Jugendtraum, Nebelwald, kleine Große und große Kleine …

Irgendwann als Teenager habe ich mal ein Buch in die Finger gekriegt, in dem ein Motorrad fahrendes Paar die Panamericana (und noch vieles mehr) komplett befahren hat. Seitdem bin ich infiziert. Auf dieser Traumstraße von Alaska bis Feuerland wollte ich eines Tages auch unterwegs sein, wenigstens ein Teilstück am Pazifik entlang! Und: jetzt ist es passiert.

Na klar, wenn sich dieser Highway von Nord nach Süd ganz durch die beiden amerikanischen Kontinente zieht, muss er zwangsläufig auch durch Costa Rica 🇨🇷 verlaufen, schließlich erstreckt sich das Land von der Atlantikseite bis hinüber zur Pazifikküste (wie neben den großen Ländern Kanada 🇨🇦 , USA 🇺🇸, und Mexiko 🇲🇽 auch Guatemala 🇬🇹 sowie Costa Ricas Nachbarländer Nicaragua 🇳🇮 und Panama 🇵🇦, außerdem Kolumbien 🇨🇴 und wohl auch Chile 🇨🇱 zu den zwingenden Transitländern dieser Straße zählen weil sie eben beide Ozeane berühren).

Von unserem Hotel in Alajuela fahren wir auf der in Costa Rica “Carretera Interaméricana” genannten Straße denn auch tatsächlich zum Pazifik und auf der Küstenstraße ein Stück weit an ihm entlang.

Dann biegen wir wieder ins Landesinnere ab und es geht hinauf in die Berge. Unser Tagesziel heißt “Monteverde”, es ist ein privates Naturschutzgebiet hoch oben auf der Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik. Die von Osten kommenden Passatwinde werden hier bis auf etwa 1.400 m die Berghänge der zentralen Kordilleren hinauf gedrückt. Sie kühlen dabei ab, der in der warmen Luft enthaltene Wasserdampf kondensiert, und so liegen diese Gipfel zumeist in dichten Wolken. Nebelwald. Regenwald.

So die Theorie und so präsentiert sich Monteverde auch bei unserer Ankunft.

Ein weiteres Klischee erfüllt sich dann gleich nach Bezug unseres Zimmers in einem kleinen Extrahäuschen auf dem Gelände der Lodge: Wiebke stößt im Badezimmer einen Schrei aus und ich darf einen unerwünschten Mitbewohner einfangen und an die frische Luft befördern:

Held mit Wasserglas. 😉 Danach bleiben wir hier übrigens von solchen ungebetenen Gästen verschont.

Wir besuchen den in der Nachbarschaft gelegenen Orchideengarten und werden überrascht. 150 der rund 500 Arten blühen bei unserer Visite, aber so richtig bunt sieht es auf den ersten Blick nicht aus. Nachdem wir den Eintritt bezahlt haben, bekommen wir gleich einmal eine Lupe in die Hand gedrückt. Ach so ist das. Tatsächlich sind 80 % der Orchideenarten weltweit mit wenn nicht unscheinbaren so doch jedenfalls ziemlich kleinen Blüten bestückt. Kein Wunder, dass wir sie bei unseren bisherigen Urwaldwanderungen nicht erkannt haben. Die bei uns verkauften Pflanzen sind zumeist extra gezüchtete Hybride mit großen und langlebigen Blüten.

Aber klein kann auch fein sein, hier zum Beispiel die “Tänzerin”:

Manche Arten muss Alvaro, der Eigner und Begründer des Parks, uns mit einem kleinen Stöckchen zeigen:

Aber die zumeist heimischen Arten bieten auch einige spannende Formen, etwa “Espíritu Santo” (Heiliger Geist mit weißer Taube), “Mariposa” (=Schmetterling) oder “Cara del Mono” (=Affengesicht):

Und da wir schon mal im Ort unterwegs sind, gehen wir erst mal im Baumhaus essen

und dann mit einsetzender Dämmerung zum “Frog Pond”, in dem sowohl tag- als auch nachaktive heimische Froscharten beobachtet werden können.

