Nach unserer wunderbaren Begegnung mit den Buckelwalen fahren wir in die Bahía San Lorenzo, wo wir im Nationalpark “Los Haitises” 5 Tage Ankern dürfen (dafür hatten wir uns ja zuvor in Samaná das Despacho besorgt).
Der Nationalpark umfasst ein über 800 Quadratkilometer großes Karstgebiet mit zumeist steilen Kalksteinkuppen über nur wenig wasserdurchlässigem Vulkangestein. Das Regenwasser sammelt sich deshalb in unterirdischen Seen und Flüssen und tritt in Karstquellen zu Tage. Vor allem aber führt es zu einer Vielzahl von Höhlen im Gestein und zu einer von Land eher schwer zugänglichen, inselreichen und sehr speziellen Landschaft.
Erst einmal gondeln wir vom Ankerplatz aus mit dem Dinghy zwischen den unwirklich wie mit Bärten aus Moos behangenen Inselpilzen herum. Pelikane und Silberreiher sitzen in großen Gruppen in den Bäumen und auf den Felsen.
Wir biegen in einen kleinen Flusslauf zwischen dichten Mangroven ein und finden am Ende einen Anleger, an dem wir die Dinghys festmachen können. Dort zahlen wir auch 100 Pesos (etwa 1,50 €) Eintritt in den Nationalpark und dürfen einen kurzen Fußmarsch weiter die erste Höhle besichtigen. Alleine, ein kleines Touristenboot legt gerade ab als wir ankommen.
Ein bisschen den Berg hinauf durch den Wald und dann öffnet sich die Felswand vor uns. Beleuchtet ist die Höhle nur durch die Eingänge und ein paar Löcher in der Decke (da entstehen auch die Fotos, Blitzlicht ist verboten), weite Teile dazwischen sind völlig oder ziemlich dunkel, Taino-Zeichnungen finden sich an den Wänden. Indiana Jones lässt grüßen.
Weil es so eindrucksvoll ist, fahren wir danach gleich weiter zu einem anderen Höhlensystem, diesmal nur knapp über dem Meeresspiegel und direkt am Ufer gelegen.
Aber auch hier verzweigt mit mehreren Räumen und sogar (im dunklen hinteren Teil) mit einem unterirdischen See.
Abends wagen wir uns noch einmal zu viert mit unserem Dinghy Florecita in die Mangroven, nachdem es bereits stockdunkel ist. Den Weg müssen wir uns mehr oder weniger ertasten, denn unsere eigene Lichtlosigkeit ist Programm: auch hier finden sich viele Dinoflagellate im Wasser, es leuchtet, wenn wir die Paddel oder die Hände darin bewegen. Und über uns funkelt der Sternenhimmel, es ist total still. Wunderschön.
Wir verholen uns für eine Nacht an die “Bacardi”-Insel Cayo Levantado, der wir ja bisher nur mit dem Dinghy einen Besuch abgestattet hatten. Der drehende Wind beschert uns zwar einen etwas rolligen Ankerplatz, aber dafür haben wir am nächsten Morgen erstens einen schönen Blick auf den palmenbestandenen Sandstrand …
… und zweitens die perfekte Startposition für eine ganz private Whale-Watching-Tour, nur Flora und Easy-One, mit einem bewussten Umweg in einem großen Bogen außen um Cayo Levantado herum und dann weiter zum Nationalpark Los Haitises. So jedenfalls die Theorie, die wir uns gemeinsam mit der Crew der Easy-One zurechtgelegt haben. Na klar, Glück bräuchten wir natürlich auch, um Wale aus der Nähe zu sehen, die Bucht ist groß.
Und die Praxis?
😁😁😁. Wir sehen mehrere Wale, auch mit Kälbern. Gaaaanz ruhig und unaufgeregt gleiten sie dahin. Erst fahren wir unter Motor, dann schalten wir die Maschine ab und lassen uns treiben, zunächst läuft noch der Watermaker, dann machen wir auch den aus. Später fahren wir wieder langsam unter Motor zur Easy-One hinüber. Für die Wale scheint es keinen großen Unterschied zu machen. Sie scheinen manchmal bewusst zu unserem Boot zu schwimmen, uns zu begutachten.
Ein unbeschreiblich schönes, intensives Erlebnis, wir sind schockverliebt.
Ein wirklich sehenswertes Video dieser Walbegegnungen gibt’s HIER (unbedingt Ton einschalten).
