Von Boothbay Harbor nach Maddock Cove

Boothbay Harbor verwöhnt uns nicht nur mit lokalen Köstlichkeiten, sondern auch mit einem dramatischen Sonnenuntergang.

Dabei richtet sich der Blick schon auf Southport Island, aber das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Montag morgen ergibt der Gang zum Außenborder-Schrauber am Fischerhafen, dass der leider keine Zeit für uns hat. Er empfiehlt – wie Jill ebenfalls – Hogdon Yacht Services in Boothbay-Southport. Wir schauen uns das auf der Seekarte an und stellen fest, dass der Townsend Gut tatsächlich Southport zu einer Insel macht. Der schmale Sund ist tief genug für Flora und die ihn überspannende Drehbrücke öffnet sich alle halbe Stunde. Schön, dann also da hindurch.

Ganz ähnlich öffnete früher die alte Brücke in Kappeln an der Schlei

Wir machen nach einer wunderschönen Fahrt durch die Hintertür um die Insel an einer Boje von Hogdon Yacht Services auf 6m Wassertiefe in der Maddock Cove fest. Zwar stellt sich dort heraus, dass hier nur Yamaha und Suzuki, aber keine Honda gewartet werden, aber immerhin kann ich einen für unseren Motor passenden Benzinfilter kaufen und mit etwas Bastelei die schlimmsten Symptome unseres Honda BF20 zumindest lindern, er geht jetzt nicht mehr aus sobald man Gas gibt 😉.

Also können wir damit auch ruhigen Gewissens zu einem ausgedehnten Spaziergang an Land übersetzen. Die Marina bietet ein Dinghydock an einem Schwimmponton an. Bei rund zweieinhalb Metern Tidenhub ist das eine Notwendigkeit. Wir waren fast bei Hochwasser angekommen, aber das Wasser ist schon deutlich gefallen und es taucht eine Felsenkette auf. Auch bei unserem Gang über die Insel wird die nunmehr herrschende Ebbe ein ums andere Mal deutlich sichtbar.

Aber auch der Wald macht unseren Spaziergang besonders. Der Geruch der Kiefern, das Schimmern des Atlantiks durch die Bäume und „Kunst im Wald“, die mal mehr mal weniger die natürlichen Gegebenheiten der Baumstämme einbezieht.

Im lokalen Southport General Store können wir noch ein paar Lebensmittel einkaufen, dann geht es zurück auf die Flora, die sich vom Dinghy aus in der Abendsonne ganz malerisch vor den mit braunem Tang überzogenen inzwischen hoch aus dem Wasser ragenden Felsen präsentiert. Ein Lobsterpot mitten im Bojenfeld darf natürlich auch nicht fehlen 😉.

Maine: Landschaft, Landschaft und Lobster

Jetzt, da nach dem Covid-19-Test der Weg frei ist, Maine zu erkunden, segeln wir erst einmal weiter nach Nordosten. Ein bisschen kreuz und quer durch die an die schwedischen Schären erinnernde Landschaft mit ihren vielen felsigen Inseln.

Begünstigt durch die glatte Wasseroberfläche sehen wir mehrfach Delfine, eine kleinere Art, vielleicht auch Schweinswale, die uns beim Segeln ein Stück begleiten.

Wobei, nicht immer können wir so richtig „frei“ segeln. Da sind zum einen die Felsen unter Wasser, die hier allerdings meist gut gekennzeichnet sind, häufig mit großen Glockentonnen. Zum anderen – und das ist die anspruchsvollere Herausforderung – sehen wir in diesen ersten Tagen hier in Maine schon tausende von Fischertönnchen. Hört sich übertrieben an?

Slalomkurs. Das ist ein Fahrwasser!
Mal wunderbar zu sehen,
mal eher versteckt.

Die „Lobsterpots“ gehören zu Maine wie die Hummer, deren Fallen sie markieren. Unfassbare 100.000 t des Amerikanischen Hummers werden jährlich gefangen (nicht allein, aber eben doch zu einem großen Teil in Maine). Trotz dieser Befischung gilt die Population als stabil bzw. sogar zunehmend. Allerdings müssen die Fischer ihre Fallen zunehmend weiter draußen in größeren Tiefen aufstellen, weil die Wassertemperatur in Küstennähe spürbar angestiegen ist und die Lobster in tieferes kälteres Wasser ausweichen. 19,4 Grad Celsius messen wir heute unter Flora.

Ebenfalls typisch für Maine sind die Kiefern, die nicht nur viele der Inseln bedecken, sondern auch große Teile des Festlandes. Der offizielle Beiname des Bundesstaates ist denn auch „The Pine State“, der Kiefernstaat. An unserem ersten Ankerplatz in einer Bucht bei Small Point Harbor lassen wir die Drohne fliegen und können ganz gut erkennen, woher dieser Beiname kommt.

Rechts von dem Sandstrand auf dem Bild schließt sich der namensgebenden kleine Hafen an. Keine angelegte Marina, sondern ein Naturhafen in einem schmalen Meeresarm, in dem an Bojen kleine Fischerboote, Motorbötchen und auch kleinere Segelboote der versteckt zwischen den Bäumen liegenden Häuser liegen.

