Passage Mexiko Richtung Isla de Providencia, Tag 1

Die Querung des Karibischen Stroms (hier auch Yucatan-Strom genannt) funktioniert besser als erwartet. Der Nordwestwind wirft keine allzu chaotische See auf und wir kommen flott voran. Dass wir ungefähr 20 Grad vorhalten müssen sieht man deutlich, als wir in den Strömungsschatten nördlich von Cozumel kommen. Kaum Strömung hier, kaum vorhalten. Einige Meilen weiter sind wir dann wieder im Strom und müssen vorhalten.
Alles kein Problem und wir schaffen in den ersten 24 Stunden gute 165 sm, dass sind fast 7 Knoten Geschwindigkeit im Schnitt.
Schiffsbegegnungen gibts nur wenige, eine AIDA überholt uns mit großem Abstand, sie ist auf dem Weg in die DomRep. Zwei Frachter, ebenfalls in einiger Entfernung. Nur eine Begegnung der dritten Art haben wir noch in der Nacht: Zwei helle Strahler erscheinen am Horizont und bewegen sich langsam genau in unsere Route hinein. Kein AIS-Signal, bis wir geschätzte 3 sm Entfernung haben. Dann blitzt das AIS einmal kurz auf „Honesty, 1,4 kn Fahrt, Not under Command“ und schwupp, ist das AIS-Signal wieder weg. Scheint ein großes Schiff zu sein, Positionslichter erkennen wir nicht, auch die Kontur des Schiffes kann man kaum erkennen, weil die Strahler so blenden. Als es langsam achteraus bleibt, können wir noch lange die Strahler erkennen, mehr aber nicht. Der Rest der Nacht verläuft dann aber angenehm ereignislos.
Gegen Morgen nimmt der Wind ab, wir wechseln von der Fock auf den Code0. Trotzdem wird es langsames Segeln, allerdings bei schönem Wetter und auch abnehmender Welle. Pura Vida.

Per Iridium-Satellit übermittelt.

Schwierige Planung

Wir wollen mal wieder einen großen Schlag machen. Richtung Panama soll es gehen. Von hier (Puerto Morelos in Mexiko) ist das mit ein paar kniffligen Entscheidungen verbunden.

Das beginnt schon mit dem Ziel. Nahe an der Route liegen Isla de Providencia und St. Andres. Beide gehören zu Kolumbien, obwohl sie deutlich näher an Nicaragua liegen. Als Zwischenstopp bieten sie sich an. Laut Noonsite sind sie auch offen. Allerdings hat Kolumbien zu Jahresbeginn die Einreisebestimmungen geändert und in den sozialen Medien kursieren widersprüchliche Angaben. Sicher ist, dass wir zum Einklarieren einen Agenten benötigen würden. Wir schreiben den für Isla de Providencia an, bekommen aber auf unsere Email keine Antwort. Im Zweifel müssen wir halt nach Panama weiter segeln, wenn wir in Isla de Providencia nicht einklarieren können.

Der zweite Punkt ist nicht weniger knifflig.

Haie, Stürme, Piraten. Das sind oft die ersten Assoziationen von Freunden an Land mit unserer Segel-Langfahrt. Über die spannenden und schönen Begegnungen mit Haien haben wir ja berichtet. Stürme haben wir bisher weitestgehend vermieden, indem wir ihre saisonalen Gebiete (vor allem den Hurrican-Gürtel) eben in der Saison meiden. Und mit Piraten hatten wir bisher nichts zu tun. Das soll sicher so bleiben, deshalb wollen wir der Flachwasserzone im Grenzgebiet zwischen Honduras und Nicaragua nicht einmal nahe kommen. Dort hat es in der Vergangenheit einige Vorfälle gegeben, bei denen sich Fischer als Gelegenheitspiraten betätigt haben. Happige 200 sm Abstand von der Küste werden hier empfohlen. Wir haben hier in Mexiko die nette Crew eines Bootes kennengelernt, dass da gerade dicht unter der Küste trotzdem unbehelligt durchgefahren ist, aber das ist absolut nicht unser Ding. In der Planung setzen wir statt dessen sogar noch einiges drauf, machen einen Riesenumweg und bleiben noch weiter von dem (schraffierten) Gebiet weg, obwohl der direkte Kurs unmittelbar hindurchführen würde:

Die Caiman-Islands bleiben an Backbord und etwa auf der Hälfte zwischen ihnen und Jamaika biegen wir nach Süden ab, um dann einen weiten Bogen nach Südwesten zu schlagen. Der Grund dafür liegt neben einem eigenen „Sicherheitszuschlag“ mal wieder an den Strömungsverhältnissen.

