Auf nach SĂŒden

War der kurze 20 sm HĂŒpfer nach Annapolis auch schon mal ein toller Saisonauftakt, eine ganze Woche hĂ€tten wir dort eigentlich gar nicht bleiben wollen.

Dass es trotzdem so kommt, ist neben dem Wetter einigen Bootsarbeiten und – vor allem – den Treffen mit anderen Seglern geschuldet. Außerdem tut es gut, wieder anzukommen auf dem Boot, sich Zeit zu nehmen. 😎 Die AtmosphĂ€re der Stadt aufzunehmen und auf uns wirken zu lassen.

Wir kĂŒmmern uns nochmals um unseren Generator, aber da kommen wir derzeit nicht wirklich weiter. Trotz neuer Kondensatoren kommt beim Start zunĂ€chst zwei mal eine Fehlermeldung, beim dritten Start lĂ€uft dann der Generator problemlos. Noch nicht optimal!

Den neuen Teppich hatten wir uns (von Hallberg-Rassy Parts) nach Herrington schicken lassen. Beim alten war an den RĂ€ndern die Kettelung z.T. aufgegangen, einige Druckknöpfe waren defekt, vor allem aber war die Gummierung der RĂŒckseite nach 10 Jahren nun so porös und bröselig geworden, dass wir eine Reparatur der ĂŒbrigen Macken fĂŒr nicht sinnvoll hielten.

Neue Druckknöpfe und das passende Werkzeug hatten wir mitbestellt. Beim Auspacken jetzt in Annapolis die freudige Überraschung: Druckknöpfe sind schon drin!

Und sie passen ziemlich gut bei den ersten drei Teppichen, die wir austauschen. Beim vierten, dem großen im Salon, machen wir dann aber lange Gesichter: die Ausschnitte fĂŒr die FĂŒĂŸe des Salontisches passen nicht, sind ein paar Zentimeter versetzt. Grrr 😖.

TatsĂ€chlich schaffen wir es mit etwas Überredungskunst, eine Boat-Canvas-Werkstatt zum KURZFRISTIGEN UmsĂ€umen der von uns angepassten Ausschnitte zu bringen. Per Dinghy schaffen wir den Teppich zu ihnen in den Backcreek, kaufen Lebensmittel ein und schwupp, können wir den Teppich wieder mitnehmen. Jetzt passt er 😁.

Mehrmals treffen wir Annemarie und Volker von der „escape“, feiern ausgiebig Abschied, denn zumindest fĂŒr diese Saison trennen sich unsere Wege. Wir sind gespannt, wo sie sich wieder kreuzen.

Peter, ein deutscher Segler, den wir im letzten Jahr kennengelernt haben, lÀdt uns in sein Haus in Annapolis ein, wo wir einen sehr netten Abend mit ihm und seiner Frau verbringen.

Am nÀchsten Tag kommt Mario vorbei, ein amerikanischer Eigner einer anderen Hallberg-Rassy 43. Bootsbesichtigung und fachsimpeln.

Aber dann geht es los. Herrliches Segeln mit raumem bis achterlichem Wind, der anfangs zwar noch in Böen 30 kn erreicht, dann aber schnell abnimmt, so dass wir ein Reff nach dem anderen ausschĂŒtteln können.

Trotz des herrlichen Sonnenscheins und des achterlichen (und damit scheinbar ja weniger starken) Windes ist es frisch, Wiebke mummelt sich im Cockpit in eine Decke. Wird doch Zeit, sĂŒdlicher zu gehen.

Das letzte StĂŒck der 45 sm nach Solomons mĂŒssen wir wieder etwas anluven, schön, dass bei der SchotfĂŒhrung nur die durch die Spibaumnock gefĂŒhrte Spischot losgeworfen und die Fockschot dichtgenommen werden muss, der Baum kann erst einmal stehenbleiben:

Pura Vida.

Annapolis zum “Saisonstart”

Saisonstart im Oktober, das klingt irritierend. Aber genau so fĂŒhlt es sich fĂŒr uns an, nachdem die Flora fast drei Monate auf dem Trockenen stand, wo sie eine Schönheits- und eine Fitnesskur bekam.

Der erste Segeltag – ein Traum. Kaiserwetter, dazu eine wunderbare Segelbrise und noch dazu aus West, so dass wir kaum Welle haben und unser Tagesziel Annapolis mit Halbwindkurs ansteuern können. Vorbei am ikonischen Thomas Point Shoal – Leuchtturm, selbst das eigentlich eher brĂ€unlich trĂŒbe Wasser der Chesapeake Bay wirkt da blau 😊.

