Love Alaska

Dieser Beitrag ist per Satellitentelefon eingestellt, insofern müssen wir die Bilder nachreichen, bis dahin lasst Eure Phantasie spielen.

Wir starten bei Mist(y) Wetter. Die Wolken hängen wieder so tief, dass wir durch den Fisselregen durchfahren. AAAber: kaum sind wir draußen auf dem Ozean, klart es auf. Hinter uns über Land dicke Suppe, an Steuerbord über der Küste noch Wolkenfelder in den Bergen, aber wir motoren durch den Sonnenschein. Zweimal zeigen Buckelwale ihre Rücken, ein paarmal sehen wir einen Blas. Ein kurzes Stück begleiten uns sogar schwarz-weiße Dall-Schweinswale. Wind ist keiner, aber das war auch so vorhergesagt. Trotzdem fahren wir 35 sm nach Norden. Etwa 60 km entlang der Küste, kein einziger Ort, nicht einmal ein Haus. Bis auf eins, direkt vorm Ziel. Dem statten wir nachher noch einen Besuch ab.
Estmal tasten wir uns zwischen den vorgelagerten Unterwasserfelsen durch, an einer kleinen Insel im Eingang vorbei und hinein in die Porcupine Bay. Alaska zum Reinverlieben. Die fast kreisrunde Bucht haben wir für uns allein (wenn man die immer mal wieder neugierig auftauchenden Seeotter nicht zählt). Wir ankern direkt vor einem Wasserfall. Nur etwa drei Meter hoch aber fast 10 m breit, sein Rauschen und ein paar Vogelschreie bilden die einzige Klangkulisse in dieser Idylle. Das Meeresrauschen von draußen dringt nicht bis hier her vor, der Kelp auf den vorgelagerten Felsen mildert die Brandung.
Wieder setzen wir hoffnungsvoll den Krebskorb (gestern war nichts drin), dann packen wir unsere Sachen und mit dem Dinghy geht es anderthalb Seemeilen zurück und in die nächste Bucht. Zu dem einzigen Haus eben. Denn das ist etwas ganz besonderes. Die kleine rotbraune Holzhütte direkt am Ufer beinhaltet nämlich eine heiße Quelle. Die „White Sulfur Hot Springs“ liegen hier und der namensgebende Schwefel ist zwar zu riechen, aber dankenswerterweise sehr dezent.
Das Dinghy anzulanden ist tricky, einen Steg oder Strand gibt es nicht. Wir sind froh über den Aluboden unseres Highfield-Ribs, so können wir Florecita auf den großen Steinen ein Stück hochziehen und dort festbinden. Bei dem auflaufenden Wasser der Flut gehe ich zwischendurch noch einmal zurück und ziehe das Dinghy ein Stück weiter hinauf.
Ansonsten aber genießen wir die Bäder, zunächst im Außenbecken unter Tannen, wobei wir ein bisschen Waldboden aufwirbeln, dann im Inneren der Hütte mit aufgeschobenen Glastüren hinaus zum Ozean im mit Natursteinen ausgekleideten Becken. Das Wasser ist badewannenwarm, herrlich. Und dabei der unverstellte Blick hinaus auf den Pazifik. Schon die Tlingit hatten hier ein Badehaus erbaut, die jetzige Hütte wurde 2013 mitten in der Wildnis wieder errichtet. Mit Kanus kann man hier anlanden, aber einen guten Ankerplatz gibt es nicht, deshalb die Dinghytour von der Porcupine Bay.
Aber selbst ohne die Möglichkeit des Ausflugs zu den heißen Quellen wäre unser Ankerplatz eine Wucht. Kaum zu fassen, das wir diese Bilderbuch-Bucht für uns allein haben.
Wir liegen uns in den Armen, Tränen fließen. Beide haben wir an Annemarie und Volker gedacht. Bei der Einfahrt (ja, auch die Escape wäre hier herein gekommen) und bei der Idylle. Denken an die gemeinsame Zeit oben in Maine an der US-Ostküste. Wir haben ihre Stimmen im Ohr und können doch diese wunderschöne Erfahrung nicht mit ihnen teilen. Aber in unseren Herzen sind sie dabei.