Die karibische Strömung (rote Pfeile) schlängelt sich nämlich von Süden kommend um diese Bank herum, bevor sie dann hier oben im Osten Yucatans zu voller Stärke heranreift und den Golfstrom befeuert.

Den allerdings müssen wir gleich zu Beginn einmal mehr queren. Dazu muss also auch der Wind passen, nicht nur um uns voranzubringen, sondern auch um nicht mit Wind gegen Strom allzu chaotische Wellen aufzuwerfen.

Mal sehen, ob unser Kompromiss gut genug gewählt ist. Morgen früh geht es los. 700 sm bis Isla de Providencia, weitere 250 sm bis Panama. Eventuell also knapp 1.000 sm am Stück.

Drückt uns die Daumen, wir werden jetzt also eine knappe bis ganze Woche erstmal Offshore sein. Da freuen wir uns drauf.

Pura Vida.

Vocho. Mexiko-Käfer.

Bei unseren Landgängen in Mexiko fällt auf: nicht nur Maya-Geschichte, Margaritas, Cenotes, bunte Farben und Sombreros sind allgegenwärtig. Sondern auch ein gleichsam alter Bekannter, der VW Käfer. Deutlich häufiger als in Deutschland fällt uns eines dieser (für uns) ikonischen Symbole des heimischen Wirtschaftswunders der Nachkriegsjahre auf.

Klar, die knuffigen „Mexiko-Käfer“ wurden hier in Mittelamerika seit 1964 gebaut, hier lief 1981 der 20-millionste Käfer vom Band, der letzte rollte 2003 aus dem Werk. Und sie wurden in den späteren Jahren (ab 1978, als nach 40 Jahren die deutsche Produktion des Käfers endete, nicht aber dessen deutscher Vertrieb) sogar in einer speziellen Europaversion im mexikanischen Werk Pueblo für den Export nach Emden produziert.

Und so gehören die „Vocho“, wie sie hier genannt werden, ebenso zum Verkehrsbild wie viele ältere VW-Busse. So selbstverständlich sind sie hier, dass sie sich sogar auch in den Souvenirshops finden.

Dort mexikanisch bunt bemalt, im Straßenbild oft ganz banal als Alltagswagen,

manchmal aber auch als Umbau …

Jedenfalls oft in gutem Zustand und liebevoll instand gehalten.

Straßenbild trifft es allerdings nicht ganz. 😚

Denn auch im MUSA Unterwassermuseum sehen wir beim Tauchgang nicht nur einen klassischen Käfer …

(ja, das Bild kennt Ihr schon), sondern zusätzlich sogar auch einen Beetle.

Und das ist nur konsequent, denn auch diese Autos, mit denen VW ab 1997 einen Retro-Kleinwagenboom auslöste (der BMW Mini folgte dann 2001), wurden im Werk Puebla gebaut.

So oder so freuen wir uns jedesmal, wenn wir einen Käfer (oder Beetle) sehen. Jedenfalls einen solchen. Ein andere Käfer 🪲 dagegen nervt: bereits seit der Chesapeake Bay finden wir immer wieder „Stinkekäfer“ an Bord. Eigentlich unauffällig, aber wenn eine Leine oder ein Segelsack umgestaut werden, krabbelt nicht selten dahinter ein fingernagelgroßer, geflügelter Käfer hervor. Die setze ich dann regelmäßig über Bord. Tritt man allerdings versehentlich auf eines der aufgeschreckten Krabbeltiere drauf oder zerdrückt ihn beim Wegnehmen der Leine, stinkt das Ganze erbärmlich. Also Vorsicht ⚠️ 💩.

Ansonsten: Pura Vida.

