English Harbor, Antigua

Von unserem Ankerplatz bei Great Bird Island tasten wir uns durch die enge, etwas gewundene und nicht betonnte, jedoch gut kartografierte Riffdurchfahrt des Bird Islet Channel nordöstlich von Long Island hinaus auf den offenen Atlantik. Als zusätzliche Sicherheit plotten wir dabei gleichzeitig auf einem iPad unsere Position in Google Earth. Das machen wir hier das erste Mal, es funktioniert gut. Es ist quasi doppelte Eyeball-Navigation. Der reale Blick auf die Riffe und Wasserfarben, dazu der Blick mit Google Earth, denn die tiefe Passage (wir loten nie weniger als 11 Meter) ist auf Google Earth gut erkennbar und – anders als viele Seekartendarstellungen, die auf sehr alten Vermessungen beruhen) sind die Darstellungen in Google Earth georeferenziert, also sehr genau. Wir können das hier einfach testen, da wir Handyempfang haben. An entlegeneren Stellen würde es komplizierter, aber Google-Earth-Bilder sollen georeferenziert in digitale Seekarten wie z.B. OpenCPN eingebunden werden können, das müssen wir aber noch erst ausprobieren.

Navionics-Darstellung
Google Earth, unsere Position wurde dann durch einen blauen Punkt in der Darstellung markiert

An der Ostküste von Antigua entlang segeln wir in den Süden der Insel und finden tatsächlich noch ein Plätzchen auf dem vielleicht berühmtesten Ankerplatz der Karibik: English Harbor.

Der Naturhafen von English Harbor mit der Freeman Bay im Vordergrund, Nelson’s Dockyard in der Mitte und der Falmouth Bay im Hintergrund

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde der Naturhafen zum zentralen strategischen Seekriegshafen der Royal Navy für die gesamte Karibik ausgebaut und auch Horatio Nelson hatte seinen Anteil am Ausbau des Flottenstützpunktes. Als Kapitän der Fregatte “Boreas” war er aber damals bei den britischen Kolonisten auf Antigua alles andere als beliebt, denn er setzte dort ab 1784 wohl den “Navigation Act” strict um, der den Handel zwischen den britischen Kolonien in der Karibik und den abtrünnigen amerikanischen Provinzen (die den Briten ja erst im Friedensvertrag von Paris 1783, also ein Jahr zuvor, die Unabhängigkeit abgetrotzt hatten) verbot. Nelson beschlagnahmte mehrere amerikanische Schiffe und wurde dafür von deren Reedern verklagt, die dabei Unterstützung durch Händler erhielten (britische Kolonisten auf karibischen Inseln um Antigua). Aber er konnte sich am Ende durchsetzen, machte Karriere, wurde später als Admiral durch erfolgreiche Seeschlachten berühmt, wurde geadelt und hat heute auch hier in Antigua mit “Nelson’s Dockyard” quasi ein eigenes Denkmal.

Nelson’s Dockyard mit den restaurierten boat house pillars

Da wir am Sonntag hier ankommen, steht gleich am ersten Abend ein weiteres “Highlight” an: gemeinsam mit den Crews der Easy-One und der Djualyn klettern wir am späten Nachmittag den “Lookout Path” durch den Wald hinauf nach Shirley Heights. Oben erwartet uns zum Sonnenuntergang ein wunderschöner Blick über English Harbor, Lifemusik (natürlich auch mit Steeldrums), eine tolle Stimmung und einige Rumpunch.

Eventuell auch ein Rumpunch oder ein “Dark’n Stormy” (Rum mit Ingwerbier) zu viel, die Kletterei hinunter gemeinsam mit den Crews der Easy-One und der Anamera entwickelt trotz Stirnlampen zu einer ziemlichen Herausforderung. Aber wie heißt es doch: Runter kommen sie immer 😉.

Montag war dann Entspannung angesagt. Mit Ingo geht’s per Dinghy nur kurz in den Ort, um den hiesigen Schiffsausrüstern einen Antrittsbesuch zu machen und die Superyachten zu bestaunen, die sich hier langsam für die Mittwoch beginnende “Antigua Superyacht Challenge” einfinden, bei der nur Segelyachten mit einer Länge von über 100 Fuß gegeneinander antreten werden, darunter so unterschiedliche Traumyachten wie die moderne Baltic 108 „WinWin“ aus Carbon und der klassisch anmutende Schoner „Elena of London“, der tatsächlich aber eine erst 2009 vom Stapel gelaufene Replica eines gleichnamigen Herreshoff-Designs ist.

