Bahía Tortugas

Und wieder 50 Seemeilen nach Süden. Schönes Gennakersegeln. Rechtzeitig vorm Dunkelwerden laufen wir in die geschützte Bahía Tortugas ein. Bei den nordwestlichen Winden bietet sich der Ankerplatz vor dem Ort an, der einfach den Namen der Bucht trägt. Nur fünf Boote liegen vor Anker in der großen Bucht, zwei kommen in der Nacht noch dazu. Etwa die Hälfte der Crews sind Bekannte, die anderen lernen wir in den nächsten beiden Tagen kennen.

Das ist kein Kunststück, alle treffen sich am Dinghystrand, dem kleinen Supermarkt oder der Sundowner-Bar an der Pier.

Angekommen in der Provinz der auch für mexikanische Verhältnisse abgelegenen wüstenähnlichen Baja California. In dem entspannten kleinen 2.600 Seelen-Ort ist die Hauptstraße befestigt, fast alle anderen sind Sandwege. Entsprechend viel Staub ist in der Luft und der muss ja irgendwie heruntergepült werden.

😉

Was sofort auffällt ist der offenbare Fischreichtum der Bucht: noch nirgends haben wir so viel Seelöwen und vor allem so viele Pelikane gesehen:

Und auch Fischadler sind erstaunlich zahlreich. Allerdings haben sie in dieser außerhalb des Ortes baumlosen Landschaft Probleme, ihre Nester wie anderswo üblich aus Zweigen zu bauen. Bei genauem Hinschauen wird deutlich, dass dieses Nest auf dem Strommast zu einem großen Teil aus Netz- und Leinenresten besteht, sicher nicht ungefährlich für die Vögel und ihren Nachwuchs.

Auch eine andere ungewöhnliche Zweitverwertung jagt uns einen Schauer über den Rücken. Dieses Garagendach stützt sich auf die Reste eines Segelboot-Mastes:

Allgegenwärtig im Ortsbild sind kleine Fischerboote, viele im Ort leben ganz oder teilweise vom Fischfang.

Die ins Meer hinausgebaute Pier macht mit den fehlenden, weggerosteten und geflickten Stützen keinen allzu Vertrauen erweckenden Eindruck. Aber als wir gerade diskutieren, ob sie noch betreten werden kann, fahren zwei Auto drauf. Hm. Die Locals haben da offenbar andere Vorstellungen als wir.

Der größeren Fischereischiffe können aber an der Pier nicht entladen werden. Stattdessen kommen Amphibienfahrzeuge für die Ausrüstung und Entladung zum Einsatz. Die machen zwar unwahrscheinlich viel Krach, sind aber doch putzig anzusehen:

Und an Bord lassen wir es uns auch gut gehen, putzen schnorchelnd in der 23 Grad warmen Bucht den Wasserpass, schwelgen im Luxus des unterwegs gefangenen Fisches und den restlichen von den Fischern auf San Benito geschenkten Lobstern, backen frisches Sauerteig-Brot und herrlichen Walnuss-Orangen-Schokokuchen.

Ganz schön lecker und ganz schön kaputt: Kulinarik- und Leuchtturm-Special San Benito Oeste

Wir wandern noch einmal quer über die Insel. San Benito Oeste gefällt uns richtig gut. Wahrscheinlich hat das auch mit dem Regen von vor einer Woche zu tun, der für die unerwartete Pracht an kleinen Blüten auf diesem aus der Ferne so braun und fast unbewachsen scheinenden Eiland verantwortlich ist. So erklärt es uns Enrique, mit dem wir uns bei unseren Landgängen angefreundet haben. Er zeigt uns auch, dass der Nektar der Quiote-Agaven direkt aus den Blütenkelchen getrunken werden kann:

Und Enrique ermuntert uns auch, zum alten Leuchtturm auf der anderen Inselseite zu wandern. Den hatten wir gestern nur aus der Ferne vom höher liegenden neuen Leuchtturm in der Inselmitte gesehen.

Heute also wieder über 10.000 Schritte. Es lohnt sich. Ja, der Leuchtturm ist schon länger außer Betrieb, nur noch eine Ruine. Aber was für eine:

Die Scheiben des Leuchtturmwärterhauses sind zerschlagen, ebenso die aufgesetzte Laterne. Als wir näher kommen liegt viel Glas herum. Bei Sturm möchte ich nicht in der Nähe sein, weil es vermutlich weitere Glasteile regnen könnte.

