Guadeloupe ist eindeutig der Schmetterling 🦋 unter den Inseln des Antillenbogens. Das wird schon beim Blick auf die Seekarte deutlich:
Aber so wie der Schmetterling für die freie, bunte, ungezähmte Natur steht hat sich auch Gwada, wie die Insel von den Einheimischen genannt wird, ein vergleichsweise hohes Maß an Natürlichkeit bewahrt. Das gilt ganz besonders für den westlichen „Flügel“ Basse-Terre. Ein hoher Gebirgszug zieht sich von Nord nach Süd über diesen mit viel Regenwald bestandenen Inselteil, er beinhaltet im Süden mit dem 1.467 m hohen aktiven Vulkan Soufrière auch den höchsten Berg der gesamten kleinen Antillen. Grande Terre, der östliche „Flügel“ ist dagegen eher flach mit mehr landwirtschaftlich genutzten Flächen und tollen Stränden, weshalb sich auch die Hotels eher hier befinden. Genau genommen sind Basse Terre und Grande Terre jeweils eigene Inseln, zwischen ihnen liegt die natürliche Meerenge Rivière Salée. An der schmalsten Stelle nur 50 m breit und an beiden Seiten von Mangrovensumpf umgeben ist die selbst bei Niedrigwasser gut zwei Meter tiefe flussähnliche Verbindung eigentlich schiffbar. Yachten konnten bis 2013 hindurchfahren, aber seitdem sind die Klappbrücken offenbar dauerhaft geschlossen. Mit dem Dinghy kommt man noch durch, aber Segelyachten bleibt die Abkürzung nun versperrt.
Wir liegen mit der Flora auf dem Pigeon Islands Ankerplatz etwa in der Mitte der Westküste von Basse Terre. Große Hotelkomplexe gibt es hier nicht, Tourismus aber schon, schließlich befindet sich hier der Jaques Cousteau Unterwasserpark, ein Naturschutzgebiet mit tollen Tauch- und Schnochelplätzen. Die bunten Buden an Land beim Dinghydock mit der touristischen Infrastruktur von Bars, Restaurants, Verkaufsständen, Kajak- und Tauchanbietern mutet hier aber noch fröhlich karibisch improvisiert an.
Gemeinsam mit den Crews der Easy-One und der 2nd-Try.2 lassen wir die Szenerie bei einem Besuch im Restaurant auf der Klippe auf uns wirken und uns außerdem von den sich direkt neben der Terrasse sonnenden über 1 m langen Leguanen beeindrucken. Die Mini-Dinosaurier scheinen extra für die Kamera zu posieren. Dankeschön!
Danach – wir wollen das sonnige Nachmittagswetter ausnutzen – sausen wir mit den Dinghys hinüber zu den Pigeon Islands und machen an extra ausgelegten Bojen fest. Mit Schnorchelsachen geht’s ins herrlich klare Wasser und wir umrunden schnorchelnd gemeinsam die kleinere Petit Îlet. Ingo und ich statten dabei auch der auf einer Sandfläche platzierten Büste von Jaques Cousteau in gut 10 m Tiefe einen kleinen Ehrenbesuch ab. Allerdings ist sie nicht sehr spektakulär und zudem etwas ramponiert, der rechte Arm fehlt.
Toll ist aber die Unterwasserwelt um das Inselchen herum. Mal Steilwände, die weit in die Tiefe reichen, mal der flache Kanal zwischen den Inseln. Einige Korallen, Schwämme und bunte Fische, ein wirklich schöner Spot.
Hier z.B ein männlicher Grüner Papageifisch neben einem Gelben Tubenschwamm. Warum er auch Signal-Papageifisch (bzw. auf Englisch: Stoplight Parrotfish) genannt wird, erklärt sich von selbst, wenn man dazu ein Weibchen oder Jungtier sieht:
Doktorfisch, die gelbe Stelle vor der Schwanzwurzel zeigt das namensgebenden Arbeitsmittel „Skalpell“, einen hornartigen StachelVieraugen-Falterfisch, ganz ohne Namenserklärung 😚
Und, und, und. Mit Ingo haben wir verabredet, heute gemeinsam tauchen zu gehen, die Flaschen sollten wir im hiesigen Tauchshop wieder füllen können. Aber im Moment ist es noch grau und verregnet, mal sehen ob der Nachmittag wieder besseres Wetter bietet.
… aber nur das kurze Stück von den Îles des Saintes hinüber in den Südwesten von Guadeloupe. Herrliche anderthalb Stunden Segeln bei (etwas böigem) Halbwind, fast schade, dass wir so schnell da waren.
