Adler, Flaggen und Abschied

Ich glaub, es geht schon wieder los (o.k., der Schlagerabend zum Abschied von der Crew der Easy-One sitzt mir noch in den Knochen). Aber tatsächlich kündigt sich nach der heftigen letztjährigen Saison die neue und als wiederum überdurchschnittlich prognostizierte Hurrikansaison langsam an, schon der dritte Tropensturm wurde benannt: Claudette. Der Landfall war war weit entfernt an der Südküste der USA und er richtete in Luisiana, Mississippi, Alabama und Teilen Floridas Unheil an, aber die Überbleibsel ziehen auch hier in der Chesapeake Bay vorbei.

Zunächst mal wird es nur etwas grau, aber wir verlassen trotzdem die Mobjack Bay und nutzen die Zeit vor dem Durchzug der Front und dem damit verbundenen Windsprung dazu, uns etwas weiter nach Norden in die Fishing Bay vor Deltaville zu verholen. Die Ausfahrt von unserem Ankerplatz im East River bei Mathews macht einmal mehr deutlich, wie weit verbreitet die Fischadler hier sind. Buchstäblich auf mindestens jedem zweiten Seezeichen hier brüten diese majestätischen Greifvögel derzeit und lassen sich dabei auch von dem Boot der ihren Bruterfolg überwachenden Biologen nur kurzzeitig aufschrecken:

Mathews hat uns wieder gut gefallen, anders als letztes Jahr passen wir dieses Mal auch die Dinghyfahrt in den Ort gut an die Tide an, erwischen wirklich die Zeit um Hochwasser und müssen deshalb nicht das letzte Stück durch den Schlamm staken. Neben dem Einkauf im FoodLion bleibt uns noch Zeit für ein Sandwich im urigen lokalen Diner und einen kleinen Rundgang durch das Örtchen. Eines fällt besonders auf: der in den USA ohnehin üppige Flaggenschmuck mit den „Stars and Strips“ wird hier noch einmal getopt:

Auf einer Wiese im Ortskern wehen die Flaggen dicht an dicht. Nun ist das Verhältnis der meisten US-Amerikaner zu ihrer Flagge ohnehin von einem starken Patriotismus geprägt. Flaggen wehen an vielen Häusern, nicht nur zu nationalen Festtagen. Das muss nicht zwingen in Nationalismus gesteigert sein, die ausgedrückte Liebe zum eigenen Land also nicht in Geringschätzung anderer Länder umgeschlagen sein, aber es wirkt auf uns trotzdem erst einmal etwas fremd. Und die Erklärung auf einem am Rand angebrachten Schild wirkt denn auch ziemlich pathetisch: Flags for Heroes, Flaggen für Helden. Wir erfahren, dass der örtliche Rotary Club hier von Sponsoren bezahlte Flaggen aufstellt, ein kleiner Sticker an jeder Flagge benennt den Sponsor und denjenigen, der für ihn eben ein „Held“ ist. Auf den ersten Schildern lesen wir mehrere Army- oder Navymitglieder mit ihren Dienstgraden und teilweise den Kriegen, in denen sie eingesetzt waren. Aber darin erschöpft es sich nicht. Weitere Schilder benennen zum Beispiel die Mutter, den Pastor, sogar den Manager des örtlichen Supermarktes und viele andere Helden des Alltags. Da wird der Umgang mit der Flagge dann deutlich vom Nationalen abgekoppelt.

Etwas im Gegensatz dazu scheint uns zu stehen, dass an den Segelbooten die Flaggenführung häufig nicht sehr ausgeprägt ist. Wir sehen viele Boote, die keine Nationale führen. Das war auch schon auf den Bahamas bei mehreren Yachten so, die sich dann später als amerikanische Boote erwiesen. Flaggenführung aus Formalismus oder bloß wegen internationaler Gepflogenheiten ist möglicherweise eher nicht so angesagt. Auch bei unserem Nachbarlieger können wir keine Flagge erkennen, lediglich der Heimathafen am Heck zeigt die Herkunft des Amerikaners.

