Es scheint nicht immer die Sonne …

… aber die Sonne kommt immer wieder durch. Wie schön ist das denn?

Ein Tropenschauer weckt uns kurz vor Sonnenaufgang. Es prasselt auf das Deck, als würde es hageln. Das achtere Fenster über unserem Bett fängt an, leicht zu lecken. Hm, da müssen wir wohl demnächst mal dran arbeiten. Vorläufig muss es ein hinter die Gardine gestopftes Handtuch tun. Um das Fenster auszubauen, brauche ich eine längere trockene Phase und und die sind aktuell rar gesät. Aber nur noch ein paar Tage, dann sollte es wieder trockener werden. Irgendwoher muss das ganze Grün dieser schönen Insel ja auch kommen 😊.

Wir gehen noch einmal in die Stadt. Erstmal in den “Claro”-Laden, Telefonkarte verlängern, weil die App nicht funktioniert. Es ist wohl wie so oft das 30cm-Problem (das Problem ist 30cm vor dem Bildschirm). Ich habe zwar die Claro-App heruntergeladen, aber im AppStore nicht das Land verstellt. Also glaubt die App, ich wolle sie in Deutschland anwenden, außerhalb des Claro-Vertriebsgebietes. Hm. Muss man erstmal wissen.

Dann Gemüse kaufen. Wir machen uns auf den Weg zum Markt, aber auch die Mini-LKW am Straßenrand sind verlockend. Von der Ladefläche aus wird Obst und Gemüse verkauft, selten ohne dass ein voll aufgedrehter Lautsprecher dessen Vorzüge per Dauerschleife verkündet. Ein paar von diesen kleinen Trucks hinter- oder nebeneinander und schon sind unsere Seglerohren von der ungewohnten Druckbeschallung überfordert. Gehört hier aber einfach ebenso dazu wie das Hupen bei jedem Überholvorgang und macht das bunt chaotische Gewusel erst perfekt.

Das Grüne in Wiebke’s Hand und der Kiste am Truck sind übrigens Orangen. Wir haben bei den Jungs sowohl die etwas größeren Bitterorangen (Pomeranzen) als auch die hier etwas kleineren Orangen (Apfelsinen) gekauft. Beide sind außen grün oder grün-gelb marmoriert. Das ist kein Zeichen mangelnder Reife, vielmehr ist es die natürliche Farbe in auch nachts warmen (und feuchten) Gebieten. Erst ab Temperaturen von 12 Grad Celsius und weniger wird das für die grüne Farbe verantwortliche Chlorophyll in der Schale natürlich abgebaut und die Orangen werden … eben orange. Weil vielen Konsumenten grüne Orangen aber suspekt sind, werde grüne Orangen in der EU oft mit dem Reifegas Ethylen behandelt. Das ist auch bei Biofrüchten zugelassen, setzt aber die Haltbarkeit herab.

Außer bei den Trucks kaufen wir auch auf dem Markt noch ein, einen Bund Koriander und einen Bund Petersilie zum Beispiel:

Das (übrigens wirklich günstige) Obst und Gemüse wird zurück an Bord erst mit Salzwasser gewaschen, dann mit Süßwasser gespült und im Cockpit getrocknet.

Und nein, es steht keine lange Passage an, wir wollen nur für ein paar Tage in das Naturschutzgebiet “Los Haitises” auf der Südseite der Samaná-Bucht.

Dafür allerdings müssen wir uns zunächst ein “Despacho de embarcaciones menores” besorgen. Das Despacho wird von der Armada erteilt, quasi die Abfertigung von diesem und Erlaubnis zum Anlaufen eines anderen (im Despacho benannten) neuen Ankerplatzes. Man darf hier in der Dominikanischen Republik ohne ein solches Despacho nicht einfach weitersegeln.

Wir gehen am Dienstag zur Armada, um das Despacho für 5 Tage Nationalpark ab Mittwoch zu beantragen. Alles wird ordnungsgemäß ausgefüllt, wie schon beim Einklarieren werden wir wieder zum Kopieren von Dokumenten (Bootspapiere, Pässe, Quittung der Hafenbehörde vom Einklarieren) in den nahe gelegenen Copyshop geschickt, bringen die gewünschten Kopien und das Despacho ist fertig. Bloß wird es uns nicht ausgehändigt, wir sollen am Mittwoch um 9.00 wiederkommen.

O.k., machen wir natürlich. Aber das Papier wird uns nicht etwa in die Hand gedrückt, sondern ein Soldat der Armada wechselt seine Kampfuniform gegen Jeans und leuchtoranges Armada-Shirt, geht mit uns zum Hafen und steigt in ein schon wartendes kleines Boot, das dann unserem Dinghy zur Flora folgt. Dort wird ein Handyfoto gemacht, auf dem der Armada-Mitarbeiter, das Despacho, die Flora und ich erkennbar sein müssen, was im zweiten Anlauf zufriedenstellend klappt. Und jetzt bekommen wir das Despacho übergeben. Interessantes Detail: neben dem Datum ist im Despacho vermerkt, dass es im 177sten Jahr der Unabhängigkeit der Dominikanischen Republik erteilt wurde.

Bezahlen müssen wir nichts, “Listo”, fertig. Muchas gracias.

Der nächste Tropenschauer kommt, das offene Armadaboot saust eilig davon. Schon kurz darauf kommt die Sonne wieder durch. Wir können los. ☀️ 😁

2 Gedanken zu „Es scheint nicht immer die Sonne …

  1. Oh ja… Die Claro-App ist auch hier in Ecuador echt für die Tonne. Da hilft nur ausreichend Guthaben im Laden kaufen und das gewünschte Paket über *123# aktivieren.
    DIe grünen Orangen (über die wir ja auch schon in Brasilien stolperten), sind wirklich witzig und bieten ein ganz neues Essgefühl.
    Liebe Grüße, Micha

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  2. Wieder ein sehr interessanter Bericht.
    🍊🧡🍊🧡🍊
    Und wie unbürokratisch die Bürokratie doch manchmal auch sein kann finde ich grandios. ⛵️ 👍🏼 ⛵️👍🏼⛵️

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