Und auch hier sind wieder die Kleinen ganz groß. Während uns die viel massigeren Erdkröten nicht wirklich in den Bann schlagen, fasziniert uns der nur knapp fingernagelgroße Erdbeer-Pfeilgift-Frosch, gelegentlich auch „Bluejeans-Frosch“ genannt:

Oder auch der etwas größere Rotaugenlaubfrosch:

Leider bekommen wir bei der ansonsten wunderschönen dreistündigen Regenwaldwanderung am nächsten Tag keinen einzigen Frosch zu sehen, dafür aber einige wenige klitzekleine Orchideen und ein paar andere Exoten.

Diesen Glasflügelschmetterling etwa …

und diese Stabheuschrecke (richtiger: Gespensterschrecke):

Den fazinierenden Regenwald selbst natürlich, mit klitzekleinen wie Perlen funkelnden Tautropfen im Moos, Wasserfällen und Baumriesen wie uralten Maagoniebäumen oder gewaltigen Würgefeigen.

Einen brütenden Kolibri …

Vor allem aber sehen wir zu unserer Freude ein weit größeres Tier, leider nur ganz klein aus großer Entfernung. Die zottelige Fellkugel dort weit oben im Blätterdickicht ist tatsächlich ein Faultier 🦥 :

Pura Vida.

Pura Vida, Costa Rica

“Pura Vida” heißt unser erstes Hotel in Costa Rica 🇨🇷.

Allerdings weist der Betreiber uns schon vor der Anreise darauf hin, dass wir dem Taxifahrer unbedingt auch die Adresse (Tuetal, Alajuela) mitteilen müssen, da es hier gleich drei Hotels mit diesem Namen gibt.

Pures Leben, reines Leben, wahres Leben, einfach Leben … Es gibt viele mögliche Übersetzungen, aber keine trifft es wirklich. Denn tatsächlich ist “Pura Vida” schon lange der inoffizielle und spätestens seit 2014 auch der offizielle Wahlspruch von Costa Rica. Die Ticos (so nennen sich die Einwohner des Landes mit einigem Stolz selbst; Ticas, wenn ausschließlich Frauen gemeint sind) verwenden ihr Lebensmotto “Pura Vida” denn auch in vielerlei ganz anderen Zusammenhängen. Mal als Begrüßung, mal als Verabschiedung. Oder zum Beispiel auch als absolut positive Antwort auf die Frage, wie es ihnen geht. Gesund und glücklich: Pura Vida!

Passend zu dieser Lebensfreude begrüßt uns der erste Morgen in Costa Rica trotz Regenzeit mit strahlend blauem Himmel.

Hotelbesitzer Bernie erklärt uns beim Frühstück, dass die in der Ferne sichtbaren Wolken typischerweise bis zum frühen Nachmittag von dem vulkanischen Gebirgszug der Cordillera bis hier voranschieben werden.

Wir frühstücken ausgiebig und erkunden dann ebenso genussvoll den liebevoll angelegten Garten mit seinen exotischen Pflanzen:

Dann lömern wir noch ein bisschen auf unserem Zimmer herum und holen gegen Mittag den Mietwagen ab, den wir uns für die zwei Wochen hier schon von Deutschland aus reserviert hatten. Annemarie von der escape hatte uns erklärt, dass wir nicht unbedingt die von Agenturen oft empfohlenen Transfers mit Fahrer/Guide benötigen, also probieren wir das trotz rudimentärer Beschilderung und teilweise schlechter Straßenzustände mal aus.

Heute jedenfalls klappt es ganz gut, wir machen gleich noch einen Ausflug zur familiengeführten Kaffeeplantage Doka an den Hängen des Vulkans Poás.

