5. Tag Passage Panama nach Galapagos

Zur Abwechslung ist heute mal alles grau in grau. Immer wieder Regenschauer und Windwechsel. Immerhin konnten wir außer 4 Stunden in der Nacht bisher zumeist segeln, wenn auch nicht immer in die ganz richtige Richtung. Das ist bemerkenswert, denn nach der gestern per Satellitenmail abgerufenen aktuellen Wettervorhersage wären wir jetzt im Flautengebiet mit maximal 7 Kn Wind in den Böen, wir hatten aber in den Böen über 20 kn. Hoch am Wind nicht ideal, aber eben segelbar.

Jetzt gerade ist der Wind allerdings fast weg, Motorsegeln. Immerhin, voraus scheint es etwas heller zu werden.

Echter Lichtblick sind einmal mehr die Boobies. Bis zu sieben von ihnen haben sich auf unseren Bugkorb und vorderen Seezaun gequetscht, vier sind die ganze Nacht geblieben, trotz Segelmanövern und gelegentlicher Duschen von den aufspritzenden Wellen. Überwiegend sind es Rotfußtölpel (Blaufußtölpel etwa können sich mit ihren Füßen gar nicht auf Äste oder eben Bugkörbe krallen), ein Brauner Tölpel hat es trotz Abwehrgeschnatter und und in die Schwanzfedern kneifen geschafft, seine gelben Füße zwischne ihre roten auf den Relingsdraht zu setzen. Mit ihren intensiv blau umrandeten Augen, dem hellblauen Schnabel und den rosafarbenem Gesicht, dem braunen Gefieder und dazu den kurzen roten Beinen wirken die zwischen Enten- und Gänsegroßen Vögel ein bisschen, als würden sich die Rotfußtölpel geschminkt zu einem Maskenball versammeln und auf der Toilette noch einmal das Federkleid sortieren. Wobei, Toilette … Gehört auch dazu 😦

Etmal 135 sm, Entfernung bis zur Isla San Christobal 179 sm. Wir haben dem Agent bereits die gewünschte 48-Std-vor-Ankunft-Satellitenemail geschickt.

Der Blogbeitrag wird wie immer auf Passage per Satellit als Text übermittelt, Bilder und Reaktionen auf Kommentare folgen deshalb später, wenn wir wieder Internetzugang haben.