Und auch das Gebäude selbst hat bessere Zeiten gesehen.

Der Turm kann aber trotzdem noch bestiegen werden, die Wendeltreppe aus Beton ist wahrscheinlich das Bauteil, das noch im besten Zustand ist. Und der Aufstieg bietet tolle Ausblicke durch die kreisrunden Turmfenster:

Der eigentliche Kracher aber ist das Lampenhaus mit der Optik, bzw. was davon noch übrig ist.

Tatsächlich können wir innen bis zu den Relikten der großen Fresnel-Linsen und den Überbleibseln der Drehmechanik hinaufsteigen.

Und was für eine Aussicht:

Zurück an Bord verarbeiten wir die Geschenke der Fischer: drei Lobsterschwänze wandern mit Limetten-Butter in den Backofen. Die ebenfalls geschenkte Abalone (auch Seeohr, Meerohr oder Haliotis genannt) macht uns mehr Kopfzerbrechen. Diese mehr als Handteller große Meeresschnecke haben wir noch nie zubereitet. Erstmal müssen wir sie aus ihrem wunderschönen Perlmutt-Gehäuse lösen, dabei leistet ein Holzlöffel gute Dienste. Nach der aufwändigen Säuberung und dem Wegschneiden der Lederhaut zerteilen wir sie in feine Scheiben. Danach werden die Scheiben mit einem Löffel zart geklopft. Ein Teil wird in Limettensaft, Salz und Pfeffer zu Ceviche verarbeitet, die übrigen Scheiben in Butter kurz angebraten. Beides ist super lecker, die Lobsterschwänze natürlich auch. Noch Salat dazu, fertig. Was für ein Festessen.

Muchas Gracias!

Islas San Benito

Wir segeln weiter an der Pazifikküste der Baja California hinunter. Derzeit mit eher leichten Winden, nachts und vormittags meist aus östlicher Richtung, nachmittags aus nordwestlicher. Wir wechseln auf dem Törn zur Isla San Benito viermal zwischen Code0 und Gennaker.

Mit dem blauen Gennaker geht’s dann auch in die Nacht, farblich passend zum aufgehenden Vollmond.

Herrlich, bei fast glatter See zieht uns das Segel auch bei Fast-Flaute voran, erst zum Wachwechsel um 3.00 Uhr werfen wir dann doch den Motor an.

Am Morgen erreichen wir die Islas San Benito, eine kleine Gruppe von kargen Felseninseln etwa 25 km westlich der größeren Isla Cedros. Die Anfahrt zum Ankerplatz ist etwas tricky, denn unsere aktuelle C-Map-Charts auf dem Plotter sind hier extrem ungenau: ihnen zufolge würden wir auf der Insel ankern:

Die Navionics-Charts auf dem iPad sind sind hier besser, gaukeln uns allerdings bei der Anfahrt große Bereiche mit 30 m Wassertiefe vor, obwohl wir noch deutlich über Hundert Meter unter dem Kiel haben. Wir tasten uns in die Ankerbucht und finden: es lohnt sich! Sehr!

Auf Isla San Benito Oeste werden wir herzlich begrüßt. Zuerst von einem Pulk verspielter junger Seelöwen, die unser Dinghy zum Strand begleiten. Und an Land dann von den freundlichen Fischern. Sie arbeiten für eine Gesellschaft, die hier und an anderen Orten einfache Fishing-Camps unterhält. Die Fischer werden dann für 14 Tage im Wechsel zu diesen Camps geschickt. Derzeit ist Lobster-Saison, eines der hoch motorisierten offenen Boote haben wir draußen auch Körbe ausbringen sehen. Als wir an Land gehen, sind die Jungs allerdings gerade dabei, das Dach einer der Hütten instand zu setzen.

Zeit für einen kurzen Schnack ist trotzdem. Sie zeigen uns den Beginn des Pfades zu den beiden Leuchttürmen der Insel.

Vorbei an der türlosen und geduckt wirkenden Mini-Inselkirche …

… und dann in Serpentinen den Geröllpfad hinauf. Die Vegetation ist eher spärlich und niedrig. Aber trotzdem zum Teil wunderschön. Neben flachen, eher bodendeckenden Kakteen …

… findet sich Eiskraut, das mit seinen Papillen aussieht, als würden Tautropfen oder gar Kristalle an den Pflanzen haften.

Wilde Malven setzen weitere Farbtupfer in die Landschaft.

