Unter Segeln in die City of Sails

Von Kawau segeln wir zur Okomai Bay und nach einem Übernachtungsstopp bei immer noch gutem Wetter weiter nach Auckland.

Die einzige Millionenstadt Neuseelands trägt den stolzen Beinamen „City of Sails“. Dafür gibt es viele Gründe. Tatsächlich sind zehntausende Boote hier registriert, rund 15.000 Yachten, Hochseeangelboote, Sportfischer und andere Motorboote füllen die 16 teils riesigen Marinas der Stadt. Hier in der Gegend stehen außerdem in vielen Grundstückseinfahrten und Gärten Trailerboote, Wassersport ist weitverbreitet.

Das ist sicher auch durch die geographische Lage begünstigt. Auckland liegt auf einem schmalen Streifen Land an einer Stelle, an der die Nordinsel beinahe geteilt wird. Von der Westküste her schneidet die Bucht des Manukau Harbour tief ins Land, etwas weiter nördlich zieht sich aus der anderen Richtung von Osten her überlappend als weitere große Wasserfläche der Waitemara Harbour, der vom bekannten Hauraki-Golf abzweigt. Dazwischen gezwängt steigen die Wolkenkratzer der Downtown um den markanten Sky Tower in die Höhe. Die Vororte von Auckland ziehen sich weit um beide Buchten sowie diverse Flussläufe und Fjordeinschnitte herum.

Diese Wassernähe spiegelt sich in der Begeisterung der ganzen Nation für den Segelsport wider und gerade Auckland kann auf eine lange Regatta-Tradition zurückblicken. Neben vielen anderen Segel-Erfolgen wird das sicher am deutlichsten am ältesten kontinuierlich ausgetragenen Segelsportwettbewerb der Welt, dem America‘s Cup. Seit 1851 konnten nur vier Nationen die bodenlose Silberkanne als Trophäe für sich beanspruchen. Neben Seriensieger USA (30x) war das einmal Australien, zweimal Team Alinghy aus der Schweiz und unfassbare fünfmal eben das nur fünf Millionen Einwohner zählende Neuseeland (1995, 2000, 2017, 2021 und 2024).

Ein Cupper mit der „Auld Mug” als Segelzeichen kommt uns bei unserer Ankunft in Auckland sogar entgegen.

Leider hat dieses Boot den Pokal aber nicht gewonnen. Aus deutscher Sicht ist das doppelt schmerzlich, denn ursprünglich hätte dieser Cupper die Segelnummer GER 68 tragen sollen. Nach dem Gewinn des Volvo Ocean Race 2000/2001 organisierte das Team um Michael Illbruck eine deutsche Teilnahme am America’s Cup 2003. Als die deutsche Kampagne dann aber mangels weiterer Sponsoren scheiterte, übernahmen die Neuseeländer den fast komplett fertig gestellten Rumpf (nunmehr NZL 68), ergänzten das Rigg und nutzten das Boot als Trainingsgegner für ihre Eigenentwicklung. Heute dient es für Events und sportliche Ausfahrten mit zahlenden Gästen.

Wie man sieht, geht es dann nicht nur an der urbanen Skyline vorbei, sondern auch am mitten in der Stadt gelegenen Terminal der Auto-Transportfrachter, am Containerterminal, an den ikonischen Leuchttürmen Aucklands.

Das Gewusel der vielen Fähren, Frachter, Segel- und Motorboote, all das mitten in der Millionenstadt, es ist so ganz anders und doch auch eine schöne Parallele zum heimatlichen Hamburg.

Newport, RI

Die meisten Segler haben irgendwann schon mal von Newport, RI, gehört. Wie das von uns schon besuchte Annapolis in der Chesapeake Bay versteht sich auch Newport, Rhode Island, als Segelmetropole der USA. Tatsächlich gibt es im weiten Naturhafen der fast mittig zwischen Boston im Norden und New York im Südwesten gelegenen Stadt große, gut belegte Bojenfelder und auch mehrere gute Ankerplätze. Aber das allein macht es nicht aus.

Von unserem Ankerplatz aus können wir ein Gebäude sehen, das den Anspruch Newports als Segelhauptstadt vielleicht am besten verkörpert, das Clubhaus des New York Yacht Club.