Andererseits: Buchtenbummeln hat ja auch was für sich und wir wollen schließlich noch mehr von Guadeloupe sehen. Jetzt liegen wir erst mal vor dem kleinen Stückchen schokobraunen Sandstrand zwischen der Hafenmole der Marina de Rivière Sens und der scheinbaren Fortsetzung der Mole, die aber nur die Uferstraße unterhalb des Bergwerkes schützt.
Hört sich nicht soooo gut an? Alles eine Frage der Perspektive 😁:
Andrea und Ingo sowie ihr Gast Kerstin ankern mit der Easy-One neben uns. Das ist doppelt fein, denn dadurch können wir heute gemeinsam den Geburtstag 🎁 von Andrea feiern.
Anmerkung: Dieser Beitrag war eigentlich schon veröffentlicht, er liegt zeitlich vor „Kletterpartie im Regenwald“. Aus irgendwelchen (vermutlich im deppigen Ersteller liegenden) Gründen ist er aber zu einem Entwurf zurückgestuft worden, ich hab ihn deshalb jetzt nochmal veröffentlicht.
Beim Langfahrtsegeln – so geht das Gerücht – verkümmern ja mangels Bewegungsmöglichkeiten auf dem engen Boot die Beinmuskeln. Da hilft nur aktives Gegenanarbeiten, also: schon wieder ein Hike 🥾. Diesmal haben wir uns die gut dreistündige Wanderung zu den „Bains Chauds Du Matouba“ (die heißen Bäder von Matouba) ausgesucht.
Auf etwas mehr als 1.000 m Höhe entspringen am Berg Nez Cassé heiße, schwefelhaltige Quellen, da wollen wir hin. Der Einstieg in die Wanderung liegt leicht oberhalb von Matouba, der auf knapp 700 m Höhe erbauten und damit höchstgelegenen Ortschaft von Guadeloupe. Gemeinsam mit Andrea, Kerstin und Ingo schrauben wir uns im Mietwagen die N3 hinauf und können das Auto direkt am Einstieg am Straßenrand abstellen. Nur zwei andere Wanderer werden uns auf der ganzen Tour begegnen. Der Hike ist als mittelschwer klassifiziert und er beginnt mit einem leicht begehbaren und mit kleinen Stufen versehenen ausgebauten Weg durch den schon hier faszinierend wildwüchsigen Regenwald.
Zwei Bachdurchquerungen später und etwas höher am Berg wird der Weg dann aber kniffliger, das dichte Grün rückt enger zusammen.
Statt bequemer kleiner Tritte auf Stufen wird es jetzt rutschiger und es gilt mehr und mehr über umgestürzte Bäume zu klettern (oder sich unter den Ästen und Bäumen unterdurch zu hangeln), nicht wirklich schwierig, aber eben doch mit dem Hauch des etwas Abenteuerlichen 😄:
Auch die nächste Bachdurchquerung fordert uns mehr
und bei den Steilpassagen am Hang sind zunehmend Konzentration und Trittsicherheit gefordert, wir sind ganz froh heute nicht für den schwierigeren (und viel längeren) Hike hoch zum Soufriere entschieden zu haben, der an einer Gabelung des Wanderwegs ausgeschildert ist.
Am Ziel angekommen laden dann allerdings die heißen Schwefelquellen nicht zu dem Bad ein, das ihr Name verspricht. Auf einer Bergwiese findet sich ein steingefasstes kleines Bassin, in dem wohl früher einmal eine Reihe von Duschen mit einem Wassergemisch aus dem 58 bis 60 Grad heißen Quellwasser und kaltem Bergbachwasser installiert war. Von der Konstruktion sind aber nur noch Reste vorhanden.
Es kommt auch nur wenig von dem müffelnden Schwefelwasser dort an, dass meiste wird offenbar in einem kleinen Betonhäuschen durch ein Rohr zu den unten im Ort liegenden Kliniken zur Rheumabehandlung abgezweigt.
Das hat zumindest den Vorteil, dass wir nicht die nächsten Wochen lang nach Schwefel stinken 😉, denn wir machen uns ungebadet wieder auf den Rückweg durch den Regenwald.