4. Tag Passage Panama nach Galapagos

Schönes ruhiges Segeln am Tag und bis in den Sonnenuntergang hinein. Zur Nacht dann ein Wechselspiel. 19.00 Segel weg und Motor an, eine Stunde später Motor wieder aus, Fock und Groß, dann aber drehende (eigentlich: hin und her springende) Winde in unterschiedlicher Stärke, die das Spektakel der Nacht bereits ankünden. Segel wieder weg, unter Motor geht es durch den Rest der Nacht. Squalls, kleinere Regen- und manchmal auch größere Gewitterzellen ziehen durch. Sie sind auf dem Radar gut erkennbar, wir können ihnen ausweichen, was unter Motor natürlich auch etwas einfacher ist.
Bisher haben wir hinsichtlich der Gewitter Glück gehabt (ich klopfe dreimal auf Holz). Die Befürchtungen hinsichtlich Panama haben sich nicht bewahrheitet, wir hatten nur einmal in der Shelter Bay ein nahes Gewitter und blieben ansonsten verschont. Für Panama ist das alles andere als selbstverständlich, selbst wenn man wie wir in der Trockenzeit dort ist (hier um den Äquator gibt es nur zwei Jahreszeiten, eben Trockenzeit und Regenzeit).
Und auch auf der bisherigen Überfahrt sehen wir zwar häufiger entferntes Wetterleuchten, bleiben aber bisher von Gewittern verschont, bis auf eben die Squalls heute nacht, die ein paar Umwege erfordern.
Um uns herum ist hunderte von Kilometern nur Wasser, da sind Besuche von Vögeln immer eine willkommene und irgendwie auch erstaunlich Abwechslung. Insbesondere gilt das natürlich dann, wenn es sich nicht um Seevögel handelt.
Eine Rauchschwalbe landet auf unserer Reling. Der herrlich blauschwarz schimmernde Vogel mit der rostroten Stirn und der helleren Brust ist wenig scheu, wirkt allerdings etwas matt. Oft habe ich gelesen, dass die Besuche solcher kleiner Vögel auf Ozeanpassagen meist damit enden, dass die ausgelaugten Vögel an Bord sterben. Entsprechend besorgt betrachten wir die Schwalbe, stellen ihr frisches Wasser hin. Sie rührt es aber erwartungsgemäß nicht an, vielleicht ist ihr genetisch einprogramiert das sie auf dem Ozean kein Wasser trinken sollte. Sie verschmäht auch die eigens für sie gejagte und in ihrer Nähe abgelegte Fliege. Aber mit der Zeit wird sie wieder etwas reger, erkundet das Boot, verirrt ?!? sich dabei auch in den Salon. Sucht sich an Bord schattigere Plätze, z.B. im Cockpit innen hinter den Shades. Und dann taucht eine zweite Rauchschwalbe auf. Fortan wechseln die beiden ihre Plätze gemeinsam, bleiben noch einige Stunden an Bord und fliegen dann gemeinsam for t. Hoffentlich ein Happy End.
An Bord werden die Schwalben abgelöst von Boobies. Um diese Langstreckenflieger machen wir uns keine Sorgen, aber auch sie nutzen die Flora gern als Rastplatz, putzen und pflegen ausgiebig ihr Gefieder, was vermutlich auf See und im Flug sonst nicht möglich ist. Ein brauner Boobie landet auf dem Bimini, lässt sich von uns durch den Stoff an den (gelben) Füßen kraulen. Schwarz-Weiß gezeichnete Boobies treiben zweimal auf Holzstücken an uns vorbei. Und zu Beginn der Nacht findet sich gleich eine ganze Gruppe von Red footed Boobies (Rotfußtölpel) auf unserem Bugkorb ein und verbring dort die dunkle Phase. Es scheint ihnen zu gefallen, denn jetzt zur Mittagszeit sind vier von ihnen immer noch dort und lassen sich Richtung Galapagos schippern. Aktuell per Express, denn seit fünf Uhr heute morgen segeln wir wieder. Unter Fock und Groß auf Halbwindkurs mit etwa 7 kn Fahrt. Auch wir lassen uns das gefallen 😉 Etmal 134 sm, 310 sm bis Galapagos.

Blogbeitrag per Iridium Satellit übermittelt, Bilder und Reaktionen auf Kommentare dann später.

3. Tag Passage Panama nach Galapagos

Am Nachmittag erst (wenn auch langsames) Segeln auf dem richtigen Kurs. Es ist so ruhig, dass wir weiterhin die Hängematte auf dem Vorschiff nutzen oder zur Abwechslung im Cockpit Karten spielen.
Bei dem glatten Wasser sehen wir leider auch immer wieder Plastikmüll vorbeischwimmen, auch einiges an Treibholz ist unterwegs. Meist nur Zweige oder Äste, ab und zu aber auch Baumstämme. Manchmal können wir ausweichen, immer klappt es leider nicht. Einmal rumst es am Bug, als wir über Bord schauen sehen wir ein großes Stück Treibholz und eine ebenfalls ziemlich große Seeschildkröte rechts und links vom Heck auftauchen. Weder die Flora noch der Schildkröte scheint aber Schaden genommen zu haben.
Und es gibt noch ein paar weitere tierische Begegnungen: in einiger Entfernung springt dreimal ein Schwertfisch, deutlich näher kommen uns Delfine, die ebenfalls Sprünge vollführen. Wahrscheinlich sind es die ziemlich aktiven Schlankdelfine, obwohl wir die meist typischen Sprenkelungen mit Punkten nicht entdecken.
In die Nacht hinein dümpeln wir noch mit etwa 3 Knoten, aber um 22.00 muss dann doch der Motor ran, erst am Morgen um 7.00 können wir wieder segeln. 3 bis 4 Knoten Geschwindigkeit, immerhin. Jetzt segeln wir wieder in Sichtweite zu der Ultimate.
Das Wetter ist weiterhin sonnig mit wenigen Wolken, es ist ziemlich heiß, bisher ist noch nichts vom kalten Humboldt-Strom zu spüren. Der wenige Wind bringt ebenfalls kaum Abkühlung und ist so unstet in der Richtung, dass wir derzeit das Groß weggenommen haben und nur mit ausgebaumtem Gennaker unterwegs sind. Nicht gerade die klassische Besegelung, aber es knallt weniger und durch das Ausbaumen fällt das Segel nicht dauern völlig in sich zusammen. Die vier Knoten kommen trotzdem nur mit weiterhin freundlicher Unterstützung der mitsetzenden Strömung zustande.
Alles gut an Bord und der angesetzte Brotteig geht bei dieser Hitze schön schnell auf.
Etmal 113 sm,440 sm noch bis Galapagos. Irgendwann heute Abend müsste Bergfest sein 😉