Gleich am ersten Tag in Annapolis besuchen wir Annemarie und Volker auf ihrer „escape“ und haben einen supernetten Abend bei ihnen an Bord.

Am nĂ€chsten Morgen beim amerikanischen FrĂŒhstĂŒck im Cockpit der Flora (mit leckeren Bageln) haben wir den Blick auf das Kapitol links im Hintergrund und das weitlĂ€ufige GelĂ€nde der Naval Academy (rechts).

Nachdem wir ja bei unserem letzten Besuch hier das Kapitol besichtigt hatten beschließen wir, diesmal die Kaderschmiede der US Navy zu besuchen. Das GelĂ€nde ist öffentlich zugĂ€nglich und beinhaltet mehrere Ausstellungen, ein Museum, eine Kirche, natĂŒrlich die WohnrĂ€ume der Kadetten, die HörsĂ€le, die VerwaltungsgebĂ€ude und einen eigenen Navy-Yachthafen mit Jollen und diversen seegĂ€ngigen Segelyachten.

Und man merkt selbst hier, dass es auf Halloween 🎃 zugeht:

Vor allem aber bekommen wir auf dem großen, parkĂ€hnlichen Campus-GelĂ€nde mit seinen monumentalen Bauten einen Eindruck davon, wie stark die Stadt Annapolis mit der Navy und ihrer Akademie USNA (United States Naval Academy) verbunden ist und wie sehr sie auch von dieser seit 1845 hier angesiedelten Institution geprĂ€gt wurde.

Apell der Midshipmenmen (und -women) tÀglich um 12.05, die Flaggen auf Halbmast wegen des Todes von Colin Powell
GebĂ€udeinschriften Navigation und Seemannschaft, davor tatsĂ€chlich ein Denkmal fĂŒr JAMES BOND (Stockdale), die Studenten streben gerade aus dem Hörsaal zur Mensa.
Die „Kapelle“ auf dem Campus der USNA

Die Soldatinnen und Soldaten in ihren weißen Ausgehuniformen gehören ohnehin zum Stadtbild von Annapolis. Vier Jahre dauert ihre Ausbildung (inclusive Studium) hier, dann folgen mindestens fĂŒnf weitere Jahre als Offizier der Navy. Die Ausstellung betont, dass danach natĂŒrlich nicht Schluss sein muss. Herausgestellt werden ehemalige Absolventen wie PrĂ€sident Jimmy Carter und diverse US-Astronauten.

Ein bisschen stĂ¶ĂŸt auf, wie kritikfrei die heroische Darstellung in den Ausstellungen und im Museum ist, bei den militĂ€rischen Themen mag das noch verstĂ€ndlich sein, bei mehr historischen wie etwa der Nordpolexpedition von Robert E. Peary mit seiner umstrittenen Erstbetretung des Pols am 6. April 1909, na ja, kein Wort des Zweifels. Aber vielleicht war es ja auch so, dass Peary nur wegen der eisigen KĂ€lte genau an den Tagen seines grĂ¶ĂŸten Erfolgs sein sonst so penibel gefĂŒhrtes Tagebuch und auch sein Routenbuch ohne Eintrag ließ.

Nicht so bitterkalt, aber doch merklich kĂŒhler und herbstlicher wird es jedenfalls auch hier, wird Zeit, dass wir der WĂ€rme wieder ein StĂŒck entgegensegeln. Schön ist es trotzdem.

Pura Vida.

ZurĂŒck im Wasser đŸ€©

Es ist immer aufregend, wenn der eigene Dampfer in Gurten hĂ€ngend in der Luft schwebt, der Kran (Travellift) sich in Bewegung setzt und mit leichtem Schaukeln das Boot zum Wasser karrt. Dann – ganz langsam – hinunterlĂ€sst. Wir springen an Bord, kontrollieren die Seeventile und 



 😖. Eins tropft. Nicht viel, aber eben doch stetig. HALT, Gurte noch nicht losmachen. Bei genauerer Kontrolle stellt sich heraus, dass nicht das (neu eingesetzte bronzene) Seeventil der Klimaanlagenpumpe undicht ist, sondern der nur der Deckel des Seewasserfilters darĂŒber. Einmal aufmachen, neu mit Vaseline einsetzen, gut aber nicht zu fest zuschrauben, dicht. Erleichtert geben wir das Signal, dass die Gurte jetzt doch weg können. Der Motor, die Klimaanlage und der Generator mĂŒssen noch gecheckt werden. Das geht erst im Wasser, aber natĂŒrlich nicht an der Kranstelle. Also werden wir an einen Liegeplatz geschleppt und können dort in Ruhe alles erledigen.