Aber einzig die Agaven ragen etwas in die Höhe, weshalb die zahlreichen Raben sie gerne als Aussichtspunkt wählen, egal ob die Blütenstände schon abgestorben sind oder sich noch in gelbgrüner Pracht zeigen.

Der niedrige Leuchtturm auf dem 200 m hohen Hügel in der Inselmitte steht offen, über Alu-Leitern können wir bis zur Optik mit den Fresnel-Linsen hinaufsteigen.

Und der Ausblick vom umlaufenden Balkon über die Inselgruppe mit Flora am Ankerplatz und bis hinüber zur Isla Cedros ist phantastisch:

Die Drohne kann das noch toppen, indem sie auch noch die Brandung an der Westküste mit erfasst. Was für eine wilde, kraftvolle Landschaft:

An den Stränden der abgeschiedenen Inselgruppe finden sich neben Seelöwen auch mehrere Kolonien der deutlich selteneren Seeelefanten.

Von Kämpfen um seinen Harem gezeichneter Seeelefantenbulle
Ja, es riecht etwas …

Zurück im Camp rufen uns die Fischer zu ihrer Küchenhütte und schenken uns gleich einige Lobsterschwänze. Was für eine Gastfreundschaft! Bedanken können wir uns, als wir ihnen später über unser Starlink-WLAN aus der Abgeschiedenheit der Insel Kontakt zu ihren Familien ermöglichen.

Mexikanische Bürokratie. Und mexikanische Farbenspiele.

Mexiko ist durchaus berüchtigt für seine Bürokratie. Dieses Jahr trifft das einige Segler mit besonderer Härte. Der Grund ist eine Umstellung im System. War es früher durchaus üblich, das TIP (Temporary Import Permit) jeweils bei Ankunft des Schiffes in Mexiko zu beantragen, muss neuerdings sichergestellt sein, das kein altes TIP für das Boot (identifiziert nach der Rumpfnummer) mehr existiert. Allerdings ist es schwierig bis unmöglich, vom Voreigner beantragte und vielleicht längst abgelaufene TIP aus dem System zu bekommen. Wir wissen von Booten, bei denen die Überprüfung 4(!) alte ungelöschte TIP ergeben hat. Auch eine befreundete Crew scheitert leider durch ein Voreigner-TIP bei der Einreise. In den USA gestartet mussten sie jetzt ihren Plan aufgeben, das nächste Jahr in Mexiko zu verbringen. Die Cruiser-Foren laufen hier gerade heiß zu diesem Thema, aber eine kurzfristige Lösung ist nicht in Sicht.

Zum Glück ist unser TIP aus Cancun von vor zwei Jahren noch gültig und eben auch auf uns ausgestellt. Ganz ohne bürokratische Hürde kommen aber auch wir nicht davon. Diese ist allerdings wesentlich leichter zu bewerkstelligen. Nach knapp zwei Wochen in Ensenada wollen wir weiter. Dafür müssen wir ausklarieren. Nicht etwa aus Mexiko, sondern nur aus dem Hafen. Trotzdem gilt: wir brauchen ein Zarpe. Müssen also zur Immigration und zur Hafenbehörde. Dankenswerterweise übernimmt wiederum die Marina das Erstellen der Dokumente und fährt uns dann sogar zu den Behörden. Am Nachmittag holen sie dann das fertig gestempelte Zarpe für uns ab und bringen es zum Boot. Toller Service. Besonders gut gefällt uns die kunstvolle Unterschrift des Hafenkapitäns rechts neben dem blauen Stempel.

🤔 Bis La Paz sollten wir jetzt erstmal Ruhe haben.

Die letzten Tage in Ensenada sind geschäftig. Gleich zweimal Cruiser-Potluck mit den anderen Seglern, außerdem Einkäufe zum Proviant-Aufstocken, längere Märsche um die Diesel-Kanister zu füllen, Batterien der Tauchcomputer in einem Tauchshop wechseln lassen und wieder abholen, in einem anderen Tauchshop eine Harpune kaufen, wir sind ziemlich viel zu Fuß unterwegs (im Schnitt 6 km täglich).

Um so mehr genießen wir es, jetzt wieder segelnd unterwegs zu sein. Der Übernacht-Törn bis zum Ankerplatz bei San Quintín ist denn auch ein wunderbares Kontrastprogramm. Leichte Winde, herrliches ruhiges Code0-Segeln.

