Verschiedene Blicke auf Beaufort

North Carolina. Ganz deutlich Südstaaten. Wie man sich das nach „Vom Winde verweht“ oder „Fackeln im Sturm“ so vorstellt. Wobei, hier in Beaufort NC orientiert sich der Ort eher nicht an alten Großplantagen, sondern an seiner maritimen Tradition, der Ausrichtung zur See hin. Mit ihren Piraten (Blackbeard soll hier ein Haus gehabt haben), vor allem aber der Fischerei. Die hat früh die Basis für den Ort gelegt, 1709 gegründet ist Beaufort die drittälteste Stadt in North Carolina.

Ganz aktuell zeigt sich die sehr lebendige Fischereitraditon in dem „63rd Annual Big Rock Blue Marlin Tournament“, das diese Woche hier in Beaufort und Morehead stattfindet. Ein Angelwettbewerb, o.k., aber einer, der es in sich hat und die Bedeutung des Sportfischens für die Amerikaner auf eine Weise unterstreicht, die in Deutschland wahrscheinlich nur sehr schwer verständlich ist. 270 Boote haben sich für den Wettbewerb angemeldet, im Schnitt so etwa 50 bis 60 Fuß lang. Die größte (soweit ich das gesehen habe) ist die 97 Fuß lange Weaver97 „18 Reeler“. Knapp 40 kn (74 kmh) schafft sie in der Spitze, bei Cruising-Speed von immer noch rund 30 kn verbraucht sie dann etwa 620 Liter Diesel. Pro Stunde wohlgemerkt. Da müssen dann auch die Preisgelder des Wettbewerbs exorbitant sein, über drei Millionen Dollar Preisgeld werden insgesamt ausgeschüttet, der Sieger bekommt alleine mindestens eine Million Dollar. Die Meldegebühren allerdings sind auch nicht ohne, wer in allen Kategorien antritt zahlt über 26.000 Dollar Startgeld. Frühmorgens laufen die Boote in einer endlos scheinenden Reihe aus, am späten Nachmittag kommt die Prozession zurück. Dazwischen geht es raus in den Golfstrom, immer auf der Suche nach dem größten Blue Marlin als begehrtestem von einigen sogenannten „Billfish“, den Schwertfischen, Segelfischen und Marlins, um die es hier geht. Auch für gefangene und wieder freigelassene Fische (Catch and Release, z.B. per Funk, Foto oder Video zu dokumentieren) gibt es Preise, insgesamt ist das Reglement wohl eher etwas für Spezialisten.

Bei uns: Stirnrunzeln. Aber im Abendlicht und mit Delfinfamilie im Vordergrund sieht der kleine Teil der Flotte, der hier in Beaufort liegt, dann fast schon wieder stimmungsvoll aus.

Beim erneuten Gang durch den Ort zum etwa eine halbe Stunde Fußmarsch entfernten Supermarkt zeigt die Bebauung des Ortes dann doch auch landseitig deutlich Südstaaten-Stil:

Natürlich ist es nicht überall so malerisch. Außerhalb des historischen Bezirks präsentiert sich Beaufort wie so viele amerikanische Orte autoorientiert, Fußwege an den Straßen werden rar. Immerhin aber gibts auf dem Weg zum Supermarkt doch ganz überwiegend Gehsteige. Aber ab und zu heißt typisch amerikanisch eben auch: Diner und Wasserturm. Wären die Autos nicht modern, könnte das Bild auch aus einem anderen Jahrzehnt stammen. Insofern auch irgendwie zeitlos 😉.

Auf dem Weg zurück zur Flora beeilen wir uns, denn am Himmel braut sich offensichtlich etwas zusammen. Von Westen her türmen sich die Wolken immer steiler und dunkler auf, die Luft steht und wird schwül, ein Gewitter kündigt sich an.

Wir sind rechtzeitig zurück an Bord, aber dann geht es auch schon los. Der schnell zunehmende Wind und die Tide sorgen für einen völlig unkoordinierten Tanz der Ankerlieger, mal sehen wir unsere Nachbarn Heck an Heck, mal ist unser Bug nur noch wenige Meter vom Bug unseres Nachbarkatamarans entfernt, weil wir beide in entgegengesetzte Richtungen über unsere Ankerketten getrieben werden. Zwischendurch starte ich angesichts des jetzt auch einsetzenden Gewitters den Motor und bringe etwas mehr Abstand zwischen uns. Das Gewitter selbst ist dann aber gar nicht so schlimm, sondern zieht überwiegend südlich vorbei, auch wenn einige Blitze uns doch zusammenzucken lassen.

Am nächsten Morgen: bestes Wetter, Delfine spielen um die Boote herum, die Wildpferde lassen sich auch wieder sehen. Das macht uns den Abschied nicht leichter, aber wir wollen zum Cape Lookout. 😁

Erste Eindrücke aus Beaufort, NC

Nach dem unbürokratischen Einkarieren hier ist auch der nächste Punkt auf unserer To-do-Liste einfacher abgehakt als befürchtet: wir haben unsere erste Covidimpfung erhalten. “Walk-In”, also einfach vorbei gehen, keine Voranmeldung oder Terminreservierung erforderlich. Das wird an verschiedenen Stellen angeboten, wir entscheiden uns für eine zu Fuß erreichbare Drogerie mit angeschlossener Apotheke (CVS, eine der großen Ketten). Kostenlos, umgekehrt wird sogar mit Einkaufsgutscheinen oder dem Teilnehmen an einer Lotterie geworben, die Quote soll so schnell wie möglich erhöht werden. Mit etwa 91 Impfungen je 100 Einwohner (Erst- und Zweitimpfungen) sind die USA hier ohnehin schon recht weit.

