Raus aus den Tropen

Aktuell freuen wir uns über schön hohe Erträge aus unseren Solarpanelen. Eigentlich kein Wunder, das Wetter ist fast durchgehend schön, die Sonne scheint, es gibt nur wenig Wolken. Und: die Sonne steht sehr hoch am Himmel, wirft Mittags nur ziemlich kurze Schatten. So ist das nunmal in den Tropen? Na ja, bis Georgetown waren wir in dieser Klimazone. Aber die Stadt liegt auf dem Wendekreis des Krebses, also auf etwa 23,5 Grad nördlicher Breite (23° 26′ 05″). Zur Sommersonnenwende am 21. Juni steht die Mittagssonne hier also genau senkrecht über der Stadt. Zwar scheint die Sonne nicht so lange wie im Sommer in Schweden, aber der Winkel ist halt perfekt (und unsere auf dem Bimini montierten Module werden ja nicht an den Winkel angepasst).

Die paar Meilen, die wir inzwischen in den Exuma weiter nach Norden gesegelt sind, ändern an unseren Solarenergieerträgen natürlich erstmal nichts, allerdings: die Tropen haben wir schon verlassen. Gefühlt ist es trotzdem heißer geworden, denn erstmals seit längerer Zeit haben wir zuletzt ein paar schwachwindige Abende erlebt (wirklich nur zum Sonnenuntergang, tagsüber war feiner raumer bis achterlicher Segelwind 😁). So sah z.B. die Easy One an unserem Ankerplatz vor Lee Stocking Cay von Bord der Flora betrachtet aus:

Lee Stocking Cay ist schon eine ganz besondere Insel. Die Anfahrt ist ein bisschen tricky, einmal mehr zeigt die Seekarte im Fahrwasser stellenweise nur exakt unseren Tiefgang an. Aber mit auflaufender Tide kommen wir unproblematisch durch und finden einen Ankerplatz direkt vor dem leicht verfallenen Anleger.

Das „Perry Institute for Marine Science“ hatte hier ein groß angelegtes Forschungszentrum errichtet, quasi ein ganzes Dorf mit eigenem Flugplatz und Hangar, Slipbahn und Bootsanleger, Wasserwerk, Labors, Werkstätten, diversen Seewasserbecken und Forschungsaquarien. Heute steht alles leer, wobei es wirkt, als wäre das „Science Center“ urplötzlich und Hals über Kopf verlassen worden. Akten liegen noch herum, Gasflaschen und Tanks verrosten, ein Pickup steht mit offener Motorhaube vor der Werkstatt. Computer und Batterien für deren unterbrechungsfreie Stromversorgung stehen in einer Ecke. Die Landebahn (Runway) ist in Teilen zugewuchert, einige Häuser sind ziemlich verfallen, andere noch recht intakt.

Irgendwie erstaunlich, zumal das Perry Institute sich die Verbesserung der Nachhaltigkeit des (maritimen) Ecosystems auf die Fahnen geschrieben hatte („… to improve the sustainability of our marine ecosystems“.

Und es gibt viele Kokospalmen, deren Nüsse ungenutzt herunterfallen, aber da können wir ein wenig Abhilfe schaffen.

Ganz ungefährlich ist der Nahkontakt mit fallenden Kokosnüssen und Werkzeugen nicht und so geht es auch nicht ganz ohne körperliches Blessuren ab, aber zum Glück nichts Ernstes. Aber die Rückenprobleme kommen wohl nicht nur von der Kokosnussverarbeitung, sind aber am nächsten Morgen schon wieder deutlich abgeklungen.

Und so können wir uns durch die schmale Rinne und das Flachwassergewirr wieder auf den Weg machen und weitere Inseln der Exuma erkunden. Mit unserem Tiefgang geht es erst einmal außen herum weiter.

Georgetown, Exuma

Schluss mit der Segler-Einsamkeit, wir fahren in die große Stadt. Immerhin rund 1.400 Einwohner hat Georgetown. Da sich rund 70 % der Gesamtbevölkerung der Bahamas (knapp 400.000) in und um Nassau auf der Insel New Providence konzentrieren, zählt Georgetown damit schon zu dem knappen Dutzend anderer großer Städte mit über 1.000 Einwohnern. Und sie ist der Hauptort des Distrikts Exuma. Wir sehen praktisch täglich ein Versorgungsschiff hinter dem Ankerfeld durchziehen, es gibt gleich zwei kleine Supermärkte, verschiedene Schiffsausrüster, drei Gemüsehändler an der Straße, eine Tankstelle, einen Tauchshop und mehrere Bars, Cafés und Restaurants. Fast schon eine Metropole. 😉

Der Hauptankerplatz liegt allerdings gegenüber der Stadt bei der langgestreckten Insel Stocking Island, die östlich vorgelagert quasi einen geschützten Kanal bildet. Wobei das relativ ist, die Dinghyfahten zum Einkaufen und Tauchflaschen füllen gestalten sich wellig und ziemlich feucht.

Durch eine kleine Einfahrt geht es in mit dem Dinghy auf den Lake Victoria, um den herum das Zentrum des Städtchens liegt.

Jetzt um Vollmond herum haben wir hier etwa einen Meter Tidenhub, so dass das Wasser häufig mit viel Strömung durch die Enge strömt, bis zu einem Meter Welle kann hier bei Wind gegen Strömung stehen. Wir kommen trotz mal wieder sprotzendem Dinghymotor gut durch und erledigen unsere Einkäufe. Wider Erwarten ist das Gemüse gut und auch nicht allzu teuer, manche andere Artikel entsprechen eher dem Bahamas-Klischee. Laktosefreie Milch z.B. kostet 9$ für die halbe Gallone (1,89 Liter). Angelköder liegen im Schnitt auch beim Doppelten des Preises, den wir etwa auf Antigua bezahlt haben. Man muss halt im Einzelnen schauen.

Für den Müll der Segler gibt es eine karibisch praktische Lösung: gleich neben dem Dinghysteg steht in Kleinlastwagen. Im Fenster auf der Fahrerseite hängt die Preisliste. Das Geld wird durch das einen Schlitz geöffnete Fenster geworfen, auf dem Fahrersitz häufen sich die Dollarscheine.

Auf Stocking Island statten wir dem rustikalen „Chat ‘N’ Chill“-Strandclub einen Besuch ab, zum Sundowner, jedenfalls aber zum sonntäglichen Spanferkelessen (Pig Roast) findet sich hier ein Großteil der Seglergemeinschaft ein.

Noch besser allerdings gefallen uns die Sundowner im kleinen Kreis am Strand oder auf den Booten und die schönen Wanderungen auf Stocking Island. Hinauf zum Obelisken auf dem Hügel über der Bucht, von wo aus wir einen schönen Blick über den Ankerplatz in der Monument Bay haben. Von hier oben kann man auch die großen Schriftzüge mit den Schiffsnamen erkennen, die hier viele Crews aus Steinen gelegt haben.

