Update aus Fulaga und unerwartete Begegnungen

Wir sind immer noch Fulaga, haben es uns hier so richtig gemütlich gemacht, unseren eigenen Rhythmus gefunden.

Morgens gehen Wiebke und Barbara gemeinsam Strecke schwimmen, jeweils rund anderthalb Kilometer legen sie dabei zurück.

Ralph und ich beginnen zu dieser Zeit dann unsere erste Wingfoil-Einheit des Tages, nachmittags folgt dann meist eine zweite.

Wiebke bringt derweil dann ihre verschiedenen Strickprojekte voran, z.B. diesen Schal für Barbara.

Oder wir backen (ich Brot, Wiebke Kuchen oder Muffins), nutzen den Ofen dann auch gleich, um Crunchy-Müsli zu machen.

Spaziergänge am Strand …

… oder in den Ort zu unserer Gastfamilie. Die versorgt uns auch mit Obst und anderen Leckereien wie zum Beispiel einer schon gekochten Kokoskrabbe.

Unsere Gegengeschenke kommen aber umgekehrt auch gut an (diesmal eine 12V-Lampe und zwei Gläser Marmelade aus unseren Bordbeständen, bei unserem letzten Besuch zwei von uns nicht mehr genutzte semiflexible Solarpanele nebst Kabel und Regler).

Eine Wanderung soll uns hinauf zum Aussichtspunkt hoch über dem Dorf führen. Seru lässt es sich nicht nehmen, uns hinaufzuführen. Das ist ganz gut so, denn selbst wenn wir den Pfad vom Dorf aus wohl auch einfach nach Beschreibung gefunden hätten, den Einstieg zum Klettern auf den Felsen hätten wir wohl ohne ihn schlicht verpasst. Es geht fast senkrecht hinauf, ein Weg ist da nicht zu erkennen.

Lohnt sich aber sehr, der Ausblick über das Dorf mit der südlichen Bucht und zur anderen Seite bis hin zum Ankerplatz in der Lagune ist einfach fantastisch.

Zurück im Ort zeigt uns Seru ein traditionelles Einbaum-Ausleger-Segelkanu. Die drei Dörfer dieser Insel und ein Dorf auf einer Nachbarinsel haben für eine Regatta nach Jahrzehnten erstmals wieder jeweils eines davon gebaut. Leider wird es derzeit aber scheinbar nicht mehr viel genutzt, bereits etwas eingewachsen liegt es am Strand.

Alte handwerkliche Bootsbaukunst für das Boot selbst trifft zum Teil auf neue Materialien für das Zubehör. Ein Segel aus einer Plastikplane liegt um den Holzmast gerollt auf dem Einbaum-Rumpf, modernes Tauwerk schmiegt sich neben die kunstvollen Lasching aus Naturfasern. Es wäre toll, diese Boote hier auch wirklich segeln zu sehen.

Nach dem Spaziergang serviert uns Seru Trink-Kokosnüsse, ganz ohne Bewirtung geht es an diesem gastfreundlichen Ort einfach nicht.

An diesem Nachmittag haben wir dann zurück auf der Flora auch selbst Besuch – ziemlich unerwartet. Die USCGC Harriet Lane, ein 82 Meter langes Schiff der US-amerikanischen Küstenwache, patrouilliert seit gestern vor dem Pass in die Lagune. Die Amerikaner unterstützen die Küstenwache Fijis beim Kampf gegen die zunehmend auf dem Wasserweg nach Fiji geschmuggelten Drogen (wohl insbesondere Crystal Meth). Und so wird ein Tochter-Schlauchboot zu Wasser gelassen und kommt an unseren Ankerplatz gebraust. Die gemischte Crew aus Fiji und den USA boarded die Segelboote.

Nachdem erst lediglich ein paar benachbarte Boote ausgesucht wurden ist auch die Flora an der Reihe. Aber es ist ein sehr kurzer Besuch: ein Blick in den Motorraum, einer in die Bilge. Und ansonsten wird vom Officer des Fiji-Zolls lediglich der Papierkram kontrolliert. Haben wir einklariert, beinhaltet unser Cruising-Permit auch die Lau-Gruppe? Stimmen Bootspapiere und Pässe mit den Angaben überein? Alles gut, nach kaum fünf Minuten legt das Schlauchboot wieder von der Flora ab.