Wir hatten es bereits angedeutet, unsere Bordküche wird karibischer. Wir bummeln gerne über die Märkte und durch die Geschäfte, um neue Sachen zu entdecken. Auf den Kapverden zB wurden viele verschiedene Blätter als Tee verkauft. So trinken wir jetzt aufgebrühte Maracujablätter. Soll gegen Stress helfen. Ob es daran liegt, dass wir uns so entspannt fühlen? Bananenketchup gab es auf Bequia, lecker zu Fisch. Schon in St. Pierre auf Martinique, aber insbesondere in Roseau und Portsmouth auf Dominica gibt es auf den Märkten tolles Obst und Gemüse, Frühlingszwiebeln, Kräuter! Unser Guide bei der Tour auf dem Indian River hat uns viel über die einheimische Küche berichtet. Jeder hier hätte ein eigenes Stück Land und baut sein Gemüse selbst an. Deshalb würden die Leute so alt auf Dominica. Er hat von der gesunden Wirkung von grüner Papaya berichtet.
Sieht erstmal nicht so lecker aus. Ist auch nicht so einfach zu entkernen und zu schälen, da sie noch so hart ist. Aber der Thaisalat mit grüner Papaya war super.
In den Grenadinen haben wir auf dem Markt eine Kokosnuss geschenkt bekommen. Ralf hat dann auf Martinique erstmal eine Machete gekauft, damit wir sie auch öffnen können. So kommen wir an das Fruchtfleisch ran. Das gibt es auf einer karibischen Bowl.
Mit Reis, Avocado, roter Papaya, Kokos, scharfem Rotkohlsalat und gebratenen Bananen.
Überhaupt Bananen. Die gibt es hier als „normale“ Bananen in allen Größen und super lecker, manchmal mit einem leichten Zitrusgeschmack. Und dann als Kochbananen. Das müssen wir natürlich auch ausprobieren. Die Kochanleitung gab es beim Einkauf gleich dazu: Die Enden abschneiden, die Schale einmal längs einschneiden und dann 20 Minuten in Salzwasser kochen. Schmeckt relativ neutral, ähnlich wie Kartoffeln, aber süßer und macht satt. Dazu gab es gebratenen Grünkohl – ja, auch den gibt es in der Karibik. Gewürzt mit Knoblauch, Ingwer und Zimt aus Dominica.
Auf dem Weg vom Markt in Portsmouth zurück zum Schiff, verkauft noch jemand in seinem Vorgarten Gemüse. Ich erstehe einen Kohl, der an Mangold erinnert, hier Chinakohl heißt, aber völlig anders aussieht als unser Chinakohl.
Er reicht für mehrere Gerichte. Einmal gibt es ihn in der Pfanne geschmort mit Kichererbsen, Sardinen (aus der Dose) und Paprika, gewürzt mit Ingwer, Zimt und Chili.
Dann gibt es ihn mit schwarzen Oliven und Feta, dazu Rotkohlsalat mit Balsamicoessig und Linsen.
Den Rest gab es mit Spagetti, getrockneten Tomaten und Basilikum.
Die Avocados hier sind ein Traum. Als Guacamole oder als schnelles Mittagessen auf Baguette:
Manchmal – aber eher selten – gehen wir auch essen. Mittags eine Kleinigkeit wie die typischen Accras – frittierte Fischbällchen und Fischtatar mit frischem Saft und tollem Ausblick.
Oder – wir sind in Frankreich – ein Drei-Gänge-Menü. Hier auf Terre de Haut, Les Saintes gibt es mehrere Restaurants mit Gault&Millau Erwähnung. Wir wählen das Ti Bo Doudou und machen am Vortag eine Reservierung. Und werden belohnt:
Der Regenbogen leuchtet mit intensiven Farben hinter Floras Heck. Wunderschön doppelt sogar, auch der schwächere zweite Bogen mit der umgekehrten Farbreihenfolge ist komplett, dazwischen spannt sich Alexanders dunkles Band. Alle bilden ein Tor zur Nachbarinsel Îlet à Cabrit, tja, dann sollten wir da heute wohl mal hin.
Aber beim Herunterlassen des Dinghys passiert es: das Stahlseil des Steuerbord-Davits (die kleinen Kräne am Heck, mit denen das Beiboot hochgezogen wird) reißt mit einem hässlichen Geräusch einfach durch, der Bug des Dinghys klatscht aufs Wasser. Die Erklärung ist vergleichsweise einfach und sie beginnt schon bei gestern Abend. Es soll es schnell gehen (Fehler #1), weil es zu regnen anfängt. Während Wiebke die Sachen unter die Sprayhood ins Trockene bringt, lasse ich schon mal die Haken runter. Ziemlich weit runter (Fehler #2), weil ich dabei nicht im Dinghy sein kann um sie gleich einzuhaken, und zudem einiger Schwell Florecita auf und ab tanzen lässt. Wiebke kommt wieder, ich springe ins Dinghy und mache die Haken fest, dann klettere ich auf die Heckplattform, richte das Dinghy aus und Wiebke bedient die elektrischen Schalter, um es hochzuholen. Backbord geht es hoch, Steuerbord nicht. Wir stellen fest, dass die Rolle übergesprungen ist, der Steuerbordtaster funktioniert jetzt umgekehrt: „Aufholen“ und „Ablassen“ sind vertauscht. Da es immer noch wegen des Regens schnell gehen soll (zählt wohl noch als Fehler #1) tasten wir auf „Ablassen“ und holen das Dinghy eben so hoch (Fehler #3), müssen wir halt morgen so viel Drahtseil fieren, dass die Rolle wieder zurück überspringt.
