Somosomo, Bootsklinik und Nemo im bunten Korallengarten

Zum Sevusevu nach Somosomo, so ist das hier. Wir greifen uns einmal mehr ein in Zeitungspapier eingeschlagenes Bündel von Kawa-Wurzeln. Unserer schrumpfender Bestand baumelt in der Dusche, denn die hängende Aufbewahrung ist gut für den Kawa und in der Dusche lassen sich wegbröckelnde Wurzelreste gut aufnehmen. Außerdem haben die Wurzeln durchaus einen Eigengeruch. So sieht das aus:

Mit diesem rituellen Geschenk machen wir uns in unserem Beiboot auf zum Chief des nächstgelegenen Dorfes Somosomo und bitten um die Erlaubnis, in der Bucht ankern zu dürfen.

Am Strand vor dem Dorf Somosomo landen wir an. Eta heißt uns im Dorf willkommen und führt uns zum Haus des Chief. Nach dem Sevusevu zeigt sie uns das Dorf. Spannend: hier wachsen noch einzelne Sandelholz-Bäume. Der Sandelbaum war früher auf den Yasawa-Inseln weit verbreitet. Das hier Yasi genannte schwere Hartholz war in China ursprünglich dem Kaiserhof vorbehalten und ist auch heute noch zur Produktion von Möbeln und Kunstobjekten äußerst begehrt. Die Bäume wurden fast bis zur Ausrottung abgeholzt. Heute liegt der Marktwert für ein Kilo hochwertiges Sandelholz über 100 Fiji$. Auf der südlich von Naviti Island liegenden Insel Waya wird deshalb Sandelholz im Rahmen eines Nachhaltigkeitsprojektes in Baumschulen wieder kultiviert, um eine vom Tourismus unabhängige langfristige Einnahmequelle zu schaffen.

Junger Sandelbaum neben dem Haus des Chiefs

Mehrere Frauen des Dorfes haben während unseres Sevusevus schnell einen improvisierten Kunsthandwerksmarkt auf der Wiese im Zentrum des Dorfes aufgebaut. Das scheint nur uns zu gelten, aber vielleicht kommen nachher ja auch noch weitere Crews, denn vorm Ort ankern ebenfalls ein paar Boote. Wir kaufen zwei Tapa-Tischsets. Jetzt am Wochenende sind die Kinder im Dorf (und nicht im Boarding-Haus der Schule im Nachbardorf). Mehrere von ihnen sitzen bei ihren Müttern auf den Decken, für ein Foto rücken sie schnell zusammen.

Mit Rose (11), Meme (5), Mela (8) und Sake (7) schließen sich einige andere Kinder bei unserem weiteren Spaziergang durchs Dorf und die Umgebung an.

Es wird ein spaßiger Gang zu den Mangroven, durch den Fluss und zurück zum Strand vor Somosomo.

Die Haare von Rose und Meme sind übrigens nicht gefärbt. Vielmehr wird hier auf den Yasawas im Gegensatz zur eher von polynesisch-tonganischen Einfluss geprägten Lau-Inselgruppe die mehr melanesische Abstammung der fijianischen Bevölkerung deutlich.

Zurück zur Flora und an die Arbeit, es stehen mal wieder einige Projekte an. An den Davits (den kleinen Kränen, an denen wir unser Beiboot hochziehen und lagern) hat sich eine Leine verklemmt. Dafür müssen wir erstmals die Umlenkrolle am äußeren Ende des Davit ausbauen. Das Lösen der Schrauben (vom schwankenden Dinghy aus) erfordert dementsprechend ein wenig Überzeugungskunst, aber es klappt und wir bekommen das Ganze wieder gängig.

Nächstes Projekt: Großsegel. Ein kleines Loch zeigt sich oberhalb der hinteren Segellatte. Das in den Mast gerollte Segel herunterzunehmen würde bedeuten, dass wir alle 5 der bis zu 15 Meter langen Latten ausbauen müssten, das wollen wir uns am Anker lieber ersparen. Also zieht Wiebke mich in den Mast. Aus der Nähe zeigt sich, das nur ein kleines Stück Naht des Segels aufgegangen ist. Ich kann die Hand hindurchstecken. Selbst nähen möchte ich das hier nicht, also klebe ich auf jede Seite ein kleines Patch (selbstklebender Segelflicken). Nicht besonders schön, aber das sollte das weitere Auflösen der Naht erstmal verhindern.