Die Weiterfahrt zum Nationalpark Los Haitises setzt leider einen kleinen Kontrapunkt, einem Fluss gleich kommt uns in der großen Bucht ein Müllstrom entgegen geschwommen. Große Äste und Pflanzenteile sind auch dabei, aber das meiste ist doch Zivilisationsmüll. Plastik Flaschen und Styropor-Essensverpackungen schwimmen fast dicht an dicht, Schuhe und selbst Ölkanister sind aber auch dabei. Wir vermuten, dass der heftige Regen der letzten Tage ein sonst ausgetrocknetes Flussbett gefüllt und den Kram über die Barre geschwemmt hat, das würde jedenfalls das plötzliche und lokale Auftreten erklären.
… aber die Sonne kommt immer wieder durch. Wie schön ist das denn?
Ein Tropenschauer weckt uns kurz vor Sonnenaufgang. Es prasselt auf das Deck, als würde es hageln. Das achtere Fenster über unserem Bett fängt an, leicht zu lecken. Hm, da müssen wir wohl demnächst mal dran arbeiten. Vorläufig muss es ein hinter die Gardine gestopftes Handtuch tun. Um das Fenster auszubauen, brauche ich eine längere trockene Phase und und die sind aktuell rar gesät. Aber nur noch ein paar Tage, dann sollte es wieder trockener werden. Irgendwoher muss das ganze Grün dieser schönen Insel ja auch kommen 😊.
Wir gehen noch einmal in die Stadt. Erstmal in den “Claro”-Laden, Telefonkarte verlängern, weil die App nicht funktioniert. Es ist wohl wie so oft das 30cm-Problem (das Problem ist 30cm vor dem Bildschirm). Ich habe zwar die Claro-App heruntergeladen, aber im AppStore nicht das Land verstellt. Also glaubt die App, ich wolle sie in Deutschland anwenden, außerhalb des Claro-Vertriebsgebietes. Hm. Muss man erstmal wissen.
Dann Gemüse kaufen. Wir machen uns auf den Weg zum Markt, aber auch die Mini-LKW am Straßenrand sind verlockend. Von der Ladefläche aus wird Obst und Gemüse verkauft, selten ohne dass ein voll aufgedrehter Lautsprecher dessen Vorzüge per Dauerschleife verkündet. Ein paar von diesen kleinen Trucks hinter- oder nebeneinander und schon sind unsere Seglerohren von der ungewohnten Druckbeschallung überfordert. Gehört hier aber einfach ebenso dazu wie das Hupen bei jedem Überholvorgang und macht das bunt chaotische Gewusel erst perfekt.
Das Grüne in Wiebke’s Hand und der Kiste am Truck sind übrigens Orangen. Wir haben bei den Jungs sowohl die etwas größeren Bitterorangen (Pomeranzen) als auch die hier etwas kleineren Orangen (Apfelsinen) gekauft. Beide sind außen grün oder grün-gelb marmoriert. Das ist kein Zeichen mangelnder Reife, vielmehr ist es die natürliche Farbe in auch nachts warmen (und feuchten) Gebieten. Erst ab Temperaturen von 12 Grad Celsius und weniger wird das für die grüne Farbe verantwortliche Chlorophyll in der Schale natürlich abgebaut und die Orangen werden … eben orange. Weil vielen Konsumenten grüne Orangen aber suspekt sind, werde grüne Orangen in der EU oft mit dem Reifegas Ethylen behandelt. Das ist auch bei Biofrüchten zugelassen, setzt aber die Haltbarkeit herab.
Außer bei den Trucks kaufen wir auch auf dem Markt noch ein, einen Bund Koriander und einen Bund Petersilie zum Beispiel:
Das (übrigens wirklich günstige) Obst und Gemüse wird zurück an Bord erst mit Salzwasser gewaschen, dann mit Süßwasser gespült und im Cockpit getrocknet.
Und nein, es steht keine lange Passage an, wir wollen nur für ein paar Tage in das Naturschutzgebiet “Los Haitises” auf der Südseite der Samaná-Bucht.
Dafür allerdings müssen wir uns zunächst ein “Despacho de embarcaciones menores” besorgen. Das Despacho wird von der Armada erteilt, quasi die Abfertigung von diesem und Erlaubnis zum Anlaufen eines anderen (im Despacho benannten) neuen Ankerplatzes. Man darf hier in der Dominikanischen Republik ohne ein solches Despacho nicht einfach weitersegeln.
