Honeymoon Bay

Ist schon frech und ein bisschen kitschig, die südwestliche Bucht auf Water Island so zu nennen. Aber Jasmine und Andy, die mit ihrer kleinen Tochter auf ihrem Boot Laya schon einige Zeit in den USVI sind (wieder Schweizer und wieder schon seit einiger Zeit über Facebook in Kontakt) sagen uns, es sei eine wirklich schöne Badebucht. Wir verabreden uns für den Nachmittag dort. Wir fahren dort schon mal vorbei, als wir die Flora das kurze Stück von dem aktuell etwas unruhigen Ankerplatz vor Yacht Haven Grande zu dem geschützteren Bojen- und Ankerplatz westlich von Water Island verholen. Gut geschützt, aber auch ziemlich voll mit Bojenplätzen. Dafür aber super klares Wasser und ein feiner Sandstrand mit Palmen, was außerhalb von Hotelanlagen auch in der Karibik (soweit wir sie bisher bereist haben) gar nicht mal so häufig ist.

Na gut. 😁

USVI und Angeln auf dem Weg

Die Passage zu den United States Virgin Islands 🇻🇮 ist klasse, fängt aber leider mit einem kleinen Missgeschick an. Irgendwie hatten wir die Barberholer-Leine vor einiger Zeit in den Block der Spischot gezogen und die (Plastik-)Seitenwangen des Blocks gesprengt. Schien nicht weiter schlimm, der Block leistete wie gewohnt seine Arbeit. Bis zu dieser Passage. Wenn wir die Fock ausbaumen, lassen wir die normalen Schoten angeschlagen, nutzen aber die zusätzlich am Schothorn der Fock angeschlagene und durch die Nock des Spinnakerbaumes geführte Spischot, weil der Zugwinkel besser ist und die Schot dann nicht am Relingsdraht scheuert. So sieht das auf der Passage aus:

Ganz rechts die Spischot

Nur, leider nicht von Anfang an. Denn zunächst mal läuft der Schredder:

Wegen der fehlenden Seitenwangen im Block ist die Spischot von der Rolle in die Lücke gerutscht, beim Dichtholen mit der Winsch hat die Spischot dann die Aufnahme der Rolle im Block und selbige umgekehrt auch die Spischot zerstört. Grrr 😖. Wie blöd kann man eigentlich sein. Mit Spischot und Spiblock von der anderen Seite läuft es dann aber (siehe oben). Einen Ersatzblock haben wir an Bord, die Spischot war eh zu lang, ich kürze sie unterwegs und versehe sie mit einem mit neuem Takling. Jetzt ist sie nur nicht mehr lang genug, um Gennaker oder Code0 zu halsen, aber das machen wir ohnehin nicht, sondern rollen das Segel dann jeweils ein und schlagen die andere Schot an. Keine Regatta hier 😉.

Ansonsten gibt’s es auf der Passage nicht viel zu tun. In den 29 Stunden ändern wir an der Segelstellung NICHTS, lediglich das Groß wird einmal ein und wieder ausgerefft. Also ausreichend Zeit zum Angeln 🎣. Und schon recht früh auch der erste Biss 😃. Allerdings:

Barrakuda

Obwohl auf hoher See gefangen, finden wir an Barrakudas hier keinen rechten Gefallen mehr. Das liegt nicht an dem schleimigen Schuppenkleid dieser Fische (was aber die schicken roten Handschuhe erklärt) und es liegt auch nicht am Geschmack. Unten in St. Vincent und den Grenadinen hatten wir noch einen gegessen (und er war lecker). Es ist nur so, dass hier im Norden der Karibik die Gefahr von Ciguatera bei diesen typischen Riff-Raubfischen relativ hoch ist. Und diese beim Verzehr weder zu schmeckende noch zu riechende Fischvergiftung möchten wir gerne vermeiden. Also zurück in die See mit dem Burschen. Ist aber gar nicht so leicht, ihm den tief geschluckten Köder aus dem Rachen zu operieren, zumal sein Gebiss doch ordentlich Respekt einflößt. Wir hoffen, er hat’s trotzdem überlebt.

