Von Massachusetts nach Delaware

Mit dem ersten Morgenlicht brechen wir auf, die Fischer sind da schon unterwegs. 263 sm liegen vor uns, wir wollen von New Bedford in Massachusetts nach Lewes in Delaware, direkt an der Mündung des Delaware River. Idealerweise möchten wir im Hellen ankommen und nur eine Nachtfahrt dabei haben, deshalb der frühe Start. Wind genug sollte sein, zudem aus der richtigen Richtung, raum (schräg von hinten) bis achterlich. Mit dem langen Schlag möchten wir dem Tropensturm Teddy aus dem Weg gehen und auch wieder ein Stück nach Süden vorankommen, die Temperaturen werden derzeit herbstlicher (es soll aber auch in Neu England ab Mitte der Woche wieder wärmer werden). Trotzdem: heute ist es Mützensegeln, der Wind ist doch ziemlich frisch. Aber wir kommen unter Schmetterlingsbesegelung mit zweifach gerefftem Groß und der ausgebaumten Fock gut voran und es geht mit leicht abflauendem Wind in die Nacht.

Allerdings legt der Wind ab der zweiten Wache dann wieder ordentlich zu, immer mal wieder Böen von 8 Beaufort, wir reffen die Fock beim Wachwechsel auch noch ein und rauschen weiter. Am zweiten Vormittag nimmt der Wind noch ein bisschen weiter zu, statt 35 kn in den Böen werden es in der Spitze nun knapp unter 40. Stürmischer Wind knapp unter Sturmstärke, aber eben von achtern und damit beim Scheinbaren Wind um unsere Geschwindigkeit von rund 8 kn geringer. Flora verhält sich klasse und rutscht gelegentlich von den Wellen angeschoben in deutlich zweistellige Geschwindigkeitsbereiche, wenn auch immer nur kurz. Dabei bleibt sie trotz der inzwischen bestimmt 2,5 m hohen Wellen immer sicher beherrschbar. Macht sogar Spaß, zumal keinen von uns die Seekrankheit erwischt!

Und das flotte Vorankommen sichert uns dann tatsächlich auch ein Ankommen bei Tageslicht, obwohl der Wind dankenswerterweise vor der mit Flachs gespickten Mündung des Delaware fast ganz einschläft. Mit mehr als einer Stunde „Puffer“ fahren wir auf den Leuchtturm „Harbor of Refuge Light“ zu, erstmals seit langem wieder begrüßt von Delfinen und Pelikanen.

Wir schlängeln uns vorsichtig zwischen diesem Leuchtturm auf dem ersten Leitdamm, dem immer weiter in die Bucht hineinwachsenden Sandstrand der Halbinsel Cape Henlopen und dem roten Leuchtturm auf inneren Breakwater hindurch zu unserem Ankerplatz.

Und wie zur Belohnung gibts noch einen traumhaften Sonnenuntergang. ☺️

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