Auf zur „Bay of Islands“ in Neuseeland

Eines der beliebtesten und bekanntesten Segelreviere Neuseelands ist die „Bay of Islands“ an der Nordostküste der Nordinsel. Etwa 20 km schneidet sie ins Landesinnere hinein, wird dabei bis zu 16 km breit. Trotz dieser überschaubaren Ausmaße weist sie offiziell 144 Inseln auf. Bei dieser Zählweise müssen offenbar neben kleinsten Inselchen auch größere Felsen eingeflossen sein. Dennoch bieten sieben größere Inseln und eine Vielzahl sich vom Festland in die Bucht hinein erstreckender Halbinseln so viele Buchten und damit Ankerplätze, dass sich bei jeder Windrichtung ein geschütztes Plätzchen finden lässt.

Außerdem findet sich mit dem Örtchen Opua in der Bay of Islands Neuseelands nördlichste Gelegenheit zum Ein- und Ausklarieren. Damit bietet es sich förmlich an, in der Bay of Islands auf ein Wetterfenster für den Absprung nach Fiji zu warten.

Whangārei Harbour verabschiedet uns mit einem kräftigen Schauer, aber als wir die Whangārei Heads passiert haben, klart es dann auf.

Und so wird es ein richtig schöner Segeltag. Zwar segeln wir meist hoch am Wind an der Ostküste hinauf, aber wegen des ablandigen Windes baut sich keine starke Welle auf. So war das geplant, fein, wenn es auch eintrifft. Unser Tagesziel ist die gut 52 Seemeilen entfernte Bucht Whangamumu.

Ein Traum. Die Bucht in der zerklüfteten Küste bietet in ihrer Südwestecke die Einfahrt in eine nochmals besser geschützte zweite Bucht.

Drumherum fast nur Natur, lediglich ein paar unauffällige Ruinen einer alten Walfangstation am Ufer. Das müssen wir uns natürlich ansehen. Ein Hinweisschild erläutert, dass früher Wale in die innere Bucht getrieben wurden, die dann mit einem Netzt abgesperrt wurde. Bis zu 10 Wale im Jahr konnten dann mit Harpunen erlegt werden. In der Walfangstation wurde der Walspeck dann zu Öl verarbeitet. In späteren Jahren (Anfang des 20. Jahrhunderts) gab es dann ein dampfbetriebenes Harpunierschiff, mit dem außerhalb der Bucht gejagt wurde. Bis zu 50 Wale im Jahr wurden damit erlegt und ebenfalls zur Weiterverarbeitung in die Bucht gebracht. Ein paar rostige Maschinenteile, die aus Beton gegossenen Kochstellen und ein von der Natur schon fast zurückerobertes ehemaliges Maschinenhaus sind noch zu sehen.

Wir wandern noch ein kleines Stückchen weiter zu einem Wasserfall mit Dusch- und Badebecken. In die andere Richtung verläuft ebenfalls ein schmaler Wanderpfad, der aber nach 100 Metern schon wieder endet (für uns, abgesperrt ist es nicht). Nur noch fußbreit läuft er am steilen Hang entlang weiter, den Rest hat offenbar kürzlich ein Erdrutsch mitgenommen. Auch die übrigen Hänge um die Bucht herum weisen vielfach die Narben frischer Erdrutsche auf. Ob das Vaianu war oder schon die starken Regenfälle davor?

Wie auch immer, der Schönheit von Whangamumu tut es keinen Abbruch.

Wir würden gerne noch bleiben, aber ab übermorgen ist kräftiger Nordwestwind angesagt, nicht eben ideal für unsere weitere Route. Deshalb geht es nach diesem herrlichen Zwischstopp schon am nächsten Morgen weiter nach Norden, nun wirklich zur Bay of Islands.

Wieder können wir wunderbar segeln.

Wir segeln sogar einen Kringel um die unverkennbare Landmarke am Cape Brett, das von uns so getaufte halbversunkene Mammut (die Insel Motukokako, besser bekannt als „Hole in the Rock“).

