Passage Key West nach Mexico 2

Bisher verwöhnt uns die westliche Karibik. Zwar war zwischendurch etwa 24 Stunden der Motor an, aber bei spiegelglatter See und weiteren Delfinbesuchen, zudem einem schönen Sonnenuntergang und einem fast noch beeindruckenderen Aufgang des Vollmonds ist das leicht zu verschmerzen. Und dann folgt auch noch ein Halo um den Mond, wohl verursacht von Eiskristallen in großer Höhe.

Danach herrliches Code0-Segeln. Und wieder Delfine. 🤩

Wir entscheiden uns für einen direkteren als den zunächst geplanten Kurs und werden belohnt. Unter Code0 kreuzen wir zum zweiten mal den Golfstrom, diesmal schräg gegen ihn. So werden aus den 7 bis 8 Knoten durchs Wasser nur 4 bis 5 über Grund. Trotzdem nicht schlecht. Jetzt sind wir knapp 20 sm vor der südlichen Ansteuerung, scheinen soeben den Golfstrom verlassen zu haben. Der Wind frischt auf, wir wechseln auf die Fock.
Mal schauen, ob wir noch im letzten Büchsenlicht ankommen, der Ankerplatz wäre aber auch bei Dunkelheit anlaufbar. Mexiko, wir kommen.

Pura Vida.

Dieser Beitrag wird per Iridium-Satellit übermittelt, ist also (ursprünglich) wieder mal ohne Bilder. Es gibt aber welche 😉 die werden (wurden) nachgereicht.

Passage Key West nach Mexiko

Unseren Toern nach Mexiko starten wir mitten in der Nacht. Um 2.00 Uhr gehen wir ankerauf, durch die gut befeuerte Hauptansteuerung geht es zurueck ins tiefe Wasser. Wobei, erst einmal nicht zu tief, wir bleiben bei der 100 m Linie und laufen westwaerts etwa Richtung der Dry Tortugas. Dort haetten wir eigentlich gerne geankert, der Nationalpark soll ein Schnorchel-Paradies sein. Aber dann wuerde sich das Wetterfenster schliessen, also lassen wir sie schweren Herzens aus, gehen noch ein Stueckchen weiter westlich und biegen dann nach Suedwesten ab, um hier den Golfstrom zu queren und auf der anderen (kubanischen) Seite den fuer uns guenstigen Gegenstrom zu nutzen.


Das Wetter meint es gut mit uns, für die ersten 36 Stunden – und damit etwas länger als vorhergesagt – haben wir gut segelbaren Wind, wobei wir unsere komplette Segelgarderobe einmal ausprobieren koennen. Wir starten nur mit dem gerefften Großsegel, reffen aus, nehmen die Fock dazu, wechseln auf den Gennaker und spaeter vom Gennaker auf den Code0.

Und nicht nur das ist wunderbar: wieder haben wir Angelglueck, ein etwa 80 cm großer dicker Thunfisch geht uns an den Haken.
Um es perfekt zu machen leistet uns dann auch noch eine Delfinschule über eine Stunde lang Gesellschaft, spielt ausdauernd in unserer Bugwelle.


Seite heute Mittag läuft jetzt der Motor, der Wind wurde erst immer spitzer und schwaecher, schlief dann ganz ein.
Langweilig wird uns trotzdem nicht, gerade haben wir es geschafft, den nach einem Systemabsturz komplett resetteten Plotter (unser „Navi“) wieder dazu zu überreden, uns auch die AIS-Symbole anderer Schiffe anzuzeigen.
Außerdem haben wir ein herrliches Bad im tiefen blauen und irgendwas zwischen 2000 und 3000 m tiefen Wasser zu nehmen.

Pura Vida.

Der Beitrag wurde per Iridium-Satellit übermittelt, deshalb keine Bilder. Auf Kommentare (über die wir uns riesig freuen) können wir deshalb auch erst wieder reagieren, wenn wir in Mexiko eine Internetverbindung haben.

West Palm Beach und dann zum Lake Sylvia in Fort Lauderdale

Palm Beach begrüßt uns mit Hochhäusern, Industriehafen und Superyachten, aber der Ankerplatz im Lake Worth zeigt auch die schöne Seite der Stadt. Vom (allerdings eine lange Dhinghyfahrt entfernten) städtischen und damit kostenlosen Dinghydock führt eine palmengesäumte Promenade am Ufer entlang.

Auf der anderen Seite sind weihnachtliche Sandskulpturen zu sehen, ein riesiger Sandtannenbaum nimmt gleich einen ganzen Platz ein und der Weihnachtsmann passt doch auch gut zum Manatee, oder? Rudolph braucht ja auch mal Pause und vielleicht eine Abkühlung. Andere Länder, andere Sitten.

