Um 10.00 Uhr gehen wir gemeinsam mit der Ultimate Anker auf. Knapp 1.000 Seemeilen liegen vor uns. Da ist es schön, ein Buddyboat in der Nähe zu wissen. Gleichwohl, schon nach einem halben Tag verlieren wir uns aus den Augen, ein kleiner Geschwindigkeitsunterschied und eine etwas anders gewählte Route reichen da schon aus. Immerhin sind wir aber noch in Funkkontakt.
Solange wir noch zwischen den Las Perlas Inseln oder zumindest in deren Nähe sind, bekommen wir windmäßig ein bisschen von allem. Mit kräftigem Wind geht es los, aber schon kurz darauf flaut es ab, wir wechseln von der Fock auf den Gennaker. Dümpeln zwischendurch mit kaum 2 kn Fahrt über Grund, da würden wir normalerweise schon den Motor starten. Diesmal aber nicht, mit dem Diesel sollten wir haushalten. Die Strecke zu den Galapagos ist berüchtigt für ihre Windarmut. So sind wir schon froh, dass zumindest für die ersten paar Tage segelbarer Wind vorhergesagt ist. Das heißt aber im Umkehrschluss, dass wir wohl zumindest auf der zweiten Hälte der Strecke ausgiebig motoren müssen.
Heute aber kommt der Wind schnell zurück, wird sogar stärker. Wir nehmen den Gennaker weg, riggen den Ausbaumer für die Fock. Eine Zeitlang segeln wir nur unter Groß, dann können wir den Kurs anpassen und fast platt vor dem Laken (mit Wind von achtern) die Fock ausrollen, also Schmetterling segeln.
Unseren erster Wegepunkt legen wir auf das Südende des Verkehrstrennungsgebietes. Der kürzeste Weg zu den Galapagos würde diese „Autobahn für Schiffe“ mit getrennten Fahrbahnen und Mittelstreifen mehrfach schneiden, aber anders als bei echten Autobahnen gibt es natürlich keine Brücken oder Tunnel. Und so müsste man sich halt zwischen den vielen Frachtschiffen, die hier von und zum Panamakanal rauschen, eine Lücke suchen und hinübersprinten. Das ist hier genausowenig zu empfehlen wie auf echten Autobahnen. Es ist schon spannend genug zu sehen, wie sich die großen Dampfer einer nach dem anderen in das Verkehrstrennungsgebiet einfädeln und dabei mit ihren AIS-Vorauslinien immer wieder unsere kreuzen. Außerdem hat unser kleiner Umweg den Vorteil, dass wir (nach der Vorhersage) etwas länger guten Wind und mitsetzende Strömung haben.
Zur Abenddämmerung haben wir den zweiten längeren Delfinbesuch des Tages. Waren es zuvor die gefleckten Schlankdelfine, spielen dieses Mal große Tümmler ausgiebig an Floras Bug. Diese Begleitung freut uns immer sehr.
Zur Nacht gehen wir mit dem Groß ins zweite Reff, die Fock bleibt auf der anderen Seite ausgebaumt.
Die Strömung schiebt kräftig mit, so schaffen wir an diesem ersten Tag unserer Passage ein tolles Etmal von 183 sm.
Monat: März 2022
Las Perlas, die Perleninseln
Für den Absprung zu den Galapagos bieten sich die Perlas an, denn auf der Pazifikseite bildet die Küste von Panama vor Panama Stadt eine große (etwa 100 sm) fast halbkreisförmigere Bucht, in deren Mitte eben die Perleninseln liegen.
Ihren Namen bekamen sie von den spanischen Eroberern, denn die Ureinwohner der Inseln trieben Handel mit ertauchten Muschelperlen. Nicht mehr sehr lange allerdings, denn bereits 1515, nur zwei Jahre nach ihrer Entdeckung, raubten die Spanier die Inselgruppe aus und ermordeten oder verschleppten die Bevölkerung. Erst drei Jahre später kam ein Teil zurück auf die Inseln um – nunmehr versklavt- wieder nach Perlen zu tauchen.
Der heutige Reichtum der Inseln liegt eher in den unzähligen Sandstränden. Etwa 200 Inseln weist die Inselgruppe auf (je nachdem, wie viele der vorgelagerten Felsen als eigene Insel gezählt werden lesen wir von 183 bis 238). Die allermeisten sind noch immer unbewohnt, aber in den letzten Jahrzehnten hat den Archipel mehr und mehr erschlossen. Obwohl im Bauhaus noch nicht vermerkt, gibt es inzwischen sogar eine Marina (auf der Isla Pedro Gonzales), mindestens zwei weitere sind in Planung, beide in Verbindung mit Luxusressorts.
Die meisten Sandstrände verändern ihr Erscheinungsbild mehrfach täglich, verschwinden fast ganz, tauchen wieder auf. So auch auf Contadora, unserem ersten Ankerstop in den Perlas. Der Tidenhub von rund vier Metern lässt uns vor einem wunderbar breiten Strand ankern, von dem einige Stunden später fast nichts mehr zu sehen ist.


