Jugendtraum, Nebelwald, kleine Große und große Kleine …

Irgendwann als Teenager habe ich mal ein Buch in die Finger gekriegt, in dem ein Motorrad fahrendes Paar die Panamericana (und noch vieles mehr) komplett befahren hat. Seitdem bin ich infiziert. Auf dieser Traumstraße von Alaska bis Feuerland wollte ich eines Tages auch unterwegs sein, wenigstens ein Teilstück am Pazifik entlang! Und: jetzt ist es passiert.

Na klar, wenn sich dieser Highway von Nord nach Süd ganz durch die beiden amerikanischen Kontinente zieht, muss er zwangsläufig auch durch Costa Rica 🇨🇷 verlaufen, schließlich erstreckt sich das Land von der Atlantikseite bis hinüber zur Pazifikküste (wie neben den großen Ländern Kanada 🇨🇦 , USA 🇺🇸, und Mexiko 🇲🇽 auch Guatemala 🇬🇹 sowie Costa Ricas Nachbarländer Nicaragua 🇳🇮 und Panama 🇵🇦, außerdem Kolumbien 🇨🇴 und wohl auch Chile 🇨🇱 zu den zwingenden Transitländern dieser Straße zählen weil sie eben beide Ozeane berühren).

Von unserem Hotel in Alajuela fahren wir auf der in Costa Rica “Carretera Interaméricana” genannten Straße denn auch tatsächlich zum Pazifik und auf der Küstenstraße ein Stück weit an ihm entlang.

Dann biegen wir wieder ins Landesinnere ab und es geht hinauf in die Berge. Unser Tagesziel heißt “Monteverde”, es ist ein privates Naturschutzgebiet hoch oben auf der Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik. Die von Osten kommenden Passatwinde werden hier bis auf etwa 1.400 m die Berghänge der zentralen Kordilleren hinauf gedrückt. Sie kühlen dabei ab, der in der warmen Luft enthaltene Wasserdampf kondensiert, und so liegen diese Gipfel zumeist in dichten Wolken. Nebelwald. Regenwald.

So die Theorie und so präsentiert sich Monteverde auch bei unserer Ankunft.

Ein weiteres Klischee erfüllt sich dann gleich nach Bezug unseres Zimmers in einem kleinen Extrahäuschen auf dem Gelände der Lodge: Wiebke stößt im Badezimmer einen Schrei aus und ich darf einen unerwünschten Mitbewohner einfangen und an die frische Luft befördern:

Held mit Wasserglas. 😉 Danach bleiben wir hier übrigens von solchen ungebetenen Gästen verschont.

Wir besuchen den in der Nachbarschaft gelegenen Orchideengarten und werden überrascht. 150 der rund 500 Arten blühen bei unserer Visite, aber so richtig bunt sieht es auf den ersten Blick nicht aus. Nachdem wir den Eintritt bezahlt haben, bekommen wir gleich einmal eine Lupe in die Hand gedrückt. Ach so ist das. Tatsächlich sind 80 % der Orchideenarten weltweit mit wenn nicht unscheinbaren so doch jedenfalls ziemlich kleinen Blüten bestückt. Kein Wunder, dass wir sie bei unseren bisherigen Urwaldwanderungen nicht erkannt haben. Die bei uns verkauften Pflanzen sind zumeist extra gezüchtete Hybride mit großen und langlebigen Blüten.

Aber klein kann auch fein sein, hier zum Beispiel die “Tänzerin”:

Manche Arten muss Alvaro, der Eigner und Begründer des Parks, uns mit einem kleinen Stöckchen zeigen:

Aber die zumeist heimischen Arten bieten auch einige spannende Formen, etwa “Espíritu Santo” (Heiliger Geist mit weißer Taube), “Mariposa” (=Schmetterling) oder “Cara del Mono” (=Affengesicht):

Und da wir schon mal im Ort unterwegs sind, gehen wir erst mal im Baumhaus essen

und dann mit einsetzender Dämmerung zum “Frog Pond”, in dem sowohl tag- als auch nachaktive heimische Froscharten beobachtet werden können.

Und auch hier sind wieder die Kleinen ganz groß. Während uns die viel massigeren Erdkröten nicht wirklich in den Bann schlagen, fasziniert uns der nur knapp fingernagelgroße Erdbeer-Pfeilgift-Frosch, gelegentlich auch „Bluejeans-Frosch“ genannt:

Oder auch der etwas größere Rotaugenlaubfrosch:

Leider bekommen wir bei der ansonsten wunderschönen dreistündigen Regenwaldwanderung am nächsten Tag keinen einzigen Frosch zu sehen, dafür aber einige wenige klitzekleine Orchideen und ein paar andere Exoten.