Hm. In Ruhe? Ein bisschen mehr Ruhe, als wir uns gewĂŒnscht hatten. Am Donnerstag eingewassert, dĂŒrfen wir noch bis Sonntag auf dem Liegeplatz bleiben, dann mĂŒssen wir weg. VerlĂ€ngern ist nicht möglich, der Hafen ist voll.

Egal, heute passiert eh nix mehr, fahren wir also auf die Bootsmesse nach Annapolis und treffen mit Annemarie, Volker (escape), Mareike (Moana), Kim und Chuck (La Rive Nord) alte Bekannte endlich wieder.

Nicht wie besprochen am Donnerstag, auch nicht am Freitag, sondern erst am Samstag (immerhin) kommt der Motor-Spezialist und erledigt seine Restarbeiten einschließlich des SpĂŒlens der KĂŒhlkreislĂ€ufe mit einer Reinigungslösung, die Kalkverkrustungen und etwaigen Muschelbewuchs entfernt. Das muss einige Zeit einwirken, danach erst können wir die Maschinen starten.

Klappt beim Motor wunderbar. Beim Generator 



 leider nicht so perfekt. Er startet zwar, stellt sich aber nach zehn Minuten selbsttĂ€tig ab: „FEHLER AC-1 SPANNUNG“. Hm. Zugegeben hatten wir diese Fehlermeldung zuletzt gelegentlich, wenn wir starke Verbraucher angeschlossen hatten und das BatterieladegerĂ€t ebenfalls unter Last arbeitete. Dem hĂ€tten wir uns demnĂ€chst eigentlich in Ruhe widmen wollen, aber jetzt mĂŒssen wir es vorziehen. Na gut. Die wahrscheinliche Ursache sind nach gleichlautender Aussage im Manual und den Internet-Foren defekte Kondensatoren („Capacitors“, elektronische Bauteile, die die Spannung regeln). Nach einiger Suche und einem Anruf beim technischen Support von Whisperpower in Holland finde ich sie.

Bloß, wo kriege ich jetzt auf die Schnelle Ersatz her? Es gibt in Annapolis einen Whisperpower-HĂ€ndler, aber derzeit ist Messe, die AuftragsbĂŒcher sind voll und Termine kaum zu bekommen. Aber Mike schaltet sich ein, lĂ€sst seine Beziehungen spielen und fĂŒr Dienstag kĂŒndigt Nate von Hortonmarineservices seinen Besuch mit Ersatzkapazitatoren an. Wow.

Allerdings können wir bis dahin eben nicht in Herrington im Hafen bleiben. Wieder durch Vermittlung von Mike bekommen wir einen eigentlich unpassenden „Not“-Platz gegenĂŒber bei Shipwright fĂŒr einige weitere Tage.

Das ist mehr als gut, denn unsere Shades fĂŒr das Bimini sind zwar in letzter Minute fertig geworden, allerdings sind am Bimini selbst noch in paar Nachbesserungen zu erledigen, die tatsĂ€chlich auch erst am Dienstag fertig sind. Zwischendurch haben wir es allerdings an Bord und können unsere Sunware-Solarpanele wieder auf ihm befestigen, die Loxx-Knöpfe dafĂŒr lassen sich vom alten Bimini wiederverwenden. Auch wenn es ein befremdliches GefĂŒhl ist, in das niegelnagelneue Bimini gleich 20 Löcher zu stanzen 😬, wir wagen es und es passt.

FĂŒhlt sich gut an, nun (soweit wir es beurteilen können) endlich alles auf Stand zu haben. Jetzt lockt die schon leicht herbstliche Chesapeake Bay und dann der Weg nach SĂŒden.

Pura Vida.

Neues Dinghy zum UnabhÀngigkeitstag

Mit unserem Außenbordmotor haben wir uns ja schon etwas lĂ€nger rumgeĂ€rgert. Schlechtes Anspringen (insbesondere halbwarm), von Wiebke gar nicht zu starten, unrunder Lauf, Ausgehen bei Standgas (selbst wenn es schon so hochgedreht war, das das Dinghy beim Gangeinlegen erst mal einen HĂŒpfer machte). Grrrr. Der Service durch einen Techniker letztes Jahr brachte kaum Besserung, der neue Vergaser nur eine gewisse Linderung der Symptome.