Unser Weg führt uns dann weiter zum Norton Museum of Art. Die sehr sehenswerte Sammlung überwiegend zeitgenössischer Kunst wird mit wechselnden Sonderausstellungen ergänzt, uns hat neben der Empfehlung der LuSea-Crew die aktuelle “Frida Kahlo, Diego Riviera & Mexican Modernism” hier her gelockt. Sie gefällt uns sehr gut, aber auch das übrige Museum weiß zu begeistern.

In West Palm Beach treffen wir Freunde wieder – und müssen uns auch von ihnen verabschieden. So typisch für Cruiser, aber doch immer wieder auch traurig. Mareike mit ihrer Moana, Karen und Steve mit der Second Chance und auch Helene und Klaus mit der LuSea, sie alle wollen von hier aus zu den Bahamas. Wir dagegen wollen erst mal weiter die US-Ostküste hinunter und dann nach Mexiko. Da passt die Kunstausstellung um so besser 😉.

Ab Morgen soll erst einmal Südwind einsetzen. Also klingelt heute früh mal wieder der Wecker und pünktlich zum Sonnenaufgang lichten wir den Anker.

Wie vorhergesagt, können wir zunächst noch mit raumem Nordost-Wind von 8 bis 10 kn segeln, ab Mittag wird der Wind dann einschlafen. So kommt es auch, aber bis dahin ist es herrliches Gennaker-Segeln.

Und wir haben mehrfaches Glück, der Golfstrom bremst uns nicht, sondern lässt uns eine für uns gute Neerströmung nutzen; schenkt uns zudem aber auch wieder Angelerfolg. Dieses Mal ziehen wir einen schönen Schwarzflossen-Thunfisch an Bord.

Auch Fort Lauderdale begrüßt uns mit Hochhäusern und Industriehafen, aber einmal rechts um die Ecke, durch die erste Klappbrücke, der 17th Street Bascule Bridge, hindurch, schon sind wir in einer anderen Welt.

Eine Vielzahl von Wasserwegen durchzieht Fort Lauderdale. Sie zweigen links und rechts vom ICW ab, die Kanäle versorgen eine Unzahl von Grundstücken mit Wasserzugang. Unfassbare 40.000 Sportboote soll es hier geben. Andererseits:

Trotz – oder vielleicht wegen – der vielen privaten Stege sind öffentliche Ankerplätze im Stadtgebiet eher rar. Ein paar finden sich in Verbreiterungen des ICW, sie sind aber zumeist recht flach und durch den Intracoastal auch schwellig.

Wir entscheiden uns, einen Versuch im Lake Sylvia zu wagen. Der liegt ruhig, etwas abseits vom ICW, und er weist eine gute Ankertiefe auf. Kleine Haken: die Einfahrt ist ein bisschen tricky und der Platz ist oft voll. Wir tasten uns ganz nahe am Ostufer durch die Einfahrt, wechseln kurz vorm See auf die Westseite und werden belohnt: was für ein toller Platz in der Stadt:

Pura Vida.

Fort Pierce und Fisch zum 2. Advent

Der Weg an der Ostküste der USA herunter ist für uns mit ein bisschen mehr Motorstunden verbunden, als uns eigentlich lieb ist. Aber zwischendurch ist es auch immer wieder herrliches Segeln. Der Törn von Cape Canaveral nach Fort Pierce ist dafür exemplarisch, zu Beginn und am Ende jeweils ein paar Stunden motoren, dazwischen aber wunderbares Vor-dem-Wind-Segeln. Wir riggen beide Spinnakerbäume, setzen an Backbord den Code0 mit Floras Logo und an Steuerbord die Fock. Wie ausgebreitete Flügel vor dem Bug ziehen uns die beiden Segel südwärts. Was für ein herrlicher Anblick, was für ein tolles Gefühl.

Zumal der Törn auch noch Angelerfolg bietet, zwei Bonitos in guter Größe hole ich herein, dann verhängt Wiebke Angelverbot. 😳

In Fort Pierce kommen wir so rechtzeitig an, dass wir vorm Sonnenuntergang sogar noch unsere schwergängig gewordene Steuerbord-Mastwinsch auseinandernehmen, säubern, fetten und wieder anbauen können.

Im Hintergrund sieht man eine der typischen festen Brücken über den Intracoastal Waterway ICW, der parallel zu unserer Strecke entlangführt. Genau 65 Fuß Durchfahrtshöhe hat auch diese Brücke, bei unserer Masthöhe also nicht machbar mit der Flora.

Auf der anderen Seite unseres Ankerplatzes liegt ein Naturschutzgebiet mit Mangroven und Salzmarschen.

Wobei, wie so oft ist auch hier der eigentliche Küstenstreifen zum Strand nicht mehr Teil des Naturschutzgebietes, sondern mit Betonburgen bebaut, die etwas an die unglücklichen Hotelklötze auf der Nehrung des Mar Menor an der spanischen Mittelmeerküste erinnern.