Diesen Glasflügelschmetterling etwa …

und diese Stabheuschrecke (richtiger: Gespensterschrecke):

Den fazinierenden Regenwald selbst natürlich, mit klitzekleinen wie Perlen funkelnden Tautropfen im Moos, Wasserfällen und Baumriesen wie uralten Maagoniebäumen oder gewaltigen Würgefeigen.

Einen brütenden Kolibri …

Vor allem aber sehen wir zu unserer Freude ein weit größeres Tier, leider nur ganz klein aus großer Entfernung. Die zottelige Fellkugel dort weit oben im Blätterdickicht ist tatsächlich ein Faultier 🦥 :

Pura Vida.

Pura Vida, Costa Rica

“Pura Vida” heißt unser erstes Hotel in Costa Rica 🇨🇷.

Allerdings weist der Betreiber uns schon vor der Anreise darauf hin, dass wir dem Taxifahrer unbedingt auch die Adresse (Tuetal, Alajuela) mitteilen müssen, da es hier gleich drei Hotels mit diesem Namen gibt.

Pures Leben, reines Leben, wahres Leben, einfach Leben … Es gibt viele mögliche Übersetzungen, aber keine trifft es wirklich. Denn tatsächlich ist “Pura Vida” schon lange der inoffizielle und spätestens seit 2014 auch der offizielle Wahlspruch von Costa Rica. Die Ticos (so nennen sich die Einwohner des Landes mit einigem Stolz selbst; Ticas, wenn ausschließlich Frauen gemeint sind) verwenden ihr Lebensmotto “Pura Vida” denn auch in vielerlei ganz anderen Zusammenhängen. Mal als Begrüßung, mal als Verabschiedung. Oder zum Beispiel auch als absolut positive Antwort auf die Frage, wie es ihnen geht. Gesund und glücklich: Pura Vida!

Passend zu dieser Lebensfreude begrüßt uns der erste Morgen in Costa Rica trotz Regenzeit mit strahlend blauem Himmel.

Hotelbesitzer Bernie erklärt uns beim Frühstück, dass die in der Ferne sichtbaren Wolken typischerweise bis zum frühen Nachmittag von dem vulkanischen Gebirgszug der Cordillera bis hier voranschieben werden.

Wir frühstücken ausgiebig und erkunden dann ebenso genussvoll den liebevoll angelegten Garten mit seinen exotischen Pflanzen:

Dann lömern wir noch ein bisschen auf unserem Zimmer herum und holen gegen Mittag den Mietwagen ab, den wir uns für die zwei Wochen hier schon von Deutschland aus reserviert hatten. Annemarie von der escape hatte uns erklärt, dass wir nicht unbedingt die von Agenturen oft empfohlenen Transfers mit Fahrer/Guide benötigen, also probieren wir das trotz rudimentärer Beschilderung und teilweise schlechter Straßenzustände mal aus.

Heute jedenfalls klappt es ganz gut, wir machen gleich noch einen Ausflug zur familiengeführten Kaffeeplantage Doka an den Hängen des Vulkans Poás.

Schön, dass wir dort auch gleich noch einen Schmetterlingsgarten besichtigen können.

Caligo-Schmetterling, wegen der „Augen“ auch Eulen-Schmetterling genannt
An der (Ananas-) Futterstelle

Schon auf der Plantage beginnt es zu regnen, aber so richtig pladdert es erst los, nachdem wir wieder zurück im Hotel sind. Nicht, ohne vorher noch im von Bernie empfohlenen Restaurant herrliche Fischgerichte verspeist zu haben.

Pura Vida!

Zwei Wochen in Deutschland

Die Zeit saust dahin, obwohl (oder weil?) wir es ruhig angehen lassen. Wir genießen die Zeit mit Chief Jan (und Catalina, wenn sie da ist) in unserer Wohnung.

Wiebkes Mutter Uschi und Bruder Jörg wollen uns besuchen kommen, aber der Bahnstreik kommt dazwischen. Ihr Auto hat Uschi uns für unseren Deutschlandaufenthalt großzügig überlassen. Fahren wir halt umgekehrt mit dem Auto hinaus nach Hoya und machen dort mit den beiden eine wunderschöne Radtour durch die Feldmark in ein abgelegenes Bauern-Café mit herrlichem Kuchenangebot.

Unter der Woche treffen wir alte Freunde. Am Wochenende bekommen wir dann doch in Hamburg Besuch, meine Schwester Anja und Schwager Ralf kommen vorbei.

Eine gute Gelegenheit, mal wieder auf den Goldbekmarkt zu gehen und auch einen langen Spaziergang durch Winterhude, Barmbek und den Stadtpark zu machen. Natürlich mit Besuch an unserer Lieblingsfontäne, dem Pinguinbrunnen.