Contadora ist ist eine der besterschlossenen Inseln der Gruppe, weist einen Flugplatz und Fährverbindungen auf. Wir sehen nur gepflegte Villen und Ressorts, der Luxus ist greifbar, wohl auch durch die relative Nähe zu Panama Stadt. Interessant ist, dass hier wie auch auf einigen anderen Inseln derzeit viele Bäume kahl wirken. Am Winter kann es so nah am Äquator kaum liegen, eher schon an der sich jetzt langsam dem Ende nähernden Trockenzeit (Mitte Dezember bis Mitte April).
Unser nächster Ankerplatz zwischen der Isla Chapera und der Isla Mogo Mogo wirkt ganz anders. Zwar haben wir auch hier (bei Ebbe) breite Sandstrände, zwischen denen felsige Abschnitte für Unterteilungen sorgen, aber außer einem Gebäude der Aeronaval in der nächsten Bucht ist vom Boot aus und selbst mit der Drohne keine weitere Bebauung sichtbar.


In den Perlas haben wir uns mit der Crew der Ultimate verabredet. Susan und Holger hatten wir in den San Blas kennengelernt. Sie wollen mit ihrer Hallberg-Rassy 45 ebenfalls nach Galapagos, da bietet sich das Buddyboating natürlich an.
Passt perfekt, dass wir auf der Fahrt zu unserem nächsten (und letzten) Ankerplatz in den Perlas einen schönen Bigeye Jack (Großaugen-Stachelmakrele) fangen, die reicht heute Abend für uns vier.

Auch wenn der Himmel an unserem letzten Tag in Panama ein bisschen dunstig ist, die Ankerbucht im Osten von Pedro Gonzales macht uns den Aufbruch nicht eben leicht.


In den Las Perlas und überhaupt an der Pazifikküste Panamas könnten wir noch so vieles entdecken. Andererseits freuen wir uns auf die Galapagosinseln und auch auf die Passage dahin. Etwa eine Woche sollte die Fahrt dauern, zumindest für die erste Hälfte verspricht der Wetterbericht sogar segelbaren Wind. Das ist keine Selbstverständlichkeit für diese Strecke, also gilt es, dieses Wetterfenster zu nutzen.
Ab morgen werden wir dann also erst einmal nur über Iridium-Satellit erreichbar sein, drückt uns die Daumen für eine gute Passage.
Ausklariert in Panama. Stiller Ozean.
Wir klarieren aus Panama aus, es wird ernst. Auf dem Zarpe steht „con destino a GALAPAGOS ISLANDS, ECUADOR“. Also gut.
Nach dem Papierkram noch kurz letzte Einkäufe und noch einmal Müll wegbringen, beides wird für die nächste Zeit etwas komplizierter. 😉
Einmal mehr laufen mir dabei Krabbenwaschbären über den Weg, Die hatten wir vorher noch nirgends gesehen, aber hier in der Playita Marina sind sie auch tagsüber ziemlich aktiv.

Gegen Mittag gehts dann wirklich los, raus auf den Pazifik. Den (dem Namen nach) Stillen Ozean, der zugleich das größte der Weltmeere ist. Trotzdem wird es erst einmal nur ein kurzer Nachmittagstörn von 35 sm, hinüber zu den vorgelagerten noch zu Panama gehörenden „Las Perlas“-Inseln. Ganz legal, das Zarpe verlangt eine Ausreise erst in den
nächsten 48 Stunden.
Und wie als Gruß aus unserer Heimatstadt für diesen neuen Abschnitt unserer Reise kommt bei unserer Abfahrt ein Containerschiff der Hamburg Süd aus dem Panamakanal und dampft an uns vorbei.