Was beide eint: wenn die zum Training rausfahren, müssen sie immer an dem Ankerplatz unserer Flora vorbei. 😁

Ruhige Tage in Antiguas Nordosten

Die Ankerbucht hat sich geleert, im Moment liegt die Flora mit nur zwei anderen Booten wunderbar geschützt hier hinter Great Bird Island. Auch die „Heaven 47“ und die „Gladan“ sind weg, sie wollen sich in Jolly Harbor mit größeren Proviantvorräten versehen. Der Gedanke an den Corona-Virus spielt dabei mit, wie uns Sam von der Heaven 47 gesagt hat.

Ob auch die im Vergleich zu unserem ersten Tag hier extrem geringe Zahl von Touristenbooten zur Insel mit dem Virus bzw. dem damit zusammen hängenden Ausbleiben von Kreuzfahrtschiffen zu tun hat können wir nur vermuten. Jedenfalls ist es ruhig geworden in der Bucht und auf der Insel. Am ersten Tag wurden wir noch weg geschickt, als wir mit unserem Dinghy an einer kleinen Boje festgemacht hatten um zu schnorcheln, heute sind alle drei schon den ganzen Tag frei.

Wir fahren noch etwas weiter hinaus nach Hell‘s-Gate-Island, trotz des martialischen Namens nur eine kleine Felseninsel an der Riffkante, die aber einen schönen natürlichen Felsdurchbruch zwischen dem offenen Atlantik und dem geschützten Riffbereich hinter den Inseln bietet.

Einmal mehr fahren wir auch nach Great Bird Island hinüber und haben die Insel diesmal ganz für uns. Auf einem nur gelegentlich mit farbigen Bändern markierten Pfad durch Buschwerk, Kakteen und Agaven erkunden wir die dicht bewachsene westliche Halbinsel in der Hoffnung, vielleicht doch noch eine Antigua-Schlanknatter vor die Kameralinse zu bekommen. Das war (noch in den 1990er Jahren) die seltenste Schlagenart der Welt und galt zwischenzeitlich sogar als ausgestorben, bis man eben hier auf dem nur gut 8 Hektar kleinen Great Bird Island (die Insel würde also flächenmäßig gut 18 mal in den Hamburger Stadtpark passen) ein paar wenige Exemplare fand. Was folgte, gilt inzwischen als eine der erfolgreichsten Bestandserholungsmaßnahmen für bedrohte Tiere: zunächst wurden in einem ziemlich aufwändigen Verfahren alle Ratten auf der Insel getötet. Diese vom Menschen auf den Karibikinseln eingeschleppten Tiere hatten den Bestand vieler heimischer Tierarten ausgerottet oder stark gefährdet (die zur Bekämpfung der Ratten im frühen 19. Jahrhundert eingeführten indischen Mungos hatten den Ratten nicht viel anhaben können und eine zusätzliche Gefahr für die heimische Tierwelt, insbesondere die Schlangen, dargestellt). Mungos gab es allerdings auf Great Bird Island nicht. Weil Ratten aber gute Schwimmer sind, mussten auch auf den nahegelegenen Inseln erst mal die Ratten beseitigt werden. Tatsächlich hat sich der Bestand der Antigua-Schlanknattern danach so weit erholt, das sie inzwischen auf drei weiteren nahegelegenen Inseln erfolgreich wieder angesiedelt werden konnte.

Wir kriegen zwar trotzdem keine zu sehen, aber wir hatten ja in Dominica immerhin ihre nahen Verwandten, die Antillen-Schlanknattern vor die Linse bekommen. Lediglich ihre Hauptbeute können wir entdecken, die ebenfalls nur auf Antigua lebenden kleinen Schienenechsen. Überhaupt finden sich diverse kleine Echsenarten im Unterholz:

Ein spannender Ausflug war es jedenfalls trotzdem. Zurück vom North-Beach zum gleichermaßen weißsandigen und besser für die Dinghy-Anlandung geeigneten South-Beach nehmen wir aber lieber den kurzen Sandpfad.

Wobei, die Inselerkundung wäre nicht vollständig ohne einen kleinen Besuch an den Blow-Holes oben auf dem Hügel. Dort gibt’s zwar diesmal keinen Sundowner, aber dafür diesen tollen Blick durch das Blow-Hole geschätzte 15 Meter hinunter ins Meer:

Zurück auf der Flora können wir von den vorbei kommenden örtlichen Fischern Conches (Riesen-Flügelschnecken, also karibische Meeresschnecken) und Fische kaufen.

Von den Fischern bekommen wir die Conches schon ohne das (wunderschöne) Gehäuse, eine ziemliche Arbeitserleichterung 😉.

