Im Fluss

Vier Tage haben wir jetzt an unserem Ankerplatz vor Lewes verbracht. Ruhige Tage (wenn man von dem ruppigen Wasser beim Weiterfahrt- Versuch gleich am ersten Tag absieht).

Gut geschützt hinter der inneren Mole werden wir am Morgen tatsächlich vom Prusten der Delfine geweckt, die ums Boot herum spielen, jagen oder einfach nur einen Familienausflug machen, ohne von der Flora besondere Notiz zu nehmen.

Wir nutzen die Zeit für kleinere Bootsarbeiten, bringen ausgerissene Druckknöpfe am Teppich neu an, säubern den Motorraum von den öligen Schaumstoffresten des Luftfilters unseres Volvos (der muss jetzt eine Zeitlang mit offenem Ansaugrohr arbeiten, was kein Problem sein dürfte, ein verbesserter Dauerluftfilter ist schon auf dem Postweg). Die Vorräte werden durchgesehen, Ersatzteile online bestellt (Postadresse Greg und Michael) nochmal am Vorluk nachgearbeitet. Ganz viel relaxt. Der Mittwochsregatta des örtlichen Yachtclubs zugeschaut, schließlich haben wir einen Logenplatz: es geht rund um den Breakwater und am Leuchtturm muss der Spi weg, auf der anderen Seite des Breakwaters folgt die Kreuz zurück. Und wir haken noch mal bei der Werft in der Chesapeake Bay nach, bei der wir ein Auskranen und einen Landeplatz für zwei Wochen angefragt hatten. Im zweiten Telefonat haben wir Erfolg, ja, schon nächste Woche können wir raus. O.k., dann machen wir uns also doch mal auf den Weg 😉.

Was uns auffällt: der gerade neu gestrichene dunkelrote Leuchtturm am Ankerplatz trägt den doch sehr prosaischen Namen “Delaware Breakwater East End Lighthouse”. Auch der weiße Leuchtturm auf dem äußeren Breakwater ist mit “Harbor of Refuge Lighthouse” eher beschreibend benannt. Nur, was sollen wir dann davon halten, wenn das nächstfolgende Leuchtfeuer im Fluss “Brandywine” heißt? 😊

Von Massachusetts nach Delaware

Mit dem ersten Morgenlicht brechen wir auf, die Fischer sind da schon unterwegs. 263 sm liegen vor uns, wir wollen von New Bedford in Massachusetts nach Lewes in Delaware, direkt an der Mündung des Delaware River. Idealerweise möchten wir im Hellen ankommen und nur eine Nachtfahrt dabei haben, deshalb der frühe Start. Wind genug sollte sein, zudem aus der richtigen Richtung, raum (schräg von hinten) bis achterlich. Mit dem langen Schlag möchten wir dem Tropensturm Teddy aus dem Weg gehen und auch wieder ein Stück nach Süden vorankommen, die Temperaturen werden derzeit herbstlicher (es soll aber auch in Neu England ab Mitte der Woche wieder wärmer werden). Trotzdem: heute ist es Mützensegeln, der Wind ist doch ziemlich frisch. Aber wir kommen unter Schmetterlingsbesegelung mit zweifach gerefftem Groß und der ausgebaumten Fock gut voran und es geht mit leicht abflauendem Wind in die Nacht.

Allerdings legt der Wind ab der zweiten Wache dann wieder ordentlich zu, immer mal wieder Böen von 8 Beaufort, wir reffen die Fock beim Wachwechsel auch noch ein und rauschen weiter. Am zweiten Vormittag nimmt der Wind noch ein bisschen weiter zu, statt 35 kn in den Böen werden es in der Spitze nun knapp unter 40. Stürmischer Wind knapp unter Sturmstärke, aber eben von achtern und damit beim Scheinbaren Wind um unsere Geschwindigkeit von rund 8 kn geringer. Flora verhält sich klasse und rutscht gelegentlich von den Wellen angeschoben in deutlich zweistellige Geschwindigkeitsbereiche, wenn auch immer nur kurz. Dabei bleibt sie trotz der inzwischen bestimmt 2,5 m hohen Wellen immer sicher beherrschbar. Macht sogar Spaß, zumal keinen von uns die Seekrankheit erwischt!

Und das flotte Vorankommen sichert uns dann tatsächlich auch ein Ankommen bei Tageslicht, obwohl der Wind dankenswerterweise vor der mit Flachs gespickten Mündung des Delaware fast ganz einschläft. Mit mehr als einer Stunde „Puffer“ fahren wir auf den Leuchtturm „Harbor of Refuge Light“ zu, erstmals seit langem wieder begrüßt von Delfinen und Pelikanen.

Wir schlängeln uns vorsichtig zwischen diesem Leuchtturm auf dem ersten Leitdamm, dem immer weiter in die Bucht hineinwachsenden Sandstrand der Halbinsel Cape Henlopen und dem roten Leuchtturm auf inneren Breakwater hindurch zu unserem Ankerplatz.

Und wie zur Belohnung gibts noch einen traumhaften Sonnenuntergang. ☺️