Geschichte und Geschichten: Samoa und der Tusitala

Immer mal wieder werden wir gefragt, wie wir eigentlich unsere Reiseroute festlegen. Wonach entscheiden wir, welche Länder wir besuchen? Warum jetzt Samoa?

Ein Großteil dieser Entscheidungen entspringt im wahren Wortsinn der Bequemlichkeit. Wir wollen Starkwind möglichst vermeiden, erst recht natürlich Stürme. Wir möchten den Wind möglichst wenig auf die Nase haben, die großen Meeresströmungen lieber mit uns als gegen uns.

Daraus ergibt sich ganz grundsätzlich die „Barfußroute“, auf der die meisten Langfahrtsegler unterwegs sind. Sie führt in die Karibik und weiter nach Französisch Polynesien. Die Hurrikan im sommerlichen Nordatlantik bzw. die Zyklon-Saison im winterlichen Südpazifik beeinflussen dann jeweils die weiteren Routenentscheidungen. So haben wir die Karibik zweimal nach Norden in Richtung USA verlassen und konnten deshalb nach New York und hinauf nach Maine segeln sowie intensiv die großen Antillen und die Bahamas erkunden. Die Alternative wäre der Süden der Karibik mit Aruba, Bonaire und Curacao gewesen, die wir dadurch leider nicht gesehen haben.

Ganz persönliche Traumziele beeinflussen die Reiseroute natürlich auch stark. So waren nach Panama für uns die Galapagosinseln ein Muss, die für europäische Langfahrtsegler eher ungewöhnliche Weiterreise über Hawai‘i nach Alaska und British Columbia aber die Erfüllung eines persönlichen Traums (zugleich natürlich auch eine deutliche Abweichung von der Barfußroute). Die Westküste der USA mit San Francisco und die Westküste Mexikos mit der Sea of Cortez machten als weitere Traumziele diesen nordpazifischen Kringel für uns zu einem Highlight.

Und derzeit? Im Südpazifik ist gerade die Zyklonsaison zu Ende gegangen, viele Cruiser sind deshalb jetzt auf dem Weg nach Westen in Richtung Tonga und Fidji. Manche segeln von Französisch Polynesien oder den Cookinseln direkt zu diesen Zielen, die anderen wählen je nach Wetter und Vorlieben entweder eine südlichere Route über Niue mit seinen tollen Tauchplätzen oder eine nördliche über Samoa.

Für uns war klar, dass es wenn irgend möglich die nördliche Route sein soll. Vor über zwanzig Jahren, noch auf unserem ersten Boot, haben wir uns im Segelurlaub auf der Ostsee gegenseitig ein Buch vorgelesen. Wir waren ein paar Jahre zuvor nach Hamburg gezogen und „Das Haus an der Elbchaussee“ faszinierte uns. Über mehrere Generationen hinweg wird hier ab etwa 1800 geschichtlich fundiert die Familiensaga des Aufstiegs einer Kaufmanns- und Reederfamilie erzählt. Zugleich wird Hamburger Politikgeschichte und Hamburger Stadtentwicklung greifbar, die heutige Villenstraße der Elbchaussee etwa war damals noch nicht gepflastert und lag wie der Nobelstadtteil Blankenese im Ausland, auf dänischem Boden. In den 1850er und 1860er Jahren bewegt sich ein Fokus der Reederfamilie auf das Koprageschäft in der Südsee und ganz speziell auf Samoa. Das Geschäft und auch das kaufmännische Gebaren wird im Buch ausführlich beschrieben, auch das erste Einsetzen eines vom Hamburger Senat bestätigten Konsuls auf Samoa.

Ganz unabhängig von dem Buch, deutsche Kaufleute waren es auch, die ab den 1870er Jahren die Politik drängten, ihre Interessen in der Südsee zu schützen, am besten eine Deutsche Kolonie dort zu etablieren. Bismarck widerstand zunächst diesem Bestreben. Und doch: die Kanonenboot-Diplomatie der Einflussmächte Deutschland, Großbritannien und USA hat hier ihren Ursprung und sogar Samoa als Schauplatz: interessanterweise suchten im März 1889 die Kriegsschiffe dieser „Three Powers“ in der Bucht von Apia Schutz, wurden aber von einem Zyklon ebenso versenkt wie die sechs dort ankernden zivilen Handelsschiffe. Einzig das stark motorisierte englische Kriegsschiff konnte rechtzeitig auslaufen und entkam schwer beschädigt nach Australien.

