Gürteltiere, Wildpferde und Zauberwald in Georgia

Der nächste Segelschlag nach Süden führt uns aus South Carolina hinaus und fast ganz an der 160 km langen Atlantikküste von Georgia entlang bis an den westlichsten Punkt der US-amerikanischen Atlantikküste, nach Cumberland Island. Georgias Küste wartet dabei durchaus mit schönen Stränden auf, aber dahinter folgt praktisch auf der gesamten Küstenlänge ein breiter Streifen von Marschland mit unzähligen verästelten Flüssen und tideabhängigen Prielen. Die größeren Städte von Savannah im Norden bis Brunswick im Süden liegen deshalb stets einige Meilen im Landesinneren. Auf unserer Fahrt können wir trotzdem ziemlich genau ausmachen, wo wir sie zu verorten haben. Denn draußen auf See, außerhalb der stark strömenden und zum Teil engen Flüsse, liegen die Frachter weit vor den Häfen auf Reede. Natürlich müssen wir da durch und eben so klar ist, dass wir die Reede vor Savannah mitten in der Nacht passieren. Da, wo offene See sein muss, taucht vor uns ein Lichtermeer auf. Die Deckslichter der Frachter sind hell erleuchtet, ein großer dunkler Schatten zieht vor den Lichtern vorbei. Auf unserem Plotter sieht das dann so aus:

Aber außer der etwa quer durchs Feld fahrenden 300 m langen GSL Arcadia, für die zwischenzeitlich ein CPA (also die größte Annäherung) von nur 180 Metern angezeigt wird, kommt uns keiner der Frachter nahe und wir selbst halten ebenso Abstand. So wie auch von der Küste, denn zum Land hin wird es flach und selbst 20 sm vor dem Strand ist es kaum mehr als 20 m tief.

Tagsüber können wir erst schön segeln, aber dann wird der achterliche Wind immer schwächer und irgendwann reicht selbst unsere größtmögliche Schmetterlingsbesegelung mit Groß und Gennaker nicht mehr aus, wir müssen einen größeren Teil der Strecke motoren, können erst für die letzten Stunden wieder Segel setzen.

In den St. Marys Entrance fahren wir durch eine meilenlange Mole hinein, die allerdings bei hohem Wasserstand größtenteils überflutet ist. Das Timing stimmt durch das am Ende langsame Segeln nicht so recht, die Tide ist schon gekippt und das Wasser fließt uns mit 3 bis 4 kn entgegen, aber wir wollen nicht draußen warten. Für den Nachmittag und die folgende Nacht sind kräftige Winde angesagt, also müssen wir durch den Gegenstrom durch zu unserem geschützten Ankerplatz hinter Cumberland Island. Zieht sich etwas, geht aber.

Den Ankerplatz haben wir gewählt, weil wir so viel Gutes über das Naturschutzgebiet im Süden von Cumberland Island gehört haben. Also gehts am nächsten Morgen mit dem Dinghy hinüber zum kleinen Dock an der Ranger-Station. Dort entrichten wir pro Nase 10 Dollar Eintritt (es gibt nur Wochentickets) und marschieren dann mit Steve und Helena von der Amalia los. Einige Wanderwege und ein paar unbefestigte Straßen ziehen sich über die Insel. Und der kleine Pfad, auf dem wir unterwegs sind, bezaubert uns sofort. Palmettos bedecken den Boden. Die darüber hinausragenden niedrigen Bäume sind über und über mit Spanish Moss behangen, das im immer noch kräftigen Wind hin und her schwingt. Jede einzelne der Bart eines alten Mannes, der Geschichten und Märchen erzählt. Eine mystische Stimmung, als müssten gleich Elfen auftauchen.

Hier im Naturschutzgebiet stehen nur wenige Häuser, fast alle davon gehören zu einem ehemaligen Anwesen der Carnegie-Familie. Das 59-Zimmer-Herrenhaus ist abgebrannt und nur noch eine allerdings imposante Ruine, aber einige der Nebengebäude stehen noch.

Die Hauptattraktion der Insel aber ist die Natur. Der Zauberwald, Blicke ins weite Marschland, der Strand auf der Atlantikseite, nicht zuletzt auch die Tierwelt. Wilde Pferde posieren praktischerweise vor der im Hintergrund ankernden Flora 😉

Und wenn schon keine Elfen vorbeifliegen, macht uns ein Rascheln im trockenen Laub doch auf ein Wesen aufmerksam, das irgendwie nicht von dieser Welt zu sein scheint. Mauseöhrchen auf einem scheinbar unverhältnismäßig kleinen Kopf mit Knopfaugen und langer Nase, dazu ein breiter Körper mit dickem Knochenpanzer, kräftige Grabekrallen und gestreifter, ebenfalls gepanzerter Schwanz. Gleich mehrere Gürteltiere bekommen wir auf unserem Spaziergang zu sehen.

Dabei hätten wir diese einzigartigen prähistorisch wirkenden Säugetiere hier in Nordamerika gar nicht erwartet, aber der Südosten der USA gehört tatsächlich noch zu ihrem Verbreitungsgebiet. Und hier auf Cumberland Island sind sie inzwischen sogar recht häufig.

Pura Vida.

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