Hinterm Riff

Das vor dem Riff nach Osten hin erstmal ganz lange nichts und dann irgendwann Afrika kommt hatte ich ja im letzten Blog geschrieben. Aber was kommt hinterm Riff?

Erst mal ein Bojenfeld. Geschätzt etwa 15 Bojen, laut Aufschrift geeignet für Schiffe bis 60 Fuß Länge, also mehr als gut dimensioniert für unser Boot. Augenscheinlich mit einem Schraubanker im Meeresboden befestigt, von dem eine kräftige Kette zur Boje führt. Man macht nicht an der Boje selbst fest, sondern am Auge eines kräftigen Tampens, der oben an die Boje geschäkelt ist. Das macht das Aufnehmen der Bojenverbindung vergleichsweise einfach, weil man den Tampen mit dem Bootskaken auf Arbeitshöhe hochziehen kann und dann einfach die eigenen Festmacherleinen durch das Auge führt. Die Kette habe ich gewohnheitsmäßig nach dem Festmachen abgetaucht. Sie ist natürlich bewachsen, aber ziemlich massiv.

Und neben uns fängt schon der Korallengarten als Ausläufer des Riffs an. Ein großer Teil der Korallen ist leider geschädigt und gebleicht, wer hier eine bunt leuchtende Korallenwelt erwartet wird sicher enttäuscht. Es finden sich gleichwohl einzelne Fächerkorallen, ein paar Blumenkorallen sowie Blattkorallen und in etwas größerer Zahl auch Gehirn- und Seilkorallen, an denen sich dann auch vermehrt Fische beobachten lassen.

Coney-Zackenbarsch und Goldschwanz-Muräne an einer Hirschgeweih-Koralle

Witzig ist die Geräuschkulisse unter Wasser. Fische sind ja sprichwörtlich stumm, aber das gilt ganz deutlich nicht für die hier:

Die Gelbstreifen-Grunzer tragen ihren Namen völlig zurecht!

Einen anderen Teil der hiesigen Unterwasserwelt haben wir (noch gerade rechtzeitig vor der heute beginnenden Schonzeit) bei Devon erworben. Der kommt gelegentlich hier mit seinem Boot vorbei, hat Obst und Gemüse dabei (wir haben z.B. leckere Mini-Ananas erstanden) und bietet an, von den Fischern fangfrischen Fisch oder Lobster zu besorgen.

Also Lobster. Er wird erstmal in unserer Tauchtasche (aus Netz und damit durchlässig für Wasseraustausch) außenbords gehängt. Mangels Grill müssen wir für an Bord erst die beste Zubereitung googeln. Wir machen ihn im Backofen und er wird

SUPERLECKER!

Zum Ausgleich Sport, Schnorcheln 🤿 einschließlich etwas am Schiffsboden rumschubbern (hört nicht auf), Standup-Paddeln und für Wiebke Yoga.

Und Genießen.

Nonsuch Bay

Da waren wir doch schon mal, Anfang März. Ja, aber leider nur für eine Nacht, dann hatten wir (was um diese Jahreszeit nicht so häufig ist) guten Wind für den Schlag hoch nach Barbuda und sind deshalb gleich am nächsten Tag weitergefahren. An der Nonsuch Bay ganz im Osten Antiguas lag es ganz sicher nicht, die hat uns schon damals gut gefallen. Und auch heute zeigt sie sich von ihrer besten Seite. Die Welle werden vom vorgelagerten Riff abgefangen, im Moment die letzte Landmasse zwischen uns und Afrika. 2.100 sm östlich von uns liegen die Kapverden 😁.

Wir kommen von Falmouth Bay, wo wir noch Proviant ergänzt und den Dinghytank gefüllt haben und außerdem noch mit Mareike von der Moana eine schöne Wanderung über den Middle Ground Trail hinüber nach English Harbour machen konnten. Falmouth Harbour ist eigentlich gut geschützt, aber durch die Größe der Bucht bauen sich doch einige Windwellen auf, zudem ist das Wasser etwas trüb. Ganz anders in Nonsuch Bay, dort können wir zwar auch nicht Muscheln zählen, aber in 7 m Tiefe jedenfalls die Beschaffenheit des Grundes erkennen, als wir von mittags eine der freien Bojen ansteuern. Wir entscheiden uns für die Boje direkt neben der kleinen Insel Bird Island. Bei der hoch stehenden Sonne können wir den vielleicht zwei oder drei Schiffslängen entfernt knapp unter der Wasseroberfläche liegenden Korallen-Bommie gut erkennen, bräunlich und von hellem Türkis umgeben schimmert er aus der durch das dunklere Blau-Türkis des Wassers um ihn herum.

Ein kurzes Video dazu: Hier.