Fotografiert im Robert Louis Stevenson Museum, Apia

Man einigte sich darauf, Samoa zu einem unabhängigen Königreich unter dem Protektorat der Three Powers zu machen (zuvor gab es keine Könige auf Samoa). Neun Jahre später kam es nach dem Tod des ersten und einzigen Königs zu Nachfolgestreitigkeiten und Konfrontationen zwischen den Three Powers, die unterschiedliche Nachfolger unterstützten. Der Konflikt wurde im Samoa-Vertrag von 1899 beigelegt. Deutschland erhielt den westlichen Teil Samoas (heute Samoa 🇼🇸), Amerika den östlichen (heute American Samoa 🇦🇸), das Vereinigte Königreich setzte dafür seine Interessen bei anderen Pazifikinseln durch. Deutschland kam so zu seiner (letzten) Kolonie. Die allerdings wurde anders als die übrigen deutschen Kolonien aufgesetzt. Gouverneur der deutschen Kolonie Samoa wurde der Diplomat und Indologe Wilhelm Solf. Er setzte seine Vorstellungen von einem humanen Kolonialismus um. So verzichtete er auf die Einführung der in den übrigen Kolonien gängigen Arbeitspflicht für die einheimische Bevölkerung und band die Samoaner intensiv in die Verwaltung und auch die Polizei ein. Als erste Amtshandlung ließ er überraschend den zuvor ins Exil verbannten Mata‘afa Iosefo zurückkehren, der eine breite Bevölkerungsmehrheit hinter sich hatte. Damit unterband er sehr effektiv die zwischen den verschiedenen samoanischen Clans geführten Scharmützel. Solf ernannte ihn zum Oberhäuptling und gab ihm das Faipule, eine Honoratiorenversammlung aus den Oberhäuptern der angesehensten samoanischen Familien zur Seite. Sachfragen wurden sowohl im Gouvernement als auch im Failpule verhandelt, Gesetze ließ sich Solf von Mata‘afa Iosefo mitunterzeichnen.

Im Dezember 1911 wechselte Solf nach Berlin an die Spitze des Reichskolonialamtes. 1912 verstarb Mata’afa Iosefo.

Mausoleum Mata’afas neben dem Fono, dem Parlament Samoas

Solfs Nachfolger führte Solfs Politik nur bedingt fort, erließ zum Beispiel ein umstrittenes Mischehenverbot. Aber faktisch bestand die Kolonie Samoa ohnehin nur bis 1914. Zu Beginn des ersten Weltkriegs besetzte Neuseeland Samoa, nach dem Krieg erhielt Neuseeland dazu auch das Mandat des Völkerbundes. 1962 wurde Samoa als erstes Land Polynesiens unabhängig.

Insgesamt hat Solf mit seiner Politik dafür gesorgt, dass die kurze deutsche Kolonialzeit in Samoa als besser empfunden wurde als die neuseeländische. Trotzdem bleibt es Kolonialzeit, die auch damals schon existierende samoanische Unabhängigkeitsbewegung wurde – unblutig und mit Unterstützung der Mehrheit der Samoaner – unterdrückt.

Architektonische Zeugnisse aus der deutschen Kolonialzeit gibt es kaum. Trotzdem ist die kurze deutsch-samoanische Vergangenheit präsent. Als wir unsere Wäsche abgeben, erfahren wir beim Smalltalk, dass die Inhaberin zu einem Achtel deutsche Wurzeln hat. Auf dem lokalen Friedhof stoßen wir auf viele deutsche Namen:

Und nicht zuletzt, auch Handelsbeziehungen bestehen offenbar noch. Zwar nicht mit direkten Frachtern zwischen Hamburg und Apia oder einem vom Hamburger Senat in Apia eingesetzten Konsul. Gleichwohl können wir sie direkt an unserem Liegeplatz sehen, die Marina grenzt unmittelbar an das Fähr- und Containerterminal. Ein „Hamburg Süd“ – Container fällt uns natürlich gleich auf.

Unerwartete Verknüpfungen zur deutsch-samoanischen Geschichte finden wir, als wir das Robert Louis Stevenson Museum in Apia besuchen.

Der berühmte schottische Schriftsteller (u.a.: Die Schatzinsel, Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde) hat das Grundstück 1889 erworben und das Haus errichten lassen, in dem er dann 1894 mit erst 44 Jahren starb.

Die Samoaner gaben Stevenson den Namen „Tusitala“ (Geschichtenerzähler). 1892 veröffentlichte der sich keineswegs auf Romane beschränkende Tusitala, frustriert von der zerfahrenen politischen Situation in seiner Wahlheimat, „A Footnote to History, Eight Years of Trouble in Samoa.“ Er ergriff Partei für Mata‘afa und – nachdem dieser ins Exil geschickt wurde – unterstützte er Mata‘afa und dessen Gefolgsleute auch finanziell.

Eine kleine Fußnote der Geschichte vom Geschichtenerzähler: das Haus des Schotten Stevenson, die Villa Vailima, wurde nach seinem Tod von einem deutschen Kaufmann erworben, allerdings bei einem Zyklon zerstört. Zwei Amerikaner bauten es später originalgetreu (sogar mit Tapete aus samoanischem Tapa (Rindenbast) wieder auf und übergaben es dann unmittelbar als Museum an Samoa.

Tag 20 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Unter weißen Flügeln

Mit Passatbesegelung lassen wir uns vor dem Wind weiter in Richtung Gambier schieben. Mit anderen Worten: das Großsegel macht Pause, wir haben sowohl die Fock als auch den Code0 jeweils mit einem Spinnakerbaum jeweils zu einer Schiffsseite hin „ausgebaumt“.