Der nächste Biss ist dann ein großer Mahi Mahi von vielleicht etwas über einem Meter Länge. Ich kämpfe einige Zeit mit ihm, aber dann kann er sich doch vom Haken lösen. Gar nicht so lange später der nächste, wieder ein Mahi Mahi, aber noch deutlich größer. Hier ist der Kampf nicht sehr lang, dann hat er die Angelschnur durchgerissen. Obwohl wir das Vorsegel gleich einrollen, sind wir immer noch zu schnell für einen guten Drill bei einem so großen Fisch.

Neuer Köder, neues Glück: diesmal bringen wir die allerdings deutlich kleinere Golddorade (wie die Mahis auch genannt werden) gut an Bord. Die Größe ist für uns zwei eigentlich auch perfekt.

Nur der Vollständigkeit halber: dem Jagttrieb folgend die Angel gleich wieder auszuwerfen: NICHT SO TOLL. Ein weiterer Köder und ein gutes Stück Schnur rauschen in die Tiefe, die voll angezogene Bremse an der großen Hochseetrommel der Angel läuft heiß und die Schnur ist dann doch nicht stark genug. Kein Ahnung übrigens, was da am Haken war. Größer und kräftiger als ALLE vorigen war es aber allemal.

Gut in Charlotte Amalie auf St. Thomas angekommen, werden wir in den USVI gleich freundlich begrüßt: Martina und Daniel, zwei Schweizer mit denen wir bisher nur über die sozialen Medien und unsere Blogs Kontakt hatten, kommen im Dinghy vorbei, erklären uns die wichtigsten Dinge vor Ort und laden uns zum Sundowner auf ihre Vairea ein. Lassen wir uns nach dem (sehr unkomplizierten) Einklarieren natürlich nicht entgehen und es wird richtig schön. Auf der Heimfahrt mit dem Dinghy halten wir gleich noch einen kurzen Schnack mit Rachael und Bassam auf der amerikanischen HR 53 Arielle, die uns noch am Abend dieses Foto von uns schicken:

Aber bevor es dunkel wird sind wir dann doch wieder auf der Flora, genießen in Butter gebratenes Golddoradenfilet auf Jerk-Kürbis und die urbane Szenerie am Ankerplatz mit Venus am Abendhimmel.

Auf geht’s, endlich mal wieder

Nach fast zweieinhalb Monaten auf Antigua und Barbuda 🇦🇬 wollen wir mal wieder das Revier wechseln. Wir sind dankbar, dass wir die heiße Corona-Phase gerade hier in diesem abwechslungsreichen und mit Augenmaß auf die Pandemie reagierenden Inselstaat verbringen durften.

Wir klarieren in English Harbour aus. Das bedeutet, dass wir für die letzten drei Tage vor Anker in Falmouth eine Nationalparkgebühr und eine Müllgebühr zahlen müssen, aber dafür brauchen wir nicht extra nach St. John’s zu fahren. Stattdessen segeln wir bei herrlichsten Bedingungen nach Jolly Harbour (wo das Ausklarieren leider im Moment nicht möglich ist), tanken Flora nochmal voll und bereiten sie für die Überfahrt in die USVI vor. Der Außenborder kommt an den Heckkorb, wir erledigen diese kleine “Kranarbeit” ziemlich unproblematisch mit der Dirk. Florecita wird in den Davits fest verzurrt, bekommt also ihre Bellybands (breite Spanngurte, die unter ihrem Boden durchführen) und kleine Spanngurte, die sie quer verspannt am Schaukeln hindern. Der Code0 wird wieder einsatzbereit an die Reling geklippst und die Spinnakerschoten angeschlagen, unter Deck natürlich alles seefest gestaut. Der Wetterbericht ist gut. Es kann losgehen.

Um sechs Uhr weckt uns die aufgehende Sonne.

Und um sieben ziehen wir den Anker hoch und machen uns auf den Weg. Etwa 200 sm sind es bei Charlotte Amalie auf St. Thomas, dem Hauptort der USVI. Wir rechnen mit etwa 36 Stunden.