Wir gehen am Dienstag zur Armada, um das Despacho für 5 Tage Nationalpark ab Mittwoch zu beantragen. Alles wird ordnungsgemäß ausgefüllt, wie schon beim Einklarieren werden wir wieder zum Kopieren von Dokumenten (Bootspapiere, Pässe, Quittung der Hafenbehörde vom Einklarieren) in den nahe gelegenen Copyshop geschickt, bringen die gewünschten Kopien und das Despacho ist fertig. Bloß wird es uns nicht ausgehändigt, wir sollen am Mittwoch um 9.00 wiederkommen.
O.k., machen wir natürlich. Aber das Papier wird uns nicht etwa in die Hand gedrückt, sondern ein Soldat der Armada wechselt seine Kampfuniform gegen Jeans und leuchtoranges Armada-Shirt, geht mit uns zum Hafen und steigt in ein schon wartendes kleines Boot, das dann unserem Dinghy zur Flora folgt. Dort wird ein Handyfoto gemacht, auf dem der Armada-Mitarbeiter, das Despacho, die Flora und ich erkennbar sein müssen, was im zweiten Anlauf zufriedenstellend klappt. Und jetzt bekommen wir das Despacho übergeben. Interessantes Detail: neben dem Datum ist im Despacho vermerkt, dass es im 177sten Jahr der Unabhängigkeit der Dominikanischen Republik erteilt wurde.
Bezahlen müssen wir nichts, “Listo”, fertig. Muchas gracias.
Der nächste Tropenschauer kommt, das offene Armadaboot saust eilig davon. Schon kurz darauf kommt die Sonne wieder durch. Wir können los. ☀️ 😁
Wenn es für die Dominikanische Republik eine Windregel gibt, dann wohl die, dass die Brise nachts und am Morgen eher flauer ist und dann wieder zunimmt. Angesichts der spiegelglatten See entscheiden wir uns daher heute, mit den Dinghys die etwa drei Seemeilen hinüber zur Cayo Levantado zu flitzen. Diese Insel soll für einen der Bacardi-Werbespot als Kulisse gedient haben. Wir haben den Hit von Kate Yanai im Ohr, als wir auf den palmenbestandenen Strand zusteuern.
Allerdings, was aus der Entfernung so klischeehaft dem Karibikbild entspricht, erfüllt eben auch manches Karibik-Vorurteil. Noch während wir die Dinghys vorm Strand verankern wird uns eine Massage angeboten, unter den Palmen stehen (leere) weiße Liegen in Reih und Glied. Hinter den Palmen verbirgt sich ein Hotel, der Strand wird von Ausflugsbooten aus Santa Bárbara de Samaná regelmäßig angefahren. Auch wenn es jetzt hier relativ leer ist, so richtig wohl fühlen wir uns nicht.
Wir holen den Anker wieder auf und fahren hinüber zum „Mainland“, suchen uns dort eine kleine Bucht. Weniger türkises Wasser, weil vorgelagert im Wasser nicht flacher Sand sondern korallenbesetztes Riff zu finden ist. Da kommen unsere mitgebrachten Schnorchelsachen doch noch zum Einsatz.
Sandstrand nur vorn zwischen den beiden Felsen, dahinter ist es Kies. Dafür ist es schön einsam. Yoga am Strand.
Und als Zugabe bekommen wir wieder mal einen endemischen Vogel zu sehen: ein Haiti-Specht (gibt’s nur auf der Insel Hispaniola und ihren kleinen Nebeninseln) brütet in der Palme gleich hinter uns.
Nach einem ausgiebigen Picknick geht’s zurück zur Flora, da frischt der Wind tatsächlich auch schon wieder auf und die Dinghyfahrt wird etwas welliger. Ein kleines bisschen hatten wir gehofft, vielleicht auch wieder Buckelwale zu sehen, aber diesmal lässt sich hier keiner blicken.
Erst am Abend auf dem Malecón und beim dort an einer der kleinen Buden mit Blick auf den Ankerplatz genossenen Sundowner sehen wir wieder welche 😉, wenn auch eher als Zeichen dafür, wie wichtig die Wale für den Tourismus hier in der Stadt und der Region sind.
Der Ort Santa Bárbara de Samaná, zugleich Hauptstadt der Provinz Samaná, ist ein Zentrum des Tourismus im Nordosten der Dominikanischen Republik. Nicht zuletzt auch wegen der über 1.000 Buckelwale, die in den ersten Monaten des Jahres hierher in die Bucht kommen. Aber trotzt offener Grenzen sind die Hotels der Gegend offenbar alles andere als gut gefüllt, einige Whalewatching-Touren gibt es natürlich gleichwohl. Brauchen wir aber ja nicht, nachdem uns die Buckelwale schon so einen wunderbaren Empfang bereitet haben.