Hilft nix, ein neuer soll her. Und wo wir schon dabei sind, das etwas ĂŒberdimensionierte 340er Dinghy mit seinem Luftboden und seiner PVC-HĂŒlle wĂŒrden wir auch gerne durch ein 310er (LĂ€nge in Zentimetern) mit robustem Aluminiumboden und UV-bestĂ€ndigeren HypalonschlĂ€uchen ersetzen, idealerweise mit einem festen Staukasten im Bug. Der dient als bequemer Tritt beim Einstieg, lĂ€sst den Tank, das Kabel zum Anschließen und die in den USA obligatorischen Rettungswesten verschwinden und von dort aus wird der Benzinschlauch zwischen dem doppelten Aluboden nach hinten zum Motor gefĂŒhrt. So stellen wir uns das jedenfalls vor.

Die erste Internetrecherche ist allerdings ernĂŒchternd. Fast ĂŒberall heißt es „derzeit nicht verfĂŒgbar“. Beim Spaziergang durch Eastport (auf der SĂŒdseite des Hafenbeckens von Annapolis und durch eine KlappbrĂŒcke verbunden) finden wir an einem Hinterhof das Schild „Annapolis Inflatables“ und schauen dort hinein. TatsĂ€chlich verbirgt sich hinter dem unscheinbaren Eingang ein ganz veritabler Showroom mit diversen Dinghys (leider fast alle mit „verkauft“-Schild) und sogar auch einigen Motoren. Schon lĂ€nger bestellte Außenborder sind angekommen, noch verpackt stehen sie in der Ecke. Und wir haben GlĂŒck, ein 20 PS Tohatsu ist dabei und noch nicht verkauft, da werden wir uns schnell handelseinig.

Bei den Dhinghys können wir die von uns favorisierten Marken „AB“ und „Highfield“, außerdem „Achilles“ direkt vergleichen. Ein 310er Highfield gefĂ€llt uns am besten, allerdings steht der KĂ€ufername schon dran. Weitere sind aber bestellt und sollten spĂ€testens im September kommen. Nach etwas Hin und Her in den folgenden Tagen ergibt sich, dass wir ein (anderes) bestelltes 310er Highfield bekommen können, der KĂ€ufer hat es mit einem Suzuki-Motor bestellt, die Lieferung des Motors verzögert sich. Der Ladenbesitzer erklĂ€rt uns, er könne derzeit weit mehr Dinghys und Motoren verkaufen, als er beschaffen kann – COVID-bedingter Run auf den Wassersport und COVID-bedingte Lieferknappheit seien eine blöde Kombination.

In Zahlung nimmt er unsere Florecita und den Honda leider nicht, und so wandert der Honda auf die Halterung am Heckkorb, Florecita wird geschleppt. Der Nachbarlieger unkt „It’s always good to have a spare.“

Wir hoffen aber, die beiden Sachen ĂŒber Ebay oder Facebook Marketplace bald loszuwerden.

In Annapolis wird es voll, die freien Bojen werden schon mit Paddleboards und Dinghys reserviert. Ein paar historische Segelschiffe kommen herein und drehen eine Ehrenrunde durch das Hafenbecken. Sie haben eine US-Nationalflagge mit nur 13 (statt der heute 50) Sternen gehisst, die „Betsy-Ross-Flagge“. Betsy soll im Juni 1776 diese erste US-Nationalflagge nach einer Zeichnung von George Washington genĂ€ht haben, was aber historisch umstritten ist. Jedenfalls kamen ursprĂŒnglich fĂŒr jeden weiteren Staat der Vereinigten Staaten ein Streifen und ein Stern dazu, bis der Kongress 1818 beschloss, die Zahl der Streifen auf 13 (Zahl der GrĂŒnderstaaten) zu beschrĂ€nken und jeweils am 4. Juli nach dem Beitritt eines weiteren Staates einen Stern hinzuzufĂŒgen, so dass die Zahl der Sterne der aktuellen Zahl der Bundesstaaten entspricht. Zuletzt wurden am 4.Juli 1960 zwei Sterne hinzugefĂŒgt, nachdem Alaska und Hawaii 1959 zu weiteren Bundesstaaten erklĂ€rt worden waren.

