Gratwanderung und Früchte

Unser zweiter Hike auf Mangareva geht nicht ganz so hoch hinaus wie der erste. Trotzdem starten wir wieder früh. Gut, denn so können wir uns erstmal beim Bäcker mit frischen Baguettes versorgen.

Ein kleines Stück weiter zeigt uns ein unscheinbares Schild an der Dorfstraße den Eingang zum “Chemin Traversier de Kirimoro”. Der Weg scheint durch einen Privatgarten zu führen. Am Zaun entlang zum hinteren Grundstücksteil und dann geht’s den Berg hinauf in den Wald hinein. Kirimoro ist ein kleines Dörfchen auf der Westseite von Mangareva und der Weg würde quer über den Inselrücken dort hinüber führen. Wir entscheiden uns aber, oben auf dem Bergrücken nach links abzubiegen und auf dem Grat entlang Richtung Süden zu wandern.

Es ist ein herrlicher Trail. In weiten Teilen sehr gut zu gehen und vom Kamm aus mit tollen Blicken zu beiden Seiten hinunter in die Buchten.

Zwei Steilstücke mit Kletterseilen geben dem Ganzen noch ein bisschen zusätzliche Würze, ohne dass es aber allzu anstrengend wird.

Mit alles in allem etwa zwei Stunden ist dieser Trail auch deutlich kürzer als unser Hike auf den Mont Duff (wo wir mit dem Umweg fast 6 Stunden unterwegs waren). Allerdings schließen die Wege aneinander an, wer mag, kann also nach Bedarf verlängern. Für mich ergibt sich die Verlängerung diesmal etwas unfreiwillig. Ich habe unterwegs meine Sonnenbrille verloren, wahrscheinlich ziemlich am Anfang. Als wir zurück in Rikitea sind, hänge ich also noch eine Schleife dran und finde das gute Stück tatsächlich auch wieder.

Das gibt mir außerdem Gelegenheit, auf der Dorfstraße auch noch ein kleines Stückchen weiter zu gehen und dem dort aufgestellten Tiki einen Besuch abzustatten. Tikis sind Holz- oder Knochenschnitzereien oder Steinmetzarbeiten, die einen ganz wesentlichen Bestandteil der polynesischen Kultur bilden. Sie zeigen eine stilisierte Menschengestalt, mit der eine spirituelle und kulturelle Kraft verbunden wird. Geschichtlich sollen sie bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen und ursprünglich von den Marquesas ausgegangen sein.

Der Stil dieser in ganz Polynesien (also von Neuseeland bis Hawai’i (Ki’i) und zur Osterinsel mit ihren Moai) verbreiteten Skulpturen ist je nach Region oder sogar Insel inzwischen sehr unterschiedlich.

Ein anderer Spaziergang führt uns in Rikitea zu Tetu. Daniela von der Yelo hatte uns in La Paz eindringlich ans Herz gelegt, auf Mangareva unbedingt Tetu und Murielle zu besuchen und liebe Grüße von ihr auszurichten. Machen wir natürlich gerne. Tetu seinerseits lädt uns sofort ein und führt uns durch seinen riesigen Garten – eigentlich fast schon ein Park – gefüllt mit allen möglichen Nutzpflanzen.

Sei es dieser Anattostrauch für seine Bienen (er ist auch Imker),

Paprika und Chili …

… oder vor allem eben Obstbäume in unfassbarer Zahl, wie hier die Guaven, die er uns gleich im Überfluss abpflückt.

Schwer beladen kehren wir zur Flora zurück, nicht ohne von Tetu auch noch für nächste Woche eingeladen worden zu sein. Dann möchte er uns gemeinsam mit seiner Frau zeigen, wie man am besten mit der uns bisher eher fremd gebliebene Brotfrucht umgeht.

So sieht Flora aus, nachdem wir Tetus Geschenke auf ihrem Heck ausgebreitet haben:

Mangos, Passionsfrucht, Pampelmusen, Zitronen, Chili und jede Menge Guaven. Nur die Gurke haben wir im Geschäft gekauft, Gemüse ist auf den Gambier ungleich weniger verbreitet als Früchte.

Danke, Tetu. Wir werden versuchen, uns nächste Woche irgendwie zu revanchieren. Geschenk und Gegengeschenk, so ist es üblich in Französisch Polynesien. Gar nicht so einfach bei einer solch überwältigenden Großzügigkeit.

Islas San Benito

Wir segeln weiter an der Pazifikküste der Baja California hinunter. Derzeit mit eher leichten Winden, nachts und vormittags meist aus östlicher Richtung, nachmittags aus nordwestlicher. Wir wechseln auf dem Törn zur Isla San Benito viermal zwischen Code0 und Gennaker.

Mit dem blauen Gennaker geht’s dann auch in die Nacht, farblich passend zum aufgehenden Vollmond.

Herrlich, bei fast glatter See zieht uns das Segel auch bei Fast-Flaute voran, erst zum Wachwechsel um 3.00 Uhr werfen wir dann doch den Motor an.

Am Morgen erreichen wir die Islas San Benito, eine kleine Gruppe von kargen Felseninseln etwa 25 km westlich der größeren Isla Cedros. Die Anfahrt zum Ankerplatz ist etwas tricky, denn unsere aktuelle C-Map-Charts auf dem Plotter sind hier extrem ungenau: ihnen zufolge würden wir auf der Insel ankern:

Die Navionics-Charts auf dem iPad sind sind hier besser, gaukeln uns allerdings bei der Anfahrt große Bereiche mit 30 m Wassertiefe vor, obwohl wir noch deutlich über Hundert Meter unter dem Kiel haben. Wir tasten uns in die Ankerbucht und finden: es lohnt sich! Sehr!