Auch wir müssen erst ein gutes Stück vom Festland weg motoren, bis wir ausreichend Wind finden. Dann aber ist es herrliches Segeln auf glattem Wasser, erst Code0, dann Gennaker.


Am Ende noch der Wechsel auf die Fock, weil der Wind abnimmt und immer mehr von vorn kommt. Nur kurz, dann muss doch der Motor
ran, zumal die Sonne schon ganz schön tief steht.

Hunderte Pelikane ziehen an uns vorbei ebenfalls zu den Las Perlas, wie an der (Perlen-?)Schnur gezogen in langen Reihen, meist dicht über dem Wasser, manchmal auch ungewohnt hoch. Zweimal sehen wir jeweils über 50 Pelikane im Formationsflug hintereinander.
Kurz vor der Ankunft am Ankerplatz vor der Insel Contadora dann auch noch Angelerfolg, ein schöner Skipjack Tuna (Echter Bonito) geht uns an den Haken. Der erste Segeltag auf dem Stillen Ozean verwöhnt uns wirklich.

Panama Stadt

Es ist schon eine ziemlich krasse Skyline, mit der Ciudad de Panamá (also Panama Stadt) aufwartet. Insbesondere wenn man bedenkt, dass weniger als eine Million Menschen dort wohnen. Das Bankenviertel ist enorm, die Panamá-Papers haben ja ein Schlaglicht auf das geworfen, was in dieser Finanzmetropole so abgeht.

Aber Panama Stadt hat auch ganz andere Seiten. Fußläufig von unserem Liegeplatz in der Playita Marina erreichen wir das das vom bekannten Architekten Frank Gehry entworfene Museum für Biodiversiät Panamas.


Hier wird unter anderem sehr spannend und multimedial die erdgeschichtliche Entwicklung Panamas zur nachträglichen Brücke zwischen den Kontinenten Nord- und Südamerika dargestellt, die ganz erheblichen Anteil an der hohen Biodiversität Panamas und seiner Nachbarländer hat.
Und auch die Altstadt von Ciudad de Panamá bietet starke Kontraste. Zum Bankenviertel mit seinen Hochhäusern, na klar, aber auch in sich selbst. Wunderschön renoviert und völlig verfallen steht hier oft direkt nebeneinander, aus hippen Rooftop-Bars blickt man sowohl über sorgfältig restaurierte herrschaftliche Bauten als auch über heruntergekommene Straßenzüge.







Die spannende, lebendige Stadt hat hier vielleicht gerade wegen dieser Gegensätze viel Charme. In der Altstadt liegt auch das Panamakanal-Museum, dem wir natürlich auch einen Besuch abstatten. Die Geschichte des Kanalbaus wird in einem Stockwerk behandelt, im zweiten Stockwerk geht es im Wesentlichen um die komplizierte Beziehung zu den Vereinigten Staaten und die sozialen und kulturellen Einflüsse, die der Kanalbau und die dafür angeworbenen Arbeiter aus der ganzen Welt auf die Entwicklung des damals jungen Staates Panama und dessen Sozialgefüge hatten.


„Die Erde geteilt, die Welt vereint.“ Schön wäre es ja, wenn dieses hochfliegende Motto des Kanals sich bewahrheiten würde, nicht nur im Handel, sondern auch – wie im Museum suggeriert – zwischen den verschiedenen Menschen und Völkern, die hier beim Kanalbau zusammengekommen sind. Allerdings wird auch der Rassismus und die Zweiklassengesellschaft selbst im Bezahlungssystem thematisiert und mit vielen Beispielen bis hin zur Architektur der Wohnungen dargestellt.
Wie in wohl jeder größeren Mittel- oder Südamerikanischen Stadt darf im Straßenbild ein monumentales Denkmal für Simón Bolívar nicht fehlen, der die Unabhängigkeitskriege mehrerer heutiger Staaten gegen Spanien anführte und nach dem das Land Bolivien benannt wurde.