Tulum und Cenotes Sac Ac Tún

Wenige Maja-Tempelanlagen sind direkt am Meer errichtet, insbesondere auch weil die Frischwasserversorgung schwieriger ist, wenn in den notwendigen Cenotes das Salzwasser durch das poröse Kalkgestein sickert und sich unter das Süßwasser schiebt. Eine der wichtigen und bekannten Stätten dieser ungewöhnlichen Art ist Tulum, etwa zwei Stunden Autofahrt südlich unseres Hafens Puerto Morelos. Wobei, diese Fahrt geht auf der gut ausgebauten Carretera 307 durch das Touristenzentrum Playa del Carmen und durchgängig küstennah entlang der „Riviera Maya“ mit ihren luxuriösen Hotelanlagen. Kein Wunder also, wenn der Tempel in Tulum die Touristenmassen anzieht.

Von der Wasserseite sieht das noch ganz passabel aus. Moment, wieso von der Wasserseite? Auf unserer Anfahrt stauen wir uns zunächst durch den Ort und dann auf einem Strandweg in Richtung der Maya Ruinen.

Irgendwann geht es nicht mehr weiter. Die Coop der Pescadores bietet ein Stück zurück einen kostenpflichtigen Parkplatz, von dem aus man zu den Ruinen laufen und sich in die Schlange vorm Eingang einreihen kann. Oder (Geschäftsmodell) man lässt sich von den Fischern wasserseitig die Tempelanlage zeigen und schnorchelt danach noch etwas am vorgelagerten Riff. Überredet 😚.

Wobei Schnorcheln mit vorgeschriebenen Schwimmwesten schon ganz schön befremdlich ist. Bei dem Betrieb der hier herrscht ist es aber wahrscheinlich so, dass ohne die Schwimmwesten alle naselang ein auftauchender Schnorchler überfahren würde, oder man müsste jedem eine Taucherboje mitgeben, für ungeübte wohl wenig praktikabel. Immerhin, wir sehen neben einigem Rifffisch einen großen Rochen, Jan sogar eine Schildkröte. Und eine Erfrischung ist es allemal.

Der eigentliche Hit komm allerdings später. Auf dem Rückweg von Tulum machen wir einen Abstecher zu den Cenotes Sac Ac Tún. An mehreren anderen Cenotes führt der Feldweg vorbei, unter anderem an der bekannten und touristisch gut erschlossenen Cenote Dos Ojos. Der große Parkplatz und das Restaurant hier sind gut gefüllt, aber ein paar Kilometer Holperstraße weiter beim Einstieg in Sac Ac Tún sieht es anders aus. Es ist so wenig los, dass wir vier von Guide Alberto sogar eine Privatführung bekommen, was normalerweise einen heftigen Aufpreis bedeuten würde.

Auch hier sind Schwimmwesten obligatorisch, bei der über eine Stunde langen Tour in dem (relativ) auftriebsarmen Süßwasser aber auch ganz angenehm. Das Höhlensystem Sac Ac Tún ist riesig, wohl eines der größten verbundenen Systeme weltweit. Wir erkunden natürlich nur einen kleinen Teil davon, sind aber trotzdem völlig fasziniert.

Dabei ist es gar nicht so leicht festzumachen, was genau an den Cenotes uns so begeistert. Das Schwimmen durch ein System von Tropfsteinhöhlen mit unfassbar klarem Wasser, die Licht- und Schatteneffekte über und unter Wasser, hervorgerufen durch ein paar installierte Lampen und die Taschenlampe, mit der Alberto uns den Weg zeigt. Und durch die gelegentlichen, zumeist nur kleinen Deckendurchbrüche, die etwas Tageslicht einfallen lassen. Das Urtümliche, Geheimnisvolle, die Abgründe (die verbundene Höhle Blue Abyss, von der wir nur den tief unter Wasser liegenden Eingangsspalt sehen, geht bis auf über 70 m in die Tiefe).

Abwechseln geht es durch vergleichsweise große Höhlen und schmale Gänge, bei denen wir uns zwischen den Stalaktiten hindurchschlängeln und achtgeben müssen, uns nicht den Kopf zu stoßen. Mal können wir stehen, meist aber sieht der Boden im glasklaren Wasser zwar nah aus, ist aber doch unerreichbar für die Füße. Catfish, also Welse, finden sich in größerer Zahl, aber auch einige andere Fischarten haben sich an die überwiegend dunklen Höhlen angepasst.

Wie Saugnäpfe ragen Baumwurzeln von der Decke in die Höhle hinein, verdicken sich und enden kurz über der Wasseroberfläche.

Ziemlich geflashed und auch ein wenig heruntergekühlt kommen wir nach einer guten Stunde wieder ans Tageslicht. Wow 🤩.