Auf Isla San Benito Oeste werden wir herzlich begrüßt. Zuerst von einem Pulk verspielter junger Seelöwen, die unser Dinghy zum Strand begleiten. Und an Land dann von den freundlichen Fischern. Sie arbeiten für eine Gesellschaft, die hier und an anderen Orten einfache Fishing-Camps unterhält. Die Fischer werden dann für 14 Tage im Wechsel zu diesen Camps geschickt. Derzeit ist Lobster-Saison, eines der hoch motorisierten offenen Boote haben wir draußen auch Körbe ausbringen sehen. Als wir an Land gehen, sind die Jungs allerdings gerade dabei, das Dach einer der Hütten instand zu setzen.

Zeit für einen kurzen Schnack ist trotzdem. Sie zeigen uns den Beginn des Pfades zu den beiden Leuchttürmen der Insel.

Vorbei an der türlosen und geduckt wirkenden Mini-Inselkirche …

… und dann in Serpentinen den Geröllpfad hinauf. Die Vegetation ist eher spärlich und niedrig. Aber trotzdem zum Teil wunderschön. Neben flachen, eher bodendeckenden Kakteen …

… findet sich Eiskraut, das mit seinen Papillen aussieht, als würden Tautropfen oder gar Kristalle an den Pflanzen haften.

Wilde Malven setzen weitere Farbtupfer in die Landschaft.

Aber einzig die Agaven ragen etwas in die Höhe, weshalb die zahlreichen Raben sie gerne als Aussichtspunkt wählen, egal ob die Blütenstände schon abgestorben sind oder sich noch in gelbgrüner Pracht zeigen.

Der niedrige Leuchtturm auf dem 200 m hohen Hügel in der Inselmitte steht offen, über Alu-Leitern können wir bis zur Optik mit den Fresnel-Linsen hinaufsteigen.

Und der Ausblick vom umlaufenden Balkon über die Inselgruppe mit Flora am Ankerplatz und bis hinüber zur Isla Cedros ist phantastisch:

Die Drohne kann das noch toppen, indem sie auch noch die Brandung an der Westküste mit erfasst. Was für eine wilde, kraftvolle Landschaft:

An den Stränden der abgeschiedenen Inselgruppe finden sich neben Seelöwen auch mehrere Kolonien der deutlich selteneren Seeelefanten.

Von Kämpfen um seinen Harem gezeichneter Seeelefantenbulle
Ja, es riecht etwas …

Zurück im Camp rufen uns die Fischer zu ihrer Küchenhütte und schenken uns gleich einige Lobsterschwänze. Was für eine Gastfreundschaft! Bedanken können wir uns, als wir ihnen später über unser Starlink-WLAN aus der Abgeschiedenheit der Insel Kontakt zu ihren Familien ermöglichen.

Sidney. Per Luftkissen an Land. Erschreckendes Seeventil. Und wunderbare Gastfreundschaft.

Eine Woche sind wir schon in Sidney. Von Victoria aus gleich um die Ecke im Südosten von Vancouver Island und damit in unmittelbarer Nähe der Gulf Islands gelegen, ist Sidney so etwas wie das Segler-Mekka auf Vancouver Island. Ein knappes Dutzend Yacht Clubs und Marinas gibt es hier, dazu die entsprechende Infrastruktur von Segelmachern bis zu Motor-Mechanikern und Elektronik-Spezialisten.

Für uns eine gute Gelegenheit, Flora für den nächsten langen Schlag nach San Francisco fit zu machen. Wir entschließen uns, unser Boot für ein paar Tage aus dem Wasser zu nehmen und ein paar kleinere Wartungsarbeiten durchzuführen.

Aber erst einmal ankern wir in der Roberts Bay, direkt am Haus unserer Freunde Melanie und Chris. Na ja, fast. Ein bisschen Vorsicht ist geboten, der innere Teil der Bucht fällt bei Ebbe trocken, man sollte also nicht bis zu den (ohnehin als privat gekennzeichneten) Bojen fahren. Aber die Seekarten sind akkurat und wir sind ohnehin gewarnt.

Es ist schon klasse, im Garten zu sitzen und das eigene Boot vor Anker beobachten zu können.

Oder aber bei Sonnenaufgang aus dem Fenster.

Das Foto hat Chris gemacht, aber es hätte auch von uns sein können. Denn schon am zweiten Abend paddeln wir nicht mehr zur Flora, sondern beziehen das Gästezimmer im Haus unserer Freunde.

Wir machen gemeinsame Ausflüge und Fahrradtouren, besuchen den privaten Blumenpark Butchart Gardens mit Karussellfahrt, anschließendem Picknick und großem Feuerwerk, machen eine Einkaufstour (Wolle und Kamera) nach Victoria, werden bekocht, gehen Essen und besuchen Freunde der beiden, feiern Chris’ Geburtstag, kurz: wir werden so richtig verwöhnt.

Orca ganz nah (und ganz freundlich)

Aber na klar, auch etwas Arbeit auf Flora steht an. Die neue Armatur in der Pantry installieren wir noch vor Anker. Hört sich einfach an, erfordert aber doch einiges an Boots-Yoga und ein paar Anpassungen an den Anschlüssen. Ein wenig Blut und einige Flüche gehören nun mal zu jeder anständigen Bootsarbeit …

So siehts aus, endlich tropft der Wasserhahn nicht mehr (und deshalb müssen wir auch nicht mehr nachts die sonst regelmäßig anspringende Frischwasserpumpe ausstellen).