Den Gefallenen eines gänzlich anderen Kampfes ist ein großes Wandbild gewidmet, dass wir in der Kirche San Francisco de Asis sehen (spannend auch das Enddatum):


Panama, die andere Seite
Wow. Manchmal müssen wir uns noch kneifen. Wirklich wahr, wir sind im Pazifik. 😊
Die Webcams der Kanalbehörde haben so ihre Tücken, als ich es probiert habe, funktionierten sie scheinbar nicht und das haben mir auch andere so gespiegelt. Aber mein Kollege Christopher aus Hamburg hat’s irgendwie geschafft und uns ein Bild der Flora in der zweiten Schleusenkammer der Gatun-Schleusentreppe geschickt, ganz lieben Dank dafür!

Erstmal nur eine Nacht ankern wir an der Punta Calebra vor Isla Flamenco am Ausgang des Panamakanals. Dann fahren wir hinüber zu einer der vorgelagerten Inseln. Nicht zu den Las Perlas, das wäre mit gut 30 sm bei der herrschenden Windstille zu weit und ohnehin wollen wir mit unserem Besuch ja auch noch Panama Stadt anschauen. Aber einmal quer durch die vielen auf Reede wartenden Schiffe bis zur nur sieben Meilen entfernten Insel Taboga, das geht schon.

Hier lassen wir es gemütlich angehen, baden im deutlich kühleren (aber immer noch 23 Grad warmen) Pazifikwasser, laufen durch den kleinen bunten Ort. Am Wochenende sind die Sandstrände hier sehr beliebt, vor allem die schmale Landzunge hinüber zum vorgelagerten Inselchen Morro de Taboga, Ausflügler kommen von Panama Stadt mit der Fähre oder ihren Booten herüber, Jet Skis und andere Lärmspielzeuge sollen für ordentlich Alarm sorgen. Jetzt unter der Woche spürt man davon nichts, es wirkt angenehm verschlafen, obwohl wir am Horizont die Hochhaus-Skyline von Panama Stadt sehen.


Wir bleiben noch eine Nacht länger, backen Brot, kochen lecker, faulenzen in der Hängematte. Wandern auf den Cerro de Cruz, ganz schön anstrengend zwar, aber wir werden mit einem tollen Blick über den Ort, die Bucht, die Reede und eben hinüber zur Festlandsküste belohnt.
Und dieser Blick zeigt dann tatsächlich ein ganz anderes Bild von Panama, als wir es uns bisher etwa in Bocas del Toro oder den San Blas gemacht haben.



Panamakanal – das volle Paket
Um 3:30 klingelt der Wecker. Um 4:00 funke ich wie vorgeschrieben „Christobal Signal Station“ auf Kanal 12 an, um ihnen meine Position durchzugeben und mitzuteilen, dass wir dort auf den Advisor warten. Aber Christobal Signal ist offenbar gut vorbereitet, denn bevor ich die Details loswerden kann wird mir schon gesagt, der Advisor sei bereits zu uns unterwegs, die Position offenbar über AIS bekannt.
Und tatsächlich fährt kurz darauf eine Art Lotsenboot vierkant auf unsere Steuerbordseite zu. Es ist noch stockfinster, wir haben die Decksbeleuchtung eingeschaltet und die Relingsdurchlässe geöffnet, aber letzteres ist jedenfalls überflüssig. Der Advisor springt auf Höhe der Wanten an Deck, weil er sich dort sicherer festhalten kann.

Und dann gehts auch gleich los. Anker auf, An den Wracks hinter den Flats vorbei ins Fahrwasser der Großschifffahrt. Unter der Puente Atlántico hindurch zur ersten Schleusentreppe, den Gatun Locks.

Es wird langsam hell, als wir die Schleusen erreichen. Anders als von mir befürchtet, scheint die Eintages-Variante also doch kein Schleusen in Dunkelheit zu bedeuten, denn die Ausfahrt aus der letzten Schleuse ist für 17:30 geplant, wenn denn alles glatt geht.
Wir drehen noch ein paar Kreise und warten darauf, dass der Autotransporter „Pleiardes Spirit“ vor uns in die erste Schleusenkammer einfährt. Ein ziemliches Spektakel, denn er hat die Maximalbreite für diese Schleuse und berührt auf beiden Seiten fast die Schleusenwände.

