Zwei Wochen in Deutschland

Die Zeit saust dahin, obwohl (oder weil?) wir es ruhig angehen lassen. Wir genießen die Zeit mit Chief Jan (und Catalina, wenn sie da ist) in unserer Wohnung.

Wiebkes Mutter Uschi und Bruder Jörg wollen uns besuchen kommen, aber der Bahnstreik kommt dazwischen. Ihr Auto hat Uschi uns für unseren Deutschlandaufenthalt großzügig überlassen. Fahren wir halt umgekehrt mit dem Auto hinaus nach Hoya und machen dort mit den beiden eine wunderschöne Radtour durch die Feldmark in ein abgelegenes Bauern-Café mit herrlichem Kuchenangebot.

Unter der Woche treffen wir alte Freunde. Am Wochenende bekommen wir dann doch in Hamburg Besuch, meine Schwester Anja und Schwager Ralf kommen vorbei.

Eine gute Gelegenheit, mal wieder auf den Goldbekmarkt zu gehen und auch einen langen Spaziergang durch Winterhude, Barmbek und den Stadtpark zu machen. Natürlich mit Besuch an unserer Lieblingsfontäne, dem Pinguinbrunnen.

Anja ist aber von anderen Tieren noch mehr begeistert: Jan hat die immer mal wieder unsere Dachterrasse besuchenden Eichhörnchen in der langen Homeofficezeit inzwischen soweit gebracht, dass sie ihm Nüsse aus der Hand fressen. Probieren wir natürlich gleich aus und … es klappt!

Und, fehlt uns das Schiff? Wenn ich sehe, was Wiebke auf der Busfahrt zum Markt mit der Fahrkarte macht, offensichtlich schon:

Aber immerhin bekommen wir aus Herrington Rückmeldung, was inzwischen an Flora passiert. Mike koordiniert dort die Arbeiten bzw. macht einen größeren Teil davon selbst. Und er schickt uns Fotos. So zum Beispiel sah unser Leinenschneider an der Propellerwelle und das Kegelrad des Props vorher und jetzt aus:

Und so die Propellerflügel:

Gereinigt und poliert, nicht neu gekauft. Das klappt also soweit in der Ferne und auch hier. Die größeren Arbeiten stehen allerdings noch aus. Auch die Steuererklärung harrt noch darauf, dass ich mich endlich daran mache … 😔

Und schon eine Woche in Deutschland …

Wow. So schnell geht das, schon über eine Woche sind wir auf Besuch in Deutschland. Urlaub vom Segeln. Und was machen wir?

Ankommen. Staunen, wie wenig sich in den zwei Jahren im Grunde verändert hat. Formalkram anstoßen oder sogar gleich abarbeiten, Termine vereinbaren (auch mit Freunden und Familie, krass!), Wiebkes Mutter und unsere Geschwister besuchen, zum Zahnarztfreund nach Kiel fahren, dabei gleich weitere alte Freunde treffen und – Meerweh – in Laboe Hafen und Strand einen Besuch abstatten.

Sich die “typisch deutschen” Strandkörbe wieder vor Augen führen (gibt es dafür eigentlich überhaupt ein Wort in einer anderen Sprache? Segway’s wie “roofed wicker beach chair” ist ja doch etwas gestelzt) 😉

Und in Hamburg: durch die Stadt laufen, uns beim Spaziergang durch unseren Stadtteil Winterhude über das viele Grün und die Kanäle freuen, mal wieder richtig schöne Wochenmärkte wie den am Goldbekkanal besuchen.

Und aus der Ferne noch ein bisschen die Arbeiten am Boot koordinieren. Gedanken- und Gefühlsspagat zwischen den beiden “Zuhause”. Aber es ist doch auch sehr schön, mal wieder hier zu sein!

Zurück im anderen Zuhause

Nach zwei Jahren das erste Mal. Wieder fliegen. Wieder zurück in Deutschland. Familie und alte Freunde treffen. In siebeneinhalb Stunden eine Strecke zurücklegen, für deren Entsprechung mit einem ganz anderen, viel südlicheren Bogen und diversen wunderschönen Aufenthalten wir hin etwa ein Jahr gebraucht hatten. Und ein weiteres Jahr für die Runde in den Nordosten der USA und dann durch die Karibik. Jetzt der Flug mit durchaus gemischten Gefühlen, ganz viel Vorfreude, aber auch dem unschönen Gefühl, Flora zurückzulassen.

Auch der Anschlussflug nach Hamburg klappt und am Flughafen warten trotz einstündiger Verspätung Freunde, um uns zu begrüßen und abzuholen 🤩

Und auch das Wetter spielt mit: feinstes Hamburger Schmuddelwetter mit viel Wind und Regenschauern empfängt uns. Auf dem Weg zum Bäcker wechseln sich Sonnenschein und Niesel ab, aber beim Grillen auf unserer Dachterrasse ist es am Abend trocken. Heute pladdert es zwischendurch „wie wenn die Kuh das Wasser lässt*“, aber meist bleibt es bei dramatischen Wolken über den Hamburger Dächern. Außerdem sind wir nach den sonnenverwöhnten letzten zwei Jahren weiter denn je davon entfernt, dass unser „Körper an der Nordseite schon Moos ansetzt*“ und überhaupt:

„Ob du meckerst oder jubelst, deprimiert bist oder froh,
ist völlig wurscht, denn das Wetter kommt sowieso.
Und dann sehe ich es lieber schon als Optimist
und ich freue mich, dass überhaupt noch Wetter ist.*“

Fühlt sich gut an, mal wieder im anderen Zuhause zu sein.

* jeweils aus Reinhard Mey: Das Sauwetterlied