Passage Fiji nach NZ, Tag 3: Murphy ist ein Segler

Chaos-Tag. Die Seekrankheit ist noch da, wird aber langsam besser. Muss sie auch, denn mitten in der Nacht sackt wieder das Vorsegel durch und rutscht teilweise ins Wasser. Wir können es bergen. Es ist ein hartes Stück Arbeit, obwohl es diesmal “nur” 20 kn Wind sind und nicht 30 kn wie beim letzten Mal im April.

Nach der Erfahrung vom April laschen wir das Segel diesmal nicht an den Seezaun, sondern ziehen es gleich mit dem Ersatzgenuafall wieder hoch. Aber entweder hat es bei der Bade-Aktion schon einen kleinen Schaden am Keder bekommen oder wir beschädigen ihn beim Einfädeln. Die unteren zwei Meter gehen nicht in die Nut und das Segel lässt sich bei diesen Bedingungen auch nicht wieder herunterziehen, der Teil über den zwei Metern ist blockiert.

Unsere Notlösung: das Segel eng ins erste Reff wickeln. So können wir weitersegeln. Sechs Stunden lang. Dann ein kleiner Knall und das Segel sackt wieder durch. Offenbar ist auch der Schäkel vom Ersatzfall entweder aufgegangen oder gebrochen. Das gibt’s doch nicht: 45.000 Meilen passiert das nicht und dann gleich drei Mal hier zwischen Neuseeland und Fiji. Immerhin kann die Fock diesmal nicht ins Wasser rutschen, weil sie ja schon ein bisschen eingerollt ist.

Wir rollen sie ganz ein, da ist im Augenblick nichts zu machen. In den Mast zu gehen kommt bei diesem Geschaukel nicht in Frage.

Wir dümpeln bei 15 bis 20 kn Wind unter Groß, aber alleine ist mit diesem Segel kein Amwindkurs zu fahren und wir haben etwa 60° Windwinkel zum 600 Meilen entfernten Ziel.

Nach einiger Überlegung entschließen wir uns, den Code0 zu setzen und nur ein kleines Stück auszurollen. Das tut dem Code0 ganz sicher nicht gut, aber es balanciert das Boot so weit aus, dass wir mit einfach gerefftem Groß Kurs anlegen können und sogar wieder einigermaßen Geschwindigkeit machen.

Essen: Bratkartoffeln für Wiebke, trockene Cracker für mich.

Etmal: 155 sm, gesamt 489 sm, noch ca. 580 sm bis Marsden Cove.

Schlimm für den allerdings ohnehin schon etwas verschlissenen Code0, aber im Moment wohl unsere beste Option.

Passage von Opua nach Minerva, Tag 3

Seekrank.

Die Wellen haben nochmal zugenommen und scheinen kreuz und quer zu kommen. Dazu Böen über 30 kn. Das Groß ist st inzwischen dreimal gerefft.

Der Wind ist um 30° nördlicher gesprungen, das ist unschön, denn nun segeln wir am Wind. War allerdings auch von allen Wettermodellen so vorhergesagt.

Demnach sollte sich die Windrichtung ab morgen wieder langsam verbessern.

Wiebke hält sich gut, ich muss beim Zähneputzen dann doch spucken. Immerhin sind danach meine Kopfschmerzen weg.

Zur Nacht kommt noch Regen dazu. Die Wolken verdecken meistens auch den Mond. Es fühlt sich an, als würden wir auf einem bockenden Bronco-Pferd durch die stockdunkle Nacht jagen. Einer von uns hält die Zügel, der andere versucht auf dem Rodeopferd zu schlafen. Alle drei Stunden wechseln wir uns ab. Obwohl, immerhin bleiben wir trocken. Die an die Bordwand klatschenden Dwarslöper schicken zwar Wasserfontänen Richtung Cockpit, aber die aufgebaute Kuchenbude hält sie draußen. Erstmal.

Irgendwann explodieren die Wellen so an der Bordwand, dass sich doch auch Wasser durch den Schlitz zwischen Sprayhood und Kuchenbude ins Cockpit ergießt. Immerhin bleibt die Bank auf der Leeseite trocken.

Die dauernden Schwallwasser-Schläge setzen leider auch den Fenstern zu. Die Dichtungen scheinen unter der Tropensonne doch gelitten zu haben, Tropfen füllen die Handtücher, die wir hinter die Gardinen gestopft haben.

Am Morgen (immerhin bei Tageslicht) bricht dann der erst drei Jahre alte Schäkel des in Hawaii erneuerten Fockfalls. Kleine Ursache, große Wirkung. Das Segel rutscht nach unten und teilweise auch ins Wasser. Es ist bei 25 kn Wind und drei Meter Welle eine ziemliche Plackerei, die Fock wieder an Bord zu ziehen und provisorisch an der Seereling zu sichern.

Ein Ersatzgenuafall ist im Mast zwar geriggt, bei den unveränderten Bedingungen wollen wir das Segel aber nicht neu einfädeln und hoch ziehen, weil es gefährlich schlagen könnte und vielleicht auch in Fetzen ginge.

Mit dem Groß allein können wir bei diesem Seegang aber die Höhe nicht halten. Wir beißen in den sauren Apfel und motorsegeln erstmal Richtung Minerva.

Shit happens. es gibt solche Tage.

Etmal 143 Seemeilen, gesamt 463 Seemeilen, noch gut 300 Seemeilen bis Minerva. Wir hoffen, dass der Wind wie angesagt wieder auf etwas südlicher als Ost dreht.

Essen: Knäckebrot, für Wiebke sogar mit Belag.