Und er macht ordentlich Welle: in der Spitze strömt das Wasser (bei seiner Ausfahrt) mit 5,3 kn an unserem mit vier Leinen festgemachten Boot vorbei.
Mit vier Leinen? Ja, denn die Vorhersage unseres Agenten, wir würden wohl als mittleres von drei Booten im Päcken geschleust, bewahrheitet sich nicht. Allein fahren wir hinter der wasserwirbelnden Schrankwand in die Schleuse, die Affenfäuste fliegen aufs Vordeck und Wiebke, Veronica, Justus und Jan haben als Linehandler ordentlich zu tun, nachdem das Schleusentor sich geschlossen hat.


Halten und immer wieder Durchholen. Neun Meter geht es nach oben, dann fahren wir in die zweite Schleusenkammer. Dazu werden die schweren Panamaleinen oben von den Pollern und wieder an Deck genommen, bleiben aber an den dünnen (zu Anfang mit den Affenfäusten herüber geworfenen Leinen) befestigt. Oben auf der Schleuse gehen die Kanalarbeiter mit den dünnen Leinen in der Hand parallel zu unserem Boot zur nächsten Schleusenkammer. „Walk the Line“ kommt einem in den Sinn.

Drei Schleusenkammern bewältigen wir so und 26 m weiter oben fahren wir dann in den Gatunsee. Wow.

Ganz viel Grün an den fast überall unbebauten Ufern des aufgestauten Rio Chagres, der einen großen Teil des Panamakanals ausmacht. Dazwischen nach den Regenfällen der letzten Zeit auch immer würden das rosa oder lila leuchtende Blütenmeer von Palisanderbäumen (Jacaranda).
Kleine und ausgreifendere Inseln, die die gut betonnte Fahrrinne ziemlich kurvenreich machen. Und reichlich Großschifffahrt natürlich auch.

Unser Advisor Ivan fragt nach einem „warmen Frühstück“ Rührei und Schinken kommt auch bei der übrigen Crew nach dem frühen Aufstehen gut an. Und Ivan fragt nach unserer höchstmöglichen (Dauer-)Reisegeschwindigkeit. Wenn wir schneller wären könnten wir auch die nächsten Schleusen wieder mit dem gleichen Autotransporter bewältigen und sogar noch früher als bisher vorgesehen auf der Pazifikseite ankommen. Für ihn wäre es sicher auch hilfreich, denn sein Arbeitstag hat noch zwei Stunden vor unserem begonnen. 7 1/2 Knoten können wir sicher schaffen und das sollte dann auch reichen. Also blasen wir den Turbo unseres Volvo mal wieder ein bisschen frei. Wir kommen gut voran, nur einmal müssen wir vor der Engstelle des Gaillard Cut kurz warten, um ein entgegenkommendes großes Kreuzfahrtschiff der Neo-Panamax-Klasse durchzulassen.


Hier wurde der Panamakanal durch einen 95 m hohen Sattel des Gebirgszuges gegraben, der Nord- und Südamerika miteinander verbindet, eine der aufwändigsten Stellen beim Bau des Kanals. Für den Abtransport der riesigen Abraummengen wurde eigens eine Eisenbahn gebaut.
Kurz hinter dem Gaillard Cut dann die Pedro Miguel Schleuse. Jetzt geht es bergab, und da fahren die Yachten vor der Großschifffahrt ein. Dieses Mal ist es tatsächlich ein Dreier-Päckchen. Gemeinsam mit der norwegischen „Escape“ machen wir rechts und links an der „Nomadica“ aus St. Helena fest. Schon im Päckchen, wird die Wartezeit vor der Schleuse mit dem Mittagessen verkürzt. Ein „man‘s meal“ mit Fleisch müsse es für den Advisor sein, hatte der Agent im Vorfeld mindestens dreimal betont, das sei neben dem ebenfalls zur Verfügung zu stellenden „botteled water“ (gekauft, keine unversiegelten Flaschen mit Wassermacherwasser) ganz wichtig.
Wiebke zaubert eine Paella mit extra viel Hähnchen und Ivan strahlt übers ganze Gesicht. Wir auch.