Schön, dass wir dort auch gleich noch einen Schmetterlingsgarten besichtigen können.

Caligo-Schmetterling, wegen der „Augen“ auch Eulen-Schmetterling genannt
An der (Ananas-) Futterstelle

Schon auf der Plantage beginnt es zu regnen, aber so richtig pladdert es erst los, nachdem wir wieder zurück im Hotel sind. Nicht, ohne vorher noch im von Bernie empfohlenen Restaurant herrliche Fischgerichte verspeist zu haben.

Pura Vida!

Auf nach Costa Rica

Zack – sind sechs Wochen in Deutschland schon wieder um und wir stehen am Flughafen in Hamburg. (Chief) Jan hat uns hin gebracht und schießt das Abschiedsfoto.

Ja, wir haben ein paar Kilo zugenommen in den wenigen Wochen. Familien- und Freundesbesuche sind irgendwie wie Weihnachten und Ostern zusammen, Wiebkes Geburtstag kam noch dazu 😉.

Alle haben wir leider trotzdem nicht treffen können, sorry dafür.

Und jetzt (wir sitzen inzwischen in Frankfurt im nächsten Flieger) geht’s nicht etwa direkt zurück in die USA zur Flora, sondern zunächst mal nach Costa Rica 🙃.

Der Grund dafür ist einfach: wer in den letzten 14 Tagen im Schengenraum war, darf grundsätzlich nicht direkt in die USA. Es gibt aber eben die Möglichkeit, zwischendurch zwei Wochen in einem NICHT-Schengen-Land zu verbringen und von dort weiterzureisen. So machen wir das.

Wir haben viele tolle Sachen über Costa Rica gehört und gelesen und freuen uns riesig darauf. Allerdings ist dort gerade absoluter Peak der Regenzeit. Neben Tagen mit 10 bis 20 Litern Regen pro Quadratmeter sind deshalb auch solche mit 20 bis 50 Litern zu erwarten und der aktuelle Wetterbericht zeigt denn auch kein Sonnensymbol , sondern nur unterschiedliche viele Regentropfen. Hm. Na gut, deshalb heist es wohl Regenwald 🤓.

Wir sind sehr gespannt.

Zwei Wochen in Deutschland

Die Zeit saust dahin, obwohl (oder weil?) wir es ruhig angehen lassen. Wir genießen die Zeit mit Chief Jan (und Catalina, wenn sie da ist) in unserer Wohnung.

Wiebkes Mutter Uschi und Bruder Jörg wollen uns besuchen kommen, aber der Bahnstreik kommt dazwischen. Ihr Auto hat Uschi uns für unseren Deutschlandaufenthalt großzügig überlassen. Fahren wir halt umgekehrt mit dem Auto hinaus nach Hoya und machen dort mit den beiden eine wunderschöne Radtour durch die Feldmark in ein abgelegenes Bauern-Café mit herrlichem Kuchenangebot.

Unter der Woche treffen wir alte Freunde. Am Wochenende bekommen wir dann doch in Hamburg Besuch, meine Schwester Anja und Schwager Ralf kommen vorbei.

Eine gute Gelegenheit, mal wieder auf den Goldbekmarkt zu gehen und auch einen langen Spaziergang durch Winterhude, Barmbek und den Stadtpark zu machen. Natürlich mit Besuch an unserer Lieblingsfontäne, dem Pinguinbrunnen.

Anja ist aber von anderen Tieren noch mehr begeistert: Jan hat die immer mal wieder unsere Dachterrasse besuchenden Eichhörnchen in der langen Homeofficezeit inzwischen soweit gebracht, dass sie ihm Nüsse aus der Hand fressen. Probieren wir natürlich gleich aus und … es klappt!