Von Claudette bekommen wir dann übrigens vor Anker in der wunderschönen Fishing Bay nicht allzu viel mit, nur ein etwas regnerischer Tag, aber die später losgefahrene Easy-One muss ihre Fahrt dann doch noch einmal unterbrechen, umdrehen und sich hinter einer Landzunge verstecken um den kräftigen Winden zu entgehen. Und auch wir drehen nochmal um, denn als wir aus der Fishing Bay gerade wieder heraussegeln kommt uns an der Mündung des Piankatank River die Easy-One entgegen! Sie sind inzwischen wohlbehalten hier angekommen. Wir drehen um und laufen mit ihnen wieder ein. Das Wetter ist auch wieder besser und so können wir heute eine ausgiebige Fahrradtour mit den Leihfahrrädern der Marina machen. Unsere Wege trennen sich hier erst einmal, die Easy-One möchte in der Fishing Bay eine Pause einlegen, wir mit der Flora noch etwas die Chesapeake Bay hinauf segeln, weshalb wir am Abend eben mit Schlagersingen und Erinerungen an die letzten vier Monate den traurigen Abschied so gut es eben geht in Freude über das gemeinsam Erlebte umwandeln.

Um das Kap Hatteras in die Chesapeake Bay

Das Cape Lookout und insbesondere das Kap Hatteras genießen trotz ihrer optischen Schönheit unter Seglern einen eher zweifelhaften Ruf. Das liegt an den vorgelagerten Flachs, der schlechten Sichtbarkeit der niedrigen Outer Banks, vor allem aber an den Strömungen. Als wäre der Golfstrom nicht schon genug, arbeiten sich Ausläufer einer zweiten atlantischen Hauptströmung, des aus dem Nordpolarmeer kommende relativ kalten Labradorstroms eng an der Küste bis hier hinunter und drängen ab hier den Golfstrom nach Osten ab. Das ergibt eine intensiv arbeitende Wetterküche, die für unseren geplanten etwa 230 sm langen Übernachttörn in die Chesapeake Bay eben ein wohlgewähltes Wetterfenster erfordert.

Allzu zimperlich können wir da nicht sein, und so nehmen wir gemeinsam mit mindestens sechs anderen Booten die Chance eines Flautentages mit anschließend einsetzendem Südwestwind gerne wahr, auch wenn damit eine längere Strecke unter Motor verbunden ist.

Noch vor Sonnenaufgang gehen wir Anker auf, mogeln uns im ersten Büchsenlicht aus dem Barden Inlet und fahren erst einmal fast 10 sm in die “falsche” Richtung nach Südsüdosten um das weit aus greifende Flach vor Cape Lookout herum. Erst dann können wir nach Nordost Richtung Kap Hatteras schwenken.

Auf dem ersten Stück brausen trotz (bzw. wegen) der frühen Stunde die Sportfischerboote des Wettbewerbs in Beaufort rechts und links um uns herum, rauschen mit bis zu dreißig Knoten knapp an uns vorbei in Richtung Golfstrom und wühlen das Wasser dabei ziemlich auf.

Immerhin, noch können wir (wenn auch gelegentlich von den Motorbootwellen durchgeschüttelt) segeln, aber mit steigender Sonne setzt leider Flaute ein, wie vorhergesagt wird es ein Tag mit auch bei Flora rotierendem Motorstundenzähler. Wir trösten uns damit, dass wir sieben Segelboote zusammen am Tag weniger Diesel verbrauchen als eins dieser Boote in ein oder zwei Stunden.

Wir nutzen den von der Lichtmaschine im Überfluss bereitgestellten Strom, um vor der brackigen Chesapeake Bay unsere Frischwassertanks per Wassermacher noch einmal komplett voll zu machen.

Immerhin, zum Abend setzt der Wind langsam wieder ein und unter Groß und Code0 gleiten wir in die Nacht hinein.

Nachts haben wir zum Glück trotz Küstennähe nur relativ wenig Schiffsverkehr. Wechsel auf die Fock, zurück auf den Code0, Motorsegeln, weitere Segelwechsel und dann doch wieder längere Zeit motoren, so zeigt sich der zweite Tag.

Außerdem haben wir endlich wieder einmal Angelerfolg, eine schöne Spanische Makrele können wir an Bord ziehen. Trotzdem, das lange motoren hinein in die große Chesapeake Bay zieht sich, insbesondere nachdem wir das imposante Bauwerk des Chesapeake Bay Bridge Tunnels passiert haben, das sich mehr als 28 Kilometer lang über die Mündung der Bucht erstreckt. In beide Richtungen unserer Durchfahrt über einen der zwei Tunnelabschnitte läuft die Brücke aus unserem Blickfeld hinaus.

