Ein Blick durchs Fenster, ein Blick nach vorn. Glass Window und Wasser-Schaukel

Es gibt nur wenige Orte in den Bahamas, an denen die Ambivalenz von plötzlich aus dem tiefen blauen Ozean auftauchenden Inseln und den ausgeprägten türkisen Flachwassergebieten so deutlich wird, so plastisch hervortritt, wie eben am berühmten „Glass Window“ auf Eleuthera. Noch bis ins letzte Jahrhundert hinein gab es hier einen natürlichen Felsbogen, ausgehöhlt von dem aus Osten heran brausenden Atlantik (auf dem sich auf dieser Breite den Wellen seit dem afrikanischen Festland kein Land mehr in den Weg gestellt hat). Mehrere Stürme zu Beginn des 20. Jahrhunderts aber brachten sie zum Einsturz, auch die als Ersatz gebauten Straßenbrücken mussten danach mehrfach erneuert werden. Und so ist es heute eine schmuck- und pfeilerlose Betonbrücke, die das „Glass Window“ überspannt. Selbst nicht im eigentlichen Sinne schön, gibt sie doch den Rahmen für den Blick vom Türkis zum Blau – oder umgekehrt.

Wir ankern in einiger Entfernung, direkt an der Bücke ist es zu flach für unsere Boote.

Die Fahrt hier her war (nachdem wir die enge Felsenausfahrt von Hatchet Bay Harbour passiert hatten) wieder einmal feines Buddyboating, noch dazu hatten wir endlich mal wieder unterwegs Angelglück, ein leckerer großer Mutton Snapper ging uns an n Haken. Vielleicht, weil wir für die knapp 7 sm faulerweise nur die Fock ausgerollt hatten und entsprechend nicht ganz so flott unterwegs waren.

Ziel war aber nicht nur das Glass Window, sondern auch „Queen’s Bath“, das sich ganz in der Nähe auf der Atlantikseite findet. Der Ozean brandet hier an natürliche Felsterrassen und hat über die Zeit verschiedene Becken und Mulden herausgespült. Je nach Wasseraustausch variiert auch die Temperatur (und die Anzahl der Duschen und Sprudelbäder). Selbst in Halbhöhlen beschattete natürliche Badewannen sind zu finden.

Nach ausgiebigem Genuss dieser (wieder einmal) eintritsfreien Wellnessanlage und einem kurzen Abstecher zur ebenfalls fußläufig gut erreichbaren Felsfomation „Cow & Bull“ verholen wir uns mit unseren Booten ein Stück zurück zu dem zu unserem Fang passenden Mutton Fish Point, dessen Felsnase uns besseren Schutz vor dem Südschwell bietet.

Und – neben glasklarem Wasser und tollem Schnorcheln zwischen intakten Fächerkorallen – überraschend eine wunderbare Einstimmung darauf bietet, was uns bei der demnächst anstehenden mehrtägigen Passage von den Bahamas in die USA erwarten könnte: schönes Geschaukel 🥺😉😎 :

Alabaster Bay und Hatchet Bay Harbour: auf zu den Ananasfeldern!

Von Governor’s Harbour segeln wir weiter nach Nordwesten, immer entlang an der langgestreckten Küstenlinie von Eleuthera. Die Insel zieht sich als zumeist schmales Band mit y-förmigen Ausweitungen an beiden Enden etwa 180 Kilometer lang in dieser Richtung.

Als nächsten Ankerplatz wählen wir die Alabaster Bay, sie bietet bei der derzeit wieder starken südlichen Komponente in den vorherrschenden Ostwinden guten Schutz. Und den können wir auch brauchen, denn es zieht ein Gebiet mit Squalls und Gewittern über uns hinweg. Wir igeln uns ein und nutzen die zwischenzeitlich schöneren Phasen zum Schnorcheln. Dabei kommt auch die „Hawaiian Sling“-Harpune wieder zum Einsatz. An zwei aufeinander folgenden Tagen schießen Ingo und ich damit an einem nur etwa 40 m langen Riffabschnitt elf (11) Rotfeuerfische.

Die Schädlichkeit dieser invasiven Art für die hiesige Fischwelt, aber auch die Schmackhafigkeit der Exoten hatte ich HIER schon mal erläutert. Es ist ein bisschen aufwändig, erst (mit der Feuerwehrschere) die Giftstacheln zu entfernen und dann die recht kleinen Fische zu filetieren, aber ich werde langsam geübt darin und sie sind wirklich lecker.

Nach ein paar Tagen zieht es uns aber weiter, nur leider erweist sich unser ausgeguckter Ankerplatz bei Gregory Town als zu ungeschützt, der Schwell der immer noch südöstlichen Winde lässt uns ein ganzes Stück zurück nach Hatchet Bay Harbour motoren. Dieser See mit künstlichem Durchbruch zum Meer ist hervorragend geschützt, kommt allerdings in unserem (ziemlich alten) Törnführer nicht gut weg. Macht aber nichts, nachdem wir uns durch die schmale Einfahrt getastet haben gefällt es uns ganz gut.

Der Ort (Alice Town), oft auch einfach Hatchet Bay Harbour genannt, ist zwar eher ärmlich und mit durchgehend sehr einfacher Bebauung, ganz anders als zuletzt Governor’s Harbour.

