Champagne Beach, Nacula Island und mal wieder eine Lernkurve

Fast ganz im Norden von Fiji‘s Yasawa-Gruppe ankern wir vor dem Champagne Beach. Ein wirklich wunderschöner, langer und breiter Strand mit ganz feinem, hellen Sand.

Klitzekleiner Haken: wie so oft in den Yasawas findet der Ozeanschwell auch hier seinen Weg zum Ankerplatz. Das Auf und Ab ist an Bord nicht mal besonders störend. Das Anlanden am Strand wird aber deutlich erschwert, denn im flacheren Wasser steilen sich die Wellen auf und brechen.

Wir sind ja nach unserem Erlebnis am Cape Scott in Kanada „gebrannte Kinder“ (war’s eine FeuerTAUFE oder sind wir jetzt mit allen Wassern gewaschen?).

Vom Dinghy aus schauen wir uns das erst einmal genau und wirklich in Ruhe an, versuchen ein Muster im Rhythmus der Wellen zu erkennen. Drei größere sind durch, jetzt folgt eine kleine Pause. Also Gas geben, ran, dann das Dinghy schnell auf den Strand ziehen. Auf die nächsten höheren Brandungswellen warten und mit ihnen das Beiboot noch höher hinauf auf den Strand wuchten. Klappt wunderbar. Es ist ablaufend Wasser, insofern sollte das Dinghy jetzt sicher liegen. Trotzdem legen wir zur Sicherheit hoch auf dem Strand noch den Dinghyanker aus. Wir beobachten das noch eine Zeit lang, während wir schon mal den Korken knallen lassen.

Champagne Beach. Nehmen wir wörtlich.

Nach dem Anstoßen folgt ein herrlicher Strandspaziergang barfuß im Puderzucker-Sand der Gezeitenzone.

Allerdings: Irgendeine Monsterwelle hat zwischenzeitlich doch unser Dinghy erwischt und zur Hälfte mit Wasser und auch reichlich Sand gefüllt. Mist.

Davon gibt’s keine Fotos, leer schöpfen hat die oberste Priorität. Dann schnell zurück zur Flora, der Außenborder des Dinghies läuft zum Glück problemlos, so schlimm war die Welle dann doch nicht. Es dauert aber fast eine Stunde, bis wir mit Hilfe von Deckswaschpumpe und Schlauch den Sand zumindest größtenteils wieder aus dem schräg in den Davits hängen Beiboot herausgespült haben. Das war wohl nicht ganz optimal.

In den nächsten Tagen soll der Wind hier oben im Norden der Yasawas deutlich auffrischen. Wir beschließen, wieder etwas weiter nach Süden zu segeln, um spätestens am Freitag den Schutz des Windschattens von Viti Levu nutzen zu können. Unser nächster Ankerplatz liegt auf bei der Insel Nacula vor dem Örtchen Malakati.

Auch hier wieder: traumhafter Sandstrand.

Und überhaupt, was für ein Ankerplatz. Auf 5 m Wassertiefe über Sandgrund, der in herrlichstem Türkis geradewegs zu leuchten scheint.

Der notorische Schwell allerdings findet auch den Malakati Anchorage. Wie also am besten an Land kommen? Die Longboats der Locals sind zumeist nicht auf den Strand gezogen, sondern zwischen einer Ankerleine und einer Landleine so im seichten Wasser festgemacht, dass man an Land waten kann. Wir kopieren ihre Technik und nutzen dafür zwei Anker, jeweils an einem „Anchor-Buddy“, einer sich von 5 m auf 15 m dehnenden speziellen Ankerleine. Die eine Leine ist nicht mehr ganz so elastisch, aber das war der eigentliche Grund, warum wir überhaupt eine zweite haben. Jedenfalls klappt es wunderbar, das Dinghy schwimmt mit dem Bug in Wellenrichtung, die Welle steigt nicht klatschend über das niedrigere Heck ein. Da hätten wir auch schon früher drauf kommen können. Lernkurve, aber wir sind ja auch erst gut sieben Jahre unterwegs!