Drittes Projekt: die Winsch der Ausholleine des Großsegels funktioniert mechanisch zwar noch, lässt sich aber nicht mehr elektrisch bedienen. Der Elektromotor surrt, aber die Winsch bewegt sich nicht. Das lässt einen Fehler im Kraftschluss der Zahnräder vermuten. Zur Behebung müssen wir die Winsch nicht nur auseinander bauen, sondern auch das Winschfundament ganz abnehmen. Wiederum erstmals und wieder bedarf es deshalb besonderer Überzeugungskraft um die Schrauben zu lösen. Ein mechanischer Schlagschrauber hilft. Dann alles schön säubern, die Sperrklinken wieder gängig machen und ölen. Zusammenpuzzeln, funktioniert wieder.

So soll das.

Zur Belohnung gehen wir vom Boot aus am Riff unseres Ankerplatzes ausgiebig schnorcheln.

Die Vielfalt und Farbenpracht der Steinkorallen und der Weichkorallen hier in Fiji beeindruckt uns immer wieder. Weitere Highlights des Schnorchelgangs hier in der Bucht sind die „Nemos“, die ein- oder zweistreifigen Anemonenfische. Zwischen verschiedensten Seeanemonen und Weichkorallen sehen wir sie hier. Sogar gras-grüne Anemonen sind dabei, die einen herrlichen Kontrast zum Orange der Nemos bilden.

Ein weiterer Lieblingsfisch von uns zeigt sich ebenfalls mehrfach, der knuffige Harlekin-Feilenfisch, auch Palettenstachler oder Orangeflecken-Feilenfisch genannt:

Auch sonst ist es herrlich bunt und fischreich hier. Beim zurückschnorcheln zur Flora sehen wir auf dem Sandgrund sogar noch einen endemischen Fiji-Maskenrochen.

Übrigens: wenn in der Bildbeschreibung beim Aufruf „Screenshot“ steht liegt das nicht daran, dass ich das Foto irgendwo im Netz stibitzt hätte. Vielmehr sind meine Unterwasserbilder meist eben Screenshots eines Standbilds aus einem mit meiner GoPro oder zuletzt häufiger meiner DJI Action6 aufgenommenen Unterwasser-Videos.

Nochmal Nemo, die blaue Rinne von Huahine und zurück nach Tahiti

Der Ankerplatz in der Baie d’ Avea ähnelt einer maritimen Sackgasse mit Wendehammer. So können wir mit Dinghy oder Paddelboard wunderbar zum Schnorcheln ins südliche Flachwassergebiet mit vielen Bommies fahren.

Allerdings sind die Korallen der Unterwasserlandschaft nicht eben berauschend, es gibt viele graue Bereiche mit eher grobem Korallenschutt, aus denen gelegentlich lebendige Bommies herausragen. Wo das so ist, findet sich dann aber gleich auch Fisch.

Was das Schnorcheln hier allerdings ganz besonders macht, ist die ungewöhnliche Dichte an Anemonen und damit auch an “Nemo”-Anemonenfischen. Haben wir so noch nirgends gesehen.

Das gilt insbesondere für den Bereich nahe unter Land vor der Südwestspitze von Huahine, wo der Schwell von einer besonders breiten Flachwasserzone hinter dem Riff abgehalten wird.

Das schützt natürlich auch unseren Ankerplatz, da nehmen wir die sieben Seemeilen Anfahrt in die Sackgasse gern in Kauf.

So geht’s denn natürlich die gleiche Strecke auch wieder zurück durch die blaue Rinne, bevor wir durch den Pass wieder in den offenen Ozean hinausfahren. Eine Übernachtfahrt nach Tahiti steht an. Zum einen kann ich dort meine neue Drohne in Empfang nehmen (Maggie und Scott habe die dankenswerterweise aus Kanada mitgebracht). Zum anderen sieht es so aus, als wenn das Wetterfenster für die Fahrt nach Tikehau in den Tuamutus durch diesen Zwischenschritt ein bisschen günstiger wird.