Great Bird Island, Antigua

Die Seekarte sieht selbst im kleinen Maßstab durchaus interessant aus, Flachstellen und Korallenblöcke sind in großer Zahl vertreten und der Weg zu unserem Ankerplatz ist nicht betonnt. Segelfreunde hatten uns berichtet, dass die Navionics-Karte hier sehr präzise sei, trotzdem tasten wir uns langsam an den geplanten Ankerplatz vor Great Bird Island heran.

Die Ankunftszeit haben wir so gewählt, dass die Sonne noch hoch und in unserem Rücken steht, so können wir die Hindernisse sehr gut an der Wasserfarbe erkennen (Eyeball-Navigation): dunkleres Türkis zeigt gute Wassertiefe an, helleres Türkis heißt flacher, braun bedeutet Korallenblock. Im langsamen Zickzack fahren wir in die Lee Cove westlich von Great Bird Island. Zu ankern brauchen wir nicht, nahe der Insel ist eine (kostenlose) Mooring frei, an ihr machen wir Flora fest.

Und dann geht’s erst mal ab ins Wasser, das hier jetzt auch klarer und weniger milchig ist als das allerdings ebenfalls schön türkise Wasser in der Deep Bay, unserer letzten Ankerbucht an der Nordwestseite von Antigua. Ich tauche die Muringkette ab, sie ist sehr massiv und sieht nicht angegriffen und gut verankert aus, fein.

An der Nachbarboje macht später die „Heaven 47“ fest, Briten, denen Wiebke auf Instagram (dotontheocean) folgt. Wir fahren mal rüber und werden gleich an Bord eingeladen, schnacken ein bisschen und verabreden uns zum Abendessen. Sam und Simon haben frischen Fisch von einem Fischerbötchen erstanden, wir bringen warmen Couscous-Möhren-Staudensellerie-Fenchel-Salat und Getränke mit, Paola und Giancarlo von dem Katamaran „Gladan“ (https://sailingladan.com) steuern frische Pizza und Wein bei, es wird ein lustiger Abend.

Heute Vormittag fahren wir gemeinsam hinüber nach Great Bird Island, erkunden etwas die Insel, lassen auf Picknickbänken am Strand die Füße im Wasser baumeln (Ausflusboote kommen keine, nur ein ziemlich leeres liegt noch da, legt aber ab kurz nachdem wir gekommen sind) und schnorcheln dann in der flachen Dhingypassage zwischen den Inseln.

Zurück auf der Flora backe ich erstmal Brot, dann kümmere ich mich um den immer mal wieder stotternden Außenborder. Wie von Giancarlo vorgeschlagen lasse ich ein weiteres Mal den Vergaser ab, es scheint tatsächlich geholfen zu haben 🤞. Ich teste ihn, indem ich zum Fotografieren nochmal hinüber auf die Insel fahre. Wenn sie schon „Great Bird Island“ heißt …

Und wirklich schaffe ich es von der Klippe aus erstmals, die mit einer Flügelspannweite von über einem Meter tatsächlich großen, zudem wunderschönen Rotschnabel-Tropikvögel vernünftig abzulichten. Wir haben sie bisher vorwiegend auf den Passagen zwischen den karibischen Inseln gesehen und dann bewundert wie mit ihren verlängerten Schwanz-Steuerfedern so elegant über die See gleiten.

Zurück an Bord muss die Drohne nochmal ran, Vogelperspektive halt, diesmal der ganze Ankerplatz mit den Nachbarbooten:

Noch einmal schwimmen gehen und schwupp – trudelt per WhatsApp eine Verabredung zum Sundowner oben auf dem Hügel von Great Bird Island ein. Tja dann …

Antigua

Türkisfarbenes Wasser, Palmen, feine weiße Sandstrände, das sind wohl die gängigsten Klischees über die Karibik. Auch wir konnten uns davon nicht ganz frei machen. Ein Charterurlaub 2007 auf den Bahamas hatte uns zwar schon deutlich gezeigt, dass wir mit Palmen keineswegs überall zu rechnen haben, dafür aber die beiden anderen Klischees so wunderbar bedient, dass sie sich eher noch verfestigt hatten.

Jetzt sind wir schon über zwei Monate in der Karibik, ABER: auf den von uns besuchten kleinen Antillen, von Carriacou bis hoch nach Guadeloupe war es wunderschön, allerdings ganz überwiegend ohne dabei die drei karibischen Hauptklischees so richtig zu bedienen. Lediglich in den Tobago Cays und auf Sandy Island blitzte dieses Bild deutlicher auf, ansonsten jedoch zeigten sich uns die Inseln zwar nicht weniger begeisternd, aber eben doch anders als auf den Fototapeten in den Partykellern unserer Jugend 😉.

Bisher. Und dann kamen wir auf Antigua an.

