So sehr uns der Wind- und Wellenschutz von Batavu Harbour auch gefällt, immer wieder mal stecken wir unsere Nasen doch heraus vor die Tür.
Gleich außerhalb der Einfahrt liegt nämlich eine kleine Insel. Bereits kurz nach Hochwasser zeigt sich ein schmaler Streifen, bei Ebbe ist das Eiland mit einem breiten Sandstrand hinüber nach Vanua Balavu verbunden. Hier am Strand können wir dann in gutem Wellenschutz unser Dinghy ankern und an dem die Insel umgebenden Korallenriff schnorcheln gehen.
Obwohl die Sichtverhältnisse unter Wasser eigentlich nicht ideal sind, zieht es uns doch mehrfach hier her. Der Grund: bei Niedrigwasser fällt ein großer Teil des Korallenriffs trocken.
Viele Rifffische sammeln sich dann am äußeren Saum des Riffs, also genau dort, wo wir Schnorcheln. Vielleicht kein ganz so klares Wasser, aber ansonsten: Aquarium!
Die bunten Kiemen der Weihnachtsbaumwürmer schauen in großer Vielzahl aus den Korallen hervor (und ziehen sich schnell zurück, wenn wir ihnen zu nahe kommen). Auch Seenadeln (enge Verwandte der Seepferdchen) sehen wir häufig:
Noch etwas anderes fällt häufig ins Auge, teils grüngelb, teils lila gefärbte etwa tellergroße Gebilde:
Obwohl sie optisch an eine weiche Pflanzenknospe erinnern, sind sie tierisch und sehr hart. Diese Pilzkorallen gehören tatsächlich zu den Steinkorallen, nur die Färbung erhalten sie durch symbiotisch mit ihnen zusammen lebende Algen.
Beim Schnorcheln hier am Riff bekomme ich auch erstmals einen Schwarm Großmaul-Makrelen (auch Indische Makrelen genannt) vor die Kamera. Die zumeist etwa 20 cm langen Fische ernähren sich hauptsächlich von Plankton und seihen nahe der Oberfläche mit weit aufgerissenem Maul in Schwärmen auch durch unsere Ankerbucht. Von oben erkennen wir aber zumeist nur das Glitzern der silbernen Köpfe.
Als Nesseltiere weit weniger beliebt, sind auch die blau- bis lilafarbenen Kranz- oder Kronenquallen hier derzeit ziemlich häufig:
Zum Glück müssen wir uns beim Schwimmen nicht großartig vor ihnen in Acht nehmen. Sie haben keine langen Nesselfäden und sind etwa so groß wie ein Medizinball, also ziemlich leicht zu erkennen. Zudem soll ihre Berührung beim Menschen wenn überhaupt dann nur eine kaum spürbare Reizung auslösen.
Wollen wir gar nicht ausprobieren. Lieber mit etwas Abstand ihre Schönheit und ihre durchaus anmutigen Bewegungen anschauen.
Wir sind immer noch Fulaga, haben es uns hier so richtig gemütlich gemacht, unseren eigenen Rhythmus gefunden.
Morgens gehen Wiebke und Barbara gemeinsam Strecke schwimmen, jeweils rund anderthalb Kilometer legen sie dabei zurück.
Ralph und ich beginnen zu dieser Zeit dann unsere erste Wingfoil-Einheit des Tages, nachmittags folgt dann meist eine zweite.
Photo credit: Ralph, SV Lille VennPhoto credit: Ralph, SV Lille Venn
Wiebke bringt derweil dann ihre verschiedenen Strickprojekte voran, z.B. diesen Schal für Barbara.
Oder wir backen (ich Brot, Wiebke Kuchen oder Muffins), nutzen den Ofen dann auch gleich, um Crunchy-Müsli zu machen.
Spaziergänge am Strand …
… oder in den Ort zu unserer Gastfamilie. Die versorgt uns auch mit Obst und anderen Leckereien wie zum Beispiel einer schon gekochten Kokoskrabbe.
Unsere Gegengeschenke kommen aber umgekehrt auch gut an (diesmal eine 12V-Lampe und zwei Gläser Marmelade aus unseren Bordbeständen, bei unserem letzten Besuch zwei von uns nicht mehr genutzte semiflexible Solarpanele nebst Kabel und Regler).
Eine Wanderung soll uns hinauf zum Aussichtspunkt hoch über dem Dorf führen. Seru lässt es sich nicht nehmen, uns hinaufzuführen. Das ist ganz gut so, denn selbst wenn wir den Pfad vom Dorf aus wohl auch einfach nach Beschreibung gefunden hätten, den Einstieg zum Klettern auf den Felsen hätten wir wohl ohne ihn schlicht verpasst. Es geht fast senkrecht hinauf, ein Weg ist da nicht zu erkennen.