Wir bleiben einen Tag hier am Ankerplatz, pruddeln am Boot herum (z.B. verstärken wir die Halterung unseres Außenborders am Heckkorb). Außerdem wird die komplette an Bord vorhandene Adventsdeko geriggt, bestehend aus einem handtellergroßen Herrnhuter Stern und einer Weihnachtsbaumkugel im Globus-Design.

Heute morgen dann noch kurz tanken und dann durch das Fort Pierce Inlet wieder hinaus in den Atlantik. Das Timing ist diesmal schlecht, bis zu vier Knoten Gegenstrom stehen uns im Inlet entgegen. Lässt sich aber nicht ändern, wenn wir unser Ziel West Palm Beach bei Tageslicht erreichen wollen. Also müssen wir da durch, ist ja auch nur ein kurzes Stück von ungefähr einer Meile. Aber die Strömungskabbelungen im Fahrwasser sind schon beeindruckend.

Wir hoffen mal, dass das nicht ein Vorgeschmack auf den Golfstrom ist, der uns bei Palm Beach leider mit voller Stärke bis direkt unter Land entgegenstehen wird. Seit Kap Hatteras hatten wir davon profitieren können, dass er auf dem Zwischenstück weiter draußen floss und sich in Landnähe sogar für uns vorteilhafte, Süd setzende Neerströme bildeten. Das ist ab jetzt wohl leider erst einmal vorbei.

Ein Gutes hat das aber auch, wir profitieren vom sprichwörtlichen Fischreichtum im Golfstrom. Einen Bonito lassen wir noch wieder frei, dann beißt diese schöne und leckere King Mackerel.

Und dann – verhängt Wiebke gleich wieder Angelverbot. Ist wohl besser so 😁.

Als ein Squall vor uns auftaucht, schalte ich das Radar ein, um die Regenzelle auf dem Plotter besser lokalisieren zu können. Nur leider sagt die Anzeige „Kein Radar gefunden“. Grr. Die nächste Baustelle tut sich auf. Aber auch das ist Bootsleben. Die To-do-Liste wird nie leer.

Pura Vida.

Gürteltiere, Wildpferde und Zauberwald in Georgia

Der nächste Segelschlag nach Süden führt uns aus South Carolina hinaus und fast ganz an der 160 km langen Atlantikküste von Georgia entlang bis an den westlichsten Punkt der US-amerikanischen Atlantikküste, nach Cumberland Island. Georgias Küste wartet dabei durchaus mit schönen Stränden auf, aber dahinter folgt praktisch auf der gesamten Küstenlänge ein breiter Streifen von Marschland mit unzähligen verästelten Flüssen und tideabhängigen Prielen. Die größeren Städte von Savannah im Norden bis Brunswick im Süden liegen deshalb stets einige Meilen im Landesinneren. Auf unserer Fahrt können wir trotzdem ziemlich genau ausmachen, wo wir sie zu verorten haben. Denn draußen auf See, außerhalb der stark strömenden und zum Teil engen Flüsse, liegen die Frachter weit vor den Häfen auf Reede. Natürlich müssen wir da durch und eben so klar ist, dass wir die Reede vor Savannah mitten in der Nacht passieren. Da, wo offene See sein muss, taucht vor uns ein Lichtermeer auf. Die Deckslichter der Frachter sind hell erleuchtet, ein großer dunkler Schatten zieht vor den Lichtern vorbei. Auf unserem Plotter sieht das dann so aus:

Aber außer der etwa quer durchs Feld fahrenden 300 m langen GSL Arcadia, für die zwischenzeitlich ein CPA (also die größte Annäherung) von nur 180 Metern angezeigt wird, kommt uns keiner der Frachter nahe und wir selbst halten ebenso Abstand. So wie auch von der Küste, denn zum Land hin wird es flach und selbst 20 sm vor dem Strand ist es kaum mehr als 20 m tief.

Tagsüber können wir erst schön segeln, aber dann wird der achterliche Wind immer schwächer und irgendwann reicht selbst unsere größtmögliche Schmetterlingsbesegelung mit Groß und Gennaker nicht mehr aus, wir müssen einen größeren Teil der Strecke motoren, können erst für die letzten Stunden wieder Segel setzen.

In den St. Marys Entrance fahren wir durch eine meilenlange Mole hinein, die allerdings bei hohem Wasserstand größtenteils überflutet ist. Das Timing stimmt durch das am Ende langsame Segeln nicht so recht, die Tide ist schon gekippt und das Wasser fließt uns mit 3 bis 4 kn entgegen, aber wir wollen nicht draußen warten. Für den Nachmittag und die folgende Nacht sind kräftige Winde angesagt, also müssen wir durch den Gegenstrom durch zu unserem geschützten Ankerplatz hinter Cumberland Island. Zieht sich etwas, geht aber.