Die Seekarte bildet das ganze so präzise nicht ab, Eyeball-Navigation ist gefragt.

Wie letztes Mal auch ist die Bucht gut gefüllt, aber alles andere als voll. Selbst wenn alle der übrigens kostenlosen Bojen belegt wären gäbe es noch genug Platz zum (hier ebenfalls erlaubten) Ankern.

Luft 29 Grad, Wasser 27 Grad, Riffschnorcheln vom Schiff aus. 😁 Uns jedenfalls gefällt es richtig gut, hier werden wir diesmal wohl etwas länger bleiben.

Einsiedler

Dieses Bild geistert gemeinsam mit ein paar anderen maritim thematisierten Corona-Verhaltensregeln durch die sozialen Medien. Und in Zeiten von Ausgangssperre mag sich der ein oder andere vielleicht tatsächlich ein bisschen wie ein Einsiedlerkrebs vorkommen. Ganz besonders nahe liegt das Bild, wenn man als Segler sein Heim zwar nicht auf dem Rücken trägt, aber eben doch dauernd dabei hat.

Und ganz ehrlich, das empfinden wir gerade in dieser Zeit als ein riesengroßes Privileg. Gut, die Beweglichkeit ist immer noch eingeschränkt, aber wir dürfen mit unserem Heim den Ankerplatz wechseln und Antigua hat einige sehr schöne zu bieten.

Einsiedler oder Eremiten wollen wir deshalb aber trotzdem nicht werden, asketisch, bewusst ohne Ablenkungen und Reize. Im Gegenteil, soziale Kontakte sind uns wichtig und zum Glück können wir auch aus der Ferne die bestehenden weiter pflegen, durch diesen Blog und Eure Kommentare (über die wir uns riesig freuen) und durch andere soziale Medien; WhatsApp-Telefonie hilft uns ungemein. Auch wichtig für uns: neue soziale Kontakte am Ankerplatz entstehen, die UKW-Funkrunden in Jolly Harbour und ganz besonders auch zuletzt in der Carlisle Bay haben für ein tolles Gemeinschaftsgefühl gesorgt. Um so schöner, wenn wir dann bei Lockerung der Ausgangssperre Gesichter zu den Stimmen an der Funke zuordnen kann, am Strand noch maskiert 😷, von Dinghy zu Dinghy (oder Schiff) dann in voller Schönheit 😁. Wir haben es uns auch zur Gewohnheit gemacht, mit dem Dinghy bei unseren Nachbarn vorbeizufahren und uns vorzustellen, was meist gleich zu einem netten Gespräch führt. Der vor dem Lockdown übliche gemeinsame Sundowner fällt zwar aus, aber wer weiß, wann und wo wir den mal nachholen können, diese gemeinsam erlebte Sondersituation schweißt auch zusammen und bleibt ziemlich sicher in Erinnerung.

Und weil mir die “Trivia – unnützes Wissen” – Rätselrunden auf der Funke so gut gefallen haben: wusstet Ihr, dass wissenschaftlich die Familien der Diogenidae (linkshändige Einsiedlerkrebse) und der Paguridae (rechtshängige Einsiedlerkrebse) unterschieden wird?

Je nachdem, welches das größere Scherenbein ist, mit dem das geborgte Schneckengehäuse verschlossen wird. Den Unterschied kann man ganz gut auf der Zeichnung oben und dem Bild unten erkennen 😉.

Von fliegenden Chill-Kröten, sinnlosen Elektroschlangen und schwebenden Elefanten

Von der Carlisle Bay verabschieden wir uns heute nach nun auch schon wieder 1 1/2 Wochen. Gar nicht so einfach, die Gemeinschaft der vielleicht 15 Boote dort war einfach klasse, die launigen Funkrunden morgens und Abends (gestern Quizz Südafrika), der unfassbare Aufwand, den manche Bootscrews auf sich genommen haben um für alle Gemüse-, Fisch- oder Lobsterlieferungen zu organisieren und zu administrieren und die wunderbare Hilfsbereitschaft, der unfassbar humorvolle Wetterbericht von Rean (Top Secret) heute morgen …

… aber wir fahren ja nicht alleine weg. Gemeinsam mit Mareike (Moana) und Andrea & Ingo (Easy-One) verholen wir das kleine Stück hinüber nach Osten in den Naturhafen von Falmouth Harbour. Das Wasser ist hier nicht mehr ganz so klar, aber dafür gibt’s auch weniger Schwell. Vorgestern Nacht hatte Wiebke sich wegen des Rollens sogar dafür entschieden, ihre Seekoje im Durchgang zum Vorschiff zu reaktivieren und die zweite Nachthälfte dort zu schlafen, weil die Schiffsbewegungen doch ziemlich heftig waren.