Freundlich und unkompliziert, es gibt unangenehmere Begegnungen. Zum Beispiel eine, die ich beim Schwimmen habe. Eine Portugiesische Galeere kreuzt meinen Weg. Kein antikes Kriegsschiff, sondern die nach diesem benannte quallenähnliche Polypenkolonie. Ich mache nur nähere Bekanntschaft mit einem vergleichsweise kleinen Exemplar. Unter 10 cm lang schätze ich die gasgefüllte Schwimmblase, mit der dieses Tier tatsächlich auch segelnd seine Fortbewegungs-Richtung verändert. Ärgerlicherweise sind die knallblauen Nessel-Tentakel unter Wasser trotzdem gut einen Meter lang. Ein Tier fotografiere ich, ein anderes nähert sich leider unerkannt. Als ich das Zweite bemerke, haben sich dessen Tentakel schon an meinem Schnorchel verfangen. Das bringt mir um die Taucherbrille herum ein paar brennende Hautberührungen ein. Ist aber zum Glück nicht so schlimm. Wiebke schabt die Reste der blauen Tentakel mit einer Muschel ab, das Zurückschwimmen zur Flora wirkt als Salzwasserspülung. Essig drauf an Bord und ein in kochendes Wasser getauchter Waschlappen helfen. Letzteren lege ich – sobald er kühl genug zum Aushalten ist – auf die betroffenen Hautstellen. Über 45° sollen die Proteine der Nesselzellen zerstört werden und bei mir hilft es tatsächlich sehr schnell.

Beim Schwimmen auf der anderen Seite der Sandbank, offen zum Wassergürtel in Windrichtung, werden wir jetzt deutlich vorsichtiger sein.

Der Ankerplatz der Flora ist zum Glück bei der jetzt herrschenden Windrichtung deutlich weniger gefährdet.

Tschüss Minerva

Photo credit: Jayne, S/V Scout

Es ist soweit. An diesem Wochenende geht der Wind endlich mal auf deutlich unter 20 kn herunter. Zeit, um ganz oben an der Mastspitze das Fockfall einzusammeln. James von der Scout assistiert an der Sicherungsleine, dadurch muss Wiebke nicht zwischen Genuawinsch und Mastwinsch hin und her flitzen.

Leider hat sich die Kausch des Falls etwas im Fallauslass verklemmt, also nochmal runter, neues Werkzeug holen, wieder rauf in 20 m Höhe und: ja, ich kann dasFall mit nach unten nehmen.

Wir bereiten die Ersatzfock vor und Phil von der Skylark bringt seinen Feeder herüber, der an einer kurzen Leine das Einfädeln der Fock in das Profilvorstag erleichtert. So ziehen wir gemeinsam die neue Fock hoch und und sind – endlich – wieder voll einsatzklar. Super, denn am Montag gibt es ein Wetterfenster für die Weiterfahrt nach Fiji.

Wir klaren die Flora auf, gehen nochmal Schnorcheln …

…, noch einmal eine lange Wingfoil-Session:

Und auch die Drohne kommt nochmal zum Einsatz, um die einmalige Atmosphäre dieses so besonderen Ruheplatzes mitten im Ozean noch einmal in Bildern einzufangen.

Die anderen Crews gehen derweil auf Lobsterfang, Minerva ist bekannt dafür. Jacqui und Phil bringen uns nach ihrer erfolgreichen Jagd ein Prachtexemplar vorbei:

Lobster credit: Phil & Jacqui, S/V Skylark

Festessen also auf allen Booten einschließlich der Flora! Da kommen sogar die silbernen Hummergabeln zum Einsatz. Das Geschenk unserer Freundin Catalina aus Hamburg hat uns schon in der Karibik, in Maine, in Alaska und BC und jetzt hier in Minerva gute Dienste geleistet. Mehrere Riesendankeschön, Ihr Lieben.

Ganz ohne weitere Bootsarbeit geht’s leider doch nicht ab, der Wassermacher streikt. Der Elektromotor der Hochdruckpumpe gibt keinen Mucks von sich. Strom kommt bei ihm an. Also ausbauen, reinigen. Eine der Kohlefaserbürsten ist defekt. Vom letzten Tausch haben wir aber noch eine gebrauchte, die noch ausreichend lang scheint. Wir setzen sie ein und siehe da, der Wassermacher tut wieder was er soll.

Also: die Passage nach Fiji kann starten.

Flora wieder mit Fock auf der Rollanlage

Minerva II

Eine Woche sind wir jetzt im Minerva Riff. Gestern haben wir nochmal verholt, liegen jetzt ganz im Süden der Lagune. Simpler Grund: der Wind hat auf Süd gedreht.

Auf fast allen Booten gibt es nach der fordernden Passage etwas zu reparieren oder zumindest trockenzulegen. Am härtesten von den fünf Booten mit denen wir hier liegen hat es ein australisches Boot getroffen. Der Anker hat sich unterwegs gelöst, ist aus der Ankerrolle gesprungen und hat von außen ein Loch in den Rumpf geschlagen. Zum Glück auf Höhe des Ankerkastens, trotzdem ist durch Lücken im Schaumkern des Laminats Seewasser ins Schiff gelaufen (etwa 10 Liter pro Stunde).