Dieser Blogbeitrag wird über Iridium übermittelt, Bilder werden nachgereicht. Auf Kommentare (die zu lesen immer eine große Freude ist) können wir erst reagieren, wenn wir wieder Telefonempfang haben, also auf den Galapagos-Inseln.

2. Tag Passage Panama Galapagos

Meteorolügen. Ab Mittag flappen und schlagen die Segel, nix mit echtem Segelwind. Um bis Galapagos 6 Tage durchzumotoren ist es uns aber zu weit, also dümpeln wir mit zwischen 2 und (selten) 4 Knoten dahin,und auch das nur wegen des noch mitsetzenden Stroms. Wir versuchen das Knarzen im Baum und Klocken der Blöcke zu ignorieren, aber so ganz gelingt das nicht.
Für Abwechslung und Freude sorgen die Besucher. Wieder Delfine, außerdem mehrere braune Boobies (Tölpel). Elegant und fast ohne Flügelschlag drehen sie ihre Runden um die Flora, einige versuchen sogar zu landen. Zwei der Anhalter nehmen wir ein ganzes Stück mit, einen sogar noch die halbe Nacht auf der Nock des Spinnakerbaumes. Die damit ausgebaumte flappende Fock macht seinen Balanceakt zu einer andauernden Gleichgewichtsübung, aber er nimmt es mit Gelassenheit.
In der Nacht motoren wir 4 Stunden lang, morgens dann ab 5 Uhr wieder gaaaanz langsames Segeln, ab 8.15 Motorsegeln.
Immerhin, die Sonne scheint und der Ozean ist so ruhig, dass wir beim Motorsegeln die Hängematte auf dem Vorschiff nutzen können.
Etmal: 105 sm, Gesamtstrecke seit den Las Perlas (bei 8 Motorstunden) 297 sm, verbleibende Entfernung bis zum Ziel auf San Christobal in den Galapagos noch etwa 570 sm

Passage Panama nach Galapagos 1.Tag

Um 10.00 Uhr gehen wir gemeinsam mit der Ultimate Anker auf. Knapp 1.000 Seemeilen liegen vor uns. Da ist es schön, ein Buddyboat in der Nähe zu wissen. Gleichwohl, schon nach einem halben Tag verlieren wir uns aus den Augen, ein kleiner Geschwindigkeitsunterschied und eine etwas anders gewählte Route reichen da schon aus. Immerhin sind wir aber noch in Funkkontakt.
Solange wir noch zwischen den Las Perlas Inseln oder zumindest in deren Nähe sind, bekommen wir windmäßig ein bisschen von allem. Mit kräftigem Wind geht es los, aber schon kurz darauf flaut es ab, wir wechseln von der Fock auf den Gennaker. Dümpeln zwischendurch mit kaum 2 kn Fahrt über Grund, da würden wir normalerweise schon den Motor starten. Diesmal aber nicht, mit dem Diesel sollten wir haushalten. Die Strecke zu den Galapagos ist berüchtigt für ihre Windarmut. So sind wir schon froh, dass zumindest für die ersten paar Tage segelbarer Wind vorhergesagt ist. Das heißt aber im Umkehrschluss, dass wir wohl zumindest auf der zweiten Hälte der Strecke ausgiebig motoren müssen.
Heute aber kommt der Wind schnell zurück, wird sogar stärker. Wir nehmen den Gennaker weg, riggen den Ausbaumer für die Fock. Eine Zeitlang segeln wir nur unter Groß, dann können wir den Kurs anpassen und fast platt vor dem Laken (mit Wind von achtern) die Fock ausrollen, also Schmetterling segeln.
Unseren erster Wegepunkt legen wir auf das Südende des Verkehrstrennungsgebietes. Der kürzeste Weg zu den Galapagos würde diese „Autobahn für Schiffe“ mit getrennten Fahrbahnen und Mittelstreifen mehrfach schneiden, aber anders als bei echten Autobahnen gibt es natürlich keine Brücken oder Tunnel. Und so müsste man sich halt zwischen den vielen Frachtschiffen, die hier von und zum Panamakanal rauschen, eine Lücke suchen und hinübersprinten. Das ist hier genausowenig zu empfehlen wie auf echten Autobahnen. Es ist schon spannend genug zu sehen, wie sich die großen Dampfer einer nach dem anderen in das Verkehrstrennungsgebiet einfädeln und dabei mit ihren AIS-Vorauslinien immer wieder unsere kreuzen. Außerdem hat unser kleiner Umweg den Vorteil, dass wir (nach der Vorhersage) etwas länger guten Wind und mitsetzende Strömung haben.
Zur Abenddämmerung haben wir den zweiten längeren Delfinbesuch des Tages. Waren es zuvor die gefleckten Schlankdelfine, spielen dieses Mal große Tümmler ausgiebig an Floras Bug. Diese Begleitung freut uns immer sehr.
Zur Nacht gehen wir mit dem Groß ins zweite Reff, die Fock bleibt auf der anderen Seite ausgebaumt.
Die Strömung schiebt kräftig mit, so schaffen wir an diesem ersten Tag unserer Passage ein tolles Etmal von 183 sm.

