Ono im Great Astrolabe Reef

Von Gau aus segeln wir bei weiterhin idealen Bedingungen in einem langen Tagesschlag von etwas über 70 Seemeilen zum Great Astrolabe Reef. Wie vorhergesagt nimmt der Wind unterwegs langsam ab und dreht achterlicher, wir wechseln von der Fock auf den Code0 und weiter auf unser größtes Vorsegel, den Gennaker.

Herrliches, flottes Segeln. Und schnell muss es sein, denn auch so schaffen wir es nur gerade eben bei Tageslicht in das Great Astrolabe Reef einzulaufen, der Anker fällt genau zum Sonnenuntergang bei Buliya Island. Am nächsten Morgen folgt das Sevusevu beim Chief des Dorfes. Erstmals sitzen wir dazu im Haus eines Chiefs nicht klassisch auf dem Boden, sondern auf einem Sofa. Chief Joe und seine Frau Cilia laden uns zum Tee ein und wir reden lange über Fiji, Deutschland und über Australien. Dort haben die beiden lange gelebt, ihre Kinder und Enkel wohnen dort. Während unseres Besuchs geht ein schwerer Regenschauer nieder, das Wetter hat sich deutlich verschlechtert.

Unser Ankerplatz wird auch zunehmend unruhig, wir verlegen die Flora eine Meile weiter südlich zu einer kleinen Nachbarinsel. Hier liegen wir etwas besser und hätten eigentlich die Chance, mit Mantas zu schnorcheln. Nur, die natürliche Putzerstation für diese großen Rochen ist in den jetzigen Bedingungen zu exponiert, um dort in Ruhe zu schnorcheln, etwa einen Meter hohe Wellen ziehen darüber hinweg. Wir bleiben eine Nacht, aber als es nicht besser wird und für die nächsten Tage noch kräftigere Winde mit Böen deutlich über 30 Knoten vorhergesagt werden, verholen wir erneut. Wir bleiben in der vom etwa 65 km langen Great Astrolabe Reef geschützen Kadavu-Inselgruppe. Dieses Mal fällt der Anker in der gut geschützten Bucht vor dem Dorf Nabouwalu an der etwas größeren Insel Ono.

Auch wenn der innere Teil der Bucht von Nabouwalu durch ein großes Flachwassergebiet mit vorgelagerten Korallen gebildet wird, liegen wir hier sehr geschützt.

Der Zugang zum Dorf ist allerdings nur um Hochwasser herum möglich, bei Niedrigwasser ist selbst die Einfahrt in das etwas tiefere Flussbett vor dem Ort für unser Dinghy zu flach.

Wir kommen an einem Sonntag an und hören, wie die Trommeln im Dorf zum Kirchgang rufen. Es regnet, wir bleiben an Bord. Die Fahrt in den Ort zum Sevusevu machen wir dann am Montag, allerdings immer noch im Regen.

Am Dienstagnachmittag kommt tatsächlich mal die Sonne durch, Zeit für die Drohnenbilder. Und – wer sagt es denn – sogar für einen Sundowner.

Heute zeigt sich die Sonne zwar nicht, aber immerhin bleibt es (fast) trocken. Wir nutzen das für einen ausgedehnten Hike über die Insel Ono. Leider verschusseln wir, die Wander-App Komot gleich zu Beginn einzuschalten, etwa 10 Kilometer werden es insgesamt wohl. Als Guide hat sich Isea angeboten, der uns bei unserer Anlandung in Nabouwalu begrüßt. Ohne ihn hätten wir den manchmal recht zugewachsenen Pfad wohl auch nicht gefunden. Isea holt von Zuhause kurz noch Gummistiefel und eine Machete, mit der er zwischenzeitlich auch den Trail freischlägt.

Das Höhenprofil unserer Wanderung sieht gar nicht sonderlich anstrengend aus, aber die schmalen und vom Regen der letzten Tage rutschigen Pfade haben es durchaus in sich. Bei unserer Rückkehr spüren wir unsere untrainierten Beine deutlich. Aber es lohnt sich. Der Trail führt erst durch Kassavafelder am Dorf, dann durch verschiedene Wälder. Palmen, Baumfarne, Bambus und Kiefern wechseln sich ab. Über Trittsteine queren wir mehrere Bäche.