Entgegen der Vorhersage können wir sogar auch einen großen Teil der Nacht segeln. Mit manchmal nur 2 kn, manchmal immerhin 4 kn, ziemlich langsam also, oder sagen wir mal: gemütlich. Wir haben es nicht eilig und dürfen uns an einem wunderbaren Sonnenuntergang und dem Aufgang des fast schon vollen Mondes über der Baja California freuen.

Erst zum Wachwechsel kurz vor Sonnenaufgang schläft der Wind dann doch ganz ein und wir starten den Motor.

Unter Maschine haben wir dann aber auch die richtige Geschwindigkeit zum Angeln, gleich morgens geht uns ein schöner, rund 80 cm langer Echter Bonito an den Haken.

Gegen Mittag erreichen wir den Ankerplatz in der Bahia Santa Maria, südlich der Lagune von San Quintín.

Die weite Bucht sollte eigentlich durch das vorspringende Cabo San Quintín gegen Norwest gut geschützt sein, aber der Pazifik-Schwell findet seinen Weg um das Kap herum. Auf den Drohnenfotos ist das an den dunklen Wellenlinien gut zu erkennen.

Es wird also ein bisschen schaukelig (ist aber nicht wirklich schlimm). Dafür gibt’s auch hier wieder einen Sonnenunter- und Mondaufgang vom Feinsten, wobei das krasseste Farbenspiel in den Wolken sich erst einige Zeit später entfaltet:

Santa Ana Winds zum Jahrestag der Revolution

Der 20. November ist in Mexiko Feiertag: “Aniversario de la Revolución Mexicana”. Erinnerung an den 20.11.1910, an dem der Bürgerkrieg mit dem Aufstand gegen den Diktator Porfirio Díaz begann und sich auch nach dessen erzwungenem Exil mit politischen Wirren bis in die 1930er Jahre fortsetzte.

Das der Tag nationale Bedeutung hat ist leicht zu erkennen: erstmals seit wir in Ensenada sind weht am überdimensionalen Mast auf dem Malecon (der Uferpromenade) die mexikanische Nationalflagge. Überdimensional? Der Flaggenmast ist riesig, tatsächlich 100 Meter hoch, die Nationale soll 50 m x 28 m messen.

Da wirkt dann selbst das große Kreuzfahrtschiff am Kai nicht mehr ganz so gigantisch, Häuser und Yachten dagegen sehen wie Spielzeuge aus.

Hm. Lässt vielleicht Rückschlüsse auf den mexikanischen Nationalstolz zu. Jedenfalls wird ordentlich gefeiert. Schon am Morgen dröhnen Polizeisirenen, die Hauptstraße wird komplett gesperrt für die Festtagsumzüge.

Folklore- und Trachtengruppen, natürlich Musikkapellen, aber auch Seenotrettungskreuzer auf dem Trailer, Sportgruppen, alt und jung, alles ist dabei.

Teilnehmer und Besucher kommen dabei gut ins Schwitzen. Hatten wir in den letzten Tagen eigentlich immer so um die 20 Grad Celsius, ist es heute doch deutlich wärmer. die Luft ist dabei sehr trocken, denn wieder einmal sind die Santa Ana Winds verantwortlich, die von der Mojave Wüste her über das Land und aufs Meer hinaus wehen. Um diese Jahreszeit ein doch ziemlich regelmäßiges Wetterphänomen.

Bei uns an Bord sieht’s dann so aus:

Temperatur oberhalb, Luftfeuchtigkeit unterhalb der ausgewiesenen Komfortzone. Aber nichts zum Meckern, bei blauem Himmel und Sonnenschein ist das doch feinstes Novemberwetter. Die Shades am Bimini werden aufgehängt und wir schaffen sogar ein bisschen Bootsarbeit. Ein Schutzbezug für den Spinnakerbaum wird genäht (Wiebke) und der Warmwasserboiler wieder funktionsfähig gemacht (Ralf).

😉

Einklarieren in Ensenada

Um kurz vor vier Uhr morgens werfen wir die Leinen los. Im Dunkel schleichen wir mit Flora durch den Tonnenstrich aus San Diego hinaus. Die Tonnen des Fahrwassers sind beleuchtet, Sperrgebietstonnen und auf die Geschwindigkeitsbegrenzung hinweisende Bojen aber leider nicht. Angestrengtes Starren ins Dunkel ist angesagt. Auf Höhe von Tijuana direkt hinter der Grenze zu Mexiko strahlt Venus hell über den im ersten Dämmerlicht aufleuchtenden Wolken, dann geht über den Hügeln der Baja California die Sonne auf.

