkt für den Sundowner oder – wie heute Abend – für ein Potluck, bei dem jeder etwas für das gemeinsame Essen mitbringt. Zudem mit zwei Feuerstellen ausgestattet. Südlich die Müllverbrennung als notwendiges Übel und nördlich …

… der Lagerfeuerplatz für die gemütliche Runde.

Wie uns Rita erzählt, wurde das Ganze (auf einer der Valentinstagfeiern) von der Inhaberin des kleinen Supermarktes auf Ragged Island angestoßen und – von den Seglern finanziert – auch organisiert und umgesetzt. Es hat sogar den letzten Hurrican ziemlich unbeschadet überstanden.

Heute Mittag machen Wiebke und ich einen weiteren Hike, diesmal geht es auf die Südseite von Hog Cay. Erst einmal müssen wir dafür mit Florecita in die nächste Bucht fahren und dort anlanden. damit haben wir den ersten Strand unseres „Three-Beach-Hike“ schon erreicht.

Halbmondförmig zieht er sich vom Lobster Hole Point bis Hog Point. Ganz am Ende weist ein Turnschuh auf einem Stock auf den Einstieg in den Pfad durchs Gebüsch hin, ein Stückchen weiter hängt grünes Fischernetz an einem Ast. O.k., also wieder die Treibgut-Kennzeichnung. Ohnehin ist es hier nur ein kurzes Stück hinüber zur House Bay, unserem nächsten Strand.

Hier gehen wir erst ein Stück in die „falsche“ Richtung, um den Kokospalmen einen Besuch abzustatten. Trotz einiger Bemühungen können wir aber keine Kokosnuss ergattern.

Der „richtige“ Weg führt dann am Ende des Strandes einfach ohne Kennzeichnung über das Korallengestein weiter und nach etwas Suchen finden wir auch den Einstieg in die nächste Querung. Diesmal geht es durch einen weitgehend ausgetrockneten flachen Salzsee hinüber zur Black Rock Bay im Südosten.

Und dann nach einem weiteren Strandabschnitt quer hinüber zum Strand am Ausgangspunkt, wobei dieser Abschnitt erst mit dichtem Buschwerk und dann mit einem eher offenen Bereich voller niedriger Fächerpalmen aufwartet. Eine schöne, abwechslungsreiche Wanderung.

Kaum wieder an Bord, kommen Steve (Amalia), Mike (Dark‘N Stormy) und Matt (Tuebor) mit dem Dinghy vorbei und fragen, ob ich mit zum Spearfishing komme. Wir hatten gestern darüber gesprochen. Habe ich zwar noch nie gemacht, aber klar, die Gelegenheit zum Ausprobieren lasse ich mir nicht entgehen. Der andere Steve (Zulu) ist auch dabei und zu fünft wechseln wir besser auf dessen großes Dinghy. Spearguns (Harpunen mit Pistolengriff) sind in den Bahamas nicht erlaubt, nur Hawaiian Slings (Harpunen mit zwillenähnlicher Abschusstechnik) und Polespears, mit denen wir unterwegs sind. Im Prinzip Speere mit einer Gummischlinge am Ende, die man mit der Hand am Speer entlang nach vorne zieht und dadurch spannt. Die einfachen Varianten werden auch gerne zum Lobsterfischen verwendet, allerdings ist seit Anfang April in den Bahamas Schonzeit für Lobster. Beim Lobsterfischen sind die Speere aus meiner Sicht ohnehin nicht ideal, da man erst nachdem Speeren feststellt, ob man ein eiertragendes Weibchen erlegt hat, das man sonst zurückgesetzt hätte. Deshalb ist das in einigen Ländern auch verboten, in den Bahamas allerdings nicht. Für uns sind Fische das Ziel. Tatsächlich kann ich sogar einen schönen Hogfish erwischen, nicht schlecht für mein erstes Spearfishing. Ein bisschen tricky ist, dass ich den Fisch erst zurück auf der Flora filetieren kann. Da ich die Fischabfälle nicht am Ankerplatz über Bord geben möchte (um keine Haie anzulocken) mache ich es in unserer Fischkiste und fahre anschließend mit dem Dinghy hinaus um die Reste wegzuwerfen und Kiste, Messer und Schneidbrett zu reinigen.

Flora ausnahmsweise mal wieder mit weggeklapptem Bimini, weil eine Front mit stürmischem Wind (8 Bft) angekündigt war. Es blieb zum Glück bei 7 Bft und die Nacht war deutlich ruhiger als erwartet.