Las Perlas, die Perleninseln

Für den Absprung zu den Galapagos bieten sich die Perlas an, denn auf der Pazifikseite bildet die Küste von Panama vor Panama Stadt eine große (etwa 100 sm) fast halbkreisförmigere Bucht, in deren Mitte eben die Perleninseln liegen.

Ihren Namen bekamen sie von den spanischen Eroberern, denn die Ureinwohner der Inseln trieben Handel mit ertauchten Muschelperlen. Nicht mehr sehr lange allerdings, denn bereits 1515, nur zwei Jahre nach ihrer Entdeckung, raubten die Spanier die Inselgruppe aus und ermordeten oder verschleppten die Bevölkerung. Erst drei Jahre später kam ein Teil zurück auf die Inseln um – nunmehr versklavt- wieder nach Perlen zu tauchen.

Der heutige Reichtum der Inseln liegt eher in den unzähligen Sandstränden. Etwa 200 Inseln weist die Inselgruppe auf (je nachdem, wie viele der vorgelagerten Felsen als eigene Insel gezählt werden lesen wir von 183 bis 238). Die allermeisten sind noch immer unbewohnt, aber in den letzten Jahrzehnten hat den Archipel mehr und mehr erschlossen. Obwohl im Bauhaus noch nicht vermerkt, gibt es inzwischen sogar eine Marina (auf der Isla Pedro Gonzales), mindestens zwei weitere sind in Planung, beide in Verbindung mit Luxusressorts.

Die meisten Sandstrände verändern ihr Erscheinungsbild mehrfach täglich, verschwinden fast ganz, tauchen wieder auf. So auch auf Contadora, unserem ersten Ankerstop in den Perlas. Der Tidenhub von rund vier Metern lässt uns vor einem wunderbar breiten Strand ankern, von dem einige Stunden später fast nichts mehr zu sehen ist.

Contadora ist ist eine der besterschlossenen Inseln der Gruppe, weist einen Flugplatz und Fährverbindungen auf. Wir sehen nur gepflegte Villen und Ressorts, der Luxus ist greifbar, wohl auch durch die relative Nähe zu Panama Stadt. Interessant ist, dass hier wie auch auf einigen anderen Inseln derzeit viele Bäume kahl wirken. Am Winter kann es so nah am Äquator kaum liegen, eher schon an der sich jetzt langsam dem Ende nähernden Trockenzeit (Mitte Dezember bis Mitte April).

Unser nächster Ankerplatz zwischen der Isla Chapera und der Isla Mogo Mogo wirkt ganz anders. Zwar haben wir auch hier (bei Ebbe) breite Sandstrände, zwischen denen felsige Abschnitte für Unterteilungen sorgen, aber außer einem Gebäude der Aeronaval in der nächsten Bucht ist vom Boot aus und selbst mit der Drohne keine weitere Bebauung sichtbar.

In den Perlas haben wir uns mit der Crew der Ultimate verabredet. Susan und Holger hatten wir in den San Blas kennengelernt. Sie wollen mit ihrer Hallberg-Rassy 45 ebenfalls nach Galapagos, da bietet sich das Buddyboating natürlich an.