Aber natürlich gibt es – bei richtiger Kameraperspektive – auch ausgesprochen schöne Stellen 😉

O.k., schaut man nach links, sieht es man die Baustellen und auch deutlicher das marode Palmblattdach der Schirme:

Worauf es ankommt, es gibt einen kleinen Supermarkt und die Menschen sind superfreundlich. Wir treffen die Crew der kanadischen „Petit Chantier“, außer der Easy-One und der Flora das einzige Segelboot in der Bucht. Sie erzählen Wiebke und mir von einer außerhalb gelegenen Höhle, wir ihnen von etwas entfernt liegenden Ananas-Plantagen. Gemeinsam fragen wir Renaldo, den Barkeeper der Bar am Dinghydock, nach Entfernung und Erreichbarkeit der beiden Ziele. Schwups, werden wir von ihm in seinem Auto dorthin gefahren, er muss angeblich ohnehin noch irgendwo Eis und Spirituosen besorgen. Wir sollen ihm eine WhatsApp schicken, wenn wir fertig sind, dann holt er uns wieder ab. Unterwegs stellen wir fest, dass es tatsächlich sonst ein ziemlich langer Marsch geworden wäre.

Annabelle und El (französischsprachiger YouTube Channel: Voiliers les Copains) haben Lampen dabei, schließlich hatten sie die Höhlentour geplant. Wir haben zwar nur die Handy-Funzeln, aber zusammen reicht es. Tatsächlich sind die „Hatchet Bay Caves“ riesig, sie sollen sich über eine Meile hin ausbreiten. So weit gehen wir nicht, aber es ist trotzdem beeindruckend. An der Straße nur ein Schildchen, dann Feldweg und irgendwann ein Loch. Kein Eintrittsgeld, kein Reiseführer, keine Schautafel. Einfach nur ein Loch und ein paar Stufen, die hineinführen. Von der nur über diesen schmalen Einstieg erreichbaren ersten Höhlenkammer geht es – nun nur noch von den mitgebrachten Lampen beleuchtet – über eine Holzleiter eine Ebene weiter nach unten. Dort erwarten uns Gänge, die wie ein trocken gefallener unterirdischer Fluss anmuten, zwischendurch in Abständen immer wieder größere Räume, manchmal möchte man sie Kathedralen nennen, dazu Stalagmiten und Stalagtiten in großer Zahl, Fledermäuse, allerdings auch einiges an hingesprayten Namenszügen, vielleicht ein Nachteil des einfachen unkontrollierten und kostenlosen Zugangs.

Zwischendurch löschen wir kurzzeitig unser Licht und lauschen in die dunkle Stille. Ein wunderschönes Erlebnis.

Wieder draußen werden wir von vier aufgeregten Hunden empfangen, zum Teil mit neuen Halsbändern. Stürmisch, aber auch zutraulich und ausgeprägt an unseren Rucksäcken interessiert, obwohl nichts essbares darin ist. Sie begleiten uns bis zur Ananasplantage, die ein Stück weiter die Straße hinauf liegt. Für Führungen ist sie zwar derzeit geschlossen, aber die Ananasfelder und das daneben angebaute Obst und Gemüse (vor allem Bananenstauden, Papaya und Paprika) sehen wir ja trotzdem.

Die Ananas, ein im Boden wurzelndes Bromeliengewächs mit fleischigem Fruchstand, wurde als Kulturpflanze wahrscheinlich zuerst im Amazonasgebiet angebaut und von den Indigenen „Anana“ (hervorragende Frucht) genannt. Sie war bei Maya und Azteken bekannt und wurde vermutlich von den Cariben auf die nach diesem Stamm benannten Inseln verbreitet.

Hier auf Eleuthera wurde (deutlich später, vor allem im 18. und 19. Jahrhundert) Ananas-Landwirtschaft so intensiv betrieben, dass die Bahamas zwischenzeitlich einer der großen Exporteure dieser Frucht waren, allerdings sind diese Zeiten längst wieder vorbei. Interessanterweise konnten die damals sehr exklusiven Früchte zwar geschnitten in die nahen USA verschifft werden, zum fernen (politischen) Mutterland England aber mussten sie aufwändig als ganze Pflanze mit Wurzelwerk verschifft werden, bis 1857 in Governor’s Harbour die erste Dosenfabrik dafür eingerichtet wurde.

Heute sind die Bahamas nicht mehr unter den Top 10 der Ananas produzierenden Länder zu finden. Nichtsdestotrotz rühmt sich Eleuthera auch heute noch, die wohlschmeckendsten und süßesten dieser Früchte hervorzubringen, sie finden sich auf der Währung und werden als Symbol der Gastfreundschaft und des Wohlstands verehrt und in Liedern besungen (wie uns Renaldos Vater am Abend bestätigt)

Governor’s Harbour

Eine Nacht bleiben wir an dem vergleichsweise offen gelegenen, aber auch sehr schönen und ruhigen Ankerplatz bei Sands Cay.

Der südlicher drehende leichte Wind sorgt am nächsten Morgen dann doch für etwas Schwell und so segeln wir – mal mit Fock, mal mit Code0 – gemächlich die kurze Strecke weiter nach Governor’s Harbour. Hier, etwa in der Mitte von Eleuthera, begann 1648 die Wiederbesiedelung der Bahamas nach dem gut 100 Jahre zuvor erfolgten Genozid an den Tainos.