Überhaupt weicht das Bild, dass die Fremdenverkehrsseiten von Samaná zeichnen, ein kleines bisschen von dem Eindruck der Stadt ab, den wir bisher gewonnen haben. So oder so ähnlich sehen die Bilder der Tourismusbehörde aus, die auch in einem dieser Postkartenhäuser am Malecón ihre Dependance hat:
Bunt, ja. Aber auch deutlich gepflegter und weniger quirlig, als der Ort sich sonst präsentiert. Ein schönes Beispiel dafür ist der Markt, nur etwas weiter die Straße hinauf von der Promenade.
Was uns bei Obst und Gemüse positiv auffällt ist die fehlende Kühlung, so hält es sich an Bord wesentlich länger. Bei Fisch und Fleisch fehlt sie auch, das macht aber weniger Freude. Kleidung wird aus großen Säcken auf die meist zuvor mit Pappe ausgelegte Erde gekippt und aus diesen großen Bergen heraus verkauft. Bevorzugtes Verkehrsmittel sind kleinere Motorräder, meist ohne Helm und gern mit drei oder mehr Personen belegt. Es gibt auch Motorradrikschas und natürlich Autos. Anders als in Puerto Rico aber eher nicht amerikanische V8-SUVs. Es mutet afrikanisch an, und das nicht ohne Grund. Ein Großteil der Bevölkerung hat seine Wurzeln dort und stammt von verschleppten Sklaven ab, was sich auch in der lokalen Küche und sogar der hiesigen Kirchenlandschaft mit einer wichtigen afrikanisch-methodistischen Episkopalkirche widerspiegelt.
Das man hier auf Touristen eingestellt ist, zeigt sich derzeit vor allem an den Ausflugsangeboten. Neben dem Whalewatching werden insbesondere Bootstouren hinüber in den Nationalpark Los Haitises oder auf die „Bacardi“-Insel Cayo Levantado angeboten. Luis, der uns beim Einklarieren geholfen hat, sammelt die Crews von 5 Booten für einen Hike zum Wasserfall „Salto de Limón“ ein, die zudem noch ein paar Stops beinhaltet. 22 Euro pro Person, touristisch, klar, aber auch sehr informativ. So lernen wir etwa, dass die meisten Zigarren nicht etwa in Kuba, sondern eben der Dominikanischen Republik produziert werden. O.k., das ist eine quantitative, keine qualitative Aussage. Aber die Manufaktur, die wir besichtigen (Las Ballenas Premium Cigars) zeigt uns eben auch, wie gute Zigarren in Handarbeit von einem Torcedor (Zigarrenroller) erstellt werden.
Nebenbei lernen wir auch noch einiges über andere lokale Produkte, etwa Kakao. Zum Beispiel, dass die Kakaofrucht einmal aufgeschlagen so aussieht:
und die Kakaobohnen in ihrer Fruchtfleischhülle zwar gelutscht (schmeckt etwa wie Litschi), aber nicht gekaut werden sollten. Braucht dann doch noch ein paar Verarbeitungsschritte, bis da vernünftige Schokolade draus wird 😉.
Aber dieses Wissen ist bei unserem nächsten Ausflugsteil, dem eigentlichen Hike, dann auch gleich nützlich. Denn mit Hilfe unseres Guides erspähen wir im Wald wilde Kakaobäume, gut zu erkennen an den (allerdings noch grünen und damit unreifen) Kakaofrüchten.
Wir könnten den ersten Teil des 2,5 km Hikes zum Wasserfall von El Limon auch auf dem Rücken eines (geführten) Pferdes zurücklegen, aber wir genießen lieber die schöne Wanderung durch den Wald, die zumeist an einem Flüsschen entlang führt. Witzig ist, dass die Reiter Gummistiefel erhalten, weil die Pferde den lehmigen Weg doch etwas matschig treten. Wir können aber in Wanderschuhen ganz gut „neben der Spur“ entlang gehen.
Auch die Jicoteas (oder Hicoteas) Dominicana, eine endemische Sumpfschildkröte, genau genommen eine nur hier auf der Insel heimisch vorkommende Unterart der Nordamerikanischen Buchstaben-Schmuckschildkröte, hätten wir sonst wohl eher nicht gesehen und auch das Muli des Kokosnussammlers wäre uns vielleicht nicht aufgefallen oder jedenfalls hätte sich uns der Sinn der Körbe nicht erschlossen.