Gerade bei wenig Wind ist das nicht die „schnellste“ Besegelung, aber dafür eine sehr gemütliche. Auf Flora müssen wir dann Winddreher bis zu etwa 60 Grad zu einer Seite nicht ausgleichen, können also einen Windwinkel von 120 Grad abdecken, ohne die Segelstellung oder das Ruder anpassen zu müssen.

Wie wir die Bäume mit Niederholern, Topnanten und Schoten riggen, hatten wir hier schon einmal ausführlich (und sehr technisch) beschrieben.

Gerade bei wenig Wind stellt sich aber vor allem das Gefühl ein, von den ausgebreiteten weißen Flügeln des Bootes geradewegs und ohne großes Geschaukel zum Ziel gezogen zu werden. Wunderschön. 🤩

Und höhere Geschwindigkeit wäre im Moment ohnehin nicht hilfreich. Wir warten immer noch darauf, dass das 200 sm (über 350 km) breite Gewitterband zwischen uns und den Gambier (mit seinem Hauptort Rikitea) verzieht. Es ist bereits schwächer geworden, nicht mehr so viel Rot (=starke Gewitter), mehr Gelb und Grün (=Gewitter) wie ursprünglich befürchtet. Aber erst Freitag früh wird es so weit nach Südosten gewandert sein, dass wir (wenn die Vorhersage stimmt) hinter ihm durchsegeln können.

Für Samstag gibt es derzeit folgende Prognose:

Das sieht doch vielversprechend aus!

Essen: Pfannen-Pizzadilla (wie Pizza gefüllte Tortilla-Fladen zusammengeklappt in der Bratpfanne bereitet), übrigens als Snack auch super einfach mit Pesto oder als Nachtisch mit Nutella.

Etmal 64 sm, unser neuer Rekord im Langsam-Segeln. Das ist aber noch nicht den Passatsegeln geschuldet, vielmehr waren wir in der fast windlosen Nacht noch mit Großsegel unterwegs. Gesamt auf dieser Passage 2.657 sm, noch 414 sm bis zur Ansteuerung am Westpass Gambier.

Übrigens: Wassertemperatur 29,8 Grad Celsius.

Tropisch. 😊

Tag 1 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Es sieht ein bisschen so aus, als wolle Mexiko uns den Abschied leicht machen. Grauer Himmel, Nieselregen. Wir bauen noch die Kuchenbude auf, dann lichten wir den Anker und machen uns gemeinsam mit der Fidelis auf den Weg.

(Foto-Credit: Jeannette / Fidelis)

Wir versuchen, auf kürzestem Weg aus dem Schwachwindgebiet am Cabo San Lucas heraus zu motoren, deshalb geht es erst einmal nach Südosten. Tatsächlich können wir nach einer knappen Stunde dann segeln. Nach drei Stunden müssen wir noch einmal 90 Minuten durch eine kleine Flaute motoren und ab da bleibt es beim Segeln, auch die Nacht hindurch. Oft mit schwachen und wechselhaften Winden, aber immerhin. Unser Code0 leistet gute Dienste. Bei der glatten See ist es trotz wenig Wind überwiegend angenehmes Segeln.

In der Nacht nehmen die Wellen etwas zu, der Großbaum ruckelt und knatscht auf diesem für den Bullenstander etwas zu spitzen Kurs. Wir rollen das Groß ein und fahren nur unter Code0, jetzt ist es ruhiger und die Freiwache kann besser schlafen. Und morgens um fünf setzt sich dann wie vorhergesagt kräftigerer Wind durch. Wir ändern den Kurs auf jetzt 200 Grad und wechseln auf Schmetterlingsbesegelung.

Kurz darauf eine Schrecksekunde: der Code0 ist auf seinem Antitorsionskabel nach oben gerutscht und steht nicht mehr richtig.

Die ziemlich dünne Lasching, mit der der Segelhals an der Rolle verzurrt war, ist gerissen. So können wir das 80 Quadratmeter große Segel nicht einrollen und natürlich lassen ein paar dunkle Wolken punktgenau den Wind auffrischen.

Mit einer Leine sichere ich das Segel gegen weiteres Hochrutschen. Dann riggen wir eine Talje, ziehen das Segel auf dem Antitorsionskabel ein Stück wieder herunter und erneuern die Lasching provisorisch mit einem kräftigeren Stropp.

Jetzt lässt sich der Code0 einrollen, wir nehmen ihn herunter und erneuern nochmals die Lasching. So sollte es gehen.

Heute Mittag haben wir 123 sm zurückgelegt. Kein besonders hohes Etmal, aber in Anbetracht der Verhältnisse sind wir mehr als zufrieden.

Ein guter Start und jetzt zeigen sich auch erste Wolkenlücken.

Warten und die Planung ändern.

Seglers Pläne sind in den Sand geschrieben. Bei Niedrigwasser!

So auch diesmal. Eigentlich wollten wir von Kanada aus direkt nach San Francisco segeln. Aber ein dafür geeignetes Wetterfenster zeigt sich derzeit nicht. Im Gegenteil: ein Hurrikan vor der Baja California macht gerade auch den äußersten Südwesten der USA um San Diego unsicher.