Ragged Island

Um an den letzten Beitrag anzuknüpfen: die Passage nach Ragged starten wir tatsächlich um 5.00 Uhr morgens, es läuft wunderbar und plangemäß kommen wir im Hellen an, sehen also keinen Sonnenuntergang vor unserem Bug. Wohl aber einen Vollmond, der uns durch die Nacht begleitet …

… und damit einen Monduntergang vor Floras nach Westen gerichtetem Bug und einen Sonnenaufgang hinter Floras Heck.

Und wieder ist es ein Schmetterlingskurs, der kräftige Passatwind schiebt uns gut voran.

Ein bisschen gemischt sind die Gefühle, als wir so auf die Kolumbus-Bank zu rauschen, wo es statt ein paar tausend nur noch 10-20 m tief ist. Aber es passiert nichts, außer dass die Wasserfarbe etwas heller wird und uns mehrere Barakudas an die Schleppangel gehen. Einer schon im Tiefwasser und jetzt drei auf dem Flach, aber wir lassen alle wieder frei. Nur die schöne King Mackerel behalten wir natürlich.

Wir passieren Little Ragged Island südlich und ankern dann in der Bucht zwischen Little Ragged und Ragged Island. Leider findet der Schwell doch seinen Weg um die Insel herum und es ist etwas rollig am Ankerplatz, zumal wi mit unseren zwei Metern Tiefgang hier doch ziemlich weit vom Ufer entfernt den Harken in den sehr gut haltenden Sandgrund krallen. Aber am nächsten Morgen entschädigen die Schnorcheltour, vor allem aber der Strandspaziergang auf Little Ragged mehr als genügend für diese kleine Unannehmlichkeit. Die Farben in der Karibik sind ja ohnehin beeindruckend, aber hier in den Bahamas mit den weiten, zumeist sandigen Flächen mit „Turtle Grass“-Flecken zeigen sie eine fast magische Brillanz und Leuchtkraft.

Sand-Dollar, Kalkskelette von bestimmten flachen Seeigeln, die aber statt Stacheln nur eine Vielzahl feiner Härchen haben und eben im Sand des Flachwassers der Bahamas leben

Trotzdem verholen wir uns gegen Mittag gemeinsam mit der Easy-One ein paar Meilen weiter nördlich nach Hog Cay. Dort ist auch schon die Invia mit Dorothee und Stefan, die mit ihrem Katamaran zuvor im Cut hinter der Flachwasserbarre zwischen Little Ragged und Ragged lagen. Obwohl sie uns extra die Wegepunkte durchgegeben haben und wir Flora bei Hochwasser dort wohl auch hätten hineinschmuggeln können, haben wir uns das letztlich nicht getraut. Auch weil wir das Gefühl hatten, dann irgendwie in einer Mausefalle zu liegen, die man (mit unserem Tiefgang) eben nicht jederzeit verlassen kann.

Und – was für eine Freude – wir treffen hier vor Hog Cay endlich auch unsere Freunde Helena und Steve mit Floras Schwesterschiff Amalia wieder, die wir nach viel gemeinsamem Selgeln zuletzt in der Chesapeake Bay getroffen hatten. Kaum ist unser Anker gefallen, kommen sie schon mit dem Dinghy angebraust. Sie laden uns gleich zum Abendessen auf die Amalia ein, vorher aber steht der gemeinsame Sundowner im „Hog Cay Yacht Club“ an. Tatsächlich, am Strand der unbewohnten Insel steht eine palmblattgdeckte und an den Seiten offene Pavillon-Konstruktion mit langem Tisch und Stühlen, zudem einem Grillplatz auf der einen und einer improvisierten Müllverbrennungsstelle auf der anderen Seite. Die Crews fast aller Boote des Ankerplatzes finden sich um 18.00 Uhr hier ein, es wird eine gesellige und sehr internationale Runde (mit außergewöhnlich hoher deutscher Beteiligung).

Könnte gut sein, dass wir hier ein bisschen länger bleiben.

Los Haitises II, Mangroven, Wandern und ganz viele Vögel

Das Dinghy ist unser Lastesel, Kurzstrecken- und Flachwasserspediteur und Autoersatz. Bevor wir auf Langfahrt gegangen sind war uns zwar klar, dass wir es viel mehr als bis dato brauchen würden, aber die wirkliche Wichtigkeit und Nutzungsintensität erschließt sich erst unterwegs.

