Es Grau und Addaia

Wir bummeln an der Nordseite Menorcas entlang. Die Entfernungen zwischen den Buchten sind nicht groß, im Gegenteil, trotz unserer hier bisher sehr kurzen Törns haben wir verlockende Strände und Ankerplätze links liegen gelassen.

Erster Stop war die Cala Arsenal den Moro bei Es Grau.

Eigentlich gibt es sogar hier mehrere getrennte Ankerbuchten, wobei „unsere“ mittels einer Dinghypassage übers Flach mit dem Ort Es Grau verbunden ist, man muss nicht um die Illa d’en Colom herum. Es existieren mehrere Bojenfelder, aber es ist auch genug Platz zum freien Ankern.

Wir ankern auf 10 m Wassertiefe über Sand und können beim Abschnorcheln des Ankers gleich 5 kleine bis jugendliche Rochen beobachten.

Am nächsten Tag segeln wir unter Code0 und Groß die kurze Strecke zur Cala de Addaia, einer rund zwei Meilen ins Land schneidenden schmalen Bucht. Die Einfahrt erinnert an Schweden, zwischen Felsen über und unter Wasser windet sich ein Tonnenstrich bis zum Hafen Puerto de Addaia, der sich hinter einer Felsinsel an Steuerbord versteckt. Danach wird es wieder etwas breiter und vor und hinter dem ausgelegten Bojenfeld darf geankert werden. Das wird ausgiebig genutzt, es ist auch hier wieder gemütlich eng.

Maó

Maó / Mahon (Amtsprachen sind Katalanisch und Spanisch) ist die Hauptstadt Menorcas. Sie liegt am Ende eines über fünf Kilometer langen fjordartigen Einschnitts in die sich hier felsig präsentierende Insel, der mit seiner schmalen nach Südost liegenden Einfahrt einen großartigen Naturhafen bildet. Der genueser Großadmiral Andrea Doria soll sogar gesagt haben, er kenne nur drei sichere Häfen im Mittelmeer: Juli, August und Mahon.

Währen freies Ankern früher in weiten Teilen der Bucht erlaubt war, muss man sich inzwischen auf eine kleine, aber sehr gut geschützte Nebenbucht gleich am Eingang des Fjords beschränken, die Bucht von Teulera. Entsprechend dicht belegt präsentierte sie sich bei unserer Ankunft am Freitagmorgen. Wir mussten zudem ein paar Mal umankern, weil wir unseren Nachbarn gefühlt dann doch zu nahe kamen (hätten wir gewusst, wieviel mehr Schiffe sich am Samstag in die Bucht quetschen, hätten wir das vielleicht gelassen). Der Start war also eigentlich nicht so toll für Teulera. Jetzt sind wir drei Tage hier und können sagen: es ist klasse!

Bild von heute, später Nachmittag. Schon wieder relativ leer 😉.

Aber der Reihe nach: Freitag Mittag haben wir erstmal etwas geschlafen, dann haben uns Irene und Thomas mit dem Auto abgeholt und quer über die Insel gefahren. Die beiden machten nämlich gerade mit ihrer Familie hier zwei Wochen Urlaub und hatten eine wunderschöne Finca irgendwo im Nirgendwo der Mitte Menorcas gemietet.

Und da waren wir dann für den wunderschönen und sehr entspannten Rest des Tages zu Gast, es war schon Mitternacht als uns die beiden zurück zur Flora kutschierten.