Isea erklärt uns, dass auf dem fruchtbaren Ono – anders als auf den meisten kleineren Inseln – sogar der Kawa-Strauch wächst und er zeigt uns, welche weiteren Pflanzenteile davon außer der Wurzel noch verwendet werden.

Im Dorf Naqara werden wir freudig begrüßt. Die Kinder der Schule üben draußen gerade für ihr Fest zum Abschluss des Schulhalbjahres am Ende dieser Woche. Lehrerin Sala hat die jüngeren Klassen versammelt und sie trainieren enthusiastisch ein Meke, die traditionelle fijianische Kunstform, die Gesang, Tanz und das Erzählen von Geschichten vereint. Wir dürfen zuschauen:

Ab durch die Mitte: Lomaiviti

Fiji gliedert sich in 14 Distrikte, aber obwohl wir schon drei Monate durch Fiji segeln, haben wir erst zwei davon besucht. Das hat mit der Weitläufigkeit Fijis, aber auch mit dem Zuschnitt der Distrikte zu tun. Allein 8 der 14 Distrikte liegen auf der Hauptinsel Viti Levu, da waren wir bisher mit Flora noch nicht. Der erste von uns besuchte Distrikt „Cakaudrove“ beinhaltet neben einem großen Teil der zweitgrößten Insel Vanua Levu in der Umgebung von Savusavu auch die Nachbarinsel Taveuni. Und der zweite von uns besuchte Distrikt „Lau“ hat zwar nur 9.600 Einwohner, aber die leben eben verteilt auf abgelegenen und über rund 400 km verstreut liegende Inseln im Osten Fijis. Da gab es viel zu entdecken.

Jetzt aber geht es in das Herz Fijis, geographisch und auch historisch. Lomaiviti heißt dieser Distrikt, der die Inselgruppe im Zentrum bezeichnet. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn Lomai bedeutet auf fijianisch Mitte/Zentrum/Inneres und Viti eben Fiji. Historisch war zudem bis 1882 Levuka auf der zu Lomaiviti gehörenden Insel Ovalau die Hauptstadt Fijis.

Das Wetterfenster ist ausnahmsweise günstig, um von Savusavu aus nach Süden in Tagesetappen durch Lomaiviti zu segeln. Unser erstes Ziel ist dabei die Insel Koro. Diese fruchtbare Vulkaninsel bietet zwar wenig guten Ankergrund, aber vor einem Resort in Nordwesten der Insel sind mehrere Mooringbojen ausgebracht. Ideal für einen Übernachtungs-Zwischenstopp, zumal kein Sevusevu erforderlich ist und die etwa 8 Euro Mooring-Gebühr gleichzeitig als Verzehrgutschein an der Bar gilt.

So hatten wir es vorher gelesen und so ist es im Prinzip auch, nur ist das Resort eigentlich noch gar nicht in Betrieb. Als wir mit dem Dinghy am ewig langen Steg des Resorts anlanden, die nur mit Angelschnur befestigte Aluleiter hinaufklettern und zur Rezeption gehen, wird das beim Näherkommen immer deutlicher. Was aus der Ferne durchaus ansehnlich schien, entpuppt sich als aktive Baustelle.

Immerhin, die Rezeptionistin gibt uns an der Bar zwei Dosenbier und wir dürfen uns auch auf dem Baustellengelände bewegen, sogar die Hängematten am Strand benutzen.

Und wir sehen mehrere der auf dieser kleinen Insel endemischen Koro-Rotglanzsittiche, einer Unterart der Pampadursittiche.

Am nächsten Morgen zieht es uns dennoch früh weiter, wir wollen den günstigen Wind für einen 45 Seemeilen langen Schlag hinunter in die Lagune von Gau nutzen. Es wird ein wunderschöner Segeltag bei bestem Wetter.