Erstmal kommen wir zur „Cascada pequeña“, dem kleinen Wasserfall.
Schon ganz hübsch, aber das eigentliche Ziel der Wanderung folgt dann etwas später und ist auch mehr mit anderen (überwiegend einheimischen) Touristen zu teilen. Der „Salto El Limón“ stürzt etwas mehr als 40 m in die Tiefe und ergießt sich in ein Becken, in dem wir baden können. Ein Süsswasserbad, lange nicht gehabt. 😁
Auf der Rückfahrt sehen wir einmal mehr, wie weit die Schere hier in der Dominikanischen Republik auseinandergeht. Es gibt prachtvolle Ville hinter hohen Mauern, aber vor allem sehen wir auch viele kleine Hütten, meist bunt bemalt, manchmal aber auch nur schlichtes rohes Holz, deren Wohnfläche kaum als Familienheim zu taugen scheint. Nebenbei, es gibt eine unfassbar hohe Anzahl an Bancas und an Lotecas, beide bezeichnen Lotterieverkaufsstellen. Aber in Lateinamerika stehen die Einwohner der Dominikanischen Republik mit ihrer Lotteriebegeisterung wohl nicht allein.
Im Vorfeld hat das Einklarieren hier in der Dominikanischen Republik bei uns ein paar Irritationen gesorgt. Wir informieren uns über die Formalitäten regelmäßig aus verschiedenen Quellen. Die jeweiligen Facebookgruppen für die Cruiser zu dem betreffenden Staat bieten gute Infos, aber insbesondere auch die Webseite „Noonsite“ schauen wir dazu immer an, sie fasst für die Segler viele relevante Informationen zusammen und wird ziemlich aktuell gehalten. Die für das Einklarieren wichtigen Infos sind etwa die möglichen „Ports of Entry“, also die Häfen, in denen man in einem Land überhaupt mit dem eigenen Boot einklarieren kann, Besonderheiten zum Prozedere (auch wegen COVID/Biosecurity) und auch Links etwa zu vorab online auszufüllenden Formularen.
Auf die Dominikanische Republik bezogen lesen wir auf Noonsite, dass wir in (Santa Barbara de) Samana einklarieren können, dass aber vorab online das „SailClear“-Verfahren online anzuwenden sei. Das scheitert allerdings, denn im SailClear-Onlineformular kann Samana nicht ausgewählt werden. Bei anderen Häfen in der Dominikanischen Republik mag das funktionieren oder sogar erforderlich sein, für Samana derzeit definitiv nicht.
Auf der Biosecurity-Seite von Noonsite zur DomRep wird außerdem darauf hingewiesen, dass Cruiser seit dem 1. Februar 2021 vor der Einreise ein Online-Formular zur Immigration ausfüllen müssen. Auch das scheitert bei uns im Laufe des Prozesses, diesmal ist es die Einreiseart, die nicht passt. Im Auswahlfenster können wir nur eine einzige Einreiseart ankreuzen. In der deutschen Version des Online-Formulars lautet sie „Antenne“. ???
Nach Umschalten auf die englische Version wird es etwas klarer, dort heißt es „Air Transport“. Trifft aber trotzdem nicht unsere Einreiseart mit dem eigenen Segelboot, also entweder falsche Angaben machen oder abbrechen. Grr.
Dramatisch ist das nicht, Freunde von uns wussten nichts von den Formularen, sind einfach hingefahren und berichten, dass das Einklarieren in Samana unproblematisch war. Gelbe Flagge setzen und abwarten. Dann kommt Luis vorbei und nimmt die Sache in die Hand. Ein COVID-Test ist übrigens nicht erforderlich (anders aber, wenn man in der hiesigen Marina de Puerto Bahía einklariert, dort wird ein Schnelltest gemacht).
Und tatsächlich, Luis kommt gleich nach dem Ankermanöver angebraust und erklärt uns das Prozedere. Eine Viertelstunde später ist er mit einem Vertreter der Armada zurück, der unser Ausklarierungspapier aus Puerto Rico bekommt und auf dessen Rückseite nochmal unsere Namen und Passnummern notiert. WICHTIGER HINWEIS: wer später in die USA oder z.B. zurück nach Puerto Rico möchte, sollte sich das Ausklarierungspapier vorher kopieren oder zumindest fotografieren. Mangels Ausreisestempel im Pass vermutet die USA sonst gerne, dass man gar nicht ausgereist ist und sich illegal länger als erlaubt im Land aufgehalten hat. Die Behördenkommunikation diesbezüglich funktioniert nicht immer.