Auf der Seite des amerikanischen Wetterdienstes NOAA sieht die voraussichtliche Zugbahn des Kategorie IV Hurrikans Hilary heute so aus:

Bei Windy präsentiert sich Hilary so:

Das ist (auch von San Francisco aus) noch weit weg und ja auch der Grund, warum wir vor Ende der Hurrikansaison nicht nach Mexiko segeln wollen.

Aber: Auch wenn Hilary’s Wind uns nicht erreicht, die von dem Hurrikan aufgeworfenen Wellen wandern weit über den Pazifik und sorgen gemeinsam mit der an der Küste herunterlaufenden nördlichen (derzeit sowieso schon hohen) Windsee dafür, das sich uns auf dem direkten Kurs wohl ein chaotisches und äußerst unangenehmes Wellenbild bieten würde.

Also planen wir neu: erst einmal um das Cape Flattery herum und auf einem küstennahen Kurs ein Stück nach Süden. Das Problem in diesem Küstenabschnitt ist allerdings, dass die möglichen Häfen und Ankerplätze in Washington und Oregon praktisch alle in Flussmündungen hinter einer Barre liegen. Bei hoher See und/oder auflandigem Wind ist das problematisch.

Auch hierfür bietet NOAA eine Hilfestellung und fasst auf einer im Internet abrufbaren Seite zusammen, welche dieser Barren derzeit befahrbar sind und welche Einschränkungen laut Coast Guard derzeit gelten.

Wir lassen zig mal unsere Abfahrtsplanung mit verschiedenen Varianten bei Predictwind durchlaufen, dem Planungstool, dass wir abonniert haben und bei Passagen gerne verwenden. Unterwegs lässt sich “Predictwind Offshore“ auch über IridiumGo abrufen, so haben wir das bisher immer gemacht. Jetzt mit Starlink können wir aber ganz bequem und schnell auch größere Datenmengen (und damit großräumige Passageplanungen mit präzisen Vorhersagerastern) laden. Klasse, nur am Wetter selbst ändert es natürlich nichts.

Wir entscheiden uns für Newport in Oregon (Yaquina Bay) als nächstes Ziel. Durch die dortigen langen Molen ist diese Barre selten von Schließungen betroffen. Etwa 36 Stunden sollten wir bis dort brauchen. Um im Hellen anzukommen klingelt der Wecker heute um 4:30, um 5:15 fahren wir los.

“Red sky in the morning, sailor’s warning.” Vielleicht ist es aber auch der Rauch der vielen Waldbrände in British Columbia, der für diese Morgenröte sorgt. Tatsächlich ruft die Regierung im Laufe des Tages den Notstand für BC aus.

Wie dem auch sei, wir drehen nach einer halben Stunde um, zurück in die Neah Bay. Keine leichte Entscheidung. Laut neuer Vorhersage hätten wir etwa drei Meter Welle, wenn wir dort ankommen. Von Achtern unterwegs durchaus machbar, wenn auch vielleicht nicht super angenehm. Aber an der Barre? Bei einer Weiterfahrt zum Ausweichhafen Crescent Bay (ohne Barre!) würden die Wellen auf 4 m zunehmen.

Gehe zurück auf Los!

Und was machen wir mit dem geschwenkten Tag?

Erstmal zurück ins Bett, ausschlafen. Und dann? An Land dürfen wir nicht, wir haben in den USA noch nicht einklariert, das geht in Neah Bay auch nicht (aber in Newport). Karen und Steve hatten uns bei unserem Road-trip in Denver ein Puzzle geschenkt, in Erinnerung an unseren Puzzle-Tausch beim Lockdown in Antigua in der Carlisle Bay. Jetzt ist die Gelegenheit dafür:

Wir beobachten am Ankerplatz eine im Norden Nordamerikas heimische, von uns aber bisher nicht gesehene Meerente, die Brillenente (Surf Scoter).

Riggen schon mal beide Spinnakerbäume mit Topnant, vorderem und achteten Niederholer und durch die Nock geführter Schot für die zu erwartenden achterlichen Winde der Passage. Ready to go.

Außerdem: neu planen, neu planen, neu planen 😉.

Bildernachtrag zur Passage Hawai’i nach Alaska

Der Abschied von Hawai’i, die Dinghyfahrt auf dem Hanalei River, der flache Regenbogen und das Lossegeln von unserer Ankerbucht auf der Insel Kaua’i (die vielleicht schönste, wildeste der von uns besuchten Inseln in Hawai‘i, ein Stück entlang an der Nā Pali Küste:

Und dann: erst einmal klassisches Blauwassersegeln, wenn auch zumeist eher am Wind. Mit mal mehr, mal weniger Schräglage, Fock oder Code0, meist um die 60 Grad am Wind.

Segeln in der gefühlten Unendlichkeit.

Bis wir dann den Rand des Hochdruckgebiets erreichen, irgendwann Flaute, Eimerdusche, das Bad im tiefen Blau.

Der zweite Teil der Passage, ganz langsam grauer werdend, rauher. Schlafsack in der Plicht, Mützenwetter.

