Vorkehrungen für Ex-Zyklon Vaianu

Ein Thema dominiert derzeit die Nachrichten hier in Neuseeland:

Bei vielen Kiwis werden Erinnerungen an den Zyklon Gabrielle wach, der im Februar 2023 Neuseeland traf, 11 Tode verursachte und immense Schäden anrichtete. Nicht nur die brutalen Winde, sondern vor allem die mit Gabrielle einhergehenden sintflutartigen Regenfälle sorgten unfassbare 140.000 dokumentierte Erdrutsche und in der Folge auch für zum Teil tagelange Stromausfälle, längere Zeit gesperrte Straßen und zerstörte Brücken.

Wie damals Gabrielle war jetzt auch Vaianu zwischenzeitlich ein Zyklon der Kategorie drei. Zum Glück für die tropischen Inselgruppen ging er zwischen Vanuatu und Fiji hindurch, Landfall wird Vaianu dann Samstag/Sonntag (hoffentlich schon deutlich abgeschwächt) in Neuseeland machen.

Wieso eigentlich abgeschwächt? Tropische Wirbelstürme (je nach Region Hurrikan, Taifun oder Zyklon genannt) benötigen Wassertemperaturen von über 26,5° Celsius, um zu entstehen. Der „Treibstoff“ dieser Wirbelstürme ist die sehr warme und sehr feuchte Luft, das Aufsteigen großer Mengen verdunstenden Wassers. Das Wasser kondensiert dann in der kälteren Höhenluft, wobei enorme Mengen an Energie freigesetzt werden. Das erklärt auch die immensen Regenmengen, die diese Wirbelstürme mit sich bringen.

Jetzt im Südhalbkugel-Herbst (wo der April dem Oktober der Nordhalbkugel entspricht) ist das Wasser um Neuseeland herum nicht mehr ganz so warm, insbesondere im Süden.

Aktuell sieht die Temperaturverteilung so aus:

In Orkanstärke bläst Vaianu daher schon jetzt nicht mehr. Wirklich entspannen kann Neuseeland deswegen aber noch nicht. Zu groß, zu mächtig ist das System noch. Mehr als deutlich wird das auf den aktuellen Satellelitenaufnahmen:

Und noch immer schiebt der Sturmwirbel Wassermassen vor sich her, die sich zur Höhe dreistöckiger Gebäude auftürmen. Für die Küste vor Whangārei werden bis zu 9 m hohe Wellen vorhergesagt.

Vor allem aber wird befürchtet, dass die starken Regenfälle bei den ohnehin von vorangegangenen Tiefdruckgebieten durchfeuchteten Böden an steileren Hängen erneut starke Erdrutsche auslösen könnten.

Unmittelbar von solchen „Landslides“ betroffen dürften wir auf der Flora hier im Hafen von Whangārei zum Glück nicht sein. Um unseren Liegeplatz herum gibt es eher sanfte Hügel. Hinsichtlich etwaiger Stromausfälle wären wir auf unserem Boot ja ohnehin autark. Vorräte haben wir eingekauft. Heute gilt es also, Flora so sturmsicher wie möglich zu vertäuen. Außerdem bauen wir das Bimini ab, um die Windlast zu verringern, sichern die Segel doppelt, füllen den Frischwassertank auf, laden die Batterien voll und nehmen die Starlinkantenne ab (sie funktioniert mit Einschränkungen auch im Boot).

Und jetzt heißt es abwarten.

Und … warme Socken stricken, weil der Wind über Süd herumdrehen und kalte Luft hier heraufschaufeln wird. Ganz klassisch, Wiebke strickt rosa Socken, ich blaue.

Refit der Flora in Neuseeland

„Refit“, das trifft es eigentlich ganz gut. Es war einfach mal wieder an der Zeit, unserer Flora eine Kur zu gönnen, sie wieder richtig fit zu machen. Seit fast sieben Jahren leben wir auf dem Boot, die vielen Jahre unterwegs haben Spuren hinterlassen. Klar, wir haben unterwegs immer wieder, eigentlich laufend, an ihr gearbeitet. Aber insbesondere die letzten Jahre in den etwas abgelegeneren Ecken des Pazifik haben für einen gewissen Service-Stau gesorgt. Zuletzt (und auch nur kurz) aus dem Wasser gekrant hatten wir das Schiff ja in Kanada. Neuseeland ist – was Ersatzteilversorgung und auch maritimen Service angeht – ein ausgesprochen guter Ort dafür, diesen Stau abzuarbeiten. Trotz der guten Infrastruktur hat das am Ende deutlich länger gedauert als zunächst veranschlagt, das war ja in den letzten Beiträgen bereits Thema. Aber ein Blick auf die Gesamtliste erklärt das schon ein bisschen.