Auch heute nutzen wir es wieder ausgiebig, obwohl doch eigentlich eine Wanderung auf dem Plan steht. Wird auch gemacht, nur müssen wir erst einmal zum Startpunkt kommen. Der liegt nämlich ein gutes Stück den Mangrovenfluss Cano Hondo hinauf. Die Mündung in die Bahía de San Lorenzo ist breit und weist viele Verästelungen auf, prompt fahren wir zunächst ein Stück in den falschen Flussarm hinein. Als wir in dem träge dahinfließenden matschig braunen Mangrovenwasser gerade umgekehrt sind, treffen wir unsere schweizer Seglerfreunde Martina und Daniel von der Vairea.

Crews von Vairea und Easy-One

Die zeigen uns nicht nur den richtigen Weg, sondern geben uns auch den guten Tip, am eigentlichen Aussteigepunkt noch ein kleines Stückchen vorbei zu fahren. Dort soll es gelbe Vögel geben, die direkt über dem Flüsschen kunstvolle runde Nester flechten. Webervögel? Die sind aber eigentlich in Afrika zu Hause.

Ein guter Anlass, noch etwas länger das enger (und flacher) werdende Mangrovengeschlängel hinauf zu fahren. Wir müssen den Außenborder schon etwas hochrasten, um nicht an den Wurzeln auf dem Grund anzuschlagen. Aber es lohnt sich. Am rechten Ufer zeigt sich eine Lichtung, erst ein paar Palmen, dann eine Wiese. Und in den Büschen an deren Rand nisten tatsächlich Webervögel, Dorfweber, die schon 1791 auf Hispaniola eingeführt wurden und hier heimisch geworden sind (nachträglich ergoogeltes Besserwissen).

Die kugelig bis nierenförmigen Nester mit einem unten liegenden Einflugloch bauen sie aus langen Fasern, die sie zuvor mit ihrem Schnabel geschickt von den viel dickeren Palmblättern abziehen. Und dann weben sie daraus die oft in enger Nachbarschaft mit anderen Webervögelnestern hängenden fragilen Bauten.

Dorfwebervogelmännchen am noch unfertigen Nest

Zurück am Austeigepunkt schließen wir die Dinghys an eine Palme und gehen los. Nur ein kleines Stück weiter erwartet uns schon die nächste Überraschung. Wirken schon die bewachsenen Felsinseln hier in Los Haitises ein bisschen asiatisch, wird der Eindruck durch die am Rand der Mangroven des Nationalparks angelegten Reisfelder noch mal deutlich verstärkt. Die hatten wir hier irgendwie nicht erwartet. Und erst recht nicht, dass aus dem Reis plötzlich wilde Truthähne auftauchen und zu Balzen beginnen.

Das Eco-Ressort, das als nächstes auf unserem Weg liegt sieht interessant aus und kann besichtigt werden. Aber wir sind schon spät dran und lassen es links liegen, denn Wiebke hat auf ihrer Kommot-Wander-App eine zwar nicht schwierige aber eben doch längere Route für heute ausgesucht.

Ein kleiner Pfad zweigt vom Feldweg ab, unser Einstieg. Ein paar hundert Meter weiter dann das Aha-Erlebnis: aus der Kulturlandschaft jenseits des Nationalparks geht es wieder hinein in Los Haitises, mit WOW-Effekt. Wir stehen auf einer Anhöhe, links vor fällt uns eine steile Kalkwand zig Meter in die Tiefe, ein lehmig rot-braunder Trampelpfad windet sich zwischen Palmen und Büschen ins Tal hinunter. Kein Wunder, dass hier Teile von Jurassic Park gedreht sein sollen.

Und die Wanderung geht abwechslungsreich weiter:

Es ist zwar der gleiche (manchmal kaum erkennbare) Pfad hin und zurück und es wartet kein Wasserfall, keine Höhle oder ähnliches auf uns, aber es sind acht Kilometer wunderschöne Wanderung. Mal finden sich Kakaobäume mit reifen und überreifen Früchten, mal dichter Farn auf Lichtungen, mal klassischer Urwald. Mehrmals auch Pflanzen, die einen starken Jasmin-Duft verbreiten.