Und, fehlt uns das Schiff? Wenn ich sehe, was Wiebke auf der Busfahrt zum Markt mit der Fahrkarte macht, offensichtlich schon:

Aber immerhin bekommen wir aus Herrington Rückmeldung, was inzwischen an Flora passiert. Mike koordiniert dort die Arbeiten bzw. macht einen größeren Teil davon selbst. Und er schickt uns Fotos. So zum Beispiel sah unser Leinenschneider an der Propellerwelle und das Kegelrad des Props vorher und jetzt aus:

Und so die Propellerflügel:

Gereinigt und poliert, nicht neu gekauft. Das klappt also soweit in der Ferne und auch hier. Die größeren Arbeiten stehen allerdings noch aus. Auch die Steuererklärung harrt noch darauf, dass ich mich endlich daran mache … 😔

Und schon eine Woche in Deutschland …

Wow. So schnell geht das, schon über eine Woche sind wir auf Besuch in Deutschland. Urlaub vom Segeln. Und was machen wir?

Ankommen. Staunen, wie wenig sich in den zwei Jahren im Grunde verändert hat. Formalkram anstoßen oder sogar gleich abarbeiten, Termine vereinbaren (auch mit Freunden und Familie, krass!), Wiebkes Mutter und unsere Geschwister besuchen, zum Zahnarztfreund nach Kiel fahren, dabei gleich weitere alte Freunde treffen und – Meerweh – in Laboe Hafen und Strand einen Besuch abstatten.

Sich die “typisch deutschen” Strandkörbe wieder vor Augen führen (gibt es dafür eigentlich überhaupt ein Wort in einer anderen Sprache? Segway’s wie “roofed wicker beach chair” ist ja doch etwas gestelzt) 😉

Und in Hamburg: durch die Stadt laufen, uns beim Spaziergang durch unseren Stadtteil Winterhude über das viele Grün und die Kanäle freuen, mal wieder richtig schöne Wochenmärkte wie den am Goldbekkanal besuchen.

Und aus der Ferne noch ein bisschen die Arbeiten am Boot koordinieren. Gedanken- und Gefühlsspagat zwischen den beiden “Zuhause”. Aber es ist doch auch sehr schön, mal wieder hier zu sein!

Zurück im anderen Zuhause

Nach zwei Jahren das erste Mal. Wieder fliegen. Wieder zurück in Deutschland. Familie und alte Freunde treffen. In siebeneinhalb Stunden eine Strecke zurücklegen, für deren Entsprechung mit einem ganz anderen, viel südlicheren Bogen und diversen wunderschönen Aufenthalten wir hin etwa ein Jahr gebraucht hatten. Und ein weiteres Jahr für die Runde in den Nordosten der USA und dann durch die Karibik. Jetzt der Flug mit durchaus gemischten Gefühlen, ganz viel Vorfreude, aber auch dem unschönen Gefühl, Flora zurückzulassen.

Auch der Anschlussflug nach Hamburg klappt und am Flughafen warten trotz einstündiger Verspätung Freunde, um uns zu begrüßen und abzuholen 🤩

Und auch das Wetter spielt mit: feinstes Hamburger Schmuddelwetter mit viel Wind und Regenschauern empfängt uns. Auf dem Weg zum Bäcker wechseln sich Sonnenschein und Niesel ab, aber beim Grillen auf unserer Dachterrasse ist es am Abend trocken. Heute pladdert es zwischendurch „wie wenn die Kuh das Wasser lässt*“, aber meist bleibt es bei dramatischen Wolken über den Hamburger Dächern. Außerdem sind wir nach den sonnenverwöhnten letzten zwei Jahren weiter denn je davon entfernt, dass unser „Körper an der Nordseite schon Moos ansetzt*“ und überhaupt:

„Ob du meckerst oder jubelst, deprimiert bist oder froh,
ist völlig wurscht, denn das Wetter kommt sowieso.
Und dann sehe ich es lieber schon als Optimist
und ich freue mich, dass überhaupt noch Wetter ist.*“

Fühlt sich gut an, mal wieder im anderen Zuhause zu sein.