Der Tracker auf Noforeignland wird leider unseren Reisefortschritt diesmal nicht anzeigen, denn wir haben (als erforderlichen Test für die Salty Dawg Flotilla) den IridiumGo-Tracker auf PredictWind umgestellt. Dort wartet er aber noch auf Freigabe. Sobald die erfolgt, könnt Ihr die Position der Flora (und der anderen Salty Dawgs) HIER sehen.

Green Island

Bevor wir uns aus der Nonsuch Bay verabschieden wechseln wir noch einmal innerhalb der großen Bucht den Platz. Jetzt ankern wir dicht vor dem Sandstrand am westlichen Ende von Green Island.

Obwohl wir weiterhin Route 3 favorisieren (östlich an den Bahamas vorbei direkt zur Chesapeake Bay) liebäugeln wir doch mit einem vorherigen Schlag hinüber zu den USVI. Bis zur Hauptstadt Charlotte-Amalie auf St. Thomas sind es etwa 200 sm, wir rechnen mit etwa 36 Stunden Fahrt.

Das hätte dann nicht nur den Vorteil, jedenfalls noch ein kleines bisschen der USVI kennenzulernen und schon mal in den USA einklariert zu haben, sondern wir hätten außerdem vor dem gaaanz langen Schlag schon mal wieder ein etwas längeres Seestück gesegelt. Also nach der Kurzstrecken-Bummelei der letzten Monate nicht von Null auf Hundert zu starten, sondern die Seebeine (und den Magen) jedenfalls ein klein wenig vorzubereiten.

Morgen gehen wir erst mal zurück nach Falmouth um Steve und Helena auf der Amalia zu treffen, die eine ähnliche Route planen. Und heute müssen wir uns dann wohl wirklich für längere Zeit von Andrea und Ingo verabschieden, die für ihre Easy-One einen Sommerplatz in Grenada gebucht haben, sich also wieder nach Süden orientieren werden. Der Abschied wird uns nicht leicht fallen.

Hoch und hinaus?

Wie wir es auch drehen und wenden, die Saison hier in der Karibik neigt sich langsam dem Ende zu. Einige Wege werden sich zumindest vorübergehend trennen. Unsere Freunde von der Easy-One haben einen Platz in Grenada 🇬🇩 reserviert und gestern auch Flüge nach Europa (für Ende Juli) buchen können. Für uns selbst rückt die Abfahrt nach Norden näher, mit Salty Dawg wäre es schon in zwei Wochen. Auch wenn wir gerne noch länger in der sich laaaangsam wieder öffnenden Karibik bleiben würden, an der US-Ostküste steigt in der kommenden Jahreszeit die Gefahr von „Thunderstorms“, kräftigen Gewitterstürmen deutlich an, so dass uns erfahrene Segler vor einem zu späten Aufbruch gewarnt haben.

Also beginnen wir jedenfalls schon mal mit den Vorbereitungen. Ein Punkt dabei ist die gewissenhafte Durchsicht des Riggs. Also steige ich mal wieder in das professionelle Klettergeschirr mit Hosenträger-Schultergurten, das uns Jan vor unserer Abfahrt geschenkt hat. Dafür bin ich sehr dankbar, ich fühle mich darin sicherer und bin gleichzeitig beweglicher als in unserem alten Bootsmannstuhl. Super gefällt mir auch, dass die Sicherungsleine im Rücken angeschlagen ist und dadurch zugleich weniger stört (wir nehmen die Dirk als Aufholeleine und das Spifall als Sicherungsleine).

Tatsächlich machen mir die Inspektionen des Riggs inzwischen sogar Spaß, wenn die Wellen wie hier in der Nonsuch Bay ziemlich ruhig sind und sich deshalb das Geschaukel auch am langen Hebel in 20 m Höhe in Grenzen hält. Erstaunlich, wenn man bedenkt wie sehr ich früher mit Höhenangst zu kämpfen hatte und das meine Knie noch heute an steilen Abhängen oder in durchsichtigen Treppenhäusern manchmal leicht weich werden. Hier nicht, und deshalb darf ich die Sicht- und Tastaturprüfung des Riggs sowohl auf der Flora als auch auf der Easy-One durchführen.