Marc von der Quantum sammelt auf den anderen Booten kleine Schrauben und Muttern ein. Bis auf 2 haben sich alle 30 Nieten seiner Solarpanelbefestigung verabschiedet, da muss jetzt eine neue Lösung her.

Immerhin 8 passende Schrauben und Muttern finden sich in unserem Bestand, 3 bei der Scout, 6 hat Marc selbst und den Rest kann die Skylark beisteuern. Nieten hätten wir natürlich auch, aber denen traut Marc jetzt nicht mehr.

Die Stromversorgung unseres UKW-Funkgeräts ist zwar wiederhergestellt, aber etwas später erschreckt es uns mit einem Alarm. Die Funke erhält keine zuverlässige GPS-Position mehr. Scheint ein Problem mit einem defekten NMEA2000-Stecker zu sein. Blöderweise ein Stecker am Ende eines Kabels, das wir so nicht ohne weiteres ganz austauschen können. Also ist mal wieder etwas Improvisation gefragt. Zwischenstand dazu: scheint jetzt wieder zu funktionieren.

Außerdem wird gebacken, gestrickt, gebadet, geschnorchelt und das Wingfoil endlich mal wieder genutzt.

Vorgestern war Sundowner auf der Skylark:

Heute Abend hat Marc zum Spieleabend auf die Quantum geladen.

Langweilig wird uns nicht 😉.

Ein Wochenende in Rangiputa

Die Bootsarbeiten hier in Whangārei werden wohl noch einige Zeit andauern. Einige Ersatzteile sind bestellt. Das Wochenende bietet eine gute Gelegenheit für etwas Abstand – im Wortsinne.

Wir fahren mit dem Auto etwa zweieinhalb Stunden nach Norden. Nicht zur hinauf zum Cape Reinga, der Nordspitze von Neuseelands Nordinsel, das wäre fast doppelt so weit. Unser Ziel ist Rangiputa auf der Karikari-Halbinsel, immerhin schon im District „Far North“ gelegen. Unsere neuseeländischen Segelfreunde Jacqui und Phil von der Skylark haben uns nach dort in ihr Ferienhaus eingeladen.

Wir halten die beiden mit unserem Besuch zwar von der Arbeit an der Erneuerung ihrer Terrasse ab, aber die beiden versichern uns, etwas Abwechslung von dieser Arbeit (und der Bootsarbeit auf Skylark) käme ihnen durchaus gelegen.

Es wird ein wunderschönes Wochenende. Jacqui und Phil sind leidenschaftliche Wingfoiler und auf der Terrasse direkt am Meer findet sich denn auch eine reichliche Auswahl an Spielzeugen. Der Wind hat allerdings ebenfalls eine Auszeit genommen. Kein Problem, wechseln wir hat auf ein anderes Spielzeug: mit dem Mini-Traktor zieht Phil sein kräftig motorisiertes RIB-Schlauchboot etwa 100 m die Straße hinunter zur Slipbahn.

Wiebke und ich fahren im RIB mit. Jacqui bringt Traktor und Trailor zurück, wir holen sie dann auf der Wasserseite ihres Grundstücks ab. Gemeinsam brausen wir über die Bucht und versuchen an verschiedenen Stellen unser Angelglück.

Allerdings: beim ersten Versuch haben wir nur bedingt Erfolg. Einen Pigfish lassen wir zurück ins Wasser und als sich Phils Angel danach dann so richtig biegt, ist es es kolossaler „Bronze Whaler“. Dieser kräftige Hai zieht uns eine ganze Weile kreuz und quer am Riff entlang, bis wir es im flachen Wasser nah an ihn heran schaffen und die Leine kurz abreißen können. Beim zweiten Versuch am nächsten Tag haben Phil und ich deutlich mehr Angelglück. Die gekauften Köderfische sind zwar so weich, dass sie im Wasser aufgetaut praktisch gleich vom Haken fallen, aber wir erwischen mit der Schleppangel einen „Kahawai“ (eine Art Lachsforelle), der sich kleingeschnitten hervorragend als Köder eignet. Damit fangen wir dann in kurzer Zeit 7 Snapper (zwei setzen wir zurück) und einen Trevally (Dickkopf-Stachelmakrele). Das Festessen ist also gesichert, zumal Phil beim Strandspaziergang am 3 km langen Karikari Beach auch noch fleißig „Tuatua“ sammelt. Diese sich im Sand vergrabenden Muscheln sind eine typische neuseeländische Speise, oft werden sie (frikadellenartig) zu Fritters verarbeitet.