Anja ist aber von anderen Tieren noch mehr begeistert: Jan hat die immer mal wieder unsere Dachterrasse besuchenden Eichhörnchen in der langen Homeofficezeit inzwischen soweit gebracht, dass sie ihm Nüsse aus der Hand fressen. Probieren wir natürlich gleich aus und … es klappt!

Und, fehlt uns das Schiff? Wenn ich sehe, was Wiebke auf der Busfahrt zum Markt mit der Fahrkarte macht, offensichtlich schon:

Aber immerhin bekommen wir aus Herrington Rückmeldung, was inzwischen an Flora passiert. Mike koordiniert dort die Arbeiten bzw. macht einen größeren Teil davon selbst. Und er schickt uns Fotos. So zum Beispiel sah unser Leinenschneider an der Propellerwelle und das Kegelrad des Props vorher und jetzt aus:

Und so die Propellerflügel:

Gereinigt und poliert, nicht neu gekauft. Das klappt also soweit in der Ferne und auch hier. Die größeren Arbeiten stehen allerdings noch aus. Auch die Steuererklärung harrt noch darauf, dass ich mich endlich daran mache … 😔

Und schon eine Woche in Deutschland …

Wow. So schnell geht das, schon über eine Woche sind wir auf Besuch in Deutschland. Urlaub vom Segeln. Und was machen wir?

Ankommen. Staunen, wie wenig sich in den zwei Jahren im Grunde verändert hat. Formalkram anstoßen oder sogar gleich abarbeiten, Termine vereinbaren (auch mit Freunden und Familie, krass!), Wiebkes Mutter und unsere Geschwister besuchen, zum Zahnarztfreund nach Kiel fahren, dabei gleich weitere alte Freunde treffen und – Meerweh – in Laboe Hafen und Strand einen Besuch abstatten.

Sich die “typisch deutschen” Strandkörbe wieder vor Augen führen (gibt es dafür eigentlich überhaupt ein Wort in einer anderen Sprache? Segway’s wie “roofed wicker beach chair” ist ja doch etwas gestelzt) 😉

Und in Hamburg: durch die Stadt laufen, uns beim Spaziergang durch unseren Stadtteil Winterhude über das viele Grün und die Kanäle freuen, mal wieder richtig schöne Wochenmärkte wie den am Goldbekkanal besuchen.

Und aus der Ferne noch ein bisschen die Arbeiten am Boot koordinieren. Gedanken- und Gefühlsspagat zwischen den beiden “Zuhause”. Aber es ist doch auch sehr schön, mal wieder hier zu sein!

Ergänzung zum Fortgeschrittenen-Puzzle

Weil das im letzten Beitrag vielleicht etwas unverständlich war, nochmal kurz zu den Besonderheiten der Bebauung hier im Washingtoner Speckgürtel.

Ja, es ist (wie so oft in den USA) Holzbauweise und unterscheidet sich damit doch ziemlich von den für uns gewohnteren Massivhäusern. Einmal fertig, sieht das ungeübte Auge das allerdings nicht auf Anhieb. Hier das gleiche Haus (wenn auch spiegelverkehrt) auf dem linken Bild in zwei verschiedenen Abschnitten im Bau und rechts fertiggestellt.

Oder hier ein anderer Haustyp in verschiedenen Stadien (Holzständer, Folie, verkleidet mit Klinkern oder Fassadenplatten):

Und hier noch ein paar weitere Beispiele, alle aus dem gleichen uns gegenüberliegenden Baugebiet „Crown“, aus dem auch die gestrigen Bilder waren.

Die Bauträgergesellschaften dieser Reihenhäuser sind für die Varianz der Fassaden ebenso verantwortlich wie für die Bepflanzung mit Grün und (hohen) Bäumen, die Parks und Grünflächen, die Gehwege und sogar die Straßen, die erst zu einem späteren Zeitpunkt der Stadt übergeben werden – mit Abnahme in einem vertraglich festgelegten Zustand. Hier nochmal das Bild von gestern mit der scheinbar eintönigen Reihenausansicht im Rohbau, wobei die Häuserzeile im Vordergrund die Rückansicht der Gebäude mit den Garagentoren zeigt:

Schon spannend und mal wieder ein Beispiel für „andere Länder, andere Sitten“.