Fotosession am 148 m hohen Mammut 🦣:

Cape Brett markiert zugleich den Eingang in die Bay of Islands, die Halbinsel des Caps ist die Nordostspitze der Bucht. Wir biegen also am Mammut links ab. Unser erstes Ziel in der BOI (Bay of Islands, viele Kiwis lieben offenbar Abkürzungen) ist gleich deren größte Insel: Urupukapuka (die Maorí ziehen den Abkürzungen offenbar Dopplungen vor).

Wir wissen bis dahin noch nicht so recht was uns erwartet, aber Segelfreunde hatten uns von der Bay of Islands viel vorgeschwärmt.

Und so sieht unsere erste Ankerbucht aus, die Urupukapuka Bay:

Noch am Abend machen wir einen ersten kleinen Hike auf der Insel, am nächsten Morgen gleich einen zweiten, deutlich längeren. Die Wanderpfade auf Urupukapuka sind gut markiert. Sie führen kreuz und quer über das etwa drei Quadratkilometer große Eiland, manchmal unmittelbar an den Abgründen der steilen Klippen entlang, hinab zum Strand einer Bucht und wieder hinauf auf die Klippen. Mal über Schafweiden, dann wieder durch dichte niedrige Wälder aus Südseemyrthe. Das etwas weichere Manuka und das härtere Kanuka werden auch Teebaum genannt. Aus dem Nektar machen die Bienen den berühmten Hanuka-Honig. Wir sind erstaunt, das diese Bäume jetzt im Herbst noch Blüten tragen.

Ganz verlustfrei geht der Hike nicht ab. An Wiebkes linker Sandale löst sich die Sohle. Barfuß weiter? Aber nein, Notreparaturen sind wir ja gewohnt: ein Haarband wird geopfert und für den Rest des Hikes hält das ganz tatsächlich auch.

Die Aussichten auf der Wanderung sind phänomenal.

Was aber fast noch beeindruckender ist und diesen Hike ganz besonders macht: Urupukapuka ist – wie einige andere Inseln in der BOI – seit 2008 offiziell „mammal pest free island“. Alle vom Menschen eingeführten für die heimische Tierwelt schädlichen Säugetiere (wie Mäuse und Ratten, aber auch Katzen und Hunde) gibt es auf Urupukapuka nicht mehr. Die heimische Tierwelt kann sich hier wieder erholen und wurde zum Teil auch extra wieder angesiedelt. Kiwi-Vögel sehen wir zwar nicht (Kunststück, wir sind ja tagsüber unterwegs). Was aber deutlich auffällt, ist der fast überall präsente melodische Gesang der Tui. Das hatten wir bisher so noch nirgends in Neuseeland. Es braucht ein bisschen, ehe wir die eher scheuen Vögel auch entdecken. In der Ferne sieht man sie manchmal auf einem erhöhten Zweig, bei Annäherung verstecken sie sich aber gerne im dichten Geäst der Manuka oder anderer Bäume. In deren Schatten fallen ihr dunkles Gefieder und die weißen Federpuschel am Halsansatz dann kaum auf. Im Sonnenlicht dagegen entfaltet das Federkleid seine eigentliche Pracht.

Außerdem sehen wir erstmals die relativ kleinen endemischen Neuseelandpiper:

Zudem weitere endemische Vogelarten wie die meisenartigen Neuseeland-Fantails (Pīwakawaka) und die neuseeländischen Austerfischer.

Und natürlich, im weichen Abendlich besonders farbenfroh, die neuseeländischen Purpurhühner, hier Pūkeko genannt.

Ein elementar anderes, aber ebenfalls tierisches Begrüßungsgeschenk in der Bay of Islands gibt es am Abend an der Flora:

Delfine kommen in unsere Ankerbucht, erjagen sich ihr Abendbrot und spielen anschließend ganz dicht um die Boote herum.

Was für ein Empfang. Erster Eindruck: hier lässt es sich aushalten. ☺️

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