Club und Ort sind eng verbunden mit der wohl ältesten und bekanntesten Segelregatta, dem America’s Cup. Nachdem der vereinseigene Schoner „America“ 1851 die (damals noch nach dem Preisgeld „100 Sovereign Cup“ genannte) Regatta erstmals gewonnen hatte, wurde der Kampf um die im Wortsinn wirklich bodenlose Kanne „Auld Mug“, wie der geschwungene Pokal respektlos genannt wird, bisher 35 mal ausgetragen. Dabei blieb die Siegtrophäe 132 Jahre lang (also bis 1983) in den USA, was sie mit einigen Regeländerungen intensiv unterstützten. Die Titelverteidigung erschien ihnen so selbstverständlich, dass der Pokal tatsächlich in der Vitrine des New York Yacht Club festgeschraubt war (hineinfüllen konnte man ja ohnehin nichts) und vor der Pokalübergabe an die siegreichen Australier erst die Handwerker kommen mussten. Und na klar, nicht nur der America’s Cup wurde mehrfach hier vor Newport ausgetragen, auch andere bekannte Regatten sind mit diesem Ort verbunden. Etwa das regelmäßig alle zwei Jahre ausgetragene aber in diesem Jahr Covid-beding ausgefallene Newport-Bermuda-Race und (muss ich natürlich erwähnen) die Daimler-Chrysler-North-Atlantic-Challenge 2003 sowie das HSH Nordbank Blue Race 2007, die beide jeweils von Newport, RI nach Hamburg führten.

Aber auch zwei bekannte Namen sind mit dem Ort und dem America’s Cup eng verknüpft. Da ist zum einen Nathanael Herreshoff. Der weltberühmte Yachtkonstrukteur aus Bristol hier an der Narragansett Bay hat nicht nur im Nachbarort seine Manufacturing Company, wo insgesamt sieben der siegreichen America’s Cup Yachten gezeichnet und z.T. auch gebaut wurden, er gestaltete auch entscheidend das Regelwerk hinsichtlich der Bauvorschriften für die am Cup teilnehmenden Yachten im frühen 20. Jahrhundert (ab 1902 Herreshoff Rule, später in Universal Rule umbenannt).

Der zweite Name ist Vanderbilt. Der 1794 geborene Cornelius Vanderbilt hat aus kleinen Verhältnissen kommend zunächst eine Ein-Segelboot-Fährlinie von Staten Island nach New York betrieben, und sich dann sehr erfolgreich zunächst als Reeder und nach dem amerikanischen Bürgerkrieg als Eisenbahn-Unternehmer engagiert, wobei er wegen seines rücksichtslosen Geschäftsgebarens zum Inbegriff des „Räuberbarons“ wurde. Konkurrenten, die er für den Verlust von Transitrechten durch Nicaragua verantwortlich machte, schrieb er den berühmten Brief:

„Meine Herren! Sie haben es gewagt, mich zu betrügen. Ich werde Sie nicht verklagen, denn die Justiz ist zu langsam. Ich werde Sie ruinieren. Hochachtungsvoll, Cornelius Vanderbilt“ (Quelle: Webseite der Vanderbilt Universität)

Cornelius Vanderbilt (allerdings der II., ein Enkel des oben genannten) hat in Newport anstelle eines abgebrannten Vorgängerbaus der Familie eine 1895 fertiggestellte Privatresidenz errichten lassen, das „The Breakers“. Obwohl nur eine von diversen Residenzen der Familie ist das auf einem Kliff über dem Atlantik im Stil eines genuesischen Palastes gebaute Anwesen doch bis heute die größte Privatresidenz von (dem an solchen nicht eben armen) Newport. Auch das ist USA: Copy and Prunk. Wobei die bauliche Anlehnung an fremde Historie gekoppelt wurde mit modernster Ausstattung, etwa elektrischem Licht und Fahrstuhl, Badewannen mit wahlweise Frischwasser oder Salzwasser, beides warm oder kalt. Mit dem America’s Cup sind die Vanderbilts natürlich auch verbunden. Ein Sohn der Familie, Harold S. Vanderbilt, hat nicht nur die Bridge-Regeln verändert und das Kartenspiel damit populär gemacht, sondern in den Jahren 1930, 1934 und 1937 in seinen J-Class Yachten Enterprise, Rainbow und Ranger den America’s Cup gewonnen bzw. jeweils verteidigt.

Und was machen wir in Newport? Nachdem wir gestern mit der Crew der Escape die Stadt erkundet haben, machen wir uns heute auf die sehr empfehlenswerte Wanderung auf dem ausgeschilderten Cliff Walk. Hier kann man die zeitlose landschaftliche Schönheit und die bautechnischen Höhenflüge gleichermaßen betrachten. Gemeinsam mit Steve und Helena, Greg und Michael bewältigen Wiebke und ich den überwiegend eher leichten, aber immerhin 12 km langen und jedenfalls kurzweiligen Spaziergang. Schließlich lockt am Ende ein leckeres Eis in Newports Hauptstraße, fast gegenüber der Kirche in der J.F. Kennedy seine Jackie geheiratet hat.

Absoluter Gewinner im Eyecatcher-Contest für mich: Die Landschaft