Man kann das auch ganz gut an unserer Kollektion der Sonnenuntergänge erkennen:

Inzwischen wird es taktisch etwas anspruchsvoller, aber durch unseren Schlenker nach Ost vermeiden wir das Gröbste und kommen gut durch.

Ein Schwarzfußalbatros stattet uns einen Besuch ab.

Und dann das. Die Magie des Augenblicks in dem sich die ersten Berge der Küste Alaskas aus dem Dunst schälen ist schwer zu beschreiben. Zumal auch noch eine Familie Pottwale vor uns durchzieht. Pottwale? Wir erwarten doch eher Buckelwale und Orcas! Aber die werden wir hoffentlich auch noch zu sehen bekommen.

Andere Giganten sind aber schon da, die „Eurodam“ kommt uns entgegen, die „Queen Elisabeth“ kündigt ihr Auslaufen auf der Funke an.

Im Ort oder Hafen ist davon aber nichts zu sehen. Die großen Kreuzfahrer ankern außerhalb, denn Sitka hat kein Kreuzfahrtterminal. Und so präsentieren sich Landschaft und Ort:

Angekommen in Sitka. 😁

Schwierige Planung

Wir wollen mal wieder einen großen Schlag machen. Richtung Panama soll es gehen. Von hier (Puerto Morelos in Mexiko) ist das mit ein paar kniffligen Entscheidungen verbunden.

Das beginnt schon mit dem Ziel. Nahe an der Route liegen Isla de Providencia und St. Andres. Beide gehören zu Kolumbien, obwohl sie deutlich näher an Nicaragua liegen. Als Zwischenstopp bieten sie sich an. Laut Noonsite sind sie auch offen. Allerdings hat Kolumbien zu Jahresbeginn die Einreisebestimmungen geändert und in den sozialen Medien kursieren widersprüchliche Angaben. Sicher ist, dass wir zum Einklarieren einen Agenten benötigen würden. Wir schreiben den für Isla de Providencia an, bekommen aber auf unsere Email keine Antwort. Im Zweifel müssen wir halt nach Panama weiter segeln, wenn wir in Isla de Providencia nicht einklarieren können.

Der zweite Punkt ist nicht weniger knifflig.

Haie, Stürme, Piraten. Das sind oft die ersten Assoziationen von Freunden an Land mit unserer Segel-Langfahrt. Über die spannenden und schönen Begegnungen mit Haien haben wir ja berichtet. Stürme haben wir bisher weitestgehend vermieden, indem wir ihre saisonalen Gebiete (vor allem den Hurrican-Gürtel) eben in der Saison meiden. Und mit Piraten hatten wir bisher nichts zu tun. Das soll sicher so bleiben, deshalb wollen wir der Flachwasserzone im Grenzgebiet zwischen Honduras und Nicaragua nicht einmal nahe kommen. Dort hat es in der Vergangenheit einige Vorfälle gegeben, bei denen sich Fischer als Gelegenheitspiraten betätigt haben. Happige 200 sm Abstand von der Küste werden hier empfohlen. Wir haben hier in Mexiko die nette Crew eines Bootes kennengelernt, dass da gerade dicht unter der Küste trotzdem unbehelligt durchgefahren ist, aber das ist absolut nicht unser Ding. In der Planung setzen wir statt dessen sogar noch einiges drauf, machen einen Riesenumweg und bleiben noch weiter von dem (schraffierten) Gebiet weg, obwohl der direkte Kurs unmittelbar hindurchführen würde:

Die Caiman-Islands bleiben an Backbord und etwa auf der Hälfte zwischen ihnen und Jamaika biegen wir nach Süden ab, um dann einen weiten Bogen nach Südwesten zu schlagen. Der Grund dafür liegt neben einem eigenen „Sicherheitszuschlag“ mal wieder an den Strömungsverhältnissen.

Die karibische Strömung (rote Pfeile) schlängelt sich nämlich von Süden kommend um diese Bank herum, bevor sie dann hier oben im Osten Yucatans zu voller Stärke heranreift und den Golfstrom befeuert.

Den allerdings müssen wir gleich zu Beginn einmal mehr queren. Dazu muss also auch der Wind passen, nicht nur um uns voranzubringen, sondern auch um nicht mit Wind gegen Strom allzu chaotische Wellen aufzuwerfen.

Mal sehen, ob unser Kompromiss gut genug gewählt ist. Morgen früh geht es los. 700 sm bis Isla de Providencia, weitere 250 sm bis Panama. Eventuell also knapp 1.000 sm am Stück.

Drückt uns die Daumen, wir werden jetzt also eine knappe bis ganze Woche erstmal Offshore sein. Da freuen wir uns drauf.

Pura Vida.

Drittes Weihnachten unterwegs und wie soll es weitergehen?

2021 also Weihnachten in Mexiko. Nach Bequia Weihnachten 2019 und Barbuda Weihnachten 2020. Ziemlich genau zweieinhalb Jahre leben wir jetzt auf der Flora, seit dem 25. Juni 2019.