Das vorgelagerte und ursprünglich mit einer Brücke angebundene Cupids Cay sorgt für Naturhäfen, die auch bei nördlicheren oder südlicheren Winden guten Schutz bieten und tatsächlich kommt der leichte Südostschwell hier nicht hinein.

Und auch der Ort weiß zu gefallen. Ein schöner Sandstrand säumt die Bucht, eine palmenbestandene Promenade gleich dahinter, zwei Kirchen, aus denen die kräftigen melodischen Gesänge am Sonntag zu uns herüberschallen, selbst der Friedhof liegt in bester Lage.

Verglichen mit der zwar bunten aber oft eher einfachen Bebauung der meisten kleinen Orte in den Bahamas wirken alte wie neue Häuser hier fast schon mondän mit ihren liebevollen Details, Schnitzereien, den üppigen Balkonen und Veranden.

Und die Pflanzenwelt mag da nicht zurückstehen. Üppig wie zuletzt selten grünt und blüht es überall, bei dem Mangobaum rechts im Bild drücken die vielen noch etwas unreifen Früchte die Äste bis fast auf den Boden hinunter.

Wir können das alles auf einem langen Spaziergang hinüber zum Atlantikstrand auf der Ostseite der Insel ausgiebig erkunden. Rosa soll der Stand sein, ein „Pink Beach“. Und tatsächlich:

Der Großteil des Strandes sieht eigentlich ganz normal aus, wunderschön feinsandig, breit und eben sandfarben. In dem Spülbereich aber schimmert es deutlich rosa, die (durch die vorgelagerten Riffe) nur kleinen Wellen hier sehen ein bisschen aus wie ein quirlender Erdbeer-Shake. Und auch das zurücklaufende Wasser ist mit rosa Pünktchen durchsetzt. Der Grund dafür sind „Foraminifera“, kleine Korallentierchen mit hellrosa Schale. Sie leben normalerweise an der Unterseite von bestimmten Riffen (eben auch den hier vorgelagerten) und ihre Überreste werden nach dem Absterben mit Sand und Korallenresten vermischt angespült. Offenbar sind sie etwas leichter als der Sand und werden deshalb im Spülbereich immer als erstes mitgenommen.

Faszinierend, aber ein anderes Naturphänomen zieht dann auch unsere Aufmerksamkeit auf sich:

Hm, da machen wir uns doch lieber auf den Rückweg. Allerdings kehren wir dabei noch im Buccaneer‘s Club ein, einem liebevoll eingerichteten Restaurant mit überwiegend Außengastronomie unter dem schützenden Blätterdach alter Bäume.

Der Regen und die Gewitter verschonen uns noch einmal, holen uns heute aber auf dem Ankerplatz ein. Na ja, so viel Grün hier braucht wohl auch etwas Regen. Und das Schiff wird gründlich entsalzen 😉.

Die Schönen und die „Biester“ mit dem dritten Auge

Das Dorf löst sich auf. Ein letzter gemeinsamer Spieleabend auf der Easy-One hier in den Allans Cays und dann geht die Caroline Richtung Nassau. Die schweizer Jollity und die Thula hatten sich schon in Norman’s Cay verabschiedet. Ein bisschen Wehmut und viel Freude über die schöne gemeinsame Zeit.

Wir ankern auf dem sandigen Flach im Pass zwischen Allans Cay und Leaf Cay. Einmal mehr viel Strömung, aber was für ein Ankerplatz.

Und weil ich mehrfach darauf angesprochen wurde: die drei Drohnenfotos sind farblich nicht bearbeitet, die Klarheit des Lichts hier und eben auch die blau-türkisen Farbspiele sind kaum zu glauben aber echt!

Neben der landschaftlichen Schönheit lockt die Inselgruppe der Allens Cays mit den hier heimischen Rock Iguanas, die sonst nur noch auf Andros und auf Bitter Guana Cay vorkommen, wo wir sie erstmals gesehen haben. Diese Reptilien erscheinen manchen (meiner Schwester z.B.) wie Biester aus einer anderen Zeit. Und wirklich, die Urzeit-Tiere haben mit ihrem Saurieraussehen etwas durch die Jahrtausende hinübergerettet, was ebenfalls schier unglaublich scheint: ein drittes Auge. Nicht das Ajna Chakra Yoga-Auge der Intuition, sondern ein biologisches. Echt jetzt. Das „Scheitelauge“ oder Pinealauge genannte Organ weist zwar keine Iris, aber tatsächlich Linse, Netzhaut und Sehnerv auf. Wie der Name verrät sitzt es mittig oben auf dem Schädel, geschützt von einer transparenten Schuppe. Klein und deshalb kaum zu erkennen, aber doch sehr faszinierend.

Überhaupt kann ich der Versuchung einer weiteren Portrait-Session mit diesen Echsen nicht widerstehen ☺️.