Aber die anderen Arbeiten heben wir uns für Floras Landaufenthalt auf. Insbesondere zwei Seeventile sehen nicht mehr sehr Vertrauen erweckend aus, sie und die dazu gehörenden Borddurchlässe sollen getauscht werden. Der Log/Lot/Temperatur-Geber kommt ebenfalls neu. Außerdem hat unser Unterwasserschiff hier im kalten aber an Nährstoffen reichen Wasser des Nordpazifiks etwas Pelz angelegt.

Bei Philbrooks an der Van Isle Marina gehen wir aus dem Wasser. Diesmal nicht wie sonst per Travellift (also per fahrbarem Kran, der Flora mit Schlingen unter dem Bauch hochhebt). Statt dessen bringt ein “45 t haul out self propelling trailer” unser Schiff aufs Trockene.

Und das geht so: Flora liegt am Steg vor der Rampe. Wie von einem überdimensionierten Unter-Wasser-Gabelstapler wird Flora auf die Hörner genommen, links und rechts vom Kiel werden per Fernsteuerung die langen Metallarme (mit großen Luftschläuchen darauf) unter Floras Rumpf platziert. Dann wird das Ganze hydraulisch hoch gepumpt (bzw. die darunter liegenden Räder nach unten gegen die Rampe gepresst. Das alles ohne irgendwelche Abspannung des Bootes, ganz schön aufregend für uns. Flora bleibt waagerecht und wird auf dem jetzt schrägen Gefährt die Rampe hoch gezogen und an Land gesetzt.

Das Coppercoat des Unterwasserschiffs wird nach dem Hochdruck-Reinigen mit 320er Papier angeschliffen. Decken, Vorhänge und Teppiche kommen raus, Waschmaschine und Teppichreiniger unserer Freunde laufen im Hochbetrieb. Was für ein Luxus, wir können bequem in ein paar Minuten von der Marina zum Haus unserer Freunde laufen. Und für die Teppichladung werden wir von Melanie und Chris sogar im Auto chauffiert.

Bootsteppich trocknet mit Aussicht hinterm Haus
Gardinen im Vorgarten

Die Opferanoden hat die Taucherin in Campbell River vor zwei Monaten kontrolliert: “sind noch gut”. Wohl eher nicht, gut dass wir sie jetzt checken und tauschen können.

Opferanode der Antriebswelle alt/neu
Opferanode Propeller alt/neu

Und die Borddurchlässe/Seeventile? Eins überlebt den (allerdings verschärft durchgeführten) Rütteltest nicht und bricht im Verbindungsstück zwischen Seeventil und Seewasserfilter ab:

Die rote Bruchstelle sieht schwer nach galvanischer Korrosion/Entzinkung aus. Das betroffene Fitting wurde bei der nachträglichen Installation des Wassermachers in Griechenland eingebaut. Möglicherweise war es Messing statt gegen Seewasser beständigerer Bronze, aber wir haben ab jetzt ein besonders wachsames Auge auf unsere Borddurchlässe. Alle werden noch einmal gecheckt, drei lassen wir von Philbrooks tauschen.

Aber jetzt ist erst einmal langes Wochenende: Montag ist “British Columbia Day” und damit arbeitsfrei. Mittwoch soll Flora zurück ins Wasser.

Zeit, erstmal bei “Tim’s“ Kaffee und Croissants zu holen. Melanie: “Ihr wart noch überhaupt nicht bei Tim Hortons? Dann lassen Euch die Zöllner bestimmt nicht aus Kanada ausreisen!” Die von der kanadischen Eishockey-Legende Tim Horton gegründete Kaffeehaus-Kette ist wohl eine kanadische Institution.

😇

Endlich wieder mit Flora unterwegs!

Leinen los. Wir sind wieder unterwegs.

Die Vorbereitung mündet in einer Punktlandung. Zwei Tage vor Abfahrt wird das Update für den Autopilot installiert, ab jetzt versteht sich Floras elektrische Selbststeuerung auch mit dem neuen Plotter. Direkt am Tag vor der Abfahrt verkaufen wir privat (über Facebook Marketplace) unser Auto, nachdem uns der Händler ein nur als “unverschämt” zu bezeichnendes Angebot gemacht hatte. Fast wäre das der Verkauf noch daran gescheitert, dass die Belastungsabfrage einen Kredit auf dem Auto ausgewiesen hat, obwohl derselbe Händler uns das Auto als lastenfrei verkauft hatte (wozu er in Kanada gesetzlich verpflichtet ist). Aber mit Wulfs Hilfe können wir zum Glück rasch klären, dass nur die Löschung wegen Ablösung des Kredits im Verwaltungsweg untergegangen ist.

Wulf, Lynn und Lorraine lassen es sich auch nicht nehmen, uns bei der Abfahrt am Steg zu verabschieden, Hund Fritz ist natürlich auch dabei. Lieben Dank für alles, Ihr habt Campbell River für uns zu einem ganz besonderen Ort gemacht.

Ein letzter Blick zurück auf Campbell River …

… dann schauen wir nach vorn. Wir fahren über die Strait of Georgia zu den Fjorden auf der Festlandsseite.

Direkt ans Festland geht es aber nicht, wir haben uns als erstes Ziel Prideaux Haven im Desolation Sound ausgesucht. Ein Inselgewirr mit tollen Ankerplätzen in einer bezaubernden Landschaft.