Für uns auch ungewohnt ist der Zuschnitt der Wohnungen und Häuser. Oft steht man nach dem Eingangstür (ohne Flur) direkt im Wohnzimmer oder in einem selten genutzten, aber komplett eingedeckten „guten“ Esszimmer. Bei vielen dieser Neubauten gibt es zudem mehr Badezimmer als Schlafzimmer. Überhaupt, Schlafzimmer. Die Wohnungsklassifizierung erfolgt hierzulande nicht nach der Zahl der Zimmer (3-Zimmer-Wohnung), sondern nach der Zahl der Schlafzimmer (3 bedroom). Als Schlafzimmer zählt aber nur ein Zimmer, das auch einen Einbauschrank aufweisen kann (closet). Der Master-Bedroom hat bei diesen Neubauwohnungen eigentlich immer ein En-Suite-Bad, bei den anderen Schlafzimmern ist es oft zumindest eine Option, nur die kleinen Kinderzimmer müssen sich ein Bad teilen. Wer mag, kann ja mal in den Grundrissen der Bauträger hier in Crown stöbern.

Noch etwas eingewachsener sieht es dann in ein paar Jahren aus, wie hier bei Greg und Michael auf der anderen Straßenseite:

Bauweise und Aufteilung sind aber ähnlich.

Zeit in Washington und “umzu”

Wir sind immer noch in Washington, wohnen im Haus von unseren Freunden Greg und Michael. Die allerdings sind inzwischen in Deutschland, wir machen also quasi “Haus-Sitting”.

Noch knapp eine Woche (wenn alles glatt geht), dann fliegen auch wir – ab morgen einschließlich Wartezeit komplett durchgeimpft – für etwa sechs Wochen nach Deutschland. Wir freuen uns schon sehr, genießen aber auch die ruhige Zeit hier.

Und was machen wir hier so?

Na ja, ganz hat uns das Boot noch nicht losgelassen. Ich war heute das dritte Mal hin, um mit Handwerkern in Herrington Harbour North geplante Arbeiten zu besprechen. Was steht an? Service-Arbeiten am Motor, zudem die Verlegung eines Seeventils im Motorraum um Platz für einen montierten Ersatzautopilot (Mamba-Drive) zu schaffen. Ersatz des Diesel-Vorfilters durch einen umschaltbaren Doppelfilter, was aber eine Verlegung des Vorfilters für den Generator nach sich zieht. Zudem habe ich da eine Idee für ein Diesel-Polishing. Die hintere Klimaanlage muss entweder ersetzt oder stillgelegt und ausgebaut werden. Der Stoff des Bimini muss neu und wir hätten gerne “Shades”, also anknöpfbare winddurchlässige schattenspendende Seitenteile dafür. Die Segel dürfen nach 2 Jahren und über 15.000 Seemeilen vom Segelmacher durchgesehen werden, der Rigger soll eine potentielle Schwachstelle an der Rollgroßwicklung beseitigen. Und – last not least – wir wollen erheblich mehr Solarpanele einsetzen und die bisherigen 200 WP um weitere 330 WP ergänzen. Da ist ein bisschen was durchzudenken und durchzusprechen.

Aber wir haben auch Zeit für Ausflüge, etwa mit dem Cabrio unserer Gastgeber zum Seneca Creek State Park, wo wir eine wunderschöne Wanderung um den dortigen Stausee machen, rund 7 km (etwa wie einmal um die Außenalster 😄). Statt Schwänen gibt’s Schildkröten zu sehen, die sich auf Ästen etwas entfernt vom Ufer sonnen, Außerdem Biber-Bissspuren an Bäumen, handtellergroße blaue “Red spotted Purple”-Schmetterlinge und auch der offizielle Landesvogel von Maryland, der auffällig rote “Cardinal” zeigt sich im Blätterdickicht.

Vor allem aber ist der meist nahe des Ufers verlaufende Waldweg wirklich eher ein naturnaher unbefestigter Pfad und der Wald offenbar unbewirtschaftet.

Als Kontrastprogramm fahren wir mit Bus und Metro in die Innenstadt von Washington, werfen einen Blick aufs Capitol und besuchen das “National Museum of the American Indian”. Architektonisch spannend und (jedenfalls uns) an die in Felswänden versteckten Pueblo-Bauten erinnernd, vor allem aber mit ihren runden Formen und der Einbeziehung von fließendem Wasser Einklang mit der Natur symbolisieren sollen. Das Museum ist innen auf vier thematischen Ebenen wirklich interessant gemacht und deckt die Völker der “First Nations” vonm hohen Norden bis Mittelamerika ab. Insbesondere die Aufarbeitung der Themen Spiritualität/Weltsicht und historische Entwicklung der Vertragssituation gefällt uns, aber der riesige Umfang erschlägt. Außerdem ist die Klimaanlage mal wieder auf super kalt eingestellt (was eigentlich nur für den Bereich Inuit wirklich passt). Nach ein paar Stunden fliehen wir ins Museeumscafé und wärmen uns auf.