Die hier ein verbreiteten Fächerpalmen sind auf der Leeseite neben niedrigem Buschwerk mit Kiefern durchsetzt, ein kräftiger Sommergeruch liegt in der Luft. Auf der Luvseite der Insel dagegen dominiert zwischen den Fächerpalmen das großblättrige Seagrape.

Die Früchte sehen, wenn sie erst mal reif sind, tatsächlich fast aus wie Trauben. Sie sind essbar, man kann auch Marmelade und sogar Wein daraus herstellen. Meist allerdings bedienen sich nur die Vögel 😉.

Wie in den Ragged Islands ist auch hier die See an der Ostseite der Insel rauher, die Wellen des Atlantik branden ans Ufer. Hier auf Stocking Island treffen sie allerdings nicht auf eine steinige Korallenfelsküste, sondern rollen über das Riff an den breiten und fast menschenleeren kilometerlangen Sandstrand. Wie auf der anderen Seite der Insel auch ist der Strand wunderbar feinsandig, fast samtig unter den Füßen, zumal sich so gut wie keine Steinchen oder Muscheln in ihm finden.

Zum Glück wird offenbar auch deutlich weniger Müll angeschwemmt, der sich auf der Luvseite der Raggeds in so erschütternder Menge jenseits der Hochwassermarke findet. Somit verstärkt sich die Vermutung, dass tatsächlich ein großer Teil der dortigen Strandverunreinigungen von der Strömung aus den großen Antillen, insbesondere Hispaniola herübergetragen und angespült wird während es hier weiter nördlich auch auf den Luvstränden erheblich sauberer bleibt.

Kolumbus und die Whitsundays, Guanahani, San Salvador und Long Island auf den Bahamas

Bei unserer Fahrt mit dem Mietwagen haben wir den Norden von Long Island ausgespart und damit auch das „Columbus Monument“ am Cape Santa Maria, der Nordspitze der Insel. Macht aber nichts, von unserem jetzigen Ankerplatz in der Calabash Bay können wir mit dem Dinghy dorthin. Das bietet zudem den Vorteil, dass wir am Denkmal vorbei mit dem Beiboot in die Lagune hineinfahren können, die von der vorgelagerten und kaum als eigene Insel erkennbaren Newton Cay begrenzt wird.

Gegen die starke Strömung des ablaufenden Wassers fahren wir in das Flachwassergebiet ein und sind sofort verzaubert. Die weißen Sände sind von türkisfarbenen Prielen durchzogen, es sieht ein bisschen aus wie die Bilder von Whitehaven in den australischen Whitsunday Islands, na ja, eine Miniaturausgabe davon, aber ebenso faszinierend.

Wir sehen diverse Schildkröten in den Wasserläufen, wandern ein bisschen über die trocken gefallenen Sandrücken und lassen uns dann mit der Strömung wieder zurück zur Einfahrt treiben, bevor die Ebbe es selbst für unsere Dinghys zu flach werden lässt.

Nahe der Einfahrt machen wir dann noch einen Landgang, über die erst 2020 angelegten Treppen geht es hinauf zum neu errichteten Columbus Monument auf der Klippe. Wer die Diskussion um die Denkmäler in den USA etwas verfolgt hat wird wissen, dass nicht nur die Monumente der Südstaatengeneräle aus dem Bürgerkrieg und der Sklavenhalter in der Kritik stehen, sondern auch die Rolle von Kolumbus als „Entdecker Amerikas“ (nicht nur, dass vor ihm nachweislich auch andere Europäer da waren und er außerdem nur Inseln der Karibik betreten hat, sondern vor allem wegen die Auswirkungen, die die „Entdeckungsreise“ für die Ureinwohner hatte).

Irgendwie merkt man, dass die Easy-One bei ihrer Atlantiküberquerung Brasilien angelaufen hat 😉

Das spiegelt sich – wenn auch versteckt – in der Inschrift des Monumentes wieder, die (vor Kolumbus) eine Widmung für die freundlichen, friedvollen und fröhlichen Ureinwohner enthält (von denen Kolumbus im Bordbuch vermerkte, dass man sie gut als Sklaven abrichten könnte).

Sie, die Lucayan (von ihrer Eigenbezeichnung “Lukko Cairi” / Menschen der Inseln, ein Zweig der Tainos, das Wort Cay/Cayo/Key für Insel ging ins Spanische und ins Englische ein, auch eine Art bitteres Vermächtnis), wurden in den auf die “Entdeckung” folgenden Jahren tatsächlich versklavt oder durch eingeschleppte Seuchen wie der hier bis dahin unbekannten Grippe (!) dahingerafft. Schon ab circa 1520 bis etwa 1650 waren die Bahamas dann unbewohnt, die noch lebenden Lucayan waren als Sklaven (im Wesentlichen nach Hispaniola und nach Erkennen ihrer Fähigkeiten im Conchtauchen als Perltaucher nach Cubagua im heutigen Venezuela) verschleppt worden.

Wenn man sich das Schild am Monument genauer anschaut, fällt auch das Datum auf: am 17.10.1492 soll Kolumbus hier angekommen sein. Das wäre also keineswegs sein erster Landfall in den Westindies, die erste Insel hat er laut Logbuch am 12. Oktober 1492 betreten. Die Ureinwohner nannten sie “Guanahani”, Kolumbus taufte sie “San Salvador” (Der Heilige Erlöser). Die genaue Lage dieses ersten Landfalls in der “Neuen Welt” ist allerdings umstritten. Zwar gibt es eine Insel namens “San Salvador” auf den Bahamas, die das für sich in Anspruch nimmt. Allerdings wurde sie erst 1925 dahingehend umbenannt, vorher hieß sie nach einem Piraten “Watling Island”. Fun fact: die bis dahin ebenfalls San Salvador genannte Insel weiter nordwestlich in den Bahamas heißt heute “Cat Island”.

Allerdings erheben auch andere Inseln Anspruch auf diese zweifelhafte Erstbetretung, allem voran Grand Turk im Nachbarstaat der Turks und Caicos Inseln glaubt auf Basis der Beschreibung in Kolumbus “Diario” Guanahani zu sein.

Na ja, erst die dritte bereiste Insel wurde von Kolumbus als die schönste des Archipels beschrieben. Könnte doch immerhin sein, dass es am 17.10.1492 Long Island war 😌.

Der samtweiche Sandstrand in der Calabash Bay tut jedenfalls einiges dafür, um diesem Superlativ gerecht zu werden und ein Übriges macht der am Ufer errichtete öffentliche Patio mit Picknickbänken und Hängematte, den wir gemeinsam mit der Crew der Easy-One ganz für uns haben.

