Erstmal abtauchen auf Galápagos

Unsere ersten beiden Tauchgänge auf den Galápagosinseln machen wir heute hier auf San Christobal, genauer gesagt am vorgelagerten Kicker Rock (Roca León Dormido). Das Wetter ist super, die See ruhig, die Sicht unter Wasser leider trotzdem beim ersten Tauchgang nur mäßig, beim zweiten gar dürftig.

Trotz der bescheidenen Sichtverhältnisse gibts allerdings ein paar Highlights, es muss ja nicht immer farbenfroher Fisch sein 😉.

Zum einen zeigen sich gleich beim Sprung vom Tauchboot zwei große Hammerhaie, die sich aber gleich wieder verziehen. Wir tauchen ein paar Minuten an der steil ins scheinbar bodenlose abfallenden Felswand entlang und tatsächlich: da sind sie wieder. Diesmal eine etwas größere Gruppe.

Einen weiteren Wow-Effekt gibts gegen Ende dieses Tauchgangs, als wir eine riesige, sich bewegende Kugel aus unzähligen Fischen vor uns sehen. Man denkt unwillkürlich an Sardinen, aber dies hier ist ist ein Schwarm der auf Galápagos endemischen Schwarzstreifen-Grunzer.

Bei der Oberflächenpause zwischen den beiden Tauchgängen sind die Meinungen unterschiedlich, Wiebke fand den Aufenthalt unter dem Riesenschwarm etwas unheimlich, ich fand’s toll und faszinierend, wie diese Vielzahl von Fischen sich wie ein einziges amorphes Wesen bewegte. Mal Kugel, dann eher eine sich stets verändernde Wolke, beim Hineinschwimmen sich scheinbar ganz langsam teilend und gleich wieder die Lücke schließend.

Foto Credit: Susan (SY Ultimate)

Dann schon wieder fertigmachen zum zweiten Tauchgang. Da gabs aber leider sehr wenig zu sehen. Immerhin, die Meeresschildkröte lässt uns so nah heran, dass die schlechte Sicht fast gar nicht auffällt ☺️

Morgen steht noch ein weiterer Tauchgang, vor allem aber ein Hike an. Bei bzw. auf Española, der südlichsten Galápagosinsel. Auf dieser 60 Quadratkilometer großen, von Menschen nicht bewohnten Insel soll es insbesondere auch Albatrosse und viele Blaufußtölpel zu sehen geben. Das wäre toll. Mit dem eigenen Boot dürfen wir die Insel nicht anlaufen, da sind wir auf die drei Inseln San Christobal, Isabela und Santa Cruz beschränkt. Das Tauchboot wird dafür also zum Taxi-Fährschiff auf diesem ausgedehnten Tagesausflug.

Fender gegen Löwen an Bord

Nach dem Ankommen auf den Galápagosinseln müssen wir zunächst einmal das Schiff klar machen. Das übliche nach jeder längeren Passage, hier allerdings ergänzt um das Entfernen des Vogelkots vom Vorschiff und um eine wichtige Besonderheit: mit allen verfügbaren Fendern wird der Einstieg über die beiden schmalen Stufen an Floras Heck verbarrikadiert.

Warum? Weil die Hinterlassenschaften der gefiederten Mitfahrer auf dem Bugkorb gelinde gesagt ein Pups sind gegen das, was sich sonst auf der Flora ansammeln würde.

Jede vom Wasser aus irgendwie zugängliche halbwegs ebene Fläche wird hier auf den Galápagosinseln nämlich zügig okkupiert. Seelöwen umkreisen schon während des Ankermanövers das Boot. Im Vorbeifahren sehen wir sie auf anderen Schiffen bereits liegen. Vor allem Katamarane sind betroffen. Die unterste Stufe ihrer Plattformen am Heck ist kaum zu schützen, die meisten Skipper begnügen sich damit, den Zugang zum eigentlichen Deck zu versperren.

Aber nicht nur die Segelboote sind betroffen.

Die Seelöwen sind schlicht überall, etwa 50.000 von ihnen soll es auf den Galápagosinseln geben. Zum Vergleich: nur rund halb so viele Menschen leben auf der Inselgruppe.

Stufen am Wasser sind besonders beliebt.

Die überhaupt nicht scheuen und sehr selbstbewusst auftretenden Robben beschränken sich aber nicht auf Wasser und Ufer, auch an Land liegen sie herum, wo es ihnen gerade gefällt. In Hauseingängen, im Restaurant oder auf den Wartebänken für die Fähren zum Beispiel.