Danach haben wir dann den Heckanker wieder ausgebracht, damit das Schiff nicht mehr quer zu den hereinrollenden Wellen liegt. Weil der Wind in der Folge eher von der Seite kam, gab es natürlich einigen Druck auf unsere beiden Anker, aber sie hielten super. Eher zu gut 😊, denn das Aufholen des Heckanker (ein 20 kg Bruce-Anker, der auf der HR 43 schon mit Heckankergeschirr angebracht war) gestaltet sich heute dann eher schwierig. Obwohl mit Tripleine und Ankerboje versehen, lässt er sich zunächst nicht ausbrechen. Dann eben mit dem Dinghy voll rückwärts. Nichts. O.k., rückwärts bringt unser Dinghymotor trotz 20 PS nicht allzu viel Kraft auf, aber bisher hatte das stets gereicht. Heute nicht. Ingo kommt dazu, taucht, dirigiert schnorchelnd, und gaaaanz langsam und mit einigem Hin und Her kriegen wir ihn los. Nächstes Mal würde ich wohl einen Hahnepot riggen um mit dem Dinghy vorwärts ziehen zu können. Zur Not hätten wir ihn sonst mit der Flora ausbrechen müssen. Wieder was gelernt.

Dann motoren wir die weniger als vier sm nach Falmouth. Muss auch nicht länger sein: Wind und Welle vierkant von vorn. Wir hüpfen an der ebenfalls Luftsprünge machenden Easy-One vorbei.

Fliegende Chill-Kröte am Bug

Aber jetzt liegen wir ruhig und super geschützt. Am Wochenende soll etwas kräftigerer Wind sein, danach flaut es ab und dann werden wir wir wohl wieder weiter ziehen zum etwas idyllischer gelegenen Green Island.

Erstmal aber noch etwas Bootsarbeit hier. Wir entfernen die schon länger nicht mehr genutzte “C-Pod”-Station hinter unserem Elektronikpanel. Sie hat uns als das Boot in Griechenland lag per Email oder Internetabruf darüber informiert, ob die Flora noch vor Ort liegt und ob die Batteriespannung unter einen kritischen Wert sinkt. Letzteres funktioniert seit der Umstellung auf Lithium ohnehin nicht mehr. Man könnte auch die Bilgepumpe aus der Ferne über sie schalten, aber so war sie nicht angeschlossen. Das vom Vorbesitzer eingegangene kostenpflichtige Abo hatten wir zuletzt nicht mehr verlängert. Gut, dann kann der Kram auch raus. Und mit ihm einige Kabel, denn der C-Pod hat eine eigene GPS-Antenne zur unabhängigen Positionsermittlung und ist direkt mit der Batterie verbunden. Bei der Gelegenheit (wir wühlen uns durch die Kabelschächte vom Kartentisch zur Batteriebank unter der Achterkoje) entfernen wir gleich auch noch ein übrig gebliebenes Ethernetkabel vom inzwischen ersetzten Solar-Regler. Und ich baue endlich einen Schalter ein, um das AIS bei Bedarf “stumm” schalten zu können, als nur zu empfangen, aber nicht die eigene Position zu senden. Test mit der Easy-One und der Moana: funktioniert.

So sollte das nicht aussehen! Tut es auch nicht mehr.

Die Verkabelung der Hallberg-Rassy-Rassy ist eigentlich vorbildlich, aber die nachträglich eingebauten Teile sind ziemlich gefrickelt. Der C-Pod ist jetzt rausgeflogen, der Fox-Solarladeregler schon bei der Lithium-Umstellung. Das Raymarine-AIS ist offenbar ebenfalls nachträglich eingebaut, da haben wir jetzt etwas Kabelsalat bereinigt und eben den Stumm-Schalter eingebaut. Hatten wir schon lange geplant, und die Covid-Zeit führt eben auch zur Verkürzung der To-Do-Listen 😉.

Und heute Abend: Frischer Thunfisch vom Fischer. Und zwischen Mond und Venus passt immer noch ein Elefant!

Gefühlt unterwegs !?!

Heute machen wir wieder mal eine kleine Wanderung. Schon komisch, was das in der Wahrnehmung der eigenen Situation für einen Unterschied macht. Nur zwei Wochen mussten wir darauf verzichten, konnten aber ja zum einkaufen trotzdem an Land. Seit fünf Tagen ist die Ausgangssperre gelockert und es fühlt sich gleich anders an, selbst wenn man es gar nicht intensiv nutzt.