* jeweils aus Reinhard Mey: Das Sauwetterlied

Ergänzung zum Fortgeschrittenen-Puzzle

Weil das im letzten Beitrag vielleicht etwas unverständlich war, nochmal kurz zu den Besonderheiten der Bebauung hier im Washingtoner Speckgürtel.

Ja, es ist (wie so oft in den USA) Holzbauweise und unterscheidet sich damit doch ziemlich von den für uns gewohnteren Massivhäusern. Einmal fertig, sieht das ungeübte Auge das allerdings nicht auf Anhieb. Hier das gleiche Haus (wenn auch spiegelverkehrt) auf dem linken Bild in zwei verschiedenen Abschnitten im Bau und rechts fertiggestellt.

Oder hier ein anderer Haustyp in verschiedenen Stadien (Holzständer, Folie, verkleidet mit Klinkern oder Fassadenplatten):

Und hier noch ein paar weitere Beispiele, alle aus dem gleichen uns gegenüberliegenden Baugebiet „Crown“, aus dem auch die gestrigen Bilder waren.

Die Bauträgergesellschaften dieser Reihenhäuser sind für die Varianz der Fassaden ebenso verantwortlich wie für die Bepflanzung mit Grün und (hohen) Bäumen, die Parks und Grünflächen, die Gehwege und sogar die Straßen, die erst zu einem späteren Zeitpunkt der Stadt übergeben werden – mit Abnahme in einem vertraglich festgelegten Zustand. Hier nochmal das Bild von gestern mit der scheinbar eintönigen Reihenausansicht im Rohbau, wobei die Häuserzeile im Vordergrund die Rückansicht der Gebäude mit den Garagentoren zeigt:

Schon spannend und mal wieder ein Beispiel für „andere Länder, andere Sitten“.

Für uns auch ungewohnt ist der Zuschnitt der Wohnungen und Häuser. Oft steht man nach dem Eingangstür (ohne Flur) direkt im Wohnzimmer oder in einem selten genutzten, aber komplett eingedeckten „guten“ Esszimmer. Bei vielen dieser Neubauten gibt es zudem mehr Badezimmer als Schlafzimmer. Überhaupt, Schlafzimmer. Die Wohnungsklassifizierung erfolgt hierzulande nicht nach der Zahl der Zimmer (3-Zimmer-Wohnung), sondern nach der Zahl der Schlafzimmer (3 bedroom). Als Schlafzimmer zählt aber nur ein Zimmer, das auch einen Einbauschrank aufweisen kann (closet). Der Master-Bedroom hat bei diesen Neubauwohnungen eigentlich immer ein En-Suite-Bad, bei den anderen Schlafzimmern ist es oft zumindest eine Option, nur die kleinen Kinderzimmer müssen sich ein Bad teilen. Wer mag, kann ja mal in den Grundrissen der Bauträger hier in Crown stöbern.

Noch etwas eingewachsener sieht es dann in ein paar Jahren aus, wie hier bei Greg und Michael auf der anderen Straßenseite:

Bauweise und Aufteilung sind aber ähnlich.

Zeit in Washington und “umzu”

Wir sind immer noch in Washington, wohnen im Haus von unseren Freunden Greg und Michael. Die allerdings sind inzwischen in Deutschland, wir machen also quasi “Haus-Sitting”.

Noch knapp eine Woche (wenn alles glatt geht), dann fliegen auch wir – ab morgen einschließlich Wartezeit komplett durchgeimpft – für etwa sechs Wochen nach Deutschland. Wir freuen uns schon sehr, genießen aber auch die ruhige Zeit hier.

Und was machen wir hier so?