Und danach geht es eben noch stundenlang unter Motor weiter bis hinüber auf die westliche Seite der hier sehr breiten Bucht. Erst gegen 17.00 können wir den Anker im East River der Mobjack Bay fallen lassen. Es fühlt sich an, als wären wir in einem stillen, von hohen Bäumen und schönen Häusern umstandenen See vor Anker gegangen. Die Escape ist schon da, Easy-One und Tropicool finden sich kurz nach uns ein und ankern nicht allzu weit entfernt.

Keine 100 m hinter unserem Schiff hat ein Fischadler sein Nest auf einem Pfahl im Wasser gebaut, sein Schrei klingt durch die Abendstille über das glatte Wasser.

Schön, wieder hier zu sein.

Cape Lookout

Ein näherer Blick auf die amerikanische Ostküste von North Carolina aufwärts bis New York State offenbart etwas (zumindest für uns) Unerwartetes. Der Atlantik hat hier gemeinsam mit der oft küstenparallelen Strömung auf etwa 1.000 km Länge eine Landschaft geschaffen, bei der häufig Sanddünen lange Strände säumen. Dahinter befinden sich aber Lagunen und Buchten, die auf uns wie eine Mischung aus den Hafflandschaften der Ostsee und den Tidenrevieren hinter den friesischen Inseln wirken.

Ganz besonders betrifft das die “Outer Banks”, genau genommen eine Kette von rund 20 schmalen, langgestreckten und teilweise mit Brücken verbundenen Inseln, die sich in einem Bogen von etwa 300 Kilometern vor dem Festland von North Carolina und Virginia entlangziehen. Die Linie der zum Teil nur wenige Hundert Meter breiten Inseln entfernt sich dabei am Kap Hatteras etwa 50 Km vom Festland.

Südlichster Punkt der “Outer Banks” ist Cape Lookout, an dem wir jetzt im Barden Inlet, geschützt von der South Core Banks und der Shackelford Banks ankern.

Die flachen Sandinseln und die sich an den Kaps noch weit ins Meer erstreckenden Flachs, verbunden mit der starken und schwer einschätzbaren Strömung des Golfstroms, die bei nördlichen Wind zudem eine grobe See produziert, haben für viele Schiffbrüche an diesem Küstenabschnitt gesorgt. Schon früh wurden deshalb Leuchttürme errichtet. Das erste Leuchtfeuer am Cape Lookout ging 1812 in Betrieb, aber es war zu niedrig und die Reichweite zu gering. Einige Kapitäne bezeichneten die Feuer von Hatteras, Lookout und Cape Florida als geradezu gefährlich, weil sich Schiffe auf der Suche nach dem Licht des Leuchtturms zu nahe an die Flachs begaben. Schon 1859 ging deshalb ein neuer, mit 163 Fuß (knapp 50 m) deutlich höherer Leuchtturm in Betrieb, der dann auch ausreichend Tragweite hatte. Die charakteristische, unverwechselbare Bemalung mit weißen und schwarzen Rauten (day marks) erhielt er 1870.

Natürlich statten wir dem Leuchtturm einen Besuch ab, mit dem Dinghy können wir an der Innenseite des Fähranlegers festmachen. Über Holzbohlenstege geht es dann durch die Dünenlandschaft zum Leuchtturm und weiter hinüber zum breiten Strand an der Atlantikseite. Teile des Strandes sind für Autos befahrbar, weiter im Norden gibt es eine Fährverbindung extra für diesen Zweck. Viel Verkehr ist aber nicht, wir machen einen herrlichen Strandspaziergang.

Zurück zum Leuchtturm, wo uns intensiver Kiefernduft empfängt, Sommerluft wie auf Anholt oder Hiddensee 😃.

