Tonga. Vava‘u und die Flora halten uns auf Trab.

Was für ein wunderbares Revier. Auch wenn wir gerne länger an einem einmal gewählten Ankerplatz bleiben, wollen wir unseren Gästen doch auch etwas Abwechslung bieten. Hier in der Vava‘u-Gruppe fällt das leicht. Die traumhaften Ankerplätze liegen nahe beieinander und selbst zum Hauptort ist es meist nur ein kurzer Schlag.

Für eine Nacht stoppen wir am Ankerplatz #6 (Mala). Wir sind begeistert vom Schnorcheln an den kleinen Felsinselchen, viel bunter Korallenfisch, Moränen, Anemonen und damit auch Clownfische, das alles in kristallklarem Wasser.

#6

Beim Abduschen nach dem Schnorcheln gibt’s allerdings eine unangenehme Überraschung: nur ganz kurz kommt noch Wasser. Hm. Die Tankanzeige steht auf voll, die Pumpe macht allerdings ein seltsames Geräusch. Also dann muss wohl eine Ersatzpumpe ran, die hatten wir allerdings auch wegen viel zu häufigem Anspringen ausgetauscht und eigentlich nur als Teileträger behalten. Jetzt macht sie kurzfristig mehr Druck und bringt den Wasserhahn zum Sprötzeln, mehr aber auch nicht. Sollte die Tankanzeige klemmen und der Tank leer sein?

Wir stellen den Wassermacher an und motoren zum Ort. Wir holen unsere gefüllte Gasflasche ab, außerdem die neuen Crew-Shirts. Und wir füllen die Vorräte auf. Außerdem finden wir beim Schiffsausrüster noch eine neue 12V Druckwasserpumpe – super, zumindest ein funktionierendes Backup. Einbauen brauchen wir sie noch nicht, mit dem jetzt wieder gefüllten Frischwassertank funktionieren Dusche und Wasserhähne wieder. Das bedeutet allerdings, dass wir den Salontisch ausbauen und die Bodenbretter losschrauben müssen. Nur so kommen wir an die Inspektionsluke für den Wassertank und können die klemmende Tankanzeige wieder gängig machen. Emma und Claas werden natürlich zur Bootsarbeit mit eingespannt.

Zur Belohnung gibt es Abends im „Basque“ ein Abschiedsessen mit Bonnie und Bob von der Scout. Die beiden wollen weiter nach Fiji und werden wohl das nächste passende Wetterfenster nehmen. Da sie in Fiji aber länger bleiben werden, treffen wir sie hoffentlich dort im Frühsommer 2026 wieder.

Wir verholen am nächsten Morgen ein weiteres Mal, jetzt zum Ankerplatz #16 an der Insel Vaka‘eitu. Auf dieser privaten Insel lebt nur eine zehnköpfige Familie. Am Strand treffen wir Dorothy mit zwei ihrer drei Kinder. Sie begrüßt uns freundlich und erlaubt uns bereitwillig, auf ihrer Insel herum zu wandern. Wir melden uns auch gleich für das „Tongan Feast“ an, das hier am Ende der Woche stattfinden soll.

Zurück am Dinghy erwartet uns eine Überraschung: direkt am Strand schlängelt sie sich schwarz weiß geringelt im flachen Wasser: das sieht nach einer hochgiftigen gebänderten Seeschlange aus.

Wäre allerdings nicht sehr gefährlich für uns, denn diese gut einen Meter langen Schlangen haben ein so kleines Maul, dass sie Menschen eigentlich kaum beißen könnten. Und – wichtiger – das Tier sieht wirklich nur sehr ähnlich aus. Tatsächlich bedient sich hier ein gebänderter Schlangenaal der Mimikry. Er imitiert in seiner Erscheinung weitgehend die Seeschlange, ist aber komplett harmlos. Erkennbar ist er vor allem an der Zeichnung am Kopf (Auge im weißen Bereich) und an den gelegentlich vorkommenden schwarzen Punkten in den weißen Bereichen. Das musste ich allerdings erst mal nachschlagen. Diese Schlangenaale lieben flache sandige Flächen in Lagunen und Riffen, aber es ist trotzdem der erste seiner Art, den wir sehen.

Auch der heutige Morgen bringt uns Tiere direkt ans Schiff. Als wir wach werden, hören wir rund um die Flora herum in kurzen Abständen ziemlich heftiges Plantschen. Ein Schwarm kleiner Fische sucht unter unserem Boot Schutz. Diverse Raubfische versuchen sie vom Rumpf weg an die Oberfläche zu treiben, wo sie sich leichter jagen lassen. Die ins Wasser gehaltene GoPro enthüllt, dass neben Dicklippen-Makrelen einige Blauflossenmakrelen und auch mehrere kleine Thunfische (Wavyback-Skipjacks) zu den Jägern gehören.

Einige Noddie-Seeschwalben, vor allem aber eine Menge an Schwarznacken-Seeschwalben nutzen die Gelegenheit, um die aus ihrem Versteck getriebenen kleinen Fische von oben anzugreifen.

Es ist insgesamt ein langanhaltendes ordentliches Spektakel. Die uns als Zuschauern gebotene Unterhaltung passt ja eigentlich auch gut zu einen Ankerplatz, der ein wenig an ein natürliches Amphitheater erinnert.

Passage Samoa nach Tonga, Tag 2 und angekommen

Der zweite Tag der Passage beginnt wie der erste, ziemlich rau. Das fordert leider auch Tribut, eine besonders fiese Welle schüttelt die Flora durch und die halbkardanische Halterung bricht. Für die Nichtsegler: diese Halterung sorgt dafür, dass der Herd und damit die darauf befindlichen Pfannen und Töpfe in der Horizontalen bleiben, auch wenn das Boot von einer Seite zur anderen schaukelt.

Eigentlich wirkt der Herd nur etwas schief und er schwingt halt nicht mehr. Bei näherer Betrachtung müssen wir aber erkennen, dass die fest am Herd selbst verbaute linke Schwingachse gebrochen ist. Auf dieser Seite ist der Herd dadurch heruntergesackt und hat sich im Schacht verkantet.

Immerhin, dadurch laufen wir nicht Gefahr, dass uns der schwere Herd durch das Schiff fliegt.

Zum Glück wird der Seegang im Laufe des zweiten Tags auch langsam ruhiger, das Segeln angenehmer. Und nach nur etwa 52 Stunden sind wir auf Tonga angekommen, machen am Gouvernement Dock in Neiafu fest (in Tongas nördlicher Vava’u-Gruppe).

Das “Tonga Customs Advance Notice of Arrival“ hatten wir wie gewünscht schon vorab per Email übermittelt, trotzdem sind für Zoll, Health und Immigration nochmal 8 Seiten Papier auszufüllen. Aber das ganze Prozedere geht recht flott und die Officer sind freundlich.

Wir verholen uns ein kleines Stückchen weiter in die Bucht und finden auch noch eine freie Mooring. Auf dem Weg sehen wir schon einige bekannte Yachten. Ganz besonders freuen wir uns, am Abend noch mit Heather und Jim von der Kavenga unser Ankommensbier trinken zu können.

Die beiden hatten wir zuerst auf Vancouver Island in Kanada getroffen und danach noch mehrfach unterwegs in den USA und in Französisch-Polynesien.

Am nächsten Tag widmen wir uns dem Saubermachen und Aufräumen der Flora, der Wieder-Inbetriebnahme des Wassermachers und natürlich dem dringenden Projekt “Herd”.

Der Ersatzteilefinder beim maritimen Versandhandel SVB versorgt uns mit einer Oxplosionszeichnung, das kaputte Teil ist aber leider nicht bei SVB erhältlich. Kein Wunder, es ist fest mit der Seitenwand des Herdes vernietet. Also bauen wir den Herd aus und nehmen ihn auseinander. Wir können nur improvisieren. Die Seitenwand bringe ich mit dem Dinghy zu einem verfallenen Dock in der Nähe. Dort richtet der Funkenflug keine Schäden an, als ich mit der Akkuflex die Vernietung von der Edelstahlwand entferne. Wieder an Bord kann ich den restlichen Niet ausschlagen und das Loch auf die Größe einer 8ter Senkkopfschraube vergrößern, auf der Innenseite mit großer Unterlegscheibe und Muttern gekontert. Den Herd wieder zusammenbauen, dabei auch gleich die Mechanik der Frontklappe reparieren. Der Senkkopf kann dann von oben in die Halterung im Herdschacht rutschen, so die Theorie.

Wunder über Wunder, die Kardanik funktioniert wieder. Mal schauen wie lange, aber fürs erste sollte es gehen.

Von Tonga haben wir noch nicht viel gesehen, aber das kommt jetzt.

😊

Zurück in Apia, Samoa

Der Monat „Heimaturlaub“ ist so schnell vergangen, der Rückflug nach Apia steht an. Am allerletzten Tag kommt noch der Glaser und wechselt das obere Fenster im Bad aus. Die innere Scheibe der Dreifachverglasung war ohne äußere Einwirkung einfach gesprungen. Handwerker alten Schlages mit nettem Humor und mit einer klassischen Werkzeugkiste, wie ich sie schon lange nicht mehr gesehen habe.

Sehr schön, ist das zum Abschluss auch noch erledigt.

Am nächsten Morgen bringt uns Jan zum Flughafen, wir steigen ins erste von vier Flugzeugen auf dieser Rückreise zur Flora.

eher: Tschüss

Immerhin: auf dem mit etwa 12 Stunden Flug längsten Teilstück von Frankfurt nach Singapur haben wir richtig viel Beinfreiheit:

Sechs Stunden Aufenthalt in Singapur, wir nutzen die Zeit, um ein Juwel zu besuchen. Direkt am, eigentlich fast im Changi Airport, liegt nämlich zwischen den Terminals 1-3 das „Jewel“. Etwa 22.000 qm groß, erinnert das runde, in Fassade und Dach von über 9.000 Glasstücken eingefasste Gebäude tatsächlich an ein in Facetten geschliffenes Juwel. 💎

Auf fünf Ebenen bietet es Shopping und Food-Plazas, vor allem aber beinhaltet es in seiner Mitte einen großen Park rund um den weltgrößten Indoor-Wasserfall, der vom Dach aus rund 40 m in die Tiefe stürzt. Selbst die den Park durchquerende Flughafenbahn wirkt da klein. Und manche Gäste machen vor der Kulisse des Wasserfalls ziemlich imposante Dehnübungen zwischen den Flügen …

Für uns geht’s danach in einem 10stündigen Flug weiter nach Fiji. Nochmal ein paar Stunden Aufenthalt. Wie schon in Singapur 🇸🇬 grüßt auch in Fiji 🇫🇯 am Flughafen ein Schild mit unserem Nachnamen darauf …

😜

Endlich in Apia angekommen, haben wir bei der Einreise nach Samoa noch ein Einzelgespräch mit dem Zoll gewonnen. Das Aufgabegepäck wird nämlich bei der Einreise noch einmal durchleuchtet. Ist das eine Nähmaschine da in ihrem Gepäck? Bitte machen sie das doch mal auf. Und was ist das da? Kondensatoren für unseren Generator. Und das? Ersatzteile für unser WC.

Wir werden aufgeklärt, dass wir das eine Woche vorher beim Zoll hätten anmelden müssen. Wäre für Yachten in Transit zollfrei, nur eine Gebühr von 20 Tala (etwa 6,50 €) für die Bearbeitung würde anfallen.

Samoanisch freundlich: Sollen wir doch bitte beim nächsten Mal beachten. Das versprechen wir. Und gut ist.

Mit dem Taxi geht’s zur Marina und nach 43 Stunden Reise um die halbe Welt sind wir zurück auf der Flora. Besonders schön ist, dass die Gesundheit auf der Rückreise keine Zicken mehr gemacht hat.

Tja, und jetzt?

Irgendwofür haben wir die ganzen Ersatzteile ja mitgeschleppt. Beide WCs funktionieren inzwischen wieder, der Heißwasserboiler auch. Dort war übrigens nicht wie vermutet der Heizstab der Übeltäter, lediglich das Termostat musste ich tauschen. Und auch die neue Wasserpumpe im Generator ist eingebaut. Sieht goldig aus, ist aber trotz ihres Preises nur Messing.

Blut und Schweiß und Fluchen waren involviert, es ist also eine echte Bootsarbeit. So muss das wohl.

Angekommen und glücklich.

Der Alltag nach der Feier: Starlink Mini und Bootsarbeiten

Was machen wir eigentlich so die ganze Zeit hier in Apia? Das fragen wir uns manchmal selbst, denn die Tage scheinen so schnell vorbei zu fliegen.

Zunächst mal nutzen wir die Zeit, um von der vergleichsweise guten Versorgungslage zu profitieren. Insbesondere der „Lucky Food“-Supermarkt bietet eine recht gute Auswahl und überrascht uns gelegentlich mit lange nicht gesehenem: Brokkoli und Blumenkohl zum Beispiel. Und Lamm – wir kommen Neuseeland näher. Aber nicht nur Lebensmittel kaufen wir ein. Im „Bluebird – Lumber and Hardware“-Baumarkt finden wir neue wasserabweisende Kissen fürs Cockpit, diversen Kleinkram und – nicht ausgestellt sondern versteckt in der Glaskabine des Marktleiters – einen neuen Starlink-Mini. Das freut uns ganz besonders. Zwar funktioniert unser Starlink (Gen. II Dishy) an Floras Heck wirklich gut, aber er ist leider extrem energiehungrig. Etwa 10 Ampere verbraucht er pro Stunde, verdoppelt damit ungefähr unseren Grundverbrauch. Der kleine Starlink Mini sollte sich ungefähr mit der Hälfte begnügen, das wäre dann tatsächlich eine immense Verbesserung. Und zugegeben haben wir uns an die durch Starlink-Satelliten-Internet eröffneten Online-Möglichkeiten selbst an entlegenen Orten und auf hoher See so gewöhnt, dass wir gerne ein Backup hätten. Der Starlink Mini ist nur etwa so groß wie eine DIN A4 Seite und benötigt keinen zusätzlichen Router, kann theoretisch sogar über einen leistungsstarken USB-C Anschluss versorgt werden. Wir haben ihn hier im Hafen erst einmal provisorisch unter dem Vorschiffsluk platziert und sind mit seiner Leistung mehr als zufrieden.

Allerdings müssen wir uns für den Einsatz auf See noch eine gute Befestigung überlegen. Scheibenbefestigungen mit Saugnäpfen gibts zwar online, aber die haben wir hier in den Geschäften noch nicht gefunden. Improvisation ist mal wieder gefragt.

So auch bei der Reparatur unserer Solarpanel, quasi auf der umgekehrten Seite: wie kommen wir zu Energie.

Auf Bora Bora hatte ja eine 42 kn Böe den nach inzwischen 7 Jahren mürbe gewordenen Nähten unserer guten SunWare-Solarpanele den Rest gegeben und sie vom Bimini (dem Sonnenschutz über dem Cockpit) gerissen. Die Solarpanel selbst sind heil geblieben und funktionstüchtig. Aber der angenähte Stoff ist bei einem Panel ganz, bei den anderen teilweise abgerissen. Dabei sind auch ein paar Tenax-Knöpfe aus dem Bimini gefetzt und haben Löcher hinterlassen.

Durch den Kunststoffrand der Panel können wir mit unserer einfachen (Haushalts-) Nähmaschine nicht nähen. Segelmacher können das mit ihren kräftigen Maschinen, aber leider gibts auf Samoa keinen Segelmacher. Wie so oft ist auch hier die Noforeignland-App eine große Hilfe. Mit ihr machen wir einen Polsterei-Betrieb ausfindig, der auch Notreparaturen an Segeln durchführt. Mit dem Taxi fahre ich zum am Stadtrand gelegenen Unternehmen. Im Gepäck habe ich neben den Panels auch Sunbrella-Stoff für die Reparatur.

Joseph probiert zunächst in meinem Beisein aus, ob er durch die Panel nähen kann. Das klappt, und so lasse ich ihm die Sachen da. Zwei Tage später kann ich sie repariert wieder abholen.

Preiswert ist das Ganze auch noch und so entschließen wir uns, das Bimini nochmal komplett abzubauen und von ihm reparieren und verstärken zu lassen. Zwei weitere Taxifahrten an den Stadtrand von Apia, aber Taxifahrten sind hier ausgesprochen günstig, einfach zwischen 5 und 10 Tala (etwa 1,70 bis 3,30 Euro). Und der Taxifahrer wartet gerne, um auch die Rückfahrt mitzunehmen. Die Tenax-Knöpfe schraube ich vorher ab und schlage sie hinterher neu ein. Das funktioniert gut und so hat Flora wieder eine etwas bessere Energieversorgung.

Insgesamt haben wir theoretisch 830 Wattpeak an Solar, davon 430 durch das große Panel auf den Davits an Floras Heck.

Weitere 400 Wattpeak könnten die Solarpanel auf dem Bimini liefern. Die jetzt wieder einsatzfähigen SunWare-Module steuern ja seit Jahren zuverlässig 200 Wattpeak bei. Die semiflexiblen sind zwar nicht ganz so effektiv wie das feste Panel auf den Davits, aber immerhin. Ein ziemlicher Reinfall dagegen sind die (deutlich billigeren) SunBeam-Panel. Für diese hatten wir erst letzten Oktober in Tahiti von einem Segelmacher eine Befestigung mit Reißverschüssen und Klett auf dem Bimini machen lassen. Aber schon jetzt liefert eines der Panel gar keine Leistung mehr, zudem werden beide Panel an der Oberfläche so matt, dass auch die Leistung des zweiten Panels jedenfalls beeinträchtigt ist.

Da werden wir uns wohl im Winter in Neuseeland auf die Suche nach einem hochwertigeren Ersatz machen müssen.

Und was gibt’s sonst noch so an Bootsarbeiten? Wir nehmen alle Vorhänge ab, behandeln sie gegen Spak und waschen sie. Danach holen wir uns Fingerkrämpfe beim Wiederaufhängen, weil gefühlt hunderte kleine Haken verdeckt durch die Ringe in den Schienen an den Fenstern gefädelt werden müssen. Und wir betreiben im Motorraum Ursachenforschung für die Überhitzung des Generators. Genau genommen schließen wir einige mögliche Ursachen aus. Der Impeller ist ok, die Schäuche sind es auch. Das Leck scheint in der Seewasserpumpe selbst zu liegen und auch der Wärmetauscher muss ausgebaut und gereinigt werden. Wir bleiben also bis Neuseeland wohl erstmal ohne Dieselgenerator, aber das ist nicht weiter schlimm.

Außerdem wird das Schiff mal wieder ausgiebig mit Süßwasser gewaschen, ein Luxus hier am Steg im wasserreichen Samoa.

Langweilig wird uns jedenfalls nicht.

Tag 2 der Passage zu den Cook Inseln

Zwischenstopp auf Maupiha‘a. Wir haben zwar in Bora Bora ausklariert und sind zu den Cook Inseln aufgebrochen, aber eine kleine Komplikation gibt es dann doch noch. Der Dieselgenerator quittiert den Dienst mit der Fehlermeldung „Motor Temp“. Die Nachschau unter der Schallschutzhaube zeigt eine ziemliche Sauerei: offenbar ist Salzwasser herumgespritzt und auf dem heißen Gehäuse verkrustet. Sieht nach einem heftigen Problem mit der Seewasserpumpe des Generators aus.

Das ist doppelt blöd. Zum einen haben wir dafür kein Ersatzteil, zum zweiten kommt der Defekt zur Unzeit, weil ja auch ein Teil unserer Solarpanel derzeit nicht einsatzfähig ist. Stromsparmodus ist angesagt. Dramatisch ist das nicht, die Kühlschränke bleiben an, der Autopilot auch. Immerhin haben wir noch 500 WP an Solar, den Windgenerator und natürlich zur Not auch noch die Lichtmaschine vom Motor.

Wir machen einen Zwischenstopp auf Maupiha‘a, einem kleinen Atoll etwa 130 Seemeilen westlich von Bora Bora. Der Generator wird soweit möglich von der Salzverkrustung befreit und der Schaden näher begutachtet. Das Problem könnte von einem Defekt der Dichtung an der Welle der Seewasserpumpe herrühren, näheres lässt sich so noch nicht sagen. Auch nicht, ob Folgeschäden durch Überhitzung aufgetreten sind.

Hilft ja jetzt nix. Zur Ablenkung genießen wir das wunderschöne Maupiha‘a.

Morgen geht’s dann gleich wieder weiter. Der mit nur zwanzig Metern Durchfahrtbreite extrem enge und ziemlich strömungsreiche Pass wird uns hoffentlich genauso problemlos wieder aus dem Atoll herauslassen, wie wir (bei drei Knoten Gegenstrom) hereingekommen sind.

Und dann sollten es etwa 60 Stunden Fahrt bis nach Aitutaki auf den Cook Inseln sein, sofern alles glatt läuft. Wind- und Wellenvorhersage sehen gut aus. Wegen des Stromsparmodus wird das Starlink meistens aus sein, Positionsupdates (und natürlich auch Blogbeiträge) können sich also eventuell ein bisschen verspäten.

Bora Bora mit Hindernissen. Probleme mit den Pumpen.

Es ist ein chaotisches Auf und Ab wie bei den brechenden Wellen auf dem Riff. Eigentlich wollten wir schon längst in Bora Bora sein. Aber nein, zunächst mal hat die Technik etwas dagegen.

Die vordere Toilette (in Elisas Bad) macht seltsame Geräusche. Sollte die Zerhackerpumpe etwa wieder den Geist aufgeben? Das wäre blöd, im Moment haben wir dafür keinen Ersatz mehr an Bord. Bevor ich das WC auseinandernehme (eine Sch…-Arbeit!) prüfe ich sicherheitshalber, ob die Duschabsaugpumpe funktioniert, die bei der zu erwartenden Sauerei immerhin den flüssigen Sumpf im Bad trockenlegen würde. Das gibt’s doch nicht. Vor ein paar Tagen hat sie noch funktioniert, jetzt verweigert sie den Dienst. Diese einfache Pumpe ist eigentlich extrem unanfällig. Aber, hilft ja nix:

Bootsyoga ist fällig, um die hinten im unteren Schrankfach versteckte Pumpe abzubauen. Auseinandernehmen, säubern, zusammensetzen, mit weiterem Bootsyoga wieder einbauen. Funktioniert wieder. Ok, dann können wir uns jetzt ums WC kümmern. Erst mal den Schlauch zwischen Zerhackerpumpe und Seeventil ausbauen. Der endet im gleichen Schrank und der ist ja jetzt jedenfalls schon mal leer geräumt. Hm, ein paar kleinere Verstopfungen, immerhin nicht ganz dichtgesetzt. Außenbords ausschlagen, durchspülen, sieht wieder frei durchgängig aus. Nach Einbau hört sich das Bordklo auch wieder besser an, aber Tropfen an der Zerhackerpumpe sorgen trotzdem noch für Bedenken. Kriegen wir auf Raiatea vielleicht Ersatz? Immerhin gibt es einen kleinen Bootsausrüster-Laden. Nur: der hat Sonntags natürlich nicht offen.

Trotzdem, wir verholen von Taha‘a nach Raiatea. Sind gleich Montag früh beim Bootsausrüster, aber der hat kein passendes Ersatzteil, kann auch nicht kurzfristig aus Papeete eins für unsere elektrische Toilette besorgen. Dann halt nicht. Ein Schlechte-Laune-Tag. Wir kaufen noch ein paar Lebensmittel im gut sortierten Supermarkt ein, dann folgt der nächste Startversuch nach Bora Bora.

Weit kommen wir nicht. Es ist dann doch schon wieder etwas später geworden und als auch noch schlechtes Wetter aufzieht und gleichzeitig die Frischwasserpumpe ihren Dienst einstellt, legen wir uns kurzerhand bei der Perlfarm im Südwesten von Taha’a an eine Boje. Die nächste Pumpe! Diesmal im Motorraum. Zum Glück stellt sich heraus, dass nur der Vorfilter der Pumpe ein kleines Leck hat und Luft zieht. Ersatz ist an Bord, dieses Problem scheint erledigt. Wir schnaufen erstmal durch. Tut uns ganz gut und zum Abend schaut sogar die Sonne wieder heraus. Ein gutes Zeichen?

Scheinbar ja, denn am nächsten Tag hat sich das Wetter spürbar gebessert. Statt in strömendem Regen segeln wir nun bei bestem Gennakerwetter die rund dreißig Meilen von hier südlich um Bora Bora herum zum dortigen Pass und weiter zum Bojenfeld am Motu Toopua.

Das Riff um Bora Bora präsentiert sich dabei durchaus imposant …

… aber die Passdurchfahrt ist dann völlig unproblematisch und der Ankerplatz einfach traumhaft.

Angekommen auf Bora Bora. Geht doch.

Nachtfahrt nach Ra‘iātea, Bootsarbeit und Blauwassertraum

Der Plan steht: um vier Uhr nachmittags wollen wir aus der Cooks Bay in Moorea auslaufen. Eine Nachtfahrt hinüber nach Ra‘iātea, etwa 100 Seemeilen. Das sollte eine nach der Vorhersage günstigen Wind und auch gute Wellenbedingungen bedeuten. So hat es Elisa in ihrer eigenständigen Planung herausgearbeitet und es deckt sich mit dem, was Wiebke und ich den Wetterberichten entnommen haben. Fein.

Nur: um zwei Uhr nachmittags schalten wir die Instrumente ein. Keine Anzeige auf Logge (Gechwindigkeitsmesser für die Fahrt durchs Wasser) und ebenfalls keine Anzeige auf dem Lot (Tiefenmesser). Nur Striche. Immerhin, die Windanzeige funktioniert, gibt allerdings nur den scheinbaren Wind an. Auch auf dem Plotter und dem Bordcomputer kommen keine NMEA-Daten vom Airmar-Tridata-Geber an (er misst eigentlich zudem auch die Wassertemperatur). Könnte am Kabel liegen, also irgendwo zwischen Vorschiff und den Anzeigen. Oder der Geber ist der Übeltäter, bloß haben wir den erst vor zwei Jahren in Kanada ausgetauscht, weil die Temperaturanzeige verrückt spielte. Hm, hilft ja nix. Bekommt Elisa gleich einen weiteren Einblick ins praktische Boots(arbeits)leben, es ist natürlich auch nicht der Erste in ihrer Zeit hier an Bord.

Also das vorderste Bodenbrett losschrauben, sonst kommen wir an die NMEA-Verkabelung des Gebers nicht heran. Zum Glück habe ich den alten Geber noch aufbewahrt. Allerdings gut versteckt im Vorschiff unter Elisas Koje. Also wird das gesamte Schiff erstmal ins Chaos gestürzt.

Nachdem der alte Geber herausgekramt ist, schließe ich ihn erst einmal trocken an den NMEA-Backbone an, drehe am Paddelrad und … bekomme eine Geschwindigkeit auf der Anzeige. Tiefe noch nicht, aber der Geber ist ja auch noch nicht im Wasser.

Also den neueren Geber ziehen (dabei kommt ein wenig Wasser in die Bilge) und den alten wieder einbauen. Funktioniert, bis auf die Anzeige der Wassertemperatur, aber die ist entbehrlich. Alles wieder aufräumen. Abfahrt dann immerhin trotzdem um 16.15 Uhr. Puh.

Dafür wird es dann aber wie erhofft eine wunderbare Nachtfahrt. Mit Heranführen von Elisa an die Nachtwachen, mit gutem Segelwind und überwiegend mit Sternenhimmel (ja, wir sehen den Rückgrat-Gecko trotz Vollmond in voller Schönheit).

Und unser neuer Ankerplatz im Südosten von Ra‘iātea sorgt ebenfalls für Begeisterung:

Das Paddelboard wird aufgeblasen. Ausgiebig geschnorchelt, gesprungen, geschwommen. Und relaxt.

Auch Bootsleben. 😎

Schon wieder Abschied: von unseren Freunden und von den Tuamotus

Seit über drei Jahren segeln wir jetzt schon im Pazifik, im März 2022 hat Flora den Panamakanal passiert. Danach ging es über Galapagos und Hawai’i zum bisher nördlichsten Punkt unserer Reise, nach Alaska. Und jetzt sind wir schon seit einem guten Jahr in Französisch Polynesien, im März 2024 kamen wir auf dem Gambier-Archipel und damit der bisher südlichsten von uns bereisten Region an.

Und jetzt? Ein wenig bleiben wir noch in Französisch Polynesien, aber nach einem knappen halben Jahr in den flachen Atollen der Tuamotus heißt es, von einer weiteren Inselgruppe Abschied zu nehmen. Es ist schön, dass wir unseren Freunden Karen und Steve vorher noch ein paar Highlights der Tuamotus zeigen können.

Von Fakarava aus geht’s zunächst hoch nach Toau.

Herrliches sportliches Segeln und dann ebenso wunderbares Schnorcheln im Coral Garden.

Ein Hike zum Außenriff mit seinen Tide-Pools, in denen wir bei Ebbe herumwaten, Seesterne, Krebse und Fische beobachten, darunter gleich mehrere Muränen.

Das Wetter spielt mit, auch zurück nach Fakarava und durch die Lagune hinunter zum Südpass können wir segeln. Ein Tauchgang an der Wall of Sharks für Steve und mich, …

… Driftschnorcheln für Karen und Wiebke. Und am nächsten Tag noch zwei weitere Schnorchelgänge im Südpass für uns vier, einmal auf der West-, einmal auf der Ostseite. Beide haben ganz unterschiedliche Reize und beide sind einfach fantastisch.

Ganz nebenbei darf Elektriker Steve bei uns an Bord natürlich auch arbeiten, er hatte mehrfach danach gefragt.

Erfolgreich kümmern wir uns gemeinsam um ein Problem mit unserem EmpirBus-System (natürlich im schwer zugänglichen Knotenpunkt unter unserer Spüle) und um den Austausch der Kondensatoren unseres Generators, der zuvor die Spannung nicht mehr konstant halten wollte.

Zurück im Hauptort Rotoava treffen wir bei einem unserer Spaziergänge auch Jakob wieder, der uns gleich erkennt. Bereitwillig zeigt er auch Karen und Steve noch einmal den Prozess der Kopra-Herstellung und er lässt es sich auch nicht nehmen, uns wieder mit frischen Trinknüssen zu versorgen.

Überhaupt, Rotoava mit seinen freundlichen Bewohnern und den herrlichen Blicken auf die Lagune macht uns den Abschied nicht leicht.

Aber es hilft ja nichts. Die kurze Urlaubszeit unserer Freunde ist um, mit dem Dinghy bringen wir Karen und Steve zum Flughafen.

Und wir? Ein kurzes Wetterfenster für die Fahrt nach Papeete tut sich auf, danach soll ein System weit im Süden hohe Wellen und einigen Regen zu uns hinaufschicken. Noch am Nachmittag lichten wir den Anker. Tschüss Tuamotus, es geht westwärts. Tatsächlich können wir nach anfänglichem Motoren durch die erste Nacht fast die gesamte Strecke herrlich segeln, selbst die Squalls verschonen uns weitgehend und bescheren uns nur ein paar schöne Regenbögen.

Erst in der zweiten Nacht, bei der Ansteuerung von Tahiti, verschlechtert sich das Wetter zusehends.

Im Morgengrauen begrüßt uns Papeete dann mit Weltuntergangsstimmung. Kaum am Ankerplatz angekommen will es dann auch gar nicht mehr aufhören zu regnen.

Gutes Timing.

Zurück nach Fakarava

Wie verabredet gehen wir und auch die Easy-One bereits um 5.00 Uhr ankerauf. Der Pass lässt sich bei zwei bis drei Knoten einlaufendem Gegenstrom unproblematisch und ohne großes Geschaukel passieren. Danach wird es ein schöner Segeltag mit unserem blauen Gennaker. Allerdings macht uns das Großsegel Probleme. Grund ist – hoffentlich – das elektronische Sicherungspanel am Kartentisch. Das hat uns ja schon die Motorraumbelüftung und die Kühlschränke (inzwischen überbrückt) lahmgelegt, heute früh lässt sich nun auch der Schalter für die elektrische Rollanlage im Mast nicht mehr einschalten. Ärgerlich aber, wenn das Panel denn wirklich die Ursache ist, vorrübergehend. Ein neues Panel hatten wir bei Hallberg-Rassy bestellt, Katrin wird es nächste Woche mitbringen.

Es führt aber jedenfalls dazu, dass wir das Großsegel nur im Notbetrieb mittels der dafür vorgesehenen Handkurbel bewegen können. Die Mechanik im Seldén-Mast ist etwas tricky und die Kurbelei ziemlich aufwändig: zehn Umdrehungen an der Kurbel bringen eine halbe Umdrehung des Profils für das Großsegel im Mast. Beim Ausrollen kann man sich vom Wind helfen lassen, aber das Einrollen geht unfassbar langsam vonstatten. Anstrengend. Theoretisch würde ein 1/2-Zoll-Adapter auf dem Akkuschrauber helfen, aber bei diesem erstem Mal erledigen wir das Ganze sicherheitshalber komplett manuell. Ist allerdings beim Einrollen vor Fakarava wirklich schweißtreibend, aber immerhin, es funktioniert.

Gegen 15.00 haben wir den Ankerplatz hinter dem Südpass erreicht, auch hier war die Passdurchfahrt unproblematisch, diesmal mit 2 kn mitsetzendem Strom.

Während die Easy-One einige Tage hier bleiben möchte, wollen wir am nächsten Tag weiter zum Hauptort des Fakarava-Atolls, dem 30 Seemeilen weiter nördlich gelegenen Dorf Rotoava. Am dortigen Flughafen wird Katrin ankommen, bis dahin wollen wir noch Proviant einkaufen und die Wäsche waschen lassen. Für uns geht’s also nach nur einer Übernachtung weiter, allerdings nicht, ohne vorher noch einmal den Südpass zu besuchen. Driftschnorchelgang mit Andrea für Wiebke, Tauchgang mit Ingo für mich.

Obwohl es schon mein insgesamt siebter Tauchgang hier ist, begeistert der Südpass doch immer wieder aufs Neue. Dieses Mal ist besonders viel Fisch unterwegs, Großaugenbrassen und Langnasen-Doktorfische sehen wir zuhauf, auch ein Adlerrochen lässt sich blicken.

Auffällig sind auch die die ziemlich großen (bis 75 cm) Titan-Drückerfische. Sie bewegen sich meist ohne Einsatz der Schwanzflosse fort, sondern vielmehr durch wellenartiges Pulsieren der Rücken- und der Afterflosse. Bei ihnen muss man allerdings sehr achtsam sein, insbesondere die Weibchen können in der Brutzeit agressiv werden. In einem auf der Spitze stehenden Kegel um ihr Nest herum greifen sie dann andere Fische an und versuchen auch Taucher und Schnorchler zu verjagen. Bei ihrem ziemlich massigen Gebiss gelingt ihnen das recht eindrucksvoll. Am besten verzieht man sich dann nicht nach oben, sondern seitlich aus dem Kegel heraus.

Und natürlich dürfen an der Wall of Sharks auch die Haie nicht fehlen. Wir sehen viele Graue Riffhaie, diverse Weißspitzenhaie liegen malerisch auf dem Grund oder auf Sandflecken herum. Vereinzelt findet sich auch mal ein Silberspitzenhai und im Uferbereich sind natürlich Schwarzspitzenhaie unterwegs.

Ingo legt sich unten auf den Grund und beobachtet einen Weißspitzenhai, der sich gerade Gebiss und Kiemen putzen lässt…

… Andrea filmt schnorchelnd am Paddelboard:

Tja, und dann geht es für uns erst einmal hoch nach Rotoava. Morgen soll dort das Versorgungsschiff ankommen, das ist bei der geplanten Verproviantierung ein Termin, denn wir nicht verpassen wollen.

Update Tahanea

Nicht zu fassen, wir sind schon seit einer Woche im Tahanea-Atoll. Vom ersten Ankerplatz am Pass haben wir die Flora nach zwei Tagen in den Südosten des Atolls verholt, denn inzwischen hat sich relativ konstant östlicher Wind eingestellt.

Fast unnötig zu erwähnen, auch dieser Ankerplatz ist schlichtweg traumhaft:

Wir verbringen ruhige Tage mit Schnorcheln, SUP, Wingfoilen …

… und einigen Arbeiten dazu. Leider ist der Schlauch (=Bladder) im Strut geplatzt. Das ist der mittlere Teil des Wingfoils, an dem auch die Griffe befestigt sind. Unsere Freundin Katrin wird in gut zwei Wochen zu Besuch kommen, sie bringt Ersatz mit. Bis dahin allerdings möchte ich nicht warten. Zum Glück lässt mich Ralph von der Lille Venn nicht nur seinen Wing benutzen, sondern zeigt mir auch, wie ein Bladder repariert werden kann. Bei einem kleinen Loch wäre das vergleichsweise einfach. Bei der an einer Schweißnaht geplatzten Bladder allerdings zeigen sich unsere gemeinsamen Reparaturversuche zunächst von eingeschränktem Erfolg. Ich kann den Wing wieder benutzen, muss ihn aber alle zehn Minuten wieder aufpumpen. Nicht sehr praktikabel. Erst nach dem fünften Reparaturversuch (zweimal Schweißen mit dem Vakuumierer, dreimal Flicken aufkleben und eine Nacht trocknen lassen) ist – oh Wunder – die Bladder tatsächlich wieder dicht.

Zwei andere Reparaturen beschäftigen uns ebenfalls einige Zeit. Beide betreffen die Elektrik auf Flora, nicht eben unsere Spezialität.

Zum Einen verweigert unser AIS mal wieder die Sendefunktion. Es zeigt uns zwar die Positionen der anderen Boote um uns herum (so sie mit AIS ausgerüstet sind) wunderbar an, wir selbst senden aber nicht, obwohl wir den Sendemodus eingeschaltet haben. Die Fehlersuche fördert eine im Plus-Kabel zusätzlich verbaute Sicherung zu Tage, bei der zwar der Sicherungsfaden noch intakt ist, das Gehäuse jedoch ziemlich angeschmolzen.

Austausch des Kabels nebst Sicherungshalterung und Sicherung: unser AIS sendet wieder.

Nicht ganz so einfach lässt sich das zweite Problem beheben, das zudem auch schwerwiegender ist: nachdem unsere beiden Kühlschränke zuletzt immer mal wieder zickten (die unter dem Bodenfach in einem Schrank in der Pantry eingebauten Kompressoren sprangen kurz an, gingen aber binnen weniger Sekunden wieder aus).

Nach einiger Zeit funktionierten sie dann aber wieder. Jetzt jedoch quittieren zeitgleich beide Kühlschränke komplett ihren Dienst. Gar nicht gut. Wir vermuten einen Zusammenhang mit einem Fehler im elektronischen Schaltpanel des EmpirBus-Systems, denn das lässt uns derzeit die Motorraumentlüfting nicht einschalten und die Kühlschränke nicht ausschalten, diese beiden Schalter sind in ihrer Funktion „eingefroren“, alle übrigen Schalter funktionieren zum Glück noch.

Auch hier warten wir auf Katrin, sie wird ein Ersatzpanel im Gepäck haben. Aber auf die Kühlschränke können wir bis dahin nicht verzichten.

Probehalber verlegen wir direkt von der Batterie eine Stromleitung zu den Kompressoren. Die Plus-Leitung bringt keine Besserung, aber als wir die Minusleitung verlegen (und damit den Schalter am Panel überbrücken) laufen beide Kühlschränke wieder normal, auch die Thermostate funktionieren. So weit, so gut. Aber bei der „fliegend“ durch das Schiff verlegten provisorischen Leitung kann es natürlich nicht bleiben, das Kabel muss ordentlich durch Kabelschächte unter den Bodenbrettern verlegt werden. Also Bodenbretter von der Küche durch den Salon, am Kartentisch vorbei und in der Achterkajüte los schrauben, drunter sauber machen, Kabel durchfummeln und befestigen, alles wieder verschrauben.

Immerhin, wir haben wieder kühle Getränke und die empfindlichen Lebensmittel bleiben haltbar. Puh.

😅

Ein Pizzaabend auf der Easy-One mit den Crews auch von der Lille Venn und der Free Fall hebt die Laune ebenfalls.

Und ein kleines bisschen kann ich mich revanchieren, als ich im Mast der Easy-One das stehende Gut kontrolliere.

Zur Belohnung für die kleinen Arbeitseinheiten im sonst wirklich entspannten Atoll-Leben:

Mit einem kühlen Sundowner aus dem jetzt wieder funktionierenden Kühlschrank lassen sich die abendlichen Wolkenformationen und die Farbenspiele am Himmel doch einfach noch besser genießen!