Die Zweitimpfung können wir dann in frühestens 4 Wochen, voraussichtlich in Maryland machen.

Im Alltag scheinen COVID-Maßnahmen hier in Beaufort derzeit keine erkennbare Rolle (mehr) zu spielen, Bars und Restaurants sind geöffnet, Masken werden kaum getragen. Neben unsere Heimflugplänen ist das ein weiterer Grund für uns, schnellstmöglich geimpft zu werden.

Das öffentliche Leben tobt, als wir gegen 11.00 Uhr auf den Farmers Market gehen ist der zwar immer noch gut besucht, aber teilweise hat der Andrang wohl selbst die Anbieter überrascht:

Überhaupt scheinen die Kunstgewerbestände gegenüber den Farmern in der Mehrheit zu sein, aber der Markt unter den alten Bäumen am Gerichtsgebäude gefällt uns trotzdem.

Und auch sonst präsentiert sich das Städtchen schmuck und macht Lust darauf, hier auch an Land noch länger herumzubummeln.

Klasse ist aber auch, dass unser Ankerplatz genau zwischen dem Ort und dem gegenüberliegenden Naturschutzgebiet „Carrot Island“ liegt. Wildpferde grasen direkt hinter den ankernden Booten in den tidenüberfluteten Marschwiesen, Pelikane, Fischadler und andere Vogelarten sind stets präsent und auch Delfine finden sich täglich zwischen den Booten ein.

Wobei der Ankerplatz auch seine Tücken hat, Tidenstrom und Wind lassen die Boote chaotisch schwoien. Floras kräftiger Edelstahl-Bugsprit hatte denn auch leider unerwünschten Kontakt zur Reling eines amerikanischen Nachbarbootes. Zum Glück ist nichts dramatisches passiert und wir konnten gestern Abend unbeschwert frisches selbstgemachtes Sushi und Thunfisch-Mango-Salat mit dem von Andrea kurz vor Beaufort gefangenen Fisch auf der Easy-One genießen und auf unsere gelungene Überfahrt anstoßen.

Nachtrag: Die versprochenen Fotos der Seevögel auf der Passage habe ich inzwischen HIER ergänzt.

Alabaster Bay und Hatchet Bay Harbour: auf zu den Ananasfeldern!

Von Governor’s Harbour segeln wir weiter nach Nordwesten, immer entlang an der langgestreckten Küstenlinie von Eleuthera. Die Insel zieht sich als zumeist schmales Band mit y-förmigen Ausweitungen an beiden Enden etwa 180 Kilometer lang in dieser Richtung.

Als nächsten Ankerplatz wählen wir die Alabaster Bay, sie bietet bei der derzeit wieder starken südlichen Komponente in den vorherrschenden Ostwinden guten Schutz. Und den können wir auch brauchen, denn es zieht ein Gebiet mit Squalls und Gewittern über uns hinweg. Wir igeln uns ein und nutzen die zwischenzeitlich schöneren Phasen zum Schnorcheln. Dabei kommt auch die „Hawaiian Sling“-Harpune wieder zum Einsatz. An zwei aufeinander folgenden Tagen schießen Ingo und ich damit an einem nur etwa 40 m langen Riffabschnitt elf (11) Rotfeuerfische.

Die Schädlichkeit dieser invasiven Art für die hiesige Fischwelt, aber auch die Schmackhafigkeit der Exoten hatte ich HIER schon mal erläutert. Es ist ein bisschen aufwändig, erst (mit der Feuerwehrschere) die Giftstacheln zu entfernen und dann die recht kleinen Fische zu filetieren, aber ich werde langsam geübt darin und sie sind wirklich lecker.

Nach ein paar Tagen zieht es uns aber weiter, nur leider erweist sich unser ausgeguckter Ankerplatz bei Gregory Town als zu ungeschützt, der Schwell der immer noch südöstlichen Winde lässt uns ein ganzes Stück zurück nach Hatchet Bay Harbour motoren. Dieser See mit künstlichem Durchbruch zum Meer ist hervorragend geschützt, kommt allerdings in unserem (ziemlich alten) Törnführer nicht gut weg. Macht aber nichts, nachdem wir uns durch die schmale Einfahrt getastet haben gefällt es uns ganz gut.

Der Ort (Alice Town), oft auch einfach Hatchet Bay Harbour genannt, ist zwar eher ärmlich und mit durchgehend sehr einfacher Bebauung, ganz anders als zuletzt Governor’s Harbour.