Alle Wanten (die Strahldrähte, die den Mast seitlich halten) und ihre Befestigungsterminals werden (mit leider erforderlicher Lesebrille) nach etwaigen Beschädigungen abgesucht. Außerdem das Achterstag (das den Mast nach hinten hält). Das Vorstag ist überwiegend in der Vorsegelrollanlage versteckt, hier beschränkt sich meine Prüfung auf den sichtbaren Teil ganz oben am Mast und die Beschläge der Rollanlage. Alle Splinte werden überprüft und ggfs. abgetaped. Tape, Werkzeug, Kamera und ein „Reel“ (aus unseren Tauchsachen, eine aufgerollte lange Leine auf einer Spule) zum etwaigen hochholen von Material finden sich in der roten Tasche, die am Klettergurt befestigt ist. Für die Easy-One mache ich zudem reichlich Fotos von den Beschlägen, den Fallenaustritten und den Installationen im Masttop (auf Flora hatte ich das schon beim letzten Mal erledigt).

Und ich kann den tollen Ausblick von oben diesmal ganz ohne Drohne genießen. Zum Beispiel hinüber zu unserer Flora vor dem Inselchen. Aus der Ferne wirkt sie so klein, obwohl die Masten fast genau gleich hoch sind 😊.

Zukunftsmusik und Orchestrierungsversuche

Über zwei Monate sind wir jetzt schon in Antigua & Barbuda 🇦🇬. Wir haben es wirklich gut getroffen und sind froh, uns gerade diese Inseln für die Lockdown-Phase der Corona-Krise ausgesucht zu haben. Trotzdem machen wir uns mit der näher rückenden Hurrikansaison natürlich vermehrt Gedanken, wie es weitergehen kann. Spätestens in eineinhalb Monaten wollen wir auf dem Weg sein, um aus dem Hurrikangürtel heraus zu kommen.

Den ursprünglichen Plan hoch nach New York zu Segeln haben wir nur noch ein bisschen im Hinterkopf, es wird vermutlich nicht dazu kommen. Aber das Boot in der Sommersaison in die Chesapeake Bay bei Washington zu bringen, dort unsere Freunde zu besuchen und bei ihnen auch eine Zeit zu wohnen, daran würden wir gerne festhalten. Die USA sind (wenn man in den letzten zwei Wochen nicht in Europa war) „offen“, wir dürften also einreisen. Wenn man mit dem eigenen Boot kommt, gilt allerdings nicht das visumfreie ESTA-Verfahren, sondern man benötigt ein vorab ausgestelltes Nichteinwanderungs-Visum. Für viele Segler mit ähnlichen Plänen ist das derzeit ein kaum zu überwindendes Problem, denn das sonst übliche Verfahren, sich in der Botschaft etwa in den Bahamas das Visum kurzfristig zu besorgen funktioniert derzeit nicht: die Bahamas (und viele andere Länder hier) sind „dicht“, man kann nicht einreisen. Wir haben uns aber zum Glück bereits in Deutschland USA-Visa besorgt, gültig für 10 Jahre und mehrfache Einreise. Das war damals etwas aufwändiger, mit einigem Papierkram und einem Interview im US-Konsulat in Frankfurt verbunden, zahlt sich jetzt aber aus.

Trotzdem ist es nicht ganz trivial. Praktisch alle Länder auf der Route von Antigua nach Washington sind „dicht“. Insbesondere gilt das für St. Barth, St. Martin, die BVI (British Virgin Islands), die Turks & Caicos und die Bahamas. Natürlich können wir den direkten Weg segeln, das wären allerdings gut 1.400 sm, also rund 2/3 der Strecke unserer Atlantiküberquerung. Laut Langfahrerbibel (Jimmy Cornels Buch „Segelrouten der Welt“) machen denn auch fast alle Segler auf dieser Route einen kleinen Umweg über Bermuda und teilen diese Strecke damit in zwei Teile. Aber auch Bermuda ist derzeit geschlossen („stopover only in exceptional circumstances“), aber als Transit zum Bunkern ohne Landgang immerhin möglich. Es ist für uns von großem Vorteil, dass sowohl unser Verein Trans-Ocean auf seiner Seite als auch die Langfahrerseite Noonsite uns mit aktuellen Infos zu offenen, beschränkten und geschlossenen Ländern versorgt.