Wie unterschiedlich Geschmäcker sein können, wie sehr Wetter und Stimmung das Empfinden beeinflussen, das lässt sich beim Namen “Desolation Sound” leicht ableiten. Captain George Vancouver hatte 1792 ziemlich schlechtes Wetter hier, zudem litt seine Crew unter Lebensmittelvergiftungen durch Muscheln. Den erkundeten Tiefwasser-Meeresarm, der einmal mehr eine Sackgasse und eben nicht die Nordwest-Passage war, nannte er Desolation Sound (Desolation = Trostlosigkeit, Verwüstung). Heute aber – noch dazu bei bestem Wetter – ist der Sund als Naturschönheit bekannt. Die Provinz hat einen Marine Park eingerichtet, aber man darf in dem Schutzgebiet ankern.

Insbesondere in der Hochsaison wird das auch rege genutzt. Wenn es eng wird, wird halt mit Landleine geankert. Um die Bäume zu schützen, gibt es für die Landfesten “Stern Tie Anchor Pins”, extra gekennzeichnete Ketten, die von gelben Markierungen oberhalb der Hochwasserlinie bis zum Wasser herab reichen. Sehr praktisch bei drei bis fünf Meter Tidenhub und den scharfkantigen Muscheln auf den Felsen.

Ohnehin haben auch die Gezeiten selbst hier um die Strait of Georgia einige Besonderheiten. Statt einfach nur alle 6 Stunden hin und her zu schwappen, bilden sich durch die lokalen Gegebenheiten ganz variable Tiden heraus ( hier ein Auszug aus der offiziellen kanadischen Seite zur Tidenvorhersage):

Schön zu erkennen, dass im Monatslauf die Tiden speziell in den Tagen nach Neumond und Vollmond fast regelmäßig auftreten und als Springtiden eben auch kräftiger ausfallen, typischerweise nach Halbmond sich aber eine große und eine manchmal kaum vorhandene kleine Tide abwechseln (besonders in Campbell River und der Owen Bay).

Jetzt, Ende April, finden wir die Inselwelt des Prideaux Haven zum Glück alles andere als überlaufen vor und können frei in der Mitte der von uns ausgesuchten Bucht südlich der Williams Islands ankern.

Direkt vor dem begehrten “Fenster”, dass den Blick auf die schneebedeckten Spitzen der Berge ermöglicht, der sonst von den bewaldeten steilen Inseln verdeckt wird.

Was für ein Start. 😁

Back Home. Zurück auf der Flora.

Und, wie fühlt es sich an, nach gut 20.000 km (!!!, was für ein wunderbarer Roadtrip zweimal quer durch die USA) im Auto wieder auf Flora zu sein?

Gut 😊. Sehr gut 😃 😀.

Über vier Monate haben wir unser Boot allein gelassen. Und das auch noch in Kanada, im Winter, im Wasser. Der relativ warme und salzige Pazifik sorgt aber dafür, dass die Häfen, sofern sie nicht gerade von Frischwasser aus einem Fluss durchflossen werden, praktisch eisfrei bleiben. Na ja, und „allein“ stimmt eigentlich nicht. Zum einen, weil der Sportboothafen hier in Campbell River auch im Winter gut belegt ist. So gut sogar, dass wir keine Box bekommen konnten, sondern längsseits auf der Südseite des F-Steges liegen. Trotz der hohen Molen führt das dazu, dass Flora bei den im Winter häufigen kräftigen Südostwinden kräftig auf den Steg gedrückt wird. Also haben wir sie extra gut abgefendert und – der zweite Grund warum Flora nicht wirklich allein war – Lynn und Wulf gebeten, ein Auge auf unser Boot zu haben. Was heißt gebeten, eigentlich haben die beiden es uns sogar angeboten. (Wie wir die beiden kennengelernt haben und welche Gastfreundschaft sie uns schon im Herbst haben zukommen lassen: hier und hier und hier.)

Der Bewuchs am Unterwasserschiff (Coppercoat) hält sich in sehr engen Grenzen, obwohl Flora ja nicht bewegt wurde. Lediglich ein paar Fussel, keine Seepocken.

Und auch sonst macht Flora von außen einen guten Eindruck. Die dauerhaft aufgebaute Kuchenbude hat an den Spi-Winschen zwei kleine Scheuerstellen, sonst ist augenscheinlich alles in Ordnung. Und drinnen?

Die Winterlieger hier im Hafen (also auch wir) zahlen neben den Hafengebühren einen Pauschalbetrag für Elektrizität und haben dafür in den Booten kleine Elektroheizungen auf Frostwächterstufe laufen. Oder, wenn sie an Bord sind, auch auf höherer Stufe. Wulf hat in unserer Abwesenheit zigmal gecheckt, ob alles in Ordnung ist, sogar eine weitere Heizung ins Boot gestellt und dafür ein dickeres Zuleitungskabel gelegt. Außerdem immer mal wieder den Motor gestartet und einige Zeit laufen lassen. Und so finden wir Flora bei unserer Ankunft in einem richtig guten Zustand vor. Kein Schimmel, kein muffiger Geruch.

Was für eine Riesen-Erleichterung! Danke, Lynn und Wulf.

Unser Zuhause riecht und fühlt sich an, als wären wir gar nicht lange weg gewesen. Und das, obwohl wir auf einen elektrischen Luftentfeuchter verzichtet hatten. Nur mehrere „DampRid“ hatten wir in die Schränke gehängt. Das sind Luftentfeuchter, die über katzenstreu-ähnliche Körner die Feuchtigkeit aufnehmen und in Plastikbeuteln sammeln. Sie waren bei unserer Rückkehr überwiegend etwa zur Hälfte gefüllt. Funktion erfüllt.