Nebenbei bemerkt: sie (oder genauer ihre Hinterlassenschaften) verbreiten einen ziemlich strengen Geruch. Und sie machen ganz schön Lärm.

Meist allerdings dösen sie friedlich vor sich hin und sehen ziemlich knuffig aus, aber täuschen lassen sollte man sich davon nicht. Zum einen können Galápagos-Seelöwen bis zu 2,70 m lang und 250 kg schwer werden, zum zweiten sind es nun einmal Raubtiere mit einem entsprechenden Gebiss. Ärgern sollte man sie nicht!

Ansonsten aber lassen sich die Galápagos-Seelöwen von uns Menschen kaum irritieren. Im Wasser sind sind die knuffigen Säugetiere zwar oft neugierig verspielt, an Land erscheinen sie jedoch zumeist träge und desinteressiert gemütlich.

Süß, aber an Bord möchten wir selbst die kleineren Vertreter lieber nicht haben. Die dagegen scheinen nicht abgeneigt und ein bisschen enttäuscht von der Fender Aktion ihrer neuen Nachbarn auf der Flora:

Übrigens: beides sind Robben aber Seehunde und Seelöwen unterscheidet einiges, so bewegen sie sich etwa im Wasser und auch an Land jeweils unterschiedlich fort. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Robbenarten wie Seehunden, Seelöwen, Seebären, Seeelefanten und Walrossen werden z.B. HIER gut erklärt. Und danach fallen die Ohren der Seelöwen auf den Bildern um so mehr ins Auge. 😉

Bildernachträge Passage Panama nach Galapagos

Wir sind da. 😊

Also angekommen auf den Galápagos-Inseln, einklariert noch nicht. Das kommt hoffentlich morgen früh, aber es scheint eine größere Aktion zu werden. Hoffen wir mal, das alles glatt geht.

Unser Internet ist noch ein bisschen mau, aber der Agent hat eine SIM-Karte vorbeigebracht, netter Emfangsservice.

Hier erst mal die versprochenen Bildernachträge zu den Blogbeiträgen der Passage. Viel blau, viele Tiere, ein bisschen grau, viel Boot, ganz viel Freude bei uns. Kriegt ihr die Bilder mit den Blogposts überein?

Und ja. Wir sind auf Galapagos. 🥂

Bildernachträge Passage Panama nach Galapagos

Wir sind da. 😊

Also angekommen auf den Galápagos-Inseln, einklariert noch nicht. Das kommt hoffentlich morgen früh, aber es scheint eine größere Aktion zu werden. Hoffen wir mal, das alles glatt geht.

Unser Internet ist noch ein bisschen mau, aber der Agent hat eine SIM-Karte vorbeigebracht, netter Emfangsservice.

Hier erst mal die versprochenen Bildernachträge zu den Blogbeiträgen der Passage. Viel blau, viele Tiere, ein bisschen grau, viel Boot, ganz viel Freude bei uns. Kriegt ihr die Bilder mit den Blogposts überein?

Brown Boobie
Rauchschwalbe
Nazca Boobie
Red footed Boobie
schuldbewusst?
matured at sea / gereift auf See

Und ja. Wir sind auf Galapagos. 🥂

Ausklariert in Panama. Stiller Ozean.

Wir klarieren aus Panama aus, es wird ernst. Auf dem Zarpe steht „con destino a GALAPAGOS ISLANDS, ECUADOR“. Also gut.

Nach dem Papierkram noch kurz letzte Einkäufe und noch einmal Müll wegbringen, beides wird für die nächste Zeit etwas komplizierter. 😉
Einmal mehr laufen mir dabei Krabbenwaschbären über den Weg, Die hatten wir vorher noch nirgends gesehen, aber hier in der Playita Marina sind sie auch tagsüber ziemlich aktiv.

Gegen Mittag gehts dann wirklich los, raus auf den Pazifik. Den (dem Namen nach) Stillen Ozean, der zugleich das größte der Weltmeere ist. Trotzdem wird es erst einmal nur ein kurzer Nachmittagstörn von 35 sm, hinüber zu den vorgelagerten noch zu Panama gehörenden „Las Perlas“-Inseln. Ganz legal, das Zarpe verlangt eine Ausreise erst in den
nächsten 48 Stunden.

Und wie als Gruß aus unserer Heimatstadt für diesen neuen Abschnitt unserer Reise kommt bei unserer Abfahrt ein Containerschiff der Hamburg Süd aus dem Panamakanal und dampft an uns vorbei.

Auch wir müssen erst ein gutes Stück vom Festland weg motoren, bis wir ausreichend Wind finden. Dann aber ist es herrliches Segeln auf glattem Wasser, erst Code0, dann Gennaker.