Die Überfahrt nach Ensenada gestaltet sich schön, aber fast windlos. Nur leichte thermische Winde stellen sich ein. Erst noch Landwind, mit höher steigender Sonne dann Seewind. Aber wir sind zu weit draußen, als dass wir damit viel anfangen könnten. Eine Zeitlang reicht es immerhin für etwas Geschwindkeitszuwachs beim Motorsegeln. Und so ist jedenfalls sichergestellt, dass wir wie geplant bei Tageslicht in Ensenada ankommen.

Der uns zugewiesene Hafenplatz erweist sich als grenzwertig seicht für Floras Tiefgang. Am Poller sind 6 Fuß Wassertiefe bei mittlerem Niedrigwasser angegeben, das ist etwas weniger als unsere 2 Meter. Nach Absprache mit dem Hafenmeister verholen wir an einen anderen Steg. Wir checken erst einmal nur im Hafen ein, das Einklarieren nach Mexiko folgt dann am nächsten Morgen. Die Hilfe dabei ist im Service des Hafens inbegriffen. Und die Mitarbeiter der Marina bereiten nicht nur unsere Papiere vor, sie chauffieren uns sogar herum.

Zuerst zur Bank, um 368 Pesos (entspricht etwa 20 Euro und ist abhängig von der Verdrängung des Bootes) bar einzuzahlen für die Befahrenserlaubnis / Cruising Licence. Und dann weiter zum eigentlichen Einklarieren bei Immigration und Capitaneria. Auch hier übernimmt unser Fahrer den Papierkram und die (spanische) Kommunikation. Zu zahlen sind pro Person 687 Pesos (36 Euro) für das 180 Tage gültige Touristenvisum, aber das geht bei der Immigration diesmal per Visa-Kreditkarte. Und dann gibt’s den Stempel in den Pass. Den gegenüber liegenden Zoll-Schalter können wir uns diesmal schenken, der wäre hier nur für das TIP erforderlich. Unser Temporary Import Permit aus Cancun von vor zwei Jahren ist aber noch gültig, Flora darf 10 Jahre lang immer wieder nach Mexiko einreisen.

Nach weniger als einer Stunde sind wir schon wieder zurück im Hafen. Kein Vergleich mit den vier Stunden beim Einklarieren in Isla Mujeres, was für dortige Verhältnisse schon rasend schnell waren. Dankeschön.

Die Marina heißt nicht ohne Grund “Cruiseport Marina”. Der Blick aus Floras Cockpit zeigt heute die “Carnival Miracle”. Mit über 290 Metern Länge kein allzu kleines Wunder, aber mit “nur” etwas über 2.000 Passagieren auch keins der ganz großen Kreuzfahrtschiffe.

Etwas lästig ist, das sowohl die Miracle als auch der Frachter am Containerterminal dahinter für ihre Stromversorgung durchgängig die Maschine laufen lassen müssen und damit die Luft bei uns im Hafen (jedenfalls bei dieser Wetterlage) spürbar belasten.

Da machen wir uns lieber noch mal zu Fuß auf in die Stadt, erkunden die Umgebung und staunen im gar nicht mal so großen Supermarkt über das reichhaltige Angebot an verschiedenen Paprika und Chili 🌶️.

Wir sind in Mexiko 🇲🇽 🤗.

Angekommen auf Isla de Providencia

Wir sind in Kolumbien 🇨🇴. Irgendwie. Andererseits auch wieder nicht, denn wir haben nicht einklariert, liegen hier nur vor Anker, die gelbe Q-Flagge unter der Steuerbordsaling. Auf Funk hat niemand reagiert, auch der designierte Agent nicht, der auch auf unsere Email nicht geantwortet hat. An Land dürfen wir erst, wenn wir einen PCR-Test vorlegen, der nicht älter als drei Tage ist. Das wird wohl nichts. Man kann auch in Kolumbien einen PCR-Test machen (dazu kommt wohl die Gesundheitsbehörde an Bord), bis zum Vorliegen des Ergebnisses dann Quarantäne an Bord. Wenn hier keiner auf unsere Kontaktversuche reagiert, kommt das wohl auch nicht in Frage. Macht aber nichts, wir erholen uns hier eine Nacht, schlafen aus, genießen den Ankerplatz als Zwischenstopp, und dann gehts weiter Richtung Panama 😁

Schön ist es trotzdem hier. Als wir gegen 15.00 in die malerische Ankerbucht einlaufen, haben wir in den fünf Tagen und 6 Stunden insgesamt 760 sm zurückgelegt. Grün und gebirgig hebt sich die Isla de Providencia aus dem Meer.