Heute nun der zweite größere Spaziergang, ein kleiner Hike auf einem unbefestigten und unbeschilderten Pfad über dem Ostufer der Carlisle Bay. Den eigentlich weiterführenden Pfad die Hügel hinauf finden wir nicht. Wir schlagen uns durchs stachlige Unterholz und drehen einen Kreis um die Stelle, wo laut unserer bisher zuverlässigen WanderApp “Komoot” der Weg sein sollte: Fehlanzeige, nur Hautkratzer sind hier zu finden. Die von uns sonst eher belächelten anknöpfbaren langen Beine an Wanderhosen scheinen uns auf einmal sehr erstrebenswert. 😛

Na gut, also zurück auf den schmalen Küstenpfad der ohnehin schon schwer genug zu erkennen ist. Die Pflanzen kuscheln hier so eng, dass sich sogar auf Kakteen Bromelien finden. Überhaupt, Kakteenliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Wir müssen aufpassen, auf dem schmalen Pfad nicht versehentlich an ihnen Halt zu suchen.

Aber auch Vögel sind hier in größerer Zahl zu hören und zu finden (bisher hatten wir ein bisschen neidisch das Frühlingsgezwitscher bei unseren Telefonaten mit Freunden in Hamburg gehört). Vielleicht eine Erinnerung daran, dass wir uns quasi seit neun Monaten im Dauer-Sommer befinden. Ist ja auch nicht schlecht. 😃 Immerhin bekomme ich heute Zuckervögel (Bananaquit) und Antillen-Haubenkolibri vor die Linse.

Einige schöne Ausblicke haben wir auch, aber mangels Weg auf den Hügel muss für den großen Überblick über unsere Ankerbucht und die Küstenlinie dann doch die Drohne herhalten:

Witzig, dass uns dieser kleine Hike irgendwie das Gefühl gibt, UNTERWEGS zu sein, wieder zu reisen. Neues zu entdecken kann auch vor der „Haustür“ (oder dem Schott des Bootes) passieren. So fühlt es sich heute an.

Zurück bei Flora springen wir erstmal ins Wasser. Beim Schnorcheln hatten wir in den letzten Tage rund ums Boot schon wunderschöne Begegnungen, zum Beispiel jede Menge große Kissenseesterne und diesen herrlichen Stachelrochen:

Das Video dazu (dann auch mit Wiebke und Flora) findet Ihr HIER ALS LINK.

Die Fischversammlung unter unserem Boot ist aber eher ein Zeichen dafür, wie schnell die Tiere sich daran gewöhnt haben, dass ich jeden Tag schnorchelnd ein bisschen am Rumpf herum schabe und ihnen damit wohl bei der Futtersuche helfe. Damit ist jetzt erstmal Schluss, denn den hier noch zu sehenden Bewuchs am unteren Rumpf und den Kiel bin ich heute Nachmittag mit Tauchausrüstung zu Leibe gerückt.

Schade, dass sich damit wohl auch unsere kleinen „Bienenfischchen“ (Baby-Riffbarsche) am Ruderspalt eine neue Bleibe suchen werden.

Ganz sicher schon ein paar Mal hat das dieser Einsiedlerkrebs gemacht, denn er ist inzwischen in einem veritablen Conch-Gehäuse eingezogen. Das dürfte unter Einsiedlerkrebsen schon als Villa gelten (sie ist etwa so groß wie der Flammenhelm aus dem letzten Blogbeitrag).

Wir möchten im Moment nicht umziehen. Wir werden mit Flora wohl noch ein paar Tage in der Carlisle Bay bleiben, aber jetzt sind wir ja gefühlt wieder etwas unterwegs.

Carlisle Bay

Kaum zu fassen, wir sind Ostermontag hier angekommen, jetzt also schon wieder fünf Tage hier. Eine ganze Arbeitswoche, nur dass wir das mit der Arbeit (unserem letzten Blogbeitrag entsprechend) laaangsam angegangen sind. Immerhin haben wir die noch fehlenden Winschen jetzt auch auseinandergenommen und gewartet. Am Unterwasserschiff taste ich mich ebenfalls eher gemächlich vorwärts, in kleinen Abschnitten wird es vom Bewuchs befreit, der sich dort eben doch schon wieder ganz schön breit macht. Aber das ist auf Langfahrt tatsächlich eine nicht aufhörende Sisyphusarbeit, selbst wenn unser Coppercoatanstrich das Reinigen bisher vergleichsweise einfach macht.

Ein bisschen „Arbeit“ noch außer der Reihe: Auf der Webseite unseres Vereins Trans-Ocean (TO) ist ein Reisebericht von uns erschienen. Kann man HIER ansehen, wird Euch als Bloglesern aber sowieso bekannt vorkommen. Da haben wir uns schon drüber gefreut, schließlich hat TO als Netzwerk von und für Hochseesegler gut 5.000 Mitglieder, von denen ein großer Teil weit mehr Erfahrung im Hochseesegeln hat als wir.