Fun fact: die Rauten sind keineswegs nur zufällig dekorativ zur Unterscheidung von anderen Leuchttürmen. Sie sind so aufgemalt, dass die weißen Rauten übereinander exakt in Ost-West-Richtung sichtbar sind, die schwarzen Rauten exakt in Nord-Süd-Richtung. 😎

Die Landschaft scheint irgendwie vertraut, aber sie ist es natürlich nicht allein, die die verschiedenen Regionen auf unserer Reise unterscheidet. Es sind die Menschen und – auf unbewohnten Inseln wie hier – eben auch die Pflanzen und Tiere. Lösen die Kiefern mit ihrem Duft eher heimatliche oder zumindest urlaubsbekannte Gefühle aus, erinnert uns die zum Teil ungewohnte Tierwelt daran, dass wir eben doch Besucher in fremden Ländern sind.

Beim Strandspaziergang sehen wir bekannte Arten wie Möven, Austernfischer, Seeschwalben und Standäufer. Aber eben auch das:

Ein weißer Ibis (Schneesichler) erschüttert unsere vorschnelle “ ach, das ist ja wie in … “ – Einordnung. Auch die Reiher kommen irgendwie anders daher. Erst ein Rötelreiher (Egretta Rufescens),

dann ein Schmuckreiher (Egretta THULA!) mit gelben Füßen und ebensolchem “Brillenband”:

Der erinnert uns einmal mehr an Janna und Ilja von der Thula, die jetzt gerade auf dem nicht ganz einfachen Törn von den Bahamas zu den Azoren unterwegs sind und mit denen wir immer mal über Iridium Kontakt haben.

Vielleicht sogar noch mehr als durch die Vögel bekommen wir durch ein anderes Tier deutlich vermittelt, dass wir uns in für uns neuem Terrain befinden:

Am Baum direkt neben dem Bohlenweg schlängelt sich eine amerikanische Kletternatter entlang. Sie ist ungiftig und als Würgeschlange eher auf Nagetiere und Vögel spezialisiert, aber – hey – , das muss ja doch erstmal nachschlagen ☺️.

Verschiedene Blicke auf Beaufort

North Carolina. Ganz deutlich Südstaaten. Wie man sich das nach „Vom Winde verweht“ oder „Fackeln im Sturm“ so vorstellt. Wobei, hier in Beaufort NC orientiert sich der Ort eher nicht an alten Großplantagen, sondern an seiner maritimen Tradition, der Ausrichtung zur See hin. Mit ihren Piraten (Blackbeard soll hier ein Haus gehabt haben), vor allem aber der Fischerei. Die hat früh die Basis für den Ort gelegt, 1709 gegründet ist Beaufort die drittälteste Stadt in North Carolina.

Ganz aktuell zeigt sich die sehr lebendige Fischereitraditon in dem „63rd Annual Big Rock Blue Marlin Tournament“, das diese Woche hier in Beaufort und Morehead stattfindet. Ein Angelwettbewerb, o.k., aber einer, der es in sich hat und die Bedeutung des Sportfischens für die Amerikaner auf eine Weise unterstreicht, die in Deutschland wahrscheinlich nur sehr schwer verständlich ist. 270 Boote haben sich für den Wettbewerb angemeldet, im Schnitt so etwa 50 bis 60 Fuß lang. Die größte (soweit ich das gesehen habe) ist die 97 Fuß lange Weaver97 „18 Reeler“. Knapp 40 kn (74 kmh) schafft sie in der Spitze, bei Cruising-Speed von immer noch rund 30 kn verbraucht sie dann etwa 620 Liter Diesel. Pro Stunde wohlgemerkt. Da müssen dann auch die Preisgelder des Wettbewerbs exorbitant sein, über drei Millionen Dollar Preisgeld werden insgesamt ausgeschüttet, der Sieger bekommt alleine mindestens eine Million Dollar. Die Meldegebühren allerdings sind auch nicht ohne, wer in allen Kategorien antritt zahlt über 26.000 Dollar Startgeld. Frühmorgens laufen die Boote in einer endlos scheinenden Reihe aus, am späten Nachmittag kommt die Prozession zurück. Dazwischen geht es raus in den Golfstrom, immer auf der Suche nach dem größten Blue Marlin als begehrtestem von einigen sogenannten „Billfish“, den Schwertfischen, Segelfischen und Marlins, um die es hier geht. Auch für gefangene und wieder freigelassene Fische (Catch and Release, z.B. per Funk, Foto oder Video zu dokumentieren) gibt es Preise, insgesamt ist das Reglement wohl eher etwas für Spezialisten.