Und ja, auch wir müssen ein paar Mal schwer schlucken, wenn wir das so schreiben und diese Bilder posten, wohl wissend, welche Einschränkungen COVID derzeit zu Hause bei unserer Familie und unseren Freunden (die wir seit fast zwei Jahren nicht gesehen haben) mit sich bringt. Wir sind seit gut vier Wochen in den Bahamas, haben vor und nach der Einreise COVID-Tests gemacht (darunter unseren fünften PCR-Test) und dann den größten Teil der Zeit auf unbewohnten Inseln verbracht, außerdem auch sonst kaum externe Kontakte außerhalb eines kleinen Kreises von Seglern gehabt, denen es ähnlich ging. Einige von ihnen waren sogar schon geimpft, wir hoffen derzeit auf eine Impfung in den USA im Juni und danach auf die Möglichkeit, in diesem Sommer den im letzten Jahr geplanten und wegen der Umstände verschobenen Besuch in Deutschland machen zu können.

Es geht uns supergut und wir wissen, was für ein Luxus das ganz besonders derzeit ist.

Dean‘s Blue Hole, Long Island

Die Blue Holes haben es uns angetan. Es gibt sie bei weitem nicht nur in den Bahamas, aber hier eben doch in sehr hoher Zahl. Und das „Dean‘s Blue Hole“ hier auf Long Island galt lange Zeit sogar als das tiefste bekannte Blue Hole der Welt, bis dann 2016 das „Dragon Hole“ (oder Longdong) im Südchinesischen Meer entdeckt wurde.

Faszinierend ist, dass eine solche geologische Besonderheit hier in den Bahamas von öffentlicher Seite keine gesteigerte Aufmerksamkeit zu erfahren scheint. Keine Aufsicht, keine Beschränkungen, kein Eintrittsgeld. Übrigens auch keine Besuchermassen.

In einer von vorgelagerten Riffen abgeschirmten und mit dem (Segel-)Boot daher nicht erreichbaren flachen Meeresbucht gelegen, steuern wir es mit dem Mietwagen an. An der längs über die Inse führenden Hauptstraße gibt es ein kleines Hinweisschild, ein unbefestigter Feldweg führt an den Strand. Wir können das Auto parken und müssen unsere mitgebrachte Tauchausrüstung nur ein paar Meter bis zum Wasser tragen, sehr praktisch.

Ein paar Freediver sind auch da, für sie sind mehrere tiefenmarkierte Seile an einer mittig über dem Blue Hole platzierten Plattform befestigt und führen scheinbar ins Nichts. Weit, wirklich weit hinunter in den dunklen Abgrund, das vom Durchmesser her kleine Blue Hole ist 202 m tief.

Über den Sandgrund vom Strand aus schwimmen wir auf das dunkelblaue Auge zu, halten Abstand von den Seilen der Freediver, die mit geschlossenen Augen in die Tiefe (und wieder hinauf) gleiten. Am Rand des Dunklen rieselt manchmal noch Sand in den hier etwas trichterförmigen Bereich, hier ist es noch hell, dann geht es senkrecht nach unten in die zunehmende Dunkelheit. Die Wände sind kaum bewachsen und bieten wenig Orientierung hinsichtlich der Tauchtiefe, Fische gibt es kaum, wir müssen unseren Tiefenmesser auf dem Tauchkomputer im Blick behalten. Bei etwa 20 m weitet sich der Rand, es gibt Überstände, höhlenartig und mit Gängen versehen wird es aber erst deutlich tiefer.

Die Farben verschwinden in dem engen Loch gefühlt deutlich schneller als sonst beim Tauchen, nur der Blick nach oben bringt leuchtendes Blau.

Bis auf 26 m gehen wir hinunter, ohne dass sich viel ändert, (nur Ingo taucht noch etwas tiefer) dann steigen wir an der Wand entlang kreisend wieder auf. Ein fast ereignisloser Tauchgang im Hinblick auf Tierbegegnungen, Beobachtungen von Pflanzen oder von Abwechslung in der Unterwasserlandschaft. Und doch ein ganz besonderer, übrigens für uns auch nie bedrückender (in die Tiefe ziehender). Schwer zu beschreiben. Ingo ist völlig fasziniert, wir anderen drei eher ruhig beeindruckt, wirklich froh, diesen einmal völlig anderen Tauchgang unternommen zu haben, aber ohne große Wiederholungsgelüste.

Eine ganz andere Höhle schauen wir uns am gleichen Tag in unmittelbarer Nähe an, die „Hamilton’s Cave“. Sie ist in Privatbesitz der Familie Cartwright und kann nach Absprache mit Mr. Cartwright (Tel. 242 472 1796) besichtigt werden, wobei er selbst die Führung unternimmt (15 $ p.p.).

Er räumt sein Gartentor vor der Bananenpflanzung beiseite, stattet uns mit kräftigen Handstrahlern aus und los geht’s.

Die von Stalagmiten und Stalaktiten durchzogene Höhle hat ihren Haupteingang im Garten der Cartwrights, jedoch auch einige weitere Löcher in Decke und Wänden, die kleine Bereiche der weitläufigen und verzweigten unterirdischen natürlichen Gänge und Räume beleuchten. An einer Stelle gedeihen sogar ein paar Pflanzen, während sich sonst nur ein paar wie grüne Farbe wirkende flache Moose auf dem Gestein halten. Und die Höhle bietet quasi eine natürliche Klimaanlage, was sich bei der heute draußen herrschenden Temperatur sehr angenehm bemerkbar macht.

Noch bis ins letzte Jahrhundert bot sie bei Hurrikan Schutz und Zuflucht. Aber schon in vorkolonialer Zeit wurde sie von Menschen genutzt. Unser Guide, der wie seine Vorfahren mit Fledermauskot durchmischte Erde in der Höhle abbaut und sie im Garten als Dünger nutzt, findet beim Durchsieben (=Entsteinen) immer wieder kleine Knochen und Tonscherben, die er uns in seiner Sammlung präsentiert.

So wie er uns auch drei der fünf in der Höhle heimischen Fledermausarten zeigt (die anderen beiden Leben tagsüber im hinteren, nur über Kriechgänge erreichbaren Teil).

Interessanterweise hat die mitten auf dem Inselrücken gelegene Höhle sowohl einen tidenabhängig steigenden und fallenden Salzwasserteich als auch eine kleine Süßwasserquelle in der Größe eines Waschbeckens, die sich bei Entnahme zwar langsam, aber doch verlässlich wieder füllt.

Bei unserer Inseltour schauen wir uns danach im Süden von Long Island noch Clarence Town mit seinem beiden vom selben Pater/Pfarrer errichteten Kirchen. Religion ist wichtig auf den Bahamas, selten haben wir so viele Kirchen so dicht beieinander gesehen. Aber die Geschichte dieser Kirchen ist trotzdem besonders. Hatte Father Jerome zunächst die anglikanische mit den beiden eckigen Türmen gebaut, wollte er sich nach seinem Übertritt zur katholischen Kirche selbst übertreffen und errichtete auf dem Hügel des Dorfes die nochmals größere katholische mit den beiden hohen runden Türmen. Drinnen weit weniger geräumig als man aus der Ferne annehmen würde, aber das ist bei der massiv schrumpfenden Gesamtzahl der Inselbevölkerung wohl nicht dramatisch. Nach der Highschool verlassen viele junge Insulaner Long Island für die weitere Ausbildung, meist in Richtung Nassau. Nur wenige kommen zurück.