Den Ankerplatz haben wir gewählt, weil wir so viel Gutes über das Naturschutzgebiet im Süden von Cumberland Island gehört haben. Also gehts am nächsten Morgen mit dem Dinghy hinüber zum kleinen Dock an der Ranger-Station. Dort entrichten wir pro Nase 10 Dollar Eintritt (es gibt nur Wochentickets) und marschieren dann mit Steve und Helena von der Amalia los. Einige Wanderwege und ein paar unbefestigte Straßen ziehen sich über die Insel. Und der kleine Pfad, auf dem wir unterwegs sind, bezaubert uns sofort. Palmettos bedecken den Boden. Die darüber hinausragenden niedrigen Bäume sind über und über mit Spanish Moss behangen, das im immer noch kräftigen Wind hin und her schwingt. Jede einzelne der Bart eines alten Mannes, der Geschichten und Märchen erzählt. Eine mystische Stimmung, als müssten gleich Elfen auftauchen.

Hier im Naturschutzgebiet stehen nur wenige Häuser, fast alle davon gehören zu einem ehemaligen Anwesen der Carnegie-Familie. Das 59-Zimmer-Herrenhaus ist abgebrannt und nur noch eine allerdings imposante Ruine, aber einige der Nebengebäude stehen noch.

Die Hauptattraktion der Insel aber ist die Natur. Der Zauberwald, Blicke ins weite Marschland, der Strand auf der Atlantikseite, nicht zuletzt auch die Tierwelt. Wilde Pferde posieren praktischerweise vor der im Hintergrund ankernden Flora 😉

Und wenn schon keine Elfen vorbeifliegen, macht uns ein Rascheln im trockenen Laub doch auf ein Wesen aufmerksam, das irgendwie nicht von dieser Welt zu sein scheint. Mauseöhrchen auf einem scheinbar unverhältnismäßig kleinen Kopf mit Knopfaugen und langer Nase, dazu ein breiter Körper mit dickem Knochenpanzer, kräftige Grabekrallen und gestreifter, ebenfalls gepanzerter Schwanz. Gleich mehrere Gürteltiere bekommen wir auf unserem Spaziergang zu sehen.

Dabei hätten wir diese einzigartigen prähistorisch wirkenden Säugetiere hier in Nordamerika gar nicht erwartet, aber der Südosten der USA gehört tatsächlich noch zu ihrem Verbreitungsgebiet. Und hier auf Cumberland Island sind sie inzwischen sogar recht häufig.

Pura Vida.

Neues Dinghy zum Unabhängigkeitstag

Mit unserem Außenbordmotor haben wir uns ja schon etwas länger rumgeärgert. Schlechtes Anspringen (insbesondere halbwarm), von Wiebke gar nicht zu starten, unrunder Lauf, Ausgehen bei Standgas (selbst wenn es schon so hochgedreht war, das das Dinghy beim Gangeinlegen erst mal einen Hüpfer machte). Grrrr. Der Service durch einen Techniker letztes Jahr brachte kaum Besserung, der neue Vergaser nur eine gewisse Linderung der Symptome.

Hilft nix, ein neuer soll her. Und wo wir schon dabei sind, das etwas überdimensionierte 340er Dinghy mit seinem Luftboden und seiner PVC-Hülle würden wir auch gerne durch ein 310er (Länge in Zentimetern) mit robustem Aluminiumboden und UV-beständigeren Hypalonschläuchen ersetzen, idealerweise mit einem festen Staukasten im Bug. Der dient als bequemer Tritt beim Einstieg, lässt den Tank, das Kabel zum Anschließen und die in den USA obligatorischen Rettungswesten verschwinden und von dort aus wird der Benzinschlauch zwischen dem doppelten Aluboden nach hinten zum Motor geführt. So stellen wir uns das jedenfalls vor.

Die erste Internetrecherche ist allerdings ernüchternd. Fast überall heißt es „derzeit nicht verfügbar“. Beim Spaziergang durch Eastport (auf der Südseite des Hafenbeckens von Annapolis und durch eine Klappbrücke verbunden) finden wir an einem Hinterhof das Schild „Annapolis Inflatables“ und schauen dort hinein. Tatsächlich verbirgt sich hinter dem unscheinbaren Eingang ein ganz veritabler Showroom mit diversen Dinghys (leider fast alle mit „verkauft“-Schild) und sogar auch einigen Motoren. Schon länger bestellte Außenborder sind angekommen, noch verpackt stehen sie in der Ecke. Und wir haben Glück, ein 20 PS Tohatsu ist dabei und noch nicht verkauft, da werden wir uns schnell handelseinig.