Kleines Video dazu gibt’s HIER.

Draußen in unserer Ankerbucht liegen wir dagegen fast allein, nur ein Einhandsegler kommt kurz vor Sonnenuntergang noch hinzu und ankert ein Stück hinter uns.

Für den nächsten Tag verholen wir uns wiederum weiter nach Nordosten, diesmal machen wir zur Abwechslung an einer Boje im belebteren Boothbay Harbor fest. Große Bojenfelder belegen den ganzen inneren Teil der Bucht. Weiter draußen könnten wir zwar ankern, aber die Bojen sind mit 35 $ pro Nacht eher günstig. Wir liegen vor dem Ostufer, wo es zwar auch zwei kleinere Marinas und eine Bootstankstelle gibt, das ansonsten aber eher von den aktiven Lobsterfischern geprägt ist, während sich der durchaus hübsche aber eher touristischere Ortskern am Westufer findet. Eine wiederaufgebaute historische Fußgängerbrücke verkürzt uns den Fußweg, denn wegen des leider zunehmend und ungeachtet meiner Reparaturversuche stotternden Dinghymotors entscheiden wir uns lieber für das nächstgelegene Dinghydock.

Auf dem Rückweg machen wir bei der Boothbay Lobster Wharf Station und bestellen uns uns Abendessen „to Dinghy“, da die rustikale Terrasse gut gefüllt ist genießen wir unseren frisch gekochten Lobster lieber im Cockpit der Flora.

Jill kommt mit ihrem Kajak vorbei gepaddelt, wünscht uns „Guten Tag“ bestellt dann auf Deutsch ein Bier bei uns. 😁 Wir kommen ins Gespräch und reichen ihr eine Dose „Schöfferhofer Grapefruit“ hinüber (hatten wir gerade in Portland gefunden). Und so gibt es zum Sonntagsfrühstück heute morgen ebenfalls lokale Leckereien, denn Jill kommt schon vor dem Frühstück erneut mit ihrem Paddelboot und bringt uns Bier aus der örtlichen Brauerei (testen wir heute Abend) und eine große Portion frische Wildblaubeeren, die zwar klein sind, aber unglaublich intensiv schmecken und perfekt zu unserem amerikanischen Frühstück mit French Toast (Arme Ritter) und Bacon passen. Und als ob das nicht schon gastfreundlich genug wäre, bietet sie uns auch an in ihrem Appartement unsere Wäsche zu waschen und zu duschen, uns zum Supermarkt zu fahren und die Familienmooring in der nächsten Ankerbucht zu nutzen. WOW.

Covid-Testresultate

Das ging schnell. Gestern Nachmittag den Test gemacht, heute Vormittag um 9:30 bekommen wir alle nacheinander jeweils den Anruf: Covidtest negativ. Super, wir dürfen uns frei bewegen und irgendwie löst das Testergebnis auch sonst ein befreiendes Gefühl aus.

Vielleicht noch mal zur Verdeutlichung, weil das in meinem letzten Post eventuell etwas schnell ging. Das ist unsere bisherige Segelroute, wie man sie auch auf http://www.noforeignland.com nachvollziehen kann:

Und präziser, so sieht unsere Strecke an der US-Ostküste bisher aus:

Ein weiteres (sehr positives) Ergebnis des negativen Testresultates ist, dass wir uns Portland noch ein wenig ansehen können. Und die Stadt gewinnt beim zweiten Blick deutlich. Zwar bleibt der Charme der in die Jahre gekommenen Hafenkante doch sehr rau, von Fischerei und Industrie geprägt, aber eben auch authentisch, nur gelegentlich mit romantisierenden Wandbildern aufgehübscht, nicht übertouristisch totrenoviert.

Und schon eine Querstraße weiter hoch in Richtung des Rathauses mit der fast ein bisschen an den Michel erinnernden Turmspitze finden sich nette kleine Geschäfte, diverse Bars, Eisdielen und vor allem: Restaurants. Portland soll eine der besten Kleinstädte für Foodies sein. Wir sind erst skeptisch, aber jedenfalls das aus einem Food-Truck hervorgegangene, von außen äußerst unscheinbar wirkende “mami” entpuppt sich als wunderbares japanisches Restaurant mit überraschender und super leckerer Küche.

Auch der Schrecken der Segler dieser Gegend, zugleich verantwortlich für Slalomfahrten, Propellerschäden (bitte nicht) und – in allererster Linie – Schlemmergenuss findet sich als Lokalkolorit und sogar mit nationalstolzem Dekor: die kleinen Bojen der Lobsterkörbe mit ihren kurzen und damit für Segler oft kaum sichtbaren Stangen bzw. eher Griffen.

Den Abend lassen wir auf der Terrasse des Centerboard Yacht Club ausklingen, wo wir mit herrlichem Blick hinüber auf Portland auf unsere Wäsche in der clubeigenen und für Gäste kostenlos nutzbaren Waschmaschine bzw. Trockners warten. Gutes kostenloses WLAN ist in den 40 Dollar Mooringgebühr ebenfalls enthalten.