Weil der Wind zum Wingfoilen nicht reicht, verlegen wir uns auf das Tow-Foilen. Es ist nicht ganz so einfach wie hinter unserer Florecita, weil das RIB mit seinem 115 PS Motor doch für ganz ordentliche Prop-Wash-Verwirbelungen sorgt. Aber nachdem ich dem etwas ausweiche und mich an Jacqui‘s ungewohnt schmales Downwind-Board sowie die mit viel Lift agierenden Armstrang-Foils gewöhnt habe, klappt es dann doch noch.

Es geht auch ruhiger: Wiebke und Jacqui nutzen die Terrasse zum morgendlichen Yoga und lassen sich auch von den auf dem Rasen vorbeispazierenden kalifornischen Schopfwachteln (wieder so eine heimisch gewordene importierte Art) nicht irritieren.

Ein herrliches Wochenende, die Zeit verfliegt. Zum Abschluss begleiten uns Jacqui und Phil noch eine Stunde auf der Rückfahrt Richtung Whangārei. Gemeinsam besuchen wir das Weingut „Marsden Winery“ bei Kerikeri und essen wunderbar im dortigen Restaurant.

Danke, Ihr Lieben, für Eure Gastfreundschaft und die tolle Zeit mit Euch!

Tonga: Ha‘apai und weitere Vorbereitung auf Neuseeland

Das Einchecken in die Ha‘apai-Gruppe erledigen wir im Hauptort Pangai auf der Insel Lifuka. Noch ein kurzer Spaziergang durch den etwas gesichtslosen Ort: mehrere kleine chinesische Lebensmittelläden, ein Markt, auf dem allerdings kaum etwas angeboten wird, die für Tonga so typischen freilaufenden Schweine, eine verfallende Hafenmole.

Es sind für uns nicht so sehr die Ortschaften, die Tongas Charme ausmachen. Also holen wir nach den Formalitäten und dem Spaziergang gleich wieder den Anker auf. Nur eine Insel weiter geht’s, nach Uolefa, quasi einen Steinwurf entfernt und doch auch gleich in eine andere (Gefühls-)Welt.

Palmen erheben sich über einen ewig langen Sandstrand, an den Seiten säumen zwei Riffe die Bucht. Sie bieten zusätzlichen Schutz vor dem hier scheinbar dauernd präsenten Pazifik-Schwell, der immer einen Weg um die Inseln herum zu finden scheint. Und sie laden mit vielfältiger Korallenwelt zum Schnorcheln ein. Ganz besonders gefallen uns die Harlekin-Feilenfische mit ihren orangenen Flecken auf blauem Grund, die wir hier erstmals sehen.

Schnorcheln kann aber andererseits durchaus Arbeit sein. Wir kratzen weiter an Floras Unterwasserschiff herum, insbesondere auch die Nischen sollen frei von Bewuchs und Pocken sein. Das ist zum Beispiel an den Borddurchlässen und am Ruder sowie dessen Beschlägen nicht ganz einfach. Mit allen möglichen improvisierten Werkzeugen versuchen wir die Ritzen und Spalten zu reinigen. Und es fällt leider auf, dass unser CopperCoat-Antifouling in den über 6 Jahren und über 40.000 Seemeilen doch gelitten hat. Wenn man genau hinschaut kann man allerdings auf dem Bild vom letzten echten Anschliff (vor 4 Jahren in den USA) schon ein paar Macken und Unebenheiten erkennen. Angeschliffen sieht man übrigens die Kupferfarbe, die im Salzwasser dann zum grünen Kupferoxid wird. Na gut, die Überarbeitung ist jetzt umso dringender fällig und steht in Neuseeland an.

Wir beantworten den Fragebogens des neuseeländischen MPI-Ministeriums (dem auch für Biosecurity zuständigen Ministry for Primary Industries) mit Fragen wie z.B.:

  • When were the internal pipework/strainers last treated or cleaned? (Please provide a date or indicate if never treated).

Für die Fragen zur Reinigung des Unterwasserschiffes fordert uns das MPI auf, „Evidence of the last hull cleaning“ auf einen vom MPI bereitgestellten Share-file-Link hochzuladen. Wir senden aktuelle Videos vom jetzt sauberen Unterwasserschiff, dabei fallen uns die Macken aber natürlich besonders unangenehm auf.

Überhaupt nimmt uns die Vorbereitung für die Passage zum Minerva-Riff und weiter nach Neuseeland doch ein bisschen mit. Wir vergleichen die Wettermodelle mehr als ohnehin üblich, versuchen herauszufinden, ob und eventuell für wie lange ein Stop auf Minerva möglich und empfehlenswert wäre. Windy und das Departure-Planning-Tool auf PredictWind laufen heiß. Die Wettersituation ist nicht ganz einfach und die Auswahl des möglichen Abfahrtstermins bereitet uns (wie den meisten anderen Seglern hier) durchaus Kopfzerbrechen.