Heute unterläuft mir dann im „Morgentrött“-Modus der entscheidende Fehler #4: ich will Florecita wieder herunterlassen und drücke dazu gewohnheitsgemäß auch Steuerbord auf „Ablassen“. Eine Milisekunde kämpfen Drahtseil und Elektromotor wohl miteinander, der Motor gewinnt aber klar durch k.o. In der ersten Runde.
„Rütt is rütt“ habe ich mal von einem geschätzten hessischen Kollegen gelernt. Ist der Ton erst mal aus der Trompete, kriegt man ihn nicht wieder reingestopft. Bringt nix, über das Geschehene zu lamentieren.
Also fahren wir erst mal mit dem Dinghy rüber zum kleinen Bojenfeld vor der Îlet à Cabrit, gehen dort an Land und und machen unsere geplante kleine Wanderung hoch zur Ruine der alten Festung (gibt’s hier fast auf jeder Insel, weil sich vor allem die Engländer und die Franzosen jahrhundertelang um die Inseln gestritten haben und das Kriegsglück oft hin und her ging).
Von der Festungsruine aus sehen wir auch die „Sea Cloud“, die hinter unserem Bojenfeld vor Anker gegangen ist. Was für ein Anblick.
Aber irgendwann müssen wir doch zurück und uns unserem defekten Davit widmen. Auf der Rückfahrt mackelt auch noch unser Außenbordmotor. Er geht aus, springt aber wieder an und bringt uns, wenn auch sprotzend mit unnormaler Geräuschentwicklung zurück zur Flora. Hm.
Ein 5m-Ersatzdrahtseil für das gerissene haben wir natürlich nicht dabei. Mit unserem (jetzt leider in Deutschland weilenden) Chief und berufsmäßigen Kranfachmann Jan hatte ich aber schon mal diskutiert, ob man die Drahtseile in den Davits nicht durch Dyneemaseile ersetzen könnte. Jetzt also: streiche „könnte“ und ersetze durch „müsste“. Ist meine einzige Option, von dem hochfesten Dyneema habe ich in verschiedenen Stärken einiges dabei.
Erstmal müssen wir allerdings den Steuerbord-Davit auseinander bauen. Die Betriebsanleitung findet sich im Ordner, fein, das scheint nicht sonderlich schwer. Okay, der Motor muss noch raus und vom Schlitten abgebaut werden, um an die Seilrolle zu kommen.
Die Seilrolle sieht dann gar nicht gut aus, da war wohl schon vor unserem Missgeschick ein bisschen was im Argen. Ist jetzt eh egal: um das auf der Rolle verknotete Drahseil los zu bekommen, muss ich erstmal ein Stück davon mit dem Seitenschneider durchknipsen, aber es klappt.
Einige Spleiß- und Anpassarbeiten später schaffen wir es tatsächlich, ein 5 m langes 4 mm dickes Dyneemaseil auf die Rolle zu wickeln und durch den Davit zu fädeln. Die hier noch zu sehende (einfache Lese-)Brille verabschiedet sich dabei leider in die Fluten. Der beherzte Sprung des Skippers rettet die Brille. Fast ganz, immerhin das Gestell mit noch einem Glas. Hm, hm. Bisschen Schwund ist wohl immer.
Dann der Test des Davits und:
Funktioniert. Zumindest erstmal. Hört sich sogar besser an als der Backbord-Davit, in dem noch ein Drahtseil quietscht. Die Ergebnisse des Dauertests bleiben zwar noch abzuwarten, trotzdem sind wir irgendwie auch ein kleines bisschen stolz, das jetzt mit Bordmitteln hingekriegt zu haben. 😊
Regen und Regenbogen. Der Tag hat nicht nur gut begonnen, er endet auch gut. Und der Außenborder? Hm, hm, hm. Da kümmern wir uns dann mal morgen drum.