Ankerbucht vor Jolly Harbor
Und heute, zwei Buchten weiter nördlich, in der Deep Bay,
genau vor diesem Strand.

Und wenn man am Ende es Strandes zur Ruine von Fort Barrington hinaufklettert, bietet sich dieser Blick hinunter auf die Deep Bay, den Salzsee (Salt Pond) links davon und ganz links die Einfahrt zur Hauptstadt St. John’s.

Wobei, einen Yachthafen gibt’s dort in der Hauptstadt nicht, wohl aber Terminals für Kreuzfahrer. Gleich vier liegen heute an den Piers, sie dürften damit nur um ein Geringes weniger Passagiere und Besatzungsmitglieder beherbergen als St. John’s Einwohner hat (nämlich etwa 20.000). Offenbar möchten auch viele andere die Karibik gerne so sehen, wie man sich die Karibik eben wohl vorstellt.

Übrigens, trotz der Sichtnähe von der Fort-Ruine aus, der Strand unserer Bucht war heute den ganzen Tag über alles andere als überfüllt, selbst wenn zwei der großen Ausflugskatamarane gleichzeitig angelandet und ihre Passagiere für den Badestop entladen hatten. Eigentlich kein Wunder, rühmt sich Antigua doch, gleich 365 Strände zu haben. Nun muss man sich sicher der bemühten „für jeden Tag einen“-Zählweise nicht anschließen (auf Dominica soll es genau 365 Flüsse geben 😉), aber die zerklüftete Küste mit ihren vielen Einschnitten und Buchten bietet tatsächlich eine große Zahl an Sandstränden, weil um den vulkanischen Ursprung herum gehobene Korallenriffe die Küstenlinie bilden.

Die Schildkröten und Pelikane in „unserer“ Bucht passen ebenfalls in die Bilderbuch-Karibik, sie zeigen sich zahlreich und auch dicht an der Flora.

Sieht immer ein bisschen angestrengt aus, das Luftschnappen für das nächste elegante „Fliegen“ unter Wasser.

Nur das Wasser spielt dann doch noch nicht ganz mit. Ja, karibisch warme 27 Grad hat es, und diese wunderbare türkise Farbe auch. Nur ist es hier nicht sehr klar, von der Badeleiter der Flora aus können wir nicht das untere Ende unseres Ruders erkennen. Das könnte am etwas lehmigen Ankergrund hier und in der letzten Bucht liegen oder vielleicht ist es auch nur temporär. Wir hoffen, dass die Schnorchelspots im Norden der Insel uns noch mit klarerem Wasser verwöhnen werden.

Pottwale

Herrliches Segeln von Guadeloupe 🇬🇵 nach Antigua 🇦🇬 , vorbei an Montserrat 🇲🇸 mit seinem vor sich hindampfenden Vulkan. Zwar geht uns kein Fisch an die Angel, aber das Meer beschenkt uns trotzdem. O.k., das Sargassum, das alle Nase lang vom Angelhaken entfernt werden möchte, das hätten wir eigentlich nicht vermisst.

Aber das große Geschenk zusätzlich zum schönen Segeltag macht sich mit einer kleinen Atemwolke in etwas Entfernung erstmals sichtbar und kommt dann immer näher. Eine ganze Schule Pottwale zieht in aller Ruhe auf die Flora zu und nur etwa eine Bootslänge hinter unserem Heck durch, augenscheinlich ohne uns weiter zu beachten. Ganz anders wir: wir sind völlig aufgeregt als sich diese ruhigen Riesen zeigen, wobei wir eigentlich nur die Rücken und gelegentlich die Kopfoberseiten und den charakteristischen buschigen Blas nach schräg links sehen. Die Pottwale bleiben auch beim Weiterziehen nah an der Oberfläche und tauchen nicht tief ab, weshalb wir ihre Fluken leider nicht zu Gesicht bekommen und auch die Größe schwer zu schätzen ist. Über 10 m sind es bei den meisten von ihnen allemal. Aber auch so sind wir jedenfalls schwer beeindruckt und beglückt von dieser Begegnung.