Zurück an Bord heißt es (viel zu früh) langsam Abschied nehmen von unserer Crew Catalina und Jan. Dabei gibts vor deren obligatorischem COVID-Antigentest noch einen ordentlichen Aufreger: ich bekomme Fieber, einen rauen Hals, fühle mich schlapp. Ein COVID-Selbsttest bleibt aber negativ und auch die Tests der beiden sind negativ. Pffff, das hätte kompliziert werden können.

Aber selbst auf Langfahrt ist man vor einer standardmäßigen Erkältung nicht gefeit (ist allerdings die erste in den zweieinhalb Jahren), wenn man im durchgeschwitzten T-Shirt die Klimaanlage des Autos aufdrehen muss, damit die Scheiben nicht beschlagen.

Pura Vida.

Mayaruinen Ek Balam und Cenote X‘Canche

Als Ziel unseres nächsten Landausflugs haben wir uns Ek Balam ausgesucht. das liegt zwar ungefähr auf der gleichen Breite wie unser Hafenort Puerto Morelos, erfordert aber doch eine etwa zweieinhalbstündige Autofahrt. Und die unterschätzen wir etwas, sie erweist sich als eine der langweiligsten Fahrten überhaupt, es zieht sich. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass die Landschaft flach und weitgehend unbebaut ist. Bis dicht an die zumeist schnurgerade verlaufende Straße zieht sich scheinbar undurchdringlicher Bewuchs aus niedrigen Bäumen und hohen Büschen, keine Abwechslung für die Augen, kein Überblick. Trotz Licht und Grün fühlt es sich nach einer stundenlangen Tunnelfahrt an.

Die von uns per Email angeschriebenen Hotels haben beide bisher nicht geantwortet, das werden wir unterwegs nachher noch mal checken.

Aber: die langweilige Fahrt lohnt sich für uns ohne Zweifel! Die Ruinen der Mayastadt Ek Balam begeistern uns. Nur ein Teil der Anlage ist bisher ausgegraben. Guide Francisco erklärt uns, dass sich unter allen in der Umgebung sichtbaren Hügeln weitere Ruinen verbergen. Und nicht alle ausgegrabenen Gebäude sind restauriert. Zumal nicht nur die wuchernde Natur den Maya-Städten (im wahren Wortsinn) zusetzt, sondern die Steine in den vergangenen Jahrhunderten seit dem Untergang der Maya-Hochkultur teilweise auch entfernt und für Privatbauten verwendet wurden.

Eine Besonderheit für den Besucher ist, dass die Ruinen überwiegend begehbar sind, anders als etwa die berühmtere Anlage in Chichén Itzá, zugleich aber weniger touristische Aufmerksamkeit erhält und damit auch deutlich weniger „Rummel“-Charakter entfaltet. Unsere Segelfreunde Martina und Daniel von der Vairea hatten uns mit ihren Facebookberichten und dem Blogbeitrag über ihren Mexiko-Aufenthalt schon darauf vorbereitet und auch ein bisschen hierhin gelockt, ganz lieben Dank dafür.

Das Eingangsportal sieht noch recht bescheiden aus, zeigt aber schon sehr gut die Maya-Bauweise mit konstruktiv eher schmalen Räumen, die Maya kannten keine Rundbögen oder Gewölbe mit tragenden Schlusssteinen, vielmehr mussten die Seitenwände selbst tragend sein.

Durch enge Gänge geht es weiter in die Anlage hinein, aber dann weiter es sich.

Besonders beeindruckend ist die steile Treppe hinauf auf das „Akropolis“-Gebäude. Tip bei diesen Treppen: diagonal benutzen. 😉 Von oben lassen sich im Grün dann auch einige der anderen Gebäude ausmachen und die Dimension der Gesamtanlage erahnen.

An der Fassade der Akropolis findet sich auch eine restaurierte Stuckatur. Sie zeigt das stilisierte Gesicht des „Erdmonsters“ (in der mittleren der drei Mayawelten zwischen Unterwelt und Himmel). Mit aufgerissenem Mund und Augen, wobei dieses Tor später als Zugang zum Grab des Maya-Fürsten und Halbgottes Ukit Kan Le’k Tok verschlossen wurde. Auch das eine Besonderheit, denn anders als die ägyptischen Pyramiden waren die Maya Tempel nicht als Grabanlagen konzipiert.