Schöner Ausgleich: Wingfoilen. Vielleicht sind ja die dabei anfallenden Nasenspülungen verantwortlich, aber jedenfalls wird der Kopf wieder frei.

😊

Tonga, Port Maurelle und Vorbereitung für Neuseeland

Da waren wir doch schon mal? Ja, die Bucht Port Maurelle ist nämlich Ankerplatz #7. Das ist der erste Ankerplatz, den wir mit Emma und Claas angelaufen hatten. Jetzt sind wir wieder dort, denn nach erfolgter Re-Proviatierung wurden uns die Bedingungen vor Neiafu in südlichen Winden doch etwas rollig. Also kurz um die Ecke verholen und: herrliche Ruhe.

Dieser schöne Platz hat zudem den Vorteil, dass ich nur ein paar Meter aus der geschützten Bucht hinaus muss, um relativ gute Bedingungen zum Wingfoilen zu haben.

Ganz allein liegen wir hier natürlich nicht, zwischenzeitlich liegen wir hier mit acht Schiffen. Platz ist aber genug und meist sind wir auch nur vier oder fünf.

Das Wetter ist ziemlich wechselhaft, zwischen schöne Abschnitte schieben sich auch graue und regnerische Tage. An denen kümmern wir uns um den bürokratischen Aufwand, den die geplante Weiterreise nach Neuseeland so mit sich bringt. Formulartechnisch und was die hohen Anforderungen der Biosecurity angeht ist Neuseeland mit Sicherheit der aufwändigste Staat auf unserer bisherigen Reise (ja, hatte ich im letzten Beitrag schon erwähnt, aber es beschäftigt uns derzeit wirklich sehr). Wir arbeiten uns langsam heran, immerhin haben wir inzwischen bereits eine Steuernummer für das temporäre Einführen der Flora zugeteilt bekommen. Und mit Hilfe eines von Mareike geborgten „Fleischerhandschuhs“ aus Edelstahl-Kettengliedern habe ich sogar den Raum zwischen den beiden Propellern unseres Bugstrahlruders und die Rückseiten der Propeller leidlich reinigen können. Das von der Biosecurity übermittelte „Schedule 3: Required locations for vessels biofouling inspections“ listet 89 (sic!) Stellen am Schiff auf, die besonders begutachtet werden sollten. Auch wenn nicht alle zum Tragen kommen (wir haben auf unserem Segelboot zum Beispiel keine Stabilisatoren und kein Heckstrahlruder) bleibt doch eine ganz Menge übrig. Ein Freund hat bei seinem Boot deshalb Unterwasservideos zum aktuellen Zustand von 31 dieser Stellen vor der Abfahrt auf den jedem Bootseigner individuell zugesandten Link hochgeladen und inzwischen die Freigabe erhalten.

Also sind auch wir weiter intensiv mit dem Putzen des Unterwasserschiffs und insbesondere der verborgeneren Stellen beschäftigt. Die Innenräume der Borddurchlässe, den Spalt vorm Ruder, die Seiten des Leinenschneiders am Propeller, all sowas. Dazwischen streuen wir normale Schnorchelgänge hier in der Bucht ein. Obwohl die Korallen wenig spektakulär sind, finden wir z.B einen schönen aber giftigen Dornkronenseestern, Feuerfische, Anemonenfische, Riesenmuscheln, Federsterne, uns bisher unbekannte Lippfische und sogar Lobster und Tintenfische.

Und einen Schwarm „Bienchenfische“ (kleine, schwarz-gelb gestreifte juvenile Sergeant Major Riffbarsche) an unserer Ankerkette.

Tonga: Kenutu

Wir genießen die Tage am Ankerplatz #30 vor der Insel Kenutu. Das Anlanden auf der unbewohnten Insel ist einfach, zum Ankerplatz hin ist Kenutu von einem Sandstrand gesäumt. Von dort führt ein langsam ansteigender Pfad durch den Wald hinüber zur Ostseite.

Die dem Passatwind zugewandte Ostseite präsentiert sich dann ganz anders. Steile Klippen fallen vielleicht 15 m hoch ins Meer ab, das mit einer am ruhigen Ankerplatz kaum zu spürenden Wucht gegen die Felsen brandet. Noddies, Boobies und die mit ihren langen weißen Schwanzfedern so auffälligen Tropikvögel nutzen die Aufwinde der Klippen und segeln über der spritzenden Gischt durch die Bucht.