Immerhin sind beide Kirchen weithin sichtbar und geben somit als Landmarken auch gute Orientierung für Segler. Für uns hält Clarence Town (neben einem guten Mittagessen im Restaurant der Flying Fish Marina noch die Überraschung bereit, dass wir im Farmers Marked am Hafen zu vernünftigen Preisen lokales Gemüse kaufen können, das ansonsten von hier aus nach Nassau verschickt wird. Das Ambiente der Lager- und Verkaufshalle zeigt zwar, dass der Verkauf vor Ort nur Nebeneffekt ist, aber wir sind willkommen und werden mehr als zuvorkommend bedient.

Auf dem Rückweg machen wir noch einen kleinen Abstecher zum Shrimp Hole. Von der Lille Venn und der Vairea hatten wir den Tip bekommen, uns bei der verfallenen Kirche kurz südlich unseres Ankerplatzes noch einmal die Füße zu vertreten. Um die Ruine herum, dahinter beginnt dann ein gekennzeichneter Pfad. Und tatsächlich, ein weiteres Seewasserloch mitten auf der offenbar ziemlich porösen Insel. Wobei sich in diesem hier eben die namensgebenden kleinen roten Shrimps tummeln.

Was die Natur sich so alles einfallen lässt.

Jamaica und Flamingo

Nein, wir haben nicht plötzlich unsere Reiseroute verändert. Jamaica laufen wir trotzdem an, bleiben dabei aber in den Ragged Islands. Von Buena Vista Cay bis nach Jamaica Cay sind es nur gut 20 sm, wobei wir zur Abwechslung das türkisfarbene Wasser zwischendurch mal wieder verlassen. Durch den Little Nurse Cut motoren wir hinaus ins Tiefwasser östlich der Inselkette, setzen die Segel und gleiten durch das dunkle Blau. Die Angeln sind draußen, aber außer einem Barakuda (den wir wieder hineinwerfen) fangen wir leider nichts.

Es ist bestes Blauwassersegeln bei raumem Wind. Kurz vor Jamaica Cay zeigt der Tiefenmesser plötzlich wieder an, nachdem er im Blauwasser immer nur drei Striche auf dem Display hatte. Dann aber schmelzen den Zahlen rasend schnell herunter in den einstelligen Bereich, der Cut zwischen Black Rock und White Rock ist nicht nur schmal, sondern auch flach. Macht nichts, die unbetonnte aber gut erkennbare Riffdurchfahrt liegt genau in unserer Fahrtrichtung
(Südsüdost nach Nordnordwest), wir können unter Segeln auch die letzte Meile nach Jamaica Cay hochsegeln. Und die Strecke birgt noch ein Highlight: Direkt vor Jamaica Cay liegt ein Blue Hole im Meer. Anders als noch auf Raccoon Cay, wo es sich eher als grünes Auge auf der Insel präsentierte, ist das Blue Hole hier von etwa 5 m tiefem Wasser umgeben. Wiederum kreisrund fällt die Wand des Loches steil auf knapp dreißig Meter Tiefe ab, der Durchmesser beträgt nur etwas mehr als zwei Schiffslängen. Aus der türkisen Umgebung schimmert es beim Heransegeln tiefblau heraus. Und natürlich lassen wir uns die Chance nicht entgehen, direkt darüber hinweg zu segeln. Es ist ein ganz besonderer Moment. Und obwohl es ja diverse Blue Holes in den Bahamas gibt, eignen sich auch bei weitem nicht alle dafür. Viele haben einen flachen Riffrand aus Korallen. Toll zum Schnorcheln, aber weniger gut zum drüberfahren.

Unser erster Ankerplatz im Norden von Jamaica Cay liegt nach spannend flacher Anfahrt durch das vorgelagerte Riff recht gut gegen den zur Nacht angekündigten Nordwind geschützt, aber der Ankergrund erweist sich als nicht ideal. Nur eine dünne Sandschicht über Korallenfels. Der Anker fasst zwar sofort und hält auch beim Einfahren mit langsam auf 2000 Umdrehungen erhöhten Rückwartsgang, aber – wie wir beim Abschnorcheln feststellen – nur weil er sich mit seiner Spitze hinter einem Stein verhakt hat. Außerdem rollt aus Osten Schwell über die niedrige Barre. Also wieder ankerauf, zurück duch die schmale Rinne und diesmal fällt der Anker auf gut haltenden Sandgrund vor der Ruine eines Resort, wo zwischenzeitlich auch die Easy-One schon ankert. Hier ist es etwas offener nach Norden, aber die Nacht wird doch eingermaßen ruhig.

Vorher allerdings fahre ich noch mit Ingo von der Easy-One und Steve von der noch dazu gekommenen Amalia im Dinghy zum Blue Hole hinaus, wir wollen uns diese Gelegenheit zum Schnorcheln nicht entgehen lassen. Wir ankern Florecita auf dem Sandgrund am Rand des Blue Hole und werden – kaum im Wasser – gleich von zwei neugierigen Riffhaien begrüßt, die sich aber schnell wieder in das Loch zurückziehen, als Ingo mit der GoPro auf sie zu schwimmt. Tatsächlich fasziniert das zunächst leer wirkende Blau, die Steilwand des Loches wartet mit einer Vielzahl von Korallen und Rifffischen auf. Zwei große Lobster spazieren auf einem Vorsprung herum als wüssten sie, dass wir sie (Schonzeit) in Ruhe lassen werden. Eine große Schildkröte mit Schiffshalterfisch kommt heran und verschwindet vor unseren Augen in der blauen Tiefe. Ab und zu sehen wir die Haie weiter unten im dunkleren Bereich patrollieren.
Am nächsten Morgen verabreden wir uns über Funk mit den Crews der beiden anderen Boote zu einem Landgang. Ingo bringt seine Akku-Flex mit und zunächst mal machen wir aus zwei gefundenen Conch-Gehäusen jeweils ein Horn. Die Spitze wird abgeflext, so dass ein etwa daumennagelgroßes Blasloch entsteht. Die hierin noch enthaltene Spirale muss man herausbrechen. Entgraten, fertig. Je nach Größe der Conch gibt es natürlich unterschiedliche Töne, für uns gibts heute ein kleines hell tönendes „Reisehorn“, für Steve ein größeres und tiefer klingendes, wie es im Yacht Club auf Hog Cay zum Sonnenuntergang geblasen wurde.