Na ja, ganz hat uns das Boot noch nicht losgelassen. Ich war heute das dritte Mal hin, um mit Handwerkern in Herrington Harbour North geplante Arbeiten zu besprechen. Was steht an? Service-Arbeiten am Motor, zudem die Verlegung eines Seeventils im Motorraum um Platz für einen montierten Ersatzautopilot (Mamba-Drive) zu schaffen. Ersatz des Diesel-Vorfilters durch einen umschaltbaren Doppelfilter, was aber eine Verlegung des Vorfilters für den Generator nach sich zieht. Zudem habe ich da eine Idee für ein Diesel-Polishing. Die hintere Klimaanlage muss entweder ersetzt oder stillgelegt und ausgebaut werden. Der Stoff des Bimini muss neu und wir hätten gerne “Shades”, also anknöpfbare winddurchlässige schattenspendende Seitenteile dafür. Die Segel dürfen nach 2 Jahren und über 15.000 Seemeilen vom Segelmacher durchgesehen werden, der Rigger soll eine potentielle Schwachstelle an der Rollgroßwicklung beseitigen. Und – last not least – wir wollen erheblich mehr Solarpanele einsetzen und die bisherigen 200 WP um weitere 330 WP ergänzen. Da ist ein bisschen was durchzudenken und durchzusprechen.

Aber wir haben auch Zeit für Ausflüge, etwa mit dem Cabrio unserer Gastgeber zum Seneca Creek State Park, wo wir eine wunderschöne Wanderung um den dortigen Stausee machen, rund 7 km (etwa wie einmal um die Außenalster 😄). Statt Schwänen gibt’s Schildkröten zu sehen, die sich auf Ästen etwas entfernt vom Ufer sonnen, Außerdem Biber-Bissspuren an Bäumen, handtellergroße blaue “Red spotted Purple”-Schmetterlinge und auch der offizielle Landesvogel von Maryland, der auffällig rote “Cardinal” zeigt sich im Blätterdickicht.

Vor allem aber ist der meist nahe des Ufers verlaufende Waldweg wirklich eher ein naturnaher unbefestigter Pfad und der Wald offenbar unbewirtschaftet.

Als Kontrastprogramm fahren wir mit Bus und Metro in die Innenstadt von Washington, werfen einen Blick aufs Capitol und besuchen das “National Museum of the American Indian”. Architektonisch spannend und (jedenfalls uns) an die in Felswänden versteckten Pueblo-Bauten erinnernd, vor allem aber mit ihren runden Formen und der Einbeziehung von fließendem Wasser Einklang mit der Natur symbolisieren sollen. Das Museum ist innen auf vier thematischen Ebenen wirklich interessant gemacht und deckt die Völker der “First Nations” vonm hohen Norden bis Mittelamerika ab. Insbesondere die Aufarbeitung der Themen Spiritualität/Weltsicht und historische Entwicklung der Vertragssituation gefällt uns, aber der riesige Umfang erschlägt. Außerdem ist die Klimaanlage mal wieder auf super kalt eingestellt (was eigentlich nur für den Bereich Inuit wirklich passt). Nach ein paar Stunden fliehen wir ins Museeumscafé und wärmen uns auf.

Danach besuchen wir die schräg gegenüber liegende “National Gallery of Art”, davon allerdings nur das “East Building” mit moderner und zeitgenössischer Kunst sowie den Skulpturengarten. Dieses Häppchen sind gut verdaubar und trotzdem ist die Dichte der großen Namen (name it, you will see it) kaum fassbar.

Und wenn wir uns hier bei Greg und Micheal zu Hause einfach nur die Füße vertreten wollen, laufen wir gerne durch das sich unglaublich rasant entwickelnde Neubaugebiet gegenüber. Ein kompletter Stadtteil wächst sich hier mit imposanter Geschwindigkeit: einmal geblinzelt, steht schon wieder ein neues Haus. Was auch an der für uns ungewohnten Bauweise liegt – machmal sieht es durch die Holz-Ständer-Bauweise aus wie ein Fortgeschrittenen-Puzzle für Häuslebauer.