Aber natürlich gibt es – bei richtiger Kameraperspektive – auch ausgesprochen schöne Stellen 😉

O.k., schaut man nach links, sieht es man die Baustellen und auch deutlicher das marode Palmblattdach der Schirme:

Worauf es ankommt, es gibt einen kleinen Supermarkt und die Menschen sind superfreundlich. Wir treffen die Crew der kanadischen „Petit Chantier“, außer der Easy-One und der Flora das einzige Segelboot in der Bucht. Sie erzählen Wiebke und mir von einer außerhalb gelegenen Höhle, wir ihnen von etwas entfernt liegenden Ananas-Plantagen. Gemeinsam fragen wir Renaldo, den Barkeeper der Bar am Dinghydock, nach Entfernung und Erreichbarkeit der beiden Ziele. Schwups, werden wir von ihm in seinem Auto dorthin gefahren, er muss angeblich ohnehin noch irgendwo Eis und Spirituosen besorgen. Wir sollen ihm eine WhatsApp schicken, wenn wir fertig sind, dann holt er uns wieder ab. Unterwegs stellen wir fest, dass es tatsächlich sonst ein ziemlich langer Marsch geworden wäre.

Annabelle und El (französischsprachiger YouTube Channel: Voiliers les Copains) haben Lampen dabei, schließlich hatten sie die Höhlentour geplant. Wir haben zwar nur die Handy-Funzeln, aber zusammen reicht es. Tatsächlich sind die „Hatchet Bay Caves“ riesig, sie sollen sich über eine Meile hin ausbreiten. So weit gehen wir nicht, aber es ist trotzdem beeindruckend. An der Straße nur ein Schildchen, dann Feldweg und irgendwann ein Loch. Kein Eintrittsgeld, kein Reiseführer, keine Schautafel. Einfach nur ein Loch und ein paar Stufen, die hineinführen. Von der nur über diesen schmalen Einstieg erreichbaren ersten Höhlenkammer geht es – nun nur noch von den mitgebrachten Lampen beleuchtet – über eine Holzleiter eine Ebene weiter nach unten. Dort erwarten uns Gänge, die wie ein trocken gefallener unterirdischer Fluss anmuten, zwischendurch in Abständen immer wieder größere Räume, manchmal möchte man sie Kathedralen nennen, dazu Stalagmiten und Stalagtiten in großer Zahl, Fledermäuse, allerdings auch einiges an hingesprayten Namenszügen, vielleicht ein Nachteil des einfachen unkontrollierten und kostenlosen Zugangs.

Zwischendurch löschen wir kurzzeitig unser Licht und lauschen in die dunkle Stille. Ein wunderschönes Erlebnis.

Wieder draußen werden wir von vier aufgeregten Hunden empfangen, zum Teil mit neuen Halsbändern. Stürmisch, aber auch zutraulich und ausgeprägt an unseren Rucksäcken interessiert, obwohl nichts essbares darin ist. Sie begleiten uns bis zur Ananasplantage, die ein Stück weiter die Straße hinauf liegt. Für Führungen ist sie zwar derzeit geschlossen, aber die Ananasfelder und das daneben angebaute Obst und Gemüse (vor allem Bananenstauden, Papaya und Paprika) sehen wir ja trotzdem.

Die Ananas, ein im Boden wurzelndes Bromeliengewächs mit fleischigem Fruchstand, wurde als Kulturpflanze wahrscheinlich zuerst im Amazonasgebiet angebaut und von den Indigenen „Anana“ (hervorragende Frucht) genannt. Sie war bei Maya und Azteken bekannt und wurde vermutlich von den Cariben auf die nach diesem Stamm benannten Inseln verbreitet.

Hier auf Eleuthera wurde (deutlich später, vor allem im 18. und 19. Jahrhundert) Ananas-Landwirtschaft so intensiv betrieben, dass die Bahamas zwischenzeitlich einer der großen Exporteure dieser Frucht waren, allerdings sind diese Zeiten längst wieder vorbei. Interessanterweise konnten die damals sehr exklusiven Früchte zwar geschnitten in die nahen USA verschifft werden, zum fernen (politischen) Mutterland England aber mussten sie aufwändig als ganze Pflanze mit Wurzelwerk verschifft werden, bis 1857 in Governor’s Harbour die erste Dosenfabrik dafür eingerichtet wurde.

Heute sind die Bahamas nicht mehr unter den Top 10 der Ananas produzierenden Länder zu finden. Nichtsdestotrotz rühmt sich Eleuthera auch heute noch, die wohlschmeckendsten und süßesten dieser Früchte hervorzubringen, sie finden sich auf der Währung und werden als Symbol der Gastfreundschaft und des Wohlstands verehrt und in Liedern besungen (wie uns Renaldos Vater am Abend bestätigt)

Auf Wiedersehen, Exuma Cays. Hallo, Eleuthera!

Am 24. April sind wir in den Exumas angekommen, einen Monat lang bummelten wir diese wunderbare Inselkette hinauf. So viel mehr als nur die bekannten schwimmenden Schweine gab es zu sehen. Wieder waren neben der Natur die getroffenen Menschen die eigentlichen Highlights, unvergessen z.B. die spontane Tanzperformance von Izryel auf Little Farmers Cay oder auch das “deutsche Dorf” mit anderen Seglern.

Aber: wir haben das nördliche Ende der Inselkette erreicht, machen einen Schlag über den kilometertiefen Exuma-Sound nach Eleuthera.

Aus dem Flachen übers Tiefe ins sehr Flache. Als wenn sich zwischen Schleimünde und Lyø ein umgedrehtes Hochgebirge in die Ostsee hinabsenken würde 😙.