Mit dem auch dolmetschenden Luis an der Seite geht’s für mich dann in seinem Boot an Land. Zur Immigration zuerst, aber der zuständige Officer ist gerade nicht da. Dann erstmal zur Port Authority und zum Zoll. Kostet 31 US$. Die Quittung, die Pässe und die Bootspapiere müssen kopiert werden. Ab zum Copyshop in der Stadt. Dann zurück zu Zoll/Port Authority. Dann (in diesem Fall) abschließend zur Immigration. Dort werden für zwei Personen bei 44Fuß Bootslänge nochmal 96 US$ fällig. Jetzt dürfen wir bis zu einem Monat im Land bleiben. Mit zusammen 127 US$ (etwa 105 €) nicht ganz billig, aber das wussten wir vorher. Dazu kommen nochmal 20 US$ für Luis plus evtl. Trinkgeld, was wir für seinen Service aber sehr angemessen finden, insbesondere weil unser Spanisch doch ziemlich rudimentär ist und für die Behördengänge nicht sehr gut taugt.
Nächster Schritt: SIM-Karte fürs Telefon besorgen, ein „Claro“-Shop ist direkt am Anleger. 5 Gigabite Datenvolumen für 240 Pesos (3,60 €). Günstig, aber nur fünf Tage gültig. Für den Anfang jedenfalls gut.
Noch Pesos am ATM Geldautomat nebenan ziehen und nicht darauf hereinfallen, dass der standardmäßig 500 Pesos als Auszahlungssumme angibt. Das sind nur 7,50 €, es wird aber 250 Pesos als Auslandsauszahlungsgebühr fällig. Wie auch bei der Höchstauszahlungssumme an diesem Geldautomaten von 10.000 Pesos 😉.
Und dann zurück aufs Boot, relaxen, den Blick auf die Hafenpromenade von Santa Barbara de Samana, die Fußgängerbrücke zur Insel Cayo Vigia und die vielen Palmen auf den Hügeln um den Ankerplatz auf uns wirken lassen, ein bisschen SUP fahren. Und dabei feststellen, dass nicht alle der vielen herumschwimmenden Plastikflaschen Müll sind: manche dienen auch als kaum erkennbare aber für die Schiffsschrauben umso gefährlichere Fischerbojen und sind mit Leinen an Lobsterpods oder Netzen verbunden.
Der Ankerplatz bei Puerto Real im Westen von Puerto Rico ist hervorragend geschützt, eine schmale, gut betonte Riffdurchfahrt führt in die fast kreisrundere Bucht. Da macht es auch kaum etwas, dass der schlammige Grund dem Anker erst beim zweiten Versuch genug Halt bietet. Was Puerto Real darüber hinaus auszeichnet ist die Marina Pescaderia, genauer gesagt deren Manager José.
Zum einen können wir bei ihm ausklarieren, er faxt und emailt das bekannte Formular CBP 1300 an die zuständigen Stellen und schon eine halbe Stunde später bekommen wir das gestempelte Ausklarierungspapier in die Hand gedrückt. Normalerweise jedenfalls. Heute dauert es etwas länger, die Behörde hat scheinbar Empfangsprobleme. Kein Drama, wir möchten eh noch Besorgungen machen. Die Marina hat vier Mietwagen, aber die sind leider alle bereits gebucht.
Macht nichts, Chuck (La Rive Nord) bekommt von José die Schlüssel für dessen privaten Pickup. Und so schaffen wir es, für die La Rive Nord und die Flora nochmal die amerikanischen Propangasflaschen zu füllen, Apothekenbesorgungen zu machen und die Easy-One kann Technikkram im WalMart-Superstore (und wir alle auch noch Lebensmittel) ergänzen. Wieder zurück in der Marina sind auch die Ausklarierungspapiere klar. Nach nunmehr 5 Wochen in diesem Land sagen wir: Tschüß Puerto Rico, vielen Dank, Du warst ein toller Gastgeber.
Am nächsten Morgen machen sich bei Sonnenaufgang zuerst Helen und Kirk mit der Landscape auf den Weg, kurz darauf ein französischer Segler und etwas später dann auch die Easy-One, die La Rive Nord und zuletzt wir. Fünf Boote mit dem gleichen Ziel, nach Nordwesten in die Samana Bay in der dominikanischen Republik.