Zu den Feiern am amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitstag bleiben wir nicht mehr in Annapolis, sondern segeln schon hinunter nach Herrington. Am 4. Juli gibt’s auch hier Feuerwerk, wenn auch kleiner und ohne UmzĂŒge auf den Straßen. Macht nichts. Wir mĂŒssen die Flora vorbereiten, schließlich soll sie in der nĂ€chsten Woche an Land gestellt werden. Nicht am 5. Juli, da ist hier Ruhetag. Wenn ein Feiertag (4. Juli) auf ein Wochenende fĂ€llt, wird dafĂŒr der folgende Montag frei 😎.

Aber halt an einem der darauf folgenden Tage, also putzen wir, rĂ€umen auf, geben den uns besuchenden Greg und Michael Sachen mit (im Gegenzug zu den bei ihnen angelieferten Amazon-Paketen), schlagen schon mal die Segel ab. Letzteres funktioniert besser als gedacht. Den Code0 können wir auf dem Weg nach Herrington trockensegeln, er war bei dem Gewitter in seiner Tasche am Seezaun doch ganz schön geflutet worden. Die Fock flutscht gut herunter und beim Großsegel bekommen wir die 5 langen Segellatten (die lĂ€ngste ist ĂŒber 15 m) mit wenig Fummelei heraus und können das Segel auf dem Steg ordentlich zusammenfalten.

Knapp zwei Jahre alt, hat aber schon deutlich ĂŒber 10.000 Seemeilen auf dem Buckel. Wir finden, das Großsegel sieht dafĂŒr noch gut aus, wollen es aber trotzdem beim Segelmacher auf kleinere BeschĂ€digungen durchsehen lassen. Bei der Fock finden wir ein paar Macken, insbesondere im UV-Schutz und an den Lieken. Besser jetzt reparieren lassen, bevor sich grĂ¶ĂŸere SchĂ€den entwickeln.

Zur Feier des Tages fahren wir am Abend des 4. mit dem neuen Dinghy raus aus dem Hafen in die Bucht und genießen das rundherum in den Himmel steigende Feuerwerk 🎇 ĂŒber der Herrington Bay.

StĂŒrmischer Wind. So sieht’s aus.

Wir liegen immer noch im Spa Creek an einer Mooringboje, quasi im Stadthafen von Annapolis. Das ist ideal, um in der Einkaufsstraße bummeln zu gehen (machen wir), um in einem der vielen Restaurants Essen zu gehen (machen wir auch) und um in dieser selbsternannten “Sailing Capital” die maritime Infrastruktur zu nutzen (machen wir natĂŒrlich auch).

Aber heute beschert Annapolis uns darĂŒber hinaus etwas Unerwartetes. Auf meinem Handy (mit amerikanischer SIM) ploppt unvermittelt eine Warnung auf: „Tornado Warning ⚠  (fĂŒr unseren Landkreis hier) 
 , severe weather, 
 seek shelter.“ Wer verschickt das, wieso an uns, wir haben uns nirgends dafĂŒr angemeldet? Ist das echt, mĂŒssen wir das ernst nehmen? Im normalen Wetterbericht war fĂŒr heute Nachmittag zwar Regen angekĂŒndigt, auch Gewitter, aber so was? Hm, immerhin sind wir an Bord. WĂ€hrend wir noch rĂ€tseln verdunkelt sich der Himmel, Wind ist aber kaum.

Dann geht alles ganz schnell.

Eine schnell ziehende Wolkenwand rauscht heran und Sekunden spÀter kommt der Regen schon waagerecht.

Die Sicht ist weg, Blitze zucken und der Wind ist stĂŒrmisch, in der Spitze messen wir 43 kn, WindstĂ€rke 9, also Sturm. Meist bleibt es aber bei 8 (stĂŒrmischer Wind). Wie das bei uns hier an der Boje in Annapolis aussieht, könnt ihr auf unserem Video ein bisschen miterleben.

Bruch gibt’s zum GlĂŒck keinen, weder bei uns noch (soweit wir das sehen) auf den anderen Booten an den Bojen hier. Selbst unser aufgebautes Bimini mit seinem schon etwas angeschlagenen Stoff ĂŒbersteht es gut.

Und einen Tornado erleben wir zum GlĂŒck auch nicht.

Annapolis, Sailing Capital

Die erste Hauptstadt der Vereinigten Staaten (wenn auch nur fĂŒr neun Monate direkt nach Ende des UnabhĂ€ngigkeitskrieges 1784) ist heute noch die Hauptstadt des Staates Maryland. Gleichwohl, Annapolis hat nur etwa 40.000 Einwohner, eine beschauliche pittoreske Kleinstadt mit historischem Stadtkern.