Covid: Reiseplanänderung

Bloß, wir sind in Rhode Island. Als nächstes hatten wir an Cuttyhunk, dann Martha’s Vineyard, Nantucket, Cape Cod, gedacht, so in etwa. Das liegt alles im US Bundesstaat Massachusetts, nach Norden schließen sich dann noch New Hampshire und Maine an. Die offizielle Webseite von Massachusetts http://www.mass.gov hat zu Covid aktuell folgende Übersicht:

Einmal mehr ändern wir unseren Reiseplan (hatten wir nicht ohnehin schon gesagt, dass wir keine Pläne haben, sondern eher … Ideen?). Also die Idee war, langsam entlang der US-Ostküste weiterzubummeln.

Nach unserer Einreise ist im eigentlich Lower-Risk-Nordosten ein klitzekleiner Flecken rot geworden, ausgerechnet RI. Das bedeutet, bei einer Einreise von Rhode Island nach Massachusetts müssten wir neuerdings entweder 14 Tage Quarantäne oder einen PCR-Covid-19-Test auf uns nehmen. Wegen der (schon länger bestehenden) Regelung in Maine müssten wir dort bei der Einreise wieder einen solchen Test machen.

Wir beschließen, unsere Route zu verändern und zunächst Maine zu besuchen, der reine Transit durch Massachusetts erfordert keinen Test. Bleiben die Regelungen auf dem heutigen Stand, müssten wir so nur einmal einen Test machen und dann in New Hampshire und Massachusetts wegen der Einreise aus einem Low-Risk-Bundesstaat nicht noch einmal. So weit, so gut.

Wieder mal ist frühes Aufstehen angesagt, es gibt guten Segelwind und durch die Abfahrt schon um 5.00 Uhr morgens haben wir im Cape-Cod-Canal (CCC) mit seinen wieder mal imposanten Brücken mitsetzenden Strom. Und der ist im CCC beachtlich: wir messen bis zu knapp vier Knoten Strom in dem Kanal, der Cape Cod zur Insel macht und den Schiffen den weiten Umweg um die Flachs vor Nantucket erspart.

Danach können wir mit Schmetterlingsbesegelung nordwärts Richtung Maine weiterziehen.

Und so geht es auch in (und durch) die Nacht, in der wir wegen des Meteorschauers der Perseiden auf jeder einzelnen dreistündigen Nachtwache mehrere kräftige Sternschnuppen sehen können – perfektes Timing, denn die Überbleibsel des Kometen Swift-Tuttle sind zwar über einen längeren Zeitraum zu sehen, haben aber 2020 genau in dieser Nacht ihren imposantesten Auftritt.

Interessant ist auch ein Blick auf die Entwicklung der Wassertemperatur. Hatten wir westlich des CCC noch 24,2 Grad, messen wir östlich des Kanals stetig fallende Werte bis hinunter auf 16,3 Grad. Danach steigt das Thermometer wieder, bei unserer Ankunft am Leuchtturm Portland Head messen wir immerhin wieder 18,2 Grad.

Wir finden eine freie und für Floras Tiefgang gerade noch passende Boje im Centerboard Yacht Club gegenüber der Innenstadt, wo wir für 40 $ die Nacht festmachen dürfen. Ein wenig beobachten wir das Geschehen im hauptsächlich noch von Fischern geprägten Hafen, dann setzen wir mit dem Dinghy über und fahren mit dem Taxi zum etwas entfernt gelegenen “Walgreen’s Drugstore” Covid-19-Testgelände. Nachdem gestern die Anmeldung per Webseite nicht funktionierte, wurde uns dazu per Kundentelefon von Walgreen’s geraten.

Klappt leider trotzdem nicht, die Dateneingabe vor Ort war nur bis letzte Woche möglich, jetzt sind die Terminals abgebaut und nur noch Tests mit vorheriger Webanmeldung werden durchgeführt. Für Ausländer wie uns funktioniert das nicht, weil man aus einer Liste (amerikanischer) Krankenversicherungen auswählen muss oder – wenn eine solche nicht vorhanden ist – aus der Liste amerikanischer Bundesstaaten den auswählen muss, in dem der eigene Führerschein ausgestellt wurde. Sonst: 🛑. Die freundlichen Mitarbeiter erkennen das Problem, können jedoch keinen Workaround finden. Sie schicken uns aber weiter zur “Brighton Urgent Care Clinic”. Ein vorheriges Telefonat bestätigt: geht, ohne Voranmeldung, auch als Ausländer. Also dann:

Testergebnis des nicht eben angenehmen aber auch nicht sonderlich schmerzhaften PCR-Tests, bei dem ein Probenentnahmestab fünf Sekunden lang sehr tief in die Nasenhöhle eingeführt wird, gibt’s in 24 bis 48 Stunden.

Newport, RI

Die meisten Segler haben irgendwann schon mal von Newport, RI, gehört. Wie das von uns schon besuchte Annapolis in der Chesapeake Bay versteht sich auch Newport, Rhode Island, als Segelmetropole der USA. Tatsächlich gibt es im weiten Naturhafen der fast mittig zwischen Boston im Norden und New York im Südwesten gelegenen Stadt große, gut belegte Bojenfelder und auch mehrere gute Ankerplätze. Aber das allein macht es nicht aus.