Und wir entdecken den Nationalvogel der Dominikanischen Republik, in der Landessprache Cigua Palmera genannt, auf deutsch heißt er leicht abfällig „Palmschwätzer“. Aber die charakteristischen Warnlaute des endemischen Vogels sorgen z.B. dafür, dass bestimmte Bussarde ihre Nester gern über denen der Palmschwätzer errichten.

Zurück bei den Dinghys gehts bei noch niedrigerem Wasserstand durch die Mangroven zurück Richtung Ankerplatz. Diverse Reiher sitzen auf den trockengefallenden Wurzeln und spähen nach Beute. Wir sehen Silberreiher, Kleine Blaureiher und Krabbenreiher (im englischen poetischer als Yellow Crowned Night Heron bezeichnet, die langen gelben Schmuckfedern im Nacken zeigen die Paarungszeit an).

Unter Segeln gleiten wir am nächsten Morgen an der grün-buckeligen Landschaft vorbei, verlassen die Bahia de San Lorenzo und suchen uns einen einsamen Ankerplatz nur wenige Meilen weiter westlich. Geschützt von den Cayos de los Pajaros, den Inseln der Vögel. Das passt doch.

Und wer könnte einem solchen Ankerplatz schon widerstehen:

Isla de Vieques

Wir steuern die nächste und mit 33 km Länge zugleich größte der Spanish Virgin Islands an, die Isla de Vieques. Auch sie hat (wie praktisch alle Inseln der Karibik) eine bewegte Geschichte, war am Ende des 17. Jahrhunderts sogar einmal vier Jahre unter Brandenburgischer Anexion. Die jüngere Geschichte ist aber vor allem dadurch geprägt, dass die US-Navy bis zu 70 % der Insel als Manövergebiet und Zielgebiet für Kriegsschiffe und Marineflieger nutzte. Erst 2003 wurde das eingestellt. Dies führt dazu, dass noch immer weite Teile der Insel (insbesondere im Osten) unbebaut sind. Diesem Umstand soll aber mit luxuriöser Bebauung begegnet werden, die verlangten Grundstückspreise jedenfalls sind schon mal ziemlich hoch. Und das, obwohl die langjährige militärische Nutzung einiges an Altlasten hinterlassen hat.

Während wir uns Vieques nähern, bekommen wir davon aber nichts mit. Teilweise können wir kaum die nahe Insel erkennen, denn das durchwachsene Wetter schickt uns ein paar respektable Squalls, denen wir mit umso mehr Vorsicht begegnen als ein vor uns fahrendes Boot von 35kn-Böen berichtet. Wir segeln am Wind, da reffen wir das Groß doch lieber durch ins dritte Reff, messen dann aber selbst nur bis 27 kn.

Auf der Südseite der Insel begegnen uns dann erstaunlich viele Fischerbojen, bis wir in die große Ensenada Honda einbiegen. Hinter den Riffen tasten wir uns fast zwei Seemeilen zurück Richtung Osten, liegen dann aber wunderbar geschützt in der größten der sich verzweigenden Mangrovenbuchten. Als einziges weiteres Schiff ankert die La Rive Nord ein Stückchen vor uns, Kim und Chuck kommen auf einen von frisch gebackenem Brot begleiteten Sundowner herüber.

Die beiden zeigen uns, dass es hier in der Bucht ebenso Bioluminiszenz gibt wie in der dafür berühmten Mosquito Bay etwas weiter westlich. Nicht so stark wie dort, aber auch hier löst Bewegung im Wasser, egal ob von Fischen, Paddeln oder Wellen ein blaues Leuchten aus. Chuck rät zu einem Sprung ins dunkle Nass, aber Nachtschwimmen in Hai-Gewässern ist nicht so unseres. Vom Paddelboard aus mit Taucherbrille ins Wasser schauen und mit der Hand vor dem Gesicht herumwedeln ist immerhin auch schon ganz beeindruckend, die „Explosion“ direkt vor den Augen ist viel intensiver als der Blick von oben ins Wasser.

Leider lässt sich das Phänomen (jedenfalls mit meinen Mitteln) von Bord aus kaum filmen oder fotografieren. Versucht habe ich’s natürlich trotzdem. Allerdings, das noch am wenigsten enttäuschende Ergebnis ist jenes hier, es zeigt in Langzeitaufnahme das Leuchten an der im dunklen Wasser auf und ab bewegten Badeleiter.