Sie beherbergt aber auch die Marineakademie der US Navy mit etwa 4.000 Kadetten, die mit ihren weißen Uniformen im Stadtbild sehr prĂ€sent sind. Wohlgemerkt: nur die Kadetten. Die Kriegsschiffe selbst dagegen liegen hauptsĂ€chlich in der großen US-Marinebasis in Norfolk im SĂŒden der Chesapeake Bay.

Die vielen HĂ€fen in und um Annapolis dienen dagegen der Freizeitschschifffahrt. Segelboote, von Jollen bis zu großen Yachten prĂ€gen das Bild, zumal die in den Ort hineinragenden Creeks gespickt sind mit Bojen, AnkerplĂ€tzen und Stegen vor den schmucken HĂ€usern an den unzĂ€hligen WassergrundstĂŒcken. Darauf nimmt auch der inoffizielle Spitzname der Hauptstadt Marylands wortspielerisch Bezug: “Sailing Capital”.

Und Annapolis zeigt sich wirklich seglerfreundlich. Da ist z.B. der gut geschĂŒtzte Stadthafen mit seinen recht gĂŒnstigen BojenplĂ€tzen (35 $ pro Nacht), fĂŒr kleinere Boote und weiter hinein in den Creek hinter der KlappbrĂŒcke gibt es gĂŒnstigere Bojen. Außerdem gilt in Annapolis die Regel, dass jede am Wasser endende Straße ein Dinghydock aufweisen soll, ungewöhnlich fĂŒr die USA und sehr cruiserfreundlich. Auch die Service- und Zubehörangebote fĂŒr die Segler sind vielfĂ€ltig, was uns verleitet, uns doch mal nach einem neuen Außenborder und vielleicht sogar einem neuen Dinghy (dann mit Festboden und aus Hypalon) umzusehen. Mal sehen â˜ș.

ZurĂŒck

Manche GefĂŒhle sind ziemlich irritierend. Zum Beispiel jetzt, wo wir wieder in Annapolis sind, das GefĂŒhl als ginge ein Urlaub zu Ende. New York. Neuengland. Und noch etwas mehr.

Wieso Urlaub? Wir hatten auf unserer Reise bisher nicht den Eindruck, Urlaub zu machen. Ganz im Gegenteil, die freie Zeit, das eben nicht auf ein paar Wochen limitierte Fenster, die Möglichkeit – auch in Covid-Zeiten – einfach umzuplanen, abzuwarten oder die Route zu Ă€ndern, das fĂŒhlte sich eben nicht wie Urlaub an, sondern einfach wie eine andere Art zu leben. Zeit zu genießen. Hat sich daran etwas geĂ€ndert? Nein.

Und doch, zum ersten Mal auf dieser Reise waren wir auf dem RĂŒckweg. Wieder durch den Cape Cod Canal, aber da ging es ja dann zu neuen und lang ersehnten Zielen wie Martha’s Vineyard und Nantucket. Dann wieder Delaware River, diesmal flussaufwĂ€rts, wieder der Chesapeake Delaware Canal, diesmal nach Westen. Die Chesapeake Bay diesmal hinunter. Ganz wenig Wind und der auf die Nase. Viele Motorstunden. ZURÜCK. Nach zweieinhalb Monaten voller neuer EindrĂŒcke sind wir wieder in Annapolis. Da mischt sich ein bisschen Melancholie in die Wiedersehensfreude.

Vielleicht liegt es auch mit am Wetter. Wolkig mit Schauern. Und an dem Gedanken, unsere Flora in der nĂ€chsten Woche in Herrington Harbor North, etwa 15 sm sĂŒdlich von hier, fĂŒr rund zwei Wochen aus ihrem Element zu nehmen. Der Werfttermin steht, ein paar kleinere Wartungsarbeiten und ein wenig Schönheitskur stehen an. UrsprĂŒnglich schon fĂŒr August geplant, wir hĂ€tten dann einen Europaaufenthalt eingestreut, Familie und Freunde getroffen. Also jetzt Saisonende?

Eigentlich nicht. Unmittelbar nach dem Werftaufenthalt soll es ab Mitte Oktober wieder Richtung SĂŒden gehen. Auf in die zweite Karibiksaison. Na ja, erstmal wohl die US-OstkĂŒste weiter hinunter und dann (hoffentlich) Bahamas 🇧🇾.

😎