Wir sind inzwischen in Antigua angekommen und haben hier in Jolly Harbour einklariert. Dafür haben wir vorher online auf http://www.eSeaClear.com alle Daten des Bootes und der Crew übermittelt. Man bekommt dann per Email eine ESeaClear-ID und mit dieser Nummer kann dann beim Zoll (Customs) vereinfacht einklariert werden. Insbesondere soll es dann laut Revierführer Doyle möglich sein, nicht mit dem Schiff am Zollsteg festmachen zu müssen, sondern vor dem Hafen vor Anker zu gehen und mit dem Dinghy einzuklarieren. Und so haben wir es auch gemacht. Allerdings steht im Zollbüro ein Computer, mit dem ansonsten ebenfalls eine eSeaClear-Anmeldung durch den Einklarierenden gemacht werden muss, ich bin deshalb nicht sicher, ob das mit der Notwendigkeit des Vorführens am Zollsteg noch stimmen würde. In jedem Fall hat es bei mir mit dem Dinghy funktioniert. Ein bisschen Warterei bei den notwendigen vier Besuchen in den drei beteiligten Behörden, die aber nebeneinander im gleichen Gebäude untergebracht sind, wobei das Warten auf Bürostühlen auf der Veranda vor den kleinen Büros erfolgt. Geselliger Nebeneffekt: man kommt gleich mit anderen Seglern ins Gespräch. Customs, Immigration, wieder Customs, dann Port Authority, so ist das abzuarbeiten. Letztere Behörde stellt dann gegen Zahlung von 40 EC$ (etwa 15 €) ein für einen Monat gültiges Cruising Permit aus und uns damit das Befahren der Gewässer von Antigua & Barbuda 🇦🇬 offiziell erlaubt. Und da freuen wir uns drauf.

Mal wieder ein Segelschlag

Hinter uns liegt Guadeloupe, sogar ein ganzer Monat Guadeloupe. Ursprünglich hatten wir nur für zwei Wochen einklariert, aber mit den wunderschönen Îles des Saintes, Basse-Terre mit Wanderung und Mietwagen (Ausflug nach Pointe-à-Pitre, Großeinkauf, dem tollen Tauch- und Schnorchelrevier der Pigeon Islands mit dem Cousteau-Nationalpark und zuletzt der schnuckeligen Ankerbucht von Deshaies mit den Strandausflügen hinüber zur Grande Anse und den weiteren dahinter liegenden Buchten hat es uns so gut gefallen, dass es dann doch der komplette Februar war.

Achteraus Guadeloupe

Und vor unserem Bug: 50 sm hinüber nach Antigua. Im Moment herrliches Segeln unter Code0 und Groß, über 8 kn Fahrt und Vorfreude auf ein neues Land. Da muss dann auch die französische Gastlandsflagge bald mal wieder runter 😉.

DES HAIES GLÜCK

Ja, ja, ja. Immer diese Wortspiele. Aber hier in Deshaies trifft das heute wirklich zu.

Gestern haben wir beim Tauchen am Nordufer der Bucht eine große Fischfalle entdeckt, in der neben einer Languste und ein paar kleinen Fischen tatsächlich ein gut ein Meter langer Ammenhai steckte. Wir haben versucht, ihn zu befreien, aber die Fischfalle ließ sich nicht so einfach öffnen. Also haben wir halt nach dem Auftauchen dem in der Nähe liegenden Boot einer örtlichen Tauchschule Bescheid gesagt, die ja wahrscheinlich die hiesigen Fischer kennen.

Trotzdem hat es uns natürlich keine Ruhe gelassen und so sind Ingo und ich dort heute wieder tauchen gewesen, sicherheitshalber mit einem Seitenschneider um ggfs. das verzwirbelte alte Elektrokabel aufzubekommen, mit dem die Falle verschlossen war.

Eine kleine Fotostory von heute:

Dann schwamm er ganz gemächlich und ohne Hektik ins dunkle Blau. Die Fischfalle haben wir übrigens so gut es ging wieder verschlossen – und sogar die Languste drin gelassen 😉.

Deshaies

Der kleine bunte Ort Deshaies im Scheitel unserer Ankerbucht liegt so idyllisch mit palmenbestandenem Strand vor grünen Hügeln, dass ihn die Location-Scouts zum Schauplatz der erfolgreichen BBC-Krimi/Komödienserie „Death in Paradise“ gemacht haben, wobei er das immer wieder erschütterte Paradies offenbar so gut repräsentiert, das die Serie mittlerweile in die 8. Staffel gegangen ist (in 🇩🇪 über ZDF Neo oder Amazon Prime).

Da die Serie fast ausschließlich hier gedreht wird, sind nicht nur die fiktive Honoré-Polizeistation des Films sondern auch diverse andere Gebäude als Drehorte wiederzuerkennen, man läuft quasi am Set herum und wundert sich, wenn im Krimi ein Aquarium aus einer Zoohandlung geschleppt wird, in dem Gebäude aber in Wahrheit die Bäckerei unsere Morgencroissants und Baguettes verkauft (ja, wir sind schließlich in Frankreich, nicht wie im Film auf einer zu England gehörenden Karibikinsel). Nebenbei: Eine Zoohandlung haben wir bisher in der Karibik überhaupt noch nicht gesehen und ein Aquarium wäre hier eigentlich auch eine Frechheit, die gibt’s hier höchstens für die Langusten, bevor sie auf den Grill kommen 😉.