Die Barre im Südwesten Eleutheras hat es dann wieder in sich, aber durch den Davis-Channel können wir uns hineintasten nach Rock Sound. Die Bucht vor dem kleinen Ort ist ebenfalls ziemlich flach, am Ankerplatz haben wir bei Niedrigwasser nur 20 cm (und damit kaum mehr als die berühmte Handbreit) Wasser unter dem Kiel. Aber anders als der Name vermuten lässt ist der Grund praktisch durchgängig Sand, vielleicht ist der Ortsname ja doch eine musikalische Anspielung 😉.

Links im Vordergrund sieht man übrigens die Attraktion von Rock Sound, das “Ocean Hole”, ein 183 m tiefes Blue Hole, wohl über Höhlen mit dem tiefen Ozean östlich von Eleuthera verbunden. Und eine natürliche Meerwasser-Badeanstalt mitten im Ort.

Auf dem Weg dorthin fallen uns die vielen blühenden Pflanzen auf, vor allem die wunderschönen Flammenbäume (Flamboyant). Eigentlich in Madagaskar heimisch, sind sie als Zierpflanze eingeführt worden und inzwischen in den Tropen und Subtropen weit verbreitet.

Wir finden einen recht gut sortierten Supermarkt und kaufen mal wieder Frisches ein, außerdem füllen wir den Reservekannister für das Dinghy wieder auf, die Esso-Tankstelle hat dankenswerter Weise einen extra Dinghysteg angelegt.

Und wir essen zum ersten Mal seit fast einem Monat mal wieder in einem Restaurant. Auch das “Wild Orchids” hat einen eigenen Dinghyanleger und wir schauen von der Terrasse direkt auf die Flora.

Heute segeln wir größtenteils am Wind erst unter Code0 und dann Fock bei herrlich glattem Wasser an der Leeseite von Eleuthera hinauf bis nach Sands Cay. Zur Krönung geht auch noch ein leckerer Snapper an den Haken, das Abendessen (für die nächsten Tage) ist also gesichert.

Da sind die Fische beim Schnorcheln doch erstmal sicher vor unserer mitgeführten Hawaiian Sling (außer den Rotfeuerfischen, aber diesmal versteckt sich der einzige gesichtete beim Näherkommen schnell in einer Felsenhöhle). Da kann ich dann dafür die vorbeiziehende Schule von Fledermausfischen (Karibischer Spatenfisch) in Ruhe bewundern.

Warderick Wells Cay

Mit dem in die Mastspitze gezogenen Aliv-Router haben wir hier sporadisch doch noch ab und zu Empfang. Also nur ein ganz kurzes Update:

Nach dem Motoren durch die aufregend schmale und flache Passage westlich von Bell Island und einem Stückchen herrlichem Amwind-Segeln sind wir auf dem mitten im Exuma Cays Land and Sea Park liegenden Warderick Wells Cay angekommen. Die Gegend macht dem Namen des Parks alle Ehre. Tatsächlich scheinen Land und See zu verschmelzen, ineinander überzugehen, gegenseitig aneinander festzuhalten. Die Grenze ist mit der Tide fließend, die Landschaft dadurch einmalig schön. Es gibt zwar Bojen in den beiden tiefen Prielen vor der Nationalparkverwaltung, aber die Strömung ist dort enorm und die Windvorhersage von kräftigeren NE ist nicht ideal. Wir haben uns deshalb für den ruhigeren Anker- und Bojenplatz am Emerald Rock (=Smaragdfels) entschieden, wobei die Bezeichnung von der Wasserfarbe hier und nicht von dem Felsen herrührt.

Wir machen einen kleinen Hike hoch auf den “Boo Boo Hill”, den Spukhügel. Ist aber grade keine Vollmondnacht, in der die verlorenen Seelen eines untergegangenen Missionarsschiffes hier singenderweise herumgeistern sollen😉. Oben auf dem Hügel gäbe es eine weitere Gelegenheit, wie so viele andere Crews vor uns den Schiffsnamen auf Treibgut zurückzulassen. Allerdings lassen wir das diesmal aus (anders als im Hog Cay Yacht Club auf den Ragged Islands), zu wirr, zu sehr an einen Scheiterhaufen erinnernd finden wir die zusammengeworfenen Treibhölzer.

Aber die Aussicht ist klasse. Und auch das anschließende Schnorcheln begeistert erneut, bei mehreren Korallenbommies und auch im Kanal sind Dinghymoorings angebracht, äußerst bequem.

Von ganz klein (hier gleich 4 Flamingozungen auf einer Gorgonie (Fächerkoralle) über größer und auch bunt (Königin-Drückerfisch, dann Nassau-Zackenbarsch, dann Mutton Snapper)

bis hin zu den karibischen Riffhaien:

Aquarium

Wenn die Seekarte schon den Hinweis auf zwei Schnorchelbojen und die Ortsbezeichnung „Aquarium“ enthält sollten wir da wohl nicht einfach dran vorbei segeln. Und so schlängeln wir uns durch den Bell Cut an ein paar Felsen und um Pastue Cay herum. Eigentlich wollten wir ankern, aber der Ankergrund ist hier vor O’Brien’s Cay etwas tricky. Es ist fast bis zum Ufer etwa 7 m tief, die Strömung ziemlich stark und auf dem Boden finden sich einige Korallenbereiche. Da nehmen wir dann doch gerne eine der 4 Bojen, die vom „Bahamas National Trust“ hier im Exuma Cays Land and Sea Park angebracht wurden (Ankern im Park 22 $, Bojen 35 $ pro Nacht für unsere Schiffslänge). Eine fünfte Boje liegt etwas abseits, näher an Johnny Depps Privatinsel (Little Halls Pond Cay) und hat eine andere Aufnahme, sie ist direkt an einem Flugzeugwrack befestigt und wohl nicht für Yachten ausgelegt.