Bei der Einfahrt in die Lagune allerdings sehen wir, dass sich an einem Hügel der Insel ein Feuer entwickelt. Rauchwolken kleinerer Brände sind auf Fiji Alltag, völlig normal. Müll wird verbrannt, Felder abgeflammt. Das hier sieht anders aus, entwickelt sich weiter, läuft bei starkem Wind in beide Richtungen die Hänge hinauf.

Wir überlegen ernsthaft, ob wir weiterfahren sollen, auch wenn der Wind den Rauch von unserem Ankerplatz zum Glück fernhält.

Beim Sevusevu am nächsten Morgen (im Dorf Sawaieke sind Sonnenbrillen o.k., Rucksäcke tragen jedoch tabu) erklärt uns der Chief dann aber bei Tee und Roti, das sei kein außergewöhnliches Feuer gewesen. Ein Farmer habe nur sein Feld-Yams abgeflammt und würde jetzt die Wurzeln ernten. Alles ganz normal. Hm. Wir hatten uns wirklich Sorgen um das Dorf gemacht, das genau zwischen dem Feuer und unserem Ankerplatz liegt.

Überhaupt, der Ankerplatz. Zwar ist die Einfahrt in die geschützte Lagune im Westen der Insel Gau recht einfach, aber trotzdem statten ihr vergleichsweise wenige Boote einen Besuch ab. Die Lagune ist fast überall über 30 m tief und steigt dann zum auch landseitig vorhandenen Korallenriff steil an. Wir ankern in der Herald Bay, hier zeigt das Satellitenbild im landseitigen Riff mehrere größere Sandflecken zwischen tiefer liegenden Bommies. Als wir näher kommen, können wir sowohl die Korallen als auch den Sandgrund auf 8 m Tiefe gut erkennen. Nach dem Manöver schnorcheln wir den Raum noch einmal ab, in dem Flora herumschwingen kann. Ganz viel Platz haben wir nicht, aber es geht und etwas besseres werden wir hier nicht finden.

Schön ist dafür, dass wir von der Bucht aus auf einem Feldweg einen herrlichen Spaziergang ins Dorf machen können. Mal mit Aussicht auf die Lagune, mal mit Papagei im Dickicht, mal sogar mit einem kleinen Bachlauf. Frei laufende Schweine mit ihren Ferkeln nutzen ihn zur Abkühlung …

… aber im Matsch des Bachufers entdecke ich noch eine gut getarnte echte Besonderheit: Schlammspringer (engl.: Mudskippers)! Die habe ich überhaupt erst einmal gesehen, das war vor über 10 Jahren in Hagenbecks Tierpark in Hamburg. Jetzt sitzen diese 10 bis 15 cm kleinen Wunder der Natur hier im Morast und auf Ästen am Ufer herum. Es sind amphibisch lebende Fische, die den Großteil ihres Lebens außerhalb des Wassers verbringen. Mit ihren Brustflossen können sie sich an Land hüpfend fortbewegen.

Noch ein paar Impressionen aus dem Dorf Sawaieke:

Wir besuchen auch noch die Schule des Ortes, hier werden Kinder bis zur 8. Klasse unterrichtet. Und auch wir lernen etwas: der Lehrer klärt uns lachend darüber auf, dass die Steine am Hang unterhalb des Schulgebäudes keineswegs für das von uns hinterfragte Notsignal S.O.S. stehen. Finanziell knapp sei man, aber nicht in Not.

Vielmehr heißt es S.D.S, Kürzel für Sawieke District School. ☺️

Vorbereitung für Fiji‘s zweite Hälfte

Wir sind wieder eine ganze Woche in der Nawi-Marina in Savusavu. Wie jetzt? Erst zwei Monate irgendwo ganz weit draußen am Anker und jetzt gleich eine ganze Woche Luxusleben in der Marina mit Duschen so lange man will, Strom aus der Steckdose, Pool, Bar und Restaurants? Ja. Und mit Einkaufen. Fünf (sic!) Shopping-Runs mit dem Dinghy hinüber in die Stadt, jeweils schwer bepackt mit zwei großen vollen Rucksäcken und mit zusätzlichen Taschen zurück. Milch, Kaffee, Dosen, Hülsenfrüchte, Reis, Nudeln, Getränke, auch Schokolade, Nutella etc, alles muss wieder aufgefüllt werden. Der letzte Run gilt den Frische-Einkäufen. Käse, Sahne, Fleisch, Gemüse und Obst. Obst und Gemüse (vom Markt) werden ausgiebig gewaschen und dann in Netzen aufgehängt oder (soweit noch Platz ist) in den beiden Kühlschränken (eher: von oben befüllbaren Kühlfächern) verstaut. Die Kawa-Wurzelbündel hängen wir an einer Stange auf, diese obligatorischen Sevusevu-Geschenke müssen trocken gelagert werden.