Super spannend, vor allem wenn man dann – wie wir es gerne tun – die Musterhäuser besichtigt und auch sieht, wie kurz nach der Fertigstellung mit Rollrasen, Bepflanzung (einschließlich ziemlich großer Bäume), Verklinkerungen und Fassadenvarianz der Eindruck eines gewachsenen Stadtteils entsteht, den man mit diesen Bildern kaum in Einklang bringen kann.

Pieks und bald zurück.

Der zweite Pieks. Pünktlich vier Wochen nach unserer COVID-Erstimpfung in Beaufort unmittelbar nach unserer Ankunft in den USA haben wir die Zweitimpfung bekommen, wieder mit Moderna. Diesmal war es kein „Walk-In“, wir haben einen Termin vereinbart, um hinsichtlich der Verfügbarkeit des richtigen Impfstoffes sicherzugehen. Wieder wurden wir in einer Apotheke geimpft, dieses Mal bei Kroger in einer Ecke des gut gemachten Harris-Teeter-Supermarktes (die Apotheke ist wie der Supermarkt ein Teil des nach Walmart zweitgrößten US-Lebensmittel/Drogerie/Apotheken/Medizin-Konglomerats mit über 3.000 Standorten und über 100 Milliarden US$ Umsatz).

Diesmal hatten Wiebke und ich etwas stärkere Nebenwirkungen, Wiebke fühlte sich zwei Tage lang angeschlagen und schlapp, mir ging es nur gestern Abend nicht so gut (sieht man ja auch). Aber jetzt scheinen wir beide damit durch zu sein. Und wir genießen ja den Luxus, hier bei unseren Freunden in Washington lecker bekocht zu werden und uns erholen zu können 😊, schließlich gelten wir erst zwei Wochen nach der Zweitimpfung als durchgeimpft.

Die Flüge nach Deutschland (über Kopenhagen) und zurück sind gebucht. Ab August sollten wir also einige Wochen in Deutschland sein. Zahnarzttermin ist gefixt, ein paar weitere Termine sind noch zu vereinbaren. Leider ist aber immer noch nicht klar, ob wir den Rückflug so nutzen können oder ob wir noch eine Schleife über Mexiko (oder ein anderes Land) machen müssen.

Falsch. Einfach falsch. ELEMENTAR falsch. Und doch richtig.

Flora hängt in den Seilen. Naja, eher in den Gurten, ICH hänge in den Seilen wie ein angeschlagener Boxer. Schon Tage vor dem Krantermin. Es fühlt sich einfach falsch an, das Boot für etwas vorzubereiten, das seiner Bestimmung so komplett widerspricht. Es ist für Wiebke sicher nicht einfach, mit dem muffeligen, antriebslosen Kerl umzugehen, in den ich mich zu solchen Zeiten verwandle.

Ein Segelboot gehört ins Wasser! An Land aufgebockt, herausgerissen aus dem Element für das es gemacht ist, erscheint es im Wortsinn deplatziert, verliert es einen großen Teil seiner Eleganz, wirkt unförmig groß, durch die abgeschlagenen Segel gleichsam amputiert, stützt sich wie auf fremden Krücken ab. Außer Betrieb, gefesselt an ein Gestänge, dass wie ein Gefängnis für den Kiel wirkt. Und dann diese unpraktische Höhe. Man braucht eine wackelige Leiter, um an Deck zu gelangen, die Taschen mit den Klamotten können wir nicht von Bord stellen, sondern seilen sie von oben ab. Die Waschbecken und erst recht die WCs können nicht mehr benutzt werden, Arbeiten an Bord sollten idealerweise vorher erledigt sein.