Und ansonsten: Live Slow Today. Mit Schildkröten schwimmen. Rochen direkt unterm Boot beobachten, Sepien im Schwarm. Das klare Wasser hier in der Carlisle Bay genießen. Schnorcheln.

Z.B. mit einem jungen Franzosen-Kaiserfisch (ausgewachsen hat er keine Streifen mehr) und einem senkrecht im Wasser stehenden Trompetenfisch in der Bildmitte
oder mit einem Flammenhelm aus der Familie der Helmschnecken, so dunkel könnte es auch eine in der Karibik eher ungewöhnliche rote Helmschnecke sein,
oder mit unserem ersten Sanddollar außerhalb der Bahamas (Kalkplatten von sehr flachen Seeigeln),
oder wieder einmal den Kiemen von vielen bunten Tannenbaumwürmern, diesmal auf einer Hirnkoralle.

Aber wir dürfen jetzt ja seit der Lockerung der Ausgangssperre vormittags wieder an Land, das haben wir heute erstmals genutzt. Am Dinghysteg des zur Zeit leeren Hotels dürfen wir anlanden, wenn wir uns über die Hochwasserlinie hinaus auf das nicht als solches gekennzeichnete Privatgelände des Hotels (unter die Palmen an diesem Strandabschnitt) verlaufen werden wir aber recht rüde vertrieben. Macht nichts, ein Stück weiter den Strand hinunter gibt’s auch Palmen und hier sind wir willkommen.

Aus einer kleinen Hütte heraus wird Obst und Gemüse verkauft, Getränke gibt’s auch. Banane und Avocado kaufen wir hier, ein Stück die Straße rauf erstehen wir auch noch ein paar frisch gepflückte Mangos.

Gesichtsmasken sind eigentlich auf der Straße obligatorisch, aber hier ist es etwas abgelegen und es gibt kaum Kontrollen, von den Locals trägt nur etwa die Hälfte eine Maske. Etwas erstaunlich ist auch, wie einfach und zum Teil auch heruntergekommen die Hütten sind, die hier im Dörfchen unmittelbar neben dem Hotel („Leading Hotels of the World!) stehen.

Im Garten einer der verblüffend zahlreichen Kirchen des kleinen Ortes entdecken wir eine riesige, etwa zwölf Zentimeter große Raupe, die doch einiges von unserem Franzosen-Kaiserfisch hat:

Es ist mehr, als nur die gelben Streifen auf schwarzem Grund. Auch bei ihr sieht die nächste Entwicklungsstufe deutlich unauffälliger aus: zwar wird aus ihr einer der größten amerikanischen Schmetterlinge mit bis 17 cm Flügelspannweite. Allerdings ist er braunbeige gemustert und somit gut auf Rinde getarnt. Die meisten würden ihn wohl als riesengroße Motte bezeichnen 😔.

Zurück zum Boot: wir freuen uns weiter, hier zu sein. Ein bisschen eingemottet wären wir wegen Covid-19 überall sonst auch. Aber nicht überall so schön.

Read the signs!

Schilder begleiten uns allenthalben. In Deutschland haben wir gefühlt einen Schilderwald von Verkehrszeichen, das ist hier in der Karibik eher nicht so. Dafür sind mal selbstgemachte, mal auch vorgefertigte Sinnsprüche oder „Verhaltensaufforderungen“ durchaus weit verbreitet.

Im Moment gilt es ja wegen der Ausgangssperre, das Boot möglichst wenig zu verlassen. Da fällt es eher leicht, der in Bequia gesehenen Aufforderung „langsam zu leben“ nachzukommen. Obwohl: theoretisch könnten wir hier in Antigua ja noch jeden Tag den Ankerplatz wechseln und ums damit selbst in den Modus hektischer Betriebsamkeit versetzen. Und außerdem bricht ab morgen zwar die dritte Woche der Ausgangssperre an, aber der „Curfew“ wurde etwas gelockert. Vormittags ist jetzt bei Wahrung der Social Distance immerhin Spazierengehen, Hiken, Jogging und sogar Radfahren wieder erlaubt. Wir werden das nutzen und können dann immerhin nachmittags versuchen, aufkommende Unruhe einfach mal auszuhalten und den Tafelspruch ernsthaft umzusetzen. Deutlich vor Corona geschrieben, steht er für karibisches Lebensgefühl. Und hält uns damit auch den Spiegel vor, was außer Sonne, Wind, Strand und warmem Wasser uns ja eigentlich noch so alles hierher gezogen hat.

O.k., Cocktails an der Strandbar waren vielleicht auch dabei, auch wenn es nicht der oberste Punkt auf unserer Liste war 🍹 😊.