Wir machen unser Sevusevu beim Chief. Und wir begegnen Josa, Tetro und Mario, die uns den nicht ganz einfach zu findenden Einstieg in den Trail hinauf auf den hinter dem Ort liegenden Berg zeigen. Ihre (und unsere) Namen ritzt Josa in das Blatt einer stacheligen Agave am Wegrand. Wir sollen uns vor den Spitzen Blattenden in Acht nehmen. Zur Sicherheit pickst er dieses Blattende in das beschriftete Blatt.

Der Hike beginnt unscheinbar unter haushohen, die Kokospalmen am Strand deutlich überragenden Mangobäumen und führt dann steil den Hang hinauf. Ein Stück höher wachsen noch Kiefern, dann wird es an den Hängen eher kahl. Wie bei früheren Wanderungen haben sich uns auch diesmal wieder einige Hunde aus dem Dorf angeschlossen und weichen uns kaum von der Seite.

Zurück im Dorf werden wir in die Vorschule hineingebeten. Eigentlich ist sie für die fünfjährigen gedacht. Weil aber die Frauen im Dorf fast alle im Hotel-Resort des Nachbarortes arbeiten, gehen in Malakati auch die drei- und vierjährigen in die Vorschule.

Wiebke und ich werden sofort fröhlich in Beschlag genommen. Die Muttersprache ist Fijianisch, die Kinder erproben von der Lehrerin ermuntert ihr Englisch an uns. Wir sollen diverse Lieblingsbücher vorlesen, vorsingen, als Kletterbäume dienen, bekommen die Vorschule gezeigt. Umgekehrt singen auch die Kleinen ein fijianisches Lied.

Mantas, Schlittenfahrt in der Naiqoro Bay und Schnorcheln im Pass am Astrolabe Reef

In der Blue Lagoon Bay verabschieden wir uns von Einhandseglerin Ruby, sie nutzt ein Wetterfenster zur Überfahrt zu Fiji‘s Hauptinsel Viti Levu.

Da müssen wir auch demnächst hin, denn unsere Visa laufen bald ab. Eigentlich kann so ein Visum online verlängert werden, aus unerfindlichen Gründen muss dabei jedoch ein PDF der Zertifizierung des Fotos des Reisepasses eingesandt werden (quasi ein Foto der Beglaubigung des Fotos des Passes). Das ist hier auf Ono nicht zu erhalten, wir werden es wohl in Denerau auf Viti Levu erledigen müssen.

Aber: für das Wochenende ist ruhiges Wetter vorhergesagt. Das wollen wir nutzen, um noch einmal unser Glück beim Schnorcheln mit (hoffentlich) Mantas bei Buliya Island zu versuchen und danach auf der Ostseite von Kadavu zu ankern. Das soll uns ermöglichen, auch noch direkt am Außenriff oder in einem Pass des Great Astrolabe Reefs zu schnorcheln.

Obwohl Wind und Wellen am Freitag noch stärker als vorhergesagt sind, verlegen wir Flora zur Manta-Insel. Etwa einen halben Meter Welle haben wir an deren Nordspitze zwar noch, das macht das Schnorcheln anstrengend. Wir sind vorerst die einzigen dort, aber wir werden belohnt. Bis zu fünf große Riff-Mantas gleichzeitig drehen dort ihre Kreise und lassen sich dabei von unserer Anwesenheit nicht beirren. Sowohl Mantas mit weißer als auch solche mit schwarzer Unterseite sind darunter. Mit gemächlichem Flügelschlag gleiten sie um uns herum. Die Begegnung mit diesen bis zu fünf Meter Flügelspannweite aufweisenden riesigen und doch so sanften Rochen ist immer wieder ein wunderschönes Erlebnis. In der Mythologie der Südsee stehen Mantas als spirituelle Wesen sowohl für die Verbindung mit den Ahnen als auch für das mit den Göttern verknüpftes Wissen, für Harmonie und eine sichere Passage auf See. Kein Wunder, dass wir Segler sie lieben! (zum Vergrößern auf ein Bildchen klicken)

Nach dem Schnorcheln wechseln wir noch einmal den Ankerplatz. Wir segeln östlich um Ono herum. Zwischen der Insel und dem Außenriff hindurch schlängeln wir uns an diversen Korallenköpfen und Flachs vorbei an die Ostseite von Kadavu Island, der größten Insel am 65 km langen Great Astrolabe Reef.