Nur ein kleiner Teil …

Da auch das zweite (eigentlich tiefkühlfähige) Kühlfach nur als reiner Kühlschrank genutzt wird, müssen die Fleisch-Einkäufe (Hähnchen, Hack und Rind) anderweitig konserviert werden. 12 Gläser kochen wir ein.

Außerdem lassen wir unsere fast leere Gasflasche neu befüllen. Dafür ist neben der obligatorischen Dinghyfahrt in die Stadt ein Ausflug mit dem Taxi zum Stadtrand nötig.

Oh, und den defekten Fernseher im Salon ersetzen wir tatsächlich auch noch.

Eigentlich wollten wir auch unsere von Marshall-Sails reparierte alte Fock hier in der Marina wieder in Empfang nehmen. Der Versand von YachtHelp Vuda hierher zu YachtHelp Savusavu hat allerdings trotz Zusage und zwischenzeitlicher Erinnerung durch uns nicht geklappt. Innerhalb der Woche hier in der Marina könnte sie vielleicht noch geliefert werden. Aber „vielleicht“ in Verbindung mit einer Terminierung in der sprichwörtlich geruhsamen „Fiji-Time“ würde uns womöglich deutlich länger hier in Savusavu halten. Wir werden die Fock also lieber selbst in Vuda abholen, da möchten wir im Laufe der nächsten Monate ohnehin vorbei schauen.

Flora wird ordentlich gewaschen, aufgeräumt und geputzt. Als wir komplett vorbereitet sind, findet sich auch noch ein unerwarteter, aber durchaus willkommener Gast ein.

Ein kleiner Jungfern-Gecko hat sich als blinder Passagier an Bord geschlichen. Fein, da er sich hauptsächlich von Insekten ernährt, kann er uns gerne die bisher zum Glück allerdings nicht allzu zahlreichen Mücken und Fliegen vom Hals halten.

Und jetzt geht’s los zur Erkundung der zweiten Hälfte, in den Süden und Westen von Fiji.

Tagesreise zum etwas ANDEREN Supermarkt

Von Yagasa in der abgelegeneren südlichen Lau-Gruppe machen wir einen Übernacht-Törn von 115 Seemeilen hinauf nach Vanua Balavu, der Hauptinsel der Lau.

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/File:VANUABALAVU_MAP_TURAGA_NA_RASAU.GIF#/media/File:VANUABALAVU_MAP_TURAGA_NA_RASAU.GIF
Unser Noforeignland-Track von der Südlichen Lau-Gruppe hinauf nach Vanua Balavu

Mittags segeln wir los und besonders in den ersten sechs Stunden ist es herrliches Bilderbuch-Segeln. Guter Wind und glattes Wasser, so schön hatten wir das lange nicht mehr. Auch die Nacht durch bleibt es fein, nur die Wellen nehmen etwas zu. Und obwohl wir bis ins dritte Reff gehen, sind wir etwas zu schnell unterwegs. So drehen wir vor der Einfahrt in das Riff von Vanua Balavu bei und warten ab, bis es hell wird. Erst dann laufen wir durch den breiten und jetzt gut erkennbaren Südost-Pass in die große Lagune ein und steuern die Insel Susui an.

In der Bucht vor dem kleinen Dorf liegen schon Mareike mit ihrer Moana sowie die Norweger Carine und Bruse mit ihrer Noxoma vor Anker, jetzt kommen die Flora und kurz darauf die Lille Venn dazu.