Von unserem Ankerplatz aus können wir ein Gebäude sehen, das den Anspruch Newports als Segelhauptstadt vielleicht am besten verkörpert, das Clubhaus des New York Yacht Club.

Club und Ort sind eng verbunden mit der wohl ältesten und bekanntesten Segelregatta, dem America’s Cup. Nachdem der vereinseigene Schoner „America“ 1851 die (damals noch nach dem Preisgeld „100 Sovereign Cup“ genannte) Regatta erstmals gewonnen hatte, wurde der Kampf um die im Wortsinn wirklich bodenlose Kanne „Auld Mug“, wie der geschwungene Pokal respektlos genannt wird, bisher 35 mal ausgetragen. Dabei blieb die Siegtrophäe 132 Jahre lang (also bis 1983) in den USA, was sie mit einigen Regeländerungen intensiv unterstützten. Die Titelverteidigung erschien ihnen so selbstverständlich, dass der Pokal tatsächlich in der Vitrine des New York Yacht Club festgeschraubt war (hineinfüllen konnte man ja ohnehin nichts) und vor der Pokalübergabe an die siegreichen Australier erst die Handwerker kommen mussten. Und na klar, nicht nur der America’s Cup wurde mehrfach hier vor Newport ausgetragen, auch andere bekannte Regatten sind mit diesem Ort verbunden. Etwa das regelmäßig alle zwei Jahre ausgetragene aber in diesem Jahr Covid-beding ausgefallene Newport-Bermuda-Race und (muss ich natürlich erwähnen) die Daimler-Chrysler-North-Atlantic-Challenge 2003 sowie das HSH Nordbank Blue Race 2007, die beide jeweils von Newport, RI nach Hamburg führten.

Aber auch zwei bekannte Namen sind mit dem Ort und dem America’s Cup eng verknüpft. Da ist zum einen Nathanael Herreshoff. Der weltberühmte Yachtkonstrukteur aus Bristol hier an der Narragansett Bay hat nicht nur im Nachbarort seine Manufacturing Company, wo insgesamt sieben der siegreichen America’s Cup Yachten gezeichnet und z.T. auch gebaut wurden, er gestaltete auch entscheidend das Regelwerk hinsichtlich der Bauvorschriften für die am Cup teilnehmenden Yachten im frühen 20. Jahrhundert (ab 1902 Herreshoff Rule, später in Universal Rule umbenannt).

Der zweite Name ist Vanderbilt. Der 1794 geborene Cornelius Vanderbilt hat aus kleinen Verhältnissen kommend zunächst eine Ein-Segelboot-Fährlinie von Staten Island nach New York betrieben, und sich dann sehr erfolgreich zunächst als Reeder und nach dem amerikanischen Bürgerkrieg als Eisenbahn-Unternehmer engagiert, wobei er wegen seines rücksichtslosen Geschäftsgebarens zum Inbegriff des „Räuberbarons“ wurde. Konkurrenten, die er für den Verlust von Transitrechten durch Nicaragua verantwortlich machte, schrieb er den berühmten Brief:

„Meine Herren! Sie haben es gewagt, mich zu betrügen. Ich werde Sie nicht verklagen, denn die Justiz ist zu langsam. Ich werde Sie ruinieren. Hochachtungsvoll, Cornelius Vanderbilt“ (Quelle: Webseite der Vanderbilt Universität)

Cornelius Vanderbilt (allerdings der II., ein Enkel des oben genannten) hat in Newport anstelle eines abgebrannten Vorgängerbaus der Familie eine 1895 fertiggestellte Privatresidenz errichten lassen, das „The Breakers“. Obwohl nur eine von diversen Residenzen der Familie ist das auf einem Kliff über dem Atlantik im Stil eines genuesischen Palastes gebaute Anwesen doch bis heute die größte Privatresidenz von (dem an solchen nicht eben armen) Newport. Auch das ist USA: Copy and Prunk. Wobei die bauliche Anlehnung an fremde Historie gekoppelt wurde mit modernster Ausstattung, etwa elektrischem Licht und Fahrstuhl, Badewannen mit wahlweise Frischwasser oder Salzwasser, beides warm oder kalt. Mit dem America’s Cup sind die Vanderbilts natürlich auch verbunden. Ein Sohn der Familie, Harold S. Vanderbilt, hat nicht nur die Bridge-Regeln verändert und das Kartenspiel damit populär gemacht, sondern in den Jahren 1930, 1934 und 1937 in seinen J-Class Yachten Enterprise, Rainbow und Ranger den America’s Cup gewonnen bzw. jeweils verteidigt.

Und was machen wir in Newport? Nachdem wir gestern mit der Crew der Escape die Stadt erkundet haben, machen wir uns heute auf die sehr empfehlenswerte Wanderung auf dem ausgeschilderten Cliff Walk. Hier kann man die zeitlose landschaftliche Schönheit und die bautechnischen Höhenflüge gleichermaßen betrachten. Gemeinsam mit Steve und Helena, Greg und Michael bewältigen Wiebke und ich den überwiegend eher leichten, aber immerhin 12 km langen und jedenfalls kurzweiligen Spaziergang. Schließlich lockt am Ende ein leckeres Eis in Newports Hauptstraße, fast gegenüber der Kirche in der J.F. Kennedy seine Jackie geheiratet hat.

