Auckland: Tour, Kultur und Kulturen

Das aufgeschlitzte Dinghy hatte ja schon die geplante Wanderung auf Great Barrier Island ausfallen lassen und auch danach einen Landgang schwierig gemacht. In Auckland erhoffen wir uns eine professionelle Rettung des Beibootes und das Beheben unserer nur mäßig erfolgreichen Flickschusterei, aber darauf müssen wir ein wenig warten. Erst am folgenden Wochenende ist ein Termin für eine Reparatur zu haben.

Macht nix, wir haben uns ja extra einen Platz in der Bayswater Marina reserviert, den können wir problemlos bis übers Wochenende verlängern. Die Marina hat mit einer Fähre direkte Anbindung hinüber zur City von Auckland, perfekt. Erst aber bleiben wir auf dem „North Shore“ und trainieren bei einem ausgedehnten Spaziergang die schlappen Seglerbeine. Wir haben ja bereits von unserem Liegeplatz in der Marina einen wunderbaren Ausblick auf Auckland Downtown, aber auch auf der Wanderung bietet sich immer wieder die Ansicht der unverwechselbaren Skyline dieser Stadt. Mal hinter den bei Ebbe trockenfallenden Mudflats, mal aus Wäldern und Parks, mal über Mangroven hinweg. Wir wandern zunächst durch den Stadtteil Bayswater, dann um zwei große, den Stadtteil Narrow Neck begrenzenden Flachwasserbuchten herum zum Stadtteil Devonport mit seinen viktorianischen Holzhäusern. Ein Frühlingsspaziergang bei bestem Wetter.

Das Bier zum Abschluss im Patriot in Devenport haben wir uns nach der Tour wohl verdient, zurück zur Marina lassen wir uns dann im Uber chauffieren.

In den nächsten Tagen nehmen wir dann ziemlich regelmäßig die Fähre hinüber nach Downtown und auch dort kriegen unsere Beine genügend Bewegung. Der Wollladen in Parnell wird besucht, die Vorräte auf Flora müssen aufgestockt werden.

Wir treffen uns mit Freunden zum Essen. Und wir nutzen das kulturelle Angebot der Großstadt. In der Auckland Art Gallery Toi O Tāmaki besuchen wir die Ausstellung Picasso: Designed by Paul Smith. Es ist spannend zu sehen, wie der britische Mode-Designer Paul Smith durch seine Raumgestaltung, durch Beleuchtung, Farb- und Formspiele exemplarische Werke Picassos aus verschiedenen Perioden noch einmal anders ordnet und akzentuiert. Dem berühmten Kopf des Bullen wird eine Hommage und Interpretation (natürlich mit den für Smith typischen bunten Streifen) gegenüberstellt, Tapeten der Collagen Picassos nimmt Smith als Wandgestaltung auf, die von Picasso in eine Vogue-Ausgabe gemachten zeichnerischen Ergänzungen in einen komplett mit Vogue Covern (natürlich in Streifen) ausgekleideten Gang drapiert. Picassos Schwarzweiß-Zeichnungen zum Stierkampf-Thema finden sich an blutrot gestrichenen arena-runden Wänden.

Die absolut besuchenswerte Auckland Art Gallery hält neben dieser (kostenpflichtigen) Ausstellung aber auch noch diverse andere kostenfreie Ausstellungen bereit. Etwa die beeindruckende Sammlung historischer Porträts bedeutsamer Maorí-Persönlichkeiten.

Zeichnungen des überwiegend für seine extrem schlanken Bronze-Skulpturen bekannten Schweizer Künstlers Alberto Giocometti, und noch so vieles mehr.

Maorí-Kultur findet sich übrigens verstärkt auch im öffentlichen Straßenraum. Neue Skulpturen fallen an den Haupteinkaufsstraßen ins Auge, aber es gibt auch versteckte Kleinode. Unsere neuseeländischen Segelfreunde Kim und Ben machen uns auf eine interaktive Installation in einer Straßenunterführung neben einer Baustelle aufmerksam. Per QR-Code kann ein Maorí-Lied angehört und geübt werden. Wenn man es singt, löst die Installation eine Licht-Show unter der Brücke aus und aus Lautsprechern erklingt zudem das angesungene Lied.