Und noch eine andere große Hilfe und Informationsquelle hat sich aufgetan: die amerikanische Seglerorganisation „Salty Dawg Sailing Association“. Normalerweise veranstalten sie eine (kostenpflichtige) Rally für die amerikanischen Segler, die um diese Jahreszeit aus der Karibik zurück segeln. In diesem Jahr aber haben sie wegen Corona ihr System umgestellt und bieten derzeit kostenlos wöchentliche Geschwaderfahrten an, bei denen die teilnehmenden Segler vielfältige Unterstützung bekommen. So gibt es mehrere Routen mit Wetterrouting durch Chris Parker (Marine Weather Center), Unterstützung bei der Beantragung von Sondergenehmigungen (etwa für einen Stop in auf Puerto Rico und in den Bahamas), tägliche Newsletter und noch einiges mehr. Das gibt uns im Moment folgende Optionen:

Für die Routen R1 und R2 würden wir zunächst mit einem Übernachttörn in die USVI (American Virgin Islands) segeln. Man könnte auch von dort auf die Route R3 starten, aber der Winkel ist von Antigua aus etwas günstiger. Die USVI sind offen, man muss aber in eine zweiwöchige Quarantäne (auf dem eigenen Schiff).

R1 führt nördlich an Puerto Rico vorbei, wo man in drei ausgewählten Häfen noch einen Stop einlegen und zudem bereits für die USA einklarieren könnte (ob das auch für die USVI gilt ist bisher widersprüchlich). Dann weiter nördlich an Hispaniola (Dominikanische Republik und Haiti) entlang und südwestlich um die Bahamas herum in den Süden von Florida.

R2 zweigt von R1 ab und führt durch die Bahamas hindurch (Sondergenehmigung erforderlich). Diese Route ist erkennbar länger als R3, aber geschützter und führt nach den Bahamas in den Golfstrom, der dann kräftig schiebt. Wobei es dann aber möglichst keinen kräftigen Nordwind geben sollte. Insgesamt wären das für uns dann gut 1.900 sm. Dafür wären aber z.B. bei einsetzendem Schlechtwetter Zwischenstops an der südlichen amerikanischen Ostküste möglich.

R3 ist die kürzeste Route, wobei sich kurz bei über 1.400 sm irgendwie unangemessen anhört. Macht man den kleinen Umweg über Bermuda werden es rund 150 sm mehr.

Die letzte Abfahrt der Salty Dawg ist für den 20. Mai terminiert, wenn wir später fahren würde das aber für uns – abgesehen vom Wetter-Routing – nicht allzuviel ändern.

Wir wälzen das noch ein bisschen hin und her. ☺️

Hinterm Riff

Das vor dem Riff nach Osten hin erstmal ganz lange nichts und dann irgendwann Afrika kommt hatte ich ja im letzten Blog geschrieben. Aber was kommt hinterm Riff?

Erst mal ein Bojenfeld. Geschätzt etwa 15 Bojen, laut Aufschrift geeignet für Schiffe bis 60 Fuß Länge, also mehr als gut dimensioniert für unser Boot. Augenscheinlich mit einem Schraubanker im Meeresboden befestigt, von dem eine kräftige Kette zur Boje führt. Man macht nicht an der Boje selbst fest, sondern am Auge eines kräftigen Tampens, der oben an die Boje geschäkelt ist. Das macht das Aufnehmen der Bojenverbindung vergleichsweise einfach, weil man den Tampen mit dem Bootskaken auf Arbeitshöhe hochziehen kann und dann einfach die eigenen Festmacherleinen durch das Auge führt. Die Kette habe ich gewohnheitsmäßig nach dem Festmachen abgetaucht. Sie ist natürlich bewachsen, aber ziemlich massiv.