Absoluter Gewinner im Eyecatcher-Contest für mich: Die Landschaft

Rhode Island

Bei dem ganzen Wirbel um Isaias ist ein bisschen untergegangen, dass wir (schon seit Block Island) im nächsten amerikanischen Bundesstaat sind. Und zwar im kleinsten US-amerikanischen überhaupt, in Rhode Island, etwa so groß wie das Saarland. Adriaen Block, derselbe niederländische Forscher, der eben Block Island seinen Namen gab, nannte das (Fest-)land hier wegen seiner roten Erde “Rhode Eylandt” und gab damit dem rund um die Narragansett Bay gelegenen Bundesstaat seinen Namen.

Und Rhode Island (Kürzel: RI, Beiname und Autokennzeichen-Ergänzung: The Ocean State) ist für uns der zweite “Neuengland”-Bundesstaat. Sechs US-Bundesstaaten werden als Neuengland-Staaten zusammengefasst. Neben Rhode Island sind das Maine, Vermont, Massachusetts, New Hampshire und Connecticut, das wir mit den Thimble Islands ja schon angelaufen haben. Diese Staaten im äußersten Nordosten der USA sind eine der beiden Keimzellen der englischen Besiedlung Nordamerikas, die zweite liegt im Süden der Chesapeake Bay in Virginia.

Was die Neuengland-Staaten neben ihrer Geschichte eint, ist der Holz- und Fischreichtum dieser Gegend und – jedenfalls soweit wir das bisher beurteilen können – auch ein anderer, etwas zurückgenommener wirkender Baustil. Hier in Rhode Island dürfen wir den auf Block Island, in Bristol und zuletzt hier in East Greenwich und (auf einem ausgedehnten Lebensmittel-Großeinkaufs-Trip mit einem Mietwagen) in Wickford erleben. Das schöne Wickford bietet zudem noch die Besonderheit, dass sich dort sehr viele historische Häuser erhalten haben, an denen eine Plakette Baujahr und Erstbesitzer anzeigt. Der Bummel durch den Ort zeigt zudem an vielen Stellen auch die maritime Verbundenheit (The Ocean State) und lockt uns oftmals mit schönen kleinen Läden, etwa einem Haus- und Gartenausstatter, der in einem historischen Haus mit angegliedertem Garten und Gartenhaus auf wunderschöne Weise seine Ware zeigt.

Auch der Hafen von Wickford hat seine Besonderheit. Die Boote dort sind in Reihen jeweils zwischen zwei Pfählen festgemacht, ein (für uns) bisher ungewohnter Anblick.

Nach dem Durchgang von Isaias machen wir dann gemeinsam mit Helena und Steve von der Amalia noch einen schönen Spaziergang auf der Halbinsel vor unserem Ankerplatz, sehen unsere Schiffe hinter dem Badestrand liegen, beobachten amerikanische Silbermöven, die auf der Promenade mit Muscheln kämpfen, die sie zwar kaum in ihren Schnabel bekommen, sie lassen sie dann aber aus der Höhe auf das Trottoir fallen und damit die Schwerkraft die Arbeit des Öffnens erledigen, und wir genießen eine fast nur aus Eis bestehende Limonade, die uns bei der Hitze gut erfrischt.

Dass Flora kein Bimini trägt hat leider auch einen Grund: Wir hatten den Sonnenschutz, der zugleich unsere Solarpanele trägt, wegen des herannahenden Sturmes abgebaut. So weit so gut, nur beim Wiederaufbau zeigt sich leider ein hässlicher Riss und weitere spröde Stellen. Stoffliche Verstärkung insbesondere unter dem mittleren Träger ist erforderlich, da ist der örtliche Segelmacher gefragt. Wir geben also das Bimini ab und bleiben noch etwas hier vor Anker. Das gibt uns auch Zeit für ein bisschen weitere Bootsarbeit.

Die LED-Navigationslichter am Bug haben an zwei aufeinanderfolgenden Tagen den Geist aufgegeben. Wir vermuten ein Problem an der Verbindungsstelle zu den Aqua-Marine-Kabeln der Funzeln, wie es in Griechenland schon einmal aufgetreten ist. Blöderweise liegt die Verbindungsstelle im Bugkorbgestänge, wirklich in dem Edelstahlrohr verborgen, weil die Lichter nunmal nur mit so kurzen Kabeln an die Werft geliefert werden und die Elektrik innerhalb der Lampen vergossen ist, um sie wasserfest zu machen. Wir müssen also VORSICHTIG die Kabel soweit aus dem Bugkorb heraus zur Lampe hinziehen (vorher aus dem Schiffsinneren heraus entsprechend viel Lose in das Kabel geben), dass die Verbindungsstelle sichtbar wird. Natürlich reißt ein Kabel dabei an der Verbindung ab. Der Versuch, eine Sorgeleine einzuziehen scheitert. Uns bleibt nichts anderes übrig, als den ganzen Bugkorb abzubauen. Das kriegen wir ganz gut hin, aber es liegt nicht an den Kabeln, die Lampen sind komplett hinüber. Immerhin haben wir jetzt Sorgeleinen in den Bugkorbrohren 😉

Isaias in der Rückschau

Ganz lieben Dank für Eure Kommentare, für das Daumendrücken und die guten Wünsche. Offensichtlich hilft es, denn Isaias hat sich dann doch noch ein weiteres Mal als ungewöhnlich erwiesen. Er hat die von NOAA (dem amerikanischen Wetterinstitut) mit ihrem GFS-Modell und auch von dem europäischen ECMWF-Modell einheitlich vorhergesagte Zugbahn doch noch verlassen und ist westlich an uns vorbei gerauscht, statt sich weiter an der Küstenlinie entlang zu hangeln. Einzig “Wetterwelt” aus Kiel mit ihrem “Seaman Pro” hatte uns gestern Abend eine solche westlichere Variante präsentiert und damit richtiger gelegen.