Bei den Dhinghys können wir die von uns favorisierten Marken „AB“ und „Highfield“, außerdem „Achilles“ direkt vergleichen. Ein 310er Highfield gefällt uns am besten, allerdings steht der Käufername schon dran. Weitere sind aber bestellt und sollten spätestens im September kommen. Nach etwas Hin und Her in den folgenden Tagen ergibt sich, dass wir ein (anderes) bestelltes 310er Highfield bekommen können, der Käufer hat es mit einem Suzuki-Motor bestellt, die Lieferung des Motors verzögert sich. Der Ladenbesitzer erklärt uns, er könne derzeit weit mehr Dinghys und Motoren verkaufen, als er beschaffen kann – COVID-bedingter Run auf den Wassersport und COVID-bedingte Lieferknappheit seien eine blöde Kombination.

In Zahlung nimmt er unsere Florecita und den Honda leider nicht, und so wandert der Honda auf die Halterung am Heckkorb, Florecita wird geschleppt. Der Nachbarlieger unkt „It’s always good to have a spare.“

Wir hoffen aber, die beiden Sachen über Ebay oder Facebook Marketplace bald loszuwerden.

In Annapolis wird es voll, die freien Bojen werden schon mit Paddleboards und Dinghys reserviert. Ein paar historische Segelschiffe kommen herein und drehen eine Ehrenrunde durch das Hafenbecken. Sie haben eine US-Nationalflagge mit nur 13 (statt der heute 50) Sternen gehisst, die „Betsy-Ross-Flagge“. Betsy soll im Juni 1776 diese erste US-Nationalflagge nach einer Zeichnung von George Washington genäht haben, was aber historisch umstritten ist. Jedenfalls kamen ursprünglich für jeden weiteren Staat der Vereinigten Staaten ein Streifen und ein Stern dazu, bis der Kongress 1818 beschloss, die Zahl der Streifen auf 13 (Zahl der Gründerstaaten) zu beschränken und jeweils am 4. Juli nach dem Beitritt eines weiteren Staates einen Stern hinzuzufügen, so dass die Zahl der Sterne der aktuellen Zahl der Bundesstaaten entspricht. Zuletzt wurden am 4.Juli 1960 zwei Sterne hinzugefügt, nachdem Alaska und Hawaii 1959 zu weiteren Bundesstaaten erklärt worden waren.

Zu den Feiern am amerikanischen Unabhängigkeitstag bleiben wir nicht mehr in Annapolis, sondern segeln schon hinunter nach Herrington. Am 4. Juli gibt’s auch hier Feuerwerk, wenn auch kleiner und ohne Umzüge auf den Straßen. Macht nichts. Wir müssen die Flora vorbereiten, schließlich soll sie in der nächsten Woche an Land gestellt werden. Nicht am 5. Juli, da ist hier Ruhetag. Wenn ein Feiertag (4. Juli) auf ein Wochenende fällt, wird dafür der folgende Montag frei 😎.

Aber halt an einem der darauf folgenden Tage, also putzen wir, räumen auf, geben den uns besuchenden Greg und Michael Sachen mit (im Gegenzug zu den bei ihnen angelieferten Amazon-Paketen), schlagen schon mal die Segel ab. Letzteres funktioniert besser als gedacht. Den Code0 können wir auf dem Weg nach Herrington trockensegeln, er war bei dem Gewitter in seiner Tasche am Seezaun doch ganz schön geflutet worden. Die Fock flutscht gut herunter und beim Großsegel bekommen wir die 5 langen Segellatten (die längste ist über 15 m) mit wenig Fummelei heraus und können das Segel auf dem Steg ordentlich zusammenfalten.

Knapp zwei Jahre alt, hat aber schon deutlich über 10.000 Seemeilen auf dem Buckel. Wir finden, das Großsegel sieht dafür noch gut aus, wollen es aber trotzdem beim Segelmacher auf kleinere Beschädigungen durchsehen lassen. Bei der Fock finden wir ein paar Macken, insbesondere im UV-Schutz und an den Lieken. Besser jetzt reparieren lassen, bevor sich größere Schäden entwickeln.

Zur Feier des Tages fahren wir am Abend des 4. mit dem neuen Dinghy raus aus dem Hafen in die Bucht und genießen das rundherum in den Himmel steigende Feuerwerk 🎇 über der Herrington Bay.

Um das Kap Hatteras in die Chesapeake Bay

Das Cape Lookout und insbesondere das Kap Hatteras genießen trotz ihrer optischen Schönheit unter Seglern einen eher zweifelhaften Ruf. Das liegt an den vorgelagerten Flachs, der schlechten Sichtbarkeit der niedrigen Outer Banks, vor allem aber an den Strömungen. Als wäre der Golfstrom nicht schon genug, arbeiten sich Ausläufer einer zweiten atlantischen Hauptströmung, des aus dem Nordpolarmeer kommende relativ kalten Labradorstroms eng an der Küste bis hier hinunter und drängen ab hier den Golfstrom nach Osten ab. Das ergibt eine intensiv arbeitende Wetterküche, die für unseren geplanten etwa 230 sm langen Übernachttörn in die Chesapeake Bay eben ein wohlgewähltes Wetterfenster erfordert.