Und neben uns fängt schon der Korallengarten als Ausläufer des Riffs an. Ein großer Teil der Korallen ist leider geschädigt und gebleicht, wer hier eine bunt leuchtende Korallenwelt erwartet wird sicher enttäuscht. Es finden sich gleichwohl einzelne Fächerkorallen, ein paar Blumenkorallen sowie Blattkorallen und in etwas größerer Zahl auch Gehirn- und Seilkorallen, an denen sich dann auch vermehrt Fische beobachten lassen.

Coney-Zackenbarsch und Goldschwanz-Muräne an einer Hirschgeweih-Koralle

Witzig ist die Geräuschkulisse unter Wasser. Fische sind ja sprichwörtlich stumm, aber das gilt ganz deutlich nicht für die hier:

Die Gelbstreifen-Grunzer tragen ihren Namen völlig zurecht!

Einen anderen Teil der hiesigen Unterwasserwelt haben wir (noch gerade rechtzeitig vor der heute beginnenden Schonzeit) bei Devon erworben. Der kommt gelegentlich hier mit seinem Boot vorbei, hat Obst und Gemüse dabei (wir haben z.B. leckere Mini-Ananas erstanden) und bietet an, von den Fischern fangfrischen Fisch oder Lobster zu besorgen.

Also Lobster. Er wird erstmal in unserer Tauchtasche (aus Netz und damit durchlässig für Wasseraustausch) außenbords gehängt. Mangels Grill müssen wir für an Bord erst die beste Zubereitung googeln. Wir machen ihn im Backofen und er wird

SUPERLECKER!

Zum Ausgleich Sport, Schnorcheln 🤿 einschließlich etwas am Schiffsboden rumschubbern (hört nicht auf), Standup-Paddeln und für Wiebke Yoga.

Und Genießen.

Nonsuch Bay

Da waren wir doch schon mal, Anfang März. Ja, aber leider nur für eine Nacht, dann hatten wir (was um diese Jahreszeit nicht so häufig ist) guten Wind für den Schlag hoch nach Barbuda und sind deshalb gleich am nächsten Tag weitergefahren. An der Nonsuch Bay ganz im Osten Antiguas lag es ganz sicher nicht, die hat uns schon damals gut gefallen. Und auch heute zeigt sie sich von ihrer besten Seite. Die Welle werden vom vorgelagerten Riff abgefangen, im Moment die letzte Landmasse zwischen uns und Afrika. 2.100 sm östlich von uns liegen die Kapverden 😁.

Wir kommen von Falmouth Bay, wo wir noch Proviant ergänzt und den Dinghytank gefüllt haben und außerdem noch mit Mareike von der Moana eine schöne Wanderung über den Middle Ground Trail hinüber nach English Harbour machen konnten. Falmouth Harbour ist eigentlich gut geschützt, aber durch die Größe der Bucht bauen sich doch einige Windwellen auf, zudem ist das Wasser etwas trüb. Ganz anders in Nonsuch Bay, dort können wir zwar auch nicht Muscheln zählen, aber in 7 m Tiefe jedenfalls die Beschaffenheit des Grundes erkennen, als wir von mittags eine der freien Bojen ansteuern. Wir entscheiden uns für die Boje direkt neben der kleinen Insel Bird Island. Bei der hoch stehenden Sonne können wir den vielleicht zwei oder drei Schiffslängen entfernt knapp unter der Wasseroberfläche liegenden Korallen-Bommie gut erkennen, bräunlich und von hellem Türkis umgeben schimmert er aus der durch das dunklere Blau-Türkis des Wassers um ihn herum.

Ein kurzes Video dazu: Hier.

Die Seekarte bildet das ganze so präzise nicht ab, Eyeball-Navigation ist gefragt.

Wie letztes Mal auch ist die Bucht gut gefüllt, aber alles andere als voll. Selbst wenn alle der übrigens kostenlosen Bojen belegt wären gäbe es noch genug Platz zum (hier ebenfalls erlaubten) Ankern.

Luft 29 Grad, Wasser 27 Grad, Riffschnorcheln vom Schiff aus. 😁 Uns jedenfalls gefällt es richtig gut, hier werden wir diesmal wohl etwas länger bleiben.