Bei uns: Stirnrunzeln. Aber im Abendlicht und mit Delfinfamilie im Vordergrund sieht der kleine Teil der Flotte, der hier in Beaufort liegt, dann fast schon wieder stimmungsvoll aus.

Beim erneuten Gang durch den Ort zum etwa eine halbe Stunde Fußmarsch entfernten Supermarkt zeigt die Bebauung des Ortes dann doch auch landseitig deutlich Südstaaten-Stil:

Natürlich ist es nicht überall so malerisch. Außerhalb des historischen Bezirks präsentiert sich Beaufort wie so viele amerikanische Orte autoorientiert, Fußwege an den Straßen werden rar. Immerhin aber gibts auf dem Weg zum Supermarkt doch ganz überwiegend Gehsteige. Aber ab und zu heißt typisch amerikanisch eben auch: Diner und Wasserturm. Wären die Autos nicht modern, könnte das Bild auch aus einem anderen Jahrzehnt stammen. Insofern auch irgendwie zeitlos 😉.

Auf dem Weg zurück zur Flora beeilen wir uns, denn am Himmel braut sich offensichtlich etwas zusammen. Von Westen her türmen sich die Wolken immer steiler und dunkler auf, die Luft steht und wird schwül, ein Gewitter kündigt sich an.

Wir sind rechtzeitig zurück an Bord, aber dann geht es auch schon los. Der schnell zunehmende Wind und die Tide sorgen für einen völlig unkoordinierten Tanz der Ankerlieger, mal sehen wir unsere Nachbarn Heck an Heck, mal ist unser Bug nur noch wenige Meter vom Bug unseres Nachbarkatamarans entfernt, weil wir beide in entgegengesetzte Richtungen über unsere Ankerketten getrieben werden. Zwischendurch starte ich angesichts des jetzt auch einsetzenden Gewitters den Motor und bringe etwas mehr Abstand zwischen uns. Das Gewitter selbst ist dann aber gar nicht so schlimm, sondern zieht überwiegend südlich vorbei, auch wenn einige Blitze uns doch zusammenzucken lassen.

Am nächsten Morgen: bestes Wetter, Delfine spielen um die Boote herum, die Wildpferde lassen sich auch wieder sehen. Das macht uns den Abschied nicht leichter, aber wir wollen zum Cape Lookout. 😁

Erste Eindrücke aus Beaufort, NC

Nach dem unbürokratischen Einkarieren hier ist auch der nächste Punkt auf unserer To-do-Liste einfacher abgehakt als befürchtet: wir haben unsere erste Covidimpfung erhalten. “Walk-In”, also einfach vorbei gehen, keine Voranmeldung oder Terminreservierung erforderlich. Das wird an verschiedenen Stellen angeboten, wir entscheiden uns für eine zu Fuß erreichbare Drogerie mit angeschlossener Apotheke (CVS, eine der großen Ketten). Kostenlos, umgekehrt wird sogar mit Einkaufsgutscheinen oder dem Teilnehmen an einer Lotterie geworben, die Quote soll so schnell wie möglich erhöht werden. Mit etwa 91 Impfungen je 100 Einwohner (Erst- und Zweitimpfungen) sind die USA hier ohnehin schon recht weit.

Die Zweitimpfung können wir dann in frühestens 4 Wochen, voraussichtlich in Maryland machen.

Im Alltag scheinen COVID-Maßnahmen hier in Beaufort derzeit keine erkennbare Rolle (mehr) zu spielen, Bars und Restaurants sind geöffnet, Masken werden kaum getragen. Neben unsere Heimflugplänen ist das ein weiterer Grund für uns, schnellstmöglich geimpft zu werden.

Das öffentliche Leben tobt, als wir gegen 11.00 Uhr auf den Farmers Market gehen ist der zwar immer noch gut besucht, aber teilweise hat der Andrang wohl selbst die Anbieter überrascht:

Überhaupt scheinen die Kunstgewerbestände gegenüber den Farmern in der Mehrheit zu sein, aber der Markt unter den alten Bäumen am Gerichtsgebäude gefällt uns trotzdem.

Und auch sonst präsentiert sich das Städtchen schmuck und macht Lust darauf, hier auch an Land noch länger herumzubummeln.