Allzu zimperlich können wir da nicht sein, und so nehmen wir gemeinsam mit mindestens sechs anderen Booten die Chance eines Flautentages mit anschließend einsetzendem Südwestwind gerne wahr, auch wenn damit eine längere Strecke unter Motor verbunden ist.

Noch vor Sonnenaufgang gehen wir Anker auf, mogeln uns im ersten Büchsenlicht aus dem Barden Inlet und fahren erst einmal fast 10 sm in die “falsche” Richtung nach Südsüdosten um das weit aus greifende Flach vor Cape Lookout herum. Erst dann können wir nach Nordost Richtung Kap Hatteras schwenken.

Auf dem ersten Stück brausen trotz (bzw. wegen) der frühen Stunde die Sportfischerboote des Wettbewerbs in Beaufort rechts und links um uns herum, rauschen mit bis zu dreißig Knoten knapp an uns vorbei in Richtung Golfstrom und wühlen das Wasser dabei ziemlich auf.

Immerhin, noch können wir (wenn auch gelegentlich von den Motorbootwellen durchgeschüttelt) segeln, aber mit steigender Sonne setzt leider Flaute ein, wie vorhergesagt wird es ein Tag mit auch bei Flora rotierendem Motorstundenzähler. Wir trösten uns damit, dass wir sieben Segelboote zusammen am Tag weniger Diesel verbrauchen als eins dieser Boote in ein oder zwei Stunden.

Wir nutzen den von der Lichtmaschine im Überfluss bereitgestellten Strom, um vor der brackigen Chesapeake Bay unsere Frischwassertanks per Wassermacher noch einmal komplett voll zu machen.

Immerhin, zum Abend setzt der Wind langsam wieder ein und unter Groß und Code0 gleiten wir in die Nacht hinein.

Nachts haben wir zum Glück trotz Küstennähe nur relativ wenig Schiffsverkehr. Wechsel auf die Fock, zurück auf den Code0, Motorsegeln, weitere Segelwechsel und dann doch wieder längere Zeit motoren, so zeigt sich der zweite Tag.

Außerdem haben wir endlich wieder einmal Angelerfolg, eine schöne Spanische Makrele können wir an Bord ziehen. Trotzdem, das lange motoren hinein in die große Chesapeake Bay zieht sich, insbesondere nachdem wir das imposante Bauwerk des Chesapeake Bay Bridge Tunnels passiert haben, das sich mehr als 28 Kilometer lang über die Mündung der Bucht erstreckt. In beide Richtungen unserer Durchfahrt über einen der zwei Tunnelabschnitte läuft die Brücke aus unserem Blickfeld hinaus.

Und danach geht es eben noch stundenlang unter Motor weiter bis hinüber auf die westliche Seite der hier sehr breiten Bucht. Erst gegen 17.00 können wir den Anker im East River der Mobjack Bay fallen lassen. Es fühlt sich an, als wären wir in einem stillen, von hohen Bäumen und schönen Häusern umstandenen See vor Anker gegangen. Die Escape ist schon da, Easy-One und Tropicool finden sich kurz nach uns ein und ankern nicht allzu weit entfernt.

Keine 100 m hinter unserem Schiff hat ein Fischadler sein Nest auf einem Pfahl im Wasser gebaut, sein Schrei klingt durch die Abendstille über das glatte Wasser.

Schön, wieder hier zu sein.

Auf Wiedersehen, Exuma Cays. Hallo, Eleuthera!

Am 24. April sind wir in den Exumas angekommen, einen Monat lang bummelten wir diese wunderbare Inselkette hinauf. So viel mehr als nur die bekannten schwimmenden Schweine gab es zu sehen. Wieder waren neben der Natur die getroffenen Menschen die eigentlichen Highlights, unvergessen z.B. die spontane Tanzperformance von Izryel auf Little Farmers Cay oder auch das “deutsche Dorf” mit anderen Seglern.

Aber: wir haben das nördliche Ende der Inselkette erreicht, machen einen Schlag über den kilometertiefen Exuma-Sound nach Eleuthera.

Aus dem Flachen übers Tiefe ins sehr Flache. Als wenn sich zwischen Schleimünde und Lyø ein umgedrehtes Hochgebirge in die Ostsee hinabsenken würde 😙.

Die Barre im Südwesten Eleutheras hat es dann wieder in sich, aber durch den Davis-Channel können wir uns hineintasten nach Rock Sound. Die Bucht vor dem kleinen Ort ist ebenfalls ziemlich flach, am Ankerplatz haben wir bei Niedrigwasser nur 20 cm (und damit kaum mehr als die berühmte Handbreit) Wasser unter dem Kiel. Aber anders als der Name vermuten lässt ist der Grund praktisch durchgängig Sand, vielleicht ist der Ortsname ja doch eine musikalische Anspielung 😉.

