Schneeflocken?

Selbst wenn es in Deutschland WIRKLICH RICHTIG WINTER ist, natürlich gibt’s hier in der Karibik keine Schneeflocken, oder?

Na gut, es sieht nur ähnlich aus. Aber es ist genau so spannend in der manchmal ausgeprägten Symmetrie und zugleich intensiven Formenvielfalt wie bei den sternförmigen Eiskristallen. Vielleicht sogar noch interessanter.

Denn das was wir am zumeist sandigen Boden der engen bachähnlichen gewundenen Wasserwege durch das Mangrovendickicht am Ufer der Ensenada Honda sehen, sind eigentlich Quallen. Nur das diese Nesseltiere ganz artuntypisch nicht mit der Strömung herumtreiben, sondern sich ziemlich dauerhaft am Boden dieser Meer- oder Brackwasserarme festsetzen. Noch dazu mit den Tentakeln nach oben, sozusagen verkehrt herum.

“Upside down jellyfish“ werden sie deshalb auf Englisch genannt, Mangrovenquallen wegen ihres Hauptverbreitungsgebietes auf deutsch. Richtig dramatisch ist diese Art der Schirmquallen für die Menschen nicht, normalerweise lösen sie höchstens ein leichtes Hautjucken aus. Egal, wir gehen angesichts der Vielzahl dieser Tiere hier in Ufernähe lieber nicht ins Wasser, schließlich soll die Cassiopea (so heißt diese Quallenart mit wissenschaflichem Namen) ihre nesselnden Zellen auch ins freie Wasser entlassen können, ohne Verbindung zu den Nesselfäden. Wunderschön anzusehen sind sie aber trotzdem.

Wir finden sie auf unserem Dinghyausflug auch überall am Ufer der Mangrovenbuchten und besonders weit verbreitet in dem runden, fast vollständig von Mangroven eingeschlossenen “Teich” mit dem moorig dunklen Boden. So häufig und in so großen Gruppen, dass man sie mit ihren hellen nach oben zeigenden Seiten leicht für Sandflecken halten könnte.

Für uns heißt es jetzt aber Abschied nehmen von der super geschützten Ensenada Honda, wir wollen weiter nach Westen in Richtung des Ortes Esperanza, in die Sun Bay. Hoffentlich trägt sie ihren Namen zu recht, den auf dem Weg dorthin werden wir von einigen regenintensiven Squalls begleitet.

Aber: heute wollen Andrea und Ingo mit ihrer „Easy-One“ dort eintreffen, die von Curaçao hier hinauf nach Puerto Rico gesegelt sind. Wir freuen uns riesig, die beiden endlich wieder zu sehen.

Ankern auf dem Waldsee

Für unseren ersten Ankerplatz in Maryland haben wir uns zur Abwechslung einen etwas abgelegeneren Creek ausgesucht. Verwinkelte, aber gut betonnte Einfahrt vom Potomac aus, vorbei an ein paar am Ufer stehenden Wohnwagen bei der Point Lookout Marina. Wir biegen nicht in den Jutland Creek ab, sondern zirkeln um zwei Flachs herum in eine etwas größere und aufgefächerte Bucht des Smith Creek hinein. Hier fühlt es sich an, als wäre die bewohnte Welt außen vor geblieben, als hätten wir hinter einem Paravent von Bäumen den Anker in einem stillen Waldsee fallen lassen. Keinerlei Dünung findet herein, keine Jetskis oder Motorboote sausen von und zu den Stegen am Ufer gibt es keine Häuser. Und bei dem geringen Abstand der Ufer und den schützenden Bäumen wirklich rundherum baut sich selbst in Böen keine nennenswerte Windwelle auf, allenfalls kräuselt sich die Oberfläche mal etwas mehr, wenn ein ein Fisch springt oder einer der auch hier zahlreichen Fischadler sich seine Beute holt.

Schaut man genauer hin, lässt sich ein kleinen Tidensaum am Ufer erkennen. Aber erst mit der Drohne sieht man, dass sich hinter den Bäumen doch Felder und vereinzelt Häuser finden.

Quallen gibt’s leider reichlich. Faszinierend anzusehen, wie sie gespenstergleich dicht unter der Wasseroberfläche dahinschweben, den Schleier ihrer Nesselfäden hinter sich herziehend. Aber das abendliche Bad muss eben ausfallen und die Paddleboard-Runde erfolgt auch nur mit besonderer Vorsicht.

Der wunderbaren Abendstimmung tut das keinen Abbruch.