Lange vorher (in meiner Muffelphase) beginnt deshalb die Vorbereitung. Listen mit zu erledigenden Sachen aktualisieren, putzen, Segel abschlagen, putzen, Schapps und Lebensmittelvorräte durchsehen, aufräumen oder leeren, Müll wegbringen, putzen, putzen, putzen, Watermaker konservieren, putzen, Schwarzwassertanks leeren, spülen, wieder leeren, Cover für Dinghy, Außenborder, Steuerrad und Luken raussuchen und montieren, putzen, mit Handwerkern abstimmen, putzen, unser altes Dinghy aufs Vorschiff wuchten, putzen, festzurren.

Hier in Herrington Harbour North bekommen wir keinen präzisen Krantermin, sondern sind für diese Woche “on the list”. Ziemlich weit oben offenbar, denn gleich Dienstag früh (Montag war ja wegen des Feiertags am Sonntag frei) kommt ein Hafenboot und will uns zu einem der drei Travellifte bringen. Da sind wir noch nicht fertig, die Handwerker haben sich verspätet und die Klimaanlage muss im Wasser geprüft werden. Grr. Dadurch rutschen wir ans Ende der Liste. Außerdem ist bei unserem Tiefgang auch die Tide zu berücksichtigen, damit die Krangurte möglichst nicht durch den Hafenschlamm gezogen werden müssen.

Immerhin findet der Mechaniker einen Fehler in der hinteren Klimaanlage, das ist die kleine für die Achterkoje in der wir schlafen. Normalerweise kommt die Klimaanlage bei uns kaum zum Einsatz, sie läuft nur über den Generator oder über Landstrom im Hafen und in Marinas sind wir selten (zuletzt in Antigua wegen kleinerer Reparaturarbeiten). Gerade jetzt aber wäre sie fein, denn es sind diese Tage tagsüber 35 bis 36 Grad und nachts immer noch 28, am Abend hier im Hafen wenig Wind, die Luft steht, da wird es dann kuschelig unter Deck. Leider steigt während der Fehlersuche plötzlich auch die vordere Anlage aus, aber dort hat nur eine versteckt eingebaute zusätzliche Glassicherung ausgelöst und so können wir das Boot vor dem Schlafengehen doch noch herunterkühlen. Die “Aircondition” hätten wir als Extra nicht geordert, unser Vorbesitzer hat sie aber nachträglich eingebauten lassen. An solchen Tagen wie heute (oder wenn man häufig in Marinas wäre) ist sie zwar angenehm, auch weil sie die Luft entfeuchtet, sie beansprucht allerdings durch die installierte Technik und die luftführenden Schläuche auch ziemlich viel wertvollen Stauraum und ist eben wartungs- und reparaturanfällig. Bei den aktuellen Bedingungen sind wir allerdings froh und dankbar, das wenigstens der vordere Teil funktioniert 😌.

So falsch es sich anfühlt, Flora an Land zu stellen, so richtig fühlt es sich an, nach über zwei Jahren wieder einmal Familie und Freunde in Deutschland zu besuchen 😁 (und ein bisschen Organisationskram zu erledigen, wie Steuererklärung und neue Kreditkarten).

Erst mal hier in den USA noch die zweite Impfung und dann kriegen wir hoffentlich auch einen Flug. Die Planung für den Rückflug zur Flora gestaltet sich derzeit noch etwas schwierig, weil eine direkte Einreise aus Europa in die USA für uns immer noch nicht zulässig ist und wir wahrscheinlich zwei Wochen „Zwischenstation“ in einem außereuropäischen Land einschieben müssen. Vielleicht ziehen wir die für nächsten Winter eigentlich von der Flora aus vorgesehenen Landausflüge in Mexiko für diesen Zweck einfach vor 😎.

Die Bilder sind vom letzten Herausnehmen hier in Herrington. Nachdem wir heute den ganzen Tag gewartet haben, haben ihr es am Ende doch nur bis in die Gasse vor den Travelliften geschafft und Flora soll morgen früh als erste gekrant werden. Ohne uns (wir können da eh nichts machen), unsere Freunde Greg und Michael haben uns abgeholt, wir sind jetzt bei ihnen in Washington. 😁