Passt perfekt, dass wir auf der Fahrt zu unserem nächsten (und letzten) Ankerplatz in den Perlas einen schönen Bigeye Jack (Großaugen-Stachelmakrele) fangen, die reicht heute Abend für uns vier.

Auch wenn der Himmel an unserem letzten Tag in Panama ein bisschen dunstig ist, die Ankerbucht im Osten von Pedro Gonzales macht uns den Aufbruch nicht eben leicht.

Ebbe
Flut

In den Las Perlas und überhaupt an der Pazifikküste Panamas könnten wir noch so vieles entdecken. Andererseits freuen wir uns auf die Galapagosinseln und auch auf die Passage dahin. Etwa eine Woche sollte die Fahrt dauern, zumindest für die erste Hälfte verspricht der Wetterbericht sogar segelbaren Wind. Das ist keine Selbstverständlichkeit für diese Strecke, also gilt es, dieses Wetterfenster zu nutzen.

Ab morgen werden wir dann also erst einmal nur über Iridium-Satellit erreichbar sein, drückt uns die Daumen für eine gute Passage.

Ausklariert in Panama. Stiller Ozean.

Wir klarieren aus Panama aus, es wird ernst. Auf dem Zarpe steht „con destino a GALAPAGOS ISLANDS, ECUADOR“. Also gut.

Nach dem Papierkram noch kurz letzte Einkäufe und noch einmal Müll wegbringen, beides wird für die nächste Zeit etwas komplizierter. 😉
Einmal mehr laufen mir dabei Krabbenwaschbären über den Weg, Die hatten wir vorher noch nirgends gesehen, aber hier in der Playita Marina sind sie auch tagsüber ziemlich aktiv.

Gegen Mittag gehts dann wirklich los, raus auf den Pazifik. Den (dem Namen nach) Stillen Ozean, der zugleich das größte der Weltmeere ist. Trotzdem wird es erst einmal nur ein kurzer Nachmittagstörn von 35 sm, hinüber zu den vorgelagerten noch zu Panama gehörenden „Las Perlas“-Inseln. Ganz legal, das Zarpe verlangt eine Ausreise erst in den
nächsten 48 Stunden.

Und wie als Gruß aus unserer Heimatstadt für diesen neuen Abschnitt unserer Reise kommt bei unserer Abfahrt ein Containerschiff der Hamburg Süd aus dem Panamakanal und dampft an uns vorbei.

Auch wir müssen erst ein gutes Stück vom Festland weg motoren, bis wir ausreichend Wind finden. Dann aber ist es herrliches Segeln auf glattem Wasser, erst Code0, dann Gennaker.

Am Ende noch der Wechsel auf die Fock, weil der Wind abnimmt und immer mehr von vorn kommt. Nur kurz, dann muss doch der Motor
ran, zumal die Sonne schon ganz schön tief steht.

Hunderte Pelikane ziehen an uns vorbei ebenfalls zu den Las Perlas, wie an der (Perlen-?)Schnur gezogen in langen Reihen, meist dicht über dem Wasser, manchmal auch ungewohnt hoch. Zweimal sehen wir jeweils über 50 Pelikane im Formationsflug hintereinander.

Kurz vor der Ankunft am Ankerplatz vor der Insel Contadora dann auch noch Angelerfolg, ein schöner Skipjack Tuna (Echter Bonito) geht uns an den Haken. Der erste Segeltag auf dem Stillen Ozean verwöhnt uns wirklich.

Panama Stadt

Es ist schon eine ziemlich krasse Skyline, mit der Ciudad de Panamá (also Panama Stadt) aufwartet. Insbesondere wenn man bedenkt, dass weniger als eine Million Menschen dort wohnen. Das Bankenviertel ist enorm, die Panamá-Papers haben ja ein Schlaglicht auf das geworfen, was in dieser Finanzmetropole so abgeht.

Aber Panama Stadt hat auch ganz andere Seiten. Fußläufig von unserem Liegeplatz in der Playita Marina erreichen wir das das vom bekannten Architekten Frank Gehry entworfene Museum für Biodiversiät Panamas.

Hier wird unter anderem sehr spannend und multimedial die erdgeschichtliche Entwicklung Panamas zur nachträglichen Brücke zwischen den Kontinenten Nord- und Südamerika dargestellt, die ganz erheblichen Anteil an der hohen Biodiversität Panamas und seiner Nachbarländer hat.