Am Ende noch der Wechsel auf die Fock, weil der Wind abnimmt und immer mehr von vorn kommt. Nur kurz, dann muss doch der Motor
ran, zumal die Sonne schon ganz schön tief steht.

Hunderte Pelikane ziehen an uns vorbei ebenfalls zu den Las Perlas, wie an der (Perlen-?)Schnur gezogen in langen Reihen, meist dicht über dem Wasser, manchmal auch ungewohnt hoch. Zweimal sehen wir jeweils über 50 Pelikane im Formationsflug hintereinander.

Kurz vor der Ankunft am Ankerplatz vor der Insel Contadora dann auch noch Angelerfolg, ein schöner Skipjack Tuna (Echter Bonito) geht uns an den Haken. Der erste Segeltag auf dem Stillen Ozean verwöhnt uns wirklich.

Guna Yala / San Blas: Cayos Coco Bandero und Kanlildup (Green Island)

Gibt’s das wirklich? Oder ist es nur ein Klischee? Kleine unbewohnte Inselchen, rundherum Sandstrand, dichtbestanden mit Kokospalmen, vor denen man im warmen, türkisfarbenen Wasser wunderbar ankern kann?

Doch, die gibt es. Hier in Guna Yala / San Blas sogar ziemlich viele. Und die Cayos Coco Bandero sind sozusagen eine Blaupause für diesen Langfahrertraum. In drei Gruppen verteilt liegen allein hier 9 Palmeninseln und noch ein paar weitere Sandflecken geschützt hinter einem im Nordosten vorgelagerten Riffgürtel.

Von unserem letzten Ankerplatz in den Lemon Cays segeln wir etwa 16 Seemeilen nach Ostsüdost. Eigentlich wollten wir zu den Cayos Holandes, aber die lassen wir an Backbord liegen und nutzen den etwas schwächeren Passatwind dieses Tages aus um uns hoch am Wind erst einmal weiter nach Ost vorzuarbeiten.

Als wir näher kommen, sehen wir, dass wir (wenig überraschend) nicht als einzige die etwas windärmere Phase für einen Besuch von Coco Bandero nutzen wollen.

Ein gutes Dutzend Boote hat sich ebenfalls für die mittlere Inselgruppe der Cayos Coco Bandero entschieden. Wir fahren durch den Kanal zwischen Olosicuidup und Guarladup, aber unser eigentlich favorisierter Ankerplatz zwischen diesen beiden Inseln ist schon gut belegt. Würde wohl noch passen, aber wir entscheiden uns erst einmal für den noch deutlich mehr Platz bietenden Bereich vor der nördlichen Insel Tiadup. Dort stehen allerdings derzeit nur noch fünf hohe Palmen, auf dem Großteil des Inselchens werden offenbar gerade neue Palmen angepflanzt, die aber noch sehr klein sind.

Mit dem Dinghy schauen wir uns dann noch einmal in Ruhe um, besuchen die Inseln und umwandern sie (dauert ja kaum 10 Minuten).

Mit den Crews von zwei Yachten kommen wir gleich ins Gespräch, werden zum Sundowner am Strand der mittleren Insel eingeladen. Wir schnorcheln noch ein bisschen am Riff und als wir mit Florecita zum Treffen am Strand fahren, sind zwei der Segelboote im Kanal bereits ankerauf gegangen. Kurz entschlossen brausen wir zurück zur Flora und ankern um, hier zwischen den Inseln ist es doch um einiges schöner.

Am nächsten Morgen verlassen dann nach und nach die meisten Boote den Ankerplatz. Wir bleiben und zu unserer Überraschung kommt nur ein einziges Boot neu dazu, dass außerdem noch weit entfernt ankert. Den Kanal zwischen den Inseln haben wir jetzt für uns allein.

Wie unterschiedlich und doch an beiden Tagen wunderschön die Stimmung hier ist.

Nur einen Katzensprung entfernt liegt am Sonntag unser nächstes Ziel. Kanlildup (Green Island) liegt zwei Seemeilen weiter Richtung Festland im Golfo de San Blas. Hier treffen wir auch die Berliner Susan und Holger mit ihrer HR 45 Ultimate wieder, die wir von Coco Bandero kennen. Zum Kaffee sind sie bei uns an Bord und wieder wird es ein schöner Klönschnack.

Auch hier machen wir wieder eine Spritztour mit dem Dinghy, dieses Mal ankern wir Florecita vor Waisaladup und schaffen einen neuen persönlichen Rekord für eine Inselumwanderung 🤩.

Pura Vida.