Der Naturhafen diente dem Freibeuter (und spätere Vizegouverneur des englischen Jamaika) Henry Morgan als eines seiner vielen Verstecke, von hier organisierte er die Überfälle auf Panama.

Im bunten Mix der Bebauung kann man bei genauerem Hinsehen noch deutlich die Spuren des 2020er Hurrikans Iota erkennen, aber auch die fortschreitenden Wiederaufbauarbeiten.

Dann jetzt die Bilder zu den vorherigen (Satelliten-)Blogbeiträgen:

Steve, Paula und Helena werfen unsere Leinen in Mexico los.
Irgendwie falsch, Sonnenuntergänge hinter uns …
Und Sonnenaufgänge vor uns. Aber zunächst mal segeln wir ja tatsächlich nach Osten.

Überhaupt, “Segeln”. Auf diesem Törn lief knapp ein Drittel der Strecke der Motor, wenn auch zum Teil nur zur Unterstützung. Die windarmen Teilstrecken hatten aber auch ihre Vorteile. Wir lieben das Baden im tiefen Blau!

Kuchenbacken ist sonst auch schwieriger 😉

Nicht zuletzt stellte sich auch unser zum frischen Sushi erforderliche Angelerfolg unter Motor ein.

Und immerhin sind wir ja die anderen zwei Drittel hierher gesegelt.

Pura Vida.

Schwierige Planung

Wir wollen mal wieder einen großen Schlag machen. Richtung Panama soll es gehen. Von hier (Puerto Morelos in Mexiko) ist das mit ein paar kniffligen Entscheidungen verbunden.

Das beginnt schon mit dem Ziel. Nahe an der Route liegen Isla de Providencia und St. Andres. Beide gehören zu Kolumbien, obwohl sie deutlich näher an Nicaragua liegen. Als Zwischenstopp bieten sie sich an. Laut Noonsite sind sie auch offen. Allerdings hat Kolumbien zu Jahresbeginn die Einreisebestimmungen geändert und in den sozialen Medien kursieren widersprüchliche Angaben. Sicher ist, dass wir zum Einklarieren einen Agenten benötigen würden. Wir schreiben den für Isla de Providencia an, bekommen aber auf unsere Email keine Antwort. Im Zweifel müssen wir halt nach Panama weiter segeln, wenn wir in Isla de Providencia nicht einklarieren können.

Der zweite Punkt ist nicht weniger knifflig.

Haie, Stürme, Piraten. Das sind oft die ersten Assoziationen von Freunden an Land mit unserer Segel-Langfahrt. Über die spannenden und schönen Begegnungen mit Haien haben wir ja berichtet. Stürme haben wir bisher weitestgehend vermieden, indem wir ihre saisonalen Gebiete (vor allem den Hurrican-Gürtel) eben in der Saison meiden. Und mit Piraten hatten wir bisher nichts zu tun. Das soll sicher so bleiben, deshalb wollen wir der Flachwasserzone im Grenzgebiet zwischen Honduras und Nicaragua nicht einmal nahe kommen. Dort hat es in der Vergangenheit einige Vorfälle gegeben, bei denen sich Fischer als Gelegenheitspiraten betätigt haben. Happige 200 sm Abstand von der Küste werden hier empfohlen. Wir haben hier in Mexiko die nette Crew eines Bootes kennengelernt, dass da gerade dicht unter der Küste trotzdem unbehelligt durchgefahren ist, aber das ist absolut nicht unser Ding. In der Planung setzen wir statt dessen sogar noch einiges drauf, machen einen Riesenumweg und bleiben noch weiter von dem (schraffierten) Gebiet weg, obwohl der direkte Kurs unmittelbar hindurchführen würde:

Die Caiman-Islands bleiben an Backbord und etwa auf der Hälfte zwischen ihnen und Jamaika biegen wir nach Süden ab, um dann einen weiten Bogen nach Südwesten zu schlagen. Der Grund dafür liegt neben einem eigenen „Sicherheitszuschlag“ mal wieder an den Strömungsverhältnissen.

Die karibische Strömung (rote Pfeile) schlängelt sich nämlich von Süden kommend um diese Bank herum, bevor sie dann hier oben im Osten Yucatans zu voller Stärke heranreift und den Golfstrom befeuert.