Die Schöne und das Biest (1):

Die Schönen und das Biest (2):

Die Möve macht ebenso wie die Fliege auf dem Auge im quadratischen Portraitfoto oben ganz gut die nicht so drachenmäßig beeindruckende Größe der „Northern Bahamas Rock Iguanas“ deutlich. Es ist übrigens eine Aztekenmöve, eine nahe Verwandte unserer Lachmöven (klingt auch ganz ähnlich, Beine und Füße sind aber schwarz statt rot und die weiße Schminke um die Augen ist kräftiger). Sie ist weit verbreitet, wir sehen (und erst recht: hören) hier kaum andere Seevögel. 😉

Nicht zum Lachen: unser schöner Schlaf in der Nacht nach dem Spieleabend wird von einem anderen Geräusch jäh unterbrochen. Nachts um 1.00 Uhr laufen die elektrischen Davits an. Will einer unser hochgezogenes Dinghy klauen oder hat der heftige Schauer vom Abend Spätfolgen hinterlassen? Wir stürmen nach einem Moment der Orientierung hinaus ans Heck, die Elektromotoren laufen noch immer und versuchen steuerbords, das Dinghy über den Anschlag hinaus hoch zu ziehen, während am Backbord-Davit das Heck von Florecita mit dem daran befindlichen Außenbordmotor komplett abgelassen wurde. Die Schalter am David sind beide funktionslos. Wir kappen an Steuerbord die Befestigung im Dinghy und wenden uns dann drinnen der Fehlersuche zu. Erstmal die Sicherung, aber in dem Moment brennt die 100 Amp Sicherung der Davits gerade durch.

O.k., Ruhe im Schiff. Dann die Achterkoje freiräumen, unter unseren Matratzen sitzt die Steuerung der Davits. Der Kasten fühlt sich warm an, aber nach dem Öffnen zeigt sich, dass nichts durchgeschmort ist. Nur die Relais sind heiß, aber jetzt ist ja die Sicherung raus. Also erst mal weiterschlafen und bei Tageslicht schauen was wir tun können. Hm. Beim Einschlafen gehe ich schon mal durch, wie wir das Dinghy manuell in den Davits sichern können. Zeigt mein (angemessen) geringes Vertrauen in meine eigenen Elektrik-Reparatur-Fähigkeiten, auf dem elektrischen Auge bin ich ziemlich blind, das manuelle Aufholen von Florecita müsste aber jedenfalls klappen.

Das Auseinanderbauen der Davits bringt dann leider auch keine neue Erkenntnis, keine offensichtlichen Scheuerstellen an den Kabeln, die Steckverbindungen scheinen in Ordnung. Immerhin bekommen wir das verklemmte Zugseil im Steuerborddavit wieder gängig.

Wir bauen die Schalter aus. Wenn wir jetzt eine neue Sicherung einsetzen, können wir jedenfalls sehen ob es an den Schaltern liegt. Aber halt, der kleine schwarze Kasten an der Steuerung der Davits, das ist doch das Empfangsteil der seit zwei Jahren nicht mehr funktionierenden Fernsteuerung. Sollte da …, aber das kann doch nicht sein, oder?

Die Fernsteuerung wird herausgesucht und BLINKT ROT! Haben wir in der nicht mehr funktionierenden, keine Regung bewirkenden Fernsteuerung wirklich die Batterien drin gelassen? Wie kann man denn so blöd sein? Und – ist das die Ursache? Batterien raus aus der Fernsteuerung, Sicherung rein. Nichts schmort, die Elektromotoren bleiben ruhig. Schalter wieder angeschlossen, funktioniert. Das wars.

Durchgebrannte Sicherung und Ursache

Erkenntnis des Tages: Wie bei dem französischen Volksmärchen (und seinem Disney-Derivat) ist nicht immer alles so biestig wie es beim ersten Anschauen scheint. 😁

Warderick Wells Cay

Mit dem in die Mastspitze gezogenen Aliv-Router haben wir hier sporadisch doch noch ab und zu Empfang. Also nur ein ganz kurzes Update:

Nach dem Motoren durch die aufregend schmale und flache Passage westlich von Bell Island und einem Stückchen herrlichem Amwind-Segeln sind wir auf dem mitten im Exuma Cays Land and Sea Park liegenden Warderick Wells Cay angekommen. Die Gegend macht dem Namen des Parks alle Ehre. Tatsächlich scheinen Land und See zu verschmelzen, ineinander überzugehen, gegenseitig aneinander festzuhalten. Die Grenze ist mit der Tide fließend, die Landschaft dadurch einmalig schön. Es gibt zwar Bojen in den beiden tiefen Prielen vor der Nationalparkverwaltung, aber die Strömung ist dort enorm und die Windvorhersage von kräftigeren NE ist nicht ideal. Wir haben uns deshalb für den ruhigeren Anker- und Bojenplatz am Emerald Rock (=Smaragdfels) entschieden, wobei die Bezeichnung von der Wasserfarbe hier und nicht von dem Felsen herrührt.

Wir machen einen kleinen Hike hoch auf den “Boo Boo Hill”, den Spukhügel. Ist aber grade keine Vollmondnacht, in der die verlorenen Seelen eines untergegangenen Missionarsschiffes hier singenderweise herumgeistern sollen😉. Oben auf dem Hügel gäbe es eine weitere Gelegenheit, wie so viele andere Crews vor uns den Schiffsnamen auf Treibgut zurückzulassen. Allerdings lassen wir das diesmal aus (anders als im Hog Cay Yacht Club auf den Ragged Islands), zu wirr, zu sehr an einen Scheiterhaufen erinnernd finden wir die zusammengeworfenen Treibhölzer.