Was für Bären? Ein weiterer tierischer Hike in Panama

Für Abwechslung ist in Shelter Bay gesorgt. Nach zuletzt so vielen schönen sonnigen Tagen beginnt erst mal Schauerwetter und damit (bei den Temperaturen hier auch nachts) das beliebte Spiel “Fenster auf / Fenster zu”. Der Mittwoch ist dann total verregnet.

Dafür bietet allerdings das SPSN in der Lounge der Marina eine Info-Veranstaltung an. Die Abkürzung steht für South Pacific Sailing Network, Stephanie und Andy bringen eine sehr informative und kurzweilige (aber lange dauernde) Präsentation über die Inseln von den Marquesas bis Neuseeland.

Und wir treffen uns einige Male mit Cris und Ruedi von der schweizerischen “Pasito”, schnacken oder spielen.

(Mexican Train Domino)

Oder von Bord der Pasito aus das Krokodil im Hafenbecken beobachten. Hm, Schnorchelnd das Unterwasserschiff reinigen fällt für uns hier wohl aus. Ruedi hat sich davon allerdings nicht beirren lassen.

Heute aber ist es wieder richtig sonnig, wir schnüren die Wanderschuhe und bewegen mal wieder die Beine. Direkt an der Marina beginnt der Urwald, oft hören wir die Brüllaffen. Also wollen wir mal versuchen, ob wir sie auch zu sehen bekomme.

Bis zur ehemaligen amerikanischen Armeeanlage “Battery Stanley” ist der Weg gut, danach allerdings führt nur noch ein Pfad weiter.

Direkt hinter der Battery Stanley sehen wir tatsächlich die erste Affenfamilie. Allerdings sind es keine Brüllaffen, sonder Panama-Kapuziner-Affen, die hier durch die Bäume toben und uns mit herunterfallenden abgebrochenen Ästen auf sich aufmerksam machen.

Einmal mehr ist der weitere Pfad anfangs gut zu erkennen, diesmal bis wir zum ersten Mal das Meer erreichen. Ein kleiner steiniger Strand, ok. Aber nachher lockt schließlich eine größere Bucht mit Sandstrand, Badesachen haben wir dabei, also weiter. Allerdings wird es jetzt kniffliger, aber wir sind ja schon ganz gut geübt. Der Trampelpfad führt jetzt zumeist am Hochwasser-Spülsaum des Meeres entlang. Hört sich einfach an, ist es aber nicht, wenn Mangroven vorgelagert sind. Diese Salzwasser vertragenden Pflanzen verlagern den Spülsaum nämlich so, dass wir die Küste nicht mehr sehen, aber über die Wurzeln der Mangroven klettern müssen und trotzdem immer mal wieder durch knöcheltiefes Matschwasser waten. Da sind wir allerdings schon so weit, dass Umkehren auch keine Option ist.

Und noch eine weitere unschöne Erscheinung verbirgt sich im Wort Spülsaum, die wörtliche nämlich. Hier, mitten im Mangovenwald, findet sich eben auch ein breiter Streifen angeschwemmter Plastikflaschen, Flipflops, Ölkanister, Netzbojen und eben alles, was leider so an Plastikabfällen im Meer schwimmt. Grrr.

Als wir endlich den Sandstrand erreichen, lädt dieser nicht eben zum Baden ein. Diesmal ist es nicht angeschwemmter Plastikmüll. Der ist vermutlich auch da, wird aber vollständig überdeckt durch den sich derzeit in der Bucht sammelnden Sargassum-Seetang. Ein dicker Wall bedeckt den Strand, davor schwappt es braun in den Wogen hin und her.

Das war wohl nichts. Immerhin führt der Rückweg größtenteils über leicht begehbare Straße (wenn man von dem Teil absieht, auf dem wir eine völlig überwucherte Querstraße bis hin zu einem mit Kette verriegelten Tor gehen und wieder zurück müssen).

Aber hey, die Belohnungen für die Matschwanderung kommen schon noch. Und was für welche:

Als erstes erspäht Wiebke in den Bäumen einen dunklen Fleck im Gegenlicht. Ein Faultier? Nein, aber fast noch besser, ein naher Verwandter davon, den wir bisher noch nie gesehen haben. Ein Ameisenbär! Nicht blau wie Elise bei Paulchen Panther, auch nicht so tapsig, aber unververkennbar mit seiner langen Röhrenschnauze, dem vergleichsweise kleinen Mund und den runden Ohren.