Der Strand, an dem das Häuschen des Kommissars liegt, findet sich allerdings etwas entfernt. Es gibt mehrere Wege dorthin, wir packen die Badesachen ein und entscheiden uns für den schönen Hike über den Hausberg nördlich der Ankerbucht, den Gros Morne.

Die durchaus fordernde Kletterei durch den Wald am späten Vormittag (Ingo: „Nur Esel und Deutsche laufen in der Mittagshitze!“) wird aber belohnt durch den wunderschönen und trotzdem ziemlich leeren Sandstrand der Grande Anse auf der anderen Seite.

Video: HIER klicken.

Nach dem Bad folgen wir einem Trampelpfad durch die Büsche, denn Ingo hat dort die urige Strandbar „Chez Samy“ ausgemacht, die Freunde uns empfohlen hatten. Erst mal ein Bier, dann kredenzt uns Samy seine Version eines Ti Punch, fährt dazu Essen auf, schenkt nach, bringt eine Trink-Kokosnuss, die er am Tisch öffnet. Am Ende zahlt jeder von uns weniger als 8 Euro. Das Ambiente ist sicherlich nix für Hygienefanatiker, aber uns hat’s richtig gut gefallen.

Samy in Action

Angeschiggert wie wir sind nehmen wir den Rückweg dann lieber über die ohnehin kürzere Schotterpiste, die von „Chez Samy“ wieder nach Deshaies führt.

Im Ort versorgen wir uns an einem der Restaurantstände an der Straße noch mit Accras (frittierte karibische Stockfisch- oder manchmal auch Gemüsebällchen) und anderen Leckereien für ein spontanes Abendessen an Bord der Easy-One. Die Sonne geht gerade unter, als wir damit den Dinghysteg erreichen.

Immer noch Guadeloupe: noch mehr Tauchen, Vögel und Bootsarbeit

Das Tauchen wird uns hier so einfach gemacht, es ist die wahre Freude. Nur eine kurze Dinghyfahrt, schon sind wir am Tauchplatz. Mit Ingo betauche ich am Vormittag das Wrack der Franjack. Der kleine wohl ehemals dänische Frachter wurde im Hurrikan Hugo 1989 von der Besatzung aufgegeben und letztlich 1996 als künstliches Riff und Tauchplatz hier versenkt. Am Rande des Ankerplatzes kennzeichnen zwei Bojen das Wrack. Wir machen das Dinghy an einer davon fest und lassen uns in die Tiefe gleiten.

Etwa 20 m unter uns sind die Umrisse erkennbar und mit jedem Meter hinab wird der Frachter deutlicher sichtbar. Obwohl die Lichtverhältnisse an diesem eher bewölkten Morgen nicht toll sind fasziniert uns der einerseits gut erhaltene und anderseits auch schon reichlich bewachsene Frachter so sehr, dass wir nach dem Tauchgang noch im Neoprenanzug die Tauchflaschen zum Wiederbefüllen wegbringen und an Nachmittag, diesmal zusammen mit Wiebke, einen weiteren Tauchgang an der Franjack machen.

Mit dem jetzt etwas besseren Licht genießen wir auch die vielen Fische (hier Blaustreifengrunzerfische im Vordergrund und viele Goldstreifengrunzer hinten). Und wir trauen uns in den (oben auf großer Breite extra geöffneten) Maschinenraum des Schiffes hinunter, in dem die (gereinigte, also von Öl und Betriebsmitteln befreite) Hauptmaschine vor sich hinrostet.

Am nächsten Tag könnn wir uns nicht recht lösen und so schnorcheln Wiebke und ich noch ein bisschen, bevor wir der Easy-One nach Deshaies folgen, wo am Freitag Abend ein Karnevalsumzug stattfinden soll.

Auch dabei lassen sich wieder tolle Dinge entdecken, etwa dieser Bunte Spiralröhrenwurm (auch Tannenbaumwurm genannt) auf einer Kleinen Sternkoralle. Die „Tannenbäume“ sind dabei die außen liegenden Kiemen des Wurmes.

Adlerauge Wiebke erspäht sogar einen noch ganz kleinen Oktopus, der unter den Stacheln eines Seeigels Schutz gesucht hat und der bei Annäherung flott die Farbe wechselt, da lassen wir ihn lieber in Ruhe bevor er Panik bekommt.

In Lee von Guadeloupe motoren wir gut 10 sm weiter in die schöne und recht tief eingeschnittene Bucht von Deshaies.