Jamaica Cay ist unbewohnt, der Versuch hier ein kleines Resort zu errichten schon vor Jahren gescheitert, wie die Ruinen der Gebäude und die beiden weithin sichtbaren Tanklastzugauflieger traurig bezeugen. Der positive Effekt ist, dass es einige Kokospalmen gibt. Viele heruntergefallene Nüsse liegen am Boden, aber mit denen können wir natürlich nichts mehr anfangen. Zum Klettern auf die Bäume sind wird definitiv nicht geschickt genug. Wir entwickeln verschiedene Techniken um trotzdem an die Nüsse heranzukommen (Abschlagen mit einem langen Holz, Räuberleiter und Macheteneinsatz, Heraufwerfen eines Seiles und Abziehen der Kokosnüsse), es klappt gut. Und dann erarbeiten wir uns das Innere der Nüsse. Je nach Reifegrad der Kokosnüsse „ernten“ wir Kokoswasser und/oder weiches, mittelhartes oder hartes Kokosfleisch. Ein Fest für Cocktails und Küche.

Das muss aber noch etwas warten, denn während wir uns mit den Nüssen beschäftigen hat es deutlich aufgefrischt und unser
e drei Boote tanzen am Anker sehr bockig herum. Der Schwell steht jetzt aus Nordnordwesten genau in die Bucht hinein, wir beeilen uns die Anker hoch zu nehmen und fahren im Konvoi weiter nach Flamingo Cay. Bei Nordwest ist der Ankerplatz dort zwar auch nicht optimal, aber doch etwas besser geschützt und der Wind soll weiter herum über Nord auf Nordost drehen.

Auf Flamingo Cay gibt es keinen Mobiltelefonempfang und damit für uns auch kein Internet. Dieser Beitrag wírd per Iridium-Satellit übermittelt, die Bilder werde ich nachreichen (ist jetzt erfolgt). Fürs erste muss Kopfkino genügen. Auf Kommentare (über die wir uns sehr freuen) können wir erst reagieren, wenn wir wieder Empfang haben.

Auf in die Bahamas

Tschüss, Dominikanische Republik. Du hast uns wunderbar angenehm überrascht. Wenn wir ganz ehrlich sind, hatten wir kaum eine Vorstellung von Dir. Urlaubsinsel mit Hotels an Sandstränden einerseits, eher arm im Vergleich zu den meisten anderen Inseln der Karibik andererseits, so viel war klar. Widersprüchliches hatten wir zur maritimen Infrastruktur und auch zur Sicherheitslage in manchen Häfen gelesen. Die größte Verlockung waren die Wale, für deren Sichtung Du zwischen Januar und März so gute Chancen bieten sollst.

Und: Buckelwale gleich zur Begrüßung, palmengesäumte Hänge der Hügellandschaft, freundliche Aufnahme und unaufdringliche, zuvorkommende Menschen. Santa Bárbara de Samaná bunt, unzweifelhaft auch laut und (für uns) chaotisch, exotisch. Ein gutes Sicherheitsgefühl. Obst und Gemüse im Überfluss und zu unglaublich günstigen Preisen auf dem Markt. Spannende Ausflüge in die Umgebung und den faszinierenden Nationalpark “Los Haitises” mit seinen „schwebenden” Inseln, seinen Höhlen und den traumhaften Ankerplätzen.

Und schon sind wir zwei Wochen hier. Viel zu kurz, viel zu wenig gesehen von der Insel. Aber das ist ein Dilemma, das jede noch so lange Reise begleitet. Man möchte die Welt bereisen, verschiedene Orte, Länder, Kulturen kennenlernen. Und man möchte bleiben, mehr und noch intensiver eintauchen in das Leben vor Ort, hinter die Fassaden schauen, Menschen besser kennenlernen.

Die Dominikanische Republik war nur als Zwischenschritt auf unserer Seereise geplant, als kleine Wundertüte. Und jetzt macht sie uns den Abschied schwer. Zwei Wochen waren wir hier, aber die eben in der Bucht vom Samaná. Wir sind ein bisschen angekommen an diesem Ort, “unsere” Obstverkäufer erkennen uns wieder, “unsere” Rikschafahrer, “unsere Bedienung” in der Cocktailbar auf dem Malecón mit dem leckeren Fingerfood,

Andererseits: wir freuen uns auf die Bahamas, ein Sehnsuchtsort, den wir im letzten Frühsommer nur durchfahren, aber nicht intensiv erkunden durften (“Innocent Passage” wegen COVID-bedingter Schließung der Grenzen des Inselstaates).

Jetzt wollen wir uns Zeit nehmen, die vielen kleinen Inseln der Bahamas zu erkunden, gerade auch die etwas abgelegeneren.

Wir absolvieren den für die Einreise in die Bahamas erforderlichen PCR-Covidtest, können drei Stunden später die Ergebnisse im Labor abholen. Gehen in der Zwischenzeit noch einmal auf den Markt, kaufen Obst und Gemüse auf Vorrat für die ziemlich teuren Bahamas. Nochmal in den Supermarkt, um auch die länger haltbaren Vorräte aufzustocken. Eine Motorrikscha bringt uns vier und die Berge an Einkäufen zurück zur Pier, wo wir sie (mangels echtem Dinghydock) etwas abenteuerlich hinunter in das mit Heckanker am Betonkai herumschlingernde Beiboot bugsieren.

Zubereitungstips auf Deutsch für Yuca und Yams vom Mann der Marktfrau, der eigentlich als Reiseleiter arbeitet. Mangels Touristen hilf er jetzt seiner Frau.

Ausklarieren bei der Immigration, der super freundliche Officer dort darf aber selbst nur einklarieren. Er ruft seinen Chef an, der kommt nach kurzer Wartezeit mit dem Roller angebraust, bringt zwei mit einem Schloss gesicherte Stempel mit und klariert uns aus.

Weiter zur Armada, um das Despacho für die Weiterfahrt in die Bahamas zu erhalten. Aber erst das (abgelaufene) genutzte Despacho für „Los Haitises“ im Original abgeben. Ach so. Noch ein bisschen warten, bis der Chef unterschrieben und gestempelt hat, mit einem Armada-Officer zur Flora fahren, denn dort erst wird das ausgefertigte Dokument übergeben. Kann losgehen.

Noch nicht ganz. Denn erstmal beantragen wir mit den COVID-Testergebnissen online das Bahamas Health Visa unter http://www.travel.gov.bs, aber leider lässt die Rückmeldung auf sich warten. Als wir es das letzte Mal von den USA aus beantragten, hatten wir innerhalb von zwei Stunden die Zusage. Diesmal ist am nächsten Morgen der Status immer noch „Pending“, also in Bearbeitung. Wir verholen erst einmal hinaus zur Bacardi-Insel und werfen dort noch einmal den Anker. Eigentlich würden wir den Formalkram gerne vor der Abfahrt erledigt haben, denn erst bei Zusage können wir im nächsten Schritt 70 US$ an die Bahamas überweisen, die Health-Visa erhalten und damit dann auch das Cruising Permit für die Bahamas unter http://www.besw.gov.bs beantragen („click2clear“, was zur Not allerdings auch noch als erster Schritt in den Bahamas erfolgen könnte).

Um 11.00 immer noch „Pending“, also fahren wir los und hoffen, das sich der Status in der Zeit ändert, in der wir noch Empfang haben. 300 sm liegen vor uns bis zum Ankerplatz bei Matthew Town auf Great Inagua.