Klasse ist aber auch, dass unser Ankerplatz genau zwischen dem Ort und dem gegenüberliegenden Naturschutzgebiet „Carrot Island“ liegt. Wildpferde grasen direkt hinter den ankernden Booten in den tidenüberfluteten Marschwiesen, Pelikane, Fischadler und andere Vogelarten sind stets präsent und auch Delfine finden sich täglich zwischen den Booten ein.

Wobei der Ankerplatz auch seine Tücken hat, Tidenstrom und Wind lassen die Boote chaotisch schwoien. Floras kräftiger Edelstahl-Bugsprit hatte denn auch leider unerwünschten Kontakt zur Reling eines amerikanischen Nachbarbootes. Zum Glück ist nichts dramatisches passiert und wir konnten gestern Abend unbeschwert frisches selbstgemachtes Sushi und Thunfisch-Mango-Salat mit dem von Andrea kurz vor Beaufort gefangenen Fisch auf der Easy-One genießen und auf unsere gelungene Überfahrt anstoßen.

Nachtrag: Die versprochenen Fotos der Seevögel auf der Passage habe ich inzwischen HIER ergänzt.

4. Tag Passage Eleuthera nach Beaufort / Ankunft

Wieder herrliches Segeln, zwischendurch schiebt der Golfstrom mit gut 2 Knoten. Angeln macht keinen Spaß, kaum ist der Köder draußen, sitzt auch schon ein Bunsch Sargassum daran und man kann sie wieder einholen.

Sonst alles fein. Aber es zieht sich zu, gegen Abend sehen wir Wetterleuchten. In der ersten Nachtwache wird es extrem, quasi wie ein Stroboskop mit teilweise mehreren Blitzen pro Sekunde – allerdings zum Glück weit weg, oft nur ein Erhellen der fernen Wolken. Kaum so, dass man die Blitze selbst sieht, geschweige denn den Donner hören könnte. Kurz vor dem Morgengrauen (in Wiebkes Wache) bekommen wir noch einen kurzen aber heftigen Schauer ab, das war’s. Einlaufen in Beaufort bei blauem Himmel und Sonnenschein, die Crews der Vairea und der Tropicool winken uns zum Willkommen bei der Ankunft nach dieser schönen Passage.

Etmal: 157 sm (in 23 Std).

Dann gleich per CBP-ROAM-App bei den Behörden anmelden, ein kurzes Videointerview mit dem Officer und die Bitte, kurzfristig vorbeizukommen. Machen wir gemeinsam mit der Crew der Easy-One doch gleich, per Uber geht es hinüber vom Ankerplatz bei Beaufort zur Customs & Border Protection nach Morehead. Der freundliche Officer versorgt uns mit einer neuen (hier kostenlosen!) Cruising Licence und stempelt unsere Pässe. Fertig, die gelbe Q-Flagge kann runter. Dann Telefonkarten/Internet besorgen, Burger und Bier, To-do-Liste des Tages abgearbeitet 😁.

3.Tag Passage Eleuthera nach Beaufort

Die sich im Wetterbericht abzeichnende Schwachwindphase ist da. Wir motoren fast 17 Stunden lang, aber das hatten wir ja vorher schon auf dem Schirm. Ein bisschen irritierend ist der zum Teil mit über 2 kn kräftige Gegenstrom, der uns zudem mal 15 Grad nach Backbord und dann einige Stunden später 15 Grad nach Steuerbord versetzen will und entsprechendes Gegensteuern erfordert. Seit heute morgen um 5.00 Uhr (Wachwechsel) sind aber die Segel wieder gesetzt und der Motor ist aus.
Der Gegenstrom hatte aber auch sein Gutes: ohne ihn läge unsere voraussichtliche Ankunft definitiv irgendwann mitten in der Nacht. Selbst jetzt noch wirft der Plotter für die Ankunft an der Ansteuerungstonne vor Beaufort irgendetwas zwischen 2:30 und 7:oo Uhr aus. Angesichts des uns auf dem lezten Stück wohl noch beschleunigenden Golfstromes und der für heute Nacht angekündigten kräftigen Winde bauen wir vor und reffen bereits jetzt das Groß doppelt ein, um etwas langsamer zu werden und einen gewissen Puffer zu haben.

Etmal (nur) 105 sm.

Und was machen wir so, wenn wir den ganzen Tag motoren?
Ein bisschen mehr schlafen, auch tagsüber. Lesen und vorlesen. Ansonsten das Meer ansehen. Unfassbar, wie es doch immer gleich da ist und sich trotzdem immer wieder so anders präsentiert.