Oben am Klippenrand geht der Pfad in beide Richtungen noch etwas weiter zu den nächsten Felsenbuchten. Ab und zu führt er ein kleines bisschen weiter ins Inselinnere und sofort ändert sich die Vegetation. Knorrige Kiefern wechseln sich ab mit Hainen von Pandanus-Palmen. Die rotbraunen Ringe am Stamm lassen ahnen, warum sie auch Schraubenbäume genannt werden. Sowohl die aufgefächerten Stelzenwurzeln als auch die „Baströckchen“ alter Blätter sind typisch und ziemlich unverwechselbar. Der in Größe und Form an eine Ananas erinnernde Fruchtstand lädt aber nicht zum Naschen ein, denn diese Scheinfrüchte setzen sich aus etwa 100 kleinen Steinfrüchten zusammen. Sie sind zwar essbar, es ist aber sehr mühselig, sie aus dem umgebenden, faserigen Pflanzenstoff herauszulösen. Verwendet werden vor allem die Blätter, sie eignen sich gut zum Flechten, etwa von Matten und Körben.

Oberhalb der Steilküste finden sich auch erodierte Flächen, die den hier auffällig roten, lehmigen Boden zeigen.

Und immer wieder gibt es auf unserer kleinen Wanderung auch Ausblicke auf die felsigen Buchten.

Wie unterschiedlich sich der Ankerplatz im Westen und die Felsküste im Osten präsentieren kann vielleicht dieses kurze Video etwas besser illustrieren:

Die Ankerbucht lädt zum Wingfoilen ein und gemeinsam mit Volker von der Tomorrow und James von der Scout wird also fleißig geübt. Und der Absprung nach Neuseeland rückt langsam aber sicher näher, einige unserer Segelfreunde sind sogar schon unterwegs. Die Formalitäten und insbesondere die strengen Anforderungen der Biosecurity nehmen in den Gesprächen zwischen den Seglern immer mehr Raum ein. Die Unterwasserschiffe werden ausgiebig geputzt. Auch bei uns.

Ein willkommener Ausgleich: das gemeinsame Grillen und Feiern am Strand, dass an so einem herrlichen Ort natürlich nicht fehlen darf.

Cruising Life. 😊

Tonga: mit Federsternen und Kugelfischen zur Ostküste von Vava‘u

Bisher haben wir uns in Tonga‘s Vava‘u-Gruppe fast nur im besser geschützten zentralen und nordwestlichen Teil aufgehalten. Es wird Zeit, auch den etwas exponierteren Süden und die Inseln am Ostriff zu erkunden.

Floras Track auf Noforeignland

Der Weg ist das Ziel, er ist hier mit Palmen und Sandstrand gesäumt.

Und auf diesem Weg machen wir zunächst am Ankerplatz #22 (Taunga) halt. Der Ankerplatz ist nur als „daystop“ ausgewiesen, aber inzwischen wurde hier eine einzelne Übernachtungsboje ausgelegt.

Wir haben Glück, die Boje ist frei. die gut gewarteten Bojen kosten in Tonga übrigens regelmäßig 20 TOP pro Nacht (etwa 7 €).

Abnehmender Wind ist angesagt, langsam von Südost auf Ost rückdrehend. Sowohl das Abnehmen als auch das Rückdrehen verspäten sich allerdings. Die Folge ist, dass Flora in der Nacht dann doch ziemlich rollt, weil das Riff um Hochwasser herum noch zu viel Welle zum Ankerplatz lässt.

Am nächsten Morgen verholen wir deshalb zum besser gegen diese Windrichtung und die damit einher gehenden Wellen geschützten Ankerplatz #10 (Lisa Beach). Wie schon am Ankerplatz #22 gehen wir auch hier wieder schnorcheln. Diesmal ist es allerdings kein steil abfallendes Riff mit vielen Fischen, sondern ein Korallengarten im Flachwasserbereich. Wir entdecken unter anderem Anemonenfische, bunte Schwämme und Elefantenohren (Korallen, die fast wie Quallen aussehen).

Was zudem auffällt ist die ungeheure Menge an Seesternen. Blaue und rosafarbene Seesterne, aber auch große Kissenseesterne. Und darüber hinaus auch Federsterne. Sie erinnern an farnartige Unterwasserpflanzen, sind aber tatsächlich Tiere, die nah mit Seesternen und Seeigeln verwandt sind. Einzelne Korallen auf den Sandflächen sind von unzähligen schwarz-weißen Preußenfischen und grünblauen Chromies umschwärmt. Und wir finden sogar einen Weißfleck-Kugelfisch. Eigentlich im Lichtspiel der Wellen des flachen Wassers schwer zu erkennen, verrät er sich durch seine leuchtend gelborangenen Augen und den runden schwarzen Schulterfleck um seine Brustflossen. Er bleibt auf seine Tarnung vertrauend regungslos am Grund sitzen.