In den Bahamas selbst wird Internetempfang nicht immer gegeben sein. Wir können dann – wie auf langen Passagen – zwar über IridiumGo Texte im Blog posten, aber keine Bilder. Mal sehen.

„Bacardi“-Insel oder nicht

Wenn es für die Dominikanische Republik eine Windregel gibt, dann wohl die, dass die Brise nachts und am Morgen eher flauer ist und dann wieder zunimmt. Angesichts der spiegelglatten See entscheiden wir uns daher heute, mit den Dinghys die etwa drei Seemeilen hinüber zur Cayo Levantado zu flitzen. Diese Insel soll für einen der Bacardi-Werbespot als Kulisse gedient haben. Wir haben den Hit von Kate Yanai im Ohr, als wir auf den palmenbestandenen Strand zusteuern.

Allerdings, was aus der Entfernung so klischeehaft dem Karibikbild entspricht, erfüllt eben auch manches Karibik-Vorurteil. Noch während wir die Dinghys vorm Strand verankern wird uns eine Massage angeboten, unter den Palmen stehen (leere) weiße Liegen in Reih und Glied. Hinter den Palmen verbirgt sich ein Hotel, der Strand wird von Ausflugsbooten aus Santa Bárbara de Samaná regelmäßig angefahren. Auch wenn es jetzt hier relativ leer ist, so richtig wohl fühlen wir uns nicht.

Wir holen den Anker wieder auf und fahren hinüber zum „Mainland“, suchen uns dort eine kleine Bucht. Weniger türkises Wasser, weil vorgelagert im Wasser nicht flacher Sand sondern korallenbesetztes Riff zu finden ist. Da kommen unsere mitgebrachten Schnorchelsachen doch noch zum Einsatz.

Sandstrand nur vorn zwischen den beiden Felsen, dahinter ist es Kies. Dafür ist es schön einsam. Yoga am Strand.

Und als Zugabe bekommen wir wieder mal einen endemischen Vogel zu sehen: ein Haiti-Specht (gibt’s nur auf der Insel Hispaniola und ihren kleinen Nebeninseln) brütet in der Palme gleich hinter uns.

Nach einem ausgiebigen Picknick geht’s zurück zur Flora, da frischt der Wind tatsächlich auch schon wieder auf und die Dinghyfahrt wird etwas welliger. Ein kleines bisschen hatten wir gehofft, vielleicht auch wieder Buckelwale zu sehen, aber diesmal lässt sich hier keiner blicken.

Erst am Abend auf dem Malecón und beim dort an einer der kleinen Buden mit Blick auf den Ankerplatz genossenen Sundowner sehen wir wieder welche 😉, wenn auch eher als Zeichen dafür, wie wichtig die Wale für den Tourismus hier in der Stadt und der Region sind.

Santa Bárbara de Samaná und Salto El Limón

Der Ort Santa Bárbara de Samaná, zugleich Hauptstadt der Provinz Samaná, ist ein Zentrum des Tourismus im Nordosten der Dominikanischen Republik. Nicht zuletzt auch wegen der über 1.000 Buckelwale, die in den ersten Monaten des Jahres hierher in die Bucht kommen. Aber trotzt offener Grenzen sind die Hotels der Gegend offenbar alles andere als gut gefüllt, einige Whalewatching-Touren gibt es natürlich gleichwohl. Brauchen wir aber ja nicht, nachdem uns die Buckelwale schon so einen wunderbaren Empfang bereitet haben.

Überhaupt weicht das Bild, dass die Fremdenverkehrsseiten von Samaná zeichnen, ein kleines bisschen von dem Eindruck der Stadt ab, den wir bisher gewonnen haben. So oder so ähnlich sehen die Bilder der Tourismusbehörde aus, die auch in einem dieser Postkartenhäuser am Malecón ihre Dependance hat:

Bunt, ja. Aber auch deutlich gepflegter und weniger quirlig, als der Ort sich sonst präsentiert. Ein schönes Beispiel dafür ist der Markt, nur etwas weiter die Straße hinauf von der Promenade.

Was uns bei Obst und Gemüse positiv auffällt ist die fehlende Kühlung, so hält es sich an Bord wesentlich länger. Bei Fisch und Fleisch fehlt sie auch, das macht aber weniger Freude. Kleidung wird aus großen Säcken auf die meist zuvor mit Pappe ausgelegte Erde gekippt und aus diesen großen Bergen heraus verkauft. Bevorzugtes Verkehrsmittel sind kleinere Motorräder, meist ohne Helm und gern mit drei oder mehr Personen belegt. Es gibt auch Motorradrikschas und natürlich Autos. Anders als in Puerto Rico aber eher nicht amerikanische V8-SUVs. Es mutet afrikanisch an, und das nicht ohne Grund. Ein Großteil der Bevölkerung hat seine Wurzeln dort und stammt von verschleppten Sklaven ab, was sich auch in der lokalen Küche und sogar der hiesigen Kirchenlandschaft mit einer wichtigen afrikanisch-methodistischen Episkopalkirche widerspiegelt.

Das man hier auf Touristen eingestellt ist, zeigt sich derzeit vor allem an den Ausflugsangeboten. Neben dem Whalewatching werden insbesondere Bootstouren hinüber in den Nationalpark Los Haitises oder auf die „Bacardi“-Insel Cayo Levantado angeboten. Luis, der uns beim Einklarieren geholfen hat, sammelt die Crews von 5 Booten für einen Hike zum Wasserfall „Salto de Limón“ ein, die zudem noch ein paar Stops beinhaltet. 22 Euro pro Person, touristisch, klar, aber auch sehr informativ. So lernen wir etwa, dass die meisten Zigarren nicht etwa in Kuba, sondern eben der Dominikanischen Republik produziert werden. O.k., das ist eine quantitative, keine qualitative Aussage. Aber die Manufaktur, die wir besichtigen (Las Ballenas Premium Cigars) zeigt uns eben auch, wie gute Zigarren in Handarbeit von einem Torcedor (Zigarrenroller) erstellt werden.

Nebenbei lernen wir auch noch einiges über andere lokale Produkte, etwa Kakao. Zum Beispiel, dass die Kakaofrucht einmal aufgeschlagen so aussieht:

und die Kakaobohnen in ihrer Fruchtfleischhülle zwar gelutscht (schmeckt etwa wie Litschi), aber nicht gekaut werden sollten. Braucht dann doch noch ein paar Verarbeitungsschritte, bis da vernünftige Schokolade draus wird 😉.

Aber dieses Wissen ist bei unserem nächsten Ausflugsteil, dem eigentlichen Hike, dann auch gleich nützlich. Denn mit Hilfe unseres Guides erspähen wir im Wald wilde Kakaobäume, gut zu erkennen an den (allerdings noch grünen und damit unreifen) Kakaofrüchten.

