Tulum und Cenotes Sac Ac Tún

Wenige Maja-Tempelanlagen sind direkt am Meer errichtet, insbesondere auch weil die Frischwasserversorgung schwieriger ist, wenn in den notwendigen Cenotes das Salzwasser durch das poröse Kalkgestein sickert und sich unter das Süßwasser schiebt. Eine der wichtigen und bekannten Stätten dieser ungewöhnlichen Art ist Tulum, etwa zwei Stunden Autofahrt südlich unseres Hafens Puerto Morelos. Wobei, diese Fahrt geht auf der gut ausgebauten Carretera 307 durch das Touristenzentrum Playa del Carmen und durchgängig küstennah entlang der „Riviera Maya“ mit ihren luxuriösen Hotelanlagen. Kein Wunder also, wenn der Tempel in Tulum die Touristenmassen anzieht.

Von der Wasserseite sieht das noch ganz passabel aus. Moment, wieso von der Wasserseite? Auf unserer Anfahrt stauen wir uns zunächst durch den Ort und dann auf einem Strandweg in Richtung der Maya Ruinen.

Irgendwann geht es nicht mehr weiter. Die Coop der Pescadores bietet ein Stück zurück einen kostenpflichtigen Parkplatz, von dem aus man zu den Ruinen laufen und sich in die Schlange vorm Eingang einreihen kann. Oder (Geschäftsmodell) man lässt sich von den Fischern wasserseitig die Tempelanlage zeigen und schnorchelt danach noch etwas am vorgelagerten Riff. Überredet 😚.

Wobei Schnorcheln mit vorgeschriebenen Schwimmwesten schon ganz schön befremdlich ist. Bei dem Betrieb der hier herrscht ist es aber wahrscheinlich so, dass ohne die Schwimmwesten alle naselang ein auftauchender Schnorchler überfahren würde, oder man müsste jedem eine Taucherboje mitgeben, für ungeübte wohl wenig praktikabel. Immerhin, wir sehen neben einigem Rifffisch einen großen Rochen, Jan sogar eine Schildkröte. Und eine Erfrischung ist es allemal.

Der eigentliche Hit komm allerdings später. Auf dem Rückweg von Tulum machen wir einen Abstecher zu den Cenotes Sac Ac Tún. An mehreren anderen Cenotes führt der Feldweg vorbei, unter anderem an der bekannten und touristisch gut erschlossenen Cenote Dos Ojos. Der große Parkplatz und das Restaurant hier sind gut gefüllt, aber ein paar Kilometer Holperstraße weiter beim Einstieg in Sac Ac Tún sieht es anders aus. Es ist so wenig los, dass wir vier von Guide Alberto sogar eine Privatführung bekommen, was normalerweise einen heftigen Aufpreis bedeuten würde.

Auch hier sind Schwimmwesten obligatorisch, bei der über eine Stunde langen Tour in dem (relativ) auftriebsarmen Süßwasser aber auch ganz angenehm. Das Höhlensystem Sac Ac Tún ist riesig, wohl eines der größten verbundenen Systeme weltweit. Wir erkunden natürlich nur einen kleinen Teil davon, sind aber trotzdem völlig fasziniert.

Dabei ist es gar nicht so leicht festzumachen, was genau an den Cenotes uns so begeistert. Das Schwimmen durch ein System von Tropfsteinhöhlen mit unfassbar klarem Wasser, die Licht- und Schatteneffekte über und unter Wasser, hervorgerufen durch ein paar installierte Lampen und die Taschenlampe, mit der Alberto uns den Weg zeigt. Und durch die gelegentlichen, zumeist nur kleinen Deckendurchbrüche, die etwas Tageslicht einfallen lassen. Das Urtümliche, Geheimnisvolle, die Abgründe (die verbundene Höhle Blue Abyss, von der wir nur den tief unter Wasser liegenden Eingangsspalt sehen, geht bis auf über 70 m in die Tiefe).

Abwechseln geht es durch vergleichsweise große Höhlen und schmale Gänge, bei denen wir uns zwischen den Stalaktiten hindurchschlängeln und achtgeben müssen, uns nicht den Kopf zu stoßen. Mal können wir stehen, meist aber sieht der Boden im glasklaren Wasser zwar nah aus, ist aber doch unerreichbar für die Füße. Catfish, also Welse, finden sich in größerer Zahl, aber auch einige andere Fischarten haben sich an die überwiegend dunklen Höhlen angepasst.

Wie Saugnäpfe ragen Baumwurzeln von der Decke in die Höhle hinein, verdicken sich und enden kurz über der Wasseroberfläche.

Ziemlich geflashed und auch ein wenig heruntergekühlt kommen wir nach einer guten Stunde wieder ans Tageslicht. Wow 🤩.

Zurück an Bord heißt es (viel zu früh) langsam Abschied nehmen von unserer Crew Catalina und Jan. Dabei gibts vor deren obligatorischem COVID-Antigentest noch einen ordentlichen Aufreger: ich bekomme Fieber, einen rauen Hals, fühle mich schlapp. Ein COVID-Selbsttest bleibt aber negativ und auch die Tests der beiden sind negativ. Pffff, das hätte kompliziert werden können.

Aber selbst auf Langfahrt ist man vor einer standardmäßigen Erkältung nicht gefeit (ist allerdings die erste in den zweieinhalb Jahren), wenn man im durchgeschwitzten T-Shirt die Klimaanlage des Autos aufdrehen muss, damit die Scheiben nicht beschlagen.

Pura Vida.