Und auch die Altstadt von Ciudad de Panamá bietet starke Kontraste. Zum Bankenviertel mit seinen Hochhäusern, na klar, aber auch in sich selbst. Wunderschön renoviert und völlig verfallen steht hier oft direkt nebeneinander, aus hippen Rooftop-Bars blickt man sowohl über sorgfältig restaurierte herrschaftliche Bauten als auch über heruntergekommene Straßenzüge.

Die spannende, lebendige Stadt hat hier vielleicht gerade wegen dieser Gegensätze viel Charme. In der Altstadt liegt auch das Panamakanal-Museum, dem wir natürlich auch einen Besuch abstatten. Die Geschichte des Kanalbaus wird in einem Stockwerk behandelt, im zweiten Stockwerk geht es im Wesentlichen um die komplizierte Beziehung zu den Vereinigten Staaten und die sozialen und kulturellen Einflüsse, die der Kanalbau und die dafür angeworbenen Arbeiter aus der ganzen Welt auf die Entwicklung des damals jungen Staates Panama und dessen Sozialgefüge hatten.

„Die Erde geteilt, die Welt vereint.“ Schön wäre es ja, wenn dieses hochfliegende Motto des Kanals sich bewahrheiten würde, nicht nur im Handel, sondern auch – wie im Museum suggeriert – zwischen den verschiedenen Menschen und Völkern, die hier beim Kanalbau zusammengekommen sind. Allerdings wird auch der Rassismus und die Zweiklassengesellschaft selbst im Bezahlungssystem thematisiert und mit vielen Beispielen bis hin zur Architektur der Wohnungen dargestellt.

Wie in wohl jeder größeren Mittel- oder Südamerikanischen Stadt darf im Straßenbild ein monumentales Denkmal für Simón Bolívar nicht fehlen, der die Unabhängigkeitskriege mehrerer heutiger Staaten gegen Spanien anführte und nach dem das Land Bolivien benannt wurde.

Den Gefallenen eines gänzlich anderen Kampfes ist ein großes Wandbild gewidmet, dass wir in der Kirche San Francisco de Asis sehen (spannend auch das Enddatum):

Panama, die andere Seite

Wow. Manchmal müssen wir uns noch kneifen. Wirklich wahr, wir sind im Pazifik. 😊

Die Webcams der Kanalbehörde haben so ihre Tücken, als ich es probiert habe, funktionierten sie scheinbar nicht und das haben mir auch andere so gespiegelt. Aber mein Kollege Christopher aus Hamburg hat’s irgendwie geschafft und uns ein Bild der Flora in der zweiten Schleusenkammer der Gatun-Schleusentreppe geschickt, ganz lieben Dank dafür!

Erstmal nur eine Nacht ankern wir an der Punta Calebra vor Isla Flamenco am Ausgang des Panamakanals. Dann fahren wir hinüber zu einer der vorgelagerten Inseln. Nicht zu den Las Perlas, das wäre mit gut 30 sm bei der herrschenden Windstille zu weit und ohnehin wollen wir mit unserem Besuch ja auch noch Panama Stadt anschauen. Aber einmal quer durch die vielen auf Reede wartenden Schiffe bis zur nur sieben Meilen entfernten Insel Taboga, das geht schon.

Hier lassen wir es gemütlich angehen, baden im deutlich kühleren (aber immer noch 23 Grad warmen) Pazifikwasser, laufen durch den kleinen bunten Ort. Am Wochenende sind die Sandstrände hier sehr beliebt, vor allem die schmale Landzunge hinüber zum vorgelagerten Inselchen Morro de Taboga, Ausflügler kommen von Panama Stadt mit der Fähre oder ihren Booten herüber, Jet Skis und andere Lärmspielzeuge sollen für ordentlich Alarm sorgen. Jetzt unter der Woche spürt man davon nichts, es wirkt angenehm verschlafen, obwohl wir am Horizont die Hochhaus-Skyline von Panama Stadt sehen.

Wir bleiben noch eine Nacht länger, backen Brot, kochen lecker, faulenzen in der Hängematte. Wandern auf den Cerro de Cruz, ganz schön anstrengend zwar, aber wir werden mit einem tollen Blick über den Ort, die Bucht, die Reede und eben hinüber zur Festlandsküste belohnt.