Samstag haben wir dann die Tour mit unserer Florecita nach Maó gemacht. Entgegen unserer Befürchtungen gibt es zwischen den ganzen teuren Hafenplätzen für die Schiffe ein offizielles kostenloses Dinghydock, wo wir Florecita ruhigen Gewissens festmachen konnten. Maó ist eine Kleinstadt mit knapp 30.000 Einwohnern und natürlich touristisch erschlossen. Das allerdings auf sehr sympathische Weise. Der Altstadtkern liegt rund 50 m über dem Fjord auf einem Felsabsatz und ist in seiner Architektur eher von der Zeit geprägt, als die Engländer (ab 1708) die Insel beherrschten. Wir bummeln durch die Gassen, besuchen das sehr sehenswerte Geschichtsmuseum Museo de Menorca. In den an den Kreuzgang eines ehemaligen Klosters anschließenden Räumen und den beiden darüber liegenden Ebenen werden uns die erdgeschichtlichen und siedlungsgeschichtlichen Besonderheiten der Insel, aber auch ihre wechselvolle Zugehörigkeit zu den verschiedensten Ländern nahegebracht.

Dann lassen wir uns wieder durch die Stadt treiben, genießen die vielen Aussichtspunkte und – wie sollte es anders sein – auch das lukullische Angebot. Wir besuchen den Mercado de Pescados, der links noch immer Fischmarkt ist, rechts allerdings wird leckeres Essen und Trinken in lockerer Atmosphäre angeboten.

Die Stadt macht es uns leicht, sie ins Herz zu schließen.

Gestern Abend (Samstag) füllte sich unser Ankerplatz dann zusätzlich zu den Seglern (und ein paar größeren Motorbooten) mit jeder Menge kleiner einheimischer Boote, die übers Wochenende einen Ausflug mit Kind und Kegel zum Baden, klönen, picknicken und eben auch übernachten hier in der Bucht machten. Es wurde noch voller, aber auch belebter mit spanischem Temperament und fröhlich plantschenden Kindern.

Heute war dann – ganz was anderes – erst einmal die alte Wahrheit vom Reparieren des Bootes an den schönsten Ankerplätzen umzusetzen:

Die vordere Toilette zickte schon eine Weile, leckte zunehmend und hatte zudem mit Rücklauf aus dem Tank zu kämpfen. Sie musste leider einmal komplett auseinander genommen werden. Hat eine ziemliche Weile gedauert, aber jetzt funktioniert sie wieder.

Neben ausgiebigem Baden haben wir dann noch einen Ausflug auf die „Mola“ unternommen, die Festung bewacht den Eingang zum Fjord und liegt oberhalb unseres Ankerplatzes.

Auch wenn man wie wir an Militärgeschichte nicht wirklich interessiert ist, beeindruckt die nie angegriffene Festung doch (neben den tollen Ausblicken auf unseren Ankerplatz und bis hinüber nach Maó) mit den Ausmaßen der Befestigungsanlagen und imposanten spärlich nur durch die Schießscharten beleuchteten, z.T. dreihundert Meter langen Wehrtunnelgängen.

Morgen gehts noch einmal nach Maó, ein Ersatzteil abholen. Und dann werden wir uns hoffentlich eine schöne Bucht an der Nordküste Menorcas suchen.

36 Stunden

So auf etwa eineinhalb Tage Länge hatten wir die Überfahrt von Sardinien nach Menorca kalkuliert. Etwa 200 sm bei im Schnitt 5,5 Knoten (=sm/Std) Geschwindigkeit.

Aufbruch in die Nacht:

Da wir am Mittwoch Abend losgefahren sind, bedeutete das zwei Nachtfahrten und eben den Tag dazwischen. Nachtfahrten auf offener See sind schön, ganz besonders in warmen klaren Nächten. Meist gibt es hier nicht so viele Gemeinheiten zu beachten wie etwa Stellnetze, Fischerfähnchen und Flachs, Felsen oder schwach beleuchtete Angelboote, die Nachtfahrten in Küstennähe deutlich schwieriger machen. Die Lichter der Schiffe weit draußen kann man meist schon von weitem sehen. So sind die großen Pötte nachts oft aus größerer Entfernung auszumachen als am Tage. Außerdem haben praktisch alle AIS, sind also auf unserem Plotter zu erkennen. Und der sagt einem dann eine ganze Menge zu den Dampfern an: natürlich Kurs und Geschwindigkeit (kann man auch schon an den Pfeilen erkennen) , aber auch z.B. die größte Annäherung bei den bestehenden Kursen (CPA), also ob man sich zu nahe kommt. Man kann sogar automatische Annäherungswarnungen programmieren.