Tatsächlich fängt es am frühen Nachmittag an, kräftiger zu blasen, so gegen 17.00 ist der Gipfel erreicht. Ein paar wenige Mal zischen Böen mit 9 Beaufort über unseren Ankerplatz, maximal messen wir 42,7 kn. Schon vor 18.00 kommt die Sonne wieder heraus und der Wind lässt etwas nach. Noch bis 21.00 sind immer mal wieder Drücker in den mittleren 30ern dabei (7 bis 8 Bft), aber insgesamt flaut es spürbar ab. Wir sind durch und hatten bis auf zwei unvorsichtig abgestellte Trinkgläser keine Verluste.

Kann man sogar (im Ton) auf diesem kleinen Video miterleben, das eine Böe an unserem Ankerplatz zeigt.

Gut zu wissen, dass Flora mit dieser Windstärke so unproblematisch zurechtkommt, wenn wir für sie einen entsprechenden Ankerplatz finden können. Und natürlich hatten wir auch das Glück, dass der Wind nicht stärker war und nur über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum kräftig blies. Die Messwerte auf der “Windfinder”-App für Quonset Point ein paar Meilen südlich von uns hier in der Narragansett Bay verdeutlichen das:

Die Böen liegen jetzt bei uns nicht mehr deutlich über 30 kn, dass merken wir auch an einem dauerhaft laufenden Windgenerator. Zuvor hatte unser “Silentwind” nämlich eine echte On-Off-Beziehung: immer wieder ging er in die automatische Abschaltung und lief erst nach etwas Wartezeit wieder an. Aber wenn er roulierte, dann richtig. In der Spitze zeigte das Display Ladewerte von über 25 Amp.

Und er musste es ja allein richten, denn die Solarpanele hatten wir ja schon gestern vorsorglich abgebaut, ebenso wie das Bimini auf dem sie montiert sind.

Ein bisschen irritiert bin ich aber über die Namensgebung für diesen Sturm. Da muss sich ja jemand was dabei gedacht haben, oder? Nun ist es so, dass die Stürme im nördlichen Atlantischen Ozean durch das National Hurricane Center (NHC) der USA benannt werden. Dabei bedient sich das NHC jährlich umlaufend seiner sechs Listen. Jede Liste beinhaltet abwechselnd Männer- und Frauennamen bzw. umgekehrt in ungeraden Jahren. 2020 ist Liste Nummer 6 dran und die sieht eben als neunten Namen Isaias vor. 2026 wird der Neunte Sturm also eventuell wieder Isaias heißen, denn Namen werden nur dann von der Liste gestrichen und durch neue ersetzt, wenn ein Sturm dieses Namens irgendwann mal ganz besonders verheerend war. Falls übrigens das Alphabet in einem Jahr nicht ausreicht, weil mehr als 21 benannte Stürme auftreten (Namen mit den Anfangsbuchstaben Q, U, X, Y und Z werden nicht verwendet) werden die Stürme nach den Buchstaben des griechischen Alphabets benannt (Alpha, Beta, Gamma …). Erstmals ist das 2005 passiert, aber 2020 ist leider auf dem (schlechten) Weg, vielleicht ebenfalls davon Gebrauch machen zu müssen.

Jedenfalls ist der Name Isaias eine andere Schreibweise des alttestamentarischen Propheten Jesaja, der eine endzeitliche Wende, das Ende des weltlichen Reiches und das Gericht Gottes ankündigte. Ich finde, da muss man als Namensgeber für einen tropischen Sturm und potentiellen Hurrikan wohl schon einen sehr eigenen Humor haben. Oder ein ganz besonderes Gottvertrauen, schließlich wird Isaias auch mit “Hilfe ist Gott” übersetzt. Diejenigen, die von einem Isaias-Sturm schwer betroffen sind könnten das auch als Sarkasmus empfinden.

Wiebke findet meine Namenanalyse in diesem Fall aber überzogen. Und vielleicht ist Isaias ja ein Name, der z.B. einen spanischsprachigen Menschen sofort in den Sinn kommt, wenn man ihn nach einem Vornamen mit “I” fragt und Ida, Ian, Idalia, Isaak und Imelda schon auf den Listen 1 bis 5 vergeben sind.. Ich bitte also um Nachsicht für meine vielleicht etwas ausufernden Überlegungen 😉.