Links im Vordergrund sieht man übrigens die Attraktion von Rock Sound, das “Ocean Hole”, ein 183 m tiefes Blue Hole, wohl über Höhlen mit dem tiefen Ozean östlich von Eleuthera verbunden. Und eine natürliche Meerwasser-Badeanstalt mitten im Ort.

Auf dem Weg dorthin fallen uns die vielen blühenden Pflanzen auf, vor allem die wunderschönen Flammenbäume (Flamboyant). Eigentlich in Madagaskar heimisch, sind sie als Zierpflanze eingeführt worden und inzwischen in den Tropen und Subtropen weit verbreitet.

Wir finden einen recht gut sortierten Supermarkt und kaufen mal wieder Frisches ein, außerdem füllen wir den Reservekannister für das Dinghy wieder auf, die Esso-Tankstelle hat dankenswerter Weise einen extra Dinghysteg angelegt.

Und wir essen zum ersten Mal seit fast einem Monat mal wieder in einem Restaurant. Auch das “Wild Orchids” hat einen eigenen Dinghyanleger und wir schauen von der Terrasse direkt auf die Flora.

Heute segeln wir größtenteils am Wind erst unter Code0 und dann Fock bei herrlich glattem Wasser an der Leeseite von Eleuthera hinauf bis nach Sands Cay. Zur Krönung geht auch noch ein leckerer Snapper an den Haken, das Abendessen (für die nächsten Tage) ist also gesichert.

Da sind die Fische beim Schnorcheln doch erstmal sicher vor unserer mitgeführten Hawaiian Sling (außer den Rotfeuerfischen, aber diesmal versteckt sich der einzige gesichtete beim Näherkommen schnell in einer Felsenhöhle). Da kann ich dann dafür die vorbeiziehende Schule von Fledermausfischen (Karibischer Spatenfisch) in Ruhe bewundern.

Comer Channel

Danke für das Daumendrücken. Nur ein kurzes Update: wir sind durch den Comer Channel unbeschadet durchgekommen, es war ein wunderbares Erlebnis.

Timing und Wetterfenster passen perfekt, wir können praktisch die gesamten 23 sm vom Ankerplatz bei Water Cay (Ragged Islands/Jumentos) bis zum Wegepunkt westlich des Comer Channel segeln, die meiste Zeit sogar unter Gennaker. Pünktlich zwei Stunden vor Hochwasser sind wir dort (= eine halbe Stunde vor Hochwasser Nassau). Die Tidenreviersegler mögen jetzt müde lächeln, aber für uns alte Ostseesegler ist es aufregend, bei einem Tidenhub von nur etwa 60 cm durch eine 12 sm lange unbetonnte Flachwasserpassage mit einer Kartentiefe von zum Teil weniger als unserem Bootstiefgang (2 Meter) zu fahren.

Aber wie berechnet haben wir tidenbedingt durchgängig mehr Wasser als in der Seekarte angegeben und wir schaffen es ohne Grundberührung hinüber nach Long Island, wo wir jetzt in der Thompson Bay ankern.

Der relativ schwache Wind kommt ausnahmsweise mal nicht aus Ost, sondern aus südlichen Richtungen, so dass wir auch nicht gegen eine Welle anfahren müssen, zudem ist das benötigte Hochwasser heute kurz nach Mittag, die Passage erfolgt also bei bester Sicht. Es finden sich aber ohnehin nur wenige Steine oder Korallenköpfe entlang der Route über das Flach, der Sandgrund schimmert fast durchgängig in einem fast unwirklich hellen Türkis.

Übrigens (mit Gruß an Kerstin) sind alle Bilder dieses Beitrags unbearbeitet und ohne Filter aufgenommen! Die Segel haben wir aber vor dem Comer Channel weggerollt und erst nach den ganz flachen Stellen wieder gesetzt.

Die versprochenen Bilder für die letzten beiden Beiträge folgen, sobald ich sie in Gänze sortiert habe 😌.

Segeln durch die Mona-Passage hinüber in die Dominikanische Republik

Der Ankerplatz bei Puerto Real im Westen von Puerto Rico ist hervorragend geschützt, eine schmale, gut betonte Riffdurchfahrt führt in die fast kreisrundere Bucht. Da macht es auch kaum etwas, dass der schlammige Grund dem Anker erst beim zweiten Versuch genug Halt bietet. Was Puerto Real darüber hinaus auszeichnet ist die Marina Pescaderia, genauer gesagt deren Manager José.