Einsiedler

Dieses Bild geistert gemeinsam mit ein paar anderen maritim thematisierten Corona-Verhaltensregeln durch die sozialen Medien. Und in Zeiten von Ausgangssperre mag sich der ein oder andere vielleicht tatsächlich ein bisschen wie ein Einsiedlerkrebs vorkommen. Ganz besonders nahe liegt das Bild, wenn man als Segler sein Heim zwar nicht auf dem Rücken trägt, aber eben doch dauernd dabei hat.

Und ganz ehrlich, das empfinden wir gerade in dieser Zeit als ein riesengroßes Privileg. Gut, die Beweglichkeit ist immer noch eingeschränkt, aber wir dürfen mit unserem Heim den Ankerplatz wechseln und Antigua hat einige sehr schöne zu bieten.

Einsiedler oder Eremiten wollen wir deshalb aber trotzdem nicht werden, asketisch, bewusst ohne Ablenkungen und Reize. Im Gegenteil, soziale Kontakte sind uns wichtig und zum Glück können wir auch aus der Ferne die bestehenden weiter pflegen, durch diesen Blog und Eure Kommentare (über die wir uns riesig freuen) und durch andere soziale Medien; WhatsApp-Telefonie hilft uns ungemein. Auch wichtig für uns: neue soziale Kontakte am Ankerplatz entstehen, die UKW-Funkrunden in Jolly Harbour und ganz besonders auch zuletzt in der Carlisle Bay haben für ein tolles Gemeinschaftsgefühl gesorgt. Um so schöner, wenn wir dann bei Lockerung der Ausgangssperre Gesichter zu den Stimmen an der Funke zuordnen kann, am Strand noch maskiert 😷, von Dinghy zu Dinghy (oder Schiff) dann in voller Schönheit 😁. Wir haben es uns auch zur Gewohnheit gemacht, mit dem Dinghy bei unseren Nachbarn vorbeizufahren und uns vorzustellen, was meist gleich zu einem netten Gespräch führt. Der vor dem Lockdown übliche gemeinsame Sundowner fällt zwar aus, aber wer weiß, wann und wo wir den mal nachholen können, diese gemeinsam erlebte Sondersituation schweißt auch zusammen und bleibt ziemlich sicher in Erinnerung.

Und weil mir die “Trivia – unnützes Wissen” – Rätselrunden auf der Funke so gut gefallen haben: wusstet Ihr, dass wissenschaftlich die Familien der Diogenidae (linkshändige Einsiedlerkrebse) und der Paguridae (rechtshängige Einsiedlerkrebse) unterschieden wird?

Je nachdem, welches das größere Scherenbein ist, mit dem das geborgte Schneckengehäuse verschlossen wird. Den Unterschied kann man ganz gut auf der Zeichnung oben und dem Bild unten erkennen 😉.

Von fliegenden Chill-Kröten, sinnlosen Elektroschlangen und schwebenden Elefanten

Von der Carlisle Bay verabschieden wir uns heute nach nun auch schon wieder 1 1/2 Wochen. Gar nicht so einfach, die Gemeinschaft der vielleicht 15 Boote dort war einfach klasse, die launigen Funkrunden morgens und Abends (gestern Quizz Südafrika), der unfassbare Aufwand, den manche Bootscrews auf sich genommen haben um für alle Gemüse-, Fisch- oder Lobsterlieferungen zu organisieren und zu administrieren und die wunderbare Hilfsbereitschaft, der unfassbar humorvolle Wetterbericht von Rean (Top Secret) heute morgen …

… aber wir fahren ja nicht alleine weg. Gemeinsam mit Mareike (Moana) und Andrea & Ingo (Easy-One) verholen wir das kleine Stück hinüber nach Osten in den Naturhafen von Falmouth Harbour. Das Wasser ist hier nicht mehr ganz so klar, aber dafür gibt’s auch weniger Schwell. Vorgestern Nacht hatte Wiebke sich wegen des Rollens sogar dafür entschieden, ihre Seekoje im Durchgang zum Vorschiff zu reaktivieren und die zweite Nachthälfte dort zu schlafen, weil die Schiffsbewegungen doch ziemlich heftig waren.