Zurück geht es über das Ballspielfeld. Auf den Schrägen spielte nur der jeweilige Kapitän, die übrigen Spieler auf dem Rasen dazwischen. Ob auch hier nach dem Spiel eine der Mannschaften geopfert wurde ist nicht bekannt, wie überhaupt die Opfertradition der Mayastämme regional und wohl auch im Ablauf der Jahrhunderte unterschiedlich war.

Angenehm für uns zu wissen: in der zugehörigen Cenote X’Canche fanden sich keine Relikte von Menschenopfern, was andernorts durchaus der Fall ist. Wir fahren mit den im Eintrittspreis enthaltenen Leihfahrrädern die anderthalb Kilometer dorthin.

Unsere nächste Cenote, diesmal bietet sich ein völlig anderes Bild. Hier in Ek Balam gleicht die Cenote noch mehr einem Blue Hole, fast kreisrund, oben vollständig offen und tief eingeschnitten in die umgebende Landschaft. Baden (diesmal auch ohne obligatorische Schwimmweste) im erfrischenden Süßwasser ist erlaubt, Sprünge aus zwei, zehn und zwölf Meter Höhe auch.

Der „Dachüberstand“ und die am Rand fast wie ein Vorhang herunter hängenden Baumwurzeln sowie das intensive Spiel des Lichts lassen diesen Ort ganz besonders erscheinen.

Die Hotels haben sich immer noch nicht gemeldet, statt uns vor Ort ein anderes zu suchen beschließen wir, wieder zurück auf die Flora zu fahren.

Die aus Leinen gebildeten Wildbrücken (u.a. für Affen und Faultiere) sind eine der wenigen optischen Abwechslungen

Noch mal zweieinhalb Stunden Langweil-Fahrt, aber mit den frischen Eindrücken des Erlebten im Kopf (und ein paar „8 Milliarden“-Podcasts) vergeht die Fahrt diesmal gefühlt viel schneller.

Pura Vida.

Bürokratie und Unterwelt

Mit dem TIP stand ja noch eine weitere Formalität aus, obwohl wir bereits einklariert sind. In Mexiko ist es nämlich so, dass wir für das Boot eine “temporäre Importbewilligung” benötigen (auf Englisch: Temporary Import Permit), wenn Flora denn länger als 14 Tage im Land bleiben soll. Wir sind vorgewarnt, was den formalen Aufwand angeht. Originale und Kopien von allen Papieren der Einklarierung und des Reisepasses, ein frei formuliertes Antragsschreiben (auf Spanisch), das idealerweise auch Angaben zur Motornummer unseres Bootsdiesels sowie ein Foto des Schiffes und der Motornummer beinhalten soll, Außerdem einen Eigentumsnachweis für das Dinghy, auch hier möglichst mit Dinghynummer und Außenbordmotornummer. Das wurde jedenfalls bei einem befreundeten Boot verlangt, die hatten es nicht mit und mussten einen neuen Termin machen. Haben wir alles gemacht, die Kopien in der beim Einklarieren bewährten Weise als auf dem Borddrucker ausgedrucktes Handyfoto.

Dann telefonisch (zwischen 13.00 und 13.30!) einen Termin vereinbaren, mit der Fähre nach Cancún fahren, zum Büro der dortigen Capitanía gehen. Ich bin zu früh, muss warten, obwohl sonst niemand da ist. Aber Termin ist Termin, ist ja auch o.k.

Auch bei uns die Frage nach dem Dinghy, die wir aber ja parieren können. Dann aber: die Kopien gefallen ihr nicht. Es sei zwar alles erkennbar, aber wenn sie das jetzt kopieren und weiterschicken würde, könnten Informationen verloren gehen. So ginge das nicht. Außerdem sei das Papier der Kopien zu groß (es ist DIN A4), das passt nicht in ihre Akten. Es müsste gut einen Zentimeter kürzer sein. Wir diskutieren. Ich bitte um eine Schere. Nein, hat sie nicht. Außerdem würden dann Informationen verloren gehen. Nein, nur Rand.

Am Ende reißt sie mit angelegtem Lineal von jeder Kopie ein Stückchen weg, ich bezahle meine 60 US$ Gebühr und bekomme mein Temporary Import Permit.