Und dem langen Schwanz, den er zum Greifen verwendet und hier zur Sicherung um den dickeren Ast geschwungen hat:

Nicht ohne Grund, denn während wir ihn beobachten, knackt einer der dünnen Äste weg, aber davon lässt er sich nicht beeindrucken und futtert unbeirrt weiter die Ameisen oder Termiten auf dem Ast.

Als wir irgendwann doch weitergehen, sehen wir nur kurze Zeit später auch die erhofften Brüllaffen. Allerdings sind sie gerade ganz still, ist vielleicht besser für unsere Ohren.

Und auch das ist noch nicht das Ende. Unten auf dem Waldboden läuft ein Nasenbär. Anders als der Ameisenbär ist er nicht mit dem Faultier, sondern eher mit Mardern verwandt, aber auch er hat einen deutlichen “Gesichtserker”.

Und so kommen wir nach der Wanderung zwar sehr matschig, aber eben auch SEHR GLÜCKLICH wieder in der Shelter Bay an. Erstmal duschen und baden. Da war ja noch das Krokodil? Dann eben Pool.

Pura Vida.

Sei kein Frosch – Tierisches von Bastimentos zum Zweiten

Egal ob Ankerfeld- oder Marina-Lieger, die Community umfasst offenbar beides. Und so werden wir gleich zum gemeinsamen Boccia-Spielen am Nachmittag (mit anschließender Happy Hour in der Beach Bar) eingeladen, als wir bei der „Sava“ von Mel und Brian kurz hallo sagen. Wie wir sind sie ebenfalls ziemlich aktiv auf Noforeignland, ein paar Mal haben wir sie schon knapp verpasst, hier in Bastimentos passt es endlich. Ihren Blog (www.MelOnTheGo.com) verfolgen wir ebenso wie sie unseren Blog, schön, sie endlich mal live zu treffen.

Von Mel bekommen wir auch gleich den Tip, in welchem Baum wir mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Faultier finden. Tatsächlich ist es wieder da – und diesmal nicht allein. Eins weiter unten am Baum, gaaaanz langsam im Aufstieg begriffen. Wahrscheinlich hat es gerade sein Geschäft gemacht, einmal pro Woche kommen die Faultiere dafür auf den Boden herunter. Ein zweites Dreizehenfaultier mit einem Jungen auf dem Rücken ganz versteckt weiter oben im gleichen Baum, für uns nur sichtbar als ein Fellknäuel mit mehr Armen, als zu einem einzelnen Faultier gehören. Die Gesichter sind leider verdeckt. Dafür zeigt sich aber das untere Perezoso (so der hiesige spanische Name) ausnahmsweise perfekt in der Sonne.

Wiebke und ich wollen vor dem Boccia-Treffen noch einen kleinen Hike machen. Am Ende des Red-Frog-Beach schlängelt sich nämlich ein Pfad sehr küstennah durch den Wald hinüber zum nächsten Strand. Er ist nicht ganz einfach zu finden, andere Segler waren nur bis zu einem Sumpf gekommen und dort umgekehrt. Aber jetzt, nach einigen trockenen Tagen, kommen wir durch und können sogar einen Blick auf den nächsten Strand erhaschen. Dann aber kehren wir um, noch ein Bad in dieser ziemlich leeren Ecke des Red-Frog-Beach und wir kommen gerade noch rechtzeitig zum Boccia an.

Am nächsten Tag verlegen wir die Flora vor den kleinen „Hauptort“ von Bastimento. Das gibt uns die Gelegenheit für einen weiteren Hike hinüber zur Nordseite, diesmal zum Wizard Beach. Wiebkes Wander-App „Komoot“ weist verschiedene Wege dahin aus, wir entscheiden uns für den Weg über den höchsten Punkt der Insel. Sind nur 73 m, das sollte nicht so schwer sein.

So kann man sich irren! Dabei verläuft der erste Teil des Anstiegs sogar noch durch das Dorf, also auf Wegen. Danach geht es auf einem Pfad weiter durch den Wald, ab und zu mal eine Hütte, Bananenplantagen, es bleibt bis hier hin einfach. Der Weg teilt sich, ein Wegweiser möchte uns nach rechts zu Strand schicken. Aber geradeaus geht es auch, auf dem Kamm des Bergrückens. Das ist der Weg, den wir uns ausgesucht haben, denn er beinhaltet sowohl den Gipfel als auch die Nordspitze der Insel und führt mit diesem Umweg am Ende auch zum Wizard Beach. Weiter, jetzt ein bisschen bergauf und bergab, wird der Weg immer schwerer zu erkennen, er ist offenbar nicht mehr oft benutzt. Einzelne kleine Felder mit Bananenstauden wirken unbewirtschaftet, der Wald wird dichter. Dafür springen um so mehr Frösche um unsere Füße. Hatten wir zuvor (auch bei dem Hike gestern) immer hohe spitze Schreie ausgestoßen, wenn wir endlich einen der kleinen roten Pfeilgiftfrösche zu sehen bekamen, müssen wir jetzt zunehmend aufpassen, nicht auf sie drauf zu treten.