Danach besuchen wir die schräg gegenüber liegende “National Gallery of Art”, davon allerdings nur das “East Building” mit moderner und zeitgenössischer Kunst sowie den Skulpturengarten. Dieses Häppchen sind gut verdaubar und trotzdem ist die Dichte der großen Namen (name it, you will see it) kaum fassbar.

Und wenn wir uns hier bei Greg und Micheal zu Hause einfach nur die Füße vertreten wollen, laufen wir gerne durch das sich unglaublich rasant entwickelnde Neubaugebiet gegenüber. Ein kompletter Stadtteil wächst sich hier mit imposanter Geschwindigkeit: einmal geblinzelt, steht schon wieder ein neues Haus. Was auch an der für uns ungewohnten Bauweise liegt – machmal sieht es durch die Holz-Ständer-Bauweise aus wie ein Fortgeschrittenen-Puzzle für Häuslebauer.

Super spannend, vor allem wenn man dann – wie wir es gerne tun – die Musterhäuser besichtigt und auch sieht, wie kurz nach der Fertigstellung mit Rollrasen, Bepflanzung (einschließlich ziemlich großer Bäume), Verklinkerungen und Fassadenvarianz der Eindruck eines gewachsenen Stadtteils entsteht, den man mit diesen Bildern kaum in Einklang bringen kann.

Verschiedene Blicke auf Beaufort

North Carolina. Ganz deutlich Südstaaten. Wie man sich das nach „Vom Winde verweht“ oder „Fackeln im Sturm“ so vorstellt. Wobei, hier in Beaufort NC orientiert sich der Ort eher nicht an alten Großplantagen, sondern an seiner maritimen Tradition, der Ausrichtung zur See hin. Mit ihren Piraten (Blackbeard soll hier ein Haus gehabt haben), vor allem aber der Fischerei. Die hat früh die Basis für den Ort gelegt, 1709 gegründet ist Beaufort die drittälteste Stadt in North Carolina.

Ganz aktuell zeigt sich die sehr lebendige Fischereitraditon in dem „63rd Annual Big Rock Blue Marlin Tournament“, das diese Woche hier in Beaufort und Morehead stattfindet. Ein Angelwettbewerb, o.k., aber einer, der es in sich hat und die Bedeutung des Sportfischens für die Amerikaner auf eine Weise unterstreicht, die in Deutschland wahrscheinlich nur sehr schwer verständlich ist. 270 Boote haben sich für den Wettbewerb angemeldet, im Schnitt so etwa 50 bis 60 Fuß lang. Die größte (soweit ich das gesehen habe) ist die 97 Fuß lange Weaver97 „18 Reeler“. Knapp 40 kn (74 kmh) schafft sie in der Spitze, bei Cruising-Speed von immer noch rund 30 kn verbraucht sie dann etwa 620 Liter Diesel. Pro Stunde wohlgemerkt. Da müssen dann auch die Preisgelder des Wettbewerbs exorbitant sein, über drei Millionen Dollar Preisgeld werden insgesamt ausgeschüttet, der Sieger bekommt alleine mindestens eine Million Dollar. Die Meldegebühren allerdings sind auch nicht ohne, wer in allen Kategorien antritt zahlt über 26.000 Dollar Startgeld. Frühmorgens laufen die Boote in einer endlos scheinenden Reihe aus, am späten Nachmittag kommt die Prozession zurück. Dazwischen geht es raus in den Golfstrom, immer auf der Suche nach dem größten Blue Marlin als begehrtestem von einigen sogenannten „Billfish“, den Schwertfischen, Segelfischen und Marlins, um die es hier geht. Auch für gefangene und wieder freigelassene Fische (Catch and Release, z.B. per Funk, Foto oder Video zu dokumentieren) gibt es Preise, insgesamt ist das Reglement wohl eher etwas für Spezialisten.

Bei uns: Stirnrunzeln. Aber im Abendlicht und mit Delfinfamilie im Vordergrund sieht der kleine Teil der Flotte, der hier in Beaufort liegt, dann fast schon wieder stimmungsvoll aus.

Beim erneuten Gang durch den Ort zum etwa eine halbe Stunde Fußmarsch entfernten Supermarkt zeigt die Bebauung des Ortes dann doch auch landseitig deutlich Südstaaten-Stil:

Natürlich ist es nicht überall so malerisch. Außerhalb des historischen Bezirks präsentiert sich Beaufort wie so viele amerikanische Orte autoorientiert, Fußwege an den Straßen werden rar. Immerhin aber gibts auf dem Weg zum Supermarkt doch ganz überwiegend Gehsteige. Aber ab und zu heißt typisch amerikanisch eben auch: Diner und Wasserturm. Wären die Autos nicht modern, könnte das Bild auch aus einem anderen Jahrzehnt stammen. Insofern auch irgendwie zeitlos 😉.