Wir könnten den ersten Teil des 2,5 km Hikes zum Wasserfall von El Limon auch auf dem Rücken eines (geführten) Pferdes zurücklegen, aber wir genießen lieber die schöne Wanderung durch den Wald, die zumeist an einem Flüsschen entlang führt. Witzig ist, dass die Reiter Gummistiefel erhalten, weil die Pferde den lehmigen Weg doch etwas matschig treten. Wir können aber in Wanderschuhen ganz gut „neben der Spur“ entlang gehen.

Auch die Jicoteas (oder Hicoteas) Dominicana, eine endemische Sumpfschildkröte, genau genommen eine nur hier auf der Insel heimisch vorkommende Unterart der Nordamerikanischen Buchstaben-Schmuckschildkröte, hätten wir sonst wohl eher nicht gesehen und auch das Muli des Kokosnussammlers wäre uns vielleicht nicht aufgefallen oder jedenfalls hätte sich uns der Sinn der Körbe nicht erschlossen.

Erstmal kommen wir zur „Cascada pequeña“, dem kleinen Wasserfall.

Schon ganz hübsch, aber das eigentliche Ziel der Wanderung folgt dann etwas später und ist auch mehr mit anderen (überwiegend einheimischen) Touristen zu teilen. Der „Salto El Limón“ stürzt etwas mehr als 40 m in die Tiefe und ergießt sich in ein Becken, in dem wir baden können. Ein Süsswasserbad, lange nicht gehabt. 😁

Auf der Rückfahrt sehen wir einmal mehr, wie weit die Schere hier in der Dominikanischen Republik auseinandergeht. Es gibt prachtvolle Ville hinter hohen Mauern, aber vor allem sehen wir auch viele kleine Hütten, meist bunt bemalt, manchmal aber auch nur schlichtes rohes Holz, deren Wohnfläche kaum als Familienheim zu taugen scheint. Nebenbei, es gibt eine unfassbar hohe Anzahl an Bancas und an Lotecas, beide bezeichnen Lotterieverkaufsstellen. Aber in Lateinamerika stehen die Einwohner der Dominikanischen Republik mit ihrer Lotteriebegeisterung wohl nicht allein.

Hike “Vereda la Coca” im El Yunque Nationalwald von Puerto Rico

Ein weiteres Mal machen wir regen Gebrauch von unserem Mietwagen, diesmal zieht es uns in den Nordosten von Puerto Rico. Dafür stellen wir sogar den Wecker, denn wir möchten früh los kommen. Per Internet haben wir über die Website des “El Yunque National Forest” ein Ticket reserviert. Muss spätestens am Vortag ab 8.00 Uhr passieren, sonst kommt man mit dem Auto nicht in den Nationalwald hinein.

Nationalwald, nicht Nationalpark! Spannende Unterscheidung, es gibt unter US-amerikanischer Hoheit 154 Nationalwälder und 63 Nationalparks. Der große Unterschied ist, dass die Nationalparks dem Innenministerium zugeordnet sind, die Nationalwälder aber dem Landwirtschaftsministerium. Eigentlich sind Nationalwälder damit auch z.B. forstwirtschaftlich nutzbar, aber für „El Yunque“ trifft das kaum zu. Er ist der einzige tropische Regenwald unter den 154 Nationalwäldern und ist augenscheinlich forstwirtschaftlich nicht genutzter Urwald. Die einzige Landstraße, die ihn von Nord nach Süd durchquert, ist auf einem kleinen Stück unterbrochen und durch Schranken abgesperrt, so dass zwei Sackgassen entstanden sind. Kein Durchgangsverkehr. Aber im Wortsinn ist eben doch Durchgang möglich, es gibt mehrere ausgeschilderte Wanderungen. Wir entscheiden uns für den „Vereda la Coca“, 6 km lang. 3 km hin, 3 zurück auf der gleichen Strecke, zusammen etwa 590 Höhenmeter. Allerdings steht gleich am Eingang ein Warnschild: „Very difficut and rugged trail, know your limits.“

Das geht man besser nicht in Flipflops an, die Wanderschuhe sind geschnürt, Proviant und vor allem Wasser haben wir dabei, Regenjacken auch, schließlich gehts in einen Regenwald. Badesachen haben wir aber auch dabei, denn am Ende des Weges lockt eine Badestelle. Drei kleine Flussdurchquerungen gilt es zu bewältigen, aber die größte Schwierigkeit ist der oft steile und fast immer rutschige Untergrund. Wir müssen auf großen Teilen der Strecke wirklich bei praktisch jedem Schritt sehr genau darauf achten wo wir den Fuß absetzen, wenn er weder abrutschen noch im Matsch versinken soll (in dem schon Sneeker von Vorgängern stecken).

Etwa 2 1/2 Stunden brauchen wir für den Hinweg. Aber statt Bad gibt es erst einmal eine Dusche. Ein Wolkenbruch kommt pünktlich zu unsere Ankunft. Erst suchen wir (ziemlich vergeblich) Schutz unter dem Blätterdach, dann machen wir aus der Not eine Tugend, verstauen die Klamotten im wasserdichten Rucksack und – ab ins Wasser. 10 Minuten später reißt der Himmel wieder auf und wir können das Bad richtig genießen.

Ganz alleine übrigens, nur ein einziger Power-Wanderer hat uns auf dem Hinweg überholt und kommt uns schon vor der Badestelle wieder entgegen. Ein Pärchen, dass wir auf dem Parkplatz getroffen haben kommt erst am Badeplatz an, als wir uns nach einer Stärkung wieder zum Aufbruch rüsten.

Der Rückweg ist durch den starken Regenschauer noch etwas rutschiger als der Hinweg, aber dafür geht es diesmal zumeist bergauf, das macht es zwar etwas anstrengender, aber auch etwas leichter trittsicher zu gehen. So kommen wir diesmal mit rund zwei Stunden für die Strecke aus. Vögel hören wir übrigens deutlich mehr als auf unseren letzten Hikes, aber durch das dichte Blätterdach bleiben sie fast immer unseren Blicken verborgen. Nur einmal bekomme ich mit der Kamera doch einen vor die Linse:

Ganz besonderes Glück: es ist ein Puerto Rico – Todi, ein nur hier auf der Insel vorkommender Rackenvogel. Die eher kleinen (11 cm) und eher stämmigen Todis graben mit ihrem Schnabel einen etwa 30 cm langen Bau in die gerne lehmigen steilen Erdhänge und Uferböschungen, davon dürfte er hier genug finden.

Statt anderer Vögel kann ich aber immerhin einige tropische Schmetterlinge ablichten (von links nach rechts: Vanillefalter, Zebrafalter und Dryas iulia, auch als Fackel oder Julia bezeichnet).

Und dann sind wir auch schon wieder am Coca-Wasserfall, der den namensgebenden Fluss nahe des Eingangs zum Nationalwald in die Tiefe stürzen lässt. Was für eine herrliche Wanderung! Morgen ist dann aber wohl eher Ausruhen angesagt.