Nach der Pedro Miguel Schleuse löst sich das Päckchen wieder auf und über den Miraflores See fahren wir das kurze Stück zu den beiden letzten, miteinander verbundenen Miraflores-Schleusen.
Überraschung: hier erwartet uns die dritte Variante der Schleusung: zwei Schlepper bugsieren die Pleiardes Spirit an die rechte Einfahrtseite, wo sie mit Drahtseilen von Lokomotiven gehalten werden. Die Spezialloks übernehmen im Prinzip die Aufgabe unserer Linehandler und der „Walk the Line“-Kanalarbeiter. Jetzt aber fährt einer der Schlepper vor uns in die Schleusenkammer, die Nomadica macht längsseits an ihm fest, wir ebenfalls längsseits an der Nomadica. Toll, denken wir, bei dieser Schleusung brauchen unsere Linehandler garnicht zu arbeiten.

Das stimmt auch erst einmal, aber das Päcken muss nach der ersten Schleusenkammer aufgelöst werden, der Schlepper und die Boote fahren einzelnd in letzte Schleusenkammer und dort muss das Päckchen neu gebildet werden. Klappt auch, nur sind wir als drittes und letztes Boot noch nicht fest, als die Pleiardes Spirit in diese letzte Schleusenkammer einfährt. Da sie die ganze Schleusenbreite ausfüllt und natürlich auch einigen Tiefgang hat, entsteht dabei eine extrem kräftige Strömung, die uns ohne Chance auf sinnvolle Kurskorrektur achtern auf die beiden anderen Boote drückt. Erst nachdem der Autofrachter kurz hinter uns auf seiner endgültigen Position festgemacht hat, können wir uns aus dieser misslichen Lage wieder befreien. Zum Glück hat die Flora außer einem kleinen aber eben doch ärgerlichen Abplatzer im Gelcoat keinen weiteren Schaden davon getragen, die anderen Boote sind komplett unbeschädigt.
Ein kräftiger Schauer begleitet die Aktion und dauert auch noch an, als sich gegen 15:30 die massiven Tore der Schleuse öffnen und wir in den Pazifik einfahren. Was für ein Moment.

Der „friedliche“ zeigt sich dann aber auch gleich versöhnlich, bei strahlendem Sonnenschein geben wir die geliehenen Leinen und Fender am Balboa Yachtclub ab und fahren dann weiter zu unserem ersten Ankerplatz im neuen Ozean. jetzt sind wir auf der Sonnenuntergangsseite von Panama 😎. Pazifik.

Panamakanal: Es geht los!
Am Sonntag und damit einen Tag früher als angekündigt klopft es morgens am Boot: die Leinen und Fender für die Kanalpassage werden angeliefert.
Man benötigt für die Kanalpassage 4 Leinen, die 125 ft lang und 7/8 Inch dick (38,1 m lang, 22,2 mm dick) sein müssen. Gemeinsam mit 8 dicken Kugelfendern haben wir die Leinen über unseren Agenten für 75 Dollar gemietet, weil wir derartige Ausrüstung nicht permanent auf der Flora mitschleppen. Warum? So sieht es aus, wenn Wiebke eine der vier Leinen in der Hand hält:

Wir machen das Schiff klar, nicht nur für die Passage, sondern auch für unsere Gäste. Zur Kanalpassage kommt unser Patenkind Justus mit Freundin Veronika eingeflogen, außerdem unser Freund und „Chief“ Jan. Alle drei landen am Nachmittag in Panama City und kommen abends gemeinsam im Taxi hier in der Shelter Bay an.

Damit sind wir vollzählig, denn die Bestimmungen für den Kanal schreiben neben dem Kapitän 4 „Linehandler“ vor, die sich mit den langen Leinen abkämpfen müssen. Ganz so schlimm wird es aber hoffentlich nicht werden, denn aller Voraussicht nach werden wir die Schleusen im Päckchen zusammengebunden mit zwei weiteren Booten passieren und in diesem Fall müssen nur jeweils zwei Linehandler auf den beiden äußeren Booten wirklich arbeiten während die anderen hoffentlich uneingeschränkt die Passage genießen können.
Susan von der Ultimate bringt uns noch eine Kokusnuss mit guten Wünschen für die Passage vorbei, wir bauen die Solarpanele vom Bimini ab und decken das feste Solarpanel auf den Davids jedenfalls mit Yogamatten. Für einen letzten Riggcheck vorm Pazifik zieht mich Jan noch mal die 20 m hoch in den Mast. Veronika sichert, Wiebke und Justus sind in der Zwischenzeit noch einmal in Colón einkaufen.