Auf dem Weg zurück zur Flora beeilen wir uns, denn am Himmel braut sich offensichtlich etwas zusammen. Von Westen her türmen sich die Wolken immer steiler und dunkler auf, die Luft steht und wird schwül, ein Gewitter kündigt sich an.

Wir sind rechtzeitig zurück an Bord, aber dann geht es auch schon los. Der schnell zunehmende Wind und die Tide sorgen für einen völlig unkoordinierten Tanz der Ankerlieger, mal sehen wir unsere Nachbarn Heck an Heck, mal ist unser Bug nur noch wenige Meter vom Bug unseres Nachbarkatamarans entfernt, weil wir beide in entgegengesetzte Richtungen über unsere Ankerketten getrieben werden. Zwischendurch starte ich angesichts des jetzt auch einsetzenden Gewitters den Motor und bringe etwas mehr Abstand zwischen uns. Das Gewitter selbst ist dann aber gar nicht so schlimm, sondern zieht überwiegend südlich vorbei, auch wenn einige Blitze uns doch zusammenzucken lassen.

Am nächsten Morgen: bestes Wetter, Delfine spielen um die Boote herum, die Wildpferde lassen sich auch wieder sehen. Das macht uns den Abschied nicht leichter, aber wir wollen zum Cape Lookout. 😁

Alabaster Bay und Hatchet Bay Harbour: auf zu den Ananasfeldern!

Von Governor’s Harbour segeln wir weiter nach Nordwesten, immer entlang an der langgestreckten Küstenlinie von Eleuthera. Die Insel zieht sich als zumeist schmales Band mit y-förmigen Ausweitungen an beiden Enden etwa 180 Kilometer lang in dieser Richtung.

Als nächsten Ankerplatz wählen wir die Alabaster Bay, sie bietet bei der derzeit wieder starken südlichen Komponente in den vorherrschenden Ostwinden guten Schutz. Und den können wir auch brauchen, denn es zieht ein Gebiet mit Squalls und Gewittern über uns hinweg. Wir igeln uns ein und nutzen die zwischenzeitlich schöneren Phasen zum Schnorcheln. Dabei kommt auch die „Hawaiian Sling“-Harpune wieder zum Einsatz. An zwei aufeinander folgenden Tagen schießen Ingo und ich damit an einem nur etwa 40 m langen Riffabschnitt elf (11) Rotfeuerfische.

Die Schädlichkeit dieser invasiven Art für die hiesige Fischwelt, aber auch die Schmackhafigkeit der Exoten hatte ich HIER schon mal erläutert. Es ist ein bisschen aufwändig, erst (mit der Feuerwehrschere) die Giftstacheln zu entfernen und dann die recht kleinen Fische zu filetieren, aber ich werde langsam geübt darin und sie sind wirklich lecker.

Nach ein paar Tagen zieht es uns aber weiter, nur leider erweist sich unser ausgeguckter Ankerplatz bei Gregory Town als zu ungeschützt, der Schwell der immer noch südöstlichen Winde lässt uns ein ganzes Stück zurück nach Hatchet Bay Harbour motoren. Dieser See mit künstlichem Durchbruch zum Meer ist hervorragend geschützt, kommt allerdings in unserem (ziemlich alten) Törnführer nicht gut weg. Macht aber nichts, nachdem wir uns durch die schmale Einfahrt getastet haben gefällt es uns ganz gut.

Der Ort (Alice Town), oft auch einfach Hatchet Bay Harbour genannt, ist zwar eher ärmlich und mit durchgehend sehr einfacher Bebauung, ganz anders als zuletzt Governor’s Harbour.

Aber natürlich gibt es – bei richtiger Kameraperspektive – auch ausgesprochen schöne Stellen 😉

O.k., schaut man nach links, sieht es man die Baustellen und auch deutlicher das marode Palmblattdach der Schirme:

Worauf es ankommt, es gibt einen kleinen Supermarkt und die Menschen sind superfreundlich. Wir treffen die Crew der kanadischen „Petit Chantier“, außer der Easy-One und der Flora das einzige Segelboot in der Bucht. Sie erzählen Wiebke und mir von einer außerhalb gelegenen Höhle, wir ihnen von etwas entfernt liegenden Ananas-Plantagen. Gemeinsam fragen wir Renaldo, den Barkeeper der Bar am Dinghydock, nach Entfernung und Erreichbarkeit der beiden Ziele. Schwups, werden wir von ihm in seinem Auto dorthin gefahren, er muss angeblich ohnehin noch irgendwo Eis und Spirituosen besorgen. Wir sollen ihm eine WhatsApp schicken, wenn wir fertig sind, dann holt er uns wieder ab. Unterwegs stellen wir fest, dass es tatsächlich sonst ein ziemlich langer Marsch geworden wäre.