Gemeinsam mit der Crew der Easy-One wandern wir hoch zum oberhalb des Ortes liegenden botanischen Garten. Und endlich sehen wir auch Papageien. Auf Dominica hatten wir noch vergeblich nach dem dortigen Wappenvogel und irgendwie ja auch Symbol der Karibik Ausschau gehalten. Hier im botanischen Garten gibt es einige, wobei die Mehrzahl in (betretbaren) Volieren gehalten wird, nur die Gelbbrustaras scheinen sich frei bewegen zu können. Aber erstmal entdecken wir die etwas kleineren Allfarb-Loris.

Übrigens sehen wir – selbst hier im botanischen Garten mit seinen vielen Blüten – auffallend wenige Insekten auf den bisher besuchten karibischen Inseln. O.k., einige Planzen werden offenbar von Kolibris bestäubt, aber trotzdem. Bienen, Wespen oder auch nur Fliegen sind zumindest bisher selten, zu unserem Glück allerdings auch Moskitos. Bei letzteren hoffen wir allerdings, das es so bleibt. Die kleine Anolis hier sieht das vermutlich anders 😉:

An Flamingos und diversen, bei uns als Zimmerpflanzen gehaltenen, hier aber mindestens buschgroßen tropischen Gewächsen vorbei kommen wir schließlich zu den Gelbbrustaras.

Und wo wir schon bei Gelbbrust sind: der auf diesen Inseln so typische etwa Sperling-große Zuckervogel (Bananaquit) lässt sich auch endlich von mir ablichten, in einer Ecke des Gartenrestaurants, in der wir die einheimischen Biere testen:

Oh, ohne etwas Bootsarbeit wäre das Ganze ja wohl langweilig und so beschert uns Flora mal wieder eine Überraschung: Vor dem Ankerauf-Manöver an den Pigeon Islands schaltet Wiebke die Sicherungen ein. Ein paar Minuten später rattert plötzlich die elektrische Backbord-Genuawinsch los, aber zum Glück ohne das ein Schot auf ihr belegt ist. Nach anfänglicher Verwirrung schalten wir erstmal schnell die Sicherung aus. Die Untersuchung ergibt dann, das Wasser in den porös gewordenen Tastschalter eingedrungen ist und einen Kurzschluss verursacht. Wir hatten ein ähnliches Problem schon einmal in Griechenland mit dem Fußschalter der Ankerwinsch. Damals begann die Winsch überraschend damit, die Ankerkette einzuholen, während wir auf dem Nachbarboot waren 😬. Zum Glück war damals Mitsegler Jan noch an Bord. Seitdem sind die Sicherungen aus, wenn wir die Winschen nicht benötigen (nicht wie vorher an, um schnell reagieren zu können). Derart vorgewarnt haben wir jetzt Ersatzschalter an Bord und so kann ich das Problem hier in Deshaies einigermaßen schnell beheben. Das Kabel des Original-Lewmar-Schalters ist allerdings so knapp verlegt, dass ich dann doch zunächst die Deckenverkleidung im Durchgang zum Achterschiff abnehmen muss um die neue Verbindung dort herzustellen.

Der eingebaute Ersatzschalter auf dem Backbord-Cockpitsüll. Hoffentlich bleibt er länger wasserdicht, den Test durch den morgendlichen Regenschauer hat er schon mal bestanden.

Und nach getaner Arbeit lässt sich der Sonnenuntergang hinter unserem Ankerfeld umso besser genießen 😊.

Fotos und Ausrüstung

Einige Male bin ich jetzt gefragt worden, wie die Fotos und Videos zustande kommen und mit welcher Ausrüstung sie gemacht werden.

Was die Kamera angeht, ist es zugleich einfach und kompliziert. Einfach, weil es meist fast egal ist, kompliziert, weil es manchmal dann eben doch drauf ankommt. Bestimmt mindestens die Hälfte der Bilder sind mit meinem Handy (iPhone X) aufgenommen! Ich glaube, es würde im Nachhinein sehr schwer sein zu sagen, welche es sind.

Die meisten anderen mit meiner Canon EOS 700D, also meiner kleinen Spiegelreflexkamera an der ich ganz überwiegend mein Reisezoom Sigma 18-250 mm dran habe. Einfach, weil es viel weniger zu schleppen ist und man sie achtlos in den Rucksack stecken kann. Selten mal (weil so schwer) wird’s dann doch die “große” Canon EOS 7 mit wunderschönem L Objektiv 70-200, Weitwinkel 12-24 mm, lichtstarkem Normalobjektiv 50 mm und Universalzoom 18-135 mm im großen Fotorucksack.