Puuuh. 😳

Jetzt dürfen wir uns mit Flora frei in Mexiko bewegen. Flora dürfte sogar bis zu 10 Jahre hier bleiben. Soll sie aber nicht. Wir feiern ein bisschen mit den Crews der Freydis (brauchte mehrere Anläufe fürs TIP) und der Amalia (TIP steht noch aus).

Und dann trennen sich leider unsere Wege mal wieder, denn wir wollen mit unserer Crew bei dem günstigen Wind etwas weiter nach Süden segeln.

Es wird ein schöner, flotter Törn nach Puerto Morelos, wir machen in der El Cid Marina fest. Und auch Fest, Silvester an Bord 🎆, so schön, dass die beiden da sind.

Neujahr gehts mit dem Mietwagen zu unserer erste Cenote. Hier im Norden der Halbinsel Yucatan gibt es unzählige Cenotes. Im Grunde sind sie ganz eng verwandt mit den Blue Holes, die uns in den Bahamas so fasziniert haben.

Die Cenotes hier sind ebenfalls ausgewaschene Karsthöhlen, oft unterirdisch zu weitreichenden Wassersystemen verbunden, mit Öffnungen in der Höhlendecke, die oft als Einstieg dienen. Die von uns besuchte „7 Bocas“ hat gleich sieben Öffnungen, die meisten klein, eine aber mit etwa 20 m Durchmesser. Die Cenote soll 150 m tief gehen, hineinspringen vom Rand ist erlaubt (und einer von uns macht das auch 😉). Das Gefühl ist schon sehr besonders, in das dunkle Loch der Cenote hinunterzusteigen und dann in das von unten (über die unterseeische Verbindung zum großen Loch) mystisch blau leuchtende Süßwasser zu gleiten.

Manche der Höhlen sind luftig, andere lassen nur wenig Luft über unseren Köpfen. Zwei der sieben Höhlen sind sogar nur für (Geräte-)Taucher erreichbar, die lassen wir heute aus.

(Photo Credit Jan)
(Photo Credit Jan)

Faszinierend ist aber auch der Blick unter Wasser, wo sich die größeren Stalaktiten von der Höhlendecke weiter fortsetzen.

Oder auch der Blick in die andere Richtung, nach oben zu einer der sieben „Bocas“, also Öffnungen, wörtlich übersetzt aber „Münder“.

Die Mayas übrigens verehrten die Cenotes als heilige Quellen, nutzten sie als Trinkwasserbrunnen. Sie sahen in ihnen aber zugleich auch Eingänge zum Sitz der Götter der Unterwelt und verwendeten sie auch als religiöse Opferstätten.

Mit den „7 Bocas“ haben wir ein glückliches Händchen. Jedenfalls heute am Neujahrstag ist sie ganz überwiegend von Mexikanern besucht, Familien mit jung und alt haben sich ein Picknick mitgebracht und genießen den allerdings auch etwas abgelegenen Ort, der aber eben extra Picknickstellen mit palmgedeckten offenen Hütten bietet und an dem sich keine Massen durchschieben.

Splash. Und Pura Vida.

MUSA Unterwasser-Kunst-Museum

Das MUSA (Museo Subacuático del Arte) bietet in Mexiko mehrere Unterwasserausstellungen. Eine davon findet sich direkt an der Isla Mujeres, wo auf 8 bis 10 Meter Tiefe ein Skulpturengarten angelegt wurde.

Die ersten Skulpturen hier wurden vor 11 Jahren aufgestellt, etwa 450 Figuren menschlicher Körper des britischen Künstlers Jason DeCaires Taylor unter dem Titel „La Evolución Silenciosa“ haben also schon einige Zeit unter Wasser verbracht und sind entsprechend mit Algen, Schwämmen und Korallen bewachsen. Das ist integrativer Teil des Kunstwerks, dass durch den Bewuchs zu einem künstlichen Riff werden soll, um zumindest einen kleinen Ausgleich für die durch den Menschen zerstörten Riffe zu schaffen und Bewusstsein dafür zu bilden. Auf einigen der Figuren wurden aus diesem Grund Fragmente von beschädigten Korallen angepflanzt.

Weitere der Figurengruppen stehen in flacherem Wasser auf der Festlandsseite bei Cancún. Diese zweite Ausstellung kann man gut schnorchelnd besichtigen, hier an der Isla Mujeres ist das wegen der Wassertiefe und der Strömung eher nicht zu empfehlen.