Hört sich übertrieben an? Ist es nur hinsichtlich der Schreie!

Die Frösche sind wirklich überall. Und jetzt, wo wir darauf achten, sehen wir auch diverse andere ebenso kleine Frösche.

Wobei die gelb-grüne Variante mit den dunklen Punkten tatsächlich eine andere Farbvariation des „Erdbeerfröschchens“ ist. Als ich das nachlese, erfahre ich auch, dass die Pfeilgiftfrösche ihr Gift über die Haut abgeben, die Pfeile werden deshalb nur über den Rücken der Tiere gestreift. Ein Geburtstagstelefonat mit Uwe in Hamburg ergibt zudem, dass die kleine Frösche im letzten Tatort eine Rolle gespielt haben, nette Parallele. Das Gift produzieren die Frösche übrigens nicht selbst, sondern reichern es aus ihrer Hauptnahrung (nämlich Schuppenameisen) an und scheiden es dann eben über Drüsen wieder aus.

Als wir weiter wandern, bilden an lichten Stellen von die Luftwurzeln richtige Vorhänge. Aber die weniger dicht bewachsenen Stellen werden seltener, immer öfter verliert sich der Weg durch den Urwald mehr und mehr im Dickicht. Die Kontrolle auf dem Handy aber sagt: wir sind immer noch richtig.

Inzwischen rutschen wir die Steigungen mehr oder weniger rauf und runter. Und ich habe ein Stöckchen in der Hand, mit dem ich uns den Weg zum Wizard Beach freizaubere. Immer schön auf und ab bewegen, der kleine Zauberstab ist wirklich wichtig geworden. Die giftigen Spinnennetze der Goldenen Seidenspinne sind zwar für Menschen völlig ungefährlich, aber eben doch lästig und die Spinnen selbst auch ziemlich eindrucksvoll. Die größte die wir sehen ist mit Beinen etwa handtellergroß. Im Hintergrund sieht man schon gleich die nächste.

Auf dem zweiten Bild sieht man über dem großen Weibchen das viel kleinere Männchen.

Zweimal müssen wir ein Stück zurück, weil wir den Weg doch verloren haben und da jeder Schritt in dem rutschigen und steilen Urwald wohl gesetzt sein will, wird es einer der anstrengendsten Hikes, den wir bisher gemacht haben. Aber es lohnt sich. Vögel bekommen wir zwar nur wenige zu sehen, aber neben dem Klopfen von einigen Spechten hören wir vor allem immer wieder den auffälligen Ruf des Montezumastirnvogels. Den kennen wir (wie die Erdbeerfröschchen) schon aus Costa Rica. Leise nähern können wir uns auf diesem schwierigen Geläuf leider nicht, und so verstecken sich die schönen etwa 50 cm großen Vögel mit ihrem im Flug auffallend gelben Schwanz und der roten Schnabelspitze ziemlich erfolgreich vor uns. Einen erwischen wir aber doch einigermaßen vernünftig mit der Kamera:

Und wir schaffen es zur felsigen Nordspitze der Insel.

Es ist so abgelegen, dass wir mit ein bisschen Mühe sogar eine Kokosnuss ernten können (die wir dafür allerdings den ganzen Rückweg schleppen müssen).

Von der Nordspitze aus ist es, mal über die Felsen, mal wieder durch den nicht weniger rutschigen Urwald aber dann doch noch ein ganz schönes Stück bis wir endlich am Wizard Beach ankommen. Ein herrliches Gefühl, als sich der Wald öffnet und wir diesen traumhaften Strand vor uns fast für uns alleine haben.

Wir baden, stärken uns mit mitgebrachten Müsli-Riegeln, und dann geht es auf einem anderen, kürzeren und durchgängig gut erkennbarem Weg wieder zurück zum karibisch bunten Ort und zur Flora. Nur 6 km Wanderung und etwas über 2 Stunden reine Wanderzeit ohne Pausen. Unfassbar, dass die so anstrengend sein können. Wir Weicheier. Aber jedem, der versucht ist, diesen Hike auch zu machen kann ich nur sagen:

Sei kein Frosch 🐸 😉.

Pura Vida.