Die Bilder stammen übrigens alle noch aus der Zeit vor dem Ausnahmezustand.

Ein geschäftstüchtiges Schildchen, wie auch das nächste, das stellvertretend für die vielen selbstgemalten und unperfekt sympathischen Werbetafeln der kleinen Läden und Betriebe ohne Neonglitzer (hier in Dominica) steht:

Schön auch die Kleiderordnung in einer Strandbar auf Barbuda:

Und manches Schildchen wie dieses von einer lieben Freundin geschenkte schlägt auch eine Brücke in die Heimat.

Übrigens: falls wir uns mal ein paar Tage nicht melden:

Osterspaziergang zur See als Tapetenwechsel

Am 01. März haben wir in Jolly Harbor für Antigua und Barbuda 🇦🇬 einklariert. Über Deep Bay und Great Bird Island, dann English Harbor und weiter nach Green Island (Nonsuch Bay) haben wir Antiguas nördliche und westliche Küste erkundet. Dann sind wir hoch nach Barbuda gefahren und haben auch dort wunderschöne Ankerplätze und eine beeindruckende Natur vorgefunden. Rechtzeitig vor dem Lockdown sind wir ganz bewusst zurück nach Jolly Harbor gesegelt. Der dortige Ankerplatz bietet guten Schutz und zudem die Anbindung an den Hafen mit umfangreicher Versorgung. Diesel, Gas, Lebensmittel, Schiffsausrüster, Müllentsorgung selbst für Problemstoffe wie Altöl (nach dem Ölwechsel am Generator). Aber nach jetzt doch schon wieder 26 Tagen dort war mal wieder ein Tapetenwechsel fällig.

Wir sind superfroh, dass ein Wechsel des Ankerplatzes hier zwar mit ein bisschen Formalkram verbunden, aber eben zulässig ist und Antigua diese Möglichkeit trotz Ausgangssperre weiter bietet. Also haben wir heute früh vorschriftsgemäß die Coastguard angerufen (die Telefonnummern sind in der Facebook-Gruppe „Antigua Cruisers“ abrufbar). Auf unsere Bitte, wir würden gerne unseren Fäkalientank leeren und auf der Rückfahrt einen anderen Ankerplatz aufsuchen kamen ein paar freundliche Rückfragen zu geplanter Abfahrtszeit (sollte nicht vor 08.00 Uhr liegen), erwarteter Ankunftszeit (sollte nicht nach 12.00 liegen). Beides war uns bekannt und unsere Planung dementsprechend angepasst. Außerdem erhielten wir den Hinweis, wir sollten möglichst zwischen 4 und 5 sm hinausfahren.

Fein also, dann mal los. Herrliches Segeln bei zwischenzeitlich durchaus frischem Wind erst mal raus und dann eine schöne Kreuz Richtung Carlisle Bay im Südwesten von Antigua. Alles in allem drei Stunden, in denen Flora uns Segelgenuss vom Feinsten beschert und einen Oster“spaziergang“, den wir so schnell nicht vergessen werden. Was für ein Geschenk.

Das Oster-Eichhörnchen (einen Schoko-Osterhasen haben wir nicht gefunden und außerdem ist es eine schöne Reminiszenz an unseren regelmäßigen Terrassenbesuch in Hamburg) durfte übrigens nur ganz kurz an der Winsch in der Sonne verweilen, sonst wäre es uns wohl davon gelaufen. Nach dem Fotoshootings wurde es im Kühlschrank gechillt und dann noch während des Törns seiner inneren Bestimmung zugeführt.

Ausgangssperre verlängert, Einkaufen geht.

Es war keine große Überraschung für uns, dass die Regierung von Antigua und Barbuda die seit einer Woche bestehende Ausgangssperre jetzt vor Ostern verlängert hat. Eher schon, dass sie (erstmal) nur eine weitere Woche gilt und es – außer dem nunmehr zur Pflicht gewordenen Tragen einer Schutzmaske – keine Verschärfungen gibt. Zuvor gab es Gerüchte, dass alle Geschäfte (auch Supermärkte) schließen müssten.

Und wie sieht der 24/7-Curfew hier auf Antigua also weiterhin aus? Spazierengehen und Sport (auch alleine) ist nicht gestattet, der Strand ist komplett leer. Wir dürfen aber ums Boot schwimmen und in Bootsnähe Standup-Paddeln, das hat die Coast Guard ausdrücklich bestätigt. Man darf ja auch in seinem Garten Sport treiben. Eine maßvolle Auslegung, für die wir sehr dankbar sind. Von den Geschäften darf nur „essential business“ aufmachen, vor Ort sind das Supermarkt, Pharmacy (eher eine Drogerie als eine Apotheke), die Werft (einschließlich Wäscherei und Gasflaschen-Füllservice auf deren Gelände) und außerdem der Budget-Marine Bootsausrüster (!).