Mayaruinen Ek Balam und Cenote X‘Canche

Als Ziel unseres nächsten Landausflugs haben wir uns Ek Balam ausgesucht. das liegt zwar ungefähr auf der gleichen Breite wie unser Hafenort Puerto Morelos, erfordert aber doch eine etwa zweieinhalbstündige Autofahrt. Und die unterschätzen wir etwas, sie erweist sich als eine der langweiligsten Fahrten überhaupt, es zieht sich. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass die Landschaft flach und weitgehend unbebaut ist. Bis dicht an die zumeist schnurgerade verlaufende Straße zieht sich scheinbar undurchdringlicher Bewuchs aus niedrigen Bäumen und hohen Büschen, keine Abwechslung für die Augen, kein Überblick. Trotz Licht und Grün fühlt es sich nach einer stundenlangen Tunnelfahrt an.

Die von uns per Email angeschriebenen Hotels haben beide bisher nicht geantwortet, das werden wir unterwegs nachher noch mal checken.

Aber: die langweilige Fahrt lohnt sich für uns ohne Zweifel! Die Ruinen der Mayastadt Ek Balam begeistern uns. Nur ein Teil der Anlage ist bisher ausgegraben. Guide Francisco erklärt uns, dass sich unter allen in der Umgebung sichtbaren Hügeln weitere Ruinen verbergen. Und nicht alle ausgegrabenen Gebäude sind restauriert. Zumal nicht nur die wuchernde Natur den Maya-Städten (im wahren Wortsinn) zusetzt, sondern die Steine in den vergangenen Jahrhunderten seit dem Untergang der Maya-Hochkultur teilweise auch entfernt und für Privatbauten verwendet wurden.

Eine Besonderheit für den Besucher ist, dass die Ruinen überwiegend begehbar sind, anders als etwa die berühmtere Anlage in Chichén Itzá, zugleich aber weniger touristische Aufmerksamkeit erhält und damit auch deutlich weniger „Rummel“-Charakter entfaltet. Unsere Segelfreunde Martina und Daniel von der Vairea hatten uns mit ihren Facebookberichten und dem Blogbeitrag über ihren Mexiko-Aufenthalt schon darauf vorbereitet und auch ein bisschen hierhin gelockt, ganz lieben Dank dafür.

Das Eingangsportal sieht noch recht bescheiden aus, zeigt aber schon sehr gut die Maya-Bauweise mit konstruktiv eher schmalen Räumen, die Maya kannten keine Rundbögen oder Gewölbe mit tragenden Schlusssteinen, vielmehr mussten die Seitenwände selbst tragend sein.

Durch enge Gänge geht es weiter in die Anlage hinein, aber dann weiter es sich.

Besonders beeindruckend ist die steile Treppe hinauf auf das „Akropolis“-Gebäude. Tip bei diesen Treppen: diagonal benutzen. 😉 Von oben lassen sich im Grün dann auch einige der anderen Gebäude ausmachen und die Dimension der Gesamtanlage erahnen.

An der Fassade der Akropolis findet sich auch eine restaurierte Stuckatur. Sie zeigt das stilisierte Gesicht des „Erdmonsters“ (in der mittleren der drei Mayawelten zwischen Unterwelt und Himmel). Mit aufgerissenem Mund und Augen, wobei dieses Tor später als Zugang zum Grab des Maya-Fürsten und Halbgottes Ukit Kan Le’k Tok verschlossen wurde. Auch das eine Besonderheit, denn anders als die ägyptischen Pyramiden waren die Maya Tempel nicht als Grabanlagen konzipiert.

Zurück geht es über das Ballspielfeld. Auf den Schrägen spielte nur der jeweilige Kapitän, die übrigen Spieler auf dem Rasen dazwischen. Ob auch hier nach dem Spiel eine der Mannschaften geopfert wurde ist nicht bekannt, wie überhaupt die Opfertradition der Mayastämme regional und wohl auch im Ablauf der Jahrhunderte unterschiedlich war.

Angenehm für uns zu wissen: in der zugehörigen Cenote X’Canche fanden sich keine Relikte von Menschenopfern, was andernorts durchaus der Fall ist. Wir fahren mit den im Eintrittspreis enthaltenen Leihfahrrädern die anderthalb Kilometer dorthin.

Unsere nächste Cenote, diesmal bietet sich ein völlig anderes Bild. Hier in Ek Balam gleicht die Cenote noch mehr einem Blue Hole, fast kreisrund, oben vollständig offen und tief eingeschnitten in die umgebende Landschaft. Baden (diesmal auch ohne obligatorische Schwimmweste) im erfrischenden Süßwasser ist erlaubt, Sprünge aus zwei, zehn und zwölf Meter Höhe auch.

Der „Dachüberstand“ und die am Rand fast wie ein Vorhang herunter hängenden Baumwurzeln sowie das intensive Spiel des Lichts lassen diesen Ort ganz besonders erscheinen.

Die Hotels haben sich immer noch nicht gemeldet, statt uns vor Ort ein anderes zu suchen beschließen wir, wieder zurück auf die Flora zu fahren.

Die aus Leinen gebildeten Wildbrücken (u.a. für Affen und Faultiere) sind eine der wenigen optischen Abwechslungen

Noch mal zweieinhalb Stunden Langweil-Fahrt, aber mit den frischen Eindrücken des Erlebten im Kopf (und ein paar „8 Milliarden“-Podcasts) vergeht die Fahrt diesmal gefühlt viel schneller.

Pura Vida.