Red & Green

Grün und Rot sind ja nun mal elementarer Bestandteil beim Segeln. Als Beleuchtung für das Boot (in Fahrtrichtung rechts = Steuerbord = Grün, in Fahrtrichtung links = Backbord = Rot). Oder als Betonnung, wobei es da etwas komplizierter ist. Auch wenn man sich bei der Lichterführung der Schiffe einig ist, gibt es bei der Betonnung quasi zwei Welten. In Europa (so haben wir es gelernt), Afrika, Australien, Neuseeland und weiten Teilen Asiens gilt das Betonnungssystem A. Von See kommend in einen Hafen oder Fluss einlaufend stimmen die Tonnen mit den Lichtern des eigenen Schiffes überein, also rechts grüne Tonnen, links rote Tonnen. Anders dagegen beim Betonnungssystem B in Nord- und Südamerika, Japan, Korea und den Philippinen: da ist es genau umgekehrt. “RRR” merken sich das die Amerikaner. Red Right on Return.

Warum jetzt dieser Ausflug in die maritime Farbenlehre (noch dazu, wo wir doch eigentlich Blauwassersegler sind)?

Panama haut uns einfach um. Soooo viel Grün! Die letzten Ankerplätze mit ihren Mangroveninseln, natürlich, selbst das Wasser ist eher grün als blau, die Palmen an den Stränden und die Laubbäume auf den hügeligen Rücken der etwas höheren Inseln: Variationen von grün. Da bleiben wir erstmal einfach noch länger am Ankerplatz, bewegen uns nicht weg und genießen.

Zumal wir Gesellschaft bekommen. Keine weiteren Ankerlieger, sondern einen anderen Besuch:

Mehrfach zeigen sich Delfine, keine großen Schulen, aber oft nah am Boot. Und auch andere Flossen entdecken wir. Erst scheint ein Einbaum-Kanu vorbei zu treiben, aber herrenlos ist es dann doch nicht.

Mit sagenhafter Ausdauer ist ein Local im 10 m tiefen Wasser auf der Jagd nach Krebsen. Auf die Einbäume war ich ja schon eingegangen, sie sind hier offenbar noch weit verbreitet. Oft in alter Weise eher grob behauen oder ausgebrannt, kommen immer mal wieder Fischer mit ihnen vorbei gepaddelt.

Abends kündigen sich mit dramatischer Wolkenformation – beleuchtet durch die auf der gegenüber liegenden Seite untergehende Sonne – Schauer an.

Tatsächlich regnet es nachts heftig und schauert auch noch am nächsten Morgen. Gegen Mittag aber hört der Regen auf. Wir verholen wir dann doch mal, bleiben aber im Gebiet. Um Nancy Cay herum fahren wir zur Isla Bastimentos.

Den bunten Hauptort der Insel am Nordwestende passieren wir, schlängeln uns wieder durch Mangroveninseln und ankern vor der Red Frog Marina. Dort können wir geschützt liegen, haben eine kleine Einkaufsmöglichkeit, können Diesel bunkern und – der Hauptgrund – uns mal wieder die Füße vertreten. Denn vom Dinghydock in der Marina aus führen Wege quer über den hier schmalen Inselrücken zu den Atlantik-Stränden im Norden.

Das probieren wir gleich aus, zumal sich inzwischen die Sonne immer mal wieder, wenn auch nicht dauerhaft, durchsetzt.

Das Beste aber: auf unserer Wanderung präsentiert sich uns die mittelamerikanische Tierwelt, wie wir sie aus Costa Rica kennen und lieben. Wir können einmal mehr ein (Dreizehen-)Faultier erspähen:

Und wir finden auch den Namensgeber der Marina. Erst hören wir die eher an Vogellaute erinnernden Rufe und entdecken dann etwas abseits des Weges auch die dazu gehörenden Frösche:

Die Froschbilder sind alle nicht farblich bearbeitet. Anders als der „Blue Jeans Frosch“ den wir aus Costa Rica kennen, hat dieser verwandte Pfeilgiftfrosch keine blauen Beine, dafür aber weiße Finger. Und er ist etwas „größer“, etwa wie ein Daumennagel. Man muss also trotz der Farbgebung schon genauer hinschauen, um sie zu entdecken. Das muss gefeiert werden 😉

Pura Vida.

Isla Boca

Eigentlich heißt sie Isla de Colon, aber in immer mehr Karten taucht sie als Isla Boca auf. Wohl, weil hier der Hauptort Boca Town liegt, vielleicht auch weil sich hier der Anlaufort für die Fähre und auch der kleine Flughafen befinden, die eben sozusagen das ganze Bocas del Toro Archipel abdecken.