Es geht rund

Rund Culebra zunächst mal. Wir verlassen unsere wunderbare Bahia Tortuga auf Culebrita, allerdings nicht ohne vorher noch einmal einen Spaziergang über den Strand hin zu den „Pools“ am Montecito Primero zu machen. Die felsige Nordspitze der Insel wird hier von immer mal wieder durch die Brocken flutenden Wellen quasi abgeschnitten. Dabei bilden sich mehrere Pools, teils ganz ruhig, teils echte Wellenbäder.

Von einem Sitzbad nehmen wir aber Abstand, fast überall unter Wasser machen sich kleine Seeigel breit.

Statt dessen werden endlich mal wieder die Segel gesetzt und wir folgen der amerikanischen „Honu Kai“. René und Carole geben uns vor dem Auslaufen noch Tips für die Weiterfahrt. Wir können uns bald dafür revanchieren, denn nachdem wir die Westspitze von Culebra runden, sehen wir sie an der Boje am Punto Tamarinde. Wir sind schon fast vorbei, als uns auffällt, dass Carole etwas ratlos mit dem Bootshaken unter dem Boot stochert und wir die Boje nicht sehen.

Tatsächlich kann ich den beiden schnorchelnd helfen, wieder freizukommen und neu an der Boje festzumachen. Uns ist es hier aber zu rollig und so gehen wir wieder ankerauf, umrunden auch die Südspitze von Culebra und ankern letztlich in der Bahía de Almodóvar, wieder wunderbar geschützt von dem vorgelagerten breiten Riff. Die Oroboro von Yuka und Francesco ist schon da, die beiden kiten. Kurz nach uns laufen Kim und Chuck mit der La Rive Nord ein. Ansonsten finden jetzt am Wochenende allerdings auch einige Motoryachten von der Ostküste Puerto Ricos hier herüber. Sie machen alle – für uns ungewohnt – mit Heckanker in Richtung Riff (also zum Wind) und Buganker in Richtung Bucht fest. Voll ist es übrigens trotzdem nicht, sogar ein paar Moorings sind noch frei.

Die Einfahrt ist allerdings ein bisschen verwirrend, weil die im nächsten Bild links am Bildrand liegende „Insel“ zwar auf der Navionics-Karte als solche eingezeichnet ist, jedoch vollständig versunken und nur in der Luftaufnahme oder mit der Sonne im Rücken, aber im Gegenlicht eben nicht leicht zu erkennen ist.

Das wir von hier nach nur zwei Nächten weiterfahren liegt an unseren zu füllenden Tauchflaschen. Und so ankern wir an der Punta Melones westlich des Ortes Culebra, verfrachten die Tauchflaschen ins Dinghy und ich düse in den Ort. Wir sind allerdings offenbar inzwischen so tiefenentspannt, dass wir ein kleines Detail übersehen haben: heute ist Sonntag. Oops 😬. Also unverrichteter Dinge zurück. Na gut, dann können wir auch nochmal verholen, es steht doch einiger Schwell auf unseren Ankerplatz.

Vielleicht ist es drüben in der Cayo de Luis Peña auf der gleichnamigen unbewohnten Insel besser? Wir tasten uns durch die Riffeinfahrt, aber hier steht trotz des Riffs zu viel Windsee hinein. Nächster Versuch: immer noch Luis Peña, nur um dessen Ostecke herum in Lana‘s Cove. O.k., da bleiben wir, allein an einer Boje vor dem Sandstrand, an dem sich auch wieder ein paar Palmen finden. Kann man sich dran gewöhnen.

Obwohl, Florecita muss noch mal ran. Ein kleines Motorboot torkelt in die Bucht, offensichtlich kaum zu manövrieren. Miguel geht bei uns längsseits und versucht einen Schlepp zurück nach Culebra zu organisieren, aber das erweist sich zur vorgerückten Stunde am Sonntag als schwierig. Es droht, dunkel zu werden, also bieten wir an ihn hinüberzuschleppen. Miguel nimmt sichtlich erleichtert an, aber als wir Flora klarmachen meint er, ich solle ihn lieber mit dem Dinghy schleppen. Tatsächlich bekomme ich ihn (mit geriggtem Hahnepot) und unserem 20 PS Außenborder trotz der zwischen den Inseln stehenden Welle ganz gut hinüber geschleppt. Mit Flora hätten wir auch nicht durch den Kanal fahren können sondern ganz außen herum in die Ensenada Honda (die Große Bucht auf der anderen Seite des Ortes) gemusst. Selbst so komme ich im Dunkeln zurück auf Flora an.