Tiere beobachten? Immer gern, aber tatsächlich sehen wir auf hoher See weit weniger Lebewesen, als man denken würden. Es ist eben doch eine (scheinbar) unendliche Weite.
Aber wir haben Glück: zwei Wale kreuzen unseren Weg und zeigen uns zweimal kurz ihre glatten Rücken mit kurzer Finne, zu wenig allerdings, um sie sicher zu identifizieren.

Und auch die Seevögel machen sich zwar insgesamt rar, bescheren uns aber doch mehrere um so intensivere Besuche. So hatten wir zunächst kleine Wellenläufer (Sturmseeschwalben) zu Gast. Der englische Name ist „Storm Petrel“, wobei Petrel von Petrus abgeleitet sein soll (obwohl nach der Bibel ja nicht Petrus, sondern Jesus selbst übers Wasser lief). Doch genau darauf wird im deutschen wie im englischen Namen angespielt: insbesondere die uns besuchenden in der Größe und dem Flugbild an Schwalben erinnernden „Wilson Storm Petrel) mit ihren langen, im Flug noch über die Schwanzspitze hinausragenden Beinen, scheinen immer wieder nicht nur knapp über die Wellen dahinzufliegen, sondern tatsächlich mit ihren Füßen über das Wasser zu laufen. Ein tolles Schauspiel, dass sie mindestens eine halbe Stunde lang um die Flora herum vorführen.

Noch eine andere Vogelart schaut bei uns vorbei: Tropikvögel. Dieses Mal nicht die Rotschnabeltropikvögel, die wir in der Karibik häufiger bewundern durften (insbesondere auf Great Bird Island / Antigua). Drei gelbschnäbelige Tropikvögel kreisen einige Zeit um die dahinmotorende Flora herum, oft zwei von ihnen im Paarflug. Wie die Rotschnabeltropiks haben sie schwarze Flügelspitzen und eine schwarze Augenmaske, der Rücken aber ist nicht hell gesperbert sondern weist ebenfalls eine kräftige Zeichnung in Form eines dunklen V auf. Auch ihre Flugmanöver sind spektakulär, vor allem, wenn sie neben den charakteristischen langen Steuerfedern ihre kürzeren Schwanzfedern aufspreizen.

Position:
32 Grad 17.977 N
76 Grad 59.126 W

Dieser Beitrag wird per Iridium-Satellit übermittelt, Bilder reiche ich nach. Auf Kommentare (über die wir uns immer sehr freuen) können wir erst nach unserer Ankunft in den USA reagieren.

Nachtrag: Wie versprochen noch die Fotos. Hier die knapp nur bis 19 cm lange Wilson Storm Petrel, der Wellenläufer (genau genommen wohl die Unterart Buntfuß-Sturmschwalbe):

Und hier die Weißschwanz-Tropikvögel (zum Vergleich die Rotschnabel-Tropikvögel bei Great Bird Island), sie sind recht groß, bis etwa 90 cm lang, davon entfällt etwa die Hälfte auf den Schwanz, trotzdem aber noch die kleinsten der drei Tropikvogelarten (es gibt im Indopazifik noch den Rotschwanz-Tropikvogel):