Aber die Aussicht ist klasse. Und auch das anschließende Schnorcheln begeistert erneut, bei mehreren Korallenbommies und auch im Kanal sind Dinghymoorings angebracht, äußerst bequem.

Von ganz klein (hier gleich 4 Flamingozungen auf einer Gorgonie (Fächerkoralle) über größer und auch bunt (Königin-Drückerfisch, dann Nassau-Zackenbarsch, dann Mutton Snapper)

bis hin zu den karibischen Riffhaien:

Aquarium

Wenn die Seekarte schon den Hinweis auf zwei Schnorchelbojen und die Ortsbezeichnung „Aquarium“ enthält sollten wir da wohl nicht einfach dran vorbei segeln. Und so schlängeln wir uns durch den Bell Cut an ein paar Felsen und um Pastue Cay herum. Eigentlich wollten wir ankern, aber der Ankergrund ist hier vor O’Brien’s Cay etwas tricky. Es ist fast bis zum Ufer etwa 7 m tief, die Strömung ziemlich stark und auf dem Boden finden sich einige Korallenbereiche. Da nehmen wir dann doch gerne eine der 4 Bojen, die vom „Bahamas National Trust“ hier im Exuma Cays Land and Sea Park angebracht wurden (Ankern im Park 22 $, Bojen 35 $ pro Nacht für unsere Schiffslänge). Eine fünfte Boje liegt etwas abseits, näher an Johnny Depps Privatinsel (Little Halls Pond Cay) und hat eine andere Aufnahme, sie ist direkt an einem Flugzeugwrack befestigt und wohl nicht für Yachten ausgelegt.

Aber als wir mit dem Dinghy dort festmachen um die auf dem Kopf liegende recht gut erkennbare Cessna zu beschnorcheln ist die Strömung einfach noch zu stark. Also zurück zur Flora. Später tauchen wir dann erst einmal ins Aquarium ein und werden als Neuankömmlinge von einem Franzosen-Kaiserfisch und diversen gestreiften Riffbarschen beäugt.

Aquarium. Und es fühlt sich wirklich so an. Wir schnorcheln einmal rund um die kleine Insel, die der Nordwestspitze von O‘Brien‘s Cay vorgelagert ist. Viele bunte Korallen und einiges an Fisch, wobei sich die Unterwasserwelt direkt bei den Bojen am dichtesten bevölkert präsentiert.

Weiblicher Grüner Papageifisch und …
das dazugehörige männliche Exemplar
Gelbstreifen-Grunzer, französische Grunzer und ganz rechts verschwindet gerade ein Eichhörnchenfisch
„Sergeant Majors“, gestreifte Riffbarsche
Blaustirn-Kaiserfisch in einem Riesen-Honigschwamm

Es ist herrlich bunt hier. Aber jetzt, kurz vor Stillwasser, probieren wir es auch noch einmal bei der Cessna und diesmal klappt es ganz gut.

Rumpf, Tragflächen und sogar der Propeller der auf dem Kopf liegenden Maschine sind gut zu erkennen. Die Seitentüren fehlen, wir können sogar durch den Flieger hindurch tauchen.

Am nächsten Tag bei Windstille vom Paddleboard aus aufgenommen:

Bei dieser Aktion fällt mir dann blöderweise die GoPro (natürlich ausnahmsweise ohne Schwimmgriff) ins Wasser und verschwindet mit der Strömung in der Tiefe. Ein Rettungsversuch ohne Tauchermaske schlägt fehl. Grr. Ich versuche, ungefähr an der Stelle zu bleiben, Wiebke holt meine Taucherbrille und Flossen. Und alarmiert unsere Segelfreunde. Schwups, kurz darauf sind Ingo (Easy-One), Janna (Thula) und Jochen (Caroline) da und wir schnorcheln im Suchraster das Gebiet ab, wobei die Strömung mit der auflaufenden Tide immer weiter zunimmt. Wenn die GoPro auf dem Sandboden gelandet ist, müssten wir sie finden. Ist sie irgendwo in den Korallen, wird es schwer. Jonas und Jonathan (Jollity) kommen auch noch dazu und suchen außerhalb unseres Musters. Erlösung: Jonas findet die Kamera direkt an einer Koralle ☺️. Das gibt dann eine große Sundowner-Runde auf der Flora 🍹 🍻. Wow, richtig Glück gehabt.

V.l.n.r.: Ilja, Andrea, Natalja, Wiebke, Ralf, Janna, Jochen, Jonathan, Leonie, der Held Jonas verdeckt, Ingo

Compass Cay

Die Entfernungen sind klein hier in den Exumas, statt langer Schläge ist es mehr ein Hüpfen von Insel zu Insel, die Ankerplätze liegen praktisch in Sichtweite voneinander. Trotzdem müssen wir „außen rum“, also hinaus in den tiefen Exuma Sound und dann wieder durch einen Cut hinein zwischen (und hinter) die Inseln.

Von Staniel Cay kommend wählen wir als nächstes Compass Cay. Schon der Name ist verlockend maritim, aber vor allem interessieren uns der Hike durch das fast trocken fallende kleine Flussbett und – da sind wir durch die Thunderball-Grotte offenbar auf den Geschmack gekommen – die per Dinghy erreichbaren Höhlen in den gegenüber liegende Rocky Dundas.

