Kletterpartie im Regenwald

Beim Langfahrtsegeln – so geht das Gerücht – verkümmern ja mangels Bewegungsmöglichkeiten auf dem engen Boot die Beinmuskeln. Da hilft nur aktives Gegenanarbeiten, also: schon wieder ein Hike 🥾. Diesmal haben wir uns die gut dreistündige Wanderung zu den „Bains Chauds Du Matouba“ (die heißen Bäder von Matouba) ausgesucht.

Auf etwas mehr als 1.000 m Höhe entspringen am Berg Nez Cassé heiße, schwefelhaltige Quellen, da wollen wir hin. Der Einstieg in die Wanderung liegt leicht oberhalb von Matouba, der auf knapp 700 m Höhe erbauten und damit höchstgelegenen Ortschaft von Guadeloupe. Gemeinsam mit Andrea, Kerstin und Ingo schrauben wir uns im Mietwagen die N3 hinauf und können das Auto direkt am Einstieg am Straßenrand abstellen. Nur zwei andere Wanderer werden uns auf der ganzen Tour begegnen. Der Hike ist als mittelschwer klassifiziert und er beginnt mit einem leicht begehbaren und mit kleinen Stufen versehenen ausgebauten Weg durch den schon hier faszinierend wildwüchsigen Regenwald.

Zwei Bachdurchquerungen später und etwas höher am Berg wird der Weg dann aber kniffliger, das dichte Grün rückt enger zusammen.

Statt bequemer kleiner Tritte auf Stufen wird es jetzt rutschiger und es gilt mehr und mehr über umgestürzte Bäume zu klettern (oder sich unter den Ästen und Bäumen unterdurch zu hangeln), nicht wirklich schwierig, aber eben doch mit dem Hauch des etwas Abenteuerlichen 😄:

Auch die nächste Bachdurchquerung fordert uns mehr

und bei den Steilpassagen am Hang sind zunehmend Konzentration und Trittsicherheit gefordert, wir sind ganz froh heute nicht für den schwierigeren (und viel längeren) Hike hoch zum Soufriere entschieden zu haben, der an einer Gabelung des Wanderwegs ausgeschildert ist.

Am Ziel angekommen laden dann allerdings die heißen Schwefelquellen nicht zu dem Bad ein, das ihr Name verspricht. Auf einer Bergwiese findet sich ein steingefasstes kleines Bassin, in dem wohl früher einmal eine Reihe von Duschen mit einem Wassergemisch aus dem 58 bis 60 Grad heißen Quellwasser und kaltem Bergbachwasser installiert war. Von der Konstruktion sind aber nur noch Reste vorhanden.

Es kommt auch nur wenig von dem müffelnden Schwefelwasser dort an, dass meiste wird offenbar in einem kleinen Betonhäuschen durch ein Rohr zu den unten im Ort liegenden Kliniken zur Rheumabehandlung abgezweigt.

Das hat zumindest den Vorteil, dass wir nicht die nächsten Wochen lang nach Schwefel stinken 😉, denn wir machen uns ungebadet wieder auf den Rückweg durch den Regenwald.

Was für eine wunderschöne Wanderung!

Vulcano

Überall um unser Schiff schwimmen STEINE. Die meisten sind eher klein, irgendwo zwischen Kiesel und grobem Sand. Es hat tatsächlich ziemlich lange gedauert, bis wir überhaupt begriffen haben, dass dieses braune Zeug kein Algen-Schmodder ist. Erst als uns die Hitze und eine relativ saubere Wasseroberfläche hineingetrieben haben, hat es „klick“ gemacht. Aber auf einer Insel, die sogar Vulcano heißt, dürfte man sich über die vulkanischen Bimssteine eigentlich nicht wundern.

Trotzdem fühlt es sich seltsam an MIT Steinen zu schwimmen.

Den Herkunftsort des Bims haben wir heute näher erkundet. Die Wanderschuhe an, ordentlich Wasser eingepackt und früh los, bevor es richtig warm wurde. Gleich hinter dem Ort Vulcano Porto, an dem unsere Ankerbucht liegt, zweigt ein Wanderweg ab. Der Pfad führt recht steil bergauf, aber der zunächst recht lose Sand wird mit zunehmender Höhe fester und schon nach einer Stunde steht man am Kraterrand in knapp 400 m Höhe.

Oben angekommen werden wir von wabernden gelben Schwefelschwaden begrüßt, die der Wind aber von uns weg drückt, der Geruch bleibt erträglich.

Und der Blick hätte sowieso einige Belästigung der Nase wettgemacht: vor uns breitet sich jenseits der schwefeligen Kraterkante links die Ankerbucht Porto di Poniente gegenüber unserer Ankerbucht Porto di Levante aus, dahinter liegt die Halbinsel Vulcanello. Die nächste Insel ist Lipari, Namensgeberin der Inselgruppe. Hinter ihr kann man links Salina und rechts im Dunst Panarea erkennen. Außerhalb des Bildes könnte man noch Filicudi und Stromboli ausmachen.

Wieder zurück an Bord pfeifen bald die angekündigten kräftigen Böen in unser Rigg und sorgen für weitere Schaukelei. Zusätzlich insofern, als der Fährverkehr hier in Anbetracht der kleinen Insel mit nur 470 Einwohnern ungeahnte Ausmaße hat, alle Naselang rauscht eine foilende Hochgeschwindigkeitsfähre (die uns schon bei der Anfahrt mit über 30 kn um die Ohren sausten) nah am Ankerfeld in Richtung Hafen oder eben wieder hinaus.

Die Rasekisten kennen wir schon aus Griechenland, dort werden sie „Dolphin“ genannt. Was wir aber bisher noch nicht kannten, sind eine andere Art äußerst skurriler Schiffe: Schwertfischfänger sind hier in der Gegend sehr verbreitet, im Hafen von Scilla lagen gleich drei von ihnen. Ein hoher Ausguck wie ein Strommast, der gleichzeitig die Verspannung für einen absurd lang erscheinenden Bugspriet trägt. Von diesem Laufsteg aus werden dann die zuvor von oben erspähten Schwertfische harpuniert.

Heute Abend gibts bei uns aber keinen Schwertfisch, sondern Thunfisch. Ein örtlicher Fischer kam mit seinem Boot längsseits und bot von dem Tagesfang an. Wir schlugen zu, denn trotz neuer Angel als Geburtstagsgeschenk hat es mit dem eigenen Fang leider noch nicht geklappt. Aber ich bleibe dran!