Und was machen wir jetzt hier?

Erstmal ankommen, Vorräte aufstocken, neben Lynn und Wulf Freunde auch von der „Pitou“ und der „Fidelis“ treffen. Die mitgebrachten Ersatzteile einbauen.

Also zum Beispiel die am Schaft tropfende Seewasserpumpe des Dieselgenerators ausbauen und dann gemeinsam mit Wulf in dessen umfangreich ausgestatteter Werkstatt komplett auseinander nehmen, ein Lager und zwei Dichtungen tauschen und alles wieder zusammenbauen (den Impeller natürlich auch noch wechseln).

Wulf schenkt mir sogar noch eine Sprengringzange (oops, der Sprengring hat es gar nicht aufs Bild geschafft). Wir sind bisher leichtfertigerweise ohne unterwegs gewesen, aber diese Reparatur ging deutlich besser mit.

😎

Und dann auf dem Bauch über dem Motorblock liegend die Seewasserpumpe wieder in den Generator einbauen. Zwei Muttern lassen sich leicht sichern, eine sitzt an einer schwer zugänglichen Stelle, die vierte muss man „blind“ einsetzen und hat etwa einen halben Zentimeter Platz für die Bewegung des Schraubenschlüssels. War natürlich beim Ausbau auch schon so, aber da ging‘s trotzdem leichter. Gibts eigentlich ein Technik-Gesetz, dass das bei Arbeiten im Motorraum so sein muss?

Aber: Erfolgsmeldung. Der Dieselgenerator funktioniert und die Seewasserpumpe tropft nicht mehr.

Die nächste Operation dann am Wassermacher, die Durchflussanzeige muss ersetzt werden. Auch dass ein kleines Spezialteil, dass wir uns nach Deutschland hatten schicken lassen. Hier klappt der Einbau unproblematisch, allerdings wird der Test erst erfolgen, wenn wir wieder unterwegs sind. Hafenwasser mögen die Membranen nicht gern.

Wir räumen unsere Sachen wieder ein, stauen ein bisschen um und schaffen dabei auch Platz für die aus Deutschland mitgebrachte Nähmaschine, kaufen Sunbrella-Stoff für den schon lange geplanten Schutzbezug des Kohlefaser-Spinnakerbaums und für die Flicken auf der Kuchenbude. Und, wo wir schon dabei sind, gleich auch noch Blusenstoff für Wiebke. Mal sehen, ob wir um die Nutzung der Nähmaschine würfeln müssen …

Na ja, der oder die jeweils andere kann ja stricken. Die Wollvorräte aus den diversen auf dem Roadtrip besuchten Yarn Shops dürften noch eine ganze Zeit vorhalten. Und der im Nachbarort soll gerade Ausverkauf haben …

🤣

Thanksgiving in Washington DC: Familie, Oz und Hirshhorn-Museum

Es ist unser erstes Thanksgiving-Fest in den USA. „Erntedankfest“ passt schon irgendwie, ist aber trotzdem eine unzureichende Übersetzung. Denn anders als unser deutsches Erntedankfest ist Thanksgiving in den USA ein nationaler Feiertag. Und nicht nur das, sondern zugleich das wichtigste Familienfest des Jahres, Thanksgiving rangiert in dieser Bedeutung noch über Weihnachten.

Zugleich wird aber mit Thanksgiving die Weihnachtszeit eingeläutet. Gefeiert wird am 4. Donnerstag im November. Fun fact: Präsident Lincoln setzte den letzten Donnerstag im November als Termin fest, Roosevelt versuchte es ab 1939 (mit fünf Donnerstagen im November) auf den vorletzten Donnerstag zu verschieben, um die vorweihnachtliche Einkaufszeit zu verlängern. Nach ein bisschen Konfusion fand man den Kompromiss: 4. Donnerstag im November.

Ein Ritual unserer Gastgeber: kein Thanksgiving ohne „The Wizard of Oz“. Den Film von 1939 mit Judy Garland sah ich als Kind mal im Fernsehen, daran erinnere ich mich noch. Aber die Verknüpfung von „nach Hause kommen“ mit der Ermutigung Verstand, Herz und Courage in sich selbst zu finden, das hatte ich damals nicht so abgespeichert. „You can do it!“

DAS Thanksgiving-Ritual schlechthin dreht sich natürlich um den Truthahn. Sei es die öffentliche Überreichung eines lebenden Truthahns durch Industrievertreter im Weißen Haus an den Präsidenten (der den Truthahn in den letzten Jahrzehnten dann üblicherweise begnadigt hat) oder eben das traditionelle Truthahnessen im (erweiterten) Familienkreis. Und an einem solchen dürfen wir teilnehmen. 😊

Der von Michael zubereitete Truthahn steht zwar im Mittelpunkt, aber die Tafel biegt sich unter der Last des gemeinschaftlich erstellten Schlemmermenüs im Haus von Gregs Bruder Ricky, wo die große Familie sich eingefunden hat. Genau genommen passt das alles gar nicht einmal auf die veritable Tafel. Stuffing, also die Füllung, gebackener Kochschinken, Cranberry-Soße und Bratensoße, Kartoffelstampf, Brot, Kürbis-, Süßkartoffel- und Blaubeer-Pies, geröstetes Gemüse, kandierte Süßkartoffeln, Süßstaaten-Grünkohl (collard greens), Mac and Cheese, Pilze und und und … Zusätzlich diverse Kuchen zum Nachtisch.

😋

Danke, dass wir dabei sein durften.

Was machen wir sonst so in den Tagen vor unserem Flug nach Europa? Ausflüge, zum Beispiel nach Washington DC und von den vielen Museen dort wählen wir diesmal das Hirshhorn Museum of Modern Art.

(Lin Tianmia)

(Laurie Anderson)

Ein ganz anderes Abenteuer

Ziemlich genau vor einem Jahr sind wir aus der Chesapeake Bay aufgebrochen, die US-Ostküste hinuntergesegelt (die in diesem Jahr aktuell von “Nicole”, einem eher seltenen Novemberhurrikan heimgesucht wurde), über Mexiko, Panama, Galápagos, Hawai’i, Alaska und durch British Columbia bis nach Vancouver Island gesegelt. 12 Monate, gut 13.000 Seemeilen!

Und jetzt wollen wir von Seattle aus mit dem Auto quer durch die Vereinigten Staaten zurück zur Chesapeake Bay fahren (direkte Strecke ca. 4.370 km,) und spätestens an Thanksgiving am 24.11. in Washington sein. Von heute aus also in zwei Wochen.

Das wird ein weiteres, ganz anderes Abenteuer. Zumal wir ein paar Abstecher eingeplant haben und uns ziemlich nördlich bewegen. Mit Bedacht haben wir uns ein Allradauto ausgesucht und zusätzlich Schneeketten gekauft. Es ist schon winterlich in den Rocky Mountains, und da wollen und müssen wir nun mal rüber.

Einen ersten Vorgeschmack bekommen wir gleich nachdem wir Seattle in Richtung Osten auf der Interstate 90 verlassen haben. Gleich hinter der Stadt beginnen die Berge. Noch nicht die hohen Rocky Mountains, erstmal “nur” die Issaquah Alps und die Cascade Range. Und trotzdem, gerade noch die Segelboote auf dem Puget Sound und jetzt:

Noch vor dem 919 m hohen Snoqualmie Pass biegen wir von der Interstate ab und wandern zu den Franklin Falls.

Winter-Wunderland. Aber die Weiterfahrt beschert uns nochmal eine Pause vor dem weiteren Winter, denn östlich der Cascade Range zeigt sich Washington State ganz anders: extrem trocken. Selbst auf Google Earth im großen Maßstab lässt sich das leicht nachvollziehen, die Farbe wechselt von Grün nach Braun. Die Cascade Range hält die Niederschläge ab, erst die deutlich höheren Rocky Mountains werden wieder bedacht.

Für uns verheißt das bei unserem Besuch der Segelfreunde in Ellensburg schönes Wetter und blauen Himmel.

George und seinen Sohn Ben mit ihrer “Island Time” hatten wir in der Kwatsi Bay kennengelernt und in Campbell River nochmals getroffen. Die Gastfreundschaft von ihnen und Georges Frau Lucy ist umwerfend. Weil ihre Mieter gerade ausgezogen sind, sollen wir doch gerne ihr sonst vermietetes Haus in der Nachbarschaft beziehen.

Sprachlos.

Auch sonst werden wir rundum verwöhnt, bekommen die Universität und die Stadt gezeigt, klönen und diskutieren viel (die US-Midterm-Elections sorgen nochmal für zusätzlichen Gesprächsstoff). Haben einen tollen Abend mit Freunden und Verwandten der drei. Aber auch Zeit für uns, um uns einen ruhigen Tag nach der in Ellensburg vorgenommenem Booster-Impfung mit dem neuesten Covid-19-Impfstoff zu gönnen.

Zum Abschied begleitet uns der passionierte Felsenkletterer Ben noch ein ganzes Stück mit dem Auto und zeigt uns die Frenchman Coulee, einen tollen Ort zum Hiken und Klettern in der wüstenähnlichen Landschaft eines tiefen Canyon.

Für uns geht es danach weiter gen Osten auf der i90, dem mit über 3.000 Meilen längsten US Interstate Highway. Hinter Spokane beginnt der Anstieg in die Rocky Mountains, wir fahren durch den Panhandle von Idaho, dann weiter nach Montana. Von dort soll es in den Yellowstone Nationalpark gehen. Die meisten Straßen dort sind zwar gesperrt und werden erst im Dezember wieder geöffnet – dann aber auch nur für Snowmobile! Der nördliche Eingang und ein kleiner Teil der Straßen ist derzeit noch offen, das werden wir morgen ausprobieren.

Was das Reisen ausmacht …

… sind vor allem anderen die Begegnungen.

Wir fahren bei mäßigem Wetter von Hoonah aus die Icy Strait hinauf und ein kleines Stück den Lynn Canal (der große Verbindungsfjord, der nach Skagway hinauf führt). Dann biegen wir aber gleich wieder ab in die Funter Bay.

Ein schöner, unspektakulärer Ankerplatz. Nicht völlig einsam, im Süden der Funter Bay ist vor den langsam verfallenden Ruinen der alten Fischkonsenvenfabrik ein öffentlicher Ponton verankert, an dem man kostenlos festmachen darf. So etwas gibt es hier häufiger mal. Wir entscheiden uns aber für den nordöstlichen Arm, die Crab Cove. Im Scheitel der Bucht stehen mehrere Häuser am Waldrand. Ein deutlich kleinerer Ponton ist außerhalb der trockenfallenden Zone verankert, er scheint privat zu sein, ein Aluboot mit Außenborder ist offenbar schon länger daran festgemacht. Wir ankern noch einmal um, nachdem wir unseren Schwoikreis kontrolliert haben. Bei gut 4 m Tidenhub kämen wir bei Ebbe doch sehr nah an den Flachwasserbereich, etwas mehr Abstand sorgt für besseren Schlaf. Ein paar Bojen von Krebsfallen sprenkeln die Wasseroberfläche, kein Wunder beim Namen der Bucht. Vielleicht haben wir hier ja mal Erfolg beim “Crabbing”, also bringen wir gleich unseren Krebskorb aus.

Am nächsten Morgen wundern wir uns über eine kleine Versammlung auf dem Ponton. 6 Leute stehen im Regen und unterhalten sich. Beim ersten flüchtigen Hinsehen halte ich sie für Fischer. Als ich nach dem Kaffee aus dem Fenster sehe, kommt gerade eine Frau mit einem Hund im Kajak dazu. Hm, doch keine Fischer. Drei Männer und drei Frauen stehen auf dem kleinen Floß, außerdem können wir jetzt auch Gepäckstücke erkennen.

Wir fragen doch mal nach, ob sie ein Shuttle brauchen, ich fahre mit dem Dinghy rüber und werde sehr freudig empfangen. Sie wollen zum Haus und der Cabin von Joan (der Frau mit dem Hund). Das Taxiboot aus Juneau konnte bei dem niedrigen Wasserstand nicht nahe genug an den Strand fahren und das Boot von Joan liegt noch für ein paar Stunden hoch und trocken. Also bringe ich sie mit ein paar Fuhren hinüber. Joan nimmt mir das Versprechen ab, dass wir auf jeden Fall noch vorbeikommen müssen.

Wiebke und ich frühstücken gemütlich und fahren dann beide hinüber. Kurz, wie wir denken, eigentlich wollen wir ja gleich Anker auf gehen. Aber es kommt anders. Das Haus ist super gemütlich. Wir bekommen eine Tasse Tee mit Blick auf unser Schiff und schnacken uns gleich fest.

Es ist nur mit dem Boot oder per Wasserflugzeug erreichbar, eine Straße führt nicht einmal in die Nähe. Stromanschluss gibts ebenfalls nicht, Solarpanels und ein Dieselgenerator versorgen die 12-Volt-Batterien, wie auf unserem Boot. Wasser wird aus dem oberhalb des Hauses angestauten Bach gezapft und von da per Fallrohr zum Haus geleitet. Gasflaschen, Diesel, Lebensmittel, das muss alles per Boot mitgebracht werden.

Als die Flut das Boot von Joan wieder flott gemacht hat, holen wir das Gepäck, Wiebke shuttelt die Koffer und Lebensmittel mit Joans Quad.

Dann wollen die Jungs aus Texas fischen gehen. Sie haben Angelruten und Krebskörbe mitgebracht, Greg macht auch mir gleich eine Angel fertig und erklärt, wie das Setup für Heilbuttfischen am besten funktioniert. Als Köder befestigt er mitgebrachte Heringe auf den Doppelhaken hinter dem Gewicht. Zwischen den vorgelagerten Inselchen lassen wir das Boot langsam driften, die Köder knapp über dem Grund werden durch Auf- und Abwippen mit der Angel immer wieder in die Höhe gezogen und heruntergelassen. Jig-Fischen (oder Pilken beim Dorschfischen in der Ostsee, danke an Michael von der Samai für den Hinweis).

Erfolgreich. Nach weniger als 5 Minuten habe ich den schönen Heilbutt im Boot. Auch die anderen haben Angelglück, innerhalb einer halben Stunde fangen wir vier Heilbutte (die Schollen und Rockfische gehen gleich wieder ins Wasser zurück).

Das wird ein Festessen, zumal wir aus Joans Krebsfallen auch noch fünf fette Dungeness-Krebse holen (unsere ist natürlich leer, war aber auch nicht so lange drin).

Die Krebse werden gekocht, die Heilbuttfilets zünftig über auf einem Bett aus Skunk-Cabbage-Blättern auf Zwiebeln und Knoblauch gegrillt.

Es wird ein wunderschöner, sehr langer Abend mit tollen Gesprächen. Danke an Joan, an Anna und Greg, Jennifer und Alex, Lissette und Pedro für Eure Gastfreundschaft.

Kaua’i und letzte Vorbereitungen

Die nördlichste – viele sagen: die Schönste – der größeren Inseln des Hawai’i-Archipels wollen wir gerne noch besuchen: Kaua’i.

Auf dem Weg dorthin ankern wir für eine Nacht im Vorhafen von Haleiwa im Norden von O’ahu. Aber schon um 3.00 Uhr nachts geht es weiter, denn vor uns liegen 90 sm bis Kaua’i.

Es wird ein Segeltag mit idealen Bedingungen, trotzdem grummelt es leicht im Magen. Aber um 18.00 laufen wir in die wunderschöne Hanalei-Bucht auf Kaua’i ein. 15 Sunden, wie geplant noch bei Tageslicht, die frühe Abfahrt war gut getimt.

Hier rücken die Berge nah an die Küste, nach Westen hin schließt sich die spektakuläre Nā Pali Küste an, die wir bei der Abfahrt Richtung Alaska noch näher anschauen wollen. Landseitig ist sie kaum zugänglich, der ansonsten am Ufer entlang um die Insel führende Highway 560 bricht dort ab. Nach Osten hin ist es etwas flacher und entlang des hier mündenden Hanalei River gibt es sogar (Wasser-) Felder, überwiegend wird hier Kalo (=Taro) angebaut. Die Knollen dieser Pflanze werden zum traditionellen Hawaiianischen Grundnahrungsmittel Poi verarbeitet, die Blätter zum Beispiel für Lau Lau genutzt, ein weiteres traditionelles hawaiianisch-polynesisches Gericht, in seiner ursprünglichen Form im Erdofen gegart.

Das ich diesen Ausblick habe, verdanken wir der unglaublichen Gastfreundschaft hier. Mit dem Dinghy fahren wir in den Hanalei River, im Gepäck Rucksäcke für den letzten Einkauf von frischen Lebensmitteln und unseren Hackenporsche mit zwei Zwanzig-Liter Kanistern, deren Diesel wir zuvor in den Schiffstank geschüttet hatten und die nun wieder aufgefüllt werden sollen. Zur Tankstelle ist es ein langer Fußmarsch, aber es soll auch einen stündlich fahrenden Bus geben. Ist allerdings fraglich, ob der uns mit Kanistern einsteigen lassen würde. Ein Stück den Fluss hinauf legen wir am Ufer an und binden das Dinghy an einer Palme fest. Riley sitzt daneben im Liegestuhl hinter seinem Truck. Wir kommen ins Gespräch, fragen ihn nach dem Weg zur Tankstelle. Er beschreibt uns den Weg, “aber das könnt ihr nicht laufen. Ich würde Euch ja fahren, aber da ist mir jetzt zu viel Verkehr. Nehmt einfach meinen Truck. Schlüssel steckt.” Machen wir, ich setze Wiebke am Supermarkt ab, fahre zur Tankstelle. Das wäre zu Fuß tatsächlich nicht nur weit, sondern auch schwierig geworden. Es geht ziemlich steil den Berg rauf und die schmale Straße hat keinen Randstreifen und erst recht keinen Fußweg. Danke, Riley. Wir laden ihn auf ein Bier zu uns auf die Flora ein und es wird ein angeregtes, spannendes und persönliches Gespräch.

Wie an fast allen Ankerplätzen sind auch in Hanalei viele Auslegerkanus unterwegs. Wie sehr das auf Hawai’i Volkssport ist zeigt sich heute, als am Ufer Zelte aufgebaut werden und vor dem Strand eine Rennstrecke abgesteckt wird. Den ganzen Tag schallen die Kommandos der Bootsführer und die Anfeuerungsrufe der vielen Zuschauer zu uns herüber.

Trotz immer wieder auch trauriger Gedanken, heute sind wir genau drei Jahre unterwegs. das wollen wir würdig begehen. Wiebke backt einen Jubiläumskuchen (eine Variation von Tante Christas Zitronen-Baiser).

Fahren wir morgen wirklich los? Nein, einen Tag geben wir uns noch. Also Abfahrt am Montag. Es sei denn, der Wetterbericht ändert sich noch einmal. Waren zuletzt in flotter Folge Tiefs durchgezogen, scheint sich jetzt das nordpazifische Hochdruckgebiet mit etwa einem Monat Verzögerung (La Niña bedingt) zu stabilisieren. Unsere Route um dieses Hoch herum wäre dann etwa 2.600 Seemeilen lang, würde aber günstigere Winde erhoffen lassen, Segelzeit dann vielleicht drei Wochen. Für den direkten Weg (2.300 sm) hatte unser Routenprogramm zwischendurch auch schon mal 30 Tage ausgewiesen, zu viel Gegenwind und Flauten. Dann doch lieber so:

Aloha.

Amerikanische Gastfreundschaft

In Reedville machen wir einmal mehr Bekanntschaft mit großzügiger amerikanischer Gastfreundschaft. Wir ankern im Back Creek. Steve und Helena sind dagegen mit ihrer Amalia an den Steg von Mary und Walt gegangen. Sie hatten die beiden über den OCC kennengelernt (Ocean Cruising Club, quasi das englisch internationale Pendant zu unserem Verein TransOcean).

Am Abend nach Halloween werden wir mit zum Sundowner ins Haus von Mary und Walt eingeladen. Die beiden bieten uns großzügig an, bei ihnen Wäsche zu waschen, das schnelle Wifi zu nutzen, Müll da zu lassen (nehmen wir gern in Anspruch). Es folgen noch weitere Sundownerabende mit angeregtem Gesprächen, einmal bekocht Mary sogar die ganze Bande.

Gemeinsam mit Helena, Steve, deren Kurzzeitbesuch Luda und Dave sowie eben Mary und Walt gehts am nächsten Tag zum Lunch in das nette rustikale Leadbelly Restaurant bei der Fairway Marina. Luftlinie nicht weit entfernt, aber durch die Umwege um die Creeks herum dann doch ein ganzes Stück mi dem Auto zu fahren.

Fahren würden sie uns auch zum Einkaufen, außerdem bieten sie uns an das Dock des Nachbarn zu nutzen, … aber wir wir möchten sie nicht überstrapazieren und fühlen uns auch sehr wohl vor Anker. Trotzdem, bevor wir nach 5 Tagen wieder weiter segeln, gehen wir doch noch einmal kurz bei der Amalia längsseits und bunkern am Steg Frischwasser. Unseren Wassermacher haben wir nämlich noch nicht wieder in Betrieb genommen, das trübe Chesapeakewasser setzt die Filter sonst recht schnell zu.

Übrigens ist es inzwischen recht frisch geworden hier, nachts geht es runter bis auf 5 Grad Celsius. Wird wirklich Zeit, weiter nach Süden zu segeln. Also nicht wundern, warum die Kuchenbude aufgebaut ist 😊. Sie wird auch ihrem Namen entsprechen genutzt:

Pure Vida.