18.692 Nautische Meilen haben wir dabei mit der Flora zurückgelegt, das entspricht 34.617 Kilometern. Einige Kringel haben wir in der Karibik und in den USA gedreht, 20 Länder bzw. Regionen besucht (wobei man da je nach Definition auch ein paar mehr oder weniger zählen könnte, wer mag, kann ja die Flaggen mal zuordnen).

🇬🇷 🇮🇹 🇪🇸 🇵🇹 🇮🇨 🇨🇻 🇻🇨 🇬🇩 🇱🇨 🇲🇶 🇩🇲 🇬🇵 🇦🇬 🇻🇮 🇺🇸 🇸🇽 🇵🇷 🇩🇴 🇧🇸 🇲🇽

Stellvertretend und doch so unvollständig ein paar ganz besonders einprägsame der unfassbar vielen Highlights aus diesem Jahr:

Culebrita in Puerto Rico

Wale in der Samana Bay, Dominikanische Republik

Blue Holes in den Ragged Islands

und überhaupt das gemeinsame Cruisen mit anderen Seglern in den Bahamas,

Menschen, Menschen, Menschen, davon viele, aber eben nicht nur, Segler,

Segeln, Segeln Segeln

und wunderbare Naturerlebnisse.

Reisemüde sind wir jedenfalls nicht, für die nächste Zeit haben wir uns einiges vorgenommen. Allerdings, mit der Planung ist das ja so eine Sache, nicht nur in COVID-Zeiten.

„Man plans and God laughs“ heißt es, zurückgehend auf das jiddische Sprichwort „Mann Tracht Un Gott Lacht“. Auch wenn es denn für göttliche Erheiterung sorgt, unsere Idee für den Pazifik konkretisiert sich langsam.

Dabei fassen wir fürs erste den nordöstlichen Pazifik ins Auge, würden also gern im nächsten Frühjahr durch den Panamakanal und dann vielleicht über Hawaii zurück an die Küste des nordamerikanischen Kontinents, also eine Schleife im Nordostpazifik. Noch ein bisschen vage? Ja! Die Seestücke auf dieser Strecke wären ziemlich lang. Selbst auf der direkten Großkreisroute (die einen ausgedehnten Bereich mit schwachen Winden und Flauten erwarten lässt und deshalb meist nicht empfohlen wird) wären es von Panama bis Hawaii 4.530 nautische Meilen, mehr als doppelt so viele wie auf unserer Atlantiküberquerung von den Kapverden nach Bequia. Die empfohlenen Routen liegen bei etwa 5.000 sm. 🙄 und von Hawaii aus müsste man dann ja auch wieder ans Festland. Aber verlockend finden wir es schon ☺️.

Feliz Navidad aus Mexiko und

Pura Vida.

Wetterfenster? Die Zweite

“Red sky at night, sailors’ delight”. Wir nehmen es als gutes Zeichen, zumal sich am nächsten morgen eben kein roter Himmel zeigt (red sky at morning, sailors take warning).

Gemeinsam mit der Amalia segeln wir 42 sm weiter die Chesapeake Bay nach Süden hinunter zu unserem angedachten Startpunkt für den Absprung aus der Chesapeake und den Weg ums Kap Hatteras. Es wird ein wunderbarer Segeltag. Erstmal müssen wir allerdings den Anker vom festsitzenden Schlamm befreien. Schon beim Einholen der Kette spülen wir diese mit Salzwasser, ansonsten werden zu viele Matschklumpen aufs Deck geschleudert. Flora hat eigens dafür eine Deckswaschpumpe mit Schlauchanschluss auf dem Vorschiff. Beim Anker muss dann erstmal der Bootshaken ran, um den groben Dreck vom Anker zu schieben, der Rest des klebrigen Krams wird abgespült.

Dann aber ist es herrlich. Mit aufgebauter Kuchenbude segeln wir selten, aber jetzt ist es selbst vor dem Wind und trotz der Sonne ziemlich kalt, da ist das “Cockpit-Zelt” eine echte Wohltat.

Zumal der anfangs noch entgegen laufende Tidenstrom uns ordentlich bremst und wir deshalb wirklich den ganzen Tag unterwegs sind. Und gegen 17.00 geht schon die Sonne unter, da sind wir noch nicht dran gewöhnt, erst am letzten Wochenende war hier die Umstellung auf Winterzeit.

Erst gegen 18.00 tauchen dann die Lichter von Norfolk und Hampton vor uns auf, als wir den Ankerplatz im Mill Creek erreichen ist es bereits stockfinster.