Und so buchen Wiebke und ich denn einen Platz auf einem Tauchboot, dass uns hinaus zum Unterwassermuseum fährt. Wohlgemerkt nur uns und den Guide, obwohl auf dem Boot Platz für 14 Taucher plus Guides wäre. Der Tourismus läuft offenbar noch nicht wieder auf vollen Touren, obwohl den Tauchplatz natürlich auch noch andere Tauchboote anfahren. Uns ist es recht. Es wird ein Doppeltauchgang, zuerst am Riff, dann ein Stückchen weiter und mit neuen Flaschen der Tauchgang am Unterwassermuseum.

Unser Einstieg in das Kunstmuseum ist die etwas jüngere Skulptur „Antropoceno“ , ebenfalls von Jason DeCairo Taylor. Ein VW-Käfer mit einer weiblichen, zusammengerollten Figur vor der Windschutzscheibe.

Die Figuren selbst sind echten Personen aus dem Wohnort des Künstlers angelehnt und alle mit individuellen Charakterzügen ausgestattet, die aber nicht mehr immer erkennbar sind. Nicht alle sind positiv dargestellt, manche gleichgültig, manche negativ.

Der natürliche Bewuchs mit seinen Farben und Formen verändert das sich bietende Bild ohnehin. Je nach Lichteinfall (und sicher auch persönlicher Stimmung) wirken die Skulpturen mal engelsgleich mit Flügeln aus Fächerkorallen, mal divenhaft mit einer Stola aus Federbüschen, mal aber auch wie Figuren aus einem Horrorkabinett, die dem verwunschenen Flying Dutchmann entsprungen scheinen.

Das waren zwei für uns sehr eindrucksvolle Tauchgänge.

Pura Vida.

Isla Mujeres

Erst mal ganz herzlichen Dank für die vielen lieben Weihnachtsgrüße, die uns hier als Kommentar, über die anderen sozialen Medien oder per Telefon erreicht haben. Das hat uns mächtig gefreut.

Rechtzeitig zum Fest ist Catalina eingetroffen, so dass wir Weihnachten zu viert einläuten konnten. Und wenn wir Weihnachten schon nicht (wie in Deutschland zum Teil) als weiße Weihnachten feiern können, gibts hier jedenfalls die ungewöhnliche Kombination aus Weihnachtsschnorcheln (nur eine kurze Dinghyfahrt vom Ankerplatz entfernt) …

… und anschließendem improvisierten Weihnachtsmarkt mit Glühwein im Cockpit 😁.

Am ersten Weihnachtstag finden wir uns am Abend mit den Crews der britisch-portugiesischen Amalia, der australischen Freydis und der britisch-deutschen La Bohème zum Sundowner und anschließendem mexikanischen Essen zusammen, es wird ein sehr lustiger Abend, nicht nur aufgrund der Margaritas.

Heute dann zum Ausgleich ein langer Spaziergang zur Südspitze der Insel. Mit Einkauf im örtlichen Supermarkt, der dann doch etwas anders daher kommt als gewohnt.

Und der lange Spaziergang gewährt auch sonst ein paar Einblicke in weniger touristische Gegenden der Insel, aber klar ist auch: die Isla Mujeres lebt für und vom Tourismus.

Und dieser Tourismus soll geschützt werden, auch wenn die jüngsten diesbezüglichen mexikanischen Negativ-Schlagzeilen nicht die Isla Mujeres betrafen. Die schwer uniformierten bewaffneten Patrouillen am Strand wirken dennoch befremdlich:

Was dagegen immer wieder fasziniert, ist der Blick auf das Meer. Sei es bei der Zip-Line auf dem Weg an die Südspitze

oder beim abendlichen Sundowner am Sandstrand direkt am Dinghydock im Ort.

Pura Vida.

Drittes Weihnachten unterwegs und wie soll es weitergehen?

2021 also Weihnachten in Mexiko. Nach Bequia Weihnachten 2019 und Barbuda Weihnachten 2020. Ziemlich genau zweieinhalb Jahre leben wir jetzt auf der Flora, seit dem 25. Juni 2019.

18.692 Nautische Meilen haben wir dabei mit der Flora zurückgelegt, das entspricht 34.617 Kilometern. Einige Kringel haben wir in der Karibik und in den USA gedreht, 20 Länder bzw. Regionen besucht (wobei man da je nach Definition auch ein paar mehr oder weniger zählen könnte, wer mag, kann ja die Flaggen mal zuordnen).