Wir mieten uns Fahrräder, um die knapp 14 km lange uns 7 km breite Hauptinsel zu erkunden. Uns werden E-Bikes mit dicken Ballonreifen empfohlen. Ein nettes Gimmik? Nein, das hat schon seine Berechtigung. Die zwei Straßen sind vielfältig, aber meist eher schlecht 😉. Schlaglöcher im Asphalt, längere Schotterstrecken und – da machen die dicken Pneus sich richtig gut – auch Sandpisten. Und der kräftige Elektroantrieb hilft uns auch mehr als gedacht. Auf der Strecke von Bocas Town nach Bocas del Drago geht es längs auf dem Inselrücken entlang und dabei unerwartet oft und steil die Hügel hoch. Das hat aber auch zur Folge, das die Vegetation mehrfach wechselt. Die Palmen werden mehr und mehr durch hohe Bäume abgelöst, dazwischen immer wieder Weiden mit Kühen. Dann wieder wilde Bananenstauden am Straßenrand („Panama riecht von oben bis unten nach Bananen“ sagt der Bär zum Tiger in Janoschs Klassiker Oh wie schön ist Panama. Wir treffen mehrere Staßenbaukolonnen, die die wuchernden Bananenstauden zurechtstutzen.

Die Luftwurzeln des gleichen Baumes nochmal aus anderer Perspektive
Kuhweide

Aber an unserem ersten Ziel, Boca del Drago, sind wir wieder am Strand angekommen. Und an was für einem:

Boca de Drago ist die Einfahrt in das Archipel, die wir bei unserer Ankunft mit Flora genommen haben.

Hier ist die Straße zu Ende, zu Fuß gehen wir aber noch etwa 2 km weiter zum Playa Estrella, dem Strand der Seesterne. Lanchas bieten ihre Dienste an, aber wir verzichten auf die Bootstaxis. Wir haben gehört dass die Wanderung schön sein soll. Das ist sie denn auch ohne Zweifel. Mal direkt an dem fast immer palmengesäumten Ufer entlang, mal etwas schattiger ein kleines Stück hinter dem Strand windet sich der schmale Pfad.

Und immer wieder gibt es tolle Ausblicke.

Der Seesternstrand ist dann zwar schön, aber auch ziemlich mit Hütten zur touristischen Versorgung bestückt. So genehmigen wir uns hier nur einen Drink und dann gehts zurück. Auch mit den Fahrrädern, denn die Straße ist im wesentlichen eine Sackgasse. Erst kurz vor Boca Town biegt eine weitere Straße (also: die andere) ab und führt an die Nordküste der Insel.

Auch die lassen wir uns nicht entgehen, zu gerne wollen wir sehen, warum es die Wellenreiter hierhin zieht. Erst einmal aber entdecken wir andere Gleichgewichtskünstler. Eine Familie Mantelbrüllaffen zieht über uns durch die Bäume am Weg.

Dann aber haben wir die Surfer-Strände erreicht. Der Wind ist eher mau heute, aber offenbar reicht die Brandung trotzdem:

Also ab in die Surfer-Bar am Paunch Beach, noch ein bisschen schauen und lecker essen. Wir sind nämlich trotz E-Bike ziemlich geschafft. 44 Kilometer Radfahrt und 4 km Wandern werden es am Ende sein. Und das mit unseren inzwischen offenbar verweichlichten Seebeinen 😚.

Am nächsten Tag ist eher „Hausarbeit“ angesagt. Unsere Waschmaschine gibt leider gleich beim ersten Waschgang den Geist auf. Grr. Die Trommel scheint nicht frei zu drehen. Wir wuchten die Maschine aus ihrem engen Schrank im vorderen Bad und nehmen sie auseinander.

Zum Laufen bekommen wir sie nicht, aber immerhin können wir die Spezifikation des wahrscheinlichen Übeltäters, nämlich des Lagers der Trommel ausmachen. Wenn wir das Lager bestellen, könnte es in 7 bis 10 Tagen hier sein und ein örtlicher Mechaniker könnte es wechseln. Vielleicht.

Zeitangaben sind hier in Panama mit etwas Vorsicht zu genießen. Unsere Cruising Permit haben wir beantragt. Ich sollte in ein bis zwei Tagen vorbeikommen, dann sei es eingegeben und könnte (nach Bezahlung) übermittelt werden. Heute war ich wieder da. Nee, geht leider noch nicht. Das Internet im Büro funktioniert nicht. Meine Nachfrage ergibt: hat es auch die ganze letzte Woche schon nicht getan. Aber man arbeitet daran. Auch das ist …

Pura Vida.