Und jetzt gilt es: wollen wir morgen wirklich los? Noch einmal werden die Köpfe zusammengesteckt, die Wetterprognosen gecheckt, Varianten erörtert. Als nützlich erweist sich das bisher von uns nicht viel genutzte “Departure Planning”-Tool unserer Wettersoftware Predict Wind:

Quelle: Screenshot PredictWind

Wir spielen ein bisschen herum und einigen uns mit Steve und Helena darauf, dass eine Abfahrt um 15.00 Uhr am meisten Sinn zu machen scheint. Es ist ein Kompromiss, die Wellen des alten Tiefs haben mehr Zeit sich zu beruhigen und vor der Donnerstag Abend einsetzenden nächsten Starkwindphase aus Süd sollten wir den Ankerplatz am Cape Lookout erreichen. Warum legen wir hier soviel Wert darauf, dass sich die Wellen beruhigen, während wir sonst mit höheren Wellen nicht so große Probleme haben? Na ja, eine gleichmäßige lange und meinetwegen auch hohe Atlantikdünung, die das Schiff von hinten kommend anschiebt ist ja eher willkommen. Hier aber passt die Welle weder zum Wind noch zur Dünung des abgezogenen alten Tiefdruckgebiets.

Quelle: Screenshot Windy.com

Deshalb möchten wir nicht vor Mittwoch Nachmittag am Kap Hatteras sein. Allerdings müssen wir bei der sich daraus ergebenden Abfahrtszeit mit Sicherheit zwei Nächte statt sonst möglicherweise nur einer Nacht durchsegeln. Ebenfalls ein Kompromiss hinsichtlich der Strömung: sie wird am Kap dann doch schon wieder mit einem Knoten gegen uns stehen, dafür schiebt sie uns aber aus der Chesapeake heraus.

Quelle: Screenshot PredictWind

Die verschiedenen Wettermodelle des Routing-Tools sind sich ziemlich einig (ein gutes Zeichen), lediglich beim Winkel, in dem der Wind am Ende der Strecke von vorn kommen wird, liegen sie zwischen hoch am Wind und fast Halbwind auseinander.

Der Dinghymotor ist an Floras Heckkorb gewandert, Florecita selbst mit zusätzlichen „Bellybands“ in den Davits verzurrt. Unter Deck soweit alles gestaut und unser „Reisebett“ im Durchgang zum Vorschiff eingerichtet. In zwei Sunden soll es losgehen. Drückt uns die Daumen.

Pura Vida.

Think out of the box!

Wir haben das Ruder herumgeworfen und den Kurs neu abgesteckt.

Die Überfahrt zu den Bahamas wäre wohl möglich, allerdings mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von Winden über 35 kn in den Böen bei Ankunft. Machbar, aber dann nicht durch die Riffeinfahrten von Abaco nach Marsh Harbour, sondern etwas weiter südlich zur nächsten Insel Eleuthera, nach Spanish Wells.

Bloß, der Hurrikan Eta tobt sich nach der Vorhersage nicht bei seinem Landfall in Nicaragua völlig aus, sondern wandert wieder hinaus aufs Wasser, sammelt neue Kräfte und wendet sich dann Kuba zu. Aktuell sagt die Vorhersage zwar, dass ETA dann über Cuba hinweg in den Golf westlich von Florida und nicht westlich über die Bahamas geht, aber jedenfalls käme er den Bahamas unbehaglich nah.

Also vielleicht heute einfach nur ums Kap Hatteras herum und mit einem Übernachttörn nach Beaufort in North Carolina? Oder weiter an der Küste herunter nach Charleston oder Brunswick? Wäre ein gutes Wetterfenster dafür. Allerdings gibt es auf absehbare Zeit, mindestens mal in der nächsten Woche, kein Wetterfenster um von dort auf die Bahamas zu kommen. Außerdem würden wir uns auf den Hurrikan zu bewegen. Und letztlich auch blöd: unser Visum für die USA gilt nur bis zum 12. November (wie schnell doch ein halbes Jahr vergeht). Und ausklariert haben wir ja auch schon. Eine Zwickmühle?

Nicht unbedingt. Querdenken. Wir haben uns reichlich verproviantiert, das Schiff ist klar, die Strecktaue für die Offshorepassage befestigt, das Dinghy mit Fendern unter der Persenning aufgefüllt und verzurrt, der Außenborder am Heckkorb.

Gestern Abend nach dem neuesten Wetterbericht beschließen wir, einfach das Ziel neu zu definieren. Bahamas ist schwierig, aber das Wetterfenster passt gut für Antigua. O.k., da waren wir im Frühjahr gerade längere Zeit, aber erstens ist es toll dort, zweitens ist die Ausgangslage dort super, um mit dem Passat die großen Antillen zu besuchen und drittens haben wir vielleicht sogar die Chance, doch noch die British Virgin Islands zu besuchen, die ab 8.12. Wieder für Yachten aufmachen sollen. Dafür wären wir quasi in pole Position. Die Mehrheit der heute aufbrechenden Salty Dawg Schiffe hatte sowieso von Anfang an Antigua als Ziel, so wechseln wir einfach in diese Flottille.

Also los, statt 5 Tagen zu den Bahamas werden wir für die rund 1.640 sm nach Antigua eher 10 bis 12 Tage brauchen. Solange werden wir ab jetzt auch erstmal nicht erreichbar sein, dies ist der letzte Blogpost im US-Telefonnetz. Wir werden aber versuchen, zwischendurch reine Textblogbeiträge über Iridium-Satellit zu senden.

Auf geht’s, aus der Kälte (heute morgen unter 10 Grad) hoffentlich in die Wärme. Wir freuen uns.