Mareike berichtet, dass Headmann Jacob und die meisten anderen Inselbewohner zur Zeit im Hauptort Lomaloma auf Vanua Balavu sind, weil ein neuer Chief in sein Amt eingeführt wird. Unser Sevusevu muss deshalb warten und findet später dann untypisch für Fiji stark verkürzt statt: als wir gerade alle beim Sundowner auf der Moana sitzen (und die Siege von Norwegen und der Schweiz feiern), kommt Jacob mit seinem Longboat zurück und hält bei uns an. Nein, morgen sei er wieder in Lomaloma. Ob wir ihm vielleicht einfach die Kawawurzeln geben könnten? Na klar und schwupp – Sevusevu ist schon durch, wir sind willkommen im Dorf und auf der Insel.

Nach nunmehr schon über sechs Wochen ohne echten Einkauf geht unser Gemüse langsam wirklich zur Neige. Hier auf Susui ist keins zu bekommen, aber andererseits würden wir gerne noch etwas hier bleiben. Wir vereinbaren mit Jacob, dass er am übernächsten Tag die Crews der Flora, der Lille Venn und der Noxoma mit seinem Longboat hinüberfährt zu einer Farm auf Vanua Balavu.

Und so machen wir das.

Glücklicher Zufall: das Versorgungsschiff ist auch gerade in Lomaloma. In dem kleinen Dorfladen dieses mit 250 Einwohnern Hauptortes von Vanua Balavu können wir deshalb neben Kartoffeln und Zwiebeln sogar einige Äpfel erstehen. Und, in der zum Laden gehörenden „Tankstelle“, auch Benzin für den Außenbordmotor unseres Dinghies.

Nebenbei: hier gibt es auch ein lange entbehrtes Speiseeis.

Für den eigentlichen Gemüseeinkauf steigen wir um in einen Pickup (bzw. für die Jungs auf die Ladefläche). Mit dem geht es über Schotterstraßen und Feldwege in Richtung Farm.

Zwischendurch machen wir noch Halt bei der Yavusavusawaitui Womens Expo 2026. Im Caree um den Dorfplatz sind Pavillons aufgestellt. Festlich gekleidete Damen sitzen auf dem Boden oder am Rand der Pavillons im Sonnenschutz, teilweise werden Produkte wie Fächer oder Kokosöl zum Verkauf angeboten.

Auch wenn sich uns der Sinn nicht so richtig erschließt, immerhin können wir vor Ort gleich nebenan Bok Choy kaufen.

Ein Dorf weiter holen wir dann den Farmer ab und mit ihm geht es steil den Berg hinauf zu seinem (hauptsächlich) Gemüseanbau. Unser Supermarkt-Ersatz will sportlich erarbeitet werden!

Weißkohl, Tomaten, Grüne Bohnen, Kürbis, Auberginen. Wow. Dazu frischer Koriander und Papayas. Zwei Rucksäcke und eine Tasche schleppen wir zurück.

Jacob nimmt auch noch einen Via mit. Die stärkehaltige Pflanze ähnelt dem verwandten Taro, allerdings wird bei Via nicht die Wurzel sondern der Stamm geerntet.

Außerdem werden wir beim Einkauf mit frischen Kokosnüssen verwöhnt:

Tatsächlich ist dieser Einkaufstrip hier auf Vanua Balavu eher eine Tagesreise. Eine zum Genießen.

Ogea: Wattwanderung in den Tropen

Wir machen den kleinen Hüpfer herüber von Fulaga. Im Nachbar-Atoll Ogea (auch hier wird vor dem g ein n gesprochen, also Ongea) entscheiden wir uns für den den Ankerplatz Ogea Driki North.

Das Atoll von Ogea beinhaltet nämlich gleich drei größere Inseln, wobei die beiden nördlichen durch dazwischen liegende Inselchen und Sandbänke fast ganz verbunden sind und deshalb gemeinsam als Hauptinsel Ogea Levu bezeichnet werden. Eine gute Meile offenes Wasser innerhalb des Atolls trennt Ogea Levu von Ogea Driki.