Es geht jetzt etwas schneller als geplant, denn statt der erhofften Zweitagespassage, bei der wir erst morgen Nachmittag losgefahren wären und dafür eine Nacht an der Boje im Gatunsee verbracht hätten, geht es jetzt für uns schon morgen um 4:30 los.
Also verlassen wir schon heute Abend die Marina und ankern auf den „Flats“, wo unser Advisor morgen in aller Frühe zusteigen wird.
Wenn die Webcams funktionieren, könnt ihr uns am 8.3.2022 in den Kanalschleusen beobachten. Wir werden hoffentlich so zwischen 6 und & Uhr hiesiger Zeit in den Gatun-Schleusen sein (zwischen 12 und 14 Uhr in 🇩🇪), theoretisch sollten wir zwischen 16 und 17 Uhr hiesiger Zeit (22 bis 23 Uhr in Deutschland 🇩🇪) in den Miraflores Schleusen. Das kann sich aber auch verschieben. Wer trotzdem schauen möchte, hier der Link:
Portobelo
Von den San Blas kommend segeln wir die erste Etappe, etwa 50 sm, bis nach Portobelo.
Unsere Fahrt hierher ist recht ruppig und das Wetter ist mäßig, aber als wir in die schöne, geschützte Bucht von Portobelo einbiegen, begleiten uns Delfine an unseren Ankerplatz. Was für eine Begrüßung.

Historisch ist Portobelo ein sehr spannender Ort, von hier aus verschifften die Spanier einen Großteil der Reichtümer, die sie den indigenen Völkern Mittelamerikas abgepresst hatten. Das wiederum weckte das Interesse und die Begehrlichkeit der Piraten, 1596 starb Sir Francis Drake hier beim Versuch, den Hafen zu plündern. Da war die Stadt selbst noch nicht einmal formell gegründet. 72 Jahre später war es dann einmal mehr Henry Morgan, der als Freibeuter mit Kaperbrief der englischen Krone die Stadt überfiel und plünderte. Mit etwa 500 Mann eroberte er die Stadt von der Landseite her, sodass er seine Schiffe nicht den Kanonen der Befestigungsanlagen aussetzte. Zusätzlich zu den erbeuteten, für den Transport nach Sevilla bereitgestellten Edelmetallen und Handelswaren erzwang er von den spanischen Behörden in Panama ein immenses Lösegeld dafür, Portobelo nicht niederzubrennen. Es war einer von Morgan’s erfolgreichsten Coups.
Der während der spanischen Kolonialzeit so wichtige Hafenort ist heute ein kleiner Touristenort mit etwa 5.000 Einwohnern. An die alte Herrlichkeit erinnern neben der übergroßen Kirche und dem in Restaurierung befindlichen Zollhaus von 1630 vor allem die Ruinen gleich mehrerer Festungen.
Da wir ausgerechnet an Rosenmontag ankommen, brausen die Lanchas als Wassertaxis unermüdlich durch den Ankerplatz, um Tagesgäste vom Ort zu den Stränden am Eingang der Bucht und wieder zurück zu bringen. Am nächsten Tag ist es dann etwas ruhiger.
Wir ankern direkt vor den Ruinen der San Fernando Festung am Nordufer der Bucht. Mit dem Dinghy fahren wir hinüber, ziehen das Beiboot auf den dunklen Kiesstrand und binden es an einer Palme fest. Vom unteren Teil der Festung zieht sich dann ein Pfad den Berg hinauf.



Von dort haben wir einen schönen Überblick über die Bucht und auch hinüber zum Ort mit Kirche San Felipe de Portobelo und Zollhaus.

Schon von hier oben ist erkennbar, dass vor dem Ort diverse Wracks liegen. Als wir später mit dem Dinghy hinfahren, ist das Ausmaß aber doch ziemlich erschreckend.



Hinter und zum Teil auch zwischen den Wracks liegen Boote vor Anker, das ein oder andere davon macht leider den Eindruck, bis zum Versinken fehle nicht mehr viel.

Solche oft noch bewohnten Halbwracks schlagen mir immer auf die gerade eh schon nicht gute Stimmung. Das trübe Wetter tun ein Übriges (sind wir einfach nicht mehr gewohnt. 😉
Und in Portobelo Sitzen auch noch überall in großer Zahl Rabengeier herum.