Für den Rückweg wählen wir die Küstenstraße über Fajardo, nur ein wenig länger als der Hinweg auf der direkteren Strecke über den Gebirgsrücken, aber so bekommen wir noch etwas mehr von dieser wunderschönen und abwechslungsreichen Insel Puerto Rico zu sehen.

Hinterland und Hintergründe in Puerto Rico

Wir haben das Auto für eine Woche gemietet, Kosten 250,- US$ (210,- €), teilbar durch uns vier. Für eine dreiviertel Tankfüllung haben wir gestern übrigens unter 25 US$ gezahlt. 😁

Also nutzen wir den Wagen gleich mal noch für eine Fahrt nach Ponce (gut 40 km westlich gelegen) und zu einer Kaffeeplantage im gebirgigen Hinterland.

Die Strecke nach Ponce überrascht ein bisschen, denn anders als bei unserem Trip nach San Juan kurven wir nicht durch steile Berge, sondern fahren in der hier flachen Küstenregion durch intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen. Zumeist sehen wir große Bananenplantagen, aber auch Gemüsefelder. Repräsentativ ist das aber nicht, denn tatsächlich macht der Zuckerrohranbau noch immer denn größten Anteil an der Landwirtschaft in Puerto Rico. Fast 1,3 Mio Tonnen werden jährlich produziert, Bananen einschließlich der Kochbananen bringen es “nur” auf etwa 1/10 davon, rund 145.000 Tonnen. An Kaffee werden übrigens etwa 15.000 Tonnen produziert, das reicht nicht um weltweit in die TopTen zu kommen. Allein das Hauptanbauland Brasilien, in dem rund 30 Prozent des weltweiten Kaffees geerntet werden, produziert jährlich über eine Million Tonnen Kaffee. Wie überhaupt die Landwirtschaft in Puerto Rico nicht mehr so dominant ist wie in früheren Zeiten. So machte allein der Zuckerrohranbau 1930 noch 50 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeit und 30 Prozent der gesamten ökonomischen Aktivitäten des Landes aus, die Landwirtschaft beschäftigte über 40 % aller Arbeitnehmer. Die Amerikaner hatten diese Entwicklung nach ihrem Sieg im Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 massiv vorangetrieben. Ab den 40er bzw. 50er Jahren aber erfolgte ein Industrialisierungsprogramm, das mit Steuererleichterungen für Industrieinvestitionen gestützt wurde. Allerdings konnte dies eine massive Abwanderung vor allem junger Puertoricaner in die USA nicht verhindern. Das liefert nicht nur den Hintergrund für Leonard Bernsteins in dieser Zeit entstandene „West Side Story“, in dem Shakespeares „Romeo und Julia“ ins moderne New York verlegt und die verfeindeten Familien durch die rivalisierenden Gangs der amerikanischen „Jets“ und der puertoricanischen „Sharks“ ersetzt werden. Es zeigt sich auch heute noch in der Bevölkerungsstruktur, denn unfassbare zwei Drittel aller Puertoricaner leben heute in den USA, der größte Anteil tatsächlich in den Bundesstaaten New York und New Jersey.

Ab 1976 galt gar eine Freistellung für in Puerto Rico erzielte Gewinne amerikanischer Unternehmen von Bundessteuern. Das führte zu einem enormen industriellen Aufschwung in Puerto Rico, zumal der Export diverser Produkte von hier in die USA zollfrei war. Ab 1993 wurden diese Vergünstigungen dann schrittweise bis 2006 wieder abgebaut, insbesondere pharmazeutische und Hightech-Unternehmen konnten aber längere Zeit weiter profitieren. Trotzdem brach der Arbeitsmarkt im produzierenden Gewerbe ein, es folgte eine weitere Auswanderungswelle ins Kernland USA. Heute ist die Arbeitslosigkeit in Puerto Rico etwa doppelt so hoch wie in den USA, auch die Verschuldung ist höher als in allen US-Bundesstaaten. Gleichwohl: puertoricanischen Arbeitern steht grundsätzlich der US-Mindestlohn von 7.25 US$ (in Trinkgeld-Berufen allerdings nur 2,13 US$!) zu, der Lebensstandard ist insgesamt höher als in den anderen Karibikländern. Und natürlich fließen auch erhebliche Mittel zurück auf die Insel, z.B. von den Exilpuertoricanern, zurückkehrenden Rentnern oder solchen, die hier einen Zweitwohnsitz eingerichtet haben. Viele Gebäude auf der Insel wirken entsprechend doch ziemlich schmuck.

Unser erstes Ziel Ponce punktet mit einem netten Stadtzentrum mit zum Teil kolonialer Architektur rund um zwei zentrale Parks, zwischen denen die Kathedrale und weiter am Rand das in den Stadtfarben schwarz-rot gestrichene “Parque de Bombas” als kleines Feuerwehrmuseum steht.

Der Besuch im Industriegebiet zwecks Einkauf bei IKEA erweist sich dagegen als Flop: im IKEA hier kann man nur bestellen, nicht mitnehmen. Die Lebensmittelabteilung und damit Knäckebrot und eingelegte Heringe fehlen gleich ganz. 😢

O.k., dann also auf zur Kaffeeplantage. Von der Crew der Valentin hatten wir schon gehört, dass covidbedingt die meisten Plantagen derzeit nicht zu besichtigen sind. Wiebke ertrüffelt im Internet aber doch noch eine geöffnete, sogar mit Restaurant. Ab in die Berge.

Die “Cordillera Central” zieht sich als Gebirgskette mit diversen Spitzen über 1.000 m (höchster Berg ist der Cerro La Punta mit 1.338 m) einmal längs von West nach Ost über die ganze Insel, über 60 % des Staates sind zumeist dünn besiedelte Berge. Und durch die kurven wir jetzt. Auf kleinen und kleinsten Straßen, die Herzen der Motorradfahrers in mir und in Ingo lachen (die Schlaglöcher werden von diesen Herzen dabei erstaunlicherweise ignoriert). Bis auf etwa 800 m schrauben wir uns hoch, der seltene Gegenverkehr bedeutet mit unserem Auto meist Vollbremsung und Herantasten an die Asphaltkante. Aber es ist wirklich eine Wonne, durch diese Landschaft, dieses satte und doch abwechslungsreiche Grün zu cruisen.

Erst gegen 16.00 Uhr erreichen wir die Kaffee-Hacienda. Ein “Open”-Schild hängt im Fenster, aber: sie ist für Besucher geschlossen, das Internet hat uns angelogen. Oder unser Glaube an die Wahrheit der Info dort war schlicht zu groß 😚. Macht aber nix, wir haben die Fahrt durch die Berge sehr genossen und viel von dem Hinterland in Puerto Rico gesehen. Und uns in einer Bäckerei, die als Notersatz für das Restaurant der Hacienda herhalten musste, dann auch ausreichend für den Heimweg gestärkt. Sogar ein Päckchen Kaffee „unserer“ Plantage konnten wir dort ergattern.