Zunächst liegt die Flora noch allein mit der Easy-One in der Bucht, doch kurz darauf gesellen sich die Thula und die Caroline dazu. Vier deutsche Boote“! Für die Thula ist der Besuch auf Compass Cay eigentlich Pflicht, lautet das Motto (auf ihrer Website) doch: LIVE YOUR LIFE BY COMPASS, NOT BY CLOCK. 😎

Und später am Tag kommen dann die holländische Doejong und die schweizer Jollity auf den Ankerplatz, beide Boote und Besatzungen kennen wir von früheren Begegnungen.

Die Höhlen der Rocky Dundas sind weniger bekannt wie die Thunderball-Grotte, aber auf ihre eigene Art ebenso attraktiv. Sie liegen bereits im „Exuma Cays Land and Sea Park“ und tatsächlich ist das Unterwasserleben vor den Grotten bunt und reichhaltig. Viele gesunde Korallen und entsprechend auch die dort Schutz findenden Rifffische begrüßen uns, als wir an einer der beiden vor den Höhlen angebrachten Dinghybojen festmachen.

In dem ziemlich flachen Wasser in den Höhlen selbst dann nur wenig Fisch, dafür aber eine beeindruckende Felsenlandschaft mit Stalagmiten und Stalagtiten, die wiederum durch Löcher in der Höhlendecke ganz malerisch beleuchtet wird. Und ein Farbenspiel, dass von dem pinkfarben bewachsenen Stein im überspülten Bereich über die grün bemoosten Wände bis zu ockerfarben matten und bläulich glänzenden Flächen im oberen Höhlenbereich reicht.

Nach einem ersten Besuch mit Wiebke, Andrea und Ingo fahren Ingo und ich noch ein zweites Mal hinüber, diesmal mit Janna und Ilja von der Thula.

Die Wanderung durch das Bachbett auf Compass Cay macht man am besten bei Hochwasser. Nicht wegen des Hikes selbst, sondern weil am Ende ein Bad in „Rachel’s Bubble Bath“ wartet. Bei Hochwasser (und Ostwind) schwappen die Wellen über die schmale Felswand, die Nordspitze von Compass Cay mit dem Rest der Insel verbindet. Das Luft-Wasser-Gemisch blubbert dann in den natürlichen Pool, aus dem heraus der Bachlauf dann zu unserem Ankerplatz fließt.

Ein gemeinsamer Abend am Strand, ein Spieleabend (Mexican Train Domino) mit den Andrea, Natascha, Ingo und Jochen auf der Easy-One. Wir sind sehr dankbar dafür, dass so etwas auch in Covid-Zeiten hier möglich ist. Viele Segler konnten sich inzwischen bereits impfen lassen, wir hoffen, dass es für uns direkt nach der Einreise in die USA klappen wird.

Vorher möchten wir aber die Bahamas noch ausgiebig weiter erkunden. Dabei kommen wir jetzt in den Exuma Cays Land and Sea Park, wo wir allerdings nur noch sehr eingeschränkt Internet haben werden, in weiten Teilen wohl gar keins. Also nicht wundern, wenn die nächsten Blogbeiträge evtl. keine Bilder haben 😉.

Grottig?

Staniel Cay ist DAS touristische Zentrum der Exumas. Mit Fluganbindung für Tagesausflügler, mehreren Resorts, den berühmten „Muss man gesehen haben“ – schwimmenden Schweinen. Und der „Thunderball-Grotte“, benannt nach dem vierten James Bond von 1965, der in Teilen dort gedreht wurde (und auch die 1983 unter dem Titel „Sag niemals nie“ erschienene Neuverfilmung, wie das Original mit Sean Connery als 007).

Reichlich AIS-Signale lassen sich schon aus der Entfernung ausmachen, wollen wir da wirklich hin? Gerade war es doch noch so schön idyllisch am ruhigen Ankerplatz bei den Urzeitechsen. Aber die meisten Boote sowie ein paar Superyachten liegen hinter Big Majors Spot (vor dem Strand der schwimmenden Schweine), wir dagegen fädeln uns zwischen der Felsenkette hindurch, an deren nördlichen Ende die Grotte liegt. Thula liegt schon dort, gemeinsam mit nur zwei anderen Schiffen. Wirklich voll sieht anders aus und die innere Abwehrhaltung ist schon mal deutlich geschwächt 😉.

Noch ist Niedrigwasser und nur drei Dinghys liegen vor der Grotte. Wir nehmen das als Chance. In die Höhle kann man bei Niedrigwasser hineinschwimmen, zudem gibt es mehrere Unterwassereingänge, durch die die auf dem Sandgrund reflektierende Sonne wie Unterwasserlampen blaues Licht hineinschickt. Und jetzt zur Mittagszeit strahlt die durch Löcher in der Höhlendecke Spot-Beleuchtungen hinunter.

Die Grotte erscheint im Inneren wie eine grün bemooste Kirchenkuppel, dazu die blaue schimmernden Unterwasserfenster, durchdringende Strahlen, bunte Fische, die Luftblasen von uns Schnorchlern, schon beim Hineinschwimmen sieht das magisch aus.