2. Tag Passage Eleuthera Beaufort

Ein weiterer schöner Segeltag. Die See ist ruhig, nur eine lange Dünung läuft von schräg achtern auf und schaukelt uns ein wenig. Ansonsten nur geringe Schräglage, wir gleiten dahin.
Solche Seetage scheinen wie aus der Zeit gefallen. Wir müssen nichts tun, außer auf unser Boot und uns selbst zu achten. Ganz einfach. Schlafen, Essen, Genießen. Lesen, Musik hören, bei uns sein.
Angeln, ein klitzekleiner Wermutstropfen, denn seit unserer Golddorade gleich zu Beginn der Passage geht nur noch Sargassum-Seetang an den Haken, das aber in so schöner Regelmäßigkeit, dass wir die Angeln zwischendurch schon ganz eingeholt hatten. Ist ja auch noch Fisch da 😉
Ein Aufreger gestern Abend auf unserem Buddyboat Easy-One: der Fallschäkel der Genua bricht und das Segel rauscht ins Wasser. Ingo und Andrea können die Genua mit einer großen Kraftanstrengung bergen und mit dem Spifall provisorisch setzen, allerdings gerefft. Nachdem Ingo uns über Funk berichtet hat gehen wir ebenfalls ins Reff und bummeln etwas untertakelt durch die Nacht, um in Funkdistanz zu bleiben. Tatsächlich sind die beiden am Morgen auf die halbe Distanz (4,5 sm) herangekommen, haben inzwischen den Motor dazu genommen. Wir schütteln das Reff aus dem Groß und bei dem leichten Wind von inzwischen meist unter 10 kn setzen wir den Code0, machen so meist zwischen 5 und 6 Kn, kurz vor Mittag dann nur noch 3,5 kn. Kann sein, dass wir einen halben Tag motoren müssen, jedenfalls aber kommt aber erstmal unser Gennaker noch zum Einsatz, bei 8 kn wahrem Wind schaffen wir damit jetzt noch gut 4 kn. Laut Wetterwelt-Wetterbericht hat unsere geringe Geschwindigkeit den Vorte
il, dass das zwischen uns und Beaufort liegende Regengebiet bis zu unserer Ankunft abziehen sollte.

Beim Abrufen des Wetterberichts stellen wir fest, dass die Batterie des IridiumGo ihren Geist aufgibt und aus dem Leim geht, kein gutes Zeichen. Beim Neustart funktioniert es zwar, aber wir nehmen das Gerät erst einmal vom Dauerstrom. Hoffen wir mal, dass es bis in die USA durchhält.
Für den Notfall haben wir aber (neben der EPIRB) ohnehin noch ein Garmin InReach als Backup zur Kommunikation auf hoher See an Bord.

Etmal 145,5 sm.

Dieser Post wird per IridiumGo über Satellit übermittelt (wenn es denn noch funktioniert ;-)). Bilder sind deshalb nicht dabei und auf Kommentare können wir erst wieder reagieren, wenn wir Telefonempfang und damit Internet haben, vermutlich also am 11. Juni in Beaufort, North Carolina, USA.

1.Tag Passage Eleuthera Beaufort

In Spanish Wells im Norden von Eleuthera tanken wir noch einmal Diesel, tasten uns dafür mit der Flora durch die flache Rinne in den Ort. Das klappt aber gut (20-30 cm Wasser unterm Kiel). Wir können Flora sogar am Fueldock liegen lassen und zum Ausklarieren gehen sowie im Supermarkt noch Möhren und Milch kaufen.
Gegen Mittag lösen wir die Leinen wieder und fahren außen um Egg Island herum ins tiefe Wasser. Von nun an ist es grob Kurs Nord. Herrliches Segeln, zunächst etwa 60 Grad am scheinbaren Wind, später fast Halbwind. Sonnenschein und bester Segelwind. Wir lassen troztdem zwei Reffs im Groß, so passen das Zusammensegeln mit der Easy-One und die voraussichtliche Ankunft in Beaufort besser und die Schräglage hält sich in Grenzen, gerade am ersten Tag der Passage ist das auch gut für den Magen 😉 Außerdem angeln wir noch eine schöne Golddorade, perfekt. Gegen Abend erreichen wir die Abacos, an denen wir dich östlich vorbei gehen. Die Moana liegt bei Elbow Cay vor Anker, wir funken kurz mit Mareike, aber die Verbindung ist schlecht. Na ja, hier haben wir ein letztes Mal Bahamas Netz, dann eben per WhattsApp.
Mit etwas Schiffsverkehr aber sonst ereignislos segeln wir durch die Nacht. Heute morgen dann leicht nachlassender, aber immer noch guter Segelwind, Sonne und ein paar Schleierwolken. Etmal: 150 sm

Dieser Post wird per Iridium-Satellit übermittelt.

Wird wohl Zeit …

Nach 11 Wochen Bahamas haben wir in Spanish Wells ausklariert und sind jetzt auf dem Weg in die USA. Ziel ist erstmal Beaufort, North Carolina.

Es sind etwa 560 sm, wir werden aber wind- und strömungsbedingt wahrscheinlich einen kleinen Bogen fahren und rechnen mit etwa 4 Tagen Ozeanpassage. Drückt uns die Daumen, unsere Position könnt Ihr auf Noforeignland verfolgen.