Aber als wir mit dem Dinghy dort festmachen um die auf dem Kopf liegende recht gut erkennbare Cessna zu beschnorcheln ist die Strömung einfach noch zu stark. Also zurück zur Flora. Später tauchen wir dann erst einmal ins Aquarium ein und werden als Neuankömmlinge von einem Franzosen-Kaiserfisch und diversen gestreiften Riffbarschen beäugt.

Aquarium. Und es fühlt sich wirklich so an. Wir schnorcheln einmal rund um die kleine Insel, die der Nordwestspitze von O‘Brien‘s Cay vorgelagert ist. Viele bunte Korallen und einiges an Fisch, wobei sich die Unterwasserwelt direkt bei den Bojen am dichtesten bevölkert präsentiert.

Weiblicher Grüner Papageifisch und …
das dazugehörige männliche Exemplar
Gelbstreifen-Grunzer, französische Grunzer und ganz rechts verschwindet gerade ein Eichhörnchenfisch
„Sergeant Majors“, gestreifte Riffbarsche
Blaustirn-Kaiserfisch in einem Riesen-Honigschwamm

Es ist herrlich bunt hier. Aber jetzt, kurz vor Stillwasser, probieren wir es auch noch einmal bei der Cessna und diesmal klappt es ganz gut.

Rumpf, Tragflächen und sogar der Propeller der auf dem Kopf liegenden Maschine sind gut zu erkennen. Die Seitentüren fehlen, wir können sogar durch den Flieger hindurch tauchen.

Am nächsten Tag bei Windstille vom Paddleboard aus aufgenommen:

Bei dieser Aktion fällt mir dann blöderweise die GoPro (natürlich ausnahmsweise ohne Schwimmgriff) ins Wasser und verschwindet mit der Strömung in der Tiefe. Ein Rettungsversuch ohne Tauchermaske schlägt fehl. Grr. Ich versuche, ungefähr an der Stelle zu bleiben, Wiebke holt meine Taucherbrille und Flossen. Und alarmiert unsere Segelfreunde. Schwups, kurz darauf sind Ingo (Easy-One), Janna (Thula) und Jochen (Caroline) da und wir schnorcheln im Suchraster das Gebiet ab, wobei die Strömung mit der auflaufenden Tide immer weiter zunimmt. Wenn die GoPro auf dem Sandboden gelandet ist, müssten wir sie finden. Ist sie irgendwo in den Korallen, wird es schwer. Jonas und Jonathan (Jollity) kommen auch noch dazu und suchen außerhalb unseres Musters. Erlösung: Jonas findet die Kamera direkt an einer Koralle ☺️. Das gibt dann eine große Sundowner-Runde auf der Flora 🍹 🍻. Wow, richtig Glück gehabt.

V.l.n.r.: Ilja, Andrea, Natalja, Wiebke, Ralf, Janna, Jochen, Jonathan, Leonie, der Held Jonas verdeckt, Ingo

Grottig?

Staniel Cay ist DAS touristische Zentrum der Exumas. Mit Fluganbindung für Tagesausflügler, mehreren Resorts, den berühmten „Muss man gesehen haben“ – schwimmenden Schweinen. Und der „Thunderball-Grotte“, benannt nach dem vierten James Bond von 1965, der in Teilen dort gedreht wurde (und auch die 1983 unter dem Titel „Sag niemals nie“ erschienene Neuverfilmung, wie das Original mit Sean Connery als 007).

Reichlich AIS-Signale lassen sich schon aus der Entfernung ausmachen, wollen wir da wirklich hin? Gerade war es doch noch so schön idyllisch am ruhigen Ankerplatz bei den Urzeitechsen. Aber die meisten Boote sowie ein paar Superyachten liegen hinter Big Majors Spot (vor dem Strand der schwimmenden Schweine), wir dagegen fädeln uns zwischen der Felsenkette hindurch, an deren nördlichen Ende die Grotte liegt. Thula liegt schon dort, gemeinsam mit nur zwei anderen Schiffen. Wirklich voll sieht anders aus und die innere Abwehrhaltung ist schon mal deutlich geschwächt 😉.

Noch ist Niedrigwasser und nur drei Dinghys liegen vor der Grotte. Wir nehmen das als Chance. In die Höhle kann man bei Niedrigwasser hineinschwimmen, zudem gibt es mehrere Unterwassereingänge, durch die die auf dem Sandgrund reflektierende Sonne wie Unterwasserlampen blaues Licht hineinschickt. Und jetzt zur Mittagszeit strahlt die durch Löcher in der Höhlendecke Spot-Beleuchtungen hinunter.