Blick von Ogea Driki hinüber nach Ogea Levu

Der Ankerplatz Ogea Driki North ist mit drei bis vier Metern türkisem Wasser über fast reinem Sandgrund einfach wunderbar.

Als wir ankommen, ist die Flora das dritte Boot, die kurz nach uns einlaufende Lille Venn ist Nummer vier.

Für unser Sevusevu allerdings müssen wir hinüber ins Dorf auf Ogea Levu. So ist das, beim Ankern an einer neuen Insel oder auch nur im Gebiet eines anderen Dorfes der gleichen Insel ist ein Antrittsbesuch beim Dorf-Chief Pflicht. Barbara und Ralph holen uns mit ihrem Dinghy ab und gemeinsam brausen wir hinüber. Es geht allerdings nicht ganz bis zum Dorf, schon einen guten Kilometer vorher ist es bei Ebbe selbst für das Beiboot zu flach.

So kommen wir hier in den Tropen zu einer Wattwanderung. Die breite Gezeitenzone auf Ogea Levu ist tatsächlich ganz überwiegend sandig, manchmal waten wir durch knietiefe Priele. Am Rand finden sich mal Mangroven, mal mit Palmen bewachsene Felsen. Und auf den trocken gefallenen Sandflächen wuseln unzählige Winkerkrabben. Mit der auffälligen Asymmetrie ihrer roten Scheren ziehen sie die Blicke auf sich. Eine „Hand“ der Männchen ist überdimensional groß. Für die Nahrungsaufnahme ist sie nicht geeignet, das „Winken“ mit ihr soll stattdessen Weibchen beeindrucken. Oder auch Revierkonkurrenten, denn die besten Stellen für Höhlen im Wattboden sind heiß umkämpft. Einmal besetzt, nutzt die Winkerkrabbe diese Schere dann auch als gepanzerte Eingangstür.

In einem der ersten Häuser des Dorfes nimmt Ebi uns in Empfang. Sie führt uns erst einmal zur Hütte ihres Bruders, der als Stellvertreter (der Chief ist gerade Fischen) unser Sevusevu durchführt, unsere Kawa-Wurzeln und das Ankergeld von 50 Fiji$ entgegennimmt, die aktuell herrschenden Tabus erklärt und uns formal in die Dorfgemeinschaft aufnimmt.

Ebi begleitet uns auch danach auf dem weiteren Weg ins Dorf, der noch einmal durch das Watt führt, bis es dann im inneren Dorf betonierte Wege gibt. Wir vermuten, dass letztere auch den häufigen Überschwemmungen geschuldet sind, denn das Dorf will die Ankergelder zum Bau eines Schutzwalls zur Lagune hin verwenden. Ein Großteil des Dorfes liegt nur wenig über dem Wasser, der steigende Meeresspiegel ist eine ganz unmittelbare Bedrohung. Einige der Hütten stehen auf kurzen Stelzen, andere sind wie auf kleinen Warften aus Korallengestein errichtet.

Es gibt einen kleinen Laden im Dorf, hier können wir tatsächlich einige Zwiebeln, zwei Liter H-Milch und eine Packung Kekse erstehen, unser erster Einkauf seit über einem Monat (abgesehen von Bananen und Papaya auf Fulaga)!

Die Schule ist am Samstag zwar eigentlich geschlossen, aber ein paar Schüler und der Direktor sind auf dem Gelände. Wir kommen ins Gespräch und uns werden die Klassenräume gezeigt. Wiebke macht anhand unserer Reiseroute auch noch ein bisschen Erdkundeunterricht.

Als wir auf dem Rückweg wieder bei Ebi vorbei kommen, wartet sie schon mit einer Schale voll Obst, dass sie uns verkaufen möchte. Nur zu gerne schlagen wir bei den Papayas und Passionsfrüchten zu.

Und die Wochenendbeschäftigung der Kids auf Ogea? Fische und Krebse fangen. Nicht die kleinen Winkerkrabben natürlich, sondern ordentlich große, essbare. Da braucht‘s dann auch schon ein bisschen Ausstattung:

Als wir nach unserem Ausflug zurück an Flora‘s Ankerplatz bei Ogea Driki kommen, hat sich der deutlich gefüllt. Weil gut drei Meter Süd-Schwell über das Riff schwappen, bevorzugen viele Boote diese geschützte Bucht. Kein Problem, Platz ist genug. Und wer lieber Einsamkeit möchte, muss halt etwas exponierter und mit etwas mehr Schwell an anderer Stelle ankern.