Annabelle und El (französischsprachiger YouTube Channel: Voiliers les Copains) haben Lampen dabei, schließlich hatten sie die Höhlentour geplant. Wir haben zwar nur die Handy-Funzeln, aber zusammen reicht es. Tatsächlich sind die „Hatchet Bay Caves“ riesig, sie sollen sich über eine Meile hin ausbreiten. So weit gehen wir nicht, aber es ist trotzdem beeindruckend. An der Straße nur ein Schildchen, dann Feldweg und irgendwann ein Loch. Kein Eintrittsgeld, kein Reiseführer, keine Schautafel. Einfach nur ein Loch und ein paar Stufen, die hineinführen. Von der nur über diesen schmalen Einstieg erreichbaren ersten Höhlenkammer geht es – nun nur noch von den mitgebrachten Lampen beleuchtet – über eine Holzleiter eine Ebene weiter nach unten. Dort erwarten uns Gänge, die wie ein trocken gefallener unterirdischer Fluss anmuten, zwischendurch in Abständen immer wieder größere Räume, manchmal möchte man sie Kathedralen nennen, dazu Stalagmiten und Stalagtiten in großer Zahl, Fledermäuse, allerdings auch einiges an hingesprayten Namenszügen, vielleicht ein Nachteil des einfachen unkontrollierten und kostenlosen Zugangs.

Zwischendurch löschen wir kurzzeitig unser Licht und lauschen in die dunkle Stille. Ein wunderschönes Erlebnis.

Wieder draußen werden wir von vier aufgeregten Hunden empfangen, zum Teil mit neuen Halsbändern. Stürmisch, aber auch zutraulich und ausgeprägt an unseren Rucksäcken interessiert, obwohl nichts essbares darin ist. Sie begleiten uns bis zur Ananasplantage, die ein Stück weiter die Straße hinauf liegt. Für Führungen ist sie zwar derzeit geschlossen, aber die Ananasfelder und das daneben angebaute Obst und Gemüse (vor allem Bananenstauden, Papaya und Paprika) sehen wir ja trotzdem.

Die Ananas, ein im Boden wurzelndes Bromeliengewächs mit fleischigem Fruchstand, wurde als Kulturpflanze wahrscheinlich zuerst im Amazonasgebiet angebaut und von den Indigenen „Anana“ (hervorragende Frucht) genannt. Sie war bei Maya und Azteken bekannt und wurde vermutlich von den Cariben auf die nach diesem Stamm benannten Inseln verbreitet.

Hier auf Eleuthera wurde (deutlich später, vor allem im 18. und 19. Jahrhundert) Ananas-Landwirtschaft so intensiv betrieben, dass die Bahamas zwischenzeitlich einer der großen Exporteure dieser Frucht waren, allerdings sind diese Zeiten längst wieder vorbei. Interessanterweise konnten die damals sehr exklusiven Früchte zwar geschnitten in die nahen USA verschifft werden, zum fernen (politischen) Mutterland England aber mussten sie aufwändig als ganze Pflanze mit Wurzelwerk verschifft werden, bis 1857 in Governor’s Harbour die erste Dosenfabrik dafür eingerichtet wurde.

Heute sind die Bahamas nicht mehr unter den Top 10 der Ananas produzierenden Länder zu finden. Nichtsdestotrotz rühmt sich Eleuthera auch heute noch, die wohlschmeckendsten und süßesten dieser Früchte hervorzubringen, sie finden sich auf der Währung und werden als Symbol der Gastfreundschaft und des Wohlstands verehrt und in Liedern besungen (wie uns Renaldos Vater am Abend bestätigt)

Auf Wiedersehen, Exuma Cays. Hallo, Eleuthera!

Am 24. April sind wir in den Exumas angekommen, einen Monat lang bummelten wir diese wunderbare Inselkette hinauf. So viel mehr als nur die bekannten schwimmenden Schweine gab es zu sehen. Wieder waren neben der Natur die getroffenen Menschen die eigentlichen Highlights, unvergessen z.B. die spontane Tanzperformance von Izryel auf Little Farmers Cay oder auch das “deutsche Dorf” mit anderen Seglern.

Aber: wir haben das nördliche Ende der Inselkette erreicht, machen einen Schlag über den kilometertiefen Exuma-Sound nach Eleuthera.

Aus dem Flachen übers Tiefe ins sehr Flache. Als wenn sich zwischen Schleimünde und Lyø ein umgedrehtes Hochgebirge in die Ostsee hinabsenken würde 😙.