Boat work

Block Island ist einer der schönsten Plätze, den wir bisher in den USA mit dem Boot besucht haben. Die Lagune bietet einen rundum geschützten Ankerplatz, die Insel ist schön und trotz ihrer touristischen Erschlossenheit angenehm zurückgenommen und unaufgeregt, es gibt kaum Bausünden, dafür aber gute Restaurants und Spezialitäten.

Ganz klasse zum Beispiel das Garten-Grill-Lokal “Three Sisters”, das uns mit wunderbarer kreativer Küche, bewusst lokalen Zutaten, dezenter guter Livemusik und herrlich improvisiert wirkendem gemütlichen Gartenambiente verwöhnt. Eine Alkoholausschanklizenz haben sie nicht, also flitzen Wiebke und Michael zum Supermarkt um die Ecke und holen gekühlten Wein (anders als etwa in Maryland dürfen hier in Rhode Island die Supermärkte Alkohol verkaufen). Gläser stellen die Three Sisters, das Korkgeld ist mit 5$ gering. Gemeinsam mit der Crew der Escape genießen wir einen weiteren richtig schönen Abend.

Aber leider, leider: auch die Zeit auf Block Island bietet nicht nur Vergnügen. Ein bisschen Bootsarbeit ist dann doch immer zu tun. So auch hier. Unser Dieselgenerator (für die Stromerzeugung an Bord, wenn Solar und Windgenerator nicht ausreichen) schaltet sich weniger als eine halbe Minute nach dem Start wieder ab und meldet ”zu hohe Abgastemperatur”. Das ist nun eher unwahrscheinlich, aber wie Wiebke in der Bedienungsanleitung herausfindet, wird mit diesem Hinweistext auch auf mangelnden Kühlwasserfluss hingewiesen, bevor die Abgastemperatur einen kritischen Wert erreicht.

Der Motorraum der Flora beherbergt neben (genauer: hinter) dem Motor auch den Generator. Mit schon entfernter Schallschutzhaube des Generators sieht das so aus:

Über dem Motor liegend, kann man also am Generator schrauben, wobei die Seewasserpumpe zum Glück an der vorderen Seite des Generators verbaut ist.

Die Kontrolle des Impellers der Seewasserpumpe ergibt ein desolates Bild:

Nun ist der Wechsel des Impellers eigentlich nicht schwierig, obwohl der des Generators (anders als bei unserem Motor) eine Papierdichtung hat. Die muss ebenfalls getauscht werden und dazu vorsichtig mit einer scharfen Klinge vom Gehäusedeckel entfernt werden, ohne ihn zu zerkratzen. Wir legen den Deckel über Nacht in eine Wasser-Essig-Lösung, das vereinfacht das Abkratzen.

Das Blöde ist nur: die am Impeller fehlenden Flügelteile müssen aus dem Kühlkreislauf entfernt werden. Da ich sie nicht im Pumpengehäuse finde, (bis auf eins, dass mir beim Öffnen entgegenfällt und in den unerreichbaren Tiefen der Generatorbilge verschwindet) muss ich sie im Verlauf der Kühlwasserschläuche suchen, die ich dafür nacheinander abbaue. In den beiden zwar langen, aber vergleichsweise einfach zugänglichen ersten Leitungen findet sich leider nichts. Ich befürchte, dass sich die Flügelreste vor dem Engpass des Wärmetauschers sammeln, der aber liegt schwer zugänglich auf der Rückseite des Generators, halb verborgen vom Rahmen der Schallschutzhaube. Nach intensiver telefonischer Beratung mit Chief Jan per Telefon mache ich mich erstmal an den Zulaufschlauch vom Seeventil zur Wasserpumpe. Und – Glück gehabt – obwohl entgegen der Fließrichtung findet sich hier ein erstes Flügelteil. So ermutigt, fingere ich mit einer Pinzette ein weiteres aus einem der 90-Grad-Metallwinkel, auf denen die Schläuche mit Schellen befestigt sind. Da ich aber nicht von beiden Seiten drankomme, fädele ich ein Stück Leine hindurch und finde den Rest (hoffentlich jedenfalls alle großen Teile). Zusammensetzen lässt sich das Puzzle nicht mehr 😉.

Entgegen meiner Befürchtung lässt sich der Deckel auch ziemlich unproblematisch wieder aufsetzen, wobei wir die Verdickung der Dichtung (und damit die Montagestelle) außen auf dem Deckel mit Edding markieren und die Dichtung mit etwas Vaseline am Deckel anhaften, damit sie bei der Montage nicht so leicht verrutscht.

Dann der spannende Moment: ja, der Generator springt an und läuft auch problemlos zwei Stunden, das soll erst mal reichen. Juhu!

Und das kann gefeiert werden, denn es ist natürlich nicht die einzige Bootsarbeit: Michael hat in der Zwischenzeit einmal mehr ein kulinarisches Highlight in der Pantry gezaubert:

Block Island

Und wieder ein anderes „Amerika“, vielmehr eine andere Facette dieses bunten Landes.