Die Grotte erscheint im Inneren wie eine grün bemooste Kirchenkuppel, dazu die blaue schimmernden Unterwasserfenster, durchdringende Strahlen, bunte Fische, die Luftblasen von uns Schnorchlern, schon beim Hineinschwimmen sieht das magisch aus.

Und so richtig entfaltet sich der Zauber erst unter Wasser:

Und wenn das „Must See“- Programm hier schon so positiv überrascht, fahren wir mit dem Beiboot doch gleich auch noch um die Ecke. Da liegt die Easy-One, außerdem direkt vor ihr auch noch die Caroline aus Berlin, mit denen wir bisher nur per sozialen Medien Kontakt hatten. Aber Natascha und Jochen sind an Bord und so schnacken wir uns gleich bei ihnen fest. Fast hätten wir die schwimmenden Schweine darüber vergessen, aber vom Cockpit der Caroline haben wir einen guten Ausblick auf den „Schweinestrand“ und als am späten Nachmittag nur noch wenige Boote dort hinfahren, nutzen wir auch diese Chance.

Die Schweine leben auf der Insel und werden auch regelmäßig gefüttert, trotzdem: sobald ein Dinghy oder kleines Motorboot auf den Strand zufährt, kommt auch Bewegung in die Schweine. Sie trotten ins Wasser und schwimmen den Dinghys entgegen in der (oft begründeten) Hoffnung, von deren Besatzungen gefüttert zu werden. So haben sie sich zu einer Attraktion entwickelt, die auch in den eng gepressten Terminplan der Tagesausfügler gepackt wird. Schweinetypisch sind die Borstenviecher übrigens bei der Fütterung nicht eben zimperlich. Wenn Essbares im Boot ist, wird nicht nur wild gegrunzt, sondern auch gestupst und es werden auch schon mal die ja frisch gewaschenen Pfoten aufs Boot gedrückt, als wollten sie einsteigen. Wer an Land watet, um die Ferkel zu streicheln oder ein Selfie mit Sau oder Eber zu ergattern, bekommt von den Tourguides den guten Rat, die Hände nie nach unten, sondern stets nach oben zu halten. Wäre ansonsten unglücklich, wenn die Schweine die Finger mit Mohrrüben (auf die sie besonders erpicht sind) verwechseln. Das sieht allerdings dann ein bisschen so aus, als würden sich die an Land watenden Menschen den Schweinen ergeben 😂.

Auch zu uns kommen die Schweine angepaddelt, drehen eine Runde um Florecita und schwimmen dann mangels Fütterung wieder zum Strand (oder zum nächsten Boot).

Ein gemeinsamer Sundowner mit den Crews der Easy-One und der Caroline am Cruisers Beach gleich nebenan schließt den Tag würdig ab.

Heute dann gehen wir erst einmal in den Ort, Vorräte ergänzen. Nicht der preiswerteste Platz der Welt dafür, ein Liter H-Milch kann schon mal 6 US-Dollar kosten. Ist aber auch gerade kein Großeinkauf fällig, wir ergattern immerhin wieder einiges an Frischem, was uns auch für die Weiterfahrt in den Nationalpark (dort keine Einkaufsmöglichkeiten) ein kleines Polster verschafft.

Wir schlendern noch etwas durch den Ort und am Fähranleger fällt uns ein kleiner Steg auf, auf dem eine Frau Fische putzt. Ein Blick ins Wasser:

Die (ziemlich harmlosen aber zum Teil ganz schön großen) Ammenhaie und einige Rochen tummeln sich neben ihr im Wasser und versuchen die Fischabfälle zu ergattern.

Ganz gut kann man bei den Ammenhaien die im Nasenbereich ansetzenden Barteln erkennen, kleine fadenförmige Fortsätze mit Geschmacksknopen und Tastkörperchen, mit denen die nachtjagenden Tiere am Grund ihre eigentliche Hauptnahrung wie Seeigel und Krabben aufspüren, die sie dann einsaugen.

Danach gehts für uns wieder ins Wasser: ein weiteres Mal schnorcheln in der Grotte – einfach weil es uns so gut gefällt. Diesmal macht ein Typ mit Tauchscooter kurzfristig die eigentlich nicht sooo große Höhle unsicher, verzieht sich aber schnell wieder nachdem er beim Auftauchen mit dem Scheitel an der Höhlendecke bremst. Und auch wir wechseln den Schnorchelplatz, vor Staniel Cay gibt es – wie könnte es anders sein – auch noch ein Flugzeugwrack zu beschnorcheln, diesmal in ganz flachem und ruhigem Wasser.

Nur Flugzeugreste im öden Sand? Ein Blick unter die Tragfläche zeigt überraschend viel Farbe und Leben:

Und dann gibt es auch noch etwas zu feiern: Natalja hat Geburtstag und so treffen wir uns in geselliger Runde am Abend im Restaurant des Staniel Cay Yacht Club.

Wow. Der Aufenthalt hier in Staniel Cay hat sich dann doch als rundum schön und alles andere als grottig erwiesen.

Insel der Felsendrachen

Unser nächster Ankerplatz liegt bei Bitter Guana Cay. Dieses Mal können wir westlich der Inselkette bleiben und müssen nicht durch einen Cut hinaus in den Exuma Sound und dann wieder hinein in den Schutz der Inselkette segeln. Die Bucht weist einen schönen Sandstrand, aber auch eine malerische Steilküste mit leuchtend weißen Felsen auf, kaum ist der Anker gefallen, fahren wir hinüber.