Der dem Riff zugewandte Osten der Insel ist die Wetterseite, hier schiebt der Passatwind normalerweise Wolken die steilen Hänge des bergigen Terrains hinauf, sorgt so für üppige Niederschläge und teils dichten Regenwald. Das unwegige Gelände verhindert Landwirtschaft in größerem Stil wie etwa den Anbau von Zuckerrohr. Industrie gibt es ebenfalls nicht, die meisten Bewohner betreiben Subsistenzwirtschaft, also Selbstanbau des Notwendigen zu Leben sowie etwas Fischerei. Der wenige Tourismus hängt zumeist mit dem Tauchen am Great Astrolabe Reef zusammen und wird ganz überwiegend mit einfachen kleinen Lodges statt internationaler Ressorts bedient.

Wir entscheiden uns für den Ankerplatz in der Naiqoro Bay. Noch kommt der Wind recht frisch aus Ost, aber die der Bucht vorgelagerten Riffe brechen den Schwell. Für die Nacht und den nächsten Tag sind nachlassende und rückdrehende Winde angesagt, also zunächst Nord und später West. Dafür eignet sich der Ankerplatz perfekt.

Tatsächlich haben wir eine sehr ruhige, erholsame Nacht. Gleich nach dem Morgenkaffee fahren wir mit dem Dinghy zum Dorf Naiqoro, denn es ist gerade Hochwasser. Das wollen wir nutzen, denn im Scheitel ist die Bucht sehr flach, zwei kleine Flüsschen münden hier und lagern reichlich Schwemmsand ab. Selbst bei Flut halten wir uns dicht an die Mangroven, dort ist das Wasser am tiefsten und unser Außenbordmotor muss keine Furche in den Schlamm wühlen.

Kurz nach uns landet ein Longboat am Steg seinen guten Fang an, die Bucht ist reich an Fisch.

Einer der Fischer ist der Headman des Dorfes, er bringt uns für das Sevusevu zum Chief. Der empfängt uns sehr freundlich, wir bringen das rituelle Gastgeschenk der Kawa-Wurzeln dar und werden offiziell als Gäste in die Dorfgemeinschaft aufgenommen. Der Chief ruft seinen Enkel Dan. Der ist wegen der Schulferien nicht in Suva, sondern hier im Dorf bei seinem Großvater. Dan wird uns das Dorf zeigen. Was eine lästige und vom Spielen abhaltende Bürde für den Enkel sein könnte, scheint diesem im Gegenteil viel Spaß zu machen. Dan bleibt auch nicht allein, seine Freunde begleiten ihn. Wir sind erst ein paar Meter weit gegangen, da greift außerdem schon ein Mädchen Wiebkes Hand, kurz danach kommen weitere Kinder angelaufen und gesellen sich auch zur Wandergesellschaft. Dan führt uns durch Naiqoro, zeigt uns wie im Wald geerntete Kawa-Wurzeln getrocknet werden, welche Pflanzen im Ort und welche auf den Feldern höher am Berg angebaut werden. Sein Freund erklärt uns die Dorfglocke, die ebenso wie die obligatorischen Trommeln sonntags zum Kirchgang ruft. Thradition trifft Moderne: eine Frau sortiert Palmblätter zum Flechten einer Matte, neben ihrer Hütte sorgt ein aufgeständertes Solarpanel für Strom. Einfache Schaukeln gibt es fast überall, Plastikpistolen als Spielzeug scheinbar auch. Vor einer anderen Hütte haben sich ein paar Männer versammelt, das Mobiltelefon darf auch in diesem Dorf ohne Straßenanbindung nicht fehlen.

Und die Kinder zeigen uns auch ihre „Schlitten-Piste“. Ein halbierter Kanister wird mit einem hinein gelegten Kissen gepolstert und los geht die Rutschpartie den Hang hinunter:

Bei der Führung durch das Dorf haben offenbar nicht nur wir, sondern auch die Kindern richtig Spaß.

Im Hintergrund die Flora

Der Rundgang endet wo er begann, beim Chief. Der hat nämlich zwischenzeitlich für uns ein Frühstück mit Tee und Kuchen in einer Nachbarhütte organisiert.

Wunderbare Gastfreundschaft in Fiji!