Lohnt sich aber sehr, der Ausblick über das Dorf mit der südlichen Bucht und zur anderen Seite bis hin zum Ankerplatz in der Lagune ist einfach fantastisch.
Zurück im Ort zeigt uns Seru ein traditionelles Einbaum-Ausleger-Segelkanu. Die drei Dörfer dieser Insel und ein Dorf auf einer Nachbarinsel haben für eine Regatta nach Jahrzehnten erstmals wieder jeweils eines davon gebaut. Leider wird es derzeit aber scheinbar nicht mehr viel genutzt, bereits etwas eingewachsen liegt es am Strand.
Alte handwerkliche Bootsbaukunst für das Boot selbst trifft zum Teil auf neue Materialien für das Zubehör. Ein Segel aus einer Plastikplane liegt um den Holzmast gerollt auf dem Einbaum-Rumpf, modernes Tauwerk schmiegt sich neben die kunstvollen Lasching aus Naturfasern. Es wäre toll, diese Boote hier auch wirklich segeln zu sehen.
Nach dem Spaziergang serviert uns Seru Trink-Kokosnüsse, ganz ohne Bewirtung geht es an diesem gastfreundlichen Ort einfach nicht.
An diesem Nachmittag haben wir dann zurück auf der Flora auch selbst Besuch – ziemlich unerwartet. Die USCGC Harriet Lane, ein 82 Meter langes Schiff der US-amerikanischen Küstenwache, patrouilliert seit gestern vor dem Pass in die Lagune. Die Amerikaner unterstützen die Küstenwache Fijis beim Kampf gegen die zunehmend auf dem Wasserweg nach Fiji geschmuggelten Drogen (wohl insbesondere Crystal Meth). Und so wird ein Tochter-Schlauchboot zu Wasser gelassen und kommt an unseren Ankerplatz gebraust. Die gemischte Crew aus Fiji und den USA boarded die Segelboote.
Nachdem erst lediglich ein paar benachbarte Boote ausgesucht wurden ist auch die Flora an der Reihe. Aber es ist ein sehr kurzer Besuch: ein Blick in den Motorraum, einer in die Bilge. Und ansonsten wird vom Officer des Fiji-Zolls lediglich der Papierkram kontrolliert. Haben wir einklariert, beinhaltet unser Cruising-Permit auch die Lau-Gruppe? Stimmen Bootspapiere und Pässe mit den Angaben überein? Alles gut, nach kaum fünf Minuten legt das Schlauchboot wieder von der Flora ab.
Freundlich und unkompliziert, es gibt unangenehmere Begegnungen. Zum Beispiel eine, die ich beim Schwimmen habe. Eine Portugiesische Galeere kreuzt meinen Weg. Kein antikes Kriegsschiff, sondern die nach diesem benannte quallenähnliche Polypenkolonie. Ich mache nur nähere Bekanntschaft mit einem vergleichsweise kleinen Exemplar. Unter 10 cm lang schätze ich die gasgefüllte Schwimmblase, mit der dieses Tier tatsächlich auch segelnd seine Fortbewegungs-Richtung verändert. Ärgerlicherweise sind die knallblauen Nessel-Tentakel unter Wasser trotzdem gut einen Meter lang. Ein Tier fotografiere ich, ein anderes nähert sich leider unerkannt. Als ich das Zweite bemerke, haben sich dessen Tentakel schon an meinem Schnorchel verfangen. Das bringt mir um die Taucherbrille herum ein paar brennende Hautberührungen ein. Ist aber zum Glück nicht so schlimm. Wiebke schabt die Reste der blauen Tentakel mit einer Muschel ab, das Zurückschwimmen zur Flora wirkt als Salzwasserspülung. Essig drauf an Bord und ein in kochendes Wasser getauchter Waschlappen helfen. Letzteren lege ich – sobald er kühl genug zum Aushalten ist – auf die betroffenen Hautstellen. Über 45° sollen die Proteine der Nesselzellen zerstört werden und bei mir hilft es tatsächlich sehr schnell.
Bei diesem Exemplar fehlen die langen Tentakel weitgehend, weil sie an meinem Schnorchel kleben.
Beim Schwimmen auf der anderen Seite der Sandbank, offen zum Wassergürtel in Windrichtung, werden wir jetzt deutlich vorsichtiger sein.