Zum einen können wir bei ihm ausklarieren, er faxt und emailt das bekannte Formular CBP 1300 an die zuständigen Stellen und schon eine halbe Stunde später bekommen wir das gestempelte Ausklarierungspapier in die Hand gedrückt. Normalerweise jedenfalls. Heute dauert es etwas länger, die Behörde hat scheinbar Empfangsprobleme. Kein Drama, wir möchten eh noch Besorgungen machen. Die Marina hat vier Mietwagen, aber die sind leider alle bereits gebucht.

Macht nichts, Chuck (La Rive Nord) bekommt von José die Schlüssel für dessen privaten Pickup. Und so schaffen wir es, für die La Rive Nord und die Flora nochmal die amerikanischen Propangasflaschen zu füllen, Apothekenbesorgungen zu machen und die Easy-One kann Technikkram im WalMart-Superstore (und wir alle auch noch Lebensmittel) ergänzen. Wieder zurück in der Marina sind auch die Ausklarierungspapiere klar. Nach nunmehr 5 Wochen in diesem Land sagen wir: Tschüß Puerto Rico, vielen Dank, Du warst ein toller Gastgeber.

Am nächsten Morgen machen sich bei Sonnenaufgang zuerst Helen und Kirk mit der Landscape auf den Weg, kurz darauf ein französischer Segler und etwas später dann auch die Easy-One, die La Rive Nord und zuletzt wir. Fünf Boote mit dem gleichen Ziel, nach Nordwesten in die Samana Bay in der dominikanischen Republik.

Der Weg führt quer über die Mona-Passage. Sie trennt Puerto Rico von Hispaniola, der Insel auf der Haiti und die Dominikanische Republik liegen. Und obwohl vor uns nur etwa 140 sm liegen, begegnen wir der Mona-Passage doch mit gehörigem Respekt. Nach der in ihrer Mitte liegenden und zu Puerto Rico gehörenden Isla Mona benannt, weist die zum Teil über tausend Meter tiefe Meerenge auf beiden Seiten einige Flachs auf. Insbesondere das “Hourglass-Shoal” vor der DomRep ist berüchtigt. Die Seekarte warnt: “Tide rips and heavy swells may be encountered at any time along the edge of this bank”. Das verwundert ein bisschen, denn sooo flach ist die von der Form an ein liegendes Stundenglas erinnernde unterseeische Verlängerung der Ostküste der DomRep eigentlich gar nicht. Aber sie weist eben auf beiden Seiten große Tiefen auf und außerdem liegt sie genau auf der Grenze zwischen dem karibischen Meer und dem offenen Nordatlantik.

Aber das Windfenster sieht vielversprechend aus und ist auch tatsächlich gut gewählt. Direkt vor Puerto Real geht gleich unser blauer Gennaker hoch und Harry Potter (weil er unter Floras Niedergangstreppe wohnt) begeistert uns mit einer ruhigen schnellen Fahrt bei erst südöstlichen und dann flauer und südlichen werdenden Winden zwischen 6 und 12 kn. Kaum zu fassen, bei halbem Wind schafft Flora mit Großsegel und dem flach geschnittenen Gennaker etwa soviel Fahrt, wie wir scheinbaren Wind haben. Das nennt man wohl Sweetspot 😁 (und die Strömung hilft auch noch).

Erst nach dem Abendessen holen wir Harry Potter herunter und wechseln auf die Fock. Da haben wir die Nordostecke des Hourglass-Shoal bereits (mit einigem Abstand) passiert und können in der Ferne sogar schon das Cabo Engaño liegen sehen. Wir gönnen uns einen alkoholfreien Sundowner und mit den bewährten 3-Std-Wachen geht’s in die Nacht. Herrliches Segeln, sternenklarer Himmel. Wobei – wir sind wieder mal zu schnell. Beim Wachwechsel um 22.00 Uhr binden wir drei Reffs in das Groß, einfach um langsamer zu werden und nicht im Dunkeln anzukommen. Erst gegen 4.00 und damit deutlich später als vorhergesagt kommt dann Flaute, wir holen die Segel ein und motoren den Rest, selbst als wieder Segelwind aufkommt. Zum einen wegen der vielen Flachstellen in der Bahía Samana, vor allem aber wegen der erhofften Begrüßung 😁. Die stellt sich nämlich ein: Wale. Genau genommen Buckelwale (Humpback Whales), von denen sich viele hier regelmäßig zwischen Mitte Januar und Ende März aufhalten, denn hier liegt eine der großen Kinderstuben für Buckelwale.

Erst sehen wir nur ab und zu einen Blas oder einen Rücken mit Finne, aber dann häuft sich das Klatschen aufs Wasser mit den langen Brustflossen, ab und zu sehen wir einen Wal springen und auch das Zeigen der Fluke vor dem Abtauchen. Wir sind völlig begeistert. Was für ein Geschenk, so in der Dominikanischen Republik empfangen zu werden.