Und so richtig entfaltet sich der Zauber erst unter Wasser:

Und wenn das „Must See“- Programm hier schon so positiv überrascht, fahren wir mit dem Beiboot doch gleich auch noch um die Ecke. Da liegt die Easy-One, außerdem direkt vor ihr auch noch die Caroline aus Berlin, mit denen wir bisher nur per sozialen Medien Kontakt hatten. Aber Natascha und Jochen sind an Bord und so schnacken wir uns gleich bei ihnen fest. Fast hätten wir die schwimmenden Schweine darüber vergessen, aber vom Cockpit der Caroline haben wir einen guten Ausblick auf den „Schweinestrand“ und als am späten Nachmittag nur noch wenige Boote dort hinfahren, nutzen wir auch diese Chance.

Die Schweine leben auf der Insel und werden auch regelmäßig gefüttert, trotzdem: sobald ein Dinghy oder kleines Motorboot auf den Strand zufährt, kommt auch Bewegung in die Schweine. Sie trotten ins Wasser und schwimmen den Dinghys entgegen in der (oft begründeten) Hoffnung, von deren Besatzungen gefüttert zu werden. So haben sie sich zu einer Attraktion entwickelt, die auch in den eng gepressten Terminplan der Tagesausfügler gepackt wird. Schweinetypisch sind die Borstenviecher übrigens bei der Fütterung nicht eben zimperlich. Wenn Essbares im Boot ist, wird nicht nur wild gegrunzt, sondern auch gestupst und es werden auch schon mal die ja frisch gewaschenen Pfoten aufs Boot gedrückt, als wollten sie einsteigen. Wer an Land watet, um die Ferkel zu streicheln oder ein Selfie mit Sau oder Eber zu ergattern, bekommt von den Tourguides den guten Rat, die Hände nie nach unten, sondern stets nach oben zu halten. Wäre ansonsten unglücklich, wenn die Schweine die Finger mit Mohrrüben (auf die sie besonders erpicht sind) verwechseln. Das sieht allerdings dann ein bisschen so aus, als würden sich die an Land watenden Menschen den Schweinen ergeben 😂.

Auch zu uns kommen die Schweine angepaddelt, drehen eine Runde um Florecita und schwimmen dann mangels Fütterung wieder zum Strand (oder zum nächsten Boot).

Ein gemeinsamer Sundowner mit den Crews der Easy-One und der Caroline am Cruisers Beach gleich nebenan schließt den Tag würdig ab.

Heute dann gehen wir erst einmal in den Ort, Vorräte ergänzen. Nicht der preiswerteste Platz der Welt dafür, ein Liter H-Milch kann schon mal 6 US-Dollar kosten. Ist aber auch gerade kein Großeinkauf fällig, wir ergattern immerhin wieder einiges an Frischem, was uns auch für die Weiterfahrt in den Nationalpark (dort keine Einkaufsmöglichkeiten) ein kleines Polster verschafft.

Wir schlendern noch etwas durch den Ort und am Fähranleger fällt uns ein kleiner Steg auf, auf dem eine Frau Fische putzt. Ein Blick ins Wasser:

Die (ziemlich harmlosen aber zum Teil ganz schön großen) Ammenhaie und einige Rochen tummeln sich neben ihr im Wasser und versuchen die Fischabfälle zu ergattern.

Ganz gut kann man bei den Ammenhaien die im Nasenbereich ansetzenden Barteln erkennen, kleine fadenförmige Fortsätze mit Geschmacksknopen und Tastkörperchen, mit denen die nachtjagenden Tiere am Grund ihre eigentliche Hauptnahrung wie Seeigel und Krabben aufspüren, die sie dann einsaugen.

Danach gehts für uns wieder ins Wasser: ein weiteres Mal schnorcheln in der Grotte – einfach weil es uns so gut gefällt. Diesmal macht ein Typ mit Tauchscooter kurzfristig die eigentlich nicht sooo große Höhle unsicher, verzieht sich aber schnell wieder nachdem er beim Auftauchen mit dem Scheitel an der Höhlendecke bremst. Und auch wir wechseln den Schnorchelplatz, vor Staniel Cay gibt es – wie könnte es anders sein – auch noch ein Flugzeugwrack zu beschnorcheln, diesmal in ganz flachem und ruhigem Wasser.

Nur Flugzeugreste im öden Sand? Ein Blick unter die Tragfläche zeigt überraschend viel Farbe und Leben:

Und dann gibt es auch noch etwas zu feiern: Natalja hat Geburtstag und so treffen wir uns in geselliger Runde am Abend im Restaurant des Staniel Cay Yacht Club.

Wow. Der Aufenthalt hier in Staniel Cay hat sich dann doch als rundum schön und alles andere als grottig erwiesen.

Insel der Felsendrachen

Unser nächster Ankerplatz liegt bei Bitter Guana Cay. Dieses Mal können wir westlich der Inselkette bleiben und müssen nicht durch einen Cut hinaus in den Exuma Sound und dann wieder hinein in den Schutz der Inselkette segeln. Die Bucht weist einen schönen Sandstrand, aber auch eine malerische Steilküste mit leuchtend weißen Felsen auf, kaum ist der Anker gefallen, fahren wir hinüber.