Und dieser Blick zeigt dann tatsächlich ein ganz anderes Bild von Panama, als wir es uns bisher etwa in Bocas del Toro oder den San Blas gemacht haben.

Panamakanal – das volle Paket

Um 3:30 klingelt der Wecker. Um 4:00 funke ich wie vorgeschrieben „Christobal Signal Station“ auf Kanal 12 an, um ihnen meine Position durchzugeben und mitzuteilen, dass wir dort auf den Advisor warten. Aber Christobal Signal ist offenbar gut vorbereitet, denn bevor ich die Details loswerden kann wird mir schon gesagt, der Advisor sei bereits zu uns unterwegs, die Position offenbar über AIS bekannt.

Und tatsächlich fährt kurz darauf eine Art Lotsenboot vierkant auf unsere Steuerbordseite zu. Es ist noch stockfinster, wir haben die Decksbeleuchtung eingeschaltet und die Relingsdurchlässe geöffnet, aber letzteres ist jedenfalls überflüssig. Der Advisor springt auf Höhe der Wanten an Deck, weil er sich dort sicherer festhalten kann.

Und dann gehts auch gleich los. Anker auf, An den Wracks hinter den Flats vorbei ins Fahrwasser der Großschifffahrt. Unter der Puente Atlántico hindurch zur ersten Schleusentreppe, den Gatun Locks.

Es wird langsam hell, als wir die Schleusen erreichen. Anders als von mir befürchtet, scheint die Eintages-Variante also doch kein Schleusen in Dunkelheit zu bedeuten, denn die Ausfahrt aus der letzten Schleuse ist für 17:30 geplant, wenn denn alles glatt geht.

Wir drehen noch ein paar Kreise und warten darauf, dass der Autotransporter „Pleiardes Spirit“ vor uns in die erste Schleusenkammer einfährt. Ein ziemliches Spektakel, denn er hat die Maximalbreite für diese Schleuse und berührt auf beiden Seiten fast die Schleusenwände.

Und er macht ordentlich Welle: in der Spitze strömt das Wasser (bei seiner Ausfahrt) mit 5,3 kn an unserem mit vier Leinen festgemachten Boot vorbei.

Mit vier Leinen? Ja, denn die Vorhersage unseres Agenten, wir würden wohl als mittleres von drei Booten im Päcken geschleust, bewahrheitet sich nicht. Allein fahren wir hinter der wasserwirbelnden Schrankwand in die Schleuse, die Affenfäuste fliegen aufs Vordeck und Wiebke, Veronica, Justus und Jan haben als Linehandler ordentlich zu tun, nachdem das Schleusentor sich geschlossen hat.

Halten und immer wieder Durchholen. Neun Meter geht es nach oben, dann fahren wir in die zweite Schleusenkammer. Dazu werden die schweren Panamaleinen oben von den Pollern und wieder an Deck genommen, bleiben aber an den dünnen (zu Anfang mit den Affenfäusten herüber geworfenen Leinen) befestigt. Oben auf der Schleuse gehen die Kanalarbeiter mit den dünnen Leinen in der Hand parallel zu unserem Boot zur nächsten Schleusenkammer. „Walk the Line“ kommt einem in den Sinn.

Drei Schleusenkammern bewältigen wir so und 26 m weiter oben fahren wir dann in den Gatunsee. Wow.

Ganz viel Grün an den fast überall unbebauten Ufern des aufgestauten Rio Chagres, der einen großen Teil des Panamakanals ausmacht. Dazwischen nach den Regenfällen der letzten Zeit auch immer würden das rosa oder lila leuchtende Blütenmeer von Palisanderbäumen (Jacaranda).

Kleine und ausgreifendere Inseln, die die gut betonnte Fahrrinne ziemlich kurvenreich machen. Und reichlich Großschifffahrt natürlich auch.