Landgänge bzw. Dinghyfahrten sind dann auch ausschließlich zu diesen Geschäften und zu keinem anderen Anlass gestattet. Verstöße gegen die Ausgangssperre werden hart bestraft. 2.500 oder 5.000 EC$ Geldstrafe oder ein halbes Jahr Gefängnis drohen, wenn man erwischt wird. Sowohl diese Geldstrafen als auch die Gefängnisstrafen sind jetzt schon mehrfach verhängt worden.

Also beschränken wir uns auf das, was zulässig ist. Gestern am Gründonnerstag haben wir zum ersten Mal seit der Ausgangssperre wieder eingekauft und unseren Bestand an frischen Lebensmitteln wieder aufgefüllt. Der einzige Supermarkt hier am Ort ist immer noch gut sortiert und hat auch praktisch keine Regallücken.

(Bild von letzter Woche, noch ohne Maske)

Nur, vor dem Einkauf gilt es eine Hürde zu nehmen: die Zugangsbeschränkung. Zunächst mal sind die Öffnungszeiten (für alle „essential business) eingeschränkt auf die Zeit zwischen 07.00 Uhr und 12.00 Uhr. Außerdem dürfen nur maximal zehn Kunden in den Laden. Beim Supermarkt führt das zu einer ziemlichen Schlange, zwischen zwei und vier Stunden warten ist normal.

Wir haben uns also zur frühestmöglichen Zeit auf den Weg gemacht (vor 07.00 darf man nicht am Dinghydock sein) waren um 07.05 am Supermarkt und hatten rund 80 Leute vor uns. Man zieht eine Nummer und stellt sich an. Die Schlange geht über den Parkplatz (Sonne) und dann am Markt entlang (Schatten), immer schön mit 2 m Abstand. Masken oder sonstige Bedeckung von Mund und Nase sind Pflicht. Übrigens hat ein anderer Ankerlieger in der Funkrunde selbstgenähte Masken zum Verschenken angeboten, ein anderer das Einkaufen für Ältere oder Risikogruppenangehörige. Die Gemeinschaft ist klasse hier.

Um 09.45 werden keine weiteren Nummern mehr ausgegeben, wer jetzt noch kommt würde nicht mehr reinkommen. Zwanzig Minuten später sind wir dann dran, nach drei Stunden Wartezeit. Immerhin dürfen wir beide in den Markt, obwohl wir nur eine Nummer haben. Einem anderen deutschen Paar war das eine Stunde früher noch verwehrt worden.

Mit zwei vollen Rucksäcken und zwei Taschen plus einem Beutel voller Eiswürfel geht’s zurück zur Flora. Das Ausladen soll schnell gehen, damit das Eis nicht schmilzt, aber das ist keine so gute Idee. Wiebke ist schon an Bord, aber als ich übersteige ruckt eine Welle das Dinghy in die Leine, ich schlage mir das Schienbein am Bootsheck auf und lande im Wasser. Sowohl Eiswürfel als auch Handy gehen mit mir baden (aber wir überleben alle 😉).

Ein Gutes hat das Ganze auch: bei der Versorgung der Platzwunde finden wir in unserer umfangreichen Medizinkiste unverhofft noch etwas ganz anderes:

Uns geht’s gut hier, wir sind wirklich froh auf Antigua zu sein. Eventuell gönnen wir uns zu Ostern noch einen kleinen Tapetenwechsel und verholen in eine andere Bucht. Aber nicht vor Ostersonntag, denn am Samstag sind wir dran mit dem Funkrundenquizz. Canada, Spanien, Kroatien und die Schweiz wurden von Seglern aus diesen Ländern schon mit jeweils 10 selbstausgedachten „wahr oder falsch“-Fragen vorgestellt, heute sind die USA dran und morgen dann wir. Bisher war’s immer witzig und lehrreich, also müssen wir wohl noch etwas an unseren Fragen und Erläuterungen feilen 😳.

Und zu ein bisschen Bootsarbeit haben wir es auch gebracht. Der Generator hat seinen Öl- und Ölfilterwechsel bekommen, der unbeliebte Ausbau und die Reinigung der Toilettenventile ist ebenfalls vollbracht und das Handmikrophon der UKW-Funke ist vom Kartentisch an den Niedergang gewechselt, wofür die sieben Meter Kabel durch die Kabelschächte und unter der dafür abgenommenen Deckenverkleidung entlang neu verlegt werden mussten. Dafür können wir jetzt endlich auch vom Cockpit aus die große Funke benutzen und müssen uns nicht mit der kleinen und schwächeren Handfunke behelfen.