Die Barre im Südwesten Eleutheras hat es dann wieder in sich, aber durch den Davis-Channel können wir uns hineintasten nach Rock Sound. Die Bucht vor dem kleinen Ort ist ebenfalls ziemlich flach, am Ankerplatz haben wir bei Niedrigwasser nur 20 cm (und damit kaum mehr als die berühmte Handbreit) Wasser unter dem Kiel. Aber anders als der Name vermuten lässt ist der Grund praktisch durchgängig Sand, vielleicht ist der Ortsname ja doch eine musikalische Anspielung 😉.

Links im Vordergrund sieht man übrigens die Attraktion von Rock Sound, das “Ocean Hole”, ein 183 m tiefes Blue Hole, wohl über Höhlen mit dem tiefen Ozean östlich von Eleuthera verbunden. Und eine natürliche Meerwasser-Badeanstalt mitten im Ort.

Auf dem Weg dorthin fallen uns die vielen blühenden Pflanzen auf, vor allem die wunderschönen Flammenbäume (Flamboyant). Eigentlich in Madagaskar heimisch, sind sie als Zierpflanze eingeführt worden und inzwischen in den Tropen und Subtropen weit verbreitet.

Wir finden einen recht gut sortierten Supermarkt und kaufen mal wieder Frisches ein, außerdem füllen wir den Reservekannister für das Dinghy wieder auf, die Esso-Tankstelle hat dankenswerter Weise einen extra Dinghysteg angelegt.

Und wir essen zum ersten Mal seit fast einem Monat mal wieder in einem Restaurant. Auch das “Wild Orchids” hat einen eigenen Dinghyanleger und wir schauen von der Terrasse direkt auf die Flora.

Heute segeln wir größtenteils am Wind erst unter Code0 und dann Fock bei herrlich glattem Wasser an der Leeseite von Eleuthera hinauf bis nach Sands Cay. Zur Krönung geht auch noch ein leckerer Snapper an den Haken, das Abendessen (für die nächsten Tage) ist also gesichert.

Da sind die Fische beim Schnorcheln doch erstmal sicher vor unserer mitgeführten Hawaiian Sling (außer den Rotfeuerfischen, aber diesmal versteckt sich der einzige gesichtete beim Näherkommen schnell in einer Felsenhöhle). Da kann ich dann dafür die vorbeiziehende Schule von Fledermausfischen (Karibischer Spatenfisch) in Ruhe bewundern.

Warderick Wells Cay

Mit dem in die Mastspitze gezogenen Aliv-Router haben wir hier sporadisch doch noch ab und zu Empfang. Also nur ein ganz kurzes Update:

Nach dem Motoren durch die aufregend schmale und flache Passage westlich von Bell Island und einem Stückchen herrlichem Amwind-Segeln sind wir auf dem mitten im Exuma Cays Land and Sea Park liegenden Warderick Wells Cay angekommen. Die Gegend macht dem Namen des Parks alle Ehre. Tatsächlich scheinen Land und See zu verschmelzen, ineinander überzugehen, gegenseitig aneinander festzuhalten. Die Grenze ist mit der Tide fließend, die Landschaft dadurch einmalig schön. Es gibt zwar Bojen in den beiden tiefen Prielen vor der Nationalparkverwaltung, aber die Strömung ist dort enorm und die Windvorhersage von kräftigeren NE ist nicht ideal. Wir haben uns deshalb für den ruhigeren Anker- und Bojenplatz am Emerald Rock (=Smaragdfels) entschieden, wobei die Bezeichnung von der Wasserfarbe hier und nicht von dem Felsen herrührt.

Wir machen einen kleinen Hike hoch auf den “Boo Boo Hill”, den Spukhügel. Ist aber grade keine Vollmondnacht, in der die verlorenen Seelen eines untergegangenen Missionarsschiffes hier singenderweise herumgeistern sollen😉. Oben auf dem Hügel gäbe es eine weitere Gelegenheit, wie so viele andere Crews vor uns den Schiffsnamen auf Treibgut zurückzulassen. Allerdings lassen wir das diesmal aus (anders als im Hog Cay Yacht Club auf den Ragged Islands), zu wirr, zu sehr an einen Scheiterhaufen erinnernd finden wir die zusammengeworfenen Treibhölzer.

Aber die Aussicht ist klasse. Und auch das anschließende Schnorcheln begeistert erneut, bei mehreren Korallenbommies und auch im Kanal sind Dinghymoorings angebracht, äußerst bequem.

Von ganz klein (hier gleich 4 Flamingozungen auf einer Gorgonie (Fächerkoralle) über größer und auch bunt (Königin-Drückerfisch, dann Nassau-Zackenbarsch, dann Mutton Snapper)

bis hin zu den karibischen Riffhaien: