Vorkehrungen fĂŒr Ex-Zyklon Vaianu

Ein Thema dominiert derzeit die Nachrichten hier in Neuseeland:

Bei vielen Kiwis werden Erinnerungen an den Zyklon Gabrielle wach, der im Februar 2023 Neuseeland traf, 11 Tode verursachte und immense SchĂ€den anrichtete. Nicht nur die brutalen Winde, sondern vor allem die mit Gabrielle einhergehenden sintflutartigen RegenfĂ€lle sorgten unfassbare 140.000 dokumentierte Erdrutsche und in der Folge auch fĂŒr zum Teil tagelange StromausfĂ€lle, lĂ€ngere Zeit gesperrte Straßen und zerstörte BrĂŒcken.

Wie damals Gabrielle war jetzt auch Vaianu zwischenzeitlich ein Zyklon der Kategorie drei. Zum GlĂŒck fĂŒr die tropischen Inselgruppen ging er zwischen Vanuatu und Fiji hindurch, Landfall wird Vaianu dann Samstag/Sonntag (hoffentlich schon deutlich abgeschwĂ€cht) in Neuseeland machen.

Wieso eigentlich abgeschwĂ€cht? Tropische WirbelstĂŒrme (je nach Region Hurrikan, Taifun oder Zyklon genannt) benötigen Wassertemperaturen von ĂŒber 26,5° Celsius, um zu entstehen. Der „Treibstoff“ dieser WirbelstĂŒrme ist die sehr warme und sehr feuchte Luft, das Aufsteigen großer Mengen verdunstenden Wassers. Das Wasser kondensiert dann in der kĂ€lteren Höhenluft, wobei enorme Mengen an Energie freigesetzt werden. Das erklĂ€rt auch die immensen Regenmengen, die diese WirbelstĂŒrme mit sich bringen.

Jetzt im SĂŒdhalbkugel-Herbst (wo der April dem Oktober der Nordhalbkugel entspricht) ist das Wasser um Neuseeland herum nicht mehr ganz so warm, insbesondere im SĂŒden.

Aktuell sieht die Temperaturverteilung so aus:

In OrkanstĂ€rke blĂ€st Vaianu daher schon jetzt nicht mehr. Wirklich entspannen kann Neuseeland deswegen aber noch nicht. Zu groß, zu mĂ€chtig ist das System noch. Mehr als deutlich wird das auf den aktuellen Satellelitenaufnahmen:

Und noch immer schiebt der Sturmwirbel Wassermassen vor sich her, die sich zur Höhe dreistöckiger GebĂ€ude auftĂŒrmen. FĂŒr die KĂŒste vor Whangārei werden bis zu 9 m hohe Wellen vorhergesagt.

Vor allem aber wird befĂŒrchtet, dass die starken RegenfĂ€lle bei den ohnehin von vorangegangenen Tiefdruckgebieten durchfeuchteten Böden an steileren HĂ€ngen erneut starke Erdrutsche auslösen könnten.

Unmittelbar von solchen „Landslides“ betroffen dĂŒrften wir auf der Flora hier im Hafen von Whangārei zum GlĂŒck nicht sein. Um unseren Liegeplatz herum gibt es eher sanfte HĂŒgel. Hinsichtlich etwaiger StromausfĂ€lle wĂ€ren wir auf unserem Boot ja ohnehin autark. VorrĂ€te haben wir eingekauft. Heute gilt es also, Flora so sturmsicher wie möglich zu vertĂ€uen. Außerdem bauen wir das Bimini ab, um die Windlast zu verringern, sichern die Segel doppelt, fĂŒllen den Frischwassertank auf, laden die Batterien voll und nehmen die Starlinkantenne ab (sie funktioniert mit EinschrĂ€nkungen auch im Boot).

Und jetzt heißt es abwarten.

Und 
 warme Socken stricken, weil der Wind ĂŒber SĂŒd herumdrehen und kalte Luft hier heraufschaufeln wird. Ganz klassisch, Wiebke strickt rosa Socken, ich blaue.

Winter, Tauchen und Sturm im Hafen

Einen kurzen Wintereinbruch haben wir hinter uns. Flora ist praktisch abfahrbereit. DemnĂ€chst soll es wieder losgehen. Die neue Fock ist auf der Rollanlage. Den neuen Furuno-Plotter haben wir installiert (das war einfach) und mit dem Radar verbunden (theoretisch easy, praktisch nicht ganz so simpel). Die Knackpunkte dabei: die 48 Volt Stromversorgung des DRS 2 Radar lief ĂŒber den alten (MFD12) Plotter, der neue kann das nicht. Statt dessen muss eine zusĂ€tzliche PSU (Power Supply Unit) die Stromversorgung ĂŒbernehmen. DafĂŒr mĂŒssen natĂŒrlich die Kabel quer durchs Schiff gezogen werden. Zum GlĂŒck hat unser Boot gut dimensionierte KabelkanĂ€le, aber um die zu erreichen, mĂŒssen die davor liegenden SchrĂ€nke alle ausgerĂ€umt werden. Also ein bisschen Chaos im Schiff. Auch die Herausforderung des notwendigen Software-Updates im Radar einschließlich der vorĂŒbergehend zu Ă€ndernden IP-Adresse meistern wir schließlich. Das Radar lĂ€uft und wird vom Plotter erkannt.

Nur: durch die neue PSU benötigt es jetzt eine eigene Sicherung und einen eigenen Schalter, soll das Radar nicht permanent im Standby-Betrieb sein (und dabei etwas ĂŒber 1 Amp Strom pro Stunde verbrauchen). Die PSU ist unter der Achterkoje bei der Batterie verbaut, den Schalter hĂ€tte ich aber gerne am Navitisch. Also ein Relais an der PSU, Kabel zum Navitisch, Schalter dort. Noch mal Bastelei, aber jetzt funktioniert es.

Dann noch ein Sch
-Job: die Zerhackerpumpe des vorderen WC gibt den Geist auf und muss getauscht werden. Von den 8 Schrauben der Pumpe ist leider eine mit unserem Werkzeug schlicht nicht erreichbar, also muss das ganze Klo ausgebaut werden, um die Pumpe zu tauschen. Was soll’s, auch das kriegen wir am Ende hin.

Und um das Unterwasserschiff kĂŒmmert sich eine Taucherin. Einmal das Coppercoat abschrubben und die Opferanode am Propeller wechseln (die ĂŒbrigen Anoden sehen noch gut aus). Unsere NeoprenanzĂŒge sind eher fĂŒr die Tropen (meiner 3, Wiebkes 5 mm), die Taucherin kommt mit Trockenanzug und fescher Kopfhaube:

Aber von wegen abfahrbereit: das Wetter heute macht uns noch einmal SEHR DEUTLICH, dass wir die Vorhersagen hier ziemlich genau im Auge behalten sollten. Es blĂ€st so stark, wie wir es bisher auf der gesamten Reise noch nicht erlebt haben. Seit ein paar Stunden pendelt der stĂŒrmische Wind um gut 40 Kn herum, hĂ€ufige Böen ĂŒber 50 kn und immer wieder mit deutlich krĂ€ftigeren orkanartigen Böen bis hin zu 58 kn. WĂŒrde es dauerhaft so blasen, wĂ€re das WindstĂ€rke 11. FĂŒhlt sich im Boot fast an wie Segeln am Wind mit reichlich SchrĂ€glage.

Vielleicht ganz gut, dass wir noch im Hafen sind, obwohl eine geschĂŒtzte Ankerbucht ihre Vorteile hĂ€tte. Der Wind drĂŒckt die Flora nĂ€mlich auf den Steg. Die hohe Hafenmole hĂ€lt die Wellen gut ab, aber die Fender haben schwer zu arbeiten.

Aber immerhin, wir sind an Bord, können die Fender immer wieder nachjustieren und vor allem, wir haben (hoffentlich) genug davon zwischen Flora und dem Steg. Das kann man nicht von allen Schiffen an unserem Steg sagen, manche leiden sehr (und wir beim Hinschauen mit).

NĂ€chste Woche soll auch hier der FrĂŒhling Einzug halten. Dann heißt es endlich wieder: Leinen los!

Sturmversteck und Gunkholing

In enger Folge ziehen derzeit krĂ€ftige Tiefdruckgebiete ĂŒber die Chesapeake Bay, nicht untypisch fĂŒr diese Jahreszeit. Die LĂŒcken zwischen ihnen nutzen wir fĂŒr die Fahrt nach SĂŒden.

Screenshot, Quelle: Windy.com

Aber wenn das Tief naht, verkriechen wir uns. In diesem Fall hinein in die verzweigten Creeks von Solomon‘s Island. Wobei, ganz tief hinein brauchen wir gar nicht, schon die verschlungene Einfahrt gewĂ€hrt guten Schutz. Mit dem Dinghy erkunden wir die von herbstlich gefĂ€rbten BĂ€umen gesĂ€umten VerĂ€stelungen des Mill Creek und des von ihm abzweigenden St. John Creek, ĂŒber drei Kilometer weit hinein. „Gunkholing“ nennen die Amerikaner das Herumfahren in diesen manchmal flachen und mit tiefgehenden Booten schwer zu navigierenden Inlets, wobei man dann herrliche Einblicke in die zum Wasser ausgerichteten GĂ€rten der anliegenden HĂ€user bekommt.

Naja, HÀuser. Am Eingang des Creeks sind es eher Villen, mal mehr, mal weniger geschmackvoll, die oft eher Motoryachten, schnelle Sportangler und Spielzeuge wie Jetskis an ihren Anlegern prÀsentieren. Weiter innen im Creek werden die HÀuser oft etwas kleiner, liegen versteckter.

Manche der festen Stege am Ufer finden wir schon ĂŒberspĂŒlt, denn das Tiefdruckgebiet presst offenbar reichlich Wasser in die Chesapeake Bay hinein, ein ungewöhnliches Hochwasser ist angekĂŒndigt, Hochwasser- und Sturmwarnung bis hinauf nach Washington DC.

Ein Spaziergang zum WestMarine Bootsausstatter folgt, auf dem RĂŒckweg besuchen wir noch Mareike, die in einer Marina im Nebencreek an ihrer Moana arbeitet und verabreden uns fĂŒr morgen zum Abendessen.

Im Ort kommen wir dabei durch ein „historisches Viertel“ mit zum Teil wirklich alten, zum Teil aber auch brandneuen HĂ€usern und HĂ€uschen im historischen Baustil.

ZurĂŒck an Bord genießen wir noch ein wenig die Ruhe vor dem angesagten Sturm. Die Wettermodelle sind sich nicht ganz einig, bis zu 10 Bft könnten es nach dem NAM-Modell in der Chesapeake werden, hier fĂŒr Solomon’s sagen immerhin drei von vier Modellen um die 40 kn und darĂŒber (8 bis 9 Bft) voraus, lediglich das sonst in den Böen oft genauere ECMWF beschrĂ€nkt sich diesmal auf 34 kn.

Screenshot, Quelle wiederum Windy.com

Wir machen die Flora klar fĂŒr den Starkwind, kontrollieren Anker und Ankerkralle, sichern die Fock zusĂ€tzlich und stauen windanfĂ€llige Sachen wie z.B. den Rettungskragen) unter Deck. Und wirbekommen die Sendefunktion unseres AIS nach mehreren Emails mit dem Hersteller und einem Softwareupdate endlich wieder zum Laufen.

Und dann heißt es Abwarten.

Pura Vida.

StĂŒrmischer Wind. So sieht’s aus.

Wir liegen immer noch im Spa Creek an einer Mooringboje, quasi im Stadthafen von Annapolis. Das ist ideal, um in der Einkaufsstraße bummeln zu gehen (machen wir), um in einem der vielen Restaurants Essen zu gehen (machen wir auch) und um in dieser selbsternannten “Sailing Capital” die maritime Infrastruktur zu nutzen (machen wir natĂŒrlich auch).

Aber heute beschert Annapolis uns darĂŒber hinaus etwas Unerwartetes. Auf meinem Handy (mit amerikanischer SIM) ploppt unvermittelt eine Warnung auf: „Tornado Warning ⚠  (fĂŒr unseren Landkreis hier) 
 , severe weather, 
 seek shelter.“ Wer verschickt das, wieso an uns, wir haben uns nirgends dafĂŒr angemeldet? Ist das echt, mĂŒssen wir das ernst nehmen? Im normalen Wetterbericht war fĂŒr heute Nachmittag zwar Regen angekĂŒndigt, auch Gewitter, aber so was? Hm, immerhin sind wir an Bord. WĂ€hrend wir noch rĂ€tseln verdunkelt sich der Himmel, Wind ist aber kaum.

Dann geht alles ganz schnell.

Eine schnell ziehende Wolkenwand rauscht heran und Sekunden spÀter kommt der Regen schon waagerecht.

Die Sicht ist weg, Blitze zucken und der Wind ist stĂŒrmisch, in der Spitze messen wir 43 kn, WindstĂ€rke 9, also Sturm. Meist bleibt es aber bei 8 (stĂŒrmischer Wind). Wie das bei uns hier an der Boje in Annapolis aussieht, könnt ihr auf unserem Video ein bisschen miterleben.

Bruch gibt’s zum GlĂŒck keinen, weder bei uns noch (soweit wir das sehen) auf den anderen Booten an den Bojen hier. Selbst unser aufgebautes Bimini mit seinem schon etwas angeschlagenen Stoff ĂŒbersteht es gut.

Und einen Tornado erleben wir zum GlĂŒck auch nicht.

Immer anders

Die Ruhe vor dem Sturm? Flora gestern in Deltaville am nach SĂŒden offenen Ankerplatz.

Hurrikan Zeta hat sich mit seiner Entwicklung im Golf von MĂ©xico viel Zeit gelassen, dann aber Geschwindigkeit aufgenommen, seinen Landfall in Luisiana gemacht. Bei seiner Passage ĂŒber die SĂŒdstaaten der USA hinweg hat er sich zwar abgeschwĂ€cht, aber durch besondere meteorologische Bedingungen bei den Höhenwinden wurde die AbschwĂ€chung geringer erwartet als sonst ĂŒblich. Deshalb war fĂŒr die Chesapeake Bay heute ziemlich derbe viel Wind aus SĂŒd angesagt, in den Böen bis zu WindstĂ€rke 10 (schwerer Sturm).

Wir haben uns deshalb nach Hampton verkrĂŒmelt, von wo die Salty Dawg Fall Rally ohnehin Anfang nĂ€chster Woche starten soll.

Warum fahren wir mit den Salty Dawg? HauptsĂ€chlich, weil gerade in den Covid-Zeiten die Einreisebedingungen unĂŒbersichtlich und manchmal kurzlebig sind und wir uns von dem Verein Salty Dawg UnterstĂŒtzung insbesondere hinsichtlich der formellen AblĂ€ufe erhoffen. Der Verein, der sich wie Trans-Ocean der Förderung des Hochseesegelns verschrieben hat, ist mit den Offiziellen in den Bahamas und auf Antigua (den beiden Zielen der Rally) im Dauerkontakt. Sollte sich also etwas Ă€ndern, wĂ€hrend wir gerade unterwegs sind, wĂ€re ihre Einflussmöglichkeit sicher grĂ¶ĂŸer als unsere als einzelne Segler. Außerdem haben sie so ein klasse Logo 😁.

Aber im Ernst, heute morgen machen wir zunĂ€chst unseren Covid-19-PCR-Test hier im improvisierten Pavillon der Salty Dawg, den Versand des von uns Online bestellten Tests erfolgt dann gebĂŒndelt durch Salty Dawg. Bei dem Test werden wir durch Ă€rztliches Personal unterstĂŒtzt, Vereinsmitglieder, die das freiwillig und unentgeltlich machen. FĂŒr die Boote, die zu den Bahamas wollen ist das eigentlich nicht nötig, wohl aber fĂŒr die Crews mit Ziel Antigua. Denn die haben kurzfristig verkĂŒndet, dass „self administered PCR-tests“ nicht mehr anerkannt werden, darauf hat Salty Dawg mit der UnterstĂŒtzung reagiert.

Wenn wir die (hoffentlich negativen!) Testergebnisse haben, mĂŒssen wir die auf einer Bahamas-Webseite hochladen und sogenannte „Health-Visa“ beantragen. Nur wenn die gewĂ€hrt werden, können wir einreisen. Ein zusĂ€tzliches Problem ergibt sich allerdings dadurch, dass nach den Bestimmungen der COVID-Test nicht Ă€lter als 7 Tage sein darf, BEI EINREISE! Es kann also sein, dass wir wegen der mit 5-6 Tagen kalkulierten Törndauer direkt vor Abfahrt noch einen zweiten Test machen mĂŒssen, um diese Bestimmung erfĂŒllen zu können. Das Ergebnis dieses zweiten Tests wĂŒrden wir dann erst in den Bahamas online abrufen können. Hm.

Außerdem mĂŒssen wir in den Bahamas bei Einreise als erstes einen weiteren COVID-Test machen, diesmal nur einen Schnelltest. Und dann nach 96 Stunden noch einen weiteren (also den dritten oder vierten!?!). LĂ€sst sich nicht Ă€ndern.

O.k., nach unserem (ersten) Test geben wir bei den Salty Dawg noch gleich unsere Papiere und das Formular 1300 der US-CBP ab, denn das Ausklarieren in Norfolk ĂŒbernimmt ein weiteres Vereinsmitglied als „Agent“ kostenlos fĂŒr uns, damit nicht alle auslĂ€ndischen Teilnehmer die QuarantĂ€ne brechen und mit Taxis nach Norfolk fahren mĂŒssen. Klasse Service.

Einkaufen gehen wir aber selber, obwohl der Supermarkt ein ziemliches StĂŒck entfernt ist, zu Fuß. Auf dem RĂŒckweg sind wir schwer bepackt mit unseren RucksĂ€cken, Taschen und einer 24er Packung Dosen auf der Schulter. Ein Auto hĂ€lt neben uns, Masken werden aufgesetzt, die Seitenscheibe heruntergefahren. „Salty Dawg?“ werden wir gefragt. Als wir bejahen, sollen wir unser schweres GepĂ€ck auf den RĂŒcksitz legen, wir können es uns dann im Pavillon abholen. Fein! Übrigens hatten wir ein ganz Ă€hnliches Erlebnis schon vor ein paar Tagen in Deltaville. Wir waren mit den kostenlosen LeihfahrrĂ€dern der Marina unterwegs, die man auch als Ankerlieger benutzen darf, wenn man die 5 $ DinghydockgebĂŒhr bezahlt. Das gilt ĂŒbrigens auch fĂŒr das Courtesy Car, wenn es denn gerade frei ist. Auf dem RĂŒckweg vom Einkaufen, ebenfalls schwer bepackt, hielt auf einmal Andrea von der Akka ihr Auto neben uns an und nahm uns unser GepĂ€ck ab (die Hallberg-Rassy 42 „Akka“ der Weltumsegler Andrea und Andreas liegt im Moment in Deltaville an Land). Ganz lieben Dank auch fĂŒr diese nette Aktion.

Beide Male wurde unser RĂŒckweg so um einiges unbeschwerter 😁.

Hier in Hampton machen wir gleich nach dem Verstauen der EinkĂ€ufe erst mal das Schiff sturmfest, nehmen unter Deck was unnötigen Windwiderstand bietet und verzurren alles andere besonders sicher. Zum GlĂŒck wird es dann aber nicht so schlimm wie nach den Vorhersagen erwartet. Rund 40 kn Wind messen wir in der Spitze, das ist auf der Grenze zwischen WindstĂ€rke 8 und 9 Beaufort. Nix dramatisches, zumal sich hier auch keine allzu große Welle aufbaut.

Zum Sonnenuntergang kurz nach 18.00 Uhr ist der Spuk schon vorbei, die Sonne kommt auch wirklich durch und hinter der Sturmfront strömt die warme Luft aus dem SĂŒden heran, wir können den Sundowner auf dem Achterdeck bei 27 Grad genießen.

Warum ist trotzdem die Kuchenbude aufgebaut? Heute Nacht soll es schon wieder regnen und ab morgen gibt’s dann nachts sogar nur einstellige Temperaturen.

Das kurze warme Intermezzo macht noch mehr Lust auf die Bahamas 😁, selbst wenn man durch den ausgeprĂ€gten Formalkram durch muss.

Wetterverschlechterung

Das schöne SpĂ€tsommerwetter ist erstmal vorbei. Auf unserer Fahrt vom Cuckold Creek zum Mill Creek etwas sĂŒdlich der MĂŒndung des Potomac hatten wir noch Sonne, allerdings keinen Wind. Am nĂ€chsten Tag können wir zwar die ganze Strecke bis nach Deltaville wunderbar segeln, das aber bei deutlich kĂ€lterem und regnerischen Wetter. Kein Problem, fĂŒr irgendetwas muss das mitgeschleppte Ölzeug ja schließlich auch gut sein.

Blöder ist allerdings Zeta, der mittlerweile zum Hurrikan angewachsene 27. tropische Sturm des Jahres. Die 21 in alphabetischer Reihenfolge vergebenen Vornamen sind schon lange durch (Q, U, X, Y und Z werden nicht benutzt), seitdem werden die StĂŒrme dieses Jahres mit den Buchstaben des griechischen Alphabets benannt. Nach Alpha, Beta, Gamma, Delta und Epsilon nun also der sechste Buchstabe: Zeta. Damit ist der Rekord aus dem Jahr 2005 eingestellt, weiter musste man (bisher) nicht. Hurrikan Zeta tobt jetzt zwar weit weg im Golf von Mexiko, aber nach dem voraussichtlichen Landfall bei New Orleans werden seine immer noch starken Überbleibsel uns wohl noch diese Woche hier in der Chesapeake Bay besuchen. Auf Windy sieht das in der Vorhersage so aus:

Es könnte also WindstĂ€rke 9 auf uns zukommen, da sollten wir gut geschĂŒtzt liegen.

Und auch der eigentlich am 2. November geplante Absprung zu den Bahamas wird sich wie es aussieht wohl verschieben.

Aber Warten auf das richtige Wetterfenster gehört zum Langfahrtsegeln nun mal dazu und wir haben ja den Luxus, Zeit zu haben, auch noch etwas Luft bis unser US-Visum ablÀuft.

Und so ganz ungelegen kommt es uns gar nicht, die Abfahrt noch etwas hinauszuschieben, denn ganz vorbei ist die Hurrikansaison eben noch nicht und unsere Versicherung möchte uns ja auch erst ab Mitte November in den Bahamas sehen. 😊

Acceleration Zone

Acceleration Zone, WAZ’n das? Wind Acceleration Zone Canary Islands ist der wunderschöne technische Begriff fĂŒr das, was wir auf Seglerdeutsch “DĂŒse” nennen wĂŒrden. VerschĂ€rfte DĂŒse vielleicht.

FĂŒr Nichtsegler: zwischen den hohen kanarischen Inseln muss sich der vorherrschende Nordostwind quasi durchzwĂ€ngen. Dabei wird er beschleunigt, und aus entspannten 20 kn (WindstĂ€rke 5) Wind werden 30 kn (WindstĂ€rke 7). Hinter den Inseln (also sĂŒdwestlich), ganz besonders hinter Teneriffa mit seinem hohen Teide gibt’s dann dafĂŒr Windschatten bzw. Flaute.

Auf Windy sieht das fĂŒr heute so aus:

So weit, so gut. Wenn man wie wir von Santa Cruz im Norden nach San Miguel im SĂŒden Teneriffas segeln möchte, hat man eben starken RĂŒckenwind, kein Problem, oder?

Na ja, fĂŒr die Windböen gilt das Ganze natĂŒrlich auch. Wieder Windy:

Das ist jetzt schon weniger nett. 43 kn sind WindstÀrke 9, also Sturm. Hm.

Dazu kommen natĂŒrlich noch die Wellen und da gibt’s eine weitere Gemeinheit:

Den Windwellen von 2,7 m Höhe aus Nordost steht nĂ€mlich fieserweise ein Schwell (nicht zum Wind passende Welle) aus SĂŒd entgegen. Auch wenn der nur 70 cm hoch ist, fĂŒhrt das doch zu steilen Wellen und einem chaotischen Wellenbild, das eher unangenehm zu befahren ist.

Heute haben wir das heute seeehr anschaulich erleben dĂŒrfen. Wir sind so frĂŒh wie möglich losgefahren, um das Ärgste zu vermeiden, tatsĂ€chlich hatten wir erst perfekten Wind, der dann aber immer stĂ€rker wurde und erst am letzten Kap (Cabo de Punta Roja) oft die dreißig und selten 40 kn (WindstĂ€rke 8) erreichte. Und die See, na ja.

Dazu muss man allerdings sagen, dass sich Wellen vom Boot aus wirklich schlecht fotografieren und filmen lassen 😚.

Trotzdem ein kleines Video, bei knapp 30 kn aufgenommen:

Sooo schlimm war es also nicht, sonst hĂ€tte ich ja nicht gefilmt. Aber die Halse (Seitenwechsel des Segels) am Kap hat doch einiges an Adrenalin freigesetzt. Und warum waren wir ĂŒberhaupt unterwegs? Unsere Reservierung im knackvollen Hafen Santa Cruz war abgelaufen, mit einem neuen Hafenplatz hier unten hatte es geklappt. Allerdings nur durch Vermittlung des hiesigen Segelmachers, der unseren Code0 noch mit einem Klettstreifen nachrĂŒsten sollte, das Segel aus Santa Cruz bei einem anderen Termin mitgenommen hat und uns mitgeteilt hat, es wĂŒrde jetzt hier in bei ihm in San Miguel fertig bereitliegen.

Außerdem soll es die nĂ€chste Zeit windmĂ€ĂŸig nicht besser werden und es ist ein weiterer (begrenzter) Test fĂŒr den Atlantik. Bestanden, 😁.

Ach ja, und die Vorhersage des gegenlĂ€ufigen Schwells hatten wir schlicht ĂŒbersehen 😳. HĂ€tte aber eh nichts geĂ€ndert.