Der Ankerplatz der Flora ist zum Glück bei der jetzt herrschenden Windrichtung deutlich weniger gefährdet.
Selbst wenn es in Deutschland WIRKLICH RICHTIG WINTER ist, natürlich gibt’s hier in der Karibik keine Schneeflocken, oder?
Na gut, es sieht nur ähnlich aus. Aber es ist genau so spannend in der manchmal ausgeprägten Symmetrie und zugleich intensiven Formenvielfalt wie bei den sternförmigen Eiskristallen. Vielleicht sogar noch interessanter.
Denn das was wir am zumeist sandigen Boden der engen bachähnlichen gewundenen Wasserwege durch das Mangrovendickicht am Ufer der Ensenada Honda sehen, sind eigentlich Quallen. Nur das diese Nesseltiere ganz artuntypisch nicht mit der Strömung herumtreiben, sondern sich ziemlich dauerhaft am Boden dieser Meer- oder Brackwasserarme festsetzen. Noch dazu mit den Tentakeln nach oben, sozusagen verkehrt herum.
“Upside down jellyfish“ werden sie deshalb auf Englisch genannt, Mangrovenquallen wegen ihres Hauptverbreitungsgebietes auf deutsch. Richtig dramatisch ist diese Art der Schirmquallen für die Menschen nicht, normalerweise lösen sie höchstens ein leichtes Hautjucken aus. Egal, wir gehen angesichts der Vielzahl dieser Tiere hier in Ufernähe lieber nicht ins Wasser, schließlich soll die Cassiopea (so heißt diese Quallenart mit wissenschaflichem Namen) ihre nesselnden Zellen auch ins freie Wasser entlassen können, ohne Verbindung zu den Nesselfäden. Wunderschön anzusehen sind sie aber trotzdem.
Wir finden sie auf unserem Dinghyausflug auch überall am Ufer der Mangrovenbuchten und besonders weit verbreitet in dem runden, fast vollständig von Mangroven eingeschlossenen “Teich” mit dem moorig dunklen Boden. So häufig und in so großen Gruppen, dass man sie mit ihren hellen nach oben zeigenden Seiten leicht für Sandflecken halten könnte.
Für uns heißt es jetzt aber Abschied nehmen von der super geschützten Ensenada Honda, wir wollen weiter nach Westen in Richtung des Ortes Esperanza, in die Sun Bay. Hoffentlich trägt sie ihren Namen zu recht, den auf dem Weg dorthin werden wir von einigen regenintensiven Squalls begleitet.
Aber: heute wollen Andrea und Ingo mit ihrer „Easy-One“ dort eintreffen, die von Curaçao hier hinauf nach Puerto Rico gesegelt sind. Wir freuen uns riesig, die beiden endlich wieder zu sehen.
Für unseren ersten Ankerplatz in Maryland haben wir uns zur Abwechslung einen etwas abgelegeneren Creek ausgesucht. Verwinkelte, aber gut betonnte Einfahrt vom Potomac aus, vorbei an ein paar am Ufer stehenden Wohnwagen bei der Point Lookout Marina. Wir biegen nicht in den Jutland Creek ab, sondern zirkeln um zwei Flachs herum in eine etwas größere und aufgefächerte Bucht des Smith Creek hinein. Hier fühlt es sich an, als wäre die bewohnte Welt außen vor geblieben, als hätten wir hinter einem Paravent von Bäumen den Anker in einem stillen Waldsee fallen lassen. Keinerlei Dünung findet herein, keine Jetskis oder Motorboote sausen von und zu den Stegen am Ufer gibt es keine Häuser. Und bei dem geringen Abstand der Ufer und den schützenden Bäumen wirklich rundherum baut sich selbst in Böen keine nennenswerte Windwelle auf, allenfalls kräuselt sich die Oberfläche mal etwas mehr, wenn ein ein Fisch springt oder einer der auch hier zahlreichen Fischadler sich seine Beute holt.
Schaut man genauer hin, lässt sich ein kleinen Tidensaum am Ufer erkennen. Aber erst mit der Drohne sieht man, dass sich hinter den Bäumen doch Felder und vereinzelt Häuser finden.
Quallen gibt’s leider reichlich. Faszinierend anzusehen, wie sie gespenstergleich dicht unter der Wasseroberfläche dahinschweben, den Schleier ihrer Nesselfäden hinter sich herziehend. Aber das abendliche Bad muss eben ausfallen und die Paddleboard-Runde erfolgt auch nur mit besonderer Vorsicht.
Der wunderbaren Abendstimmung tut das keinen Abbruch.