Letztlich heißt das, das man die Fahrt fast noch besser genießen kann. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hatten wir übrigens nur eine einzige Schiffsbegegnung und die in großem Abstand. Der Sternenhimmel auf See ist geradezu sprichwörtlich schön, klar, da keine „Lichtverschmutzung“ den Blick beeinträchtigt. es ist wunderbar ruhig, man kann seinen Gedanken nachhängen, lesen oder ein Hörbuch oder Podcasts hören. Und wenn man Glück hat, so wie wir in den letzten beiden Nächten, leuchtet in den vom Schiff aufgeworfenen Wellen fluoreszierendes Plankton.

Ein bisschen schwieriger als tagsüber ist der Segeltrimm, aber Kopflampen (umschaltbar auf das weniger beeinträchtigende Rotlicht) helfen. Nachtwachen zu zweit funktionieren bei uns so, dass der eine unter Deck schläft und der andere im Cockpit eben wacht. Zur Sicherheit stellt er sich auf dem Handy für alle 15 Minuten den Wecker, um spätestens dann Rundumblick und Plottercheck zu machen, aber fast immer stellt man den Wecker schon vor Ablauf der 15 Minuten neu. Es ist tabu, das Cockpit während dieser Zeit zu verlassen um zum Beispiel am Mast etwas zu erledigen oder das Vorsegel einzurollen. Für solche Fälle muss immer der unten Schlafende geweckt werden und ins Cockpit kommen. Für lange Passagen wie die Atlantiküberquerung haben wir uns feste Wachen vorgenommen. Auf kürzeren Törns wie jetzt sprechen wir uns einfach ab und entscheiden die Wachwechsel eher spontan.

Dass wir die Nachtfahrten mögen, war aber gar nicht der springende Punkt bei unserer Entscheidung, Mittwoch Abend loszufahren. Das Wetterfenster gefiel uns besser und – auch nicht ganz ohne – wir hatten mehr Puffer, um bei Tageslicht im für uns fremden Mahon anzukommen. Wir durften nur nicht zu SCHNELL sein (das lässt sich leicht machen), während wir bei Abfahrt am Morgen nicht zu LANGSAM hätten sein dürfen. Das ist manchmal schwieriger, besonders wenn der Wind anders eintritt als in der Wetterprognose.

Weil wir danach gefragt wurden: als Wetterbericht verwenden wir meist „Windy“ zur groben Orientierung und „Seaman“ für die Feinplanung. Unterwegs (ohne Internet) können wir per Satellitentelefon über „Saildocs“ Wetter-GRIBfiles abrufen und mit verschiedenen Programmen auswerten.

Unser Wetterfenster sah so aus (auf „Seaman“):

Letztlich mussten wir allerdings ein gutes Stück vor Menorca motoren und das auch länger, als wir es uns erhofft hatten, zumal uns ein Gewitter nachts um halb drei zwar nicht direkt erwischte, die Fahrt unter Motor aber angeraten schien. Dennoch, alles in allem waren wir trotzdem sehr zufrieden mit unserer Passage. Zumal uns während der Motorfahrt auch noch – endlich mal wieder nach langer Zeit und zwischenzeitlichem mehrmaligen Köderverlust – Angelglück mit hold war:

Ein bisschen Ceviche gab es gleich, drei große Portionen Thunfischfilet haben wir vakuumiert, sie sind in den Bordkühlschrank gewandert.

Und jetzt liegen wir hier auf dem zwar für drei Tage kostenlosen, aber deshalb auch ziemlich überfüllten Ankerplatz in der Cala Teulera vor Mahon.