Der Weg führt quer über die Mona-Passage. Sie trennt Puerto Rico von Hispaniola, der Insel auf der Haiti und die Dominikanische Republik liegen. Und obwohl vor uns nur etwa 140 sm liegen, begegnen wir der Mona-Passage doch mit gehörigem Respekt. Nach der in ihrer Mitte liegenden und zu Puerto Rico gehörenden Isla Mona benannt, weist die zum Teil über tausend Meter tiefe Meerenge auf beiden Seiten einige Flachs auf. Insbesondere das “Hourglass-Shoal” vor der DomRep ist berüchtigt. Die Seekarte warnt: “Tide rips and heavy swells may be encountered at any time along the edge of this bank”. Das verwundert ein bisschen, denn sooo flach ist die von der Form an ein liegendes Stundenglas erinnernde unterseeische Verlängerung der Ostküste der DomRep eigentlich gar nicht. Aber sie weist eben auf beiden Seiten große Tiefen auf und außerdem liegt sie genau auf der Grenze zwischen dem karibischen Meer und dem offenen Nordatlantik.
Aber das Windfenster sieht vielversprechend aus und ist auch tatsächlich gut gewählt. Direkt vor Puerto Real geht gleich unser blauer Gennaker hoch und Harry Potter (weil er unter Floras Niedergangstreppe wohnt) begeistert uns mit einer ruhigen schnellen Fahrt bei erst südöstlichen und dann flauer und südlichen werdenden Winden zwischen 6 und 12 kn. Kaum zu fassen, bei halbem Wind schafft Flora mit Großsegel und dem flach geschnittenen Gennaker etwa soviel Fahrt, wie wir scheinbaren Wind haben. Das nennt man wohl Sweetspot 😁 (und die Strömung hilft auch noch).
Erst nach dem Abendessen holen wir Harry Potter herunter und wechseln auf die Fock. Da haben wir die Nordostecke des Hourglass-Shoal bereits (mit einigem Abstand) passiert und können in der Ferne sogar schon das Cabo Engaño liegen sehen. Wir gönnen uns einen alkoholfreien Sundowner und mit den bewährten 3-Std-Wachen geht’s in die Nacht. Herrliches Segeln, sternenklarer Himmel. Wobei – wir sind wieder mal zu schnell. Beim Wachwechsel um 22.00 Uhr binden wir drei Reffs in das Groß, einfach um langsamer zu werden und nicht im Dunkeln anzukommen. Erst gegen 4.00 und damit deutlich später als vorhergesagt kommt dann Flaute, wir holen die Segel ein und motoren den Rest, selbst als wieder Segelwind aufkommt. Zum einen wegen der vielen Flachstellen in der Bahía Samana, vor allem aber wegen der erhofften Begrüßung 😁. Die stellt sich nämlich ein: Wale. Genau genommen Buckelwale (Humpback Whales), von denen sich viele hier regelmäßig zwischen Mitte Januar und Ende März aufhalten, denn hier liegt eine der großen Kinderstuben für Buckelwale.
Erst sehen wir nur ab und zu einen Blas oder einen Rücken mit Finne, aber dann häuft sich das Klatschen aufs Wasser mit den langen Brustflossen, ab und zu sehen wir einen Wal springen und auch das Zeigen der Fluke vor dem Abtauchen. Wir sind völlig begeistert. Was für ein Geschenk, so in der Dominikanischen Republik empfangen zu werden.
Das Licht hier in der Karibik ist … schwer zu beschreiben, jedenfalls aber produziert es unfassbar klare Farben.
Heute mal wieder Blau (da haben wir gleich den passenden Gennaker gesetzt😉)
auf dem Weg zum Cabo Rojo (also dem roten Kap!) und Grün am Ankerplatz direkt dahinter.
Ich habe übrigens nicht an den Farbreglern der Bildbearbeitung gespielt!
Witzig ist aber auch, was für einen Einfluß der Blickwinkel in Relation zum Sonnenstand hat. Klar, weiß man, deshalb ja die „Eyeball-Navigation am besten nur mit der hoch stehenden Sonne im Rücken. O.k., aber jetzt mal ehrlich, die nächsten beiden Bilder sind nur ein paar Minuten hintereinander eben aus unterschiedlichem Winkel aufgenommen, und – na logo -, die Boote haben wir zwischendurch nicht bewegt. Nur die Drohne hin und her geflogen:
Was auf beiden Bildern auffällt: die Milchkante. So haben wir jetzt einfach mal das Phänomen genannt, dass relativ abrupt das vergleichsweise klare Wasser fast ansatzweise in eine eher milchige Brühe übergeht (die aber immer noch eine schöne Farbe hat). Woran liegt das?