Den allerdings müssen wir gleich zu Beginn einmal mehr queren. Dazu muss also auch der Wind passen, nicht nur um uns voranzubringen, sondern auch um nicht mit Wind gegen Strom allzu chaotische Wellen aufzuwerfen.

Mal sehen, ob unser Kompromiss gut genug gewählt ist. Morgen früh geht es los. 700 sm bis Isla de Providencia, weitere 250 sm bis Panama. Eventuell also knapp 1.000 sm am Stück.

Drückt uns die Daumen, wir werden jetzt also eine knappe bis ganze Woche erstmal Offshore sein. Da freuen wir uns drauf.

Pura Vida.

Vocho. Mexiko-Käfer.

Bei unseren Landgängen in Mexiko fällt auf: nicht nur Maya-Geschichte, Margaritas, Cenotes, bunte Farben und Sombreros sind allgegenwärtig. Sondern auch ein gleichsam alter Bekannter, der VW Käfer. Deutlich häufiger als in Deutschland fällt uns eines dieser (für uns) ikonischen Symbole des heimischen Wirtschaftswunders der Nachkriegsjahre auf.

Klar, die knuffigen „Mexiko-Käfer“ wurden hier in Mittelamerika seit 1964 gebaut, hier lief 1981 der 20-millionste Käfer vom Band, der letzte rollte 2003 aus dem Werk. Und sie wurden in den späteren Jahren (ab 1978, als nach 40 Jahren die deutsche Produktion des Käfers endete, nicht aber dessen deutscher Vertrieb) sogar in einer speziellen Europaversion im mexikanischen Werk Pueblo für den Export nach Emden produziert.

Und so gehören die „Vocho“, wie sie hier genannt werden, ebenso zum Verkehrsbild wie viele ältere VW-Busse. So selbstverständlich sind sie hier, dass sie sich sogar auch in den Souvenirshops finden.

Dort mexikanisch bunt bemalt, im Straßenbild oft ganz banal als Alltagswagen,

manchmal aber auch als Umbau …

Jedenfalls oft in gutem Zustand und liebevoll instand gehalten.

Straßenbild trifft es allerdings nicht ganz. 😚

Denn auch im MUSA Unterwassermuseum sehen wir beim Tauchgang nicht nur einen klassischen Käfer …

(ja, das Bild kennt Ihr schon), sondern zusätzlich sogar auch einen Beetle.

Und das ist nur konsequent, denn auch diese Autos, mit denen VW ab 1997 einen Retro-Kleinwagenboom auslöste (der BMW Mini folgte dann 2001), wurden im Werk Puebla gebaut.

So oder so freuen wir uns jedesmal, wenn wir einen Käfer (oder Beetle) sehen. Jedenfalls einen solchen. Ein andere Käfer 🪲 dagegen nervt: bereits seit der Chesapeake Bay finden wir immer wieder „Stinkekäfer“ an Bord. Eigentlich unauffällig, aber wenn eine Leine oder ein Segelsack umgestaut werden, krabbelt nicht selten dahinter ein fingernagelgroßer, geflügelter Käfer hervor. Die setze ich dann regelmäßig über Bord. Tritt man allerdings versehentlich auf eines der aufgeschreckten Krabbeltiere drauf oder zerdrückt ihn beim Wegnehmen der Leine, stinkt das Ganze erbärmlich. Also Vorsicht ⚠️ 💩.

Ansonsten: Pura Vida.

Tulum und Cenotes Sac Ac Tún

Wenige Maja-Tempelanlagen sind direkt am Meer errichtet, insbesondere auch weil die Frischwasserversorgung schwieriger ist, wenn in den notwendigen Cenotes das Salzwasser durch das poröse Kalkgestein sickert und sich unter das Süßwasser schiebt. Eine der wichtigen und bekannten Stätten dieser ungewöhnlichen Art ist Tulum, etwa zwei Stunden Autofahrt südlich unseres Hafens Puerto Morelos. Wobei, diese Fahrt geht auf der gut ausgebauten Carretera 307 durch das Touristenzentrum Playa del Carmen und durchgängig küstennah entlang der „Riviera Maya“ mit ihren luxuriösen Hotelanlagen. Kein Wunder also, wenn der Tempel in Tulum die Touristenmassen anzieht.

Von der Wasserseite sieht das noch ganz passabel aus. Moment, wieso von der Wasserseite? Auf unserer Anfahrt stauen wir uns zunächst durch den Ort und dann auf einem Strandweg in Richtung der Maya Ruinen.