Auckland bietet viele kulturelle Überraschungen. Eine weitere ist das Diwali-Festival, das wir mit Kim und Ben besuchen. Dieses größte Straßenfest der City of Sails verwandelt einen erheblichen Teil der Innenstadt für zwei Tage in eine indische Kulturmeile. Immerhin sind rund 300.000 Neuseeländer indischer Abstammung. Sie bilden mit etwa 6 % die drittgrößte Bevölkerungsgruppe nach den Europäisch-stämmigen und den Maorí. Die Straßen sind dicht gesäumt von Street-Food-Ständen mit ausschließlich vegetarischen indischen Spezialitäten sowie von Buden die Kunsthandwerk oder Henna-Tatoos anbieten. Drei große Bühnen sind aufgebaut. Nicht nur indische Folklore, neben traditionellen auch zeitgenössische Aufführungen, auch indischer Hip Hop und überhaupt moderne Interpretationen von indischer Musik und Geschichten erzählendem Tanz. Mal in Tracht, mal in Lederjacke. Es ist quirlig, laut, farbenfroh und stimmungsvoll.

Lichtshow und Feuerwerk gibt’s zum Abschluss des Diwali-Festivalwochenendes auch noch, aber da sind wir wohlgenährt und vom Herumlaufen auch ziemlich erschöpft dann doch schon wieder zurück auf der Flora.

Santa Luzia

Wie – das erste Adventskalendertürchen geht gerade auf und wir feiern schon das skandinavische Lucia-Lichterfest? Falls ja, dann jedenfalls irgendwie anders 😁.

Wir ankern gefühlt im Monument Valley,

tatsächlich aber vor der Südwestseite der unbewohnten Insel Santa Luzia. Gegenüber des kleinen Felseninselchens Ilhéu Zinho zieht sich ein breiter, wunderbar feinsandiger Strand die ganze Bucht entlang. Als wir ankommen, liegt nur ein einziges weiteres Boot in der Bucht, kurz vor Sonnenuntergang kommt ein drittes hinzu. Beide sind am nächsten Morgen schon früh wieder verschwunden. Wir aber bleiben, haben wir uns doch einen Landgang auf der Insel vorgenommen. Santa Luzia macht das dem Besucher allerdings nicht leicht: obwohl der Strand in Lee (*1) der Insel gelegen ist, blasen hier fortwährend Williwaws (*2) aus den Tälern heraus. Zudem gibt sich die See zwar ruhig und wir rollen auch nicht übermäßig vor Anker, aber die Dünung brandet trotzdem in beeindruckenden Wellen auf den Strand. Das Dinghy würde bei diesen Wellen große Gefahr laufen umzukippen. Nicht nur dass wir dann unfreiwillig baden würden, der Außenbordmotor des Beibootes mag solche Taucheinheiten gar nicht.

Also bleibt nur, FREIWILLIG Baden und an Land zu schwimmen. Kamera, Handtuch und trockene Klamotten kommen in einen Drybag (*3), Flossen und Taucherbrille an und dann los.

Und tatsächlich erwischt uns kurz vorm Strand eine brechende Welle so, dass Wiebke fast eine Flosse (kann sie gerade noch retten) und ganz ihre Taucherbrille verliert (finde ich aber gleich wieder). Alles gut gegangen.

Wir erkunden ein wenig die Gegend und ganz ausgiebig den Strand. Exklusiver geht’s nicht, den kilometerlangen Sandstrand haben wir ganz für uns alleine.

Und wir sehen uns in der Einschätzung bestätigt, den Landgang besser nicht mit dem Beiboot versucht zu haben:

Zurück an Bord (klappt unproblematisch) genießen wir einen ruhigen Nachmittag mit selbstgebackenem Kuchen. Dann kommen Fischer vorbei, denen wir zwei Juwelen-Zackenbarsche abkaufen, das Abendessen ist also auch gesichert 😄.

(*1) windabgewandte Seite

(*2) scheinbar aus dem Nichts kommende Fallböen mit bis zu doppelter Stärke des eigentlich herrschenden Windes

(*3) quasi ein Sack aus Lkw-Plane, der wasserdicht zusammengerollt und verschlossen werden kann