Volkmar hat in seinem Kommentar zu unserem letzten Blogpost ein paar Fragen aufgeworfen, die ich gern beantworten möchte. Zunächst mal zu der Kommentarfunktion selbst: wir haben die Standardeinstellung in „WordPress“, also dem Programm in dem wir die Blogs erstellen und veröffentlichen, weitgehend beibehalten. Das führt dazu dass diejenigen, die zum ersten Mal kommentieren, nicht unmittelbar die Veröffentlichung des Kommentars sehen. Zur Spamvermeidung müssen wir den Erstkommentar erst genehmigen, alle weiteren Kommentare des selben Bloglesers erscheinen dann aber direkt.
Wie versorgen wir uns?
Flora ist ziemlich gut ausgerüstet, um einige Zeit autark sein zu können. Strom produzieren wir über die Solarzellen und den Windgenerator, alle paar Tage mal werfen wir den neben dem Motor im Motorraum angebrachten und zusätzlich schallgedämmten Dieselgenerator an. Der lädt sehr schnell unsere Lithium-Ionen-Batteriebank wieder voll, sorgt dabei gleichzeitig für einen Vorrat an Heißwasser im Boiler und stellt uns während er läuft auch 230 Volt zur Verfügung. Deshalb wird vorzugsweise in dieser Zeit der Staubsauger benutzt und Ladegeräte angestöpselt (Drohne, Fotoapparat, Zahnbürste, eben alles was 230 V benötigt). Das könnten wir alles auch über den 12 V – 230 V – Inverter betreiben, was aber einen höheren Stromverbrauch bedeutet. Machen wir trotzdem manchmal, wenn sowieso genug Strom da ist. Der 5-KW Dieselgenerator verbraucht dabei (lastabhängig) etwa 2 l Diesel pro Stunde. Was die Ausbeute der „Erneuerbaren“ angeht: meist bringen unsere nur 200 WP Solarzellen mehr als der Windgenerator und tatsächlich überlegen wir, weitere Solarzellen zu installieren. An bedeckten bis regnerischen Tagen mit viel Wind (wie heute früh) sieht es anders aus:
Im Moment bringen die Solarzellen 2,9 Ampere, der Windgenerator aber 8,5 Ampere (unsere Windanzeige zeigt über 20 kn Wind an aber die misst natürlich in 20 m Höhe, der Generator läuft auf auf etwa 4 m Höhe). Damit werden zusammen 11,4 Ampere produziert, da nur 6,08 in der Batteriebank ankommen (rechts oben) verbrauchen wir gut 5 Ampere (hauptsächlich verantwortlich sind die beiden Kühlboxen). Zur unteren Zeile: der Inverter ist aus, wir haben 195 Amperestunden (=Ah) verbraucht, es verbleiben noch 55 % unserer Batteriekapazität. Letzteres stimmt strenggenommen nicht, denn wir haben ja nominal 540 Ah Kapazität, hätten also noch 64 %. Aber selbst Lithium-Akkus sollte man nicht völlig leersaugen und die von uns eingestellte „Reserve“ wird in der Anzeige bereits berücksichtigt.
Zur Wasserversorgung: wir hatten auf den Kanaren reichlich 250 l Trinkwasser in Flaschen gebunkert, ein kleiner Teil davon ist noch übrig. Wasser zum Kochen, Waschen und Duschen kommt aus unserem 600 l Einbautank. Der wird ab und zu durch unseren Wassermacher (50 l pro Stunde im Tausch gegen 38 Ampere) wieder aufgefüllt. Wenn die Wasserqualität gut war, haben wir den Tank in der Vergangenheit auch mit Wasser aus dem Wasseranschluss am Steg in der Marina (durch einen „fliegenden“ Aktivkohlefilter) befüllt.
„Fliegend“ an den Wasserschlauch anzuklipsendender Filter
In der Rückschau hätten wir den Wassermacher bisher nicht wirklich benötigt. Selbst hier in der Karibik gibt es oft einen Fischersteg, an dem man Wasser tanken könnte. Manchmal – wie z.B. in der Prince-Rupert-Bay vor Dominica – eine Boje in der Bucht, an der man durch einen Schlauch Frischwasser nehmen kann. Andere Boote haben eine Regenauffanginstallation geriggt, z.B. durch Regenrinnen am Bimini. Trotzdem: wir lieben unseren Wassermacher. Bei uns ist der Weg umgekehrt: unser Vertrauen in die Verlässlichkeit des Wassermachers und die Qualität des produzierten (und mineralisierten) Wassers ist inzwischen so hoch, dass wir kein neues Wasser in Plastikflaschen mehr kaufen sondern die Trinkwasserflaschen mit dem Wassermacher selbst befüllen (ohne Umweg über den weiterhin genutzten Tank).