Auf dem Weg Richtung Newport lockt uns ein Naturhafen, den uns sowohl George als auch David wärmstens ans Herz gelegt haben. Block Island kann aber auch erschrecken: die Dichte der AIS-Signale in der etwa in der Mitte der Insel gelegenen Lagune des New Harbor lässt kaum Hoffnung auf einen freien Anker- oder Bojenplatz zu. Doch das täuscht. Zu Feiertagen wie etwa dem amerikanischen Unabhängigkeitstag sollen hier bis zu 2.000 Boote liegen. Jetzt sind es „nur“ etwa 500, wie uns die Jungs vom Bäckerboot erklären. Entschuldigend, denn deswegen haben sie kein Brot dabei (lohnt sich nicht), wir nehmen aber gern mit Croissants und süßen Teilchen Vorlieb.

Trotzdem sieht der Ankerplatz gut gefüllt aus, aber es eben auch noch diverse freie Bojen und auch genug Platz zum Ankern. Eine Nacht liegen wir „alleine“ hier, dann leistet uns die Escape Gesellschaft, die wir zuletzt in Sag Harbor getroffen haben. Gemeinsam machen wir zu sechst eine Radtour, Mietfahrräder gibt es unweit des Hafens. Die Insel ist eigentlich nicht sehr groß, etwa 11 km lang. Doch die haben es in sich. Wind und vor allem die hügelige Landschaft mit knackigen Steigungen verlangen der Kondition einiges ab. Zunächst schlagen wir einen Bogen in Richtung des Southeast Lighthouse an der imposanten Steilküste des Mohegan Bluff, die wir über eine laaaange Holztreppe ebenfalls erkunden um anschließend die trampelmüden Waden im Wasser zu erfrischen.

Weiter geht’s hügelauf und hügelab, vorbei an diversen kleinen und größeren Teichen und Seen (über 300 soll es auf der Insel geben), oft mit Seerosen fast flächendeckend übersät. Oft flankieren Steinmauern die Straßen und die Felder, sie würden an England erinnern wenn da nicht die verräterischen amerikanischen Häuser wären. Die Landschaft jedenfalls ist wunderschön und abwechslungsreich.

Natürlich gibt es auch hier auf dieser mit ihren langen Sandstränden im Osten sehr beliebten Urlaubsinsel viele exclusive Domizile, aber Block Island präsentiert sich trotzdem angenehm zurückgenommen, weniger mondän als zuletzt Sag Harbor in den Hamptons.

In Old Harbor im Westen haben wir fast wieder unseren Fahrradverleih erreicht, aber gemeinsam mit Annemarie und Volker wollen Wiebke und ich noch einmal zum anderen Ende der Insel radeln. Greg und Michael ziehen eine Pause im Ort vor.

Und es wird auch noch einmal anstrengend. Nach einem längeren Stück im Schutz der Dünen am Oststrand entlang geht es dann doch wieder bergauf und bergab, die Gänge wollen fleißig geschaltet werden.

Schon viermal musste er wegen der wandernden Dünen versetzt werden, ist uns dabei ein gehöriges Stück entgegen gekommen. Trotzdem: ganz bis zum Leuchtturm Block Island North Light können wir nicht fahren, etwa einen Kilometer vorher endet die Straße. Aber das Teleobjektiv und die Drohne können die restliche Strecke ganz gut überwinden 😉

Zurück am Hafen lassen wir uns eine weitere dringende Empfehlung nicht entgehen: unbedingt müssten wir einen „Mudslide“ (Schlickrutscher) im Garten des Restaurants „Oar“ mit Blick auf den Hafen probieren. Trotz des Namens schmeckt sieht das Getränk eigentlich ganz manierlich aus und schmeckt auch klasse. Kalua, Baileys und Vanillevodka mit Eis zu einem Milkshake-ähnlichen Getränk verarbeitet, nicht ganz ungefährlich.

Zurück auf die Flora. War der letzte Sonnenuntergang hier in der Ankerbucht noch so:

präsentiert sich der Abend heute ganz anders. Dunst zieht auf, erste Nebelschwaden zeigen sich. Sieht aus, als wolle die Sonne morgen mal Pause machen, Regen soll es auch geben. Wir bauen für die Nacht schon mal die Kuchenbude auf.

Ram’s Head

Auf Davids Empfehlung hin trauen wir uns, einen Abstecher in die gut geschützte Bucht zwischen Ram Island und Little Ram Island zu unternehmen. Beides sind eigentlich Halbinseln und gehören zu Shelter Island, das mittig zwischen South Fork und North Fork liegt. Knifflig ist nicht nur die geringe Wassertiefe in der Ankerbucht selbst, sondern vor allem die Anfahrt zwischen zwei leicht gegeneinander verschobenen Sandzungen hindurch, trotz gebaggerter und betonter Rinne. Aber David versichert uns, bei entsprechender Tide (am besten halbe Tide auflaufend) sei das mit unseren zwei Metern Tiefgang machbar.

Allein auf Basis der Navionics Karte wären wir hier wohl eher nicht hingefahren. Entsprechend tasten wir uns sehr vorsichtig durch die Enge quasi in Shelter Island hinein und es klappt ohne Grundberührung. Belohnt werden wir zunächst einmal mit einem wunderschönen Ankerplatz.

Aber die Belohnung reicht weiter, es gibt nämlich nämlich – Teil der Empfehlung – ein tolles Abendessen auf der Terrasse des Ram’s Head Inn oberhalb des Ankerplatzes.