Eine Besonderheit der von Menschen unbewohnten Insel sind die hier heimischen „Northern Bahamas Rock Iguanas“, diese Felsenleguane sind eine insgesamt bedrohte Tierart, die aber auf Bitter Guana Cay in großer Zahl leben. So hat sich die Insel zu einer Attraktion entwickelt, die wegen der Nähe zu dem Touristenhotspot Staniel Cay sogar in das Programm der Tagesausflüge (wörtlich zu nehmen, ✈️) von Nassau und Miami aufgenommen wurde. Faktisch folgt daraus, dass gelegentlich kleine Motorboote von Staniel Cay herübergesaust kommen und acht bis zehn Leute auf den Strand spucken, die dann aber nach 20 Minuten schon wieder abfahren. Die meiste Zeit des Tages sind wir allerdings allein in der Bucht. Na ja, nicht wirklich allein, denn die Felsenleguane sind eben an Menschen gewöhnt und kommen auf uns zu, sobald wir den Strand betreten, selbst wenn wir sie nicht füttern.

Diese Unterart (es gibt auch noch den Allan’s Cay Iguana und den Andros Iguana) zeigt ein eher dunkles, direkt nach der Häutung leicht bläulich erscheinendes Schuppenkleid mit vielen individuellen pinkfarbenen Sprengseln vor allem auf den Wangen, dem Nasenrücken und dem Kehllappen, am Bauch und den Beinen und dem Rückenkamm. Anders als die weit verbreiteten Grünen Leguane sind ihre Rückenstacheln ziemlich klein, eher gezackte Ausformungen des wulstigen Rückenkammes und bis auf die rosa Farbe fast unauffällig.

Sie haben zwar kräftige Krallen, aber als Pflanzenfresser Zähnchen, die ihrem sonst martialischem Aussehen mit der wie blutunterlaufen scheinenden rötlichen Lederhaut der Augen zu spotten scheinen. Aber es passt auch wieder, denn sie sind friedlich, hier offensichtlich an Menschen (und Fütterung) gewöhnt und kein bisschen aggressiv, obwohl sie so urzeitlich aussehen, dass Wissenschaftler und Filmemacher sich bei ihnen Anregungen für die Rekonstruktion des Aussehens von Dinosauriern geholt haben sollen. Und sie sind mit im Normalfall unter einem Meter Gesamtlänge klein genug um nicht Angst auszulösen, als sie im knappen Dutzend aus ihren schattigen Verstecken kommen und sich auf unsere am Strand angelandeten Dinghys zu bewegen.

Leguanspur
Ankerwache oder Ankerdrache?

Übrigens finden sich bei weitem nicht alle diese Echsen am Strand ein. Als wir oben auf die Steilküste klettern, sehen wir auch dort immer wieder Felsendrachen.

In diesem Fall kein Drache, sondern ein Felsen-Ingo 😁

Ankern in den Bahamas, Schnorcheln mit Meerjungfrau

Das Ankern hier in den Bahamas, gerade hier in Exuma hat ein paar Besonderheiten. Klar, es ist ein Tidenrevier, aber der Tidenhub ist eigentlich nicht besonders groß. Meist sind es zwischen 60 und 80 cm, gelegentlich wird es etwa 1 m Unterschied zwischen Ebbe und Flut. Trotzdem warnt die Seekarte vor gefährlichen Bedingungen, wenn nur eine mäßige Brise von gut 10 kn (oder mehr) Wind gegen die Tidenströmung in einem Cut steht. Denn durch diese schmalen und oft auch recht flachen Öffnungen zwischen den wie eine einzige Barriere in Reihe liegenden Inseln presst sich der Tidenstrom des Wassers der riesigen Great Bahama Bank. Dabei entsteht eine kräftige Strömung.

Und die wirkt sich auch beim Ankern aus. Gerade mit unserem 2m-tiefgehenden Boot können wir im Flachwassergebiet hinter den Cays oft nur in den flussähnlich durch die Sandbänke mäandernden Prielen ankern, durch die eben auch das Wasser ein- und ausströmt. Nicht umsonst gibt es eine spezielle Ankermethode namens „Bahamian Mooring System“, bei der mit zwei Ankern (einer nach vorne, einer nach achtern, beide über den Bug) der Schwoiraum im engen Priel bei wechselnder Tiede begrenzt wird. Gut erklärt z.B. HIER.

Bisher mussten wir so allerdings noch nicht ankern, denn wenn genug Platz vorhanden ist bevorzugen wir freies Ankern mit nur einem Anker, das erleichtert auch ein schnelles Ankerauf-Manöver.

Aber: das freie Ankern führt hier gelegentlich zu befremdlich anmutenden Positionen von Anker und Ankerkette relativ zum Boot.