Die Dieselversorgung hat sich ebenfalls bisher als völlig unproblematisch gezeigt. Floras Dieseltank fasst 400 l, wir haben noch einen 20 l Reservekanister, hauptsächlich eigentlich für den Fall, dass wir einmal an einer Autotankstelle Diesel besorgen müssen. Aber wir verbrauchen wenig, viel weniger als es im Mittelmeer der Fall war. Wir haben in Gibraltar vollgetankt, auf den Kanaren noch einmal 80 l nachgetankt und zur Sicherheit für die Atlantiküberquerung in Mindelo nochmals 40 l aufgefüllt. Jetzt in Guadeloupe ist der Tank noch knapp halbvoll (allerdings müsste der Dinghytank mal wieder etwas Benzin bekommen 😉).
Es ist also tatsächlich so, dass unsere Versorgung trotz der ganzen Strom- und Wasser fressenden Luxusausstattung bisher ziemlich problemfrei war. Das mit dem Luxus empfinden wir selbst so, der ein oder die andere wird bei der elektrischen Zahnbürste schon gezuckt haben, aber insbesondere die 3,5 kg – Waschmaschine (im Schrank im vorderen Bad) ist schon eine große Erleichterung. Für die elektrischen Klos gilt das weniger, schlichte Pumptoiletten wären zudem weniger reparaturanfällig.
Und unser Bordalltag sonst? Das ist der eigentliche Luxus. Hier in der Karibik mit ihren kurzen Entfernungen heißt das z.B. meistens: Ausschlafen, Kaffee, in den großen Infinity-Pool hinterm Heck springen, Frühstücken, überlegen, was man machen möchte. Nach den ganzen Ausflügen dann zur Abwechslung vielleicht mal etwas Bootsarbeit? Oder einfach entspannen?
Heute ist einer der bisher erstaunlich wenigen Tage mit häufigeren Schauern, außerdem viel Wind. Also erst mal an der Boje noch eine weitere Leine anbringen, ein kurzer Festmacher mit Kausch und Schäkel, der im Ring der Boje also nicht durchscheuern kann. Man käme in einer Extremsituation trotzdem schnell los, müsste nur die kurze Leine erstmal an der Boje lassen, die anderen beiden Leinen sind auf Slip gelegt, können also vom Boot aus gelöst und eingeholt werden.
Der schon heute Nacht sehr frische und böige Wind hat das Boot etwas geschaukelt, aber bei dieser Windrichtung steht nur mäßig Schwell in unsere Bucht. Oder wie Wiebke es heute morgen formuliert hat: „Schlimm war es nicht. Man konnte auf der Seite schlafen ohne umzufallen.“
Ein bisschen im Cockpit sitzen, Blog schreiben. Dann wieder ein Schauer, also rein. Vielleicht Brot backen? Gute Idee.
Für den Mixer muss diesmal der Inverter ran.
Der Backofen läuft übrigens (wie auch der Herd) mit Gas, da ist die Versorgung etwas kniffliger, wie wir schon in Griechenland und dann wieder in Spanien feststellen mussten. Aber wir haben zwei 11 kg – Flaschen an Bord, die vor fast 4 Monaten in La Línea in Spanien getauschte ist noch nicht geleert (aber fast).
Gerade scheint mal wieder die Sonne. Nochmal Baden? Der Brotteig muss eh noch etwas gehen. Oops, schon wieder ein Schauer. Ist die Süßwasserdusche halt inbegriffen 😁.
Wassersport an den letzten beiden Tagen, heute geht es zum Ausgleich wieder mal hoch hinaus. So hoch, wie es eben auf Terre-de-Haut geht, wir haben uns eine Wanderung auf den 304 m hohen „Le Chameau“ ausgesucht. Es werden am Ende mit dem notwendigen Auf und Ab rund 350 Höhenmeter und knapp 9 km. Hört sich mal wieder nicht viel an, aber es ist ausreichend anstrengend. Wobei – die Belohnungen folgen auf dem Fuße 😉.
Zunächst geht es durch den kleinen, aber hübschen Ort. „Kolonialstil“ oder „Zuckerbäckerstil“ steht in den Reiseführern. Liebevolle Verzierungen wie von Zuckerbäckern finden sich jedenfalls an den sonst einfachen, aber bunt gestrichenen und oft mit Veranden versehenen Häusern. Eine kleine Auswahl:
Manchmal reicht es auch schon, Bepflanzung und Hausfarbe aufeinander abzustimmen:
Und von den Details geht’s dann weiter zum echten Überblick: der Weg auf den Le Chameau bietet von letzterem reichlich:
Blick zurück auf den Ort und einige der vielen wunderschönen Buchten von Terre de HautDie wilde, teils unzugängliche nordöstliche Küste.Blick hinunter auf unseren Liegeplatzund hinüber zur anderen Seite nach Terre de Bas.