Irgendwann geht es nicht mehr weiter. Die Coop der Pescadores bietet ein Stück zurück einen kostenpflichtigen Parkplatz, von dem aus man zu den Ruinen laufen und sich in die Schlange vorm Eingang einreihen kann. Oder (Geschäftsmodell) man lässt sich von den Fischern wasserseitig die Tempelanlage zeigen und schnorchelt danach noch etwas am vorgelagerten Riff. Überredet 😚.

Wobei Schnorcheln mit vorgeschriebenen Schwimmwesten schon ganz schön befremdlich ist. Bei dem Betrieb der hier herrscht ist es aber wahrscheinlich so, dass ohne die Schwimmwesten alle naselang ein auftauchender Schnorchler überfahren würde, oder man müsste jedem eine Taucherboje mitgeben, für ungeübte wohl wenig praktikabel. Immerhin, wir sehen neben einigem Rifffisch einen großen Rochen, Jan sogar eine Schildkröte. Und eine Erfrischung ist es allemal.

Der eigentliche Hit komm allerdings später. Auf dem Rückweg von Tulum machen wir einen Abstecher zu den Cenotes Sac Ac Tún. An mehreren anderen Cenotes führt der Feldweg vorbei, unter anderem an der bekannten und touristisch gut erschlossenen Cenote Dos Ojos. Der große Parkplatz und das Restaurant hier sind gut gefüllt, aber ein paar Kilometer Holperstraße weiter beim Einstieg in Sac Ac Tún sieht es anders aus. Es ist so wenig los, dass wir vier von Guide Alberto sogar eine Privatführung bekommen, was normalerweise einen heftigen Aufpreis bedeuten würde.

Auch hier sind Schwimmwesten obligatorisch, bei der über eine Stunde langen Tour in dem (relativ) auftriebsarmen Süßwasser aber auch ganz angenehm. Das Höhlensystem Sac Ac Tún ist riesig, wohl eines der größten verbundenen Systeme weltweit. Wir erkunden natürlich nur einen kleinen Teil davon, sind aber trotzdem völlig fasziniert.

Dabei ist es gar nicht so leicht festzumachen, was genau an den Cenotes uns so begeistert. Das Schwimmen durch ein System von Tropfsteinhöhlen mit unfassbar klarem Wasser, die Licht- und Schatteneffekte über und unter Wasser, hervorgerufen durch ein paar installierte Lampen und die Taschenlampe, mit der Alberto uns den Weg zeigt. Und durch die gelegentlichen, zumeist nur kleinen Deckendurchbrüche, die etwas Tageslicht einfallen lassen. Das Urtümliche, Geheimnisvolle, die Abgründe (die verbundene Höhle Blue Abyss, von der wir nur den tief unter Wasser liegenden Eingangsspalt sehen, geht bis auf über 70 m in die Tiefe).

Abwechseln geht es durch vergleichsweise große Höhlen und schmale Gänge, bei denen wir uns zwischen den Stalaktiten hindurchschlängeln und achtgeben müssen, uns nicht den Kopf zu stoßen. Mal können wir stehen, meist aber sieht der Boden im glasklaren Wasser zwar nah aus, ist aber doch unerreichbar für die Füße. Catfish, also Welse, finden sich in größerer Zahl, aber auch einige andere Fischarten haben sich an die überwiegend dunklen Höhlen angepasst.

Wie Saugnäpfe ragen Baumwurzeln von der Decke in die Höhle hinein, verdicken sich und enden kurz über der Wasseroberfläche.

Ziemlich geflashed und auch ein wenig heruntergekühlt kommen wir nach einer guten Stunde wieder ans Tageslicht. Wow 🤩.

Zurück an Bord heißt es (viel zu früh) langsam Abschied nehmen von unserer Crew Catalina und Jan. Dabei gibts vor deren obligatorischem COVID-Antigentest noch einen ordentlichen Aufreger: ich bekomme Fieber, einen rauen Hals, fühle mich schlapp. Ein COVID-Selbsttest bleibt aber negativ und auch die Tests der beiden sind negativ. Pffff, das hätte kompliziert werden können.

Aber selbst auf Langfahrt ist man vor einer standardmäßigen Erkältung nicht gefeit (ist allerdings die erste in den zweieinhalb Jahren), wenn man im durchgeschwitzten T-Shirt die Klimaanlage des Autos aufdrehen muss, damit die Scheiben nicht beschlagen.

Pura Vida.