Und was für ein herrlicher Ort ist das, um erst 7 Jahre Langfahrt und dann einen Geburtstag zu feiern 🥂?

Angekommen auf Fulaga in Fiji’s Lau Gruppe

Es ist der zweite Versuch, Fulaga (gesprochen Fulanga) zu erreichen. Dieses Mal müssen wir zunächst nicht mit Gegenwind kämpfen. Es ist Flaute. Wir motoren über eine fast spiegelglatte See. Den ganzen Tag.

In der Nacht haben wir dann ein paar Stunden segelbaren Wind und nutzen das natürlich auch. Aber eben leider nur kurz, dann muss der Diesel wieder ran. Erst gegen Mittag am zweiten Tag kommt wieder Wind auf. Er soll im Tagesverlauf deutlich zulegen, kommt aber genau von vorn. Wenn wir kreuzen, schaffen wir es nicht bei Tageslicht zum Pass, also bleiben die Segel verstaut und der Motor an. Mit der Einfahrt in die Lagune von Fulaga ist nämlich nicht zu spaßen, der Pass ist schmal kann sehr viel Strömung aufweisen. Aber wir kommen rechtzeitig zum Nachmittagshochwasser dort an und können unproblematisch in dieses Juwel der südlichen Lau-Gruppe einfahren.

Fulaga selbst ist dann schon etwas ganz Besonderes. Die Kalkstein-Insel bietet gleich doppelten Schutz: wie Wassergraben und Burgmauer findet sich innerhalb des äußeren Riffs zunächst ein Streifen Lagune und dann ein fast die ganze innere Lagune umfassenderes Land. In dem seeartigen inneren Bassin formen unzählige Inselchen und Sandbänke ein wahres Anker-Paradies.

Am späten Nachmittag können wir keinen Antrittsbesuch mehr machen. Das formelle Sevusevu beim Chief des Dorfes erledigen wir also am nächsten Tag. Mit dem Dinghy geht es zunächst durch das Gewirr der Felsen und Inselchen bis zu einer Bucht, von der aus ein Weg über den Landstreifen zur Südseite der Insel führt. Dort liegt der Hauptort (es gibt drei Dörfer mit jeweils etwa 100 Einwohnern). Auch Ralph von der Lille Venn sowie Aagje und Jeroen von der My Motu sind zum Sevusevu unterwegs. Wir sind für diese Zeremonie richtig gekleidet: alle mit bedeckten Schultern, die Männer zudem mit Herrenrock (Sulu), die Frauen mit Sulu Jaba oder einem um die Hüfte geschlungenen Tuch.

Mikai begrüßt uns am Ortseingang und führt uns zum Chief des Dorfes. Dabei machen wir mehrfach Halt bei verschiedenen Holzschnitzern. Die Schnitzerei ist eine der wenigen externen Einkunftsmöglichkeiten der Inselbewohner.

Der Chief erklärt uns die Wichtigkeit der Gast-Zeremonie: er nimmt unsere als rituelles Gastgeschenk mitgebrachten Kawa-Wurzeln formell an und teilt uns mit, dass wir damit in die Dorfgemeinschaft aufgenommen und Teil der Insel-Familie sind. Jedem Boot wird denn auch eine eigene Gastfamilie zugeordnet.

Nach dem Sevusevu führt uns Mikai noch zur Schule, wo die 45 Schüler (1. bis 8. Klasse, weiterführende Schule wäre dann in Suva auf der Hauptinsel Viti Levu) gerade eine Art Sportfest veranstalten: mit Kokosnuss-Wettöffnen, Zielwerfen, aber auch Palmblatt-Flechten.

Und wir werden unserer Gastfamilie vorgestellt, die uns für Sonntag (nach der Kirche) zum Essen einladen.

Ein ganz besonderer Empfang auf Fulaga.