Aber während wir auf der (größtenteils nur für Fußgänger geöffneten) Straße nach oben gegangen sind, geht es auf der anderen Seite eher einen Kletter- als einen Wanderpfad wieder hinunter, wir dürfen uns die Aussicht doch noch erarbeiten 😉.
und wir werden weiterhin belohnt. Auch beim Abstieg gibt es wunderschöne Ausblicke sowie – quasi als Bonbon – einen Traumstrand obendrein.
Kein Hotel, nicht mal Häuser und um diese frühe Zeit wenig andere Besucher. Gut, dass wir unsere Badesachen im Rucksack dabei haben 😁, die Abkühlung können wir gut gebrauchen.
Danach führt uns der Weg dann wieder auf eine (eigentlich: die) Straße und erst mal wieder bergauf oberhalb des markanten „Pain du Sucre“, einer kleinen Ausgabe des Zuckerhutes.
Draußen auf dem Meer legen sich die wenigen Boote bei dem vorhergesagten stärkeren Wind ordentlich auf die Backe oder kämpfen sich stark gerefft an der Küste entlang.
An unserer Boje allerdings liegen wir gut und recht ruhig im Landschutz von Terre de Haut und so genießen wir nach unserer Rückkehr an Bord der Flora die unterwegs noch kurz eingekaufte herrliche französische Brotzeit 🥖 🧀 🍷.
Gestern hatten wir geschnorchelt, heute gehen wir tauchen. So richtig komfortabel ist das hier in den Îles des Saintes allerdings nicht geregelt, man muss von der Tauchschule aus in voller Montur (mit aufgeschnallter Tauchflasche) über die Straße hinunter zum Strand und ins Wasser laufen. Ist nicht weit, aber auch nicht eben bequem. Dann noch ein Stückchen ums Tauchboot schwimmen, hinten hineinklettern und das Jacket mit der Flasche wieder ausziehen für die Fahrt zum Tauchspot. Wieder anziehen. Und nach dem Tauchgang das Ganze retour, nur das man jetzt erst ins brusthohe Wasser springt und dann das Jacket mit Flasche zum Anziehen ins Wasser geworfen wird. Noch etwas umständlicher, weil man jetzt ja auch noch Flossen und Maske in der Hand hält. Andere Länder, andere Sitten. Unter anderem leider auch die, keinen Rabatt zu gewähren, obwohl wir ja (bis auf Flasche und Blei) komplett unser eigenes Equipment verwenden. Trotzdem bleibt es bei 58 € je Tauchgang. Umgekehrt sehen wir das auch nicht als Argument für weitere Tauchgänge hier mit dieser Tauchschule.
Das Tauchen selbst ist dann ruhig und einigermaßen unspektakulär, wir können uns gut auf uns und unsere Tarierung konzentrieren. Besonders sind vor allem die vielen Federbüsche, über und zwischen denen der erste Teil unseres Tauchgangs verläuft.
Später, an den Felsen, machen vor allem die kleinen Dinge den Reiz aus: wir sehen mehrere Rotweiß gebänderte Scherengarnelen:
(Mit Tauchlampe beleuchtet sieht die Unterwasserwelt gleich viel bunter aus)
Und auch der (juvenile, daher noch ohne die namensgebenden Punkte nur längs- und quergestreifte) Tüpfel-Ritterfisch gefällt uns gut:
Man muss schon gut hinsehen, um trotz der überlangen Rückenflosse und der ebensolchen Schwanzflosse den eigentlichen Fischkörper zu sehen.
Ein bisschen karibisch bunten Fisch gibt’s dann auch noch, etwa diesen Blaustirn-Kaiserfisch mit einigen Jakobus-Soldatenfischen (und natürlich noch einige mehr)
oder (nicht bunt, aber fein und edel gezeichnet) diesen schönen Sandtaucher:
Wenn man erstmal unten ist, ist das Tauchen eben doch immer wieder schön 😁.
Keine 100 m von unserem Bojenplatz entfernt weist eine große gelbe Tonne mit Kreuz auf ein Wrack hin, das hier zwischen uns und dem Ufer auf etwa 12 m Tiefe liegt.
Es ist die ehemalige Fähre Lynndy, die – wenn man den spärlichen Informationen glauben kann – nach einem tropischen Sturm 2006 sank. Das Wrack ruht fast aufrecht auf seinem Kiel und über der Oberkante des Aufbaus ist das Wasser deshalb nur etwa vier Meter tief, perfekt zum Schnorcheln.