Dann schon wieder öfter Fotos mit der alten GoPro 3+, meist aus dem Video herauskopiert, vor allem bei Mistwetter und Unterwasseraufnahmen. Oder Fotos (seltener aus dem Video herauskopiert) aus der Drohne Magic Air. Und über Wasser ebenfalls selten (aber zuletzt z.B. auf Santa Luzia wegen des an-den-Strand-Schwimmens), unter Wasser zunehmend häufiger mit der Sony Alpha6000, weil ich für die ein günstiges Unterwassergehäuse habe. Ach ja, eine Mini-Stadycam haben wir mit der DJI Osmo Pocket auch noch, benutzen sie aber eher selten.

Das ist natürlich ein ziemliches Arsenal an Foto- und Videoausrüstung, weit mehr als wir „benötigen“ würden. Mit Handy, alter GoPro und Compaktkamera mit vernünftigem Teleobjektiv käme man schon gut hin und würde weit weniger Stauraum belegen 😉. Zumal ja die ganzen Ladegeräte, Ersatzakkus, Stative, Taschen, Tauchlampen etc. noch gar nicht auf dem Foto sind. Nur, ich habe das ganze Equipment schon vor der Langfahrt angeschafft, weil Fotografieren (und auch Videos) schon ganz lange zu meinen liebsten Hobbys gehört. Da möchte ich dann auch unterwegs nicht drauf verzichten.

Zur Nachbearbeitung ist zu sagen, dass ich den Fotos oft mit der iPad-App „Snapseed“ noch den letzten Schliff gebe. Wenn sie aus (GoPro-) Videos herauskopiert sind, erfolgt das einfach durch einen Screenshot in der App „Fotos“, nachdem ich dort das Video gestartet, auf „Pause“ gedrückt und dann unten in der Auswahlleiste durch langsames hin-und-herfahren mit dem Finger das richtige Bild ausgesucht habe.

Bei Unterwasseraufnahmen habe ich mit einem (roten) Vorsatzfilter zur Beseitigung des sich unter Wasser automatisch einstellenden Farbstichs auf der GoPro schlechte Erfahrungen gemacht, was mir die Aufnahmen im Skulpturenpark Lanzarote leicht vermiest hat. Einen solchen Vorsatzfilter benutze ich deshalb nicht mehr. Statt dessen werden Unterwasserfotos, egal ob mit GoPro oder Sony gemacht, zunächst mit der App „Dive+“ farbkorrigiert. Das Ausmaß der Farbkorrektur kann jeweils eingestellt werden, das funktioniert mit Fotos und Videos gleichermaßen gut. Es lässt sich, wenn später kein Auschnitt gemacht wird, an dem (einstellbaren) Wasserzeichen (d+FloraCrewDiving) erkennen, weil ich mir den In-App-Kauf der Profi-Version gespart habe. Jedenfalls geben die (korrigierten) Fotos so annähernd die Farbenpracht wieder, die das menschliche Auge hinter der Taucherbrille auch bestaunt hat.

Vor der Veröffentlichung im Blog reduziere ich dann jeweils die Bildgröße der verwendeten Fotos mit der App „Bildgröße“ auf 1080 Pixel Seitenlänge um mein (begrenzten) WordPress-Speicherplatz etwas zu schonen. À propos Speicherplatz: ich versuche, meine Bilder regelmäßig zusätzlich auf einer externen Festplatte des Bordrechners zu sichern. Zudem gebe ich mir Mühe, auch die Cloud zu befüllen: neben der iCloud werden die Fotos nach Möglichkeit auf „AmazonPhotos“ gesichert (kostenlos wenn man AmazonPrime-Kunde ist). Das mache ich vom Handy aus einigermaßen regelmäßig dann, wenn wir in einem Restaurant oder Café ein vernünftiges WLAN vorfinden.

Natürlich nimmt die Nachbearbeitung meist einige Zeit in Anspruch, aber erstens sind wir ja „Zeitmillionäre“ und zweitens gehört es eben zum Hobby.

Nicht vergessen: Vorbereitung. Es gilt die alte Pfadfinderweisheit „Be prepared!“. Das Handy hat man ja eh meist dabei, das ist schon mal die halbe Miete. Es hilft aber, sich mit dessen Fähigkeiten vertraut zu machen, etwa hinsichtlich der „Panoramaaufnahmen“ oder der Blitzeinstellungen. Unterwegs liegt bei uns immer die kleine Spiegelreflex unter der Sprayhood (und einem schützenden Handtuch) bereit. Außerdem habe ich den Bootshaken am Ende des Stiels mit einer GoPro-Halterung bestückt. So ist nicht allzu viel Gefummel nötig, wenn die GoPro mal schnell ins Wasser gehalten werden soll. Etwa, weil wir Hammerhaie im Hafenbecken entdecken oder weil Flora von Delfinen begleitet wird 😁.