Auch sonst bekommen wir an diesem Ankerplatz einiges geboten. So kann ich hier mal wieder schön Wingfoilen, der Wind hat immer noch nicht abgenommen. Und gegen Abend legt ein kleines Boot vom einzigen Gebäude am Ufer ab und fährt zu den einzelnen Ankerliegern. Anders als zunächst vermutet, soll aber keine Ankergebühr einkassiert werden, stattdessen wird uns geflochtenes und geschnitztes Kunsthandwerk angeboten.

Nach einem kleinen Crewwechsel wird dann danach noch vom gleichen Boot aus in der Bucht gefischt.

Beim Drohnenflug am nächsten Morgen können wir über unsere Bucht hinweg schon mal einen Blick auf unser nächstes Ziel werfen, die im Osten liegenden „Outer Islands“.

Die Route dorthin ist allerdings durchaus Respekt einflößend. Wie unser Treck in der Navionics-Seekarte zeigt, führt sie über mehrere Flachs, bei denen wir mit unseren 2 Metern Tief schon sorgfältig navigieren müssen.

Wiebke steht im Bug und kontrolliert per „Eyeball Navigation“, ob ich am Steuer die Karte richtig lese. Tatsächlich lässt sich die Wassertiefe und die Lage der Bommies jetzt bei hochstehender Sonne so sehr gut abschätzen.

Wir kommen im Zickzack unbeschadet durch das Gewirr und finden einen herrlichen Ankerplatz (#30, Kenutu). An unserem Platz liegen wir nahe am Durchbruch zwischen den Inseln Kenutu und Lulu. Nach Norden hin schließen sich mit weiteren Durchbrüchen die Inseln Umuna, Faioa und Koloa an. Befahrbar ist keiner dieser Durchbrüche, bei Ebbe trocken fallende Riffe schotten die Lagune hier ab und setzen sich auch nach Süden noch weiter fort. Zusammen mit den Riffen und Flachs innerhalb dieses Teils der Lagune führt das zu einem Farbenspiel aus Grün, Türkis und Blau, das wohl eine ganze Menge von der Zeit verblasste Südseeträume wieder kolorieren kann.

Tonganisches Fest am Ankerplatz #16, Vaka‘eitu

Wir bleiben ein paar Tage am Ankerplatz vor der Insel Vaka‘eitu. Das gar nicht so kleine Eiland hat 10 Einwohner, die alle zu einer Familie gehören. Dorothy, die sich als Schwiegertochter des Familienoberhaupts vorstellt, lädt für Freitagabend zum „Tongan Feast“. Gleichzeitig soll dabei der 2. Geburtstag ihrer Tochter Haye gefeiert werden. „Je mehr Gäste, je besser.“ sagt sie. Die Segler in der Bucht lassen sich nicht lange bitten, über 30 von uns finden sich unter dem imposanten Ovava (Banyan-Baum) am Ufer ein, hier findet die Feier statt. Und natürlich gibt auch Wiedersehen unter Seglern, für uns zum Beispiel mit Mareike von der Moana und ihrer Crew, mit Annette und Jan von der Black Marlin sowie mit Judy und Todd von der Galileo.

Daniel, Dorothy‘s Mann, dreht schon das Spanferkel am langen Holzspieß über dem offenen Feuer.

Auf einer Tafel ist ein großes Buffet mit tonganischen Gerichten aufgebaut. Los geht’s aber erst, nachdem Dorothy eine Begrüßungsrede mit anschließendem Gebet gehalten hat, so ist es Tradition.

Dorothy mit Haye und Sane im Arm, im Hintergrund die Schwägerinnen Rosemary und Anne.

Und natürlich bekommt das Geburtstagskind auch Geschenke (von uns Stifte, Papier und Knetgummi).

Das Prinzessin-Kleid hält Haye selbstverständlich nicht davon ab, mit ihrem älteren Bruder und den Cousins ins Wasser zu laufen und durch den Sand zu krabbeln. Die Insel ist nunmal auch der Spielplatz. Und wenn schon mal Dinghies da sind, werden die als Spielgeräte einfach einbezogen.

Anne und Rosemary bringen nach dem Essen auch noch eine Vorführung tonganischer Tänze dar, auch offenbar vorgebildete Seglerinnen werden einbezogen (Anne gibt auf Wunsch auch tonganische Tanzkurse).

Angeregt durch das tonganische Buffet frage ich Anne am nächsten Tag nach „Pele“. Geschmacklich irgendwo zwischen Spinat und Kohl angesiedelt, werden diese Blätter einer speziellen Hibiskus-Pflanze in der tonganischen Küche sowohl gebraten als auch gekocht verwendet.