Wir strolchen noch ein wenig durch den uns trotz seiner bunten kleinen Häuser nicht wirklich begeisternden Ort, warten unter einem Vordach einen kräftigen Regenschauer ab, dann geht es zurück an Bord und am nächsten Morgen gleich die 20 sm weiter in die Shelter Bay Marina, wo wir uns (und Flora) jetzt auf die Passage durch den Panamakanal vorbereiten. Das wird spannend!
Abschied aus San Blas

Salardup packt noch mal einige weitere schöne Blicke und Erinnerungen in unseren schon prall gefüllten gedanklichen San-Blas-Speicher. Aber natürlich wissen wir, dass Guna Yala nicht nur Postkartenidyll mit klitzekleinen palmenbestandenen und von Sandstrand umgebenen unbewohnten Inseln ist.

Hier, näher am Festland, mischen sich schon mal Mangrovenabschnitte in die Inselwelt und wir kommen auch den Inseln näher, auf denen viele der Kuna ganzjährig leben. Von hier aus kommen sie mit den Einbäumen zur Bewirtschaftung der Kokosnussinseln oder eben zu uns Ankerliegern heraus gepaddelt.
Auf unserer Weiterfahrt machen wir einen Schlenker nach Rio Sidra, ganz dicht am Festland gelegen. Wettertechnisch hatten wir das bisher immer vermieden, denn währen wir zwischen den Kokos-Inseln meist schönes Wetter hatten, sammelten sich über der Küste die Wolken vor den Bergen. Oft so dicht, dass das Festland hinter einem grauen Schleier verschwand. Auch heute ist das wieder so.

Rio Sidra und das benachbarte etwas kleinere Nusadup sind zwei der Kunadörfer auf “Wohninseln”. Dicht bebaut mit Hütten, die zum Teil noch ganz traditionell mit Palmwedeln gedeckt sind, zum Teil auch Wellblechdächer haben. Wobei, dicht bebaut ist eher noch eine Untertreibung. Wir haben noch Venancios Aussage im Ohr, dass seine Familie mit 18 Personen in einer Hütte wohnt.

Und während eine windschiefe Palmwedelhütte auf der fotogenen Miniinsel draußen mit den Kokospalmen noch romantisch wirken mag, wirkt das Bild doch sehr viel weniger paradiesisch, wenn viele davon quasi aufeinander zu rutschen scheinen.


Wobei, auch dieses Bild täuscht ein bisschen, denn die äußeren Hütten sind vielfach eher die Klohäuschen (mit Wasserspülung).
Ein weiterer Kratzer auf dem Abziehbild: Müll. Waren wir auf Chichime und den Coco Bandero noch positiv überrascht von der Sauberkeit der Strände auch auf den windzugewandten Seiten der Inseln (im Vergleich etwa zu den ebenfalls unbewohnten Ragged Islands in den Bahamas), hat sich dieser Eindruck auf den später von uns besuchten Inseln so leider nicht bestätigt. Angeschwemmter Plastikmüll fand sich immer wieder am Hochwassersaum der Strände, nicht so extrem wie auf den Ragged, aber eben doch deutlich.
Erstaunlich allerdings ist, dass wir ausgerechnet auf unserer letzten besuchten Insel in San Blas die größten Müllmengen angeschwemmt finden.

Wind- und strömungstechnisch können wir uns das für die West Lemon Cays nicht erklären und besonders überraschend ist, dass wir es ausgerechnet auf der Insel Tiadup beobachten, die für vom Festland mit Lanchas herübergebrachte Touristen mit Stelzenhäusern bebaut wurde.


Wie überhaupt der Tourismus langsam und ohne Hotelketten, aber eben doch spürbar mehr Raum einnimmt. Von den Kuna selbstbestimmt, und wer wollte es ihnen verdenken und wer den Gästen? So sind hier (näher am Ende der Straße ins Gebiet der Kuna) Inseln oft mal mit Restaurant, Lodges oder Campingplatz zu finden.



Trotzdem, uns macht dieser etwas andere letzte Eindruck der Inselwelt von Guna Yala den Abschied ein kleines bisschen leichter.