Eine Besonderheit der von Menschen unbewohnten Insel sind die hier heimischen „Northern Bahamas Rock Iguanas“, diese Felsenleguane sind eine insgesamt bedrohte Tierart, die aber auf Bitter Guana Cay in großer Zahl leben. So hat sich die Insel zu einer Attraktion entwickelt, die wegen der Nähe zu dem Touristenhotspot Staniel Cay sogar in das Programm der Tagesausflüge (wörtlich zu nehmen, ✈️) von Nassau und Miami aufgenommen wurde. Faktisch folgt daraus, dass gelegentlich kleine Motorboote von Staniel Cay herübergesaust kommen und acht bis zehn Leute auf den Strand spucken, die dann aber nach 20 Minuten schon wieder abfahren. Die meiste Zeit des Tages sind wir allerdings allein in der Bucht. Na ja, nicht wirklich allein, denn die Felsenleguane sind eben an Menschen gewöhnt und kommen auf uns zu, sobald wir den Strand betreten, selbst wenn wir sie nicht füttern.

Diese Unterart (es gibt auch noch den Allan’s Cay Iguana und den Andros Iguana) zeigt ein eher dunkles, direkt nach der Häutung leicht bläulich erscheinendes Schuppenkleid mit vielen individuellen pinkfarbenen Sprengseln vor allem auf den Wangen, dem Nasenrücken und dem Kehllappen, am Bauch und den Beinen und dem Rückenkamm. Anders als die weit verbreiteten Grünen Leguane sind ihre Rückenstacheln ziemlich klein, eher gezackte Ausformungen des wulstigen Rückenkammes und bis auf die rosa Farbe fast unauffällig.

Sie haben zwar kräftige Krallen, aber als Pflanzenfresser Zähnchen, die ihrem sonst martialischem Aussehen mit der wie blutunterlaufen scheinenden rötlichen Lederhaut der Augen zu spotten scheinen. Aber es passt auch wieder, denn sie sind friedlich, hier offensichtlich an Menschen (und Fütterung) gewöhnt und kein bisschen aggressiv, obwohl sie so urzeitlich aussehen, dass Wissenschaftler und Filmemacher sich bei ihnen Anregungen für die Rekonstruktion des Aussehens von Dinosauriern geholt haben sollen. Und sie sind mit im Normalfall unter einem Meter Gesamtlänge klein genug um nicht Angst auszulösen, als sie im knappen Dutzend aus ihren schattigen Verstecken kommen und sich auf unsere am Strand angelandeten Dinghys zu bewegen.

Leguanspur
Ankerwache oder Ankerdrache?

Übrigens finden sich bei weitem nicht alle diese Echsen am Strand ein. Als wir oben auf die Steilküste klettern, sehen wir auch dort immer wieder Felsendrachen.

In diesem Fall kein Drache, sondern ein Felsen-Ingo 😁

Schnorcheln in den Exumas

Die vielen weiten und hellen Sandflächen hier verleiten zu der Vermutung, die Unterwasserwelt in den Exumas könnte eine langweilige Ödnis sein – weit gefehlt, es geht mehr als nur das Sammeln von Sand Dollars. Da sind zum einen die vom Menschen ergänzten interessanten Schnorchelziele, bewusst wie bei der Statue der Meerjungfrau am Piano oder unabsichtlich wie bei den diversen Flugzeugwracks, die hier im flachen Wasser gut zu sehen sind. Um nicht wenige davon ranken sich Legenden nach denen die Flieger zum Drogenschmuggel benutzt wurden und direkt mit bekannten Namen des kolumbianischen Medellin-Kartells in Verbindung gebracht werden.

Nicht immer muss das stimmen, gelegentlich sind die Geschichten hinter den Flugzeugabstürzen banaler, aber wie beim Seemannsgarn setzen sich mit der Zeit und jeder weiteren Überlieferung eher die spektakuläreren (und häufig spekulativeren) Storys durch. Ein schönes Beispiel dafür ist HIER erläutert.

Bei den vielen kleinen und kleinsten Landepisten, die sich hier gefühlt auf jeder zweiten Insel finden und den Schwierigkeiten, ein etwaiges Wrack zu bergen und zu entsorgen ist jedenfalls die Dichte der Flugzeugwracks ziemlich hoch. Wie auch immer, auch hier bei Rudder Cut Cay finden sich etwa in der Verlängerung der quer über die Insel verlaufenden kurzen Landepiste die Reste eines Flugzeugs im seichten Wasser, wobei kaum mehr als die Flügel zu erkennen sind.

Aber es geht auch ganz anders: in unmittelbarer Nähe unseres Ankerplatzes finden sich große Flächen mit Weichkorallen, Gorgonen und Federbüschen, immer mal wieder durchsetzt auch mit Korallenköpfen aus Hartkorallen. Bei einem Driftschnochelgang, das Dinghy hinter uns her ziehend, genießen wir auch diesen farbenfrohen Teil der hiesigen Unterwasserwelt.

Sei es mit Kaiserfisch,
Schwärmen von Grunzern,
einem Bienenwaben-Kofferfisch (mit Lippenstift ☺️)
… oder einem friedlichen Ammenhai.

Ein weiteres deutsches Schiff ist eingetroffen, die „Thula“ aus Kiel mit Janna und Ilja. Die beiden haben wie wir in 2019 die Leinen losgeworfen, aber mit ihrer 33 Fuß langen Vindö 45 in dieser Zeit die Strecke bis nach Moorea in der Südsee, dann gegen Wind und Strömung zurück nach Panama und bis hierher in die Bahamas zurückgelegt. Hut ab! So verbringen wir einen schönen Abend auf der Flora gemeinsam mit den Crews der Thula und der Easy-One.