Ihr könnt unsere Fahrt auf mit den Salty Dawg hier verfolgen. Durch Klick auf SDSA Fall Rally Tracks kommt ihr auf die Bootsliste und könnt dort auch die Flora anwählen und unsere jeweilige Position hervorheben. Das wird stündlich aktuell sein. Auf Noforeignland werden wir unere Position ein paar mal am Tag manuell aktualisieren (leider geht immer nur eins von beiden automatisch).

Luftveränderung

Flora steht auf dem Trockenen und bekommt eine kleine Schönheitskur. Wir wollen das diesmal von Profis erledigen lassen, nachdem meine zwischenzeitlich auf unserer bisherigen Reise vorgenommenen Streicheleinheiten in Form von (Hand-)Politur, Maschinenpolitur und Waxen des blauen Streifens nur von bescheidenem und zudem schnell vergänglichen Erfolg gekrönt waren. Außerdem gibt uns das die Gelegenheit, noch mal zwei Wochen bei unseren Freunden Greg und Michael in Washington Landluft zu schnuppern, Sachen zu erledigen (und zu bestellen 🎁, z.B. neue SUPs), bevor es ab Mitte des Monats mit Flora wieder weiter gen Süden gehen soll.

Wohin genau? Wissen wir noch nicht. Eigentlich war die Idee, in unserer zweiten Karibiksaison eher die westliche Karibik zu bereisen. Nach dem Absprung über die Bahamas (und einem längeren Erkunden dort) wären wir gern über Kuba, México, Belize und vielleicht Cayman nach Jamaika gesegelt. Aktuell sieht es aber so aus:

Rot heißt Grenzen geschlossen, Grün heißt offen, wenn auch mit Covid-Test und Quarantäne

In der westlichen Karibik ist die Luft für uns also ziemlich dünn geworden, lediglich México ist derzeit offen, hat aber selbst nicht eben die besten COVID-Zahlen. Interessant ist die große grüne Blase der kleinen Antillen. Tatsächlich haben die Inseln von Grenada nordwärts bis hin nach Anguilla (nördlich von St. Kitts and Nevis), allerdings ohne die französischen Inseln wie Guadeloupe und Martinique eine gemeinsame „Bubble“ gebildet. Die Einreise in die Bubble erfordert Covid-Test / Quarantäne, aber zwischen den Inseln der Bubble soll man sich dann frei bewegen können.

Wie überall auf der Welt ist es aber auch hier so, dass die Einschätzungen und in der Folge die Einschränkungen bezüglich COVID immer wieder überprüft werden und sich somit schwer für einen Zeitraum von auch nur ein paar Monaten voraussagen lassen. Insofern bleiben wir gespannt und wälzen die Ideen immer wieder mal hin und her.

Klar ist aber, dass wir Mitte November aus den USA raus sein müssen, dann läuft nämlich unser Visum erstmal ab.

Also machen wir Flora wieder reiseklar, und das nicht nur optisch. Der Außenborder bekommt eine große Wartung, die Gummi-Wellendichtung des Volvo wird erneuert, die Halterung des Windgenerators repariert und ergänzt. Natürlich alle Opferanoden erneuert, ebenso die Gummianschläge des Gori-Propellers, der zudem wie auch die Props im Bugstrahlruder poliert wird. Die Rettungsinsel kommt neu, da der Container der alten spröde und rissig geworden ist (die UV-Einwirkung auf die Insel selbst lässt sich da nur erahnen und eine neue Wartung wäre eh fällig gewesen. Und dann noch diverser Kleinkram.

Z.B. hatte sich der Schaumstoff-Luftfilter unseres Volvo-Penta D2-75 ja leider in Einzelteile zerlegt und die öligen Schaumstoffbrösel im Motorraum verteilt. Damit das nicht wieder passiert, haben wir ihn durch einen wertigeren Luftfilter ersetzt. Interessanterweise war der trotzdem günstiger als das Original-Ersatzteil von Volvo Penta. Der Onlineshop „parts4engines“ hat uns dabei gute Dienste geleistet. Diverse Ersatzteile für unseren Motor (hinter dessen grünem Anstrich sich ein Perkins-Motor verbirgt) sind dort wesentlich günstiger zu beziehen. Außerdem erfolgte die Lieferung des in England ansässigen Unternehmens superschnell, in weniger als einer Woche hatten wir die Teile in Washington.

Bei einem kurzen Besuch in Herrington habe ich den roten Dauerfilter angebaut, jetzt kann der Motor wieder gefilterte Luft atmen 😊.

Und wir? Wir lassen uns ärztlich noch einmal richtig durchchecken. Großes Blutbild, Hautscreening wegen der Hautkrebsgefahr bei der hohen UV-Belastung an Bord. Und wir atmen erste Herbstluft, bevor es wieder in den Sommer gehen soll. Unsere Gastgeber leihen uns ihren Zweitwagen, einen MX5. Mit dem Cabrio fahren wir bei Traumwetter hinaus zum Sugarloaf Mountain, wo die beiden auch ihre Hochzeit gefeiert hatten. Was für ein herrliches Farbenspiel.