  • Motor: große Inspektion, neue Motorfüße, neuer Turbolader, Einspritzdüsen geprüft, neuer Wärmetauscher, neues Motorinterface zum NMEA 2000 Netzwerk, neuer Anlasser (bisheriger als Ersatzteil, getauscht)
  • Antriebswelle: neues Wellenlager, neue Wellendichtung
  • Getriebe: Ölwechsel und Filterwechsel, Aquadrive-Kupplung ausgebaut und überprüft
  • Schaltung: neuer Schalthebel an der Steuersäule
  • Dieselgenerator: Instandsetzung nach Ausfall. Verstopftes Auspuffknie gereinigt, ebenso Wärmetauscher und Wasserabscheider, Kühlflüssigkeit erneuert, Ausgleichstank für Kühlflüssigkeit neu verlegt, neue Auspuffschläuche
  • Borddurchlässe und Seeventile: 23 Borddurchlässe (davon 17 im Unterwasserschiff) auf TrueDesign Kompositborddurchlässe umgestellt
  • Fäkalientanks: beide Schwarzwassertanks durch neu gefertigte Edelstahltanks ersetzt, diverse Leitungen und Ventile ebenfalls erneuert
  • Segel: vom Segelmacher durchgesehen, UV-Schutz an Fock und Großsegel erneuert, Großsegelunterliek repariert
  • Solarpanel: zwei zusätzliche Panel je 100 Wattpeak auf den Davids (zusätzlich zu dem 430 WP Panel, dafür neuen Aluminiumrahmen schweißen lassen. Zwei der vier 100 WP Panel auf dem Bimini erneuert
  • Bimini: repariert, neue Fensterfolie für den Blick in die Segel, nachgenäht und Klett erneuert
  • Navigationsinstrumente: Neuer Monitor am Kartentisch für den Bordcomputer, ORCA Navigation (ORCA Core und Display) ergänzt
  • Unterwasserschiff komplett überarbeitet, Schadstellen heruntergeschliffen und neu aufgebaut, über alles eine Epoxi-Sperrschicht und 5 neue Schichten Epoxi-Coppercoat
  • Sämtliche Polster im Salon, am Kartentisch und Sitz in der Achterkoje neu bezogen, Umbau der „Runden Ecke“ im Salon auf eckig
  • Waschmaschine neu (im vorderen Bad, Camec II 4 KG)
  • Wasserhähne und Dusch-Armaturen in beiden Bädern neu
  • Herd/Backofen neu (Kardanik in altem Herd war ausgerissen, zudem neu: Grillfunktion)
  • Ocean-Air Rollos repariert, mit neuen Verdunklungsstoffen und neuen Mückennetzen versehen
  • Gardinen im Achterschiff erneuert (selbst genähte Verdunklungsgardinen)
  • Laufendes Gut: Großsegelausholer erneuert
  • Wassermacher: Ölwechsel, Fitting neu eingedichtet, neue Membran (deren Einbau erfolgt aber erst, wenn wir wieder in klarem Meerwasser sind)
  • Bugstrahlruder: neue Propeller, neues Antifouling im Tunnel
  • Kielnaht erneuert
  • Anoden: neue Zinkanoden an Welle, Propeller, Bugstrahlruder und Kühlschrank (Kühlungen in den Bordduchlässen der Küchenspüle)
  • Gelcoat: kleinere Schäden im Bereich des Hecks repariert
  • Rumpf poliert (über der Wasserlinie)
  • Spiegel in beiden Bädern neu

Eine kleine Auswahl mit Vorher-, Chaos- und Nachher-Fotos:

Die Spiegel sind übrigens nach einer kleiner Irrversendung quer durch Neuseeland heute erst hier angekommen. Egal, besser spät als nie und wir sind ja noch hier. Letzteres allerdings nur, weil quasi in der Nachbarschaft Zyklone (so wird ein Hurrikan auf der Südhalbkugel genannt) unterwegs sind. Die Zyklonsaison dauert im Südpazifik regulär noch bis Ende April. Erst danach wollen wir uns Richtung Fiji aufmachen. Denn jetzt sieht es in den Tropen nördlich von Neuseeland so aus: während nordöstlich von Australien der tropische Zyklon Maila fast stationär seine Runden dreht, steuert der tropische Zyklon Vaianu gerade an Fiji vorbei südwärts Richtung Neuseeland. Dabei wird er sich über dem kälteren Wasser abschwächen (derzeit ist Vaianu in der Kategorie 3 eingestuft), aber nach bisheriger Prognose erwarten wir in Neuseeland zum Wochenende schlechtes Wetter mit extremen Regenfällen und sehr starken, in der Richtung drehenden Winden. Da bleiben wir lieber noch ein wenig hier im gut geschützten Whangārei etwa 30 Kilometer flussaufwärts der Küste.

Nebenbei sind wir Dauergast in den großen Supermärkten von Whangārei und stocken jetzt auch schon die langfristigen Proviantvorräte auf Flora für die kommende Saison wieder auf.