Danach haben wir dann den Heckanker wieder ausgebracht, damit das Schiff nicht mehr quer zu den hereinrollenden Wellen liegt. Weil der Wind in der Folge eher von der Seite kam, gab es natürlich einigen Druck auf unsere beiden Anker, aber sie hielten super. Eher zu gut 😊, denn das Aufholen des Heckanker (ein 20 kg Bruce-Anker, der auf der HR 43 schon mit Heckankergeschirr angebracht war) gestaltet sich heute dann eher schwierig. Obwohl mit Tripleine und Ankerboje versehen, lässt er sich zunächst nicht ausbrechen. Dann eben mit dem Dinghy voll rückwärts. Nichts. O.k., rückwärts bringt unser Dinghymotor trotz 20 PS nicht allzu viel Kraft auf, aber bisher hatte das stets gereicht. Heute nicht. Ingo kommt dazu, taucht, dirigiert schnorchelnd, und gaaaanz langsam und mit einigem Hin und Her kriegen wir ihn los. Nächstes Mal würde ich wohl einen Hahnepot riggen um mit dem Dinghy vorwärts ziehen zu können. Zur Not hätten wir ihn sonst mit der Flora ausbrechen müssen. Wieder was gelernt.

Dann motoren wir die weniger als vier sm nach Falmouth. Muss auch nicht länger sein: Wind und Welle vierkant von vorn. Wir hüpfen an der ebenfalls Luftsprünge machenden Easy-One vorbei.

Fliegende Chill-Kröte am Bug

Aber jetzt liegen wir ruhig und super geschützt. Am Wochenende soll etwas kräftigerer Wind sein, danach flaut es ab und dann werden wir wir wohl wieder weiter ziehen zum etwas idyllischer gelegenen Green Island.

Erstmal aber noch etwas Bootsarbeit hier. Wir entfernen die schon länger nicht mehr genutzte “C-Pod”-Station hinter unserem Elektronikpanel. Sie hat uns als das Boot in Griechenland lag per Email oder Internetabruf darüber informiert, ob die Flora noch vor Ort liegt und ob die Batteriespannung unter einen kritischen Wert sinkt. Letzteres funktioniert seit der Umstellung auf Lithium ohnehin nicht mehr. Man könnte auch die Bilgepumpe aus der Ferne über sie schalten, aber so war sie nicht angeschlossen. Das vom Vorbesitzer eingegangene kostenpflichtige Abo hatten wir zuletzt nicht mehr verlängert. Gut, dann kann der Kram auch raus. Und mit ihm einige Kabel, denn der C-Pod hat eine eigene GPS-Antenne zur unabhängigen Positionsermittlung und ist direkt mit der Batterie verbunden. Bei der Gelegenheit (wir wühlen uns durch die Kabelschächte vom Kartentisch zur Batteriebank unter der Achterkoje) entfernen wir gleich auch noch ein übrig gebliebenes Ethernetkabel vom inzwischen ersetzten Solar-Regler. Und ich baue endlich einen Schalter ein, um das AIS bei Bedarf “stumm” schalten zu können, als nur zu empfangen, aber nicht die eigene Position zu senden. Test mit der Easy-One und der Moana: funktioniert.

So sollte das nicht aussehen! Tut es auch nicht mehr.

Die Verkabelung der Hallberg-Rassy-Rassy ist eigentlich vorbildlich, aber die nachträglich eingebauten Teile sind ziemlich gefrickelt. Der C-Pod ist jetzt rausgeflogen, der Fox-Solarladeregler schon bei der Lithium-Umstellung. Das Raymarine-AIS ist offenbar ebenfalls nachträglich eingebaut, da haben wir jetzt etwas Kabelsalat bereinigt und eben den Stumm-Schalter eingebaut. Hatten wir schon lange geplant, und die Covid-Zeit führt eben auch zur Verkürzung der To-Do-Listen 😉.

Und heute Abend: Frischer Thunfisch vom Fischer. Und zwischen Mond und Venus passt immer noch ein Elefant!