Die darf aber trotzdem zum Beispiel auf dem Vorschiff beim Genießen der Sundowner-Funkrunde weiter zum Einsatz kommen 😉

Thanks to SY Hope for this pic!

Stationäre Ozeanpassage, Tag 5

Als wir letztes Jahr die Atlantiküberquerung geplant haben war das aufregend. Wir wussten nicht, was uns erwartet, wir waren unsicher über die Dauer, über unsere Proviantierung, über unser Fähigkeit, wirklich mehrere Wochen ohne „Auslauf“ auf engem Raum zusammen zu leben. Wir waren unsicher, aber wir waren auch zuversichtlich.

Na klar, wir hatten viel darüber gelesen, uns vorbereitet, herangetastet, das Boot ausgerüstet um uns weitgehend autark zu machen, alles sicherheitsrelevate an Flora nochmal getestet, Proviant gebunkert.

Das Boot auf eine Passage vorzubereiten war nicht schwer. Aber waren wir vorbereitet, unsere eigene Psyche? Das war schwerer zu beurteilen. Natürlich waren wir nervös und mindestens im ersten Teil der Passage war auch die Last der Verantwortung deutlich spürbar. Erst im Laufe der Zeit stellte sich mehr Leichtigkeit ein, mit jedem Tag ein bisschen mehr Routine und weniger Besorgnis, bis ab etwa Mitte der Reise der Genuss deutlich überwog.

Mit Beginn der Ausgangssperre hier in Antigua hatte ich im Blog geschrieben, wir seien trotzdem guter Dinge, pendelten mental aber allerdings manchmal zwischen einem fast freudigen “wie eine Atlantiküberquerung, nur mit weniger Geschaukel und nachts ruhig durchschlafen” und dem weniger guten Gefühl, eben doch irgendwie angebunden zu sein. Unbekannt war’s und deswegen auch wieder aufregend.

Und heute, am 5. Tag der Ausgangssperre? Wir könnten vormittags zum Lebensmitteleinkauf an Land fahren, uns ein bisschen die Füße vertreten und uns in die Schlange des Supermarktes einreihen (derzeit etwa zwei Stunden). Haben wir aber bisher nicht gemacht, weil weder für die zusätzliche Bewegung (dank schwimmen und Paddelboard) noch für das Nachkaufen von Lebensmitteln eine Notwendigkeit besteht. Tatsächlich nehmen wir es wie eine Passage, die Parallelen liegen ja auch auf der Hand, die Unsicherheiten sind im Vorfeld auch sehr ähnlich. Aber wir genießen das „zur-Ruhe-Kommen“, diesmal auch von Anfang an.

Nur anders als bei einer Ozeanüberquerung rückt das Ziel nicht näher, kein Positionskreuzchen auf dem Übersegler tastet sich ganz langsam immer näher an die Wunschinsel heran. Wir schneiden keine Tagesschnipsel von irgendeinem Maßband ab oder fiebern dem Öffnen des letzten Türchens eines Adventkalenders entgegen. Das Ziel – die Zeit – ist unklar. Bei einer Woche Ausgangssperre wird es kaum bleiben, angesichts des Verlaufes von COVID-19 würde das wohl auch wenig Sinn machen. Aktuell gibt es auf Antigua 15 bestätigte Fälle – bei 40 (!) Tests. Heute wurde bekanntgegeben, dass erstmals Tests im eigenen Land ausgewertet werden können. Bisher ging das nur auf der Nachbarinsel Guadeloupe. Hm. Wie hoch mag da die Dunkelziffer sein?

Ein Grund mehr, sich auf dem Boot wohl zu fühlen. Das Wetter ist traumhaft. Langweilig ist uns noch nicht geworden, tatsächlich müssen selbst die restlichen drei Winschen noch auf ihre Wartung warten (sorry, konnte mir das Wortspiel mal wieder nicht verkneifen). Wir lassen uns Zeit. Nur für das„weniger Geschaukel“ mussten wir doch noch mal tätig werden. Der wenige Ostwind hat dem Nordschwell von rund 1,5 m nicht allzu viel entgegenzusetzen und obwohl die Bucht nach Norden geschützt ist läuft der Schwell ums Kap herum von Südwesten her auf den Ankerplatz und rollt das Boot hin und her von einer Seite auf die andere. Wir bringen zusätzlich einen Heckanker aus und drehen die Flora mit dem Bug in den Schwell. Bei dem wenigen Wind stört die zusätzliche Belastung auf dem Hauptanker kaum und das Rollen lässt merklich nach. Jetzt klappt’s auch mit dem „nachts ruhig durchschlafen“ besser.