🇬🇷 🇮🇹 🇪🇸 🇵🇹 🇮🇨 🇨🇻 🇻🇨 🇬🇩 🇱🇨 🇲🇶 🇩🇲 🇬🇵 🇦🇬 🇻🇮 🇺🇸 🇸🇽 🇵🇷 🇩🇴 🇧🇸 🇲🇽

Stellvertretend und doch so unvollständig ein paar ganz besonders einprägsame der unfassbar vielen Highlights aus diesem Jahr:

Culebrita in Puerto Rico

Wale in der Samana Bay, Dominikanische Republik

Blue Holes in den Ragged Islands

und überhaupt das gemeinsame Cruisen mit anderen Seglern in den Bahamas,

Menschen, Menschen, Menschen, davon viele, aber eben nicht nur, Segler,

Segeln, Segeln Segeln

und wunderbare Naturerlebnisse.

Reisemüde sind wir jedenfalls nicht, für die nächste Zeit haben wir uns einiges vorgenommen. Allerdings, mit der Planung ist das ja so eine Sache, nicht nur in COVID-Zeiten.

„Man plans and God laughs“ heißt es, zurückgehend auf das jiddische Sprichwort „Mann Tracht Un Gott Lacht“. Auch wenn es denn für göttliche Erheiterung sorgt, unsere Idee für den Pazifik konkretisiert sich langsam.

Dabei fassen wir fürs erste den nordöstlichen Pazifik ins Auge, würden also gern im nächsten Frühjahr durch den Panamakanal und dann vielleicht über Hawaii zurück an die Küste des nordamerikanischen Kontinents, also eine Schleife im Nordostpazifik. Noch ein bisschen vage? Ja! Die Seestücke auf dieser Strecke wären ziemlich lang. Selbst auf der direkten Großkreisroute (die einen ausgedehnten Bereich mit schwachen Winden und Flauten erwarten lässt und deshalb meist nicht empfohlen wird) wären es von Panama bis Hawaii 4.530 nautische Meilen, mehr als doppelt so viele wie auf unserer Atlantiküberquerung von den Kapverden nach Bequia. Die empfohlenen Routen liegen bei etwa 5.000 sm. 🙄 und von Hawaii aus müsste man dann ja auch wieder ans Festland. Aber verlockend finden wir es schon ☺️.

Feliz Navidad aus Mexiko und

Pura Vida.

Work & travel

Seit Fort Lauderdale findet sich ja vorübergehend unser Chief Engineer Jan auf der Crewliste. Bei der Arbeit am “Geweih”, der Rückflussleitung der Einspritzdüsen des Volvo-Penta Dieselmotors, hatte ich ihn schon gezeigt.

Zeit also, auch mal sein Arbeitszimmer vorzustellen 😉:

Übrigens, das Weitwinkelobjektiv lässt Floras Motorraum um einiges größer erscheinen. Man muss schon so schlank sein wie Jan (und sich trotzdem noch ordentlich verbiegen), um zwischen Diesel und Generator hockend an der Einspritzung arbeiten zu können.

Und: ja, es hat geklappt, keine neuen Dieselpfützen mehr in der Motorbilge. also Zeit für neue Projekte:

Den abgestürzten Plotter durch Hard-Reset wiederbeleben und alles neu einstellen …
Die Umlenkblöcke von Großschot und Ausholer auseinandernehmen …
… auch wenn dafür die Deckenverkleidungen im Bad und in der Achterkoje ebenfalls weg müssen …
… sich so hartnäckig durch all die verkorksten Menüstrukturen und Einstellungen von Furuno-Plotter (mit Installationswizzard 🤣) und Autopilot wühlen, bis endlich auch die Steuerung nach Windwinkel funktioniert …
die USB-Steckdose am Niedergang erneuern und eine weitere zwischen den Sesseln im Salon einbauen, damit auch dort Telefone, iPads, eReader, Kameras etc. geladen werden können.

Und noch einiges mehr. Danke, Jan. Echt Urlaub auf der Flora, oder?

Aber natürlich gehts auch manchmal anders, hier auf der Isla Mujeres:

Und heute Abend kommt Catalina 😉. Dann wird’s allerdings enger im Vorschiff.

Pura Vida.