Den kleinen Hüpfer weiter nach Westen bis in in die Bucht von La Parguera können wir genießen, feinster raumer Segelwind, die Chillkröte der Easy-One wird von der rauschenden Bugwelle umspült.
Bei der Einfahrt in die Bucht allerdings wartet ein kleiner Kulturschock auf uns. Musik dröhnt aus den Boxen der Motorboote, die sich rechts und links gleich hinter den äußeren Mangroven dicht an dicht vor Anker gelegt haben und in gewohnter Wochenendmanier hinter ihren Booten im seichten Wasser stehen.
Da fahren wir doch lieber etwas weiter hinein in die Bucht, näher an den Ort. Tja, aber Sonntagmittag sausen da natürlich auch die Motorboote und Jetski herum. So ist das hier nunmal am Wochenende, anders als in den meisten Windward oder Leeward Islands haben nicht nur Fischer sondern auch viele andere Einheimischen hier Boote, gut motorisierte Motorboote zumeist, und die wollen schließlich auch bewegt werden. Außerdem gibt’s auch Leih-Motorboote und Leih-Jetski für die vielen (jedenfalls derzeit zumeist puertoricanischen) Touristen. Von denen wimmelt auch die Stadt, die vielen Restaurants sind gut besucht. Es geht aber diszipliniert zu, auf der Straße werden konsequent Masken getragen, im Restaurant oder Geschäft müssen zuerst die Hände desinfiziert werden, die maximale Zahl der Kunden ist jeweils auf einem Schild am Eingang eingetragen und wird – soweit wir das beurteilen können – eingehalten. Trotzdem, anders als die bunten Stelzenhäuser in den Mangroven spricht uns der innere Teil des geschäftigen La Parguera nicht so recht an.
Also zurück auf die Flora im Wissen: zum Abend wird es wieder ruhig und wir haben die herrliche Landschaft mit den vielen kleinen Mangroveninseln (fast) für uns allein. Und so ist es.
Am Montag morgen bringe ich erst einmal unsere Tauchflaschen zum Füllen in die örtliche Tauchschule, für nur 5 US$ pro Flasche wird das innerhalb einer halben Stunde erledigt. Super.
Und nachdem Ingo dankenswerterweise unseren mal wieder sprotzenden und zudem an falscher Stelle (ins Gehäuse) Wasser verspritzenden Außenborder einem unterwarteten Quick-Fix unterzogen hat dann geht es mit den Dinghys auf Entdeckungstour in die Mangroven. Wie im Osten von Puerto Rico (Monkey Island/Cayo Santiago) gibt es mit der Isla Cueva auch hier eine Affeninsel, etwa 400 (eigentlich nicht heimische) Affen leben dort. Allerdings gut versteckt, zu sehen bekommt man sie selten und nur mit Glück kann man sie gelegentlich hören. Beides ist uns nicht vergönnt, trotz der professionellen Affenimitationsgeräusche seitens der in Surinam entsprechend geschulten Andrea und Ingo.
Aber nach einigem Suchen finden wir immerhin den kleinen Mangrovencreek, der Cueva zu einer Insel macht. Anders als im Guide wohl doch eher nur noch zu einer Halbinsel, denn jedenfalls bei der zur Zeit unserer Tour herrschenden Tide ist der östliche Eingang komplett versandet und trockengefallen. Von Westen her können wir aber hinein und auch ein ganzes Stück unter dem Dach der Mangroven in diesem schmalen Tunnel herumbummeln.
Auf der Rückfahrt finden wir zudem einen Anleger, von dem aus wir auf einen kleinen Hügel steigen können. Trotz der geringen Höhe gibt’s einen schönen Blick über die Bucht mit ihren Mangroveninselchen.
Besser wäre es vielleicht nur aus dem regelmäßig über dem Ufer schwebenden großen aber wohl unbemannten Luftschiff …
… oder mittels der Drohne auf unseren inzwischen gewechselten Ankerplatz an der äußeren Kette von Mangroveninseln 😊, wo wir abends auch die La Rive Nord wieder treffen.