Unser Advisor Ivan fragt nach einem „warmen Frühstück“ Rührei und Schinken kommt auch bei der übrigen Crew nach dem frühen Aufstehen gut an. Und Ivan fragt nach unserer höchstmöglichen (Dauer-)Reisegeschwindigkeit. Wenn wir schneller wären könnten wir auch die nächsten Schleusen wieder mit dem gleichen Autotransporter bewältigen und sogar noch früher als bisher vorgesehen auf der Pazifikseite ankommen. Für ihn wäre es sicher auch hilfreich, denn sein Arbeitstag hat noch zwei Stunden vor unserem begonnen. 7 1/2 Knoten können wir sicher schaffen und das sollte dann auch reichen. Also blasen wir den Turbo unseres Volvo mal wieder ein bisschen frei. Wir kommen gut voran, nur einmal müssen wir vor der Engstelle des Gaillard Cut kurz warten, um ein entgegenkommendes großes Kreuzfahrtschiff der Neo-Panamax-Klasse durchzulassen.

Hier wurde der Panamakanal durch einen 95 m hohen Sattel des Gebirgszuges gegraben, der Nord- und Südamerika miteinander verbindet, eine der aufwändigsten Stellen beim Bau des Kanals. Für den Abtransport der riesigen Abraummengen wurde eigens eine Eisenbahn gebaut.

Kurz hinter dem Gaillard Cut dann die Pedro Miguel Schleuse. Jetzt geht es bergab, und da fahren die Yachten vor der Großschifffahrt ein. Dieses Mal ist es tatsächlich ein Dreier-Päckchen. Gemeinsam mit der norwegischen „Escape“ machen wir rechts und links an der „Nomadica“ aus St. Helena fest. Schon im Päckchen, wird die Wartezeit vor der Schleuse mit dem Mittagessen verkürzt. Ein „man‘s meal“ mit Fleisch müsse es für den Advisor sein, hatte der Agent im Vorfeld mindestens dreimal betont, das sei neben dem ebenfalls zur Verfügung zu stellenden „botteled water“ (gekauft, keine unversiegelten Flaschen mit Wassermacherwasser) ganz wichtig.

Wiebke zaubert eine Paella mit extra viel Hähnchen und Ivan strahlt übers ganze Gesicht. Wir auch.

Nach der Pedro Miguel Schleuse löst sich das Päckchen wieder auf und über den Miraflores See fahren wir das kurze Stück zu den beiden letzten, miteinander verbundenen Miraflores-Schleusen.

Überraschung: hier erwartet uns die dritte Variante der Schleusung: zwei Schlepper bugsieren die Pleiardes Spirit an die rechte Einfahrtseite, wo sie mit Drahtseilen von Lokomotiven gehalten werden. Die Spezialloks übernehmen im Prinzip die Aufgabe unserer Linehandler und der „Walk the Line“-Kanalarbeiter. Jetzt aber fährt einer der Schlepper vor uns in die Schleusenkammer, die Nomadica macht längsseits an ihm fest, wir ebenfalls längsseits an der Nomadica. Toll, denken wir, bei dieser Schleusung brauchen unsere Linehandler garnicht zu arbeiten.

Das stimmt auch erst einmal, aber das Päcken muss nach der ersten Schleusenkammer aufgelöst werden, der Schlepper und die Boote fahren einzelnd in letzte Schleusenkammer und dort muss das Päckchen neu gebildet werden. Klappt auch, nur sind wir als drittes und letztes Boot noch nicht fest, als die Pleiardes Spirit in diese letzte Schleusenkammer einfährt. Da sie die ganze Schleusenbreite ausfüllt und natürlich auch einigen Tiefgang hat, entsteht dabei eine extrem kräftige Strömung, die uns ohne Chance auf sinnvolle Kurskorrektur achtern auf die beiden anderen Boote drückt. Erst nachdem der Autofrachter kurz hinter uns auf seiner endgültigen Position festgemacht hat, können wir uns aus dieser misslichen Lage wieder befreien. Zum Glück hat die Flora außer einem kleinen aber eben doch ärgerlichen Abplatzer im Gelcoat keinen weiteren Schaden davon getragen, die anderen Boote sind komplett unbeschädigt.

Ein kräftiger Schauer begleitet die Aktion und dauert auch noch an, als sich gegen 15:30 die massiven Tore der Schleuse öffnen und wir in den Pazifik einfahren. Was für ein Moment.

Der „friedliche“ zeigt sich dann aber auch gleich versöhnlich, bei strahlendem Sonnenschein geben wir die geliehenen Leinen und Fender am Balboa Yachtclub ab und fahren dann weiter zu unserem ersten Ankerplatz im neuen Ozean. jetzt sind wir auf der Sonnenuntergangsseite von Panama 😎. Pazifik.