Zwar ist der Anfang des Törns etwas schwachwindiger als vorhergesagt, aber dann wird es doch noch wunderschönes Segeln durch die Nacht mit Sonnenaufgang über Moorea und Tahiti.

“O’zapft is” zum Kaffee und Nemo vor dem Frühstück

Ingo hat am Sonntag Geburtstag und lädt zu 16.00 Uhr auf die Easy One ein. Tja, da müssen wir uns wohl noch Geschenke einfallen lassen.

Während Wiebke aus den Tiefen der Stauräume Schwarzkirschen für eine Schoko-Kirsch-Torte zaubert, übe ich mal wieder Diamantknoten und bastele Softschäkel aus Dynema.

Wiebkes Torte wird super lecker, aber wir müssen uns dafür ein bisschen gedulden. Denn Ingo hat für seinen Geburtstag bereits in Panama ein Fässchen Weißbier gebunkert und dieses Schätzchen wird zum Anstoßen aufgemacht. “O’zapft is”. Hier in Französisch Polynesien wissen wir alle diese Delikatesse um so mehr zu schätzen.

Dazu gibt’s lecker Fingerfood, Ofenkäse und Pizza-Muffins. Der Inhalt des Fässchens erlebt den Sonnenuntergang übrigens nicht mehr. Die Torte kommt dann als Nachtisch.

Und was machen wir am Montag Morgen?

Kaffee im Bett, wie eigentlich immer. Aber schon dabei fällt auf: es ist erstaunlich ruhig. Keine Geschaukel, kein Schwappen der Wellen am Rumpf. Windstille.

Das war zwar nicht vorhergesagt, gibt uns aber die Chance, bei besten Bedingungen im Korallengarten zu schnorcheln.

Der “Jardin Du Corail” liegt zwischen den Motus TauTau und Maharare und ist eine Attraktion, zu dem vom nahen Ressort und mit Tourbooten auch von der Insel Taha’a Touristen herüberkommen. Aber nicht so früh an einem Montagmorgen, wir haben den Korallengarten fast für uns allein. Das Dinghy parken wir am Motu Maharare. Es wird empfohlen, zu Fuß zur Riffseite hinüberzugehen und dann durch den flachen Pass in die Lagune zu driften. Aber noch ist die einlaufende Strömung nicht so stark und so schnorcheln wir zunächst Richtung Riff, hinter dem in der Ferne die Silhouette von Bora Bora schemenhaft zu erkennen ist.

Der Pass zwischen den mit Palmen bestandenen Motus ist so flach, dass wir im Zickzack schwimmen müssen, um nicht gegen die empfindlichen Korallen zu stoßen. Es ist wunderschön.

Verschiedene Riffische schwimmen uns vor die Schnorchelbrille oder verstecken sich zwischen den unterschiedlichen Korallenarten.




Korallentiere können aussehen wie Stein, wie Pilze, wie Äste oder Geweihe und noch so vieles mehr. Aber es gibt noch andere ungewöhnliche Tierarten hier. Blumentiere! So wiegen sich zum Beispiel Seeanemonen in der stärker werdenden Strömung. Sie sind mit ihren giftigen Tentakeln das perfekte Zuhause für Anemonenfische wie eben die Clownfische.
Und da ist er dann auch: NEMO ! Der Trickfilm der diese Fischart bekannt gemacht hat, hat den Clownfischen nicht wirklich gut getan. Als Aquarienfische wurden sie noch populärer, obwohl der Film ja eigentlich das Gegenteil aussagt. Unzählige von ihnen wurden gefangen, obwohl sich ihre Lebenserwartung im Aquarium von 10 auf 5 Jahre halbiert . Uns sind sie lieber hier in der Natur …

… und wir sind um so glücklicher, ihnen hier zu begegnen.

Was für ein herrlicher Montagmorgen!