Schon die Befestigung der Markierungstonne macht was her.
Aber nicht nur das Wrack fasziniert: wir schwimmen näher ans Ufer und schnorcheln dort durch erstaunlich viel Fisch und Korallen.
Das macht mehr Lust auf die Unterwasserwelt hier. Für morgen haben wir uns deshalb zu einem Tauchgang bei der örtlichen Tauchschule angemeldet, das Tauchboot saust verlockenderweise täglich mehrmals an unserem Liegeplatz vorbei. Wir sind gespannt.
Mehrere Inseln der Îles des Saintes, insbesondere Terre -de-Haut und Îlet à Cabrits bilden zusammen einen schönen Naturhafen. Wir fahren eine Runde durch die beiden Bojenfelder rechts und links des Fähranlegers von Terre-de-Haut, aber die einzig freie Boje ist mit „Gendarmerie“ beschriftet, die nehmen wir dann doch nicht. Also ankern wir für die erste Nacht etwas weiter westlich unter der Küste. Es ist o.k., aber der nordöstliche Schwell wird hier nicht so sehr durch die Inseln geblockt.
Am nächsten Morgen werden aber einige Bojen frei und so verholen wir noch vor dem Frühstück an eine Boje nahe des Ortes (14 € pro Nacht). Hier liegen wir jetzt deutlich geschützter, zudem ist auch die Dinghyfahrt zum Ort um einiges kürzer. Das ist nicht nur bequemer, es spart auch Sprit. Ein Aspekt, der ungemein an Relevanz gewinnt, wenn man wie ich heute gemeinsam mit Ingo einen 2-km-Spaziergang zur Tankstelle macht um dann festzustellen, dass das nur „Fakenews“ aus dem Internet waren, eine Tankstelle gibt’s nur auf Terre-de-Bas. Von hier aus 2,5 sm mit dem Dinghy entfernt. Hm. Lieber Sprit sparen, wir schleppen unsere Kanister wieder zum Boot zurück.
Der Spaziergang mit Wiebke zum alten Fort über der Stadt ist nicht ganz so vergebens. Wir genießen die schönen Ausblicke und den kleinen Kakteengarten im Fort. Das integrierte Museum dagegen vermag nicht so recht zu begeistern, es wirkt eher wie das Abziehbild eines alten Museums, sowohl Exponate als auch deren Präsentation wirken leicht angestaubt.
Genau so angestaubt ist leider unser Französisch, nicht eben hilfreich wenn doch die Erläuterungstexte fast ausschließlich in dieser Sprache sind, es keinen Audioguide gibt und das Netz (für Google Tranlator z.B.) inselweit ziemlich langsames 2G zu sein scheint.
Dann doch lieber wieder hinunter in den Ort. Der glänzt mit französischen Restaurants, einer Bäckerei (in der das Wort Baguette wieder einen positiven Klang bekommt) und mit ganz vielen karibischen Farben:
Aber auch hier ist die Erinnerung an den Hurrikan Maria noch frisch und schmerzhaft:
Obwohl die Insel so klein ist, dass sich fast alles bequem zu Fuß erreich lässt, kann man Elekrofahrräder und Golfcarts mieten, außerdem kleine 50 oder 125 ccm Roller. Im Segelführer war bereits beschrieben worden, dass hier fast alles auf diesen kleinen Rollern transportiert wird, Bierkisten ebenso wie Baumaterial. Offenbar auch Fisch, wie dieser unkonventionelle Transport eines großen Wahoo beweist:
Besonders schönes Detail: der Sweatshirt-Aufdruck: „SEA LEGS“!
Auch für uns gab‘s heute noch ein bisschen was zu tun: Wiebke hat die Flora obenrum, ich das Boot untenrum wieder sauberer gemacht. Zum Säubern des Unterwasserschiffs hab ich mich in meine Tauchausrüstung geworfen und den zwar noch recht losen, aber eben doch schon sichtbaren Bewuchs abgeschubbert. Die dabei komplett leergeatmete Tauchflasche konnte ich bei der hiesigen Tauchschule abgeben und sollte sie morgen wieder abholen können.
Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich mal unsere Zinkanoden kontrolliert, die jetzt ja immerhin seit acht Monaten ihren Dienst versehen und sich wortwörtlich für die edleren Metalle (wie etwa unsere Bronze-Borddurchlässe) aufopfern. Die meisten sehen zwar etwas angegriffen aber noch recht gut aus. Nur die dreieckige Opferanode an unserem Propeller hat es schon weitestgehend hinter sich, ich habe sie gleich getauscht:
Kleine Erinnerungsnotiz an mich selbst: Anoden öfter kontrollieren!