Anne hat sie reichlich in ihrem Garten angepflanzt. Verkaufen möchte sie sie nicht, aber auf Bitten der mitgelaufenen Kinder vielleicht gegen ein paar Süßigkeiten eintauschen? Ich hole vom Boot Haribo für die Kleinen. Die deutsche Süßigkeit ist ganz passend, denn der Nachname der Familie lautet Wolfgramm. Der Grabstein von Emil Otto Frederick Wolfgramm war uns schon auf dem Friedhof in Neiafu aufgefallen, er hatte sich im 19. Jahrhundert hier niedergelassen und eine Tonganerin geheiratet.

Und sonst? Wir packen nach langer Zeit mal wieder die Wingfoils aus. Seit Mai bin ich nicht mehr gefahren, ich muss mich erst mal wieder etwas eingewöhnen, aber es macht Riesenspaß. Nicht nur mir. Mit dem Dinghy ziehe ich Emma und Claas auf dem Foilboard. Erst mal im Knien. Und auf dem Strand üben wir das Handling des Wings, nicht ganz einfach bei dem ziemlich böigen Wind.

Außerdem wandern wir über die Insel, paddeln, schnorcheln, und bewundern den Korallengarten bei Ebbe.

Bora Bora #2: Sehr positiv überrascht!

Jetzt sind wir schon ein paar Tage auf Bora Bora.

Neben Tahiti ist es wohl die bekannteste Südsee-Insel. Die Tourismus-Branche vermarktet sie als DIE romantische Honeymoon-Location schlechthin, allerdings zugleich als ungemein exklusiv und entsprechend als eines der kostspieligsten Urlaubsziele im Südpazifik. Die Overwater-Bungalows – angeblich hier auf Bora Bora „erfunden“ – liegen pro Nacht inzwischen deutlich im vierstelligen Euro-Bereich.

Da haben wir im Inwater-Bungalow „Flora“ also schon mal ziemlich viel Geld gespart. Die Preise für die praktisch obligatorischen Moorings sind nämlich nicht so unverschämt. Umgerechnet zahlen wir zu dritt etwa 230 Euro pro Woche, etwa 11 Euro am Tag pro Person. Klar, für ankerverwöhnte Langfahrer summiert sich das bei längerem Aufenthalt ganz schön auf, aber ob es von einer Stipvisite abhalten sollte?

Nach allem, was wir vorher so über die Insel gehört und gelesen haben, fürchten wir ein Super-Edel-Luxus-Inselchen mit Jet-Ski-und Tour-Boat-Gewusel, permanentem Hubschrauber-Lärm und Schicki-Micki-Boutiquen. Reservierung für den Bojenplatz sehr empfohlen.

Wollen wir da wirklich hin?

Schon vor der Ankunft relativiert sich manches. Auf unsere WhatsApp-Nachricht an BoraBora Mooring Services bekommen wir selbst am Samstagabend sofort eine Antwort. Kein Problem, reichlich Moorings frei. Vielleicht war es gut, dass wir bis nach dem Etappenstart der World-ARC-Flotte gewartet haben, vielleicht wäre aber auch ohnehin etwas frei gewesen.

Die Haupt(-einkaufs-)straße des Inselstädtchens Vaitape bietet tatsächlich einige Souvenirshops, Bars, Restaurants und Südsee-Perlen-Boutiquen, aber von Schicki-Micki-Passagen ist das dann doch denkbar weit entfernt:

Und ja, es gibt Tourboote und Jetskis.

Fairerweise halten sie aber offenbar – anders als etwa in Moorea – meist gebührenden Abstand. Das ist auch vergleichsweise leicht möglich, die Lagune um die Insel bietet reichlich Platz. Auch für uns, die Bojenfelder sind mit großzügigen Abständen gesetzt und unseres ist nur spärlich belegt, zeitweise liegen nur ganze drei Boote hier.

Auch zum Wingfoilen gibt es reichlich Raum und Gelegenheit, Elisa tastet sich da mit ersten Übungen mit dem Wing auf dem Paddelboard und später auch auf dem Foilboard langsam ebenfalls heran.

Was uns aber am allermeisten fasziniert, ist die traumhafte Landschaft hier auf Bora Bora.

Seit unserer Anfahrt haben wir die Hauptinsel fast ganz umrundet, zum Teil außerhalb, zum Teil innerhalb des Atolls.

Der hochaufragende Berg Otemanu präsentiert sich dabei und auch je nach Lichteinfall immer wieder neu, immer wieder auf andere Weise beeindruckend. Der vulkanische Ursprung Bora Boras ist unverkennbar. Naturgewalt und Naturschönheit.

Dazu Farben der Lagune, das saftige Grün der Palmen, das Weiß der Brandung und das tiefblaue Wasser des Ozeans drum herum.

Ja, nur so wird man als Insel wohl zu dem exemplarischen Beispiel des Südseetraums.