Finde den Fehler: hier liegt der gut eingegrabene und nur seinen Schaft zeigende (Spade-)Anker bei Stillwasser neben Floras Heck, am Bug hat die Kette eine Schleife gelegt.
Und hier liegen wir zwar mit dem Bug in der Strömung, gleichwohl aber hat uns der achterliche Wind gegen die Strömung über den Anker geschoben, die gesamte Ankerkette liegt in einer geraden Linie unter dem Boot durch nach hinten, die Ruckdämpfer an der Ankerkralle hängen beidseitig am Bug hinunter nach hinten gespannt. Warum dreht das Boot nicht mit dem Bug in den Wind? Wir vermuten, dass das Unterwasserschiff der Strömung beim Drehen zu viel Angriffsfäche bietet.

Nach so viel (hoffentlich zumindest für die Segler interessanten) Spezial-Kram noch eine eher skurrile Auswirkung der Tidenströmung:

Nahe an unserem Ankerplatz vor Rudder Cut Cay, einer der Privatinseln des Illusionisten David Copperfield, hat der Magier die Statue eines Konzernflügels in Originalgröße mit einer an die Klavierbank gelehnten Meerjungfrau versenken lassen, etwa vier Meter ist das Wasser hier tief. Ein wirklich bezaubernder Schnorchelspot 😉. Als wir unser Dinghy daneben verankert haben und mit Tauchflossen hinüber schwimmen wollen, kommen wir kaum gegen die Strömung an, es ist wirklich anstrengend. Ein Ausflugsboot kommt dazu, drei Touristen ohne Flossen springen ins Wasser und wollen zur Meerjungfrau hinuntertauchen, werden aber einfach an der Statue vorbeigetrieben. Das Ausflugsboot sammelt sie ein Stückchen weiter wieder ein.

Und danach: den Abend auf dem Vorschiff genießen 😌.

Raus aus den Tropen

Aktuell freuen wir uns über schön hohe Erträge aus unseren Solarpanelen. Eigentlich kein Wunder, das Wetter ist fast durchgehend schön, die Sonne scheint, es gibt nur wenig Wolken. Und: die Sonne steht sehr hoch am Himmel, wirft Mittags nur ziemlich kurze Schatten. So ist das nunmal in den Tropen? Na ja, bis Georgetown waren wir in dieser Klimazone. Aber die Stadt liegt auf dem Wendekreis des Krebses, also auf etwa 23,5 Grad nördlicher Breite (23° 26′ 05″). Zur Sommersonnenwende am 21. Juni steht die Mittagssonne hier also genau senkrecht über der Stadt. Zwar scheint die Sonne nicht so lange wie im Sommer in Schweden, aber der Winkel ist halt perfekt (und unsere auf dem Bimini montierten Module werden ja nicht an den Winkel angepasst).

Die paar Meilen, die wir inzwischen in den Exuma weiter nach Norden gesegelt sind, ändern an unseren Solarenergieerträgen natürlich erstmal nichts, allerdings: die Tropen haben wir schon verlassen. Gefühlt ist es trotzdem heißer geworden, denn erstmals seit längerer Zeit haben wir zuletzt ein paar schwachwindige Abende erlebt (wirklich nur zum Sonnenuntergang, tagsüber war feiner raumer bis achterlicher Segelwind 😁). So sah z.B. die Easy One an unserem Ankerplatz vor Lee Stocking Cay von Bord der Flora betrachtet aus:

Lee Stocking Cay ist schon eine ganz besondere Insel. Die Anfahrt ist ein bisschen tricky, einmal mehr zeigt die Seekarte im Fahrwasser stellenweise nur exakt unseren Tiefgang an. Aber mit auflaufender Tide kommen wir unproblematisch durch und finden einen Ankerplatz direkt vor dem leicht verfallenen Anleger.

Das „Perry Institute for Marine Science“ hatte hier ein groß angelegtes Forschungszentrum errichtet, quasi ein ganzes Dorf mit eigenem Flugplatz und Hangar, Slipbahn und Bootsanleger, Wasserwerk, Labors, Werkstätten, diversen Seewasserbecken und Forschungsaquarien. Heute steht alles leer, wobei es wirkt, als wäre das „Science Center“ urplötzlich und Hals über Kopf verlassen worden. Akten liegen noch herum, Gasflaschen und Tanks verrosten, ein Pickup steht mit offener Motorhaube vor der Werkstatt. Computer und Batterien für deren unterbrechungsfreie Stromversorgung stehen in einer Ecke. Die Landebahn (Runway) ist in Teilen zugewuchert, einige Häuser sind ziemlich verfallen, andere noch recht intakt.

Irgendwie erstaunlich, zumal das Perry Institute sich die Verbesserung der Nachhaltigkeit des (maritimen) Ecosystems auf die Fahnen geschrieben hatte („… to improve the sustainability of our marine ecosystems“.

Und es gibt viele Kokospalmen, deren Nüsse ungenutzt herunterfallen, aber da können wir ein wenig Abhilfe schaffen.

Ganz ungefährlich ist der Nahkontakt mit fallenden Kokosnüssen und Werkzeugen nicht und so geht es auch nicht ganz ohne körperliches Blessuren ab, aber zum Glück nichts Ernstes. Aber die Rückenprobleme kommen wohl nicht nur von der Kokosnussverarbeitung, sind aber am nächsten Morgen schon wieder deutlich abgeklungen.

Und so können wir uns durch die schmale Rinne und das Flachwassergewirr wieder auf den Weg machen und weitere Inseln